EuropeanAudioTeam - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de Audio & Heimkino. Ernst genommen. Thu, 07 May 2026 07:46:29 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 https://www.hifigeek.de/media/cropped-hifigeek.de-512-32x32.png EuropeanAudioTeam - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de 32 32 60029611 Vinyl Erfahrungen: Von Flusen, Klangreife und dem Reinigungsgroove https://www.hifigeek.de/vinyl-erfahrungen-plattenspieler/ https://www.hifigeek.de/vinyl-erfahrungen-plattenspieler/#respond Fri, 09 Feb 2024 15:05:57 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=7515 Vor ein paar Wochen hatte ich hier geschrieben: ich hab Bock auf Vinyl – halt so ne Platte auf nen Teller werfen und analoge Musik hören. Als Genuss und nicht Beschallung. Quasi aktiv mit manueller Arbeit und einem physikalischen Medium.

Meine ersten Vinyl Erfahrungen sind jetzt ein paar Wochen alt und ich hab einiges dazugelernt. Zum Beispiel: warum verwenden manche Hersteller noch so mistige Papp-Sleeves um die Platten zu verpacken und auszuliefern? Die Platten mögen offensichtlich genau eben solche rauhen Papp-Dinger gar nicht und neigen direkt dazu, ganz feine Kratzerchen zu bekommen, wenn man sie aus dem Sleeve zieht. Ätzend. Vielleicht machen diese haarfeinen Kratzer nix, aber frustrierend ist es trotzdem.

Auch habe ich gelernt: egal was man mit den Platten macht – wenn sie neu sind, sind sie teilweise schon mit Flusen verseucht. Da kannste anscheinend erstmal nix machen. Ich so ne Platte mit meinem bei YouTube gelernten “Platten-Affen-Griff”, Daumen an die Kante, Mittelfinger irgendwie ans Label/Plattenloch gefummelt, rausgepopelt und was muss ich entdecken? Flusen natürlich. Ätzend. Aber ich bin ja mit so ner coolen Kohlefaserbürste bewaffnet.

Vinyl Erfahrungen Teil 1: Plattenbürsten Action

Auch wieder so ne Sache für sich übrigens – wie bürstet man jetzt eigentlich richtig? Plattenteller angeworfen, Bürste angesetzt und die Drehung den Rest machen lassen. Festgestellt: wenn man zu fest drückt, gibt das auch so feine Kratzer auf der Platte. Argh! Aber manche Flusen sind nunmal hartnäckig und Fettgriffeln haben immer noch nix an der Platte zu suchen. Okay, gelernt: sanft bürsten. Wird nicht immer perfekt, aber vielleicht ist fast perfekt ja perfekt – logisch oder? Jedenfalls wird das Geknister weniger. Immerhin.

Hatte ich nicht auch erwähnt, dass ich so nen Flusen an der Nadel hatte? Die Stylusbürste hab ich natürlich auch ausprobiert. Klappt und musste ich bisher irgendwie nur einmal anwenden. Passt also. Wer seine Platte sauber hält, hat damit weniger Probleme.

Kurzer Tipp zu den Papp-Sleeves

Wer das Kratzer-Problem grundsätzlich lösen will: Die originalen Papp-Innenhüllen durch antistatische Polyethylen-Innenhüllen ersetzen – zum Beispiel von MoFi oder schlicht günstige PE-Hüllen. Ein kleines Upgrade mit großer Wirkung, gerade wenn man Wert auf den Zustand seiner Sammlung legt. Vinyl Erfahrungen sammeln heißt eben auch, solche kleinen Stellschrauben zu entdecken.

Wie klingt Vinyl eigentlich? Meine ehrlichen Erfahrungen

Also erstmal muss ich sagen, dass ich ein wenig shoppen war. Hab mir Gedanken gemacht, was so die Alben sind, die ich mit am meisten per Stream gehört habe. Spotify Wrapped sei Dank, dass just der Jahresrückblick 2023 rausgekommen ist und ich wieder erinnert wurde, dass ich 193.000 Minuten gestreamt habe. Also ein Junkie zu sein scheine. Jedenfalls hab ich dem Shoppingrausch gefröhnt und mir ein paar Platten zugelegt. Logischerweise nur geilen Scheiß, mit welchem ich sicherlich jeden High-End’er und Platten-Narr jagen könnte.

