Arendal 1723 Tower THX - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de Audio & Heimkino. Ernst genommen. Sun, 14 Jun 2026 20:14:43 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://www.hifigeek.de/media/cropped-hifigeek.de-512-32x32.png Arendal 1723 Tower THX - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de 32 32 60029611 Arendal 1723 Tower THX — Giantkiller mit Bodenhaftung https://www.hifigeek.de/arendal-1723-tower-thx-giantkiller/ https://www.hifigeek.de/arendal-1723-tower-thx-giantkiller/#respond Sun, 15 Feb 2026 15:00:00 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=9981 Ich hatte sie schon lange auf dem Schirm. Nun endlich stehen die Arendal 1723 Tower hier zum Test. Was diese feinen Boliden leisten, wie sie verarbeitet sind und warum sie das Schnäppchen sind, das sie versprechen, gibt’s jetzt hier – ungeschönt.

Disclaimer: Die Arendal 1723 Tower THX wurden mir von Arendal für den Test kostenlos zur Verfügung gestellt. Es gibt jedoch keine Einflussnahme auf meine ungeschönte Meinung und Ergebnisse. Arendal hatte keinen Einfluss auf den Testaufbau und steht in sonstiger Hinsicht in keiner Beziehung zu diesem Review.

Arendal 1723 Tower Review auch auf Youtube:

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Arendal Sound

Oh, Arendal. Einigen wird diese norwegische Lautsprecher-Schmiede bereits bekannt sein, für andere wird sie gänzlich neu und spannend sein. Aber machen wir doch erst einmal einen Ausflug in den rauen Norden.

Am liebsten würde ich jetzt schreiben: Hoch im kalten und rauen Skandinavien, wo harsche Winde und eisige Wellen die Landschaft einst formten, wo Winter noch Winter sind und teils Monate kein Sonnenlicht den Tag erhellt. Wo Mythen von Trollen die Runde machen und die Landschaften noch unberührt sind.

Naja, Arendal liegt genau genommen an der Südküste von Norwegen und ist demnach gar nicht so hoch im Norden, wie man meinen mag. Zwar sind die Winter dort sicherlich noch eine andere Hausnummer als bei uns und die Landschaften wirklich schroffer – bis zu malerischen Fjorden und Fjells ist aber noch ein gutes Stück Fahrt nötig. Ich will das auch gar nicht schmälern, da Norwegen in meinen Augen bisher das schönste Land ist, das ich bereisen durfte.

Arendal Sound ist nach der Küstenstadt Arendal benannt und zählt zu den jüngeren HiFi-Marken da draußen. 2015 gegründet, haben sie eine steile Entwicklung hinter sich und können mittlerweile drei ausgewachsene Lautsprecher-Serien vorweisen. Ich glaube behaupten zu können, dass keine im unteren Einsteiger-Segment angesiedelt ist – Arendal Sound macht keine Gefangenen.

Arendal Sound hat sich als Direktvermarkter wie z. B. Teufel, XTZ oder auch Nubert etabliert. Die Vorteile liegen auf der Hand: Direktvermarkter können mit dem Aussparen des länderspezifischen Vertriebs und des Handels ein lukratives Preis-Leistungs-Verhältnis liefern. Leider werden Direktvermarkter ein ums andere Mal gerade auf HiFi-Messen ein wenig belächelt und von Händlern oft mit Argwohn beäugt.

Dies ist aber in meinen Augen eher ein gutes Zeichen! Zwar weiß ich, dass gerade die Boomer-Generation große Stücke auf selbsternanntes „Fachpersonal“ legt und sich liebend gerne von ihnen beraten und weisen lässt. Dennoch bin ich guter Dinge, dass meine Leser ein wenig kritischer sind und sich so auch ganz gut ihre eigene Meinung bilden können.

Arendal Sound produziert wie viele Premium-Marken in Fernost – genauer gesagt in China. Ihr Slogan fasst es treffend zusammen: Conceived in Norway. Born in China. Raised by you. Was negativ klingen mag, ist es keineswegs. Gerade bei hochwertiger Massenfertigung bleiben die Preise kundenfreundlich. Auch wenn die Inflation Arendal nicht verschont: Bei der Markteinführung Ende 2017 kosteten die Arendal 1723 Tower noch 2.700 € – heute ein echtes Schnäppchen!

Arendal Sound Serien

Wer Arendal Sound noch nicht kennt, für den habe ich jetzt mal kurz eine kleine Übersicht, was man so von dem Direktversender erwarten kann. Arendal Sound gliedert sich in drei Serien: 1961, 1723, 1528. Die Serien sind nach bedeutenden historischen Daten der norwegischen Hafenstadt Arendal benannt.

Die 1961er Serie markiert den Einstieg in die Arendal-Welt. In dieser Serie gibt es alle erdenklichen Lautsprecher-Typen und bei den Standlautsprechern liegen wir bei 1.900 € Paarpreis.

Die 1723er Serie markierte bis Ende 2024 Arendals High-End-Referenz- und Flaggschiff-Serie. Diese unterteilt sich noch einmal in die „normale“ 8‑Zoll-Treiber-Serie und eine etwas kleinere 6,5‑Zoll-Treiber-Serie. Wie bei den 1961ern auch, gibt es hier die volle Bandbreite an verfügbaren Lautsprecher-Typen, und bei den Standlautsprechern liegen wir bei 3.800 € respektive 3.100 € Paarpreis.

Die 1528er Serie markiert seit Ende 2024 Arendals Ultra-High-End-Referenz- und Flaggschiff-Serie. Diese ist als Spitze des Eisbergs zu verstehen und ebenfalls für wirklich große Hörräume gedacht. Wie bei den anderen beiden Serien gibt es eine breite Bandbreite an Lautsprechern. Speziell zu erwähnen ist in meinen Augen z. B. der unglaubliche Center-Lautsprecher: Mit 1,35 m Breite, 29 cm Höhe und einem Gewicht von satten 82 kg versteht Arendal keinen Spaß. Bei den Standlautsprechern liegen wir hier bei einem Paarpreis von 9.900 €.

Arendal 1723 Tower THX — Imposanz

Die Arendal 1723 Tower THX sind ausgewachsene Lautsprecher, die eventuell schon einen Hörraum größen- und leistungstechnisch sprengen können. Die THX Ultra Zertifizierung ist hier nicht nur als Heimkino-Prädikat zu sehen, sondern spiegelt in erster Linie wider, dass die Lautsprecher für extreme Pegel ohne Verzerrung gemacht wurden. 112 dB unverzerrt, im Peak 124 dB bei Musiksignalen, sind schon mal eine Ansage.

Wer solche irren Lautstärken fahren möchte, muss aber auch das nötige Kleingeld haben, um eine Endstufe mit 500+ Watt/Kanal an die Arendal 1723 Tower zu hängen.

Die Arendal 1723 Tower sind aber auch keine Spargel-Tarzane. Mit 119 cm Höhe und 27,5 cm Breite sowie einem Gewicht von 50,6 kg pro Stück bekommt man hier richtig viel Material für sein Geld. Bei einer Tiefe von knapp 40 cm muss der Hörraum aber auch das gewisse Etwas an Raumtiefe bieten – mit Abstand zur Wand sind schnell 60–70 cm belegt.

Unboxing und Lieferumfang

Die Arendal 1723 Tower THX kommen natürlich auf einer Europalette per Spedition. Hier sollte man sich eine zweite Person zur Hilfe holen, denn das Handling der Kartons und des Gewichts ist nix für schwache Nerven. Ich habe sie alleine bewegt und aufgestellt und kann sagen: absolute Grenze des Machbaren. Wer hier einmal unachtsam ist, wird dies später bitter bereuen.

