Degritter Mark II - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de Audio & Heimkino. Ernst genommen. Fri, 04 Sep 2026 13:12:09 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 https://www.hifigeek.de/media/cropped-hifigeek.de-512-32x32.png Degritter Mark II - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de 32 32 60029611 Degritter Mark II im Test: Wenn Plattenputzen aufhört, Arbeit zu sein https://www.hifigeek.de/degritter-mark-ii-test-review/ https://www.hifigeek.de/degritter-mark-ii-test-review/#respond Fri, 04 Sep 2026 13:10:54 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=11948 Vinyl und ich — das ist eine noch junge Geschichte. Wer meine bisherigen Artikel dazu gelesen hat, weiß: ich bin Digital Native durch und durch. Streaming ist mein Alltag, Qobuz mein Standard. Kein Knistern, kein Geknarzter, kein Gebastel. Einfach auf Play drücken und gut ist. Vinyl ist für mich trotzdem reizvoll — aber genau diese Reibungslosigkeit des Digitalen vermisse ich, sobald eine Platte nicht so klingt, wie sie soll. Und das passiert öfter, als man denkt.

Das Problem: Neue Platten sind erschreckend oft dreckig. Direkt aus der Folie. Produktionsrückstände, Trennmittel aus der Presse, Papierflusen aus dem Innensleeve — und dazu diese typische, starke statische Aufladung, die alles anzieht, was in der Umgebung so rumfliegt. Kohlefaserbürste? Hilft nur bedingt, wenn das Zeug buchstäblich an der Platte klebt. Manuelle Reinigungslösungen? Okay für leichten Staub, aber kein echter Gamechanger.

Ich habe bereits den VEVOR 6L Ultraschall Schallplatten Reinigungsgerät im Test gehabt — ein günstiger Einstieg in die Ultraschallreinigung, aber mit deutlichen Kompromissen beim Handling: vier Platten gleichzeitig einspannen, fürchterlicher Lärm, Wasser filtern und zurückleiten, Trocknungsständer extra. Irgendwann habe ich den VEVOR schlicht nicht mehr rausgeholt, weil der Aufwand jede Motivation killt.

Zeit für eine andere Lösung. Der Degritter Mark II stand schon länger auf dem Radar — und jetzt steht er auf meinem Tisch.

Disclaimer: Der Degritter Mark II wurde mir von Degritter kostenlos für diesen Test zur Verfügung gestellt, inklusive Reinigungsfluid und Maschinenreiniger. Degritter hat keinen Einfluss auf meinen Testaufbau, mein Urteil oder den Inhalt dieses Reviews. Meine Meinung bleibt die meine — ungeschönt, wie immer.

Degritter Mark II im Video-Review

Wer lieber schaut als liest — oder beides will: Das komplette Review gibt es auch als Video auf dem HiFiGeek YouTube-Kanal. Alle Höreindrücke, der Statik-Test live, und warum ich das Gerät am liebsten behalten hätte.

Degritter — Ultraschall aus Estland

Degritter kommt aus Estland, einem Land, das man nicht unbedingt als HiFi-Hochburg auf dem Schirm hat. 2017 startete das Unternehmen als Indiegogo-Projekt mit einer simplen, aber damals mutigen Idee: eine vollautomatische Ultraschall-Plattenwaschmaschine bauen, die wirklich für den Heimgebrauch taugt. Kein DIY-Ultraschall-Tank aus dem Zahntechnik-Bedarf, kein Bastelprojekt — sondern ein durchdachtes Gerät von Anfang bis Ende.

Die Resonanz war enorm. Aus dem Crowdfunding-Projekt wurde ein echtes Unternehmen, aus dem Mark I ein Mark II. Heute ist der Degritter so etwas wie der Referenzpunkt in der Klasse der automatischen Ultraschall-Plattenwaschmaschinen — zitiert von The Absolute Sound als „Product of the Year”, von TONEAudio mit einem Product of the Year Award ausgezeichnet. Für ein Gerät aus Estland, das als Kickstarter-Idee begann, ist das keine schlechte Karriere.

Unboxing & Lieferumfang

Die Verpackung ist tadellos — gut gepolstert, kein Spielraum für Transportschäden. Das Gerät selbst ist kompakter als man erwartet: 37 × 28 × 21 cm, 9 kg. Wer einen sperrigen Klotz erwartet, wird positiv überrascht.

Im Lieferumfang:

  • Degritter Mark II Ultraschall-Plattenwaschmaschine
  • Abnehmbarer Wassertank mit Deckel
  • 100 ml Reinigungsfluid (Record Cleaning Fluid)
  • Maschinenreiniger (Machine Care Fluid)
  • 10 Ersatzfilter (Open-Cell-Schaum)
  • Pipette zur dosierten Zugabe des Reinigungsmittels
  • Wasserstandsmessstreifen
  • Netzkabel
  • 2 Jahre Herstellergarantie

Beim Testgerät dabei: der optionale zweite Wassertank (~100 €) für den Klarspülgang — dazu gleich mehr.

Was sofort auffällt: keine Trocknungsständer, keine externe Pumpe, kein Schlauchgewirr. Das Gerät ist ein abgeschlossenes System. Platte rein, Knopf drücken, fertig.

Design & Verarbeitung des Degritter Mark II

Der Degritter Mark II ist seit Oktober 2024 in der überarbeiteten Version mit pulverbeschichtetem Gehäuse erhältlich — Schwarz oder Dunkelsilber. Die Pulverbeschichtung löst das Problem der Vorgänger-Version, bei der die eloxierte Oberfläche empfindlich auf Fingerabdrücke und Wasserflecken reagierte. Das neue Finish ist deutlich alltagstauglicher: keine Wasserränder, keine Fettflecken, kratzresistenter.