Aber so bin ich nunmal! Unkonventionell. Hat da so nen geilen Plattenspieler stehen und schruppt da nur üblen Metal drauf! Ja mann!

Lorna Shore – Pain Remains

Los ging es mit… Trommelwirbel… Lorna Shore natürlich. Direkt mal Deathcore zum Einstieg. Im Speziellen das fulminante erste Album mit Neuzugang Will Ramos: Pain Remains.

Boom! Holt mich ab der ersten Sekunde ab. Der Klang ist definitiv nicht mehr mit Streaming vergleichbar. Gefühlt sehr fein aufgelöst und das Stimme-zu-Instrumente-Verhältnis passt. Gute Auflösung mach ich im Speziellen immer an sowas fest: wie gut sind die Drums und Becken zu hören? Gerade bei den Becken muss es definiert sein. Im Streaming ist es oft der Fall, dass Becken eher zu so ner verwaschenen Klitsch-Klatsch-Masse verschmilzen – ein Brei aus Crashbecken. Auf Platte hört man jeden Anschlag fein heraus und kann erahnen, wie der Drummer hier abgeht. Auch die Bassdrum muss einen gewissen Punch haben. Trocken und definiert. Wird es nie so wie Live, aber es muss dahin tendieren.

Bei der Stimme: Ja, ich weiß, die Vocals von Will sind für viele alles andere als klar. Aber selbst hier hört man himmelweite Unterschiede. Kein Schnauben und Schnaufen durch zu empfindliche Mikros, aber gerade bei S‑Lauten in den Höhen: scharf und deutlich. Generell ist Wills unglaubliches Gesangstalent um einiges deutlicher – in den Passagen á la Gollum, in den tiefen Growls, in den hohen Squeals. Es fühlt sich alles direkter an. Der eine mag von „belegt” reden wenn er Streaming umschreibt, oder von Vorhang. Kann man so sehen, aber ich bin vorsichtig mit solchen Umschreibungen – ich will hier nicht in die Voodoo-Ecke.

Nirvana – Best Of

Noch so nen Ding. Angebot gesehen und direkt mal für nen 10er eingesteckt. Auf den Teller geworfen und: geil. Die Qualität der Aufnahmen überzeugt. Was total auffällt: Die Aufnahmen auf der Best Of Platte wurden aus den drei Alben der Band zusammengestellt – und man hört die Unterschiede der Produktion zwischen den drei Alben komplett raus. Ob ich die eine oder andere Produktion besser finde, mag ich gar nicht beurteilen. Generell klingen sie alle authentisch, und das ist glaube ich was es ausmacht.

Ich bin der Meinung, den Aufnahmeraum förmlich zu hören. Wo und wie die einzelnen Instrumente im Raum platziert sind. Super cool. Vielleicht für den geneigten Streamer etwas ungewohnt, weil es ein wenig roh anmutet – aber für den mit Musiker-Genen natürlicher. Kommt einem das Gestreamte doch ein wenig weichgespült vor. Allen voran das Schlagzeug: trockene Bassdrum, satte definierbare Becken. Beim Gesang super klar und hier hört man wirklich den Raum. Ein wenig Hall, ein wenig dumpf, dennoch perfekt und passend. In ruhigeren Gitarrenpassagen das gleiche Bild. Durch und durch stark.

Vinyl Erfahrungen nach ein paar Wochen: Fortschritte

Ich habe mir die Vinyl ja wieder auf den Zettel geholt, um Musik zu genießen. Genau das habe ich in den letzten Wochen getan. Weniger als gewollt aufgrund von Feiertagen, Familie und Drumherum – aber dennoch versucht, sie als persönliche Auszeit zu nehmen. Einfach mal Zeit nehmen für Musik, detoxen von digitalen Medien. Nicht das Handy als Begleitung zur Hand haben, sondern einfach die Augen schließen und die Musik in den Vordergrund stellen. Klappte mal mehr und mal weniger – ist halt so wie immer bei guten Vorsätzen.

