ES9039Q2M - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de Audio & Heimkino. Ernst genommen. Thu, 09 Jul 2026 12:20:43 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://www.hifigeek.de/media/cropped-hifigeek.de-512-32x32.png ES9039Q2M - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de 32 32 60029611 Volumio Primo V3: Dritte Generation des Streaming-DACs aus Florenz https://www.hifigeek.de/volumio-primo-v3/ https://www.hifigeek.de/volumio-primo-v3/#respond Wed, 08 Jul 2026 11:25:37 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=12164 Volumio hat mit dem Volumio Primo V3 die dritte Generation seines Streaming-DACs vorgestellt — dem Gerät, mit dem die Florentiner überhaupt erst ins Hardware-Geschäft eingestiegen sind. Neuer DAC-Chip, lineares Netzteil, acht umschaltbare Filter, NOS-Modus, das volle Programm für 849 Euro. Klingt nach einer Menge Holz für den Preis. Die Frage ist, wie viel davon tatsächlich neu ist und wie viel einfach aus dem eigenen Regal recycelt wurde.

Volumio ist in erster Linie eine Softwarefirma. VolumioOS läuft seit 2013 und wird auch an Dritthersteller lizenziert, unter anderem an Pro-Ject für deren Stream Box. Der erste Primo war 2019 Volumios eigener Einstieg ins Hardware-Geschäft: ein kompakter Streamer mit ESS-DAC für rund 479 Euro. Darauf folgte 2024 der Primo 2 mit überarbeiteter Analogstufe, und im November 2025 kam mit dem Primo Plus eine deutlich teurere Parallellinie mit Dual-Mono-DAC für 1.199 Euro. Der Volumio Primo V3 ist jetzt die Ablösung der ursprünglichen, günstigeren Primo-Linie — nicht der Nachfolger des Primo Plus, auch wenn beide Namen verwirrend nah beieinander liegen.

Konzept: Der bezahlbare Wiedereinstieg in die eigene Range

Mit dem Primo Plus hat Volumio Ende letzten Jahres gezeigt, was das eigene Engineering-Team kann, wenn der Preis zweitrangig ist. Der Volumio Primo V3 ist die Antwort auf die Frage, was davon auch für unter 900 Euro machbar ist. Volumio selbst verkauft das in der Pressemitteilung als “komplette Neuerfindung”, CEO Michelangelo Guarise spricht von einer neuen Engineering-Plattform.

Schaut man sich die Datenblätter von Volumio Primo V3 und Primo Plus nebeneinander an, relativiert sich das schnell: Beide laufen auf dem exakt gleichen Quad-Core-Cortex-A72-SoC mit 1,5 GHz, beide haben 2 GB DDR4-RAM, beide nutzen den ES9039Q2M von ESS. Der Unterschied liegt vor allem darin, dass der Primo Plus den Wandler doppelt verbaut, in echter Dual-Mono-Auslegung mit getrennten Signalpfaden für links und rechts, während der V3 mit einem einzelnen Chip auskommt. Das ist kein Beinbruch, aber “komplette Neuerfindung” ist hier vor allem Marketing-Vokabular für “aufgewertete Version der günstigeren Linie”.

Zielgruppe: Wer bisher mit einer reinen App-Lösung oder einem günstigen Streaming-Dongle unterwegs war und den Schritt zu einem dedizierten Streaming-DAC mit Vorstufenfunktion machen will, ohne gleich vierstellig zu investieren.

Technik: ES9039Q2M, NOS-Modus und acht Filter im Detail

Der ES9039Q2M ist aktuell einer der gängigsten Mittelklasse-Wandler von ESS, gebaut auf der HyperStream-IV-Architektur, die auch im deutlich teureren Flaggschiff ES9039PRO steckt — nur eben mit weniger Kanälen und etwas reduzierten Messwerten. Der gleiche Chip taktet unter anderem auch im WiiM Amp Ultra. Volumio nutzt ihn hier als Single-Chip-Lösung, intern angegeben mit bis zu PCM 384 kHz/32 Bit, über den USB-Host-Ausgang an einen externen DAC bis PCM 1536 kHz/32 Bit und DSD1024. Das sind Zahlen, die kein aktuelles Streaming-Abo oder lokales File tatsächlich ausreizt — Tidal und Qobuz liefern maximal 24 Bit/192 kHz, DSD-Files in dreistelliger Sample-Rate sind eine Nische für Leute mit eigener Ripping-Sammlung. Bedeutet nicht, dass die Zahl nutzlos ist, aber Reserve statt Notwendigkeit.