Die Verarbeitung ist auf einem Niveau, das man für diesen Preis erwarten darf — und das Gerät hält, was es verspricht. Keine Spaltmaße, keine wackelnden Teile, keine Billig-Kunststoff-Optik. Die Touch-Tasten haben ein präzises, angenehmes Feedback. Das kleine Display zeigt Programmwahl, Laufzeit und Zyklusfortschritt klar und lesbar an.

Einziger kleiner Kritikpunkt in der Praxis: Das Tank-Handling. Um den Wassertank zu entnehmen oder zu wechseln, muss der Deckel des Geräts abgenommen werden — dann zieht man den Tank am integrierten Griffchen heraus. Das rastet gut ein und wirkt solide. Aber: Ein voller Tank verliert beim Herausnehmen zuverlässig ein, zwei, drei Tropfen. Auf einem Echtholztisch oder einer empfindlichen Oberfläche ein Thema. Meine Lösung: immer ein Geschirrtuch unterlegen, Tank draufstellen, Gerät trocken halten. Kein Dealbreaker, aber ein Hinweis für alle, die das Gerät auf edlem Mobiliar betreiben wollen.

Auf der High End Wien hatte ich die Gelegenheit, ein Demonstrationsmodell des Degritter von innen zu sehen — kein echtes Produktinnenleben, sondern ein didaktisch aufgebautes Ausstellungsstück, das zeigt, was im Gerät passiert. Der Aufbau macht deutlich, wie viel Engineering in einem kompakten Gehäuse steckt.

Technik des Degritter Mark II: Warum 120 kHz, und was ist Ultraschall überhaupt?

Kurz für alle, die das Thema noch nicht kennen: Ultraschall-Plattenreinigung nutzt das Prinzip der Kavitation. Im Wassertank werden durch hochfrequente Schallwellen winzige Mikrobläschen erzeugt, die im nächsten Moment unter enormem Druck implodieren. Diese Implosionen erzeugen mikroskopisch kleine Strömungen, die Schmutz, Fett, Trennmittel und Partikel buchstäblich aus den Rillen der Platte herausreißen — ohne physischen Kontakt, ohne Bürste, ohne Reibung.

Entscheidend ist dabei die Frequenz. Günstige DIY-Ultraschallgeräte oder Zahnarzt-Reiniger arbeiten mit 35–40 kHz — das ist effektiv für grobe Verschmutzungen, aber die Kavitationsblasen sind dabei größer und die Energie weniger gleichmäßig verteilt. Der Degritter Mark II arbeitet mit 120–125 kHz im Frequenz-Sweep — die Bläschen sind feiner, die Energie gleichmäßiger verteilt, und die Reinigungswirkung dringt tiefer in die engen Rillen der Platte vor, ohne das Material anzugreifen. Das ist auch der Frequenzbereich, der in der Halbleiterproduktion für die Reinigung empfindlichster Bauteile eingesetzt wird.

Der Mark II bringt zusätzlich den Power Drive 2.0 mit Pulse Mode: Die Ultraschall-Transducer schalten dabei in schneller Folge ein und aus — statt Dauerbetrieb gibt es kurze, hochintensive Pulse. Das erzeugt im Wasser eine niederfrequente akustische „Lochwelle”, die größere Verschmutzungen effizienter löst, während der durchschnittliche Stromverbrauch sinkt. Die Durchschnittsleistung liegt bei 240 W — laut Hersteller die höchste Leistung pro Liter Wasser unter allen Ultraschall-Plattenreinigern auf dem Markt.

Vier Ultraschall-Transducer sitzen beidseitig im Tank und bestrahlen die Platte gleichmäßig von beiden Seiten — beide Seiten der LP werden also simultan gereinigt, ohne dass man die Platte wenden muss.

Aktive Filterung

Während des Waschzyklus zirkuliert das Wasser aktiv durch einen austauschbaren Filter aus Open-Cell-Schaum. Gelöster Schmutz landet also nicht einfach wieder auf der Platte — er wird kontinuierlich aus dem Wasser herausgefiltert. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu einfacheren Ultraschall-Setups, bei denen der gelöste Dreck im Wasser schwimmt und sich potenziell neu absetzen kann.

Temperaturkontrolle

Zu hohe Wassertemperaturen können Vinyl schädigen — Degritter Mark II überwacht die Temperatur aktiv und löst bei Bedarf Kühlzyklen aus. Das ist kein Gimmick, sondern relevantes Engineering, besonders bei längeren Waschsessions.

Technische Spezifikationen

SpezifikationWert
Ultraschall-Frequenz120–125 kHz (Sweep)
Ultraschall-Transducer4 (beidseitig)
Durchschnittsleistung240 W
ReinigungsmodusStandard + Pulse Mode
Tankkapazität1,4 Liter
Reinigungszeit pro LP5–10 Min. (einstellbar)
TrocknungszeitEinstellbar (Lüftergeschwindigkeit und Dauer)
Lautstärke50–70 dB
Abmessungen37 × 28 × 21 cm
Gewicht9 kg
Spannung100–240 V AC (automatisch)
FinishPulverbeschichtet Schwarz / Dunkelsilber

Der optionale zweite Tank — Pflicht oder Nice-to-have?

Kurze Antwort: Pflicht. Längere Antwort folgt.

Der Degritter Mark II arbeitet im Standardbetrieb mit einem Tank: Wasser mit ein paar Tropfen Reinigungsfluid, Platte rein, waschen, trocknen, fertig. Das funktioniert hervorragend. Wer aber auf Nummer sicher gehen will — und bei dem Anschaffungspreis dieses Geräts sollte man das wollen — der greift zum optionalen zweiten Tank (~100 €).

