AV-Vorstufe - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de Audio & Heimkino. Ernst genommen. Wed, 24 Jun 2026 20:41:22 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://www.hifigeek.de/media/cropped-hifigeek.de-512-32x32.png AV-Vorstufe - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de 32 32 60029611 RIP Denon X4000 – Meine Suche nach dem perfekten AV-Prozessor und der Weg zum Anthem AVM70 https://www.hifigeek.de/anthem-avm70-kaufentscheidung/ https://www.hifigeek.de/anthem-avm70-kaufentscheidung/#respond Wed, 22 Apr 2026 16:08:41 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=10756 Elf Jahre hat mich mein Denon X4000 durchs Heimkino begleitet. Viele Setups, viele Testgeräte, viele Abende. Bis er eines Tages einfach aufhörte, seinen Job zu tun – und ich mich plötzlich mitten in einer Marktanalyse wiederfand, an deren Ende der Anthem AVM70 stand. Hier ist die ganze Geschichte.

RIP Denon X4000 – auch als Video:

Die ganze Geschichte gibt’s jetzt auch auf YouTube – wie der Denon nach elf Jahren seinen Geist aufgegeben hat, warum ich mich durch einen Haufen Alternativen gekämpft habe und wie ich am Ende beim Anthem AVM70 gelandet bin. Wer den Kanal noch nicht kennt: Abo hier – hilft direkt dabei, dass mehr solche Videos möglich werden.

Geiles Preis-Leistungs-Verhältnis

Seit 2014 hat mich der Denon X4000 begleitet. Zwar hat er in den letzten Jahren deutlich an Glanz verloren, dennoch war er ein fester Teil meines Setups.

Mit dem Ausbau des Wohnzimmer-Heimkinos zum 7.2.4‑Setup musste er zwischenzeitlich auf der Ersatzbank sitzen – zum Beispiel als ich das IOTAVX-Setup oder den Anthem MRX740 getestet habe. Aber aufgrund fehlender Alternativen kehrte er immer wieder an seinen angestammten Platz zurück.

Mann-o-meter, waren das noch wilde Zeiten. Ich glaube, ich habe den X4000 in Hamburg in der Mönckebergstraße spontan für 699 € gekauft und war hochzufrieden. Damals noch in der Mietwohnung mit 3.0‑Setup, weil mehr mit den Nachbarn schlicht nicht drin gewesen wäre. Rundherum nur Rentner und wir als junges Volk mittendrin – da war nichts mit aufdrehen oder durchdrehen. Nur gelegentlich. Das waren noch wilde AVR-Zeiten. Klar gab es da schon beinahe Trinnov mit ihrer Altitude 32, aber irgendwie tendierte alles immer zu Denon. Allgegenwärtig eben.

Mit dem Aufkommen von Dolby Atmos ein Jahr später zogen auch die Preise für Heimkino-Equipment allmählich an. Mehr Kanäle, bessere DSPs, mehr Rechenleistung – das hatte seinen Preis.

Mit dem Hauskauf dann der Umbruch: Voller Ausbau auf 7.2.4, Raum akustisch komplett bearbeitet, Technik nach hinten, OLED nach vorne. Mehr und mehr nahm mein Blog Form an und ich fing an, erste Unterhaltungselektronik zu testen. Der Wunsch, das 7.2.4‑Setup endlich voll auszufahren, wuchs.

Erste Atmos-Erfahrungen: Der AVX17

Ich war schon immer auf der Suche nach dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Man sieht mich eigentlich nie zu Release irgendetwas kaufen (außer vielleicht MacBooks und iPhones). Ich verfalle in den Recherche-Wahn: Wo bekomme ich welche Leistung? Was kann A, was kann B? Ist das Mehr-Geld auch mehr wert? Das ist bis heute tief in mir verwurzelt.

Natürlich kam ich früh auf IOTAVX – seiner Zeit noch ein britisches Unternehmen. Irgendwann habe ich mich getraut, eine Kooperation zu suchen, gerade als der deutsche Vertrieb die Bude übernommen hatte. Der AVX17 hat genau das versprochen, was ich gesucht hatte: High-End-Signalverarbeitung, starke DSPs – dafür eine sperrige Bedienung, weil keine Kosten in Usability gesteckt wurden. Die Preis-Leistungs-Granate, die ich gesucht hatte.

Und ja, der AVX17 ist ein cooles Teil. 1.800 € und man hat ein 16-Kanal-Ungetüm – wenn man es zu bändigen weiß. Reingefräst, REW mit UMIK‑1 bemüht und dann mühselig im Menü den PEQ eingestellt. Das Ergebnis? Wirklich solide bis beeindruckend. Manuell as hell, aber macht Spaß. Ganz anders als MultiEQXT32 von Denon, dem schwarzen Loch, das irgendwas macht. Schlecht ist die Kiste nicht, aber die Kontrolle des AVX17 war schon eine eigene Klasse.

Neidisch Richtung Dirac geschielt

Mit all diesem Purismus schielt man natürlich irgendwann Richtung Dirac. Immer mehr Marken adaptieren das System – so auch Marantz und Denon. Mein Wille, mal in diese Richtung zu schauen, war wieder entflammt. Aber dass man sich die kompletten Lizenzen extra kaufen muss, treibt den Preis dieser Allrounder ordentlich in die Höhe.

Ich habe viel umhergesehen: NAD, Arcam, Onkyo, StormAudio – alle haben Dirac, aber die Einmesstechnik entscheidet nicht allein über den Klang. Und ich will viel Klang für möglichst wenig Geld.

Irgendwann habe ich die eierlegende Wollmilchsau aufgegeben. Schuster bleib bei deinen Leisten. Streaming? Nice-to-have, wenn nicht egal – ich habe mittlerweile einen Eversolo. Phono-In? Ich habe einen super Phono-Pre-Amp und sowieso ein analog verarbeitendes Stereo-Setup. Analoger Passthrough hingegen wäre richtig geil: kein Umstecken mehr.

Zeit verging und irgendwie blieb man doch beim X4000. Stereo konnte ich mit meinem Stereo-Setup richtig einen abbrennen, in Surround war’s geil, aber altbacken.

