Vorab ein kurzer Disclaimer: Ich habe den Luxsin X9 vom deutschen Vertrieb audioNEXT kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. audioNEXT oder irgendjemand sonst nimmt keinen Einfluss auf mein Review. Als unabhängiger Blog sind wir an keine geschäftlichen Beziehungen gebunden, die unsere Meinung verfälschen könnten..
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Wer schon einmal Eversolo-Produkte ausgepackt hat, wird die Qualität kennen. Luxsin stammt ebenfalls aus dem Hause Zidoo. Die 3,7 kg des Luxsin X9 liegen direkt wertig in der Hand. Natürlich wird das Gerät gut gepolstert ausgeliefert, sodass dem massiven Aluminiumgehäuse mit seinen soliden Alu-Planken auf der Reise nichts passiert. Mit 30 x 20 x 6,5 cm ist das Gerät kompakt genug für den Schreibtisch. Auf dem HiFi-Rack wirkt es hingegen angenehm schlank und schmal.
Was liegt in der Box:



Der erste Eindruck ist durchweg premium. Das 4‑Zoll-Farb-Touchscreen mit den virtuellen VU-Metern ist das Eye-Candy – sie sehen täuschend echt aus, sind vollständig animiert, etwa mit sanft-blauem Hintergrund. Luxsin bietet 14 verschiedene grafische Varianten zur Wahl, was eigentlich unnötig wirkt, aber durchaus charmant ist. Die facettierten Ecken des Gehäuses geben dem Luxsin X9 ein modernes Design, das nicht billig wirkt. Alle sichtbaren Seiten sind sauber verarbeitet, sogar die Unterseite. Schrauben siehst du nur an der Rückwand – alles andere wirkt wie aus einem Guss.
Der Luxsin X9 nutzt den AK4499EX DAC-Chip von Asahi Kasei Microdevices – derselbe, der auch im erfolgreichen Eversolo DMP-A8 Streaming-DAC verbaut ist. Das ist ein Vertrauenssignal. Daneben sitzt ein AK4191EQ für die IV-Konvertierung (digital zu analog). Die Signalverarbeitung erfolgt über einen AKM 7739 DSP-Chipsatz, der speziell die Headphone-EQ-Funktion steuert (dazu später mehr).


Die Kopfhörerendstufe ist vollständig symmetrisch aufgebaut und liefert bis zu 6.400 mW an 16 Ω über den 4,4‑mm-Balanced-Ausgang – das ist ordentlich Leistung. Über den 6,35-mm-Single-Ended-Anschluss oder XLR4 ist die Leistung etwas geringer, aber immer noch mehr als ausreichend. Der Verstärker-Chip ist ein TPA6120A2 in Kombination mit einem OPA1612 als Buffer. Das Besondere: Die Ausgangsstufe wurde speziell für den Luxsin X9 entwickelt und nicht einfach von Eversolo übernommen.
Ein Lineartrafo versorgt die analoge Sektion (für hohe Reinheit und guten Rauschabstand), ein Schaltnetzteil die digitale Sektion (für Effizienz). Im Inneren sitzt ein großer, gekapselter Ringkerntrafo – du wirst sein Gewicht beim Transport spüren. Die Ripple-Unterdrückung ist mit 40 nV extrem niedrig. Das bedeutet: Der Rauschgrund des Luxsin X9 ist in der Praxis nahezu nicht existent.


Das Dynamic Negative Feedback System (DNF) nutzt die Kombination aus OPA1612 und TPA6120A2, um harmonische und intermodulative Verzerrungen signifikant zu reduzieren. Das praktische Resultat: Der Klang wirkt sauberer und transparenter, ohne zusätzliche Färbung.
Die R2R-Resistor-Array-Lautstärkeregelung ist ein echtes Highlight. Statt digital zu regeln, nutzt der Luxsin X9 1.024 diskrete Stufen mit Schaltrelais – jeder Schritt ist als leichtes „Click“ beim Drehen hörbar, 0,5‑dB-Schritte sind Standard (wahlweise 1, 2 oder 3 dB). Das verhindert Kanalabweichungen im unteren Lautstärkebereich und verschleißt nicht wie ein klassisches Potentiometer.