Der zweite Tank kommt mit destilliertem Wasser ohne jegliches Reinigungsfluid. Stellt man im Menü ein, dass ein zweiter Tank vorhanden ist, ergänzt der Degritter Mark II nach dem Waschgang automatisch einen Klarspülgang — die Platte wird nochmal mit purem destilliertem Wasser nachgespült, bevor der Trocknungsgang startet. Kein Rückstand, kein Tensid, keine Frage.

Der Haken: Das Gerät erkennt nicht automatisch, was in welchem Tank ist — es weiß nur, dass ein zweiter Tank eingesetzt wurde und wann er gewechselt werden soll. Der Klarspülgang erfordert einen manuellen Tankwechsel mid-cycle: Das Gerät hält inne, man nimmt den Washtank heraus, setzt den Rinse-Tank ein, bestätigt — und der Zyklus läuft weiter. Danach setzt das Gerät sich wieder auf den Ausgangszustand zurück, damit die nächste Platte direkt starten kann.

Praktischer Tipp aus eigener Erfahrung: Tanks beschriften. Ein simpler Labeldrucker reicht — „Wash” und „Rinse”, oder „Spüliwasser” und „Klares Wasser”. Wer das nicht macht, verwechselt die Tanks irgendwann. Das Gerät hilft dabei nicht.

Ja, der mid-cycle Eingriff ist minimal nervig. Aber wer 2.800–2.900 € für eine Plattenwaschmaschine ausgibt und dann an 100 € für den zweiten Tank spart, rechnet falsch. Einfach in den Gesamtpreis einrechnen und das Gerät gedanklich als „Degritter Complete” kaufen.

Bedienung & Praxis: Der Degritter Mark II im Alltag

Die Bedienung ist das stärkste Argument für den Degritter Mark II — und das meine ich ohne Ironie. Es gibt schlicht nichts zu erklären.

Wasser einfüllen (destilliertes oder demineralisiertes Wasser, Leitungswasser ist keine Option — Kalkflecken), 4 Tropfen Reinigungsfluid über die mitgelieferte Pipette dazugeben, Deckel drauf, Platte einsetzen, Starttaste drücken. Fertig. Der Degritter Mark II übernimmt ab diesem Punkt alles: waschen, spülen (wenn zweiter Tank vorhanden), trocknen. Keine Bürste, kein manuelles Eingreifen, kein Timing.

Die Reinigungszeit lässt sich einstellen — von einem kurzen bis zu einem langen Programm. Meine Praxis: ich fahre stumpf auf Maximum. Wer den Aufwand scheut, sein Wasser zu wechseln, sollte auch beim Waschen nicht sparen. Macht im Alltag wahrscheinlich nicht den Riesenunterschied, aber ist meine Philosophie: lieber gründlich als schnell.

Lautstärke: Der Ultraschall-Waschgang ist nahezu lautlos — ein leises, gleichmäßiges Summen, das in einem normalen Raum kaum auffällt. Wer gleichzeitig Musik hören will, sollte allerdings eine gewisse Lautstärke auf dem Verstärker haben; bei niedrigem Pegel im selben Raum hört man das Gerät. Der Trocknungslüfter ist deutlich wahrnehmbarer — kein Drama, aber spürbar lauter als der Waschgang. Im Nebenzimmer stört er nicht. Das lauteste Event der gesamten Session ist am Ende das Piep-Signal, das den abgeschlossenen Zyklus signalisiert.

Zum Vergleich: Mein alter VEVOR klang beim Leerlauf so, als würde jemand nebenan in einem Metallbehälter rühren. Airpods rein war damals keine Übertreibung. Der Degritter Mark II ist in einer anderen Welt.

Wasserwechsel: Das Wasser sollte nach etwa 50 Platten gewechselt werden . Ich lasse es pragmatisch auch mal eine Woche stehen, wenn noch Platten in der Warteschlange sind — dann lieber einmal mehr wechseln als zu früh wegschütten. Der Verbrauch an Reinigungsfluid ist übrigens lächerlich gering: die Pipette dosiert 4 Tropfen pro Tankfüllung. Eine Flasche hält gefühlt ewig.

Filterwechsel: Laut Hersteller nach ca. 100 Waschgängen. Der Filter ist einfach zugänglich und in Sekunden getauscht. 10 Ersatzfilter liegen im Lieferumfang bei — das reicht eine Weile.

Reinigungsergebnis: Was der Degritter Mark II wirklich kann

Warum überhaupt Vinyl? Eine ehrliche Antwort

Ich bin Informatiker. Digital Native durch und durch. Den ganzen Tag am Rechner, Kopfhörer auf, Musik läuft — meistens als Grundrauschen, als Begleitung, als Hintergrund. Spotify entdeckt neue Bands, das Automixtape schlägt was vor, man hört rein, findet’s gut, weiter. Viel Musik geht rein, viel geht raus. Das ist der Alltag.

Früher gab’s dafür den Plattenladen. Einen Typen hinter der Theke, der ähnlichen Geschmack hatte wie du, einen Geheimtipp-Ständer in der Ecke, eine Platte die man sich spontan reinlegen ließ und dachte: boah, die nehm ich mit. Dieses Gefühl gibt’s kaum noch. Heutzutage macht das ein Algorithmus — und ehrlich gesagt nicht mal schlecht, aber es ist halt nicht dasselbe.

Vinyl ist für mich die Gegenbewegung zum eigenen Alltag. Nicht aus Nostalgie — ich bin zu spät geboren für echte Plattenladen-Romantik — sondern weil ich gemerkt habe, dass Musik als Dauerbeschallung irgendwann aufhört, wirklich zu wirken. Ich wollte einen Moment, in dem Musik bewusst passiert. So wie man sich ein Glas Whisky einschenkt, sich hinsetzt und sagt: jetzt. In dieser Zeit gehört mir das hier.