Das Ableben des X4000

Es kommt mir gerade so vor, als würde ich den Tod eines geliebten Begleiters verarbeiten. Das ist es eigentlich nicht, aber ich erzähle gerne die Geschichten, die mich zu neuen Dingen bewegen.

Ich hatte gerade das Review der Arendal 1723 Tower fertig, als der Center sowie die Bookshelf S eintrafen. Ich hörte sie ein paar Tage, als ich eines Abends beim Abendessen Musik im Wohnzimmer anmachte. Eigentlich wollte ich mein nächstes Video drehen. Es kam anders: Aus dem rechten Front-Lautsprecher kam nur noch leiser Ton. Ich prüfte natürlich, ob es an Einstellungen lag – war es natürlich nicht. Beim Umstecken wanderte das Problem mit, und als ich eine separate Endstufe aus dem Pre-Out füttern wollte, kam dort gar kein Ton. Klassisch: Irgendwo an der Signalverarbeitung zwischen Pre-Out und Endstufe ist etwas kaputt.

Lange habe ich über eine Reparatur nachgedacht und werde sie irgendwann aus Interesse noch angehen. Aber die Suche nach dem Ersatz war gestartet.

Marktanalyse

Natürlich begann ich sofort, Luftschlösser zu bauen. Dicke Vorstufen-/Endstufen-Kombination, irgendwas richtig Geiles! Aber natürlich ist das nicht so einfach.

Arcam AV41: Tolle Vorstufe auf dem Papier, Dirac Live, aber schon etwas in die Jahre gekommen – und Arcam hat für Q3 die neue Radia-Serie angekündigt. 6.000 € für die neue Vorstufe? Ins Schwitzen.

NAD: Upgrade-Möglichkeiten klingen nett, aber wie realistisch ist das wirklich? Auch in die Jahre gekommen. Lieber nicht.

Denon mit Dirac Live Upgrade: Irgendwie haben die den Glanz für mich verloren. Auch verworfen.

Marantz AV10 / AV20 / AV30: Klingen auf dem Papier toll. Die Preise? 4.000–6.500 €. Dirac kommt noch extra. Wieder nichts. Auch aus Angst, wieder in der Denon-Bubble zu hängen.

StormAudio / Trinnov: Vielleicht mit einer Kooperation, aber so richtig trauen? Noch nicht.

Onkyo TX-RZ50 als Pre-Amp: Eigentlich eine geile Idee! Teils unter 1.200 € zu haben, Dirac Live fähig – Lizenzen muss man nur noch kaufen. ART ist dann zwar nicht dabei, aber ich habe einen akustisch bearbeiteten Raum. Eine Überlegung wert.

Emotiva: Letztes Jahr auf der High End in München ein nettes Gespräch, aber die wollen scheinbar nicht wirklich auf den deutschen Markt. Verworfen, obwohl sicherlich killer Geräte.

Monoprice HTP‑1: Irgendwie hässlich, aber was will man machen? Auch ein geiler Preis – 4.000 $ und man bekommt wohl etwas Ordentliches nach Hause.

Fokusphase: Anthem

All die oben genannten Marken haben eines gemeinsam: Entweder hatte ich keinen Kontakt, oder es hat sich trotz Kontakt niemand ernsthaft gekümmert.

Ganz anders Anthem. Auf der High End 2025 habe ich den deutschen Vertrieb von Anthem kennengelernt und pflege seitdem netten Kontakt. Es war auch schon ein MRX740 in meiner Kette, der erstaunlich gut war. Eigentlich wollte ich dazu einiges veröffentlichen, aber familiär war einiges los und ich habe ihn unverrichteter Dinge zurückgeschickt.

Eine Marke, die aktiv in Deutschland vertrieben wird – mit echter Leidenschaft und dem Willen zu Gesprächen und Kooperation – macht da schon einen Unterschied.

Kein Dirac Live, ja. Aber mit ARC Genesis ein potentes System. Der MRX740 war klanglich schon eine Wucht. Das moderne Bedienkonzept, die Profile, die Einmessung, die Einstellbarkeit – alles Klasse in dieser Preisrange.

Natürlich kommen jetzt viele mit dem AVM90. Den Anspruch würde ich gerne erfüllen, aber es muss alles am Boden bleiben. Ich will und kann hier nicht abheben. Dennoch möchte ich an einer Vorstufe festhalten – also schiele ich auf den Anthem AVM70. Mit rund 5.500 € kein Schnapper, aber inhaltlich hochinteressant.

Was mich letztlich überzeugt hat: Wie stabil der MRX740 gelaufen ist. Der IOTAVX AVP17 hatte IMMER HDMI-Sync-Probleme bei eARC. Netflix an, kein Ton. Pause, 10 Sekunden warten, nochmal play. Der Denon X4000 konnte das problemlos – und der MRX740 ebenfalls. Usability ist nunmal wichtig.

Und dann die Einmessung mit ARC Genesis: Mikro ans MacBook, einmessen, Ergebnisse begutachten, nach Geschmack anpassen – und hallo, der Raum lebt. Das Stepdown zurück auf den Denon X4000 nach dem MRX740 war riesig.

Die Entscheidung für den Anthem AVM70

Eine Investition für den Blog muss Content nach sich ziehen. Dafür will ich das mir bestmögliche tun.

Mit dem Anthem AVM70 bekomme ich ein ausgewachsenes Einmesssystem, das sich vor Dirac Live nicht verstecken muss – und von vielen sogar noch höher gelobt wird, weil es out of the box eindrucksvoller klingt. Ich bekomme ein System, an dem ich mich inhaltlich abarbeiten kann. Ich kann dem ein oder anderen die Vorzüge nahebringen, die Angst nehmen, ein komplexeres System zugunsten von mehr Klang und Kontrolle zu wählen.

Ich bekomme analogen Passthrough – ich kann einfach Geräte testen und den Anthem angeschlossen lassen, mit und ohne Einmessung. Und ich habe genug Platz für mehrere Profile, wenn ich Lautsprecher teste, ohne meine eigenen Profile zu verwerfen. Exportieren, importieren, nach Lust und Laune.