Nachdem ich den ersten massiven Karton in meinen Hörraum verfrachtet hatte, ging es ans Unboxing. Die Lautsprecher sind fabelhaft verpackt. Sie ruhen in zwei dicken, ineinander geschachtelten Kartons und sind dann mit äußerst stabilen Schaumstoff-Teilen in Position gehalten. Geschützt werden sie weiterhin durch einen Baumwollsack, welcher sich natürlich empfiehlt, erst nach der Montage der Traversen und Aufstellung zu entfernen.

Ich für meinen Teil habe den jeweiligen Lautsprecher auf die Unterkante des Kartons gehoben und hatte so die Möglichkeit, problemlos die Traversen und Spikes zu installieren. Ich habe mich für die Spikes entschieden, es liegen aber auch Gummifüße bei.

Nach der Installation der Traversen und Spikes am Arendal 1723 Tower habe ich den Hebel des Kartons und des unten aufliegenden Lautsprechers genutzt, um diesen vorsichtig auf meinem Teppich auf die Spikes zu stellen. Hier müsst ihr echt vorsichtig sein und einiges an Muskelkraft aufbringen, wenn ihr dies alleine machen wollt. Es befindet sich keine Abdeckung auf den empfindlichen Treibern! (liegt separat im Karton) Besser zu zweit.

Natürlich habe ich dann direkt den Baumwollsack entfernt, weil ich mir die guten Stücke ansehen wollte. Was soll ich sagen? Ich glaube, das war der erste Moment, in dem ich ein wenig Kribbeln verspürt habe und noch mal in mich ging.

Design, Verarbeitung und Aufstellung

Da standen nun diese massiven Arendal 1723 Tower vor mir – imposant in jeder Hinsicht. Arendal verzichtet, anders als schon fast branchenüblich, auf Gehäuse aus MDF und setzt auf HDF. High-Density-Fiberboard ist um ein Vielfaches dichter und stabiler als MDF und sorgt für noch steifere, resonanzärmere Gehäuse.

Die mir zugesandten Arendal 1723 Tower sind matt weiß lackiert. Die Lackierung ist tadellos. Ich habe die Lautsprecher überall nach Imperfections abgesucht, aber konnte beim besten Willen nichts beanstanden. Saubere Gewinde, einheitliche Lackierung, keine Staub- oder Lufteinschlüsse, keine unliebsamen Kanten. Das Anschlussterminal sitzt satt und sauber in der Rückseite des Lautsprechers. Die Eloxierung der massiven Aluplatte, auf der die rhodinierten Anschlussterminals installiert sind, ist ebenfalls mackenfrei.

Ja, ich weiß, das sieht man nicht unbedingt, aber ich versuche das Haar in der Suppe zu finden. Spoiler: hab ich nicht gefunden.

Die Terminals sind massiv und wurden zur Korrosionsbeständigkeit rhodiniert. Ich habe aus Interesse die Gewinde mal bewegt, nur um zu sehen, wie sauber sie gearbeitet wurden. Generell benutze ich die Lautsprecher mit Bananensteckern. Natürlich sind die Lautsprecher bi-amp- / bi-wiring-fähig. Dennoch: Arendal liefert bei den 1723 Towern jeweils zwei massive, vorinstallierte rhodinierte Kupferbrücken mit. Da ich vorhabe, die Lautsprecher primär erst einmal mit den Burson Audio Timekeeper GT4 Max zu testen, kann das auch so bleiben.

Zum Schutz der empfindlichen Treiber – oder vielleicht für den ein oder anderen aus optischen Gründen – liegt jedem Lautsprecher natürlich noch eine Abdeckung bei. Diese ist (natürlich!) massiv und schwer verarbeitet und hält mit starken Neodym-Magneten optisch unsichtbar an den Lautsprecherfronten. Da bewegt sich nix weg, und wenn man mal dagegenkommt, wird das die Lautsprecher zuverlässig schützen.

An der Rückseite der Arendal 1723 Tower gibt es noch drei 2,6‑Zoll‑Ports. Diese sind ab Werk mit Schaumstoff-Plugs verschlossen, da sich die Lautsprecher „sealed“ und „ported“ betreiben lassen.

Wer die Lautsprecher in ihrer Seitenansicht betrachtet, dem fällt auf, dass die Lautsprecher nicht im 90‑Grad‑Winkel zum Boden einfach gerade nach oben verlaufen, sondern wie ein Parallelogramm nach hinten geneigt sind. Dies hat folgende Vorteile:

  • Ästhetik & Stabilität: Dynamisches Erscheinungsbild, niedriger Schwerpunkt mit Outrigger-Füßen.
  • Time-Alignment: Tweeter und Midbass erreichen den Hörplatz zeitgleich (akustische Zentren ausgerichtet), reduzieren Phasenfehler für präziseres Imaging.
  • Optimale Achse: Geneigter Sweet-Spot bei Sitzhöhe (ca. 1 m Ohrhöhe), bessere Hochton-Integration.
  • Weniger Diffraction: Glatte Front minimiert Beugungsspitzen, homogenere Abstrahlung.

Zum Design der Arendal 1723 Tower THX bleibt von meiner Seite her zu sagen, dass ich sie sehr ästhetisch finde. Es sind ausgewachsene, große, massiv dastehende Lautsprecher, die beim Hereinkommen in den Raum das Gefühl vermitteln, dass hier nicht gespaßt wird. Bei kleineren Lautsprechern denkt man immer erst: „Hoppla, hier wird immer erzählt, hier steppt der Bär, aber die Lautsprecher gehen mir gerade bis zur Hüfte …“ oder: „Ach! Das sind also Regallautsprecher, die du hast. Wenn du immer erzählst, dass du viel Musik hörst, habe ich immer an große schwarze Lautsprecher wie auf Konzerten gedacht.“

Wir wissen alle, dass es sich bei den meisten dieser Äußerungen um Unwissenheit handelt, und sobald meist der erste Ton spielt, weiß auch der Besuch, dass es hier wirklich ernsthaft wird. Bei den Arendal 1723 Towern aber kommt einem direkt ein „WOW“ entgegen. Sie sehen nach dem aus, was sie sind. Nicht mehr und nicht weniger.

Für die Boomer- und Holz-Fraktion könnten die Arendal 1723 Tower eine harte Nuss sein. Ich ordne sie klar dem modernen Design zu – kein nobles Möbelstück mit Edelholz, sondern puristisch und funktional. Arendal bietet lediglich Satin Black oder Satin White an, was perfekt in zeitgenössische Wohnräume passt. Ich selbst habe mich auf weiß-matt eingeschossen und finde es zeitlos elegant, doch ich verstehe den Hang zur Wärme und zum Status edler Holzfinishes absolut.

Aufstellung

Arendal bietet einen exzellenten Aufstellungs-Guide, der sich wirklich lohnt. Grob variiert die optimale Position je nach Szenario:

  • Für Musik: Zuerst exakt auf den Hörplatz toe-in, dann leicht öffnen für maximale Bühnenbreite (individuell nach Vorliebe).
  • Für Heimkino: Symmetrische Ausrichtung direkt auf den Hörplatz – dank des Waveguide-Designs minimieren die Arendal 1723 Tower seitliche Reflexionen sogar in unbehandelten Räumen und liefern präzisen Richtcharakter.

Abmessungen

SpezifikationWert
Abmessungen (H/B/T ohne Füße)115 × 27,5 × 40 cm​
Mit Füßen (H/B/T)119,1 × 37 × 40 cm​
Gewicht (inkl. Spikes)50,6 kg​
GehäuseHDF (High Density Fiberboard), versiegelt/ventiliert (3 × 2,6″ Ports)​
FinishSatin Black / Satin White​

Tech-Specs

Die Arendal 1723 Tower THX sind nach dem Prinzip entstanden: nicht kleckern, sondern klotzen! Wenn man allein die brachiale Optik sieht: Das Gehäuse ist an der Front von oben bis unten mit 8‑Zoll‑Mittel- und Tiefton-Treibern gespickt, die speziell für Arendal gefertigt wurden und es ermöglichen, mit „nur“ 119 cm Höhe auszukommen. Der Hochtöner sitzt ebenfalls in einem 6,5‑Zoll‑Waveguide. Somit ergibt sich eine technisch anmutende Front.