Die Impedance-Detection-Technologie misst automatisch die Impedanz deines Kopfhörers (16 Ω, 32 Ω oder 300 Ω), wenn du ihn an den 4,4‑mm- oder 6,35-mm-Anschluss anschließt, und passt das Gain entsprechend an. Das ist praktisch wie die ISO-Einstellung an einer Kamera – es optimiert den nutzbaren Regelbereich für deine spezifischen Kopfhörer. XLR4-Nutzer müssen die passende Einstellung manuell wählen. Eine Einschränkung: Das System misst Impedanz, nicht Empfindlichkeit – mit sehr empfindlichen IEMs oder sehr wenig empfindlichen Kopfhörern kann der Regelweg etwas knapp werden.
In der Praxis bedeutet die Kombination aus Dynamic Negative Feedback und R2R-Lautstärkeregelung: extrem saubere Wiedergabe, perfekte Kanalbalance auch bei sehr niedrigen Pegeln und eine feinfühlige, verschleißfreie Lautstärkeregelung, von der besonders Leisehörer profitieren.
Kopfhörer-Ausgänge (Front):
Alle Buchsen sind hochwertig verarbeitet, die Klinkenbuchsen haben dezent goldfarbene Ringe – ein schöner Farbakzent, der nicht billig wirkt.



Digitale Eingänge (Rückseite):
Analoge Eingänge (Rückseite):
Ausgänge (Rückseite – die Vorverstärker-Funktion):



Smart Features:
App-Steuerung:
Die Luxsin Remote App ist verfügbar für iOS und Android. Es gibt außerdem ein Web-Panel im Browser, wenn der Luxsin X9 über WiFi im Netzwerk hängt. Aktuell ist die Oberfläche nur auf Englisch und Chinesisch verfügbar, laut Hersteller soll Deutsch folgen. Die App ist intuitiv, Tuning-Kurven werden visualisiert und PMEQ-Settings (Parametric EQ) lassen sich einfach anpassen. Luxsin schiebt regelmäßig Firmware-Updates nach – gut für Bugfixes und neue Features, aber man lebt damit auch mit einem Gerät, das softwareseitig in Bewegung bleibt.










Massives Aluminium mit soliden Alu-Planken – kein Kunststoff mit Alu-Blende wie bei manchen Konkurrenten. Das Finish ist gebürstet statt hochglänzend, was Fingerabdrücke deutlich entschärft. Die leicht schräg gestellte Frontplatte mit ihren facettierten Ecken gibt dem Luxsin X9 ein modernes Aussehen, ohne zu aufdringlich zu wirken.
Das 4‑Zoll-Farb-Touchscreen (TFT-LCD) ist das visuelle Highlight. Die virtuellen VU-Meter sehen täuschend echt aus, vollständig animiert mit Schatten und Beleuchtung. Du kannst zwischen 14 verschiedenen grafischen Varianten wählen (Black VU, Classic VU, Neon usw.). Die Lesbarkeit ist auch aus seitlichen Blickwinkeln hervorragend, die Helligkeit ist einstellbar.