Der Anthem AVM70 sitzt irgendwo zwischen Denon/Marantz und StormAudio/Trinnov – höchst einstellbar, mit einer echten Einmessung und einem Vertrieb, der mich auch zu Schulungen bringen wird. Damit ich nicht völligen Stuss erzähle, sondern meine Journey immer weitergeht.

Was ich mit dem AVM70 herausfinden will

Was bringt mich dazu – warum das alles? Diese Frage ist vielschichtig, aber im HiFi-Hobby tief verankert: der Upgrade-Wille. Das nächste Upgrade ist direkt um die Ecke – das könnte ein Verkäufer-Slogan sein, und ich will dem auf den Zahn fühlen. Ich glaube, mit dem Anthem AVM70 ist man im High-End-Heimkino angekommen. Aber erfüllt das wirklich die Hoffnung auf wirklich geilen Sound? Ich weiß, dass der Denon so manches Kino, in dem ich war, in die Ecke gestellt hat. Vom Anthem AVM70 erwarte ich, dass er alles überragt. Wer hier auf dem Sofa Platz nimmt, soll mit einem fetten Grinsen wieder aufstehen – und sich ernsthaft Gedanken über seinen Netflix-Konsum ohne Heimkino-Sound machen.

Gleichzeitig bin ich Informatiker und liebe es, tief in Systeme einzusteigen. Ich hoffe, dass ich bisher nur an der Oberfläche der Möglichkeiten gekratzt habe und dem Anthem noch so einige Geheimnisse entlocken kann. ARC Genesis wirklich gegen manuelle PEQ-Arbeit vergleichen. Neue Impulse bei der Auswahl von Heimkino-Komponenten setzen – ganz bewusst ohne auf Schwarmintelligenz in Foren zu setzen.

Der analoge Passthrough soll dabei keine Zierde sein, sondern Werkzeug: für Reviews, für Hörsessions, für den Alltag. Ich will mir Gedanken machen, wie Profile sinnvoll strukturiert und genutzt werden – um den größten Nutzen sowohl als Tester als auch als Anwender herauszuholen.

Fazit

Ich habe euch versucht, ein wenig in meine Welt mitzunehmen und zu zeigen, was hinter den Kulissen passiert und was mir täglich durch den Kopf geht. Das ist noch lange nicht alles – ich könnte ein Buch darüber schreiben. Auch der Vergleich der verschiedenen Geräte, den ich hier sehr vereinfacht dargestellt habe, hätte noch viel mehr Raum verdient. Aber ich hoffe, damit Ideen und Diskussionen anzustoßen.

Bei mir wird es jetzt der Anthem AVM70 sein, dem ich mich für eine gute Weile verschreibe – und ich werde versuchen, meine Erkenntnisse, Anleitungen und Erfahrungen weiterzugeben. Nicht als Durchlaufobjekt wie das oft in der Fachpresse für 14 Tage der Fall ist, sondern langfristig. Weil ich an das Gerät glaube.

Elf Jahre X4000. Das ist keine Zahl, das ist ein Lebensabschnitt. 2013 hab ich den Horrorblog aufgemacht – ein Jahr später den Denon gekauft. Dem ich sogar einen Pioneer SC-LX56 vorgezogen hatte – Audyssey XT32 gegen MCACC, ich war schon damals Team Einmessung. Beides hätte ich damals nie für das gehalten, was daraus werden würde. Der Blog ist heute HiFiGeek.de. Und der Denon? Kaputt. Irgendwie fühlt sich das richtig an. Weil ich gemerkt habe, dass ich nicht mehr den günstigsten Kompromiss suche, sondern das, was ich wirklich will. Der Anthem AVM70 ist keine Notlösung. Er ist eine Entscheidung. Dafür, dass das nächste Mal jemand auf diesem Sofa sitzt und einfach nur denkt: Was zur Hölle ist das für ein Sound.

Auf zu neuen Ufern – und hoffentlich wieder ein Stück professioneller und interessanter.

]]>
https://www.hifigeek.de/anthem-avm70-kaufentscheidung/feed/ 0 10756
miniDSP Tide16: 16 Kanäle, Dirac komplett drin, und endlich mal was Neues im AV-Game https://www.hifigeek.de/minidsp-tide16/ https://www.hifigeek.de/minidsp-tide16/#respond Tue, 21 Apr 2026 19:50:28 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=10743 Okay, das ist ein Ding. miniDSP — die Jungs, die man bisher mit kleinen DSP-Kisten und Messmikrofonen verbindet — bringen mit dem miniDSP Tide16 ihren ersten echten AV-Prozessor raus. Zwei Jahre Entwicklung, Dolby- und DTS-zertifiziert, Hardware und Firmware beides inhouse gebaut. 16 Kanäle, die komplette Dirac-Suite inklusive ART, UMIK‑1 im Karton. 3.500 US-Dollar.

Worum geht’s

Der miniDSP Tide16 ist eine 16-kanalige AV-Vorstufe mit voller Atmos- und DTS:X‑Dekodierung, HDMI-Umschaltmatrix, Bluetooth-Streaming und Dirac-Raumkorrektur. Und zwar nicht irgendeine Raumkorrektur, sondern die ganze Dirac-Research-Suite: Dirac Live Full Range, Bass Control, Active Room Treatment. Alles perpetual lizenziert, alles serienmäßig. Wer diese drei Lizenzen einzeln kauft, ist locker 800 Dollar los. Hier kostet das genau nichts extra.

Das Ding ist kein Massenmarkt-AVR. Kein Denon, kein Marantz, kein „alles-läuft-aus-der-Box-mit-zwei-Klicks”. Es ist auch keine 15k-StormAudio. miniDSP selbst sagt: niche capability. Und das trifft’s.

Die Hardware

Gehirn: Quad-Core ARM A53 mit 1,8 GHz. 32 Bit Verarbeitung, aktuell 48 kHz Samplerate intern. Klingt erstmal wenig, ist aber die Bandbreite, in der jedes Filmsoundtrack-Format daherkommt. miniDSP sagt, 192 kHz sind per Firmware-Update irgendwann drin. Abwarten.