Die Arendal 1723 Tower sind nach dem 2,5‑Wege‑Prinzip gebaut. Sie nutzen eine modifizierte D’Appolito-Anordnung. Klassisch handelt es sich normalerweise um eine MTM-Anordnung (zwei Midbass + zentraler Tweeter). Wegen des 2,5‑Wege‑Systems, das Phasenfehler vermeiden soll, wurde das System aber nicht mit einem separaten Mitteltöner ausgestattet, sondern besitzt homogen custom-designte 8‑Zoll‑Membranen, die Bass und Midrange abbilden können. Die drei unteren fokussieren sich auf den Tiefbass, während der obere mit dem Tweeter zusammen Midbass und Höhen übernimmt.

So ergibt sich ein Crossover bei 120 Hz (Bass-Trennung) und 1.500 Hz (Mid/High).

Die nominale Impedanz der Lautsprecher beträgt 4 Ohm und sie sind mit einer Sensitivität von 92 dB / 2,83 V / 1 m relativ effizient und leicht anzutreiben. Das ist überraschend, da man bei so ausgewachsenen Lautsprechern auch durchaus anderes gewohnt ist.

Die Arendal 1723 Tower sind zwar mit einer typischen „In-Room Bass Response“ von 16 Hz und einem linearen Frequenzverlauf von 37 Hz–20 kHz angegeben, man sollte aber davon ausgehen, dass sie in einem akustisch behandelten Raum vielleicht irgendwo bei ~25–30 Hz nutzbaren Bass produzieren.

Daraus ergeben sich zwei Erkenntnisse: Die Arendal 1723 Tower spielen extrem tief und sind so geeignet für Leute, die gerne ohne Subwoofer auskommen wollen. Hier empfiehlt es sich natürlich, an der Endstufe nicht zu sparen. Mit den angegebenen 112 dB schaffen die Lautsprecher das darüber hinaus auch mit hohen Pegeln.

Des Weiteren lassen sich die Arendal 1723 Tower – wie weiter oben schon erwähnt – sealed und ported betreiben. Das ist insofern interessant, als man sie nicht unbedingt offen betreiben muss, wenn man ohnehin vorhat, einen Subwoofer mit in die Kette zu nehmen, und so ein geschlossenes und damit noch responsiveres Hörvergnügen bekommt. Abgesehen davon, dass man sie so auch näher an die Wand stellen kann, ohne negative Effekte befürchten zu müssen.

SpezifikationWert
Design2.5‑Wege​
Treiber28 mm Tweeter (mit Waveguide), 4 × 8″ Woofer​
Frequenzgang (-6 dB, anechoisch)37 Hz–20 kHz​
F3 (anechoisch)45 Hz​
Sensitivität92 dB / 2,83 V / 1 m​
Impedanz4 Ohm nominal​
Crossover-Frequenzen120 Hz / 1500 Hz​
Empfohlene VerstärkerleistungBis 500 W RMS @ 4 Ohm​

Klang und Höreindrücke

Okay! Stehen die Arendal 1723 Tower erst einmal an Ort und Stelle und sind ordentlich verkabelt, steht dem ersten Hören nix mehr im Weg. Nach der Pflicht folgt also die Kür – und natürlich kenne ich einige Reviews zu den Lautsprechern, was meine Erwartungen in astronomische Höhen befördert hat.

Platz genommen, Eversolo DMP-A6 und Burson Timekeeper GT4 Max angeschmissen. Natürlich wird wie immer zuallererst meine Qobuz Metal-Referenz-Playlist zu Rate gezogen. Diese ist für alle frei verfügbar und darf gerne zur besseren Nachvollziehbarkeit benutzt werden. Des Weiteren bin auch ich nicht ganz resistent gegenüber der Musik, die oft von Herstellern und Händlern auf Fachmessen herangezogen wird, und habe mal eine kleine Sammlung an Referenz-Musik angelegt. Dennoch finde ich, ist diese mit Vorsicht zu genießen, weil diese Songs tendenziell immer gut klingen, da hier mehr Bass-Quantität vor wirklicher klanglicher Qualität geht. Interessant sind sie dennoch.

Arendal 1723 Tower × Eversolo DMP-A6 + Burson Timekeeper GT4 Max

Okay! Bass-Port-Plugs raus, dennoch habe ich mir direkt die Mühe gemacht und das neue Einmess-Feature vom Eversolo benutzt. MiniDSP UMIK‑1 (kalibriertes Messmikrofon) ans iPad Air gehängt und den Wizard durchlaufen lassen. FIR-Filter erstellen lassen und Profil auf „linear“ gestellt. Ja, ich weiß, viele lieben eher so ’ne Harman-Curve, aber ich finde linear mit einer leichten Bassanhebung noch ’ne Ecke geiler.

Der Aha-Effekt kam sofort! Ja, die Arendal 1723 Tower sind bewusst ein Hybrid zwischen Musik und Heimkino, aber dass sie so musikalisch mitmachen, hatte ich nicht erwartet. Sie stehen den Amphion Argon3S in der Klarheit und Bühne in nichts nach! Hier findet ihr übrigens den Test zu den Amphion Argon3S. Natürlich haben die Arendal 1723 Tower mehr Body und Tiefe.

Ich musste mich erst ein wenig fangen, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass sie gerade für Musik so ultra gut funktionieren.

Haben wir hier wirklich einen Giantkiller?

Ich bin ebenfalls schuldig, wenn es um Hype-Trains geht, aber ich glaube bzw. weiß, dass es da draußen manchmal das eine Produkt gibt, das ein Unicorn darstellt und selbst Produkte, die ein Vielfaches kosten, in den Schatten stellt.

Natürlich habe ich alles unternommen, um mir irgendwie sicher zu sein: 50 Stunden einlaufen lassen, wie Arendal es empfiehlt, an der Platzierung gefeilt, mit und ohne Einmessung gearbeitet. Ich hatte bereits das Glück, einiges hören zu dürfen, und ich glaube, die Arendal 1723 Tower machen so einiges richtig.

Ich muss meine Euphorie zügeln, um seriös zu bleiben – innerlich bin ich am Durchdrehen. Wer keinen Boutique-Lautsprecher mit überhöhter Neutralität sucht und nicht zwingend 13.000–15.000 € investieren will, findet im Arendal 1723 Tower einen echten Endgegner. Ab dieser Preisklasse werden Frequenzweichen, Gehäuse und Komponenten noch exklusiver – aber die Luft im Portemonnaie merklich dünner.

Genau dies ist für mich die Definition eines Giantkillers. Er spielt in das Zwei- bis Dreifache seines Budgets, und man muss sich gar nicht schlecht fühlen, wenn man die Konkurrenz sieht. Hier haben wir in der Tat einen Lautsprecher, der – wenn man bereit ist, das Geld in die Hand zu nehmen – das Budget bis zum letzten Cent ausreizt. Ich kenne wirklich nicht viele so herausragende Produkte im HiFi-Bereich. Bin aber immer wieder dankbar, dass sich ein Hersteller traut, das Preisgefüge ein wenig aus dem Gleichgewicht zu bringen, um die Preise irgendwie noch am Boden zu halten.

Heimkino vs. HiFi

Jetzt kommen mir einige sicherlich mit der Argumentation, dass es sich doch schließlich um Heimkino-Lautsprecher handelt. Schließlich werden sie recht stark als solche beworben und auf ihnen prangt das THX Ultra Zertifikat.