Praktisch relevanter sind die acht wählbaren DAC-Filter: linearphasig-schnell, linearphasig-langsam, minimalphasig-schnell, minimalphasig-langsam, minimalphasig als Werkseinstellung, linearphasig-schnell apodizing, linearphasig-schnell mit niedrigem Ripple, und minimalphasig-langsam mit niedriger Dispersion. Kurz übersetzt: Linearphasige Filter halten die Phasenlage über den Frequenzgang konstant, neigen aber zu Pre-Ringing vor Transienten. Minimalphasige Filter vermeiden das Pre-Ringing, verschieben dafür die Phase frequenzabhängig. Welches Filter “richtig” klingt, ist Geschmackssache und hängt stark von Lautsprechern und Raum ab — das ist auch der Grund, warum Hersteller wie Denafrips oder Holo Audio das gleiche Feature seit Jahren anbieten. Neu ist die Idee also nicht, aber schön, dass sie jetzt auch in der günstigeren Primo-Linie ankommt.

Der NOS-Modus (Non-Oversampling) deaktiviert die digitale Filterung komplett und lässt das Signal roh durch den Wandler laufen. Klingt für manche Ohren organischer, offener im Hochton, hat aber technisch bedingt einen höheren Rauschanteil oberhalb des Hörbereichs — was in der Praxis meistens irrelevant ist, aber Messwertfetischisten aufregt. Auch das ist längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr, SMSL und Topping bieten NOS-Schalter mittlerweile auch in ihren Einstiegsgeräten an.

Das lineare Netzteil ersetzt vermutlich ein geschaltetes Netzteil aus der Vorgängergeneration — Volumio spezifiziert das in der Pressemitteilung nicht genauer, verspricht aber ein niedrigeres Grundrauschen und damit besseren SNR. Ohne Messungen ist das erstmal eine Herstellerbehauptung, auch wenn lineare Netzteile in dieser Preisklasse grundsätzlich eine sinnvolle Investition sind.

Die Ausgangsstufe lässt sich in acht Stufen regeln, XLR balanciert von 1,0 bis 6,3 Vrms, RCA unbalanciert von 0,5 bis 3,15 Vrms. Praktisch bedeutet das: Der Volumio Primo V3 lässt sich direkt an eine Endstufe oder aktive Boxen anschließen, ohne dass man Pegelprobleme oder einen zusätzlichen Vorverstärker braucht. Die Ausgangsimpedanz gibt Volumio mit rund 140 Ohm an — unauffällig, sollte mit den meisten Endstufeneingängen problemlos harmonieren.

An Ein- und Ausgängen gibt es Ethernet und WLAN ac (2,4 und 5 GHz), Bluetooth 5.0, zwei USB-A-Host-Ports (einer davon mit höherer Leistung für SSDs/HDDs, nutzbar auch als digitaler Ausgang an einen externen DAC), einen Micro-SD-Steckplatz zur lokalen Speichererweiterung, HDMI-Ausgang zur Bildschirmspiegelung der Bedienoberfläche (kein Audio-HDMI, wichtig für die Erwartungshaltung) sowie einen 12-Volt-Trigger-Ausgang über 3,5‑mm-Klinke zum automatischen Ein- und Ausschalten kompatibler Geräte. Letzteres ist ein Detail, das man sonst eher in höheren Preisklassen findet, und praktisch, wenn man mehrere Komponenten synchron hochfahren will.

Software und Streaming-Ökosystem

Über VolumioOS laufen Tidal, Qobuz, HighResAudio, TuneIn und Spotify, dazu Tidal Connect und Qobuz Connect. Roon wird in der Pressemitteilung als eine der unterstützten “Lieblings-Apps” genannt — ob der Volumio Primo V3 offiziell Roon-Ready-zertifiziert ist, wie es bei früheren Volumio-Produkten der Fall war, geht aus der Mitteilung selbst nicht eindeutig hervor. Bevor das jemand als Kaufargument nutzt: lieber vor Bestellung noch mal auf der Volumio-Seite gegenchecken.