Rein kommt alles: 3× HDMI mit eARC-Port als TV-Rückkanal, 2× Koax und 2× Toslink S/PDIF, 1× XLR symmetrisch, 1× Cinch, 1× USB Audio (UAC2, Stereo-PCM), Bluetooth mit LDAC und APTX HD. Für eine Kiste, die fürs Wohnzimmer gedacht ist, ziemlich umfangreich bestückt.

Raus geht’s über 16 symmetrische XLRs: 8× ESS ES9017 DACs mit Output-Relais, 200 Ω Ausgangsimpedanz, 4 Vrms Maximalpegel. Frequenzgang 20 Hz bis 20 kHz ±0,05 dB. SNR 125 dB (D→A), A‑gewichtet 127 dB. THD+N bei ‑118 dB, also 0,0001 Prozent. Crosstalk ‑120 dB. Alles natürlich unter AES17-Bedingungen mit 20-kHz-Tiefpass bei 0 dBFS gemessen — sprich: Herstellerbedingungen. Real dürfte da noch Luft zu echten Messungen sein. Trotzdem: das sind keine schlechten Papierwerte.

Video: HDMI 1.4/2.0b, 4K60 UHD, 18 Gbps, HDCP 2.3, Dolby Vision zertifiziert. eARC und VRR sind an Bord. Keine volle HDMI 2.1 mit 48 Gbps. Dazu gleich mehr, das ist ein eigenes Kapitel.

Codecs, die sind alle drin, die man haben will: Dolby Atmos samt Height Virtualization und Atmos Music, Dolby TrueHD, DTS HD Master, DTS:X, DTS Neural:X, DTS Virtual:X. Upmixer bis 16 Kanäle (Atmos) beziehungsweise 12 Kanäle (DTS Neural:X). DTS:X Pro mit 16 Kanälen ist aktuell nicht lizenziert — kann später kommen.

Bass-Management: Bis zu 4 unabhängige Subwoofer-Kanäle, jeder mit eigener Laufzeit, EQ und Pegel. In Kombination mit Dirac Live Bass Control ist das genau die Flexibilität, die man sonst erst deutlich weiter oben im Preisregal findet.

Das Kistchen selbst: 432 × 254 × 89 mm. Rack-Ohren sind abnehmbar, also auch fürs Möbel im Wohnzimmer tauglich. Passive Kühlung, kein Lüfter, kein Gezischel. Vorne ein 1080p-OLED-Color-Display, das nach den ersten Bildern ziemlich schick aussieht. 23 Watt Idle, 1,3 Watt Standby.

Steuern kann man das Ding wie man will: klassische IR-Fernbedienung im Karton, miniDSP Device Console für Mac und Windows, WebGUI im Browser, optionaler KD‑1 Smart Remote mit rundem OLED-Dreh-Encoder. Crestron‑, AMX- und Savant-Integration ist vorbereitet, REST-API für Bastler kommt noch. Dazu 12-V-Trigger rein und zweimal raus, IR-In, IR-Flasher.

Ein Blick ins Manual

Das User Manual des miniDSP Tide16 ist seit Anfang April online. Wer miniDSP-Doku schon mal gelesen hat — weiß, worauf zu achten ist: das Signal-Flow-Kapitel. Und da wird’s interessant.

Jedes Signal wandert beim miniDSP Tide16 durch dieselbe Kette: Eingangsquelle wählen, Pegel-Offset, Bass Management, Matrix Mixer (jede der Eingangsquellen kann frei auf jeden der 16 Ausgänge geroutet werden), Dirac-Filter, Parametric-EQ, Crossovers, Delays, Master-Volume, DAC, raus. Das klingt nach viel, ist aber genau die Kette, die man sich als Enthusiast wünscht. Vollständige Kontrolle, jede Stufe konfigurierbar.

miniDSP Tide16 Flow Diagramm

Der Matrix Mixer ist der Star. Damit lässt sich beispielsweise ein vollaktives 4‑Kanal-Front-System (also je Kanal Hoch- und Tieftöner separat angesteuert, mit eigenen Endstufen) parallel zu einem 11.2‑Surround-Layout fahren. Alles aus einer Kiste, mit individuellen Crossover- und EQ-Einstellungen pro Kanal. Für DIY-Aktiv-Projekte und Studio-Setups ist das Gold.

Was das Manual auch zeigt: Analog-Eingänge laufen zwangsläufig durch ADC → DSP → DAC. Einen echten Analog-Bypass-Modus, bei dem das Signal an der Digitalisierung vorbeigeht, gibt’s nicht. Auch nicht mit deaktiviertem DSP. Heißt: wer mit einem externen Phono-Preamp rein will, wandelt in beiden Richtungen. Kein Drama, aber wer sich pure Analog-Durchleitung erhofft hat: Pech. Dafür hat miniDSP andere Produkte im Katalog.

HDMI 2.0b — und warum das Geschrei nur zum Teil gerechtfertigt ist

Der größte Aufreger in der internationalen Berichterstattung: kein vollwertiges HDMI 2.1. In manchen Foren wird daraus schon das K.o. gezimmert. Das ist zu kurz gedacht.

Was ist drin: eARC, VRR, Dolby Vision zertifiziert. Was fehlt: die 48-Gbps-Pipeline für 4K120 und 8K60. Für den gewöhnlichen Film-Zuspieler 2026 — Blu-ray-Player, AppleTV 4K, 4K60-Streamer — völlig ausreichend. Problematisch wird’s erst bei Gaming-Setups mit PS5 Pro, Xbox Series X oder HTPCs, die 4K120 ausspucken wollen. Und bei echten 8K-Quellen, die aktuell eh kaum jemand hat.

miniDSP hat sich bewusst entschieden: lieber stabile, zertifizierte 2.0b-Basis mit den wichtigsten 2.1‑Features, als Marketing‑2.1, das hinten raus Handshake-Probleme macht. Wer die Schmerzen mit wackeliger HDMI-Implementierung bei kleineren Herstellern kennt, versteht die Entscheidung. Für Gamer mit 4K120-Ambitionen ist’s trotzdem ein harter Kompromiss — für Kino-Enthusiasten kein Thema.