Die Bedienelemente (Front)
Der Lautstärke-Regler bietet ein sehr befriedigendes, gerastertes Feedback mit gut hörbaren Relais-Klicks – nicht zu straff, nicht zu leichtgängig. Die Haptik ist klar im Premium-Segment angesiedelt. Das Display zeigt bei Lautstärke-Änderungen eine „R2R“-Dezibel-Anzeige an.
Wärmeentwicklung:
Im Idle-Betrieb liegen an der Oberseite rund 30 °C an – warm genug, dass man im Winter gerne mal die Hand darüber streicht, aber nie unangenehm heiß. Es gibt keinen aktiven Lüfter; die Kühlung erfolgt passiv über das Gehäuse.
Da es sich in erster Linie um einen Desktop-DAC handelt, erfolgt die primäre Bedienung über das Touchscreen. Natürlich lässt sich der Luxsin X9 auch bequem mit der Fernbedienung oder über die App steuern, wobei in der App nicht alle Optionen verfügbar sind.
Das ist das Killer-Feature des Luxsin X9. Luxsin hat eine Datenbank mit rund 2.500 Kopfhörer-Profilen vorinstalliert. Wenn du deinen Kopfhörer anschließt, tippst du seinen Namen ins Menü, wählst eines oder mehrere EQ-Profile, und der Luxsin X9 passt den Frequenzgang automatisch an – per DSP. Das funktioniert ähnlich wie EQ-Ansätze auf Basis gemessener Kopfhörerprofile, wie man sie von Roon oder Harman-Target-Curves kennt. Die Idee dahinter: Jeder Kopfhörer bringt charakteristische Verfärbungen mit. Der Fosi i5 ist dir zu zurückhaltend in den Höhen? Die EQ gleicht das aus. Der Verum 2 ist zu hell? Wird korrigiert. Dein Kopfhörer profitiert merklich von dieser Anpassung – nicht subtil, sondern klar hörbar.

