Das Ziel ist klar: eine vollständige Steuerzentrale für ein modernes Stereo-System. Wer auf einen separaten Vorverstärker verzichten will, soll mit dem Eversolo DAC-Z10 direkt in die Endstufe oder Aktivlautsprecher gehen können. Gleichzeitig soll das Teil Kopfhörer-Setups nicht als Afterthought behandeln, sondern als ernstzunehmende Option. Laut Hersteller ist der Anspruch “True Sound” — das klingt nach Marketing, aber hinter der Fassade steckt eine Architektur, die das zumindest technisch untermauert.
Das Herzstück ist eine Dual-Mono-Implementierung mit je einem AK4191- und AK4499-Chipset pro Kanal — insgesamt also vier AKM-Velvet-Sound-Chips. Jeder Kanal bekommt seine eigene Signalkette, seinen eigenen linearen Netztrafo und seine eigene Masseführung. Eversolo nennt das intern “Fully Isolated Architecture” (FIA). Drei getrennte Linearnetzteile versorgen linken Kanal, rechten Kanal und die Systemelektronik separat — das ist kein Marketingbegriff für gemeinsame Masse mit Trennkondensatoren, sondern tatsächlich physisch getrennte Versorgung.

Die Lautstärkeregelung erfolgt nicht digital, sondern über ein duales R2R-Widerstandsnetzwerk — ein Modul pro Kanal. Das verhindert Pegelverluste durch Bit-Truncation bei niedrigen Lautstärken und sorgt für kanalgleiche Phasenreaktion. Die analoge Vorverstärkerstufe unterstützt sowohl XLR- als auch RCA-Eingänge und ‑Ausgänge, mit +10 dB analogem Gain. Das Eversolo DAC-Z10 kann also direkt eine Endstufe treiben — ohne externe Vorstufe.


Das Taktsystem trägt den Markennamen “Precision Core”: Ein OCXO-Quarzoszillator (temperaturkontrolliert, um Frequenzdrift zu eliminieren), ergänzt durch PLL-Jitter-Unterdrückung und FPGA-gestützte Taktrekonstruktion. Eversolo spricht von Femtosekunden-Präzision — das ist eine Werbeaussage, die man nicht einfach nachmessen kann, aber OCXO-basierte Taktgeber sind in dieser Preisklasse tatsächlich selten. Für Systeme mit externem Masterclock gibt es Eingänge für 10 MHz und 25 MHz, wahlweise mit 50-Ω- oder 75-Ω-Abschluss. Das ist ein Feature, das man sonst eher bei Esoteric oder dCS findet.



Die Messwerte laut Hersteller: THD+N von 0,00008 %, Dynamikumfang 130 dB. Beides klingt beeindruckend. Ob das unter realen Betriebsbedingungen und mit allen Eingängen stabil bleibt, ist eine andere Frage.
Der Eversolo DAC-Z10 ist gut bestückt. Auf der Rückseite: USB‑B (bis PCM 768 kHz/32-bit, DSD512), I²S mit acht konfigurierbaren Modi (ebenfalls bis DSD512), AES/EBU, je zwei Koaxial- und Toslink-Eingänge (bis PCM 192 kHz/24-bit, DSD64 DoP), HDMI eARC und Bluetooth 5.0 mit SBC und AAC. Analog rein und raus per XLR und RCA.


Vorn: ein 8,8‑Zoll-Touchscreen. Kein winziges OLED-Fenster, sondern ein richtiges Display, das auch aus Sitzdistanz lesbar ist. VU-Meter, Spektrumanalyzer, Filterauswahl, Eingangswahl — alles direkt am Gerät steuerbar, alternativ per Fernbedienung oder der Eversolo-Control-App für iOS und Android. Der Kopfhörerausgang (6,3 mm, frontseitig) erkennt automatisch die Impedanz des angesteckten Hörers und passt den Gain an. Für niedrige Impedanzen gibt es einen High-Gain-Modus mit bis zu 1 Watt an 16–32 Ohm — das reicht für die meisten planaren Magnetostat-Hörer.




Dual-Mono-DAC-Implementierungen in dieser Preisklasse sind selten. Wer sowas normalerweise kauft, landet eher bei Chord, T+A oder MSB — und zahlt deutlich mehr. Der Eversolo DAC-Z10 kombiniert das mit einer vollwertigen analogen Vorverstärkerstufe und einem ernstzunehmenden Kopfhörerverstärker. Drei Kategorien in einem Gehäuse, die sich nicht gegenseitig kompromittieren sollen. Ob das tatsächlich gelingt, muss ein ausführlicher Test zeigen.
Die R2R-Lautstärkeregelung ist ebenfalls ein Punkt, der das Teil von den meisten DAC/Pre-Kombis im Segment abhebt. Die üblichen Verdächtigen in dieser Klasse — Topping D90 III Sabre, RME ADI‑2 Pro FS — arbeiten mit digitalem oder einfachem analogen Poti. Das R2R-Modul ist hier eine technisch fundierte Entscheidung.
1.980 Euro ist viel Geld für einen DAC. Gemessen an dem, was für diesen Preis geboten wird, ist es allerdings eine andere Geschichte. Der Topping D90SE liegt deutlich darunter, bietet aber keine analogen Eingänge und keinen vollwertigen Vorverstärker. Der RME ADI‑2 Pro FS kostet ähnlich, ist aber klar auf Studio- und Kopfhörereinsatz optimiert, nicht auf ein Wohnzimmer-System. Der Chord Hugo TT 2 liegt preislich ähnlich, hat aber keine analogen Eingänge und ist eine andere Philosophie. Wer einen separaten Vorverstärker einsparen will und trotzdem kein Compromiss-Gerät möchte, hat in dieser Preisklasse sonst kaum Optionen, die technisch vergleichbar ausgestattet sind.
Eversolo ist kein No-Name-Hersteller mehr. Die DMP-A8 und A6 haben dem Unternehmen in der Streamer-Szene einen guten Ruf eingebracht. Der Eversolo DAC-Z10 ist der erste echte Angriff auf das obere Preissegment — und zumindest auf dem Papier gut gerüstet dafür.
Der Eversolo DAC-Z10 kostet 1.980 USD / 1.980 EUR. In Deutschland ist er über ausgewählte HiFi-Händler erhältlich. Zum Lieferumfang gehören Fernbedienung, Netzkabel, USB-Datenkabel, USB-Stick für Firmware-Updates, Trigger-Kabel und Bedienungsanleitung.
Das Konzept überzeugt auf dem Papier. Drei getrennte Netzteile, Dual-Mono-AKM, R2R-Lautstärkeregelung, externer Clockeingang — das ist keine zusammengewürfelte Featureliste, sondern eine kohärente Architekturentscheidung. Was noch fehlt: wie sich das alles in der Praxis verhält. Wie schlägt sich die analoge Vorstufe wirklich gegen dedizierte Vorverstärker in ähnlicher Preisklasse? Wie klingt der Kopfhöreranschluss mit anspruchsvollen planaren Hörern? Und bleibt die Kombination aus Display, App und Audiosektion auf Dauer stabil — Firmware-seitig? Abwarten.
Wer sich eher für die Streaming-Seite des Eversolo-Portfolios interessiert: Unseren Test zum DMP-A6 findet ihr hier.
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