Das Ritual ist simpel: eine Platte aus der Sammlung raussuchen — auch wenn die noch überschaubar ist — auflegen, eine ganze Seite am Stück hören. Kein Skippen, kein Handy, kein Zoom-Call nebenbei. Einfach die Musik auf sich einwirken lassen, so wie der Künstler sie sich vorgestellt hat. Plötzlich hört man Nuancen, die man im Streaming-Durchlauf nie wahrgenommen hat: ein Gitarrenriff das sich erst beim dritten Hören wirklich öffnet, ein Drumfill das einen Breakdown ankündigt, ein stiller Moment im Song der einen unerwartet trifft. Ich höre gerne auf Instrumente — Schlagzeug besonders, weil ich es früher selbst gespielt habe. Ich versuche rauszuhören, ob das klingt wie ich mir vorstelle, wie es live klingen würde. Neutralität ist mir dabei wichtig: ich will die Musik so hören, wie sie aufgenommen wurde — nicht wie eine Komponente der Anlage sie färbt oder zurechtbiegt.

Das ist der Kontext, in dem der Degritter Mark II für mich Sinn macht. Wenn Vinyl ein bewusstes Erlebnis sein soll, dann darf die Platte nicht mit Knistern und Gerumpel anfangen. Das zerstört den Moment. Und genau das hat der Degritter Mark II aus meinen Sessions rausgenommen.

Das Gefühl beim Auflegen

Es klingt vielleicht klein, aber es ist es nicht: Wenn ich eine Platte aus dem Sleeve ziehe und sie klebt daran fest, weiß ich sofort — die ist statisch aufgeladen. Und das bedeutet: sie zieht gerade aktiv Staub aus der Luft an. Jeden Moment, den sie in meiner Hand liegt. Das ist kein angenehmes Gefühl, wenn man gleich Musik genießen will. Man hat diesen kleinen Monk auf der Schulter, der die ganze Zeit flüstert: gleich rumfällt’s wieder. Da ist noch was drauf. Hör mal, da knistert’s schon.

Nach dem Degritter Mark II ist dieser Monk weg.

Die Platte kommt aus dem Sleeve, nichts klebt, keine Flusen, keine Aufladung. Man legt sie auf, Nadel drauf — und es kann einfach losgehen. Kein Vorbehalt, kein inneres Abwägen ob das jetzt normal klingt oder ob da noch was sitzt. Einfach Musik.

Platte auflegen ist für mich meditativ. Augen zu, Sofa, Musik. Vollständig da sein in dem Moment. Knistern und Gerumpel reißen mich aus genau diesem Zustand raus — nicht dramatisch, aber spürbar. Es zieht mich raus aus der Musik, zurück in den Kopf, zurück ins Analysieren. Das nervt. Das will ich nicht.

Der Degritter Mark II nimmt diesen Stress weg. Nicht weil er Vinyl zu einer anderen Technologie macht — sondern weil er das Medium so gut behandelt, dass man aufhört, darüber nachzudenken. Und genau das ist der Punkt: wenn man nicht mehr über die Platte nachdenken muss, kann man anfangen, die Musik zu hören.

Der Statik-Test

Ich mache bei neuen Platten regelmäßig einen simplen Statik-Test: Platte im Sleeve halten, kippen, loslassen. Wenn sie von alleine herausrutscht, ist sie weitgehend entladen — gut. Wenn sie regelrecht festklebt und man sie herausziehen muss, ist sie statisch aufgeladen. Teils massiv.

Die meisten meiner Platten kleben. Neue Pressungen, direkt aus der Folie, oft so aufgeladen, dass die Innenhülle wie angeklebt wirkt. Das ist keine Überraschung: beim Pressvorgang wird Vinyl enorm statisch aufgeladen, und raue Papier-Innenhüllen fungieren als perfekter Staubmagnet — die Aufladung zieht alles ran, was irgendwie lose in der Nähe ist. Flusen, Staub, Partikel. Man bekommt eine frisch gepresste Platte aus der Folie und fragt sich, wie das in so kurzer Zeit so dreckig werden konnte. Das ist die Antwort: Physik.

Eine Kohlefaserbürste hilft in diesem Zustand kaum. Sie kann oberflächlichen Staub abtragen, aber was elektrostatisch an der Rille festklebt, geht damit nicht weg — im Gegenteil, manchmal verteilt man es nur. Das ist der Punkt, an dem man entweder mit Wasser ran muss oder resigniert auf Play drückt und hofft, dass es nicht zu schlimm klingt.

Der Degritter Mark II löst dieses Problem vollständig — und das auf eine Art, die man beim ersten Mal nicht ganz glaubt, bis man es selbst sieht.

Die Avatar-Platte „Don’t Go in the Forest” war eine der klebrigsten Kandidatinnen im Test. Vorher: Sleeve kippen, Platte bleibt stur drin, muss herausgezogen werden — klassisch maximal aufgeladen. Platte in den Degritter Mark II, normaler Waschzyklus, Platte raus. Sleeve kippen — und die Platte schoss aus dem Sleeve, als wäre sie abgestoßen worden. Nicht langsam herausgerutscht. Geschossen. Fast durch den Raum. Ich hab reflexartig zugegriffen und die Platte erwischt — das Handy war in dem Moment leider nicht in der anderen Hand, sonst hätte es das auf Video gegeben. Die Antistatik-Wirkung des Degritter Mark II ist kein theoretisches Feature auf dem Datenblatt. Man sieht es, man fühlt es, und einmal erlebt, will man nie wieder eine ungewaschene Platte auflegen.