Im Ergebnis wirkt HP‑EQ wie ein fehlendes Bindeglied im Head‑Fi‑Setup: Auf Basis realer Messdaten biegt der Luxsin X9 den Frequenzgang vieler Modelle in Richtung einer ausgewogeneren Zielkurve, sodass bekannte Kopfhörer plötzlich wie „fertig abgestimmte“ Hörer klingen – ohne Messmikrofon, REW oder stundenlange EQ‑Bastelei. Ich konnte fast alle Kopfhörer hier im Haus in der Datenbank finden. Lediglich der Sennheiser HD550 fehlt. Schade – wahrscheinlich hätte ihn dieses Feature noch eine Klasse nach oben befördert.
Es gibt drei verschiedene Crossfeed-Level. Die Funktion arbeitet sehr überzeugend: Sie imitiert eine lautsprecherähnliche Räumlichkeit und reduziert die typische „In-Head-Localization“, also das Gefühl, dass alles „im Kopf klebt“. Ideal für lange Listening-Sessions mit weniger Kopfhörer-Ermüdung. Wichtig: Es klingt nicht hohl oder künstlich wie manche schlechten analogen Crossfeed-Implementierungen.
Im Grundcharakter spielt der Luxsin X9 neutral mit einem leichten Schuss Wärme: Der Bass ist schnell, trocken und kontrolliert, geht tief hinunter, ohne in den Mittelton zu bluten, Stimmen stehen sauber und natürlich im Raum, und der Hochton bringt Glanz und Luft, ohne scharf oder nervös zu werden. Der Hintergrund bleibt dabei „pitch‑black“ – selbst bei niedrigen Pegeln hörst du praktisch kein Rauschen, was in Kombination mit der R2R‑Lautstärkeregelung gerade Leisehörer glücklich macht.
Die Bühne ist standardmäßig eher mittlere Größe mit leicht frontaler Präsentation, dafür sehr klar geschichtet: Vocals und Leads stehen greifbar vorne, Rhythmus‑Sektion und Effekte staffeln sich sauber dahinter. Aktivierst du Crossfeed und die Soundstage‑Erweiterung, lässt sich dieses Bild erstaunlich weit aufziehen, ohne ins Künstliche abzudriften – du bekommst mehr Breite und Luft um Instrumente, ohne dass es nach billigem Hall‑Effekt klingt oder einfach nur der Hochton angehoben wird. Gerade bei längeren Sessions macht das Hörermüdung spürbar geringer, weil die typische „im Kopf festgetackerte“ Bühne einem eher lautsprecherähnlichen Raumgefühl weicht.
Spannend wird es, wenn der X9 seine DSP‑Tricks ausspielt. HP‑EQ fühlt sich in der Praxis an, als würden deine Kopfhörer ein Firmware‑Update für ihren Klang bekommen: Auf Basis realer Messdaten von rund 2.500 Modellen werden Peaks geglättet, Basslöcher aufgefüllt und die Gesamttonalität näher an eine saubere Zielkurve herangezogen. Besonders Kopfhörer mit „berühmten“ Eigenheiten – etwas zu heller Oberton, Badewannen‑Tuning, dünner Bass – profitieren massiv, weil der X9 ihre Stärken betont und die Schwächen beschneidet, ohne den Grundcharakter komplett zu erschlagen. Unterm Strich wirkt HP‑EQ wie das fehlende Bindeglied im Head‑Fi‑Setup: Statt den nächsten Hörer zu kaufen, hebst du mit einem Klick den vorhandenen eine Klasse nach oben.
Leistungsmäßig hat der Luxsin X9 nicht nur für deinen Verum 2 oder Fosi i5 genügend Reserven, sondern auch für große Planare – Berichte mit HIFIMAN‑Kalibern zeigen, dass selbst bei hohen Pegeln kein Eindruck von Kompression oder Weichzeichnung entsteht. Gleichzeitig bleibt er mit sinnvoll gewählter Gain‑Stufe auch an empfindlichen IEMs sehr leise im Rauschteppich, was in dieser Leistungsklasse alles andere als selbstverständlich ist. Dass die Impedance‑Detection den Gain passend vorsortiert, macht die ganze Power im Alltag gut beherrschbar, statt dir nur theoretische Wattzahlen auf dem Papier zu liefern.
Richtig charmant ist der Luxsin X9 dann als Schreibtisch‑Zentrale im 2.1‑ oder 2.2‑Betrieb: Über die beiden Sub‑Ausgänge und die einstellbare Subwoofer‑Weiche lassen sich Aktivmonitore und ein oder zwei Subs sauber ankoppeln – etwas, das man bei Desktop‑DAC/Amps dieser Art fast nie sieht. Damit kannst du tagsüber mit Kopfhörer und HP‑EQ arbeiten und abends mit einem Klick auf Lautsprecher + Sub umschalten, ohne die Klangsignatur komplett zu verlieren: straffe Bässe, aufgeräumter Mittenbereich, kontrollierte Höhen – nur eben mit mehr Luftbewegung im Magenbereich. Für Metal, Spiele und Filme ist das eine Kombination, die schnell süchtig macht, weil sie Studio‑Kontrolle und Spaßfaktor ziemlich elegant unter einen Hut bringt.
Was für ein Technik-Brett. Für einen DAC gibt es hier erstaunlich viel zu entdecken – und genau das lädt zum Spielen und Ausprobieren ein. Gerade die Kombination aus kräftigem Kopfhörerverstärker, DSP-Spielwiese und Subwoofer‑Integration erinnert ein wenig an den Burson Conductor GT4: Der Subwoofer will plötzlich auch mit euren Kopfhörern mitspielen – ein ziemlich irres Erlebnis.
Natürlich durfte auch meine Metal‑Referenz‑Playlist nicht fehlen. Dazu kamen YouTube, Filme, Serien, Spiele – einmal das ganze Alltagspaket. Der Luxsin X9 hat in der Testzeit dauerhaft auf meinem Schreibtisch gestanden und wurde an guten Tagen locker 10 Stunden am Stück genutzt. Bei knapp 300 Stunden Spielzeit kennt man die Kiste langsam ziemlich gut.