Also: Kann man die Arendal 1723 Tower THX denn wirklich für Musik empfehlen? Hierauf habe ich ein ganz klares Ja! zu entgegnen. Absolut und uneingeschränkt! Ich weiß es nicht genau, aber wenn man einen guten HiFi-Lautsprecher baut, kommt da meist ein guter Heimkino-Lautsprecher bei raus – vor allem, wenn man die paar Feinheiten beachtet, die er als hervorragender Heimkino-Lautsprecher braucht.

Die Arendal 1723 Tower spielen kräftig wie luftig, tief, aber auch klar. Stimmen wirken natürlich und präzise, genauso wie die Bühne und die dazugehörigen Instrumente. Sie sind sehr aufgeräumt und machen all dies, ohne auch nur im Anflug angestrengt zu wirken.

Ich habe viele Stunden des Hörens in den letzten 4 Wochen investiert, um hier wirklich sicher zu sein. Aber ehe ich hier weiter um den heißen Brei rede: Lasst uns ein wenig über Musik sprechen!

Imminence – God Fearing Man

Imminence holt mich immer mehr ab, gerade God Fearing Man, weil der Track eine gewisse Imposanz mitbringt. Der ruhige, fast fragile Gesang, die Geige des Sängers, die sich langsam aufbaut – und dann dieser Breakdown. Ich habe diesen Moment schon oft als Referenz genannt, aber so kraftvoll wie über die Arendal 1723 Tower habe ich ihn in Stereo noch nicht erlebt.

Die Arendal schaffen es, die komplette Grundstimmung, den Spannungsbogen und die Entladung emotional nachvollziehbar und gleichzeitig kontrolliert zu inszenieren. Nichts klebt an den Lautsprechern, die Bühne löst sich sauber vom Gehäuse, und trotzdem steht der Bass mit Autorität im Raum.

Ich will nicht behaupten, dass der Track maximal komplex wäre, aber genau darin liegt der Charme: Man hört sofort, wie gut eine Box Dynamik, Timing und emotionale Dichte kann. Und hier zeigen die Arendal 1723 Tower ganz klar: Studioqualität ist kein Marketing-Floskel.

Knocked Loose — Everything is quiet now

Bei den einen erzeugt Knocked Loose blutende Ohren, ich liebe diese rohe Energie. Die ungeschliffene, ehrliche Musik der Band fasziniert zum Glück nicht nur mich, stellt bei der Wiedergabe aber einige Fallstricke: Immer wieder stoße ich auf HiFi-Komponenten, die genau hier den Sound produzieren, der einem tatsächlich die Ohren blutig schreit.

Druck ist halt nicht die halbe Miete – also müssen sich die Arendal 1723 Tower auch Knocked Loose stellen. Hier bekomme ich genau das, was ich suche: Aus dem scheinbaren Einheitsbrei mit kreischenden Gitarren wird ein differenziertes Klangbild, wie ich es von guten Knocked-Loose-Liveperformances kenne. Dreckig, ja. Roh, ja. Aber absolut genießbar. Nicht für jeden, aber eben für mich – und das zählt.

Lorna Shore – Glenwood

Gehen die Deathcore-Überflieger gerade auf große Europa-Tour und ich zum schon lange ausverkauften Konzert nach Hamburg, können sie auch hier mal wieder eine Erwähnung vertragen.

Dieser Abschnitt geht aber viel mehr raus an eine Person, die diesen Track quasi tot gehört hat, um ihn danach direkt wieder in Dauerschleife laufen zu lassen. Das soll nicht heißen, dass der Song kacke ist, sondern dass er mir regelrecht eingemeißelt wurde – es war nur eine Frage der Zeit, bis er auf meiner Referenzliste landet.

„Glenwood“ ist wie so viele Songs von Lorna Shore ein Brett. Emotional geht es um Reue, Stolz, der im Weg steht, und darum, ob man zu weit weg ist, um Dinge wieder gut zu machen – mit der Botschaft, dass man sich fragen sollte, ob es das wert ist, so lange verletzt und stur zu bleiben.​

Brutal schnelle Drums, Will Ramos mit seinem einzigartigen Gesangstalent, flankiert von schiebenden Riffs und dieser typischen choralen/orchestralen Epicness. Ein Wechselspiel zwischen ruhig und drückend – genau das richtige Material, um Feingeist und Antrieb der Arendal 1723 Tower zu demonstrieren. Ich weiß nicht, wie oft der Song hier gelaufen ist; an ihm habe ich jedenfalls die Positionierung (Toe-in) der Lautsprecher optimiert, bis ich die für mich beste Bühne hatte.

Jedenfalls ist dieses Lied nicht ganz unschuldig an meiner Liebe zu diesen Lautsprechern.

Unliebsame Messe-Musik – trotzdem wichtig

Jetzt kommt der Teil, den ich persönlich immer nur in kleinen Dosen ertrage: typische Messe-Musik. Ihr kennt das – Diana Krall, Nils Lofgren, „audiophile“ Aufnahmen mit viel Raum, wenig Komplexität und möglichst spektakulären Effekten.

Ich bin ganz ehrlich: Das ist nicht meine Alltagsmusik. Aber sie ist extrem nützlich, um bestimmte Eigenschaften zu beurteilen – Feinauflösung, Leisehörfähigkeit, Bühnentiefe, Lokalisationsschärfe.

Was sie aber immer gemeinsam haben, ist Bass. Ich glaube ganz fest, eines der Verkaufsargumente ist es, ein Fundament zu präsentieren. Ich will nicht sagen, dass es leicht ist, aber Bass scheint mir oft der Treiber zu sein.

Aber sind wir ehrlich: Bass ist es, was die Arendal 1723 Tower schon fast beiläufig liefern.

Mit den Arendal 1723 Towern passiert hier das, was ich mir von einem echten Allrounder erwarte:

  • Stimmen stehen sauber im Raum, klar umrissen, ohne ins Sibilante zu kippen.
  • Die Bühne zieht sich glaubhaft in die Tiefe, Instrumente sind klar voneinander getrennt.
  • Selbst bei sehr niedrigen Pegeln bleibt alles durchhörbar, nichts fällt in sich zusammen.

Besonders spannend: Die Arendal klingen nie „HiFi-überanalytisch“, sondern behalten immer eine gewisse Selbstverständlichkeit. Sie zeigen, was auf der Aufnahme passiert, ohne dir permanent „Hör mal, wie detailliert ich bin“ ins Gesicht zu schreien. Genau so soll es sein. Und trotzdem sind sie nicht der weichgewaschene People-Pleaser, der dir alles samtig in die Ohren schmiegt.

Arendal 1723 Tower + Subwoofer

So mächtig die Arendal 1723 Tower im Bass sind – und das sind sie zweifellos –, gibt es Szenarien, in denen ein Subwoofer trotzdem Sinn macht. Gerade im Heimkino oder wenn man gerne sehr laut hört, ist Entlastung im Tiefbass nie verkehrt.

In meinem Stereo-Setup laufen die Arendal 1723 Tower aktuell zusammen mit einem SVS SB-5000. Die Kombination zeigt sehr schön, wie flexibel die Arendal abgestimmt sind:

  • Im „sealed“-Modus lassen sie sich problemlos bei 60–80 Hz trennen und spielen darüber extrem sauber und schnell.
  • Der Sub übernimmt den wirklich tiefen Bereich darunter, kümmert sich um Fundament und LFE-Einschläge, während die Tower Bühne, Körper und Punch liefern.

Wer keinen Sub stellen kann oder will, wird mit den Arendal 1723 Towern alleine schon extrem glücklich – gerade in Musik-Setups. Wer aber Heimkino auf Referenzniveau anpeilt, hat hier eine perfekte Basis für ein 2.1‑, 3.1- oder später voll ausgebautes 5.1-/7.1‑System.