Die Orbit Culture Geschichte

In meinem VEVOR-Test hatte ich die Orbit Culture Doppel-LP „Descent” als Problemkind beschrieben — so stark verschmutzt aus der Folie, dass ich mich zunächst nicht getraut hatte, sie überhaupt abzuspielen. Irgendwo aus den USA importiert, raues Papier-Innensleeve, maximale Aufladung — das Ergebnis war eine Platte, die aussah als hätte sie Monate in einer Werkstatt gelegen, obwohl sie neu war. Der VEVOR hatte sie optisch halbwegs gerettet, aber im Hörtest blieb Knistern präsent — an der Einlaufrille, in ruhigen Passagen, immer wieder. Ein klares Zeichen, dass tiefsitzende Rückstände in den Rillen verblieben waren, die der VEVOR mit seinen 40 kHz nicht vollständig erreicht hat.

Der Degritter Mark II hat diese Platte in einem Durchgang so gereinigt, wie sie klingen soll. Das persistente Knistern, das nach dem VEVOR noch da war, ist weg. Komplett. Das ist kein subjektives Gefühl — das ist ein direkter A/B‑Vergleich über zwei Geräte hinweg, mit derselben Platte, demselben Setup, demselben Ohr. 120 kHz statt 40 kHz, Pulse Mode, aktive Filterung — das ist kein Marketing-Text. Das klingt anders.

Was mich dabei am meisten beeindruckt: Der Degritter Mark II reinigt nicht nur die Plattenoberfläche, sondern dringt tief genug in die Rillen vor, um Rückstände zu lösen, die mechanischen Methoden schlicht nicht zugänglich sind. Eine Bürste kann die Rille nicht reinigen — sie kann nur über sie drüberfahren. Ultraschall mit 120 kHz kann es.

Heaven Shall Burn — von okay-ish zu so-wie-es-sein-soll

Eine weitere Platte mit Vorgeschichte: eine Heaven Shall Burn-LP, die mich von Anfang an nicht glücklich gemacht hatte. Ich hatte alles versucht: Knosti Disco-Antistat aufgesprüht und abgenommen, trocken abgespielt, irgendwann in einer Community gelesen, dass nasses Abspielen bei hartnäckigen Fällen helfen soll — und ja, tatsächlich funktioniert das kurzfristig, weil Wasser als Dämpfungsmittel wirkt. Empfehlen würde ich das trotzdem nicht, schon allein wegen des Risikos für Nadel und Platte.

Das Ergebnis all dieser Maßnahmen: okay. Besser als vorher, aber nie wirklich zufriedenstellend. Die Platte klang, als würde sie immer leicht durch einen Filter laufen — nicht dramatisch, aber spürbar.

Nach dem Degritter Mark II: einfach gut. So wie eine Platte klingen soll, wenn man sie auflegt. Keine Hintergedanken, kein „ist das jetzt normal für Vinyl oder ist da noch was”, kein Nachbessern. Einfach Musik.

Ich bin hier bewusst vorsichtig mit übertriebenen Audiophilen-Formulierungen — ich bin Digital Native, Streaming ist mein Standard, und „flawless” ist für mich Qobuz. Vinyl wird das nie vollständig erreichen, das ist das Medium, das ist Physik, und das ist auch okay so. Aber mit einer sauber gereinigten Platte, die der Degritter Mark II auf dieses Niveau gebracht hat, kommen die beiden Welten erschreckend nah aneinander. Freunde, die beim Hören dabei waren, waren durch die Bank begeistert — „so würde ich mir Platte hören vorstellen” war der Tenor. Mehr braucht es eigentlich nicht.

Musik ist nicht zum Alleinhören da

Vinyl hat bei mir noch eine andere Dimension bekommen, die ich so nicht erwartet hatte: es ist ein soziales Erlebnis.

Ich fahre jedes Jahr mit einer festen Truppe zum Summerbreeze — Metal, Bier, Freunde, drei Tage Konzerte. Musik teilen ist bei uns kein Nebenprodukt, sondern der Kern. Geschmäcker vergleichen, Bands empfehlen, gemeinsam auf Konzerte fahren. Das passiert bei uns auch zu Hause, und seit ich Vinyl höre, hat das nochmal eine neue Qualität bekommen.

Ein Kollege hat noch keinen Plattenspieler — aber hat trotzdem schon angefangen, Platten zu kaufen, weil er weiß dass bestimmte Pressungen irgendwann weg sind. Er hat mir seine neuen Platten zum Waschen mitgebracht. Wir haben sie zusammen durch den Degritter Mark II gezogen, vorher und nachher verglichen, und danach direkt aufgelegt. Der Unterschied — werksneu aus der Folie versus frisch gewaschen — war für ihn sofort hörbar und sichtbar. Man braucht kein geschultes Ohr dafür. Man sieht es an der Platte, man hört es beim Auflegen.

Die Orbit Culture-Platte haben wir zusammen auf dem Sofa gehört. Er kannte die Band kaum — und saß da, hörte rein, und sagte irgendwann einfach: „Alter, ich muss mir diese Platte sofort kaufen.” Nicht weil ich ihm das erzählt habe. Sondern weil das Album ihn gecatcht hat, weil der Klang gestimmt hat, weil der Moment gestimmt hat. So funktioniert Musik, wenn sie gut präsentiert wird.

Ein anderer Kollege hat selbst einen Plattenspieler und eine mittelgroße Sammlung — teils eigene Käufe, teils Erbstücke vom Vater. Er kennt das Thema Plattenreinigung aus eigener Erfahrung, weiß wie nervig es sein kann. Er hat sich den Degritter Mark II angeschaut, das Ergebnis gesehen, und gesagt: wenn er mehr Zeit hätte, wäre das sofort seins. Kein Zögern, kein Abwägen. Einfach: ja, das ist die Lösung.

Genau so entstehen bei uns auch Konzertkarten. Man sitzt zusammen, hört ein Album, und irgendwann macht jemand den Laptop auf: „Die spielen in vier Monaten in der Nähe, wollen wir das nicht mitnehmen?” Was auf Platte zusammen gehört wurde, wollen wir dann live erleben. Der Weg von der frisch gewaschenen LP zur Konzertkarte ist bei uns erschreckend kurz.