Im Alltag bleibt der Luxsin X9 dem beschriebenen Grundcharakter treu: neutral bis leicht warm, straffer, kontrollierter Bass, sauberer Mittelton und eine klare, luftige, aber nicht nervige Höhenwiedergabe. Der Hintergrund bleibt „pitch‑black“, nichts rauscht, nichts zischelt – selbst bei niedrigen Pegeln wirkt alles kontrolliert und aufgeräumt. Erst wenn man DSP, HP‑EQ und Crossfeed dazuschaltet, merkt man, wie viel Potential da noch oben drauf kommt.
Der Verum 2 ist ein großartiger Kopfhörer, gebaut von einem zugegeben etwas kontroversen Hersteller. Wie so oft bei mir handelt es sich um einen offenen Planar – hier mit den optionalen „ventilated Earpads“, um etwas mehr Tiefbass herauszukitzeln. Am Luxsin X9 angestöpselt und das passende Profil im HP‑EQ aktiviert, passiert genau das, was man sich insgeheim wünscht: Aus einem sehr guten Kopfhörer wird ein affengeiler Kopfhörer.
HP‑EQ bügelte beim Verum 2 die typischen Eigenheiten glatt: Der Bass gewinnt an Fundament, ohne aufzuquellen, die Mitten rücken etwas sortierter ins Zentrum und die Höhen verlieren ein Stück Schärfe, behalten aber Luft und Detail. Versteht es nicht falsch – der Verum 2 ist auch „pur“ ein toller Hörer –, aber es fühlt sich an, als bekäme er ein kostenloses Tuning‑Upgrade. Mehr Linearität, weniger Nervigkeit, stimmigere Tonalität. So sollte dieser Kopfhörer eigentlich ab Werk klingen.
Der Fosi Audio i5 ist so ein bisschen der Geheimtipp 2025: für den Preis ein erstaunlich erwachsener Klang, der einige etablierte Hersteller sichtbar nervös gemacht hat. Klar, der Start war holprig, Fosi hat aber schnell nachgebessert und die Kinderkrankheiten überarbeitet. Am Luxsin X9 knüpft der i5 genau da an – nur eben eine Stufe höher.
Mit aktiviertem HP‑EQ bekommt der i5 das, was ihm viele attestieren: ein sehr stimmiges, „großes“ Klangbild für kleines Geld, aber mit weniger Ecken und Kanten. Der Bass wirkt kontrollierter und definierter, Stimmen rücken natürlicher in den Vordergrund, und der Hochton verliert Härte, ohne langweilig zu werden. Unterm Strich hebt der Luxsin X9 den Fosi Audio i5 in eine andere Liga – nicht, weil er ihn verbiegt, sondern weil er seine Stärken betont und die Schwächen wegschneidet.
Im Vergleich zu typischen Mess‑Boliden à la Topping DX9 oder ähnlichen Designs spielt der Luxsin X9 etwas wärmer und entspannter, punktet dafür mit deutlich mehr Features und Flexibilität. Für Besitzer eines Eversolo DMP‑A8 ist er weniger spannend, weil sich DAC‑Teil und viele Funktionen überschneiden – spannend wird er vor allem als dedizierter Head‑Fi‑Hub mit HP‑EQ und Sub‑Integration.
Kleine Schattenseiten gibt es auch: Einen Ethernet‑Port sucht man vergeblich, alles läuft über WLAN oder USB. Die Relais‑Klicks der R2R‑Lautstärkeregelung sind gewollt und haptisch toll, in sehr leisen Umgebungen aber hörbar – Geschmackssache. Und wer statt leicht wärmer, „musikalischer“ Abstimmung lieber maximal analytische, knallharte Neutralität mit messfokussiertem Minimalismus sucht, wird bei Topping & Co. wahrscheinlich glücklicher.
Der Luxsin X9 ist für mich so ein Gerät, das man anfangs wegen der Optik und der Technik-Gimmicks spannend findet – und am Ende wegen der Alltagstauglichkeit und des Klangtunings behält. Er ist kein puristischer „Nur-DAC“, sondern ein vollwertiges Head‑Fi‑Control‑Center: kräftiger Kopfhörerverstärker, sehr guter DAC, flexible Vorstufe mit Sub‑Ausgängen und dazu eine DSP-Werkzeugkiste, die deinen vorhandenen Kopfhörern im besten Fall ein Klang‑Firmware‑Update verpasst.
Wer maximale Analytik, klinische Neutralität und „Messwerte first, Features egal“ sucht, findet bei Burson (Conductor GT4), Topping & Co. wahrscheinlich die spannendere Lösung. Der Luxsin X9 zielt eher auf Hörer, die eine saubere, leicht warme, kontrollierte Abstimmung mögen und Lust haben, mit HP‑EQ, Crossfeed, Parametric‑EQ und 2.1/2.2‑Setup aktiv zu gestalten. In dieser Rolle macht er verdammt viel richtig: genug Power für große Planare, pechschwarzer Hintergrund, sehr gute Verarbeitung, starkes Display, und eine EQ‑/Profil‑Sektion, die aus „guten“ Hörern sehr oft „sehr gute“ Hörer macht.
Perfekt ist er nicht: kein LAN-Port, viele Funktionen hängen am Firmware‑Status, die Relais‑Klicks der R2R‑Lautstärke muss man mögen und der Grundsound im Bypass wirkt etwas „zu brav“. Aber unterm Strich ist der Luxsin X9 aktuell einer der spannendsten All‑in‑One‑DAC/Amps für den Schreibtisch – vor allem, wenn du mehr willst als nur „Signal rein, Signal raus“ und dein Head‑Fi‑Setup wirklich als Spielwiese und Werkzeug gleichzeitig begreifst.