Der Reinigungsgroove hat sich mittlerweile sofort eingestellt. Platte mit dem Affen-Griff aus dem Sleeve, auf den Plattenteller, Kohlefaserbürste vorsichtig drüber und genießen. Klappt bisher gut und macht wahrhaftig einen heiden Spaß. Diese Vinyl Erfahrungen sammeln macht süchtig – mit Freude und Spannung wird jetzt Richtung der nächsten Platten geguckt, die auf dem Weg sind.

Es geht weiter – und ich habe noch so einiges zum Thema zu berichten.


Weiterlesen – die Vinyl-Serie:

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https://www.hifigeek.de/vinyl-erfahrungen-plattenspieler/feed/ 0 7515
Vinyl Anfänger: Mein Experiment als blutiger Anfänger https://www.hifigeek.de/vinyl-anfaenger-erfahrungen/ https://www.hifigeek.de/vinyl-anfaenger-erfahrungen/#respond Thu, 14 Dec 2023 19:52:40 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=7487 Als Vinyl Anfänger schmeißt man keine Schmuseprogramme auf den Plattenteller. Bei mir läuft Lorna Shore, Zeal & Ardor und Blind Guardian. Und genau das ist der Punkt: Wer als Metal-Fan mit Vinyl anfängt, macht das nicht wegen des audiophilen Klischees, sondern wegen etwas anderem. Wegen des Rituals.

Ich bin 85er Baujahr und mit MC und CD groß geworden. Die Plattenspieler wurden in meiner Kindheit gerade entsorgt oder auf den Dachboden verbannt. Vinyl kannte ich nur vom Hörensagen. Streaming war schon immer mein Ding – seit Tag eins dabei, und ich liebe es bis heute. Trotzdem hat mich der Wind irgendwann in eine Richtung getrieben, die ich nicht erwartet hatte.

Warum ich als Vinyl Anfänger überhaupt anfange

Den Stream anwerfen kann ein jeder. 192.000 Minuten Spotify im Jahr 2023 – ich lebe Musik, wirklich. Auf Konzerten, auf Festivals, zuhause im Hintergrund. Aber irgendwie genießt man die Musik eigentlich nur auf Konzerten. Dort, wo man hingeht der Musik wegen. Wo man sich Zeit nimmt, hinsteht und zuhört.

In der IT wird von Work-Life-Balance geredet. Ich wollte eine Stream-Genuss-Balance. Ich konsumiere Musik wie ein Bulimieprogramm – schnell rein, schnell weiter. Das wollte ich aufbrechen.

Die Antwort: Vinyl. Einfach mal eine Platte auf einen drehenden Teller werfen, eine Nadel draufsetzen und ein analoges Signal abgreifen. Den heiligen Gral der HiFi-Freaks. Das Medium, das eine physische Handlung verlangt, bevor Musik spielt. Als Vinyl Anfänger ohne Vorwissen ist das natürlich erst mal Neuland.

Wer Extreme Metal hört, weiß außerdem: Da geht es zur Sache. Tod, Krieg, Horror, gesellschaftliche Missstände – detaillierte Texte über Mord und Kannibalismus sind bei Bands wie Cattle Decapitation programmatisch. Das passt zu einem Medium, das man aktiv bedienen muss. Analog eben.

Musik, Meditation und Ritual

Ich bin der Letzte, der sich auf eine Yogamatte setzt und “Ohm” macht. Aber ich kenne das Bedürfnis nach Entschleunigung. Bei Filmen ist es das Ritual, eine Disk in den Player zu werfen – mein persönlicher Katalog aus Blu-Rays, das Aussuchen, das physische Handeln. So wie früher in der Videothek, wo man Stunden verbracht hat, Filme auszuwählen.

Genau das wollte ich für Musik. Nicht mal eben Shuffle drücken, sondern: Album aussuchen, Platte rausholen, Seite A, Seite B. Aktiv konsumieren. Nicht Beschallung, sondern Genuss.

Die Idee reifte ein paar Wochen in meinem Kopf. Dann habe ich die Blogposition genutzt und von EAT einen Plattenspieler zum Testen bekommen. Ein großes Dankeschön dafür – mehr dazu im Review, das noch folgt. So konnte ich das Vinyl Anfänger-Experiment mal wirklich angehen: Was ist Vinyl? Wie geht das? Wie klingt das? Was ist der Hype?