Im Mehrkanalbetrieb habe ich die Arendal 1723 Tower mit meinem Arendal 1961 Subwoofer 1V laufen lassen. Auch hier haben sie sich perfekt integrieren lassen und das Kinofeeling hörbar auf ein neues Level gehoben. Aufgrund des nicht seriengleichen Center-Kanals – ich habe hier noch meinen B&W‑Center weiter benutzt – konnte ich jedoch in jeder Sekunde des Films den Unterschied der Lautsprecher ausmachen.

Lasst es euch gesagt sein: Der Center ist der zentrale und wichtigste Kanal im Heimkino. Ein Großteil der Information läuft über ihn, und mit ihm steht und fällt das Heimkino. Nur wer klar definierte Stimmen hat, muss den Lautstärkeregler nicht zwangsläufig auf Angriffsposition drehen.

Ich kann es kaum erwarten, den Arendal 1723 Center zwischen die Arendal 1723 Tower zu stellen und vorne ein wirklich homogenes Bild zu haben.

TL;DR – Arendal 1723 Tower THX

  • Klang: Brutal dynamisch, zugleich feinzeichnend. Von Metal über Messe-Mucke bis Heimkino jederzeit souverän.
  • Technik: 2,5‑Wege, 4×8″, HDF-Gehäuse, THX Ultra, echte Pegelreserven – gebaut für Druck und Kontrolle.​
  • Praxis: Spielt solo schon extrem tief, funktioniert aber auch perfekt mit Sub und im Mehrkanal-Setup. Aufstellung (Toe‑in + Raum) dank Waveguide sehr gut beherrschbar.​
  • Preis/Leistung: Klanglich auf Augenhöhe mit deutlich teureren Lautsprechern, die in der 10k–15k‑Region unterwegs sind – ohne das Kleinwagen-Budget.​

Für mich aktuell: der Lautsprecher, an dem ich zukünftige Reviews messe.

Fazit

Ich habe Tage über diese Zeilen nachgedacht. Klar, wir jagen immer besseren, gefälligeren Klang. Die Preisschraube dreht sich unaufhaltsam nach oben – verständlich, wo Ingenieure Herzblut reinlegen, riskante Innovationen wagen und Komponenten verbauen, die alles andere als Allerweltsware sind. Extreme HiFi-Komponenten werden immer teuer sein.

Auch ich könnte Begehrlichkeiten schüren, die Preisspirale in unseren Köpfen immer tiefer treiben. Aber bei den Arendal 1723 Towern würde ich als bodenständige Referenz für Reviews und Videos bleiben. Klar, imposante Kleinwagen-Ketten wirken spektakulärer. Doch Bodenständigkeit heißt nicht, die Messlatte endlos hochzuschrauben, sondern sie genau hier im Hier und Jetzt zu belassen.

Das schließt Höheres nicht aus – es gibt genug darüber! Aber irgendwo braucht’s den Nullpunkt. Eine Erdung, Balance. Denn Reviews mit Hardware, die 0,001% meiner Leser sich leisten können, helfen niemandem. Selbst die Arendal 1723 Tower sind für viele schon Budget-Sprenger.

Meine Messlatte wähle ich nicht leichtfertig, sondern wohlüberlegt. Aber bei Qualität, Sound und gerade bei der Preis-Leistung kann ich mich zurücklehnen: Hier bekommt man für jeden Cent Gegenwert.

Nach meinem Bewertungsschema erhalten die Arendal 1723 Tower den HiFiGeek Award. Wie ich bewerte und was der Award bedeutet, steht hier: https://www.hifigeek.de/bewertungsschema-bei-hifigeek/

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https://www.hifigeek.de/arendal-1723-tower-thx-giantkiller/feed/ 0 9981
Burson Audio Timekeeper GT4 im Test: High-End-Monoblöcke an der Schwelle zum Ultra-High-End https://www.hifigeek.de/burson-audio-timekeeper-gt4-im-test/ https://www.hifigeek.de/burson-audio-timekeeper-gt4-im-test/#respond Sat, 17 Jan 2026 21:30:15 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=9904 Wir haben die Burson Audio Timekeeper GT4 schon seit ein paar Wochen hier zum Test. Warum ihr euch diese Mono-Blöcke auf die Wunschliste schreiben solltet, versuche ich im folgenden Review für euch zu klären.

Die Timekeeper GT4 Max sind Teil einer wachsenden Burson-Testreihe bei HiFiGeek. Alle Geräte, Hintergründe und die Markenphilosophie im Burson Audio Hub.

Disclaimer: Burson Audio hat die Burson Audio Timekeeper GT4 kostenlos zur Verfügung gestellt. Jedoch nehmen sie keinerlei Einfluss auf meinen Testaufbau oder mein Urteil. Ich versuche hier immer brutal ehrlich und transparent zu bleiben.

Hier findet ihr mein Burson Timekeeper GT4 Video‑Review auf YouTube

Gefällt euch mein Content? Dann klickt auf „Abonnieren“ und unterstützt meinen Kanal – so kann ich auch in Zukunft spannende HiFi‑Komponenten für euch testen.

Wir haben in den letzten Monaten einiges mit Burson Audio zu tun gehabt. Sie stellen feinste HiFi-Geräte her, welche aktuell zumindest auf dem deutschen Markt nicht so verbreitet sind. Nicht, weil die Geräte schlecht sind, sondern wahrscheinlich eher, weil jeder neue Markt eine weitere Investition erfordert und wenn man dem Überlieferten Glauben schenken kann, sind die Burson-Audio-Jungs und ‑Mädels in erster Linie Macher und haben Bock, an ihren Produkten zu feilen.

Das merkt man auch daran, dass sie in den letzten 12 Monaten ihr Portfolio verjüngt haben durch neue Revisionen ihrer Bestandsprodukte und über ihre Flaggschiff-Modelle noch High-End-Flaggschiffe wie die Voyager-Serie etabliert haben.

Noch traue ich mich nicht in diese Riege vorzuwagen und habe mich bewusst für die Grand-Tourer-Serie entschieden, da diese für den ein oder anderen schon absolutes High-End – feature- sowie klangtechnisch – und sicherlich eine Herausforderung für das Portemonnaie darstellt.​

Die Burson Audio Grand Tourer Serie

Alle, die sich mit dem Portfolio von Burson Audio schon auskennen, können diesen Abschnitt getrost überspringen. Mir geht es aber der Vollständigkeit halber darum, auch ein wenig die Synergien zwischen den einzelnen Produkten vorzustellen.

Burson Audio selber unterteilt deren Portfolio in Party‑, Stellar‑, Grand-Tourer- und Voyager-Series. Wobei die Stellar-Series gerade frisch den Markt erobert hat, wir berichteten. In der Party-Series gibt es z. B. den Playmate 3, welchen wir ebenfalls schon testen durften, der ein DAC/Head-Amp darstellt und schon High-End-Allüren versprüht. Die Grand-Tourer-Series ist mit der Voyager-Series eine der beiden „ausgewachsenen“ Serien. Denn hier gibt es jeweils Pre-Amps mit Head-Amps (Soloist), Pre-Amp, DAC mit Head-Amp-Kombos (Conductor) und HiFi-Endstufen (Timekeeper).​

Theoretisch kann man sich mit Kombinationen aus Soloist oder Conductor und Timekeeper kleine, sehr potente HiFi-Anlagen im hohen vierstelligen Bereich aufbauen. Bekommen tut man dann ein großzügiges Kopfhörer- sowie HiFi-Setup und kann so gleich zwei Leidenschaften frönen: Kopfhörer und Lautsprecher. Abgesehen von Bursons uniquem Design der Geräte offerieren sie noch passende Racks oder Stands, mit welchen man seine Geräte toll in Szene setzen kann. Wer Interesse am Burson Audio Conductor GT4 hat, dem ist natürlich unser Review ans Herz gelegt.