Ich habe den D1 von SMSL zugesandt bekommen im Tausch für meine ehrliche Meinung. Ich habe keinerlei Verbindung zu SMSL, noch hat SMSL Einfluss auf meinen Text. Wie immer: klar, ehrlich und mitten in die Fresse.
Gefällt euch mein Content? Dann klickt auf „Abonnieren“ und unterstützt meinen Kanal – so kann ich auch in Zukunft spannende HiFi‑Komponenten für euch testen.
Der SMSL D1 kommt in einem kleinen, schlichten Karton. Zuerst entdeckt man so etwas wie eine Garantiekarte, eine Kurzanleitung auf Englisch und Chinesisch und ein einigermaßen wertiges USB-Kabel. Der D1 selbst kommt in einer kleinen, milchigen Tüte, wohlbehütet. Der Lieferumfang ist jetzt nicht die Welt, aber sicherlich ausreichend.




Wer mich kennt, weiß: Ich achte auf Details. Der SMSL D1 kommt mit robustem CNC-Alu, fühlt sich erstaunlich wertig an und bleibt so kompakt, dass er auch im kleinsten Setup Platz findet – am Laptop, irgendwo am, um, unter dem Schreibtisch oder irgendwo an der HiFi-Anlage als kleines Gimmick.
USB‑C getrennt für Strom & Daten (wobei der Datenanschluss auch den Strom für den DAC liefern kann), optisch, koaxial – alles Wichtige ist dabei. Ausgänge gibt’s klassisch per RCA-Stereo. Keine unnötigen Spielereien: Plug&Play für Windows und Mac, natürlich sind High-Res-Daten kein Problem.
Bedienung? Intuitiv über Touch-Tasten und eine schlichte LED-Anzeige. Nix weltbewegendes, funktioniert!