Preis, Verfügbarkeit, wie man an den miniDSP Tide16 kommt

3.500 US-Dollar. Gegen Aufpreis kommt die KD‑1 Smart Remote obendrauf, wer ein Kalibrierungsmikrofon benötigt kann für 75$ das UMIK‑1 oder das UMIK‑2 für 195€ extra dazu nehmen. In Deutschland listet Soundimports ihn für 4.599 €.

Wer gleich die passenden Endstufen dazu will: miniDSP hat die AMP8 im Programm. 8 Kanäle Class D auf IcePower-Basis, 300 Watt pro Kanal, 2.200 Dollar das Stück. Zwei davon plus miniDSP Tide16 gleich schlüsselfertiges 16-Kanal-Setup für rund 7.900 Dollar. Nicht die günstigste Kombo. Muss man sich ansehen.

Die ersten Units sollen in den kommenden Wochen verfügbar werden.

Wo das Ding im Markt steht

Klare Sache: Der miniDSP Tide16 füllt die Lücke zwischen Mainstream-AVR und Ultra-High-End-AVP. Denon, Marantz, Yamaha, Onkyo sind bequem zu bedienen, aber DSP-Flexibilität ist da Mangelware und Dirac kostet Aufpreis. StormAudio, Trinnov, Datasat — alles großartig, aber eben auch dreimal bis fünfmal so teuer. Dazwischen herrscht aber auch ein rauher Markt. Monoprice HTP‑1 mit einem anderen Konzept, aber ohne Dirac im Bundle, Anthem mit dem AVM70 und ARC Genesis statt Dirac, Arcam AV41 mit Dirac und nicht 100%iger Stabilität, aber mit frisch angekündigtem Acam AVP45.

Zielgruppe also: Enthusiasten mit mehr als 8 Kanälen, Leute mit aktiven Monitoren im Studio, DIY-Aktiv-Lautsprecher-Bastler, Custom Integrators mit Spezialanforderungen. Wer ein All-in-One-Press-and-Play-Ding sucht, ist beim miniDSP Tide16 falsch und wird unglücklich. Wer endlich mal die Kontrolle über den gesamten Signalpfad haben will, die AVR-Hersteller seit Jahren konsequent nicht liefern, findet hier das Werkzeug dafür. Zu einem Preis, der realistisch bleibt.

Häufig gestellte Fragen zum miniDSP Tide16

Wie viele Kanäle hat der miniDSP Tide16?

16 Ausgangskanäle, davon bis zu 4 Subwoofer-Kanäle — damit lassen sich Konfigurationen wie 7.2.6 oder 9.2.4 realisieren.

Welche Dirac Live Komponenten sind inklusive?

Der miniDSP Tide16 enthält das vollständige Dirac Live Paket ohne Aufpreis: Room Correction (Full Band, 20 Hz–20 kHz), Bass Control (DLBC) und Active Room Treatment (ART). Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht — die Realität am Markt sieht so aus:

- Marantz und Denon: Dirac Live gar nicht verfügbar
- Andere: Oft nur die kostenlose Basislizenz dabei, die auf 500 Hz limitiert ist — Full Band, DLBC und ART kosten jeweils extra
- Anthem (ARC Genesis): Eigenes System, kein Dirac Live

Wer also bei einem klassischen AV-Receiver nachrüsten will, zahlt für Full Band + DLBC + ART schnell mehrere hundert Euro an Lizenzkosten — on top zum Gerätepreis. Beim Tide16 ist das alles von Tag 1 eingerechnet.

Ist ein Mikrofon im Lieferumfang?

Nein. Das UMIK‑1 Kalibrierungsmikrofon kostet 75$ oder das UMIK‑2 Kalibrierungsmikrofon 195€ extra.

Was kostet der miniDSP Tide16?

3.500 USD — europäischer Preis laut SoundImports bei 4.599 €

Unterstützt der miniDSP Tide16 Dolby Atmos und DTS:X?

Ja — Dolby Atmos, Dolby TrueHD, DTS:X, DTS:X Pro und DTS Neural:X werden unterstützt.

Unterstützt der miniDSP Tide16 Auro3D?

Nein. Nur Dolby Atmos, Dolby TrueHD, DTS:X, DTS:X Pro und DTS Neural:X werden unterstützt.

Unterstützt der miniDSP Tide16 HDMI 2.1?

Nein. Der Tide16 verwendet HDMI 2.0b — das bedeutet maximal 4K/60Hz und 18 Gbit/s Bandbreite. HDMI 2.1 mit 48 Gbit/s, 4K/120Hz oder 8K wird nicht unterstützt. Für reine Heimkino-Nutzung mit aktuellem Blu-ray-Material ist das kein Problem, wer aber Gaming mit 4K/120Hz oder einen modernen 8K-Workflow plant, sollte das einkalkulieren.

Das Fazit vor dem Test

Der miniDSP Tide16 ist eine Ansage. Hardware-seitig ordentlich bestückt, Dirac-Suite komplett, Flexibilität auf Profi-Niveau, dazu ein echter Effizienz-Vorteil durch ARM-Architektur und passive Kühlung. Die Kompromisse — HDMI 2.0b, 48-kHz-Limit, kein Analog-Bypass — sind bewusst gesetzt und passen zur miniDSP-DNA.

Die eigentliche Frage ist: wie schlägt sich das Ding in der Praxis? Wie stabil läuft die HDMI-Strecke über Monate? Wie gut performt Dirac ART im Vergleich zu alternativen Raumkorrektursystemen? Wie souverän arbeitet die DAC-Stufe gegen einen realen Signalgenerator?

Das sind die Fragen, die sich erst am realen Gerät beantworten lassen. Und genau deshalb wird’s spannend. Dran bleiben.