Marktvergleich: Zwischen WiiM, Eversolo und der eigenen Plus-Linie

Preislich sitzt der Volumio Primo V3 mit 849 Euro zwischen reinen Streaming-Amps wie dem WiiM Amp und dedizierten Streaming-DACs der oberen Mittelklasse wie dem Eversolo DMP-A6, der für knapp 869 Euro startet und zusätzlich HDMI ARC mitbringt. Gegenüber der eigenen Plus-Version, die für 1.199 Euro den doppelten DAC-Chip und mehr digitale Eingänge (USB‑C, Koax, Toslink zusätzlich zu USB‑A) bietet, ist der V3 die konsequent abgespeckte, aber technisch eng verwandte Alternative für rund 350 Euro weniger. Wer schon eine digitale Quelle mit S/PDIF- oder Toslink-Ausgang im Rack hat, verliert beim V3 gegenüber dem Plus etwas an Anschlussvielfalt — die Pressemitteilung listet für den V3 keine Koax- oder Toslink-Eingänge, nur die üblichen Netzwerk- und USB-Wege.

Gegenüber dem WiiM Ultra, der mit rund 500 Euro deutlich günstiger startet und ebenfalls auf einen ESS-Wandler setzt, bietet der Volumio Primo V3 vor allem die acht Filter, den NOS-Modus und das lineare Netzteil als Differenzierung — WiiM setzt stärker auf App-Ökosystem und Multiroom, Volumio auf klassische High-Fidelity-Bedienphilosophie mit mehr manuellen Stellschrauben. Beide Ansätze haben ihre Fans, keiner ist grundsätzlich “besser”.

Preis und Verfügbarkeit

Der Volumio Primo V3 kostet 849 Euro, 1.049 US-Dollar beziehungsweise 769 britische Pfund und ist ab sofort über den Volumio-eigenen Shop bestellbar.

849 Euro (Deutschland/EU)
1.049 US-Dollar
769 britische Pfund

Fazit

Was in der Pressemitteilung fehlt, ist alles, was tatsächlich zählt: wie sich der Single-Chip-ES9039Q2M gegen den alten ES9038Q2M im Blindtest schlägt, ob die acht Filter im Alltag hörbare Unterschiede machen oder nur Feature-Liste sind, und wie belastbar das lineare Netzteil unter Last tatsächlich ist. Ein Testgerät liegt bislang nicht vor. Bis dahin bleibt der Volumio Primo V3 auf dem Papier eine solide, aber wenig überraschende Auffrischung der eigenen Einstiegslinie — technisch näher am Primo Plus als die Marketingsprache glauben machen will. Wer aktuell zwischen WiiM Ultra, Eversolo DMP-A6 und Volumio Primo V3 schwankt, findet hier unsere Tests dazu: Test zum WiiM Ultra und Test zum Eversolo DMP-A6.

Häufige Fragen zum Volumio Primo V3

Was kostet der Volumio Primo V3?

Der Volumio Primo V3 kostet 849 Euro in der EU, 1.049 US-Dollar in den USA und 769 britische Pfund in Großbritannien. Bestellbar ist er direkt über den Volumio-Shop.

Was ist der Unterschied zwischen Volumio Primo V3 und Primo Plus?

Der Primo Plus verbaut den ES9039Q2M-DAC-Chip zweimal in echter Dual-Mono-Konfiguration und bietet zusätzliche digitale Eingänge wie USB‑C, Koax und Toslink. Der Volumio Primo V3 kommt mit einem einzelnen ES9039Q2M aus und beschränkt sich auf Netzwerk- und USB-Eingänge, kostet dafür aber rund 350 Euro weniger.

Welchen DAC-Chip nutzt der Volumio Primo V3?

Verbaut ist der ESS Sabre ES9039Q2M, ein Mittelklasse-Wandler auf HyperStream-IV-Basis, der unter anderem auch im WiiM Amp Ultra zum Einsatz kommt.

Was bringt der NOS-Modus beim Volumio Primo V3?

Der NOS-Modus (Non-Oversampling) schaltet die digitale Filterung des Wandlers ab und lässt das Signal roh durch den DAC laufen. Das kann subjektiv offener klingen, erhöht aber technisch den Rauschanteil oberhalb des Hörbereichs.

Unterstützt der Volumio Primo V3 Roon?

Laut Pressemitteilung läuft Roon über Roon-Connect-Anbindung. Ob eine offizielle Roon-Ready-Zertifizierung für den Primo V3 vorliegt, ist aus der Mitteilung nicht eindeutig ersichtlich und sollte vor dem Kauf auf der Volumio-Seite gegengecheckt werden

Ist der Volumio Primo V3 bereits verfügbar?

Ja, der Volumio Primo V3 ist seit der Ankündigung am 8. Juli 2026 direkt über den Volumio-Shop bestellbar.

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