Das Vinyl Anfänger-Experiment: Meine ersten Platten

Idee war nicht, die größte Vinylsammlung der Welt aufzubauen, sondern gezielt die Alben zu suchen, die mich begleitet haben oder gerade begleiten.

Die Liste war schnell klar:

  • Lorna Shore – Pain Remains: Das fulminante erste Album mit Will Ramos. Deathcore zum Einstieg. Pflicht.
  • Zeal & Ardor: Auf dem Summer Breeze nachts um 2 Uhr gesehen – knapp das beste Konzert des Jahres. Die Platte muss her.
  • Behemoth – In Absentia Dei: Das Corona-Konzert in einer Kirche ohne Publikum. Bestes-of-Behemoth auf einer Scheibe.
  • Blind Guardian – Somewhere Far Beyond: Wunsch meiner Frau. Nachdem wir das Album in voller Länge auf dem Summer Breeze 2022 live erlebt haben – keine schlechte Wahl.
  • Wintersun: Leider nur als Live at Tuska, da Time I vergriffen und für horrende Summen gehandelt wird.

Das wird der Einstieg. Rom wurde nicht an einem Tag erbaut.

Erste Schritte mit dem EAT Prelude

Plattenspieler kam Dienstag an, natürlich sofort aufgebaut. Der EAT Prelude ist ein interessantes Konzept: Motor und Zarge sind zwei physisch getrennte Teile. Der Motor steht separat auf dem Rack (shoutout an das Creaktiv HiFi-Rack), dann kommt die Zarge mit Motoraussparung drüber, der Aluteller rein, Tonarm justieren. Tonabnehmer war bereits montiert und eingestellt – es fehlt nur das Einpendeln des Gegengewichts, das die Anleitung gut beschreibt.

Tada. Man hat einen Plattenspieler.

Als erstes drauf: The Offspring – Americana LP. Die hatte ich bei Amazon im Angebot gesehen und als Testkandidat mitgenommen. Uiui, Klangeindruck? Wirklich gut! Also mit Streaming hat das nix zu tun. Aber halt analoger und anfälliger – mal leicht am HiFi-Rack gewackelt und schon springt die Musik. Ja, der eingefleischte Vinyl-Fan weiß: macht man nicht. Ist mir trotzdem passiert. Crazy. Da es sich beim EAT Prelude außerdem nicht um einen Vollautomaten handelt, bin ich direkt nach der ersten Seite aufgesprungen und hab die Nadel vor dem Ende der LP bewahrt. Glaub die mag das nicht, am innersten Ende zu landen – muss ich noch mal nachlesen.

Was den Vinyl Anfänger zuerst erwischt: Flusen

Platte umgedreht und dann… WHAT?! Wo kommen denn die ganzen Flusen her?

Ich weiß natürlich, dass Fettgriffeln an der Platte nichts zu suchen haben – aber wie greift man das Ding überhaupt an? Okay, Kiste trotzdem angeschmissen. Festgestellt: die Flusen kommen wohl vom Filzaufleger auf dem Plattenteller, oder von den schicken, viel zu kleinen Handschuhen, die beim Plattenspieler dabei waren, damit man den Klavierlack nicht in den ersten Sekunden beschmiert. Und da ist dann das Knistern, das man bekommt, wenn Flusen auf der Platte sind. Super. Google angeschmissen, gelernt: Kohle­faserbürste. Bestellt.

Nächste Platte: Anchors & Hearts aufgelegt – die hatte ich letzte Woche auf dem Konzert einfach just for fun mitgenommen. Flussenfrei! YAY! Geiler Sound, wirklich. Scheint Spaß zu machen. Aber irgendwas ist noch komisch – zwischendurch wird die Musik dumpf. Blick Richtung Nadel, Problem erkannt: Flusen an der Nadel. Hmpf. Amazon, Nadelbürste bestellt, Lieferung abwarten.

Hey Vinyl – Probleme, die ich aus meiner Streaming-Karriere überhaupt nicht kenne. Leere Akkus vielleicht, ne mistige Internetanbindung. Aber Flusen als Feind? Als Vinyl Anfänger Neuland. Okay. Abenteuer Vinyl beginnt. Jetzt heißt es warten auf weitere Scheiben und Bürsten. War ja schon mal ein Ritt. Und wird sicherlich noch spannender.


Weiterlesen – die Vinyl-Serie:

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