]]>
https://www.hifigeek.de/minidsp-tide16/feed/ 0 10743
IOTAVX AVX 17 – Purismus, Power und Präzision fürs Heimkino https://www.hifigeek.de/iotavx-avx-17-purismus-power-und-praezision-fuers-heimkino/ https://www.hifigeek.de/iotavx-avx-17-purismus-power-und-praezision-fuers-heimkino/#respond Thu, 17 Apr 2025 12:52:32 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=8757 Die IOTAVX AVX 17 AV-Vorstufe war für mehrere Monate unser audiophiler Mitbewohner. Genau genommen hatten wir das komplette IOTAVX AVX17 + 2x AVXP1 (hier gehts zu unserem Test) Paket im Test, aber ich entschied mich, die Geräte separat zu betrachten. Was diese Vorstufe von der Masse abhebt? Ein konsequenter Fokus auf Hardware-Exzellenz statt Software-Magie – und ob das wirklich funktioniert, erfahrt ihr in diesem ungeschönten Test.

Transparenz first

Der IOTAVX AVX 17 wurde uns kostenlos vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Klingt nach Beeinflussung? Keine Sorge – wie immer bleiben wir kompromisslos ehrlich und neutral. Bei uns gibt’s keine PR-Floskeln, sondern die nackte Wahrheit – egal ob ein Produkt glänzt oder spektakulär versagt.

Die Grundidee: Hardware first, Software second

IOTAVX verfolgt mit der IOTAVX AVX 17 einen völlig anderen Ansatz als Mainstream-Hersteller wie Denon und Marantz oder High-End-Marken wie StormAudio und Trinnov. Statt Kunden mit automatischen Einmesssystemen und komplexen Raumkorrekturen zu beeindrucken, konzentrieren sie sich auf erstklassige Hardware und geben euch mächtige manuelle Werkzeuge an die Hand.

Die Philosophie dahinter ist simpel: Hochentwickelte Algorithmen wie Audyssey, Dirac Live oder Trinnovs proprietäre Lösungen verschlingen Entwicklungsbudgets – und diese Kosten landen zwangsläufig bei uns als Endkunden. IOTAVX hat stattdessen entschieden, das Budget in exzellente Hardware zu stecken und bei der Software auf das Wesentliche zu reduzieren, ohne auf wichtige Codecs wie Dolby Atmos und DTS:X zu verzichten.

Ihr bekommt zwar kein vollautomatisches Audio-Wunderwerk, dafür aber leistungsstarke manuelle Werkzeuge für Audio-Enthusiasten. Etwas Bastelarbeit ist also gefragt – aber für Audiophile und Heimkino-Fans, die wissen wollen, was in ihrem Setup wirklich steckt, ist genau das ein Grund zum Feiern!

Lieferumfang und technische Daten: Vollausstattung ohne Schnörkel

Zum Lieferumfang gibt’s nicht viel zu sagen: Netzkabel, Fernbedienung, Einmessmikro, 4x Trigger-Kabel, das Gerät selbst und eine Anleitung – mehr braucht’s auch nicht. Das eigentliche Highlight ist die innere Ausstattung: Die IOTAVX AVX 17 bietet satte 17 Kanäle, aufgeteilt in 13.4, womit Setups bis zu 7.4.6 möglich sind. Alle wichtigen Formate wie Dolby Atmos und DTS:X werden unterstützt – hier gibt’s keine Kompromisse.

Die Anschlussvielfalt ist beeindruckend:

  • 17 Cinch-Ausgänge
  • 17 XLR-Ausgänge (für maximale Signalqualität)
  • 3 analoge Cinch-Eingänge (ideal für Plattenspieler, Streamer oder CD-Player)
  • 2 koaxiale und 2 optische Digitaleingänge
  • 6 HDMI 2.0b Eingänge und 2 HDMI 2.0b Ausgänge (mit HDCP 2.2, 4K, HDR10 und Dolby Vision)
  • Bluetooth 5.0 mit aptX-HD

Die zwei HDMI-Ausgänge sind besonders praktisch, wenn ihr beispielsweise TV und Beamer parallel betreiben wollt. Der erste HDMI-Ausgang unterstützt zudem ARC, um den Sound vom TV zurück an die AV-Vorstufe zu leiten.

Verarbeitung und Software: Wo Licht ist, gibt’s auch Schatten

Die Verarbeitungsqualität der IOTAVX AVX 17 ist absolut high-end. Das massive Metallgehäuse, die hochwertigen Anschlüsse und das informative Frontdisplay schreien förmlich “Ich bin ein audiophiles Kraftpaket!” Hier gibt’s nichts zu meckern – IOTAVX unterstreicht ihren Anspruch, kompromisslose Qualität zu liefern.

Die Software hingegen ist… sagen wir mal… funktional statt sexy. Hier gibt’s keine hochglanzpolierte Benutzeroberfläche, sondern eine zweckmäßige, teils pixelige Darstellung. Ehrlich gesagt: Wer braucht Schnickschnack, wenn die Funktionalität stimmt?

Das integrierte Einmesssystem erkennt die Abstände der Lautsprecher zur Hörposition erstaunlich präzise und erleichtert die Grundeinrichtung enorm. Die rudimentären DSP-Filter sind für den Anfang durchaus brauchbar – das wahre Highlight ist jedoch der extrem flexible parametrische EQ:

  • 11 Bänder für die Hauptkanäle (Links, Rechts, Center)
  • 7 Bänder für weitere Kanäle (Surround, Surround-Back, Atmos)
  • 5 Bänder für jeden der vier Subwoofer-Ausgänge1

Was fehlt? Auf moderne Komfortfunktionen wie Streaming, Netzwerkanschluss, WLAN und Multiroom müsst ihr verzichten. Die IOTAVX AVX 17 unterstützt allerdings eine zweite Zone für Musik in einem anderen Raum. Der interne DAC verarbeitet Signale bis 192kbit – völlig ausreichend für Filmgenuss und Musik. Ein Phono-Vorverstärker ist ebenfalls nicht an Bord, also plant entsprechend, wenn ihr Vinyl hören wollt.

Ersteinrichtung: Schnell, aber noch nicht perfekt

Die Ersteinrichtung geht erstaunlich flott von der Hand. Mit dem automatischen Einmesssystem erzielt man bereits akzeptable Ergebnisse – perfekt für einen ersten Höreindruck. Schon nach dieser grundlegenden Einrichtung kann man direkt mit dem Hören beginnen und bekommt einen soliden Eindruck vom Potenzial des Systems.