Unboxing der Burson Audio Timekeeper GT4 Max

Da wir hier die Burson Audio Timekeeper GT4 in der Max-Variante in die Finger bekommen haben, begrüßten mich vor der Tür auch zwei große Pakete, welche von mir ausgepackt werden wollten.
Ein Paket beherbergt die zwei massiven Fusion-Core-Netzteile und das andere die zwei Burson Audio Timekeeper GT4 selber.

Wer schon andere Geräte von Burson auspacken durfte, weiß, dass deren Verpackungen gut durchdacht sind und somit die wertvolle Fracht super ans Ziel bringen.

Lieferumfang Burson Audio Timekeeper GT4 Max (Paar)

  • 2 × Burson Audio Timekeeper GT4 Monoblock-Endstufe (GT4 Max Version)
  • 2 × Burson Fusion Core Netzteile (32 V / 15 A, GaN-basiert)
  • Custom 4‑Pol-Kabel für 32 V
  • Netzkabel für die Fusion-Core-Netzteile (länderabhängig)
  • Inbusschlüssel
  • Ersatz-Sicherungen​

Anschluss und die allerersten Eindrücke der Burson Audio Timekeeper GT4

Ich bin ganz ehrlich: Ich habe schon viel Gutes von den Burson Audio Timekeeper GT4 gehört und war natürlich innerlich ganz aufgeregt und konnte es kaum erwarten, die Monoblöcke an die Amphion Argon3S (hier geht es zum Review der Amphion Argon3S) zu hängen. Eigentlich hatte ich noch umfassende Umbauten hier in meinem Hörsetup auf der Liste, durch Verzögerungen hier und da wollte ich einfach nicht mehr warten.

So kam es, dass ich die beiden Netzteile auf meinem Subwoofer „parkte“ und stumpf die beiden Burson Audio Timekeeper GT4 auf einer HiFi-Base mehr schlecht als recht platzierte. Unterm Strich „scheiß egal“, vielleicht nicht fotogen, aber es ging ums Hören.

Ich habe hier einen feinen Satz Ricable-Kabel aus der Dedalus-Reihe und habe mich dazu entschieden, folgende Kette zusammenzubauen:
Eversolo DMP-A6 → Fosi Audio ZP3 → Burson Audio Timekeeper GT4 + Fusion Core → Amphion Argon3S + Arendal 1961 Subwoofer 1V. Beim Subwoofer habe ich mich dennoch für sealed entschieden für mehr Punch und habe quasi den Stopfen eingesteckt und das Klangprofil auf das für geschlossenen Betrieb optimierte gestellt.​

Ich will nicht sagen, dass ich schon „blown away“ war, aber was hier passierte, hatte schon etwas. Dennoch dachte ich mir: Zieh durch und kram mal dein MiniDSP UMIK‑1 raus. Gesagt, getan habe ich dann mit dem neuen Einmessfeature des Eversolo DMP-A6 (hier geht es zum Review des Eversolo DMP-A6) und dem iPad Air noch schnell eingemessen und die FIR-Filter anlegen lassen. Die Kurve sah schlüssig aus für meinen akustisch bearbeiteten Raum und der Sound war …

Ich will jetzt in diesem Absatz noch nichts vorwegnehmen, da ich einige Experimente gemacht habe und diese dann gleich direkt gegenüberstellen mag.

Anschlüsse und so

Da es sich bei den Burson Audio Timekeeper GT4 um klassische Endstufen handelt, ist deren Anschlussvielfalt jetzt nicht super fancy:​

Jeder der zwei Burson Audio Timekeeper GT4 verfügt jeweils über:

  • 1× XLR
  • 1× Cinch
  • 1× Trigger-In und Trigger-Out
  • 1× 32-V-4-Pol-Eingang (schraubbar)

Auf der Rückseite befindet sich dann noch ein kleiner Schalter, welcher es erlaubt, die vier Modi der Burson Audio Timekeeper GT4 durchzuschalten.

Design, Verarbeitung und Aufstellung

Die Designsprache von Burson Audio kann man generell als futuristisch bezeichnen. Vom Formfaktor her haben wir hier ca. eine 2/3‑Breite gegenüber Standard-HiFi. Da es sich um Mono-Blöcke handelt, lassen sich die Endstufen z. B. symmetrisch rechts und links auf Möbeln platzieren. Tendenziell könnte man die beiden Mono-Blöcke auch stapeln. Da es sich hier aber um Class‑A/AB-Verstärker mit 100 W Idle-Bias handelt, werden diese ziemlich warm. Also mehr als handwarm. Demnach würde ich nicht dazu raten, die Geräte direkt zu stapeln. Hierfür bietet sich eher das Burson Audio Mothership (HiFi-Rack) an, welches zum einen massiv aus Aluminium besteht und zum anderen Abstand zwischen die Geräte schafft, damit diese ausreichend ventilieren können.​

Weiterhin gibt es zu bedenken, dass die beiden Mono-Blöcke aktiv gekühlt sind und rechts sowie links Luftauslässe haben, welche nicht bedeckt werden sollten. Ich hatte sie anfangs, wie eingangs erwähnt, recht nah nebeneinander stehen, und so waren sie doch ein wenig wärmer als aktuell im Quadraspire SVT Rack, welches unter anderem luftdurchlässige Ebenen besitzt. Hierzu aber dann mehr im Artikel zum Quadraspire SVT Rack.

Die Verarbeitung ist Burson-Audio-typisch super. Sie besitzen recht massive Aluminiumgehäuse, welche jetzt keine Bleiklötze sind wie bei anderen Geräten, aber dennoch massiv genug sind, um als High-End durchzugehen. Weiterhin gibt es keine wirklichen Spaltmaße oder scharfen Kanten, die den Eindruck trügen könnten. Das mitgelieferte 4‑Pol-Kabel zur Verbindung der Burson Audio Timekeeper GT4 mit den Burson Audio Fusion Cores scheint custom-made und nicht von der Stange. Toll ist, dass man die Kabel verschraubt und so definitiv eine sichere Verbindung hat.​

Designtechnisch gibt es nicht viel auszusetzen, dennoch habe ich zwei Punkte, die ein wenig undurchdacht wirken: Zum einen besitzen die Fusion Cores der Burson Timekeeper GT4 die Form der Voyager-Serie und nicht der Grand-Tourer-Serie. Das liegt wohl daran, dass sich die Fusion Cores der Grand-Tourer-Serie das Gehäuse der Voyager-Serie teilen. Produktionstechnisch macht das natürlich Sinn. Optisch ist es nicht ganz konsistent.​

Weiterhin weiß ich nicht, ob es wirklich notwendig ist, dass das 32-V-Kabel auf der Front aus den Fusion Cores kommt und nicht hinten neben dem Kaltgeräteanschluss sitzt. So hat man keinen völlig cleanen Front-Look, sondern immer ein Kabel, welches dann direkt nach hinten geht, um die Burson Audio Timekeeper GT4 mit 32 V Gleichstrom zu versorgen.