Interessant ist der SMSL D1 gerade weil er nicht auf die üblichen Verdächtigen von ESS und Asahi Kasei Microdevices alias AKM setzt. Auch weil SMSL sich dazu entschieden hat einen vergleichsweise hochwertigen DAC-Chip in ein Einsteiger-Gerät zu stecken. Natürlich wurde hier jetzt nicht das ausgeklügelste Schaltungsdesign oder Implementierung an und für sich vorgenommen. Dennoch hängt SMSL mit diesem Ansatz die Messlatte im Einsteigersegment ein erhebliches Stück höher. Wer hier liest und noch nicht ganz zu mit der Materie vertraut ist, dem sei gesagt, dass gerade im höherpreisigen Segment noch die ein oder anderen Kniffe versteckt sind, welche dann erheblich teurere Hardware zur Folge haben.
Getestet habe ich mit dem Lehmann Audio Linear II Kopfhörerverstärker, den Verum 2 Planars und Ricable Dedalus Cinch – alles aus meinem daily driver-Setup. Als Zuspieler kam ein Mac bzw. Eversolo DMP-A6 zum Einsatz, gestreamt über meine Qobuz-Playlist.
Erster Eindruck:
Der SMSL D1 liefert ein überraschend rundes, neutrales Klangbild. Der neue ROHM-Chip positioniert sich tonal zwischen den bekannten ESS- und AKM-Lösungen: Nicht so analytisch-kühl wie ESS, aber auch nicht ganz so warm wie AKM. Erwähnenswert: Die Bühne wirkt gut sortiert und breit, Höhen sind präsent, aber nicht unangenehm scharf. Ich mag es, wenn Becken nicht überbetont werden aber dennoch Crunch in den Ohren haben – das passt!
Bassfundament:
Im Tieftonbereich spielt der D1 satt, mit angenehmem, unaufdringlichem Punch. Wer Kopfhörer oder Boxen mit weniger Tiefgang besitzt, bekommt hier einen Kick. Die Abstimmung ist musikalisch, doch nie schwammig. Bei KoRn – Got the Life zeigt sich, wie federnd der Bass kommen kann. Macht richtig Spaß!
Separation & Bühne:
Die Kanaltrennung ist solide, die Bühne breit aber nicht riesig. Für Garage-Sound á la Nirvana fehlt ein bisschen das kratzige RAW-Feeling welches hochwertigere DACs herausholen – aber wir reden hier von einem Modell unter 100€! Für den Preis: No-Brainer. Die Stimme von Brian Garris (Knocked Loose, Everything is quiet now) kommt klar durch, Details in den Cymbals sind besser als erwartet, alles bleibt angenehm unaufgeregt.
Referenztracks:
Also generell denke ich, ist der SMSL ein super Einsteiger-Gerät. Ein wenig die Soundkarte von nem Mainboard aufwerten und besseren Gaming-Sound und Musik erreichen. Vielleicht hat man auch einen nicht so wertigen DAC in seinem Receiver, verbaut und möchte nur diesen Teil ausgleichen, weil einem die Verstärkerleistung mehr als reicht. Das Handy als Streamer, per USB‑C direkt in den DAC und dann auf kleine Amps á la Fosi V3 Mono oder 3e Audio A7 Amp oder, oder, oder. Ich habe hier schon einige von den kleinen Kraftprotzen vorgestellt.

Weiterhin könnte man sich auch einen kleinen Kopfhörerverstärker zulegen. Hier gibt es auch gute und günstige Geräte von den einschlägingen Marken, die das Einstiegssegment bedienen.
Dennoch habe ich auch gesehen und gerade gehört, dass sich selbst ein Lehmann Linar II an dem kleinen Kasten gut macht. Durch die super neutrale und entspannte Spielweise des Linear II, kann man dem DAC alles entlocken, was er so bereit hält und das ist für den Preis wirklich viel.
Wer für kleines Geld einen DAC sucht, der nicht nur am Desktop sondern auch als Upgrade für HiFi-Anlage oder Zweitsetup taugt, ist hier absolut richtig.
Für unter 100 Euro liefert der SMSL D1 eine musikalisch abgestimmte Performance, viele Anschlussmöglichkeiten und eine Verarbeitung, die auch gehobenen Ansprüchen gerecht wird. Kaufen könnt ihr das kleine Wunderkästchen z.B. bei Amazon oder Aliexpress. Weitere Informationen findet ihr auch auf der Seite des Herstellers.
Natürlich gibt’s in höheren Preisregionen noch schärfere, breitere Klangbilder – aber im Bereich Einsteiger-DAC macht der D1 wenig falsch. Optimal mit Kopfhörerverstärker oder als unkompliziertes Desktop-Upgrade.
Mein Tipp: Wer auf High-End verzichten kann und einfach ehrlich Musik genießen will, findet mit dem SMSL D1 einen treuen Begleiter!