Lorna Shore, Knocked Loose und der Traum-Workflow

Mittlerweile sind eine Menge Platten durch den Degritter Mark II gelaufen. Lorna Shore „I Feel the Everblack Festering Within Me”, Knocked Loose „You Won’t Go Before You’re Supposed To”, die neue Orbit Culture — alle werksneu, alle mit dem gleichen Ergebnis: tadellos. Kein Nachwaschen, kein Grübeln, kein „ist das jetzt normal oder ist da noch was”.

Was dabei auffällt: Vinyl ist Vinyl. Es gibt immer kleinste Unebenheiten, Pressungsartefakte, das Medium hat seine physikalischen Grenzen — und das ist auch okay so. Wer Vinyl hört, hört bewusst analog. Was der Degritter Mark II aber eliminiert, ist alles, was nicht das Medium selbst ist: Staub, Trennmittel, Produktionsrückstände, statische Aufladung. Was übrig bleibt, ist die Platte in ihrem bestmöglichen Zustand. Und das macht einen hörbaren Unterschied.

Ich höre Alben übrigens in Gänze — kein Skippen, kein Shufflen, kein Single-Hopping. Das ist für mich einer der Kernpunkte von Vinyl. Man merkt bei manchen Bands sofort, ob ein Album ein echtes Konzept hat oder nur die Summe seiner Singles ist. Bei Orbit Culture, Lorna Shore, Knocked Loose merkt man das Handwerk hinter der Tracklist. Das genießt man anders, wenn die Platte sauber ist und man nicht nach jedem zweiten Track kurz überlegt, ob das Knistern jetzt die Aufnahme war oder die Platte.

Die neue Orbit Culture habe ich werksneu ausgepackt und direkt in den Degritter Mark II geworfen — und erst danach zum ersten Mal gehört. Das war ein anderes Erlebnis als vorher. Vorher war der Workflow: auspacken, Bürste, hoffen. Manchmal gut, manchmal enttäuschend, manchmal einfach gerumpelt. Jetzt: auspacken, Degritter Mark II, Platte raus, auflegen, genießen. Fertig.

Auch das Thema Auflagegewicht hat in diesem Kontext nochmal eine neue Rolle gespielt. Ich hatte zwischendurch mit meiner Ortofon 2M Bronze experimentiert und den Anpressdruck etwas erhöht — irgendwo gelesen, dass die Bronze mehr verträgt. Was ich dabei gemerkt habe: mehr Druck macht die Nadel empfindlicher gegenüber Kleinstverschmutzungen. Das Schleifen der Nadel in der Rille wird hörbarer, Gerumpel nimmt zu. Nach dem Zurückdrehen auf einen niedrigeren Wert war das sofort besser — weniger Geräusche, keine vermissten Details. Saubere Platte plus richtiger Anpressdruck: das ist das Gesamtpaket. Der Degritter Mark II liefert die eine Hälfte davon zuverlässig.

Neue Platten: Nicht alle sind gleich

Ein wichtiger Hinweis an dieser Stelle: Nicht jede neue Pressung ist ein Problemfall. Es gibt Hersteller und Labels, deren Platten direkt ab Werk einwandfrei sind — kein Knistern, kaum Statik, sofort auf den Teller und genießen. Leider gibt es noch keinen klaren roten Faden, woran man das im Voraus erkennt. Der Degritter Mark II nimmt diese Unsicherheit komplett raus: egal ob die Platte gut oder schlecht gepresst ist, nach dem Durchgang weiß man, was man hat.Durchgang weiß man, was man hat.

Alternativen & Einordnung

Der Markt für Plattenwaschmaschinen ist größer als man denkt — und die Preistreppe ist steil.

Manuelle Reinigung (0–30 €): Kohlefaserbürste, Sprühreiniger, Mitlaufbesen. Funktioniert für leichten Staub und als Pre-Session-Routine. Bei statisch aufgeladenen Platten oder tiefsitzenden Verschmutzungen kommt man damit nicht weit.

VEVOR 6L Ultraschall (~160 €): Günstiger Einstieg in Ultraschall. Mein Review dazu ist hier verlinkt. Ultraschallreinigung funktioniert prinzipiell, aber das Handling mit vier Platten gleichzeitig, der Lärm, das Filterrückführen und der fehlende integrierte Trockner machen es zur Gelegenheitslösung. Bei mir steht er seitdem unbenutzt.

Okki Nokki ONE (~550 €): Klassiker aus den Niederlanden, seit über 30 Jahren am Markt, jetzt unter der Führung von Gründer-Tochter Sanne Bezem wieder vollständig in den Niederlanden produziert. Vakuum-Prinzip mit Ziegenhaar-Bürste und Absaugarm — manuell, aber durchdacht. Bürste aufbringen, Platte rotieren lassen, Vakuumarm absaugen. Der Absaugmechanismus hat dabei einen Vorteil, den der Degritter Mark II nicht bietet: gelöste Partikel werden aktiv von der Platte abgesaugt statt nur im Wasser verteilt. Für Gelegenheitsnutzer mit überschaubarer Sammlung eine solide, deutlich günstigere Alternative. Wer täglich oder regelmäßig wäscht, wird den manuellen Aufwand aber irgendwann nervig finden.

Humminguru (~400 €): Weiterer Ultraschall-Mitbewerber im günstigeren Segment, ebenfalls mit Single-LP-Workflow. Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, aber ohne aktive Filterung und ohne integrierte Trocknung.

Degritter Mark II (~2.890 €): Das hier. Vollautomatisch, aktive Filterung, integrierte Trocknung, 120 kHz Ultraschall, Pulse Mode. Kein Konkurrenzprodukt in dieser Klasse bietet dieses Gesamtpaket in dieser Kompaktheit.