Nach den ersten Filmen haben wir allerdings die Lautstärken einzelner Kanäle manuell angepasst. Die Atmos-Kanäle waren für unseren Geschmack etwas zu zurückhaltend, weshalb wir sie um 1,5dB angehoben haben – genau diese Flexibilität macht die IOTAVX AVX 17 so interessant.

Einmessung mit REW: Jetzt wird’s richtig geil!

Wer das volle Potenzial der IOTAVX AVX 17 ausschöpfen will, sollte sich mit der Software Room EQ Wizard (REW) vertraut machen und ein kalibriertes Messmikrofon besorgen. Wir haben ein miniDSP UMIK1 verwendet, die Kalibrierungsdaten in REW importiert und dann jeden Kanal einzeln vermessen.

Zugegeben: Bei so vielen Kanälen ist das ein ordentliches Stück Arbeit – ähnlich wie wenn ihr eure erste Platte auf Vinyl hört und realisiert, dass ihr jetzt ein ganzes Kaninchenloch an audiophilen Möglichkeiten entdeckt habt. Nach den Messungen haben wir die Parameter berechnet – REW macht das zum Glück recht einfach – und dann manuell über die Fernbedienung in die IOTAVX AVX 17 eingegeben.

Klingt mühsam? Ist es auch! Aber das Ergebnis ist absolut beeindruckend. Wir haben natürlich auch ein paar Feinheiten nach unserem persönlichen Geschmack angepasst, besonders im Bassbereich – mehr Druck für die brutalen Breakdowns bei unseren Metal-Sessions. Genau diese Möglichkeit, selbst Hand anzulegen und zu experimentieren, macht unglaublich viel Spaß!

Bedienung: Zweckmäßig, aber nicht sexy

Die Software ist nicht gerade ein Augenschmaus, aber die Einstellmöglichkeiten sind umfangreich. Nach der Ersteinrichtung hat man im Alltag jedoch weitgehend seine Ruhe und kann den IOTAVX AVX 17 problemlos nutzen.

Die alltägliche Bedienung ist erfreulich unkompliziert. Dank CEC lässt sich die Vorstufe in den meisten Fällen bequem über den Fernseher steuern – hier gab es in unseren Tests keinerlei Probleme. Die Funktionen sind intuitiv erreichbar, und nach einer kurzen Eingewöhnungszeit greift man blind zur richtigen Taste.

Klang: Das Herzstück der IOTAVX AVX 17

Kommen wir zum Entscheidenden: Wie klingt dieses Beast? Die AVX 17 spielt erfreulich neutral und ausgewogen, ohne einen bestimmten “Einschlag” wie ihn beispielsweise Denon-Geräte haben. Sie offenbart die Aufnahme in ihrer reinsten Form, ohne eigene Färbung hinzuzufügen.

Gerade im Bassbereich kann sie dank der flexiblen EQ-Einstellungen direkt zupacken – wir haben hier ordentlich an den Reglern gedreht, um zu sehen, was möglich ist, und waren absolut begeistert. Bass-Drops, wie sie bei modernem Metal zum Standard gehören, kommen mit einer Präzision und Kraft, die man sonst nur von deutlich teureren Systemen kennt.

Wie bereits erwähnt, empfanden wir die werkseitige Einpeglung der Atmos-Lautsprecher als etwas zu zurückhaltend und haben hier nachgeholfen. Leider kann man nicht einzelne Kanäle isoliert testen, wie es bei manchen Konkurrenzprodukten möglich ist – das wäre für analytisches Hören hilfreich, ist für den Normalanwender aber kein Dealbreaker.

Surround und 3D-Sound: Kinoreife Performance

Die IOTAVX AVX 17 erzeugt eine beeindruckend homogene Surround-Atmosphäre mit hervorragender räumlicher Abbildung. Die Kanaltrennung ist präzise, ohne ungewollte Überblendungen. Was mir besonders gefällt: Die Vorstufe spielt ungeschönt und offenbart dadurch auch Schwächen in der Abmischung – ein Zeichen für ihre natürliche Wiedergabe.

Bei der 3D-Sound-Wiedergabe überzeugt die IOTAVX AVX 17 durch Präzision und Homogenität. Die Deckenlautsprecher werden exakt angesteuert und in ein stimmiges Gesamtbild integriert. Das einzige “Problem”: Die meisten Film-Tonspuren schöpfen die Möglichkeiten der Hardware noch nicht voll aus. Hier sind eher die Filmstudios gefordert, bessere Atmos-Mischungen zu liefern.

Vinyl: Auch analog macht der AVX 17 eine gute Figur

Wir haben unseren Plattenspieler mit einer Graham Slee GramAmp 2 SE Phono-Vorstufe an die IOTAVX AVX 17 angeschlossen. Natürlich wandelt die Vorstufe das analoge Signal zunächst in ein digitales um – anders wären DSP und Lautstärkeregelung nicht möglich. Dennoch ist der Klangunterschied zur komplett analogen Kette erstaunlich gering.

Der große Vorteil: Unsere auf den Raum optimierten EQs gleichen vorhandene akustische Schwächen perfekt aus. Hier zeigt sich wieder die Stärke des IOTAVX-Ansatzes: Lieber eine exzellente Hardware-Basis mit manuellen Anpassungsmöglichkeiten als Automatik-Features, die am Ende nicht das Optimum herausholen.

DAC/Streamer: Neutral wie ein Schweizer Notar

Da die IOTAVX AVX 17 selbst keine Streaming-Funktionen bietet, haben wir diverse externe Streamer und DACs angeschlossen (WiiM, Eversolo, Burson, Shanling etc.). Auch hier bestätigt sich die neutrale Arbeitsweise der Vorstufe: Obwohl sie intern die Signale digital wandelt, setzt sie keine eigene klangliche Note drauf. Die charakteristischen Unterschiede zwischen den verschiedenen Quellgeräten bleiben erhalten.

