Lehmann Audio Linear - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de Audio & Heimkino. Ernst genommen. Fri, 26 Jun 2026 11:59:43 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://www.hifigeek.de/media/cropped-hifigeek.de-512-32x32.png Lehmann Audio Linear - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de 32 32 60029611 Audeze LCD‑3 Review — Warmes Planar-Flaggschiff im Test https://www.hifigeek.de/audeze-lcd-3-review-warmes-planar-flaggschiff-im-test/ https://www.hifigeek.de/audeze-lcd-3-review-warmes-planar-flaggschiff-im-test/#respond Mon, 20 Oct 2025 19:11:58 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=9400 Der Audeze LCD‑3 ist auf den ersten Blick kaum vom LCD‑X zu unterscheiden. Gleiche Ohrmuscheln, gleiche Konstruktion, gleiches Gewicht — nur der Holzring verrät, dass man es hier mit dem großen Bruder zu tun hat. Und natürlich das eingestanzte “LCD‑3” auf der Muschel. Was sich dahinter klanglich verbirgt, ist allerdings eine ganz andere Geschichte.

Transparenz: Dieses Testmuster wurde mir vom deutschen Audeze-Vertrieb kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Kooperation hat keinen Einfluss auf meine Bewertung — das war vor dem Test