Klangheimat, Clearaudio, Hannl (ab ~2.000 € aufwärts bis ~5.000 €): Bürsten-basierte High-End-Maschinen, teils mit beidseitiger Reinigung, teils vollautomatisch. Andere Philosophie — Bürste statt Ultraschall — mit eigenen Vor- und Nachteilen.

Läden mit Waschservice: In einigen HiFi-Fachgeschäften kann man gegen einen kleinen Obolus Platten waschen lassen. Für Gelegenheitsnutzer mit kleiner Sammlung nicht die schlechteste Idee.

Für wen lohnt sich der Degritter Mark II?

Große oder wertvolle Sammlungen: Je mehr Platten, desto mehr zahlt sich der Komfort aus. Und wer Herzblut in seine Sammlung gesteckt hat — seltene Pressungen, Erstauflagen, gesuchte Gatefolds — der will kein Risiko mit Bürstenabrieb oder Drittmitteln eingehen. Ultraschall ist kontaktlose Reinigung. Außer dem Wasser berührt nichts die Plattenoberfläche.

Menschen mit wenig Zeit oder wenig Lust: Der Degritter Mark II funktioniert so, dass man ihn benutzt. Der VEVOR funktionierte so, dass man Ausreden findet. Das ist kein Witz, das ist Praxisrealität.

Einsteiger, die Vinyl als Genuss begreifen: Vinyl ist für mich kein Ritual, kein Hobby-im-Hobby, keine Bastelstunde. Ich will eine Platte hören, keine Platte pflegen. Der Degritter Mark II fügt sich in diesen Anspruch ein wie kaum ein anderes Gerät.

Sammler, die körperlich eingeschränkt sind: Ältere Nutzer, Menschen mit eingeschränkter Feinmotorik oder Sehkraft — der vollautomatische Ablauf macht die Plattenreinigung zugänglich, ohne dass man alles genau im Blick haben oder mit mehreren Platten gleichzeitig hantieren muss.

Nicht ideal für: Gelegenheitshörer mit zehn Platten und überschaubarem Budget. Wer zwei Mal im Jahr eine Platte hört, ist mit der Kohlefaserbürste und einem Okki Nokki beim Händler um die Ecke gut bedient.

Pre-Session-Wash: Der Workflow, der alles ändert

Das ist vielleicht der unerwartetste Erkenntnisgewinn aus diesem Test. Der Degritter Mark II ist nicht nur ein Gerät für die große Einmal-Reinigung einer Sammlung — er ist niedrigschwellig genug, um ihn vor jeder Hörsession kurz anzuwerfen.

Früher: Platte aus dem Sleeve, Kohlefaserbürste drüber, Mitlaufbesen aufsetzen, auflegen. Manchmal. Oft auch nicht, weil die Bürste irgendwo liegt und die Motivation weg ist.

Jetzt: Platte rein, Start drücken, 5–7 Minuten, Platte raus, auf den Teller. Fertig. Der Aufwand ist so minimal, dass man es einfach macht — weil why not?

Wer mag, nutzt den kurzen Waschgang ohne Klarspülgang für die schnelle Pre-Session-Routine. Wer gründlich sein will, nimmt den langen Durchgang mit zweitem Tank. Beides ist mit dem Degritter Mark II ohne Nachdenken möglich. Mit dem Okki Nokki ist das eine echte Arbeit. Mit dem VEVOR denkt man gar nicht erst daran.

Betriebskosten: Was kostet der Degritter Mark II wirklich im Alltag?

Das ist eine Frage, die im Angesicht des Anschaffungspreises gerne vergessen wird. Die Antwort: fast nichts.

  • Reinigungsfluid: 4 Tropfen pro Tankfüllung. Eine 100-ml-Flasche reicht für Monate bis Jahre, je nach Nutzungsintensität.
  • Destilliertes Wasser: Günstiger Kanister aus dem Supermarkt oder Baumarkt.
  • Ersatzfilter: 10 Stück im Lieferumfang, danach wenige Euro pro Packung.
  • Strom: Niedrig — der Trocknungslüfter ist das stromhungrigste Element, und der läuft nur wenige Minuten pro Zyklus.

Empfehlung: Original-Reinigungsfluid von Degritter verwenden. Nicht aus Markentreue, sondern weil man damit genau weiß, was man in den Tank gibt — und die Dosierung auf die Oberflächenspannung des Wassers abgestimmt ist. Zu viel Tensid senkt die Oberflächenspannung so weit, dass das Wasser über das Label laufen kann. Das Gerät ist so kalibriert, dass mit den empfohlenen 4 Tropfen das Wasser zuverlässig in der Label-Zone bleibt. Wer mit Drittmitteln experimentiert, experimentiert auf eigenes Risiko.

Fazit

Ich habe beim Vinyl-Einstieg gelernt, dass das Medium mehr Pflege braucht als ich zunächst dachte. Meine erste Lösung, der VEVOR, hat funktioniert — aber das Handling hat mich so genervt, dass ich ihn irgendwann einfach nicht mehr rausgeholt habe. Bürstchen und Sprühflüssigkeit haben das Beste versucht, aber eben nur das Beste versucht.

Der Degritter Mark II ist eine andere Kategorie. Nicht weil er teurer ist — sondern weil er das Problem wirklich löst, ohne neues zu schaffen. Platte rein, Knopf drücken, Platte raus, auf den Teller. Das ist die Zusammenfassung.

Vinyl ist für mich Genuss, kein Hobby-im-Hobby. Ich will keine Reinigungsroutine, ich will Musik hören. Der Degritter Mark II hat meinen Workflow so verändert, dass ich Platten jetzt vor jeder Session kurz durchlaufen lasse — weil der Aufwand faktisch null ist. Das war mit dem VEVOR undenkbar, mit der Bürste wishful thinking.