Gaming: Solide Performance mit kleinem Wermutstropfen

Natürlich haben wir auch mit der IOTAVX AVX 17 gezockt – sowohl am PC als auch an diversen Konsolen. Die Performance ist durchweg überzeugend, mit einem kleinen Wermutstropfen: Aufgrund des HDMI 2.0b Standards sind keine 120Hz-Signale möglich. Wenn euch das wichtig ist, solltet ihr die entsprechenden Quellgeräte direkt an den Fernseher anschließen und den Ton via ARC zur IOTAVX AVX 17 leiten.

Ist die IOTAVX AVX 17 eine echte Alternative zu anderen Herstellern?

Die IOTAVX AVX 17 ist definitiv ein eigensinniges Produkt, das sich mehr an Enthusiasten als an Einsteiger richtet. Dennoch könnte sie ein idealer Einstieg in die High-End-Welt sein – wie das erste Death-Metal-Album, das euch die Tür zu einer völlig neuen Klangwelt öffnet. Anfangs vielleicht einschüchternd, aber mit wachsender Erfahrung immer faszinierender.

Im Vergleich zur Konkurrenz steht die IOTAVX AVX 17 hervorragend da:

  • Denon bietet keine reinen Vorstufen an. Der AVR-X6800H für ca. 2400€ kommt mit 11 Endstufen und der Möglichkeit, über eine separate Stereoendstufe auf 13 Kanäle zu erweitern. Hier bekommt man zwar Streaming-Funktionen via HEOS dazu, aber qualitativ kann diese All-in-One-Lösung mit einem IOTAVX AVX 17 + AVXP1 Paket nicht mithalten.
  • Marantz hat zwar eine dedizierte AV-Vorstufe im Programm, diese kostet jedoch stolze 7000€. Bei IOTAVX bekommt ihr ein komplettes Set mit zwei IOTAVX AVXP1 Endstufen für ca. 4200€.
  • Der Denon AVC-A10H rangiert bei 4600€ und dürfte kaum den Dynamikumfang des IOTAVX-Sets erreichen.

Erst deutlich teurere Geräte von StormAudio oder Trinnov bieten ähnliche PEQ-Funktionen plus zusätzliche Features wie Bass-Management oder Active-Room-Treatment – allerdings zum 3- bis 5‑fachen Preis. Hier ist IOTAVX wie ein aufstrebendes Underground-Label, das die großen Plattenkonzerne in Sachen Preis-Leistung alt aussehen lässt.

“Aber Streaming ist mir wichtig!” – Die Lösung

Mit dem gesparten Budget könnt ihr locker in einen hochwertigen externen Streamer investieren. Empfehlenswert sind der WiiM Pro Plus oder WiiM Ultra für den kleineren Geldbeutel, oder der Eversolo DMP-A6 (Master Edition) als anspruchsvollere Lösung. Wir haben alle diese Geräte bereits mit der IOTAVX AVX 17 getestet – sie harmonieren hervorragend!

“Aber 8K ist doch die Zukunft?” – Nein, ist es nicht

Ehrlich gesagt: aktuell braucht kein Mensch 8K. Die meisten Hersteller nehmen ihre 8K-Geräte bereits wieder aus dem Sortiment, weil der Markt schlicht nicht da ist. Selbst 4K hat es noch nicht überall geschafft, und im Heimbereich wird 8K entweder noch Jahre brauchen oder sich gar nicht durchsetzen.

Bei typischen Betrachtungsabständen und Bildschirmgrößen im Heimkino ist der Unterschied zwischen 4K und 8K kaum wahrnehmbar – ähnlich wie der Unterschied zwischen einem gut gemasterten MP3 und einer High-Res-Datei auf einem Durchschnitts-System. (Denkt dran der AVX 17 ist nicht durchschnitt und hier bekommt ihr die Unterschiede direkt auf dem Präsentierteller)

Auch im Gaming-Bereich kämpfen aktuelle Grafikkarten noch damit, stabile Frameraten bei 4K mit allen Details und Raytracing zu liefern. Selbst Sony hat das 8K-Logo von der PlayStation 5 entfernt, da sie nicht an die kurzfristige Marktrelevanz glauben.

Fazit: Audiophiler Purismus für Enthusiasten

Die IOTAVX AVX 17 ist ein Gerät mit klarem Fokus: kompromisslose Klangqualität ohne überflüssigen Schnickschnack. Sie richtet sich an Audio-Enthusiasten, die bereit sind, sich mit der Materie auseinanderzusetzen und das letzte Quäntchen Performance aus ihrem Heimkino-Setup herauszukitzeln – vergleichbar mit dem Unterschied zwischen einem normalen Fan und einem echten Metalhead, der jede Note seines Lieblingsalbums kennt.

Mit ihrer erstklassigen Verarbeitung, den umfangreichen Anschlussmöglichkeiten und dem neutralen, detailreichen Klangbild überzeugt die IOTAVX AVX 17 auf ganzer Linie. Besonders beeindruckend ist der flexible parametrische EQ, der eine präzise Anpassung an den eigenen Raum und Geschmack ermöglicht.

Die Vorstufe ist kein Plug-and-Play-Gerät für Einsteiger, sondern eine audiophile Sandbox für Tüftler und Klangperfektionisten. Wer bereit ist, Zeit und Mühe in die Einrichtung zu investieren, wird mit einem Klangerlebnis belohnt, das deutlich teurere Geräte in den Schatten stellt.

Im Zusammenspiel mit den passenden IOTAVX AVXP1 Endstufen entsteht ein Heimkino-Setup, das in Sachen Preis-Leistung seinesgleichen sucht. Für Metal-Fans, Horrorfans und Filmliebhaber, die Wert auf ungefärbte, kraftvolle Wiedergabe legen, ist das IOTAVX-System eine echte Offenbarung – wie der erste Besuch auf einem Konzert in der ersten Reihe, wenn die Basswellen direkt durch den Körper gehen.

* Die Wertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.

]]>
https://www.hifigeek.de/iotavx-avx-17-purismus-power-und-praezision-fuers-heimkino/feed/ 0 8757