Technik-Bashing

Der Burson Audio Timekeeper GT4 ist ein Class-AB-Monoblock-Verstärker, welcher einen sehr hohen Leistungsanspruch hat. Er spielt sicherlich locker schon in der High-End-Riege mit und kann hier das ein oder andere Ausrufezeichen setzen.​

Dafür betreibt Burson Audio auch einiges an Aufwand: Die Monoblöcke sind im Class-AB-Design. 30 Watt liefern sie im puren Class-A-Betrieb und darüber hinaus dann im Class-AB-Betrieb. Bei 8 Ohm sind sie in der Lage, lockere 100 Watt und bei 4 Ohm 200 Watt zu liefern. Ich habe im Head-Fi-Forum gelesen, dass Burson dies sehr konservativ auslegt und so ohne Probleme auch stabil 140 Watt mit den Fusion-Core-Netzteilen liefern kann und die erste sichtbare Wellenverformung irgendwo bei 160 Watt angefangen haben soll.​

Die Stromversorgung

SP-Module

Weiterhin ist Burson Audio eine „ruhige“ Stromversorgung sehr wichtig. Angefangen bei den Burson-Audio-eigenen Silent Power Regulator Modules (SP-Module). Diese sind nämlich austauschbar und filtern extrem effektiv Netzstromrauschen, reduzieren Ripple-Spannung und bieten obendrein noch Überlastschutz. Burson hat hiervon zwei Modelle:

  • SP01: Nur 40 µV Rauschen – 5× leiser als Standardregler in der Industrie.
  • SP02 (im GT4 verbaut): Nur 0,8 nVrms – über 200× leiser als SP01 oder herkömmliche Regler.

Im Burson Audio Timekeeper GT4 sind standardgemäß SP02-Module verbaut.​

Burson Audio Fusion Core

Um das ganze Stromthema auf die Spitze zu treiben, hat Burson Audio noch die Burson Fusion Core Netzteile im Angebot.
Der Burson Audio Fusion Core ist ein externes GaN-basiertes Netzteil (24 V oder 32 V), das bis zu 480 W reine Leistung liefert und speziell für Burson-Geräte wie den Timekeeper GT4 Max entwickelt wurde.​

Technische Eckdaten

  • Modell: 32 V / 15 A (je 480 W max.)
  • Rauschpegel: < 1 µV – extrem leise durch GaN-Transistoren (1 MHz Schaltfrequenz).
  • Abmessungen: 210 × 200 × 75 mm; Gewicht: 5 kg; silbernes Gehäuse.
  • Anschlüsse: GX12-Ausgang, IEC C14-Eingang, inkl. Kabel (1,8 m Netz, 1,5 m DC).

Vorteile und Effekt
GaN-Technologie ermöglicht höhere Effizienz, kühlere Laufleistung und bessere Rauschfilterung als herkömmliche SMPS oder lineare Netzteile – kein 50-Hz-Brummen oder unnötige Erwärmung. Für den Burson Audio Timekeeper GT4 Max sorgt es für stabile Versorgung unter Volllast, mehr Dynamik und „schwärzeren“ Hintergrund.​

In Kombination mit den SP-Modulen verspricht Burson Audio batterieähnlichen Klang. Ja, ich weiß, ist ein wenig blöd ausgedrückt. Hardcore-Audiophile preisen Batterien als die Stromquelle, die absolut gar keine „Verunreinigungen“ hat. Burson Audios Ziel war es, annähernd so wenig „Verunreinigungen“ in ihrer Kette zu haben wie eben möglich.

Ich will jetzt nicht sagen, dass es der Hardcore-Gamechanger ist, aber zwischen 08/15-Netzteilen und guten hört man dennoch einen Unterschied. Wieviel einem das nun wieder wert ist, muss ein jeder selbst für sich wissen. Fakt ist: Burson Audio treibt einen unglaublichen Aufwand bei dem Thema und ich denke, die Ergebnisse sprechen für sich.​

Elektrische Spezifikationen & Stromverbrauch

  • Ausgangsleistung: 100 W @ 8 Ohm / 200 W @ 4 Ohm
  • Frequenzgang: 20 Hz bis 20 kHz
  • THD: < 0,03% @ 1 kHz
  • Signal-Rausch-Abstand: 110 dB
  • Ausgangsimpedanz: < 0,015 Ω (20 Hz bis 20 kHz)
  • Verstärkung: 29 dB​

Interessant wird es beim Stromverbrauch. Der Burson Audio Timekeeper GT4 läuft nämlich mit einem sogenannten Idle-Bias (Ruhestrom). Dieser ist beim Burson Timekeeper GT4 ein hoher Leerlaufstrom im Class-AB-Betrieb, der die Transistoren dauerhaft in ihrem optimalen Arbeitsbereich hält. Deshalb verbrauchen sie 100 Watt im Leerlauf, ohne dass Musik abgespielt wird.​

Vorteile des Idle-Bias

  • Minimale Verzerrung: Reduziert Crossover-Verzerrung (Übergang Push-Pull) auf < 0,03% THD, da Transistoren nie „schlafen“ – Klang bleibt linear und präzise.
  • Schnelle Transienten: Hoher Bias sorgt für sofortigen Stromfluss bei Bass/Punch.
  • Pure Class‑A bis 30 W: Erste Watt rein Class-A-Qualität.​

EXICON MOSFETs

Burson Audio setzt im Burson Audio Timekeeper GT4 hochwertige und leistungsfähige EXICON MOSFETs ein. EXICON MOSFETs zeichnen sich durch ihre hohe Peak-Performance aus und erlauben es so, auch schwierigere Lautsprecher gekonnt zu handeln. Darüber hinaus verfügen sie über eine niedrige Verzerrung (0,03% THD), schnelle Transienten und natürlichen Klang. Also besser gesagt, sie haben nicht die viel beschriebene „Transistorhärte“ wie z. B. bei Bipolar-Transistoren.​

Input-Buffer

Bevor es heißt, ich verheimliche euch noch ein Feature, das gebraucht wird. Also, ich verstehe, warum das da ist, aber bisher hatte ich keine großen Probleme … es geht um den Input-Buffer der Burson Audio Timekeeper GT4. Dieser kann optional angeschaltet werden und aktiviert den Signalweg über den verbauten Burson Audio V7 Vivid OpAmp. Dieser erhöht das Eingangssignal um +12 dB (XLR) bzw. +6 dB (RCA). So kann man die Timekeeper auch an weniger potente Quellen direkt anschließen.​

Höreindrücke

Endlich ans Eingemachte! Wer wie ich geglaubt hat, dass die Einleitung zu den Burson Audio Timekeeper GT4 schnell geht, weil es ja „nur“ Endstufen sind, hat sich geirrt. Also, beim Schreiben ist mir aufgefallen, dass es schon so einiges zu den Geräten zu sagen gibt – so aber auch beim Höreindruck. Ich habe die Timekeeper GT4 an drei verschiedenen Paaren Lautsprechern betrieben. Sonst habe ich die Kette nicht angerührt, bzw. natürlich jede Kette dann eingemessen.

Da sich hier und da Lieferungen ein wenig verzögert haben, habe ich immer relativ lange mit einem Paar Lautsprecher verbracht und glaube mit Gewissheit attestieren zu können, dass die Burson Audio Timekeeper GT4 einen leicht warmen, aber dennoch hoch detaillierten Ton liefern. Also der Hintergrund ist „pitch-black“, ich glaube, das kommt von der aufwendigen Stromversorgung. Was gerade die Höhen super transparent macht. Dennoch kann ich eine gewisse Wärme nicht abstreiten. Es ist aber keine Röhrenwärme.​

Natürlich habe ich wieder meine Qobuz-Playlist zu Rate gezogen und auch hier sind ein paar Newcomer dabei, welche sich im aktuellen Setup herauskristallisiert haben und zur Referenz aufgestiegen sind. Für alle, die immer auf der Suche sind nach den ganzen Songs, die so auf Messen und so laufen, habe ich mal angefangen, die oft gehörten Songs in einer weiteren Playlist zu konservieren.