Ist der Preis hoch? Ja. Für eine Einzelperson mit kleiner Sammlung möglicherweise schwer zu rechtfertigen — hier lohnt sich der Blick auf Sharing-Modelle (HiFi-Stammtisch, Kollegenkreis, Läden mit Waschservice) oder günstigere Alternativen wie den Okki Nokki. Für den ernsthaften Sammler, den Vinyl-Enthusiasten oder den Menschen, der einfach das beste Ergebnis mit dem geringsten Aufwand will, gibt es aktuell keine überzeugendere Wahl in dieser Geräteklasse.

Ich bin ehrlich: ich werde den Degritter Mark II nicht kaufen. Nicht weil er es nicht wert wäre — sondern weil die Relation nicht stimmt. Mein Blog deckt ein breites Spektrum ab, mein Vinyl-Setup ist noch jung, und irgendwo muss man auch eine Linie ziehen, was man sich als Hobby-Budget leistet. Das ist keine Kritik am Gerät, das ist schlicht Realität.

Aber wenn ich Geld keine Rolle spielen lasse? Sofort. Keine Sekunde Zögern.

Mein Traum-Workflow wäre dieser: Nach Hause kommen, Degritter Mark II anwerfen, Platte rein, durchlaufen lassen. Währenddessen Sofa, Buch, kurz entspannen. Platte raus, auflegen, genießen. Wenn’s eine Doppel-LP ist, gleich die zweite Seite hinterher. Kein Ritual, keine Bastelei, keine Kompromisse. Einfach Musik — so wie sie klingen soll.

Das ist der Degritter Mark II in einem Satz: Er macht aus Plattenreinigung keine Arbeit. Und das ist mehr wert, als es klingt.

Der Degritter Mark II bleibt auf meinem Tisch, solange ich das Testgerät habe. Am liebsten würde ich flüstern: mein Schaaatz. Aber in Wahrheit muss er sehr bald wieder auf Reisen gehen — und er wird vermisst werden, wenn er weg ist.

FAQ — Häufige Fragen zum Degritter Mark II

Wie viel kostet der Degritter Mark II?

Der Degritter Mark II kostet in Deutschland aktuell rund 2.890 € beim autorisierten deutschen Vertrieb Live Act Audio. Der optionale zweite Tank für die Klarspülung kostet zusätzlich ca. 100 €.

Welches Wasser sollte man im Degritter Mark II verwenden?

Ausschließlich destilliertes oder demineralisiertes Wasser — kein Leitungswasser. Kalk hinterlässt Rückstände auf der Platte und im Gerät. Destilliertes Wasser gibt es günstig im Supermarkt oder Baumarkt.

Wie oft muss man das Wasser im Degritter Mark II wechseln?

Degritter empfiehlt einen Wasserwechsel nach ca. 50 Waschgängen. Wer das Gerät regelmäßig benutzt und das Wasser nicht zu lange stehen lässt, kommt damit gut hin.

Wie oft muss der Filter gewechselt werden?

Der Open-Cell-Schaum-Filter sollte nach ca. 100 Waschgängen gewechselt werden. Im Lieferumfang sind 10 Ersatzfilter enthalten — das reicht eine Weile.

Brauche ich Reinigungsfluid oder reicht destilliertes Wasser allein?

Destilliertes Wasser allein reinigt bereits besser als viele manuelle Methoden — aber mit Reinigungsfluid ist das Ergebnis deutlich besser. Der Degritter Mark II ist auf die eigene Reinigungsflüssigkeit abgestimmt: 4 Tropfen pro Tankfüllung, mehr nicht. Zu viel Tensid senkt die Oberflächenspannung des Wassers so weit, dass es über das Label laufen kann.

Kann der Degritter Mark II auch Singles und Maxis reinigen?

Ja — als Zubehör sind Adapter für 7‑Inch-Singles und 10-Inch-Maxis erhältlich. Der Degritter Mark II reinigt damit 7″, 10″ und 12″-Platten.

Ist der Degritter Mark II laut?

Im Ultraschall-Waschgang ist er nahezu lautlos — ein leises, gleichmäßiges Summen. Der Trocknungslüfter danach ist deutlich wahrnehmbarer, aber alltagstauglich. Im Nebenzimmer stört er nicht.

Was ist der Unterschied zwischen Degritter Mark I und Mark II?

Der Mark II bringt den Power Drive 2.0 mit Pulse Mode für effektivere Reinigung, eine überarbeitete Benutzeroberfläche, verbessertes Wassermanagement und seit Oktober 2024 ein pulverbeschichtetes Gehäuse das unempfindlicher gegenüber Fingerabdrücken und Wasserflecken ist. Außerdem erkennt der Mark II automatisch die Netzspannung (120 V / 230 V) ohne manuellen Schalter.

Lohnt sich der zweite Tank?

Ja — unbedingt. Wer 2.890 € für den Degritter Mark II ausgibt und dann an den 100 € für den zweiten Tank spart, rechnet falsch. Der zweite Tank ermöglicht einen Klarspülgang mit purem destilliertem Wasser nach dem Waschgang — null Rückstände, null Tensid auf der Platte.

Kann der Degritter Mark II auch gebrauchte oder stark verschmutzte Platten reinigen?

Ja — und das ist einer seiner größten Stärken. Die 120-kHz-Ultraschallreinigung dringt tief in die Rillen vor und löst Verschmutzungen, die mechanische Methoden wie Bürsten oder Vakuum-Wäscher nicht vollständig erreichen. Bei extrem stark verschmutzten Platten kann ein zweiter Durchgang sinnvoll sein.

Entlädt der Degritter Mark II statische Aufladung?

Ja — vollständig. Platten kommen nach dem Waschgang komplett statikfrei aus dem Gerät. Der Trocknungsvorgang erzeugt dabei keine neue statische Aufladung, was bei einigen anderen Methoden ein Problem sein kann.

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