Arendal 1723 Tower & SVS SB‑5000 – die „Stress-Test“-Kombi

Ein großer Teil der Spielzeit lief die Burson Audio Timekeeper GT4 an den Arendal 1723 Towern. Das sind große, THX-zertifizierte Standlautsprecher mit mehreren 8‑Zoll-Treibern und Waveguide-Hochtöner – gebaut für hohe Pegel, brutale Dynamik und gleichzeitig ehrliche Detailwiedergabe. Genau das ist der Punkt, an dem man schnell merkt, ob eine Endstufe wirklich souverän bleibt oder irgendwann komprimiert und dicht macht.​

An den Arendal 1723 Towern erzeugen die Burson eine sehr breit gespannte, stabile Bühne. Stimmen stehen sauber in der Mitte, Instrumente sind klar voneinander getrennt, auch wenn der Mix dichter wird. Der Punch im Oberbass kommt schnell und kontrolliert, Kickdrums haben Körper, ohne anzudicken oder zu wummern. Selbst bei Pegeln, bei denen der Nachbar vermutlich schon an die Tür klopfen würde, wirken die GT4 eher entspannt souverän als angestrengt.

Im Tiefton habe ich zusätzlich mit einem SVS SB‑5000 gearbeitet. Der geschlossene 15‑Zöller ist bekannt dafür, extrem tief zu reichen und dabei sehr präzise zu bleiben. Zusammen mit den Arendal 1723 Towern zeigt er recht gnadenlos, ob eine Endstufe den Bassbereich wirklich im Griff hat oder nur „laut“ kann. Die Burson behalten hier die Kontrolle: Der Sub schiebt tief und mit Autorität, aber Konturen und Anschläge bleiben klar stehen, statt in einem Bass-Teppich zu verschwimmen. Gerade bei Doublebass-Gewittern und tief gestimmten Gitarren merkt man, dass hier genug Leistung und Dämpfung vorhanden ist, um die Chassis im Zaum zu halten.​

Referenz-Playlist für euch da draußen

Ich benutze in meinen Reviews fast ausschließlich meine Referenz-Playlist auf Qobuz. Natürlich auch für die Burson Audio Timekeeper GT4. Gerne dürft ihr euch da reinklicken. Schreibt mir auch gerne wenn ihr einen Track habt, den ich unbedingt mit drauf schmeißen soll.

In Flames – „Stay With Me“

Wirklich ein geiler Song von In Flames und war absolut nicht auf meinem Radar. Erst nachdem ich den Eversolo eingemessen hatte, stach der Song irgendwie hervor. Ich weiß auch gar nicht, warum ich das Album „I, The Mask“ gehört habe. Irgendwie war es eine Fügung und die Gitarren catchten mich direkt. Wirklich schönes Imaging und eine direkt wirkende Bühne. Die Gitarren haben schöne Details wie das Schnarren der Saiten und man hört auch super das Picking. Anders Friedéns Gesang ist ungewohnt soft, aber trotz leichtem Hall inmitten der Bühne verortet. Die Side-Vocals kommen schön räumlich und umschließen einen beim Hören super. Ab 3:30 weichen die Clear-Gitarren dann doch härteren Klängen und Anders Friedén kann sich von seiner metalligeren Seite zeigen. Generell bleibt der Song aber „ruhiger“, dafür einfach audiophiler und perfekt für künftige Reviews.

Die Burson Audio Timekeeper GT4 schaffen es hier, sowohl die feinen Details – Schnarren, Hallfahnen, Background-Vocals – als auch den Punch im Refrain herauszuarbeiten, ohne dass es scharf oder stressig wird. Genau dieses „warm, aber sehr transparent“ beschreibt den Charakter ziemlich gut.

Synestia – „Winter“

Unglaublicher Song von noch unglaublicherer EP. Wer sie nicht kennt: „The Poetic Edda“ von Synestia/Disembodied Tyrant ist wahrscheinlich eines der herausragendsten Deathcore-Werke der letzten Jahre. Besser einzuordnen als Symphonic-Deathcore mit vielen Details, welche produktionskostenbedingt natürlich zum Großteil aus dem Computer kommen. Dennoch fänd ich es schon mal stark, wenn man versuchen würde, das Werk noch einmal mit „realen“ Stimmen und Instrumenten einzuspielen.

So klingt es natürlich ein wenig hochproduziert und programmiert. Dennoch sind hier viele Aspekte generell von Musik zu hören. Fängt es bei harten Breakdowns an, endet es bei einer Kirchen-Orgel, was einfach mega unique ist. Der Orgelpart macht einfach ultra Laune und schiebt ordentlich nach vorne. Wirklich ungewohnte Kombi, die außerordentlich funktioniert.

Für die Burson Audio Timekeeper GT4 ist das ein dankbares Stück, weil es genau da ansetzt, wo viele Amps ins Chaos abgleiten: dichter Mix, tiefer Bass, Synths, Orgel, Chöre. Die Burson sortieren das alles sehr sauber, halten die Bühne stabil und lassen trotz des Drucks genug Luft, damit man in die Tiefe des Mixes hineinhören kann.

Einordnung & Fazit

Unterm Strich sind die Burson Audio Timekeeper GT4 für mich Endstufen, die sehr klar zeigen, wo Burson mit der Grand-Tourer-Serie hinwill. Sie sind keine Showeffekt-Amps, die auf den ersten Blick „wow“ schreien, sondern eher Werkzeuge, die Kontrolle, Ruhe und Durchzeichnung nach vorne stellen – und genau damit im Alltag immer mehr überzeugen, je länger man mit ihnen hört. Gerade an den Arendal 1723 Towern mit dem SVS SB‑5000 haben sie sich als extrem souverän erwiesen: egal ob leise, spätabends, oder richtig laut mit komplexen Metal- und Deathcore-Produktionen, die Dinger behalten einfach die Kontrolle.​

Die Kombi aus hoher Dauerleistung, hohem Idle-Bias, EXICON-MOSFETs und der aufwendigen Stromversorgung mit SP-Modulen und Fusion Core zahlt direkt auf den Höreindruck ein: schwarzer Hintergrund, saubere Transienten, viel Punch, aber kein künstliches Aufdicken oder Schönfärben. Wenn ihr einen Amp sucht, der eher wie eine Präzisions-Endstufe arbeitet als wie ein Effektgerät, dann sind die GT4 definitiv spannend – vorausgesetzt, der Rest eurer Kette spielt auf einem ähnlich hohen Niveau und euer Raum gibt das her.​

Preislich bewegen wir uns hier klar im High-End, aber noch nicht in den ganz absurden Regionen mancher Ultra-High-End-Monoblöcke, die fünfstellige Summen pro Paar aufrufen. Von der technischen Herangehensweise – Monoblock-Design, GaN-basiertes Fusion-Core-Netzteil, Silent-Power-Module, hohe Ströme – und von der Souveränität im Betrieb ragen die Burson Audio Timekeeper GT4 für mich aber durchaus in Bereiche hinein, in denen man sonst deutlich teurere Lösungen findet. In manchen Belangen sind wir hier an der Schwelle zum Ultra-High-End, nur eben ohne das Preisschild eines ganz großen Boutique-Boliden.​

Natürlich muss man sich trotzdem fragen, ob das ins eigene Setup passt: Ihr braucht Lautsprecher, die das auch umsetzen können, und ihr müsst mit Wärmeentwicklung und Stromverbrauch leben wollen. Wer aber den Platz hat, passende Schallwandler davor hängen und Wert auf dieses Plus an Trennung, Kontrolle und Headroom legt, bekommt mit den Burson Audio Timekeeper GT4 Max ein Paket, das sehr konsequent zu Ende gedacht ist. Für mich persönlich sind sie im Moment so ein bisschen der Punkt, an dem ich sagen würde: Viel weiter nach oben muss ich bei Endstufen in meinem Setup gerade nicht mehr schauen.

Nach meinem Bewertungsschema erhalten die Burson Audio Timekeeper GT4 Max den HiFiGeek Award. Wie ich bewerte und was der Award bedeutet, steht hier: https://www.hifigeek.de/bewertungsschema-bei-hifigeek/

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https://www.hifigeek.de/burson-audio-timekeeper-gt4-im-test/feed/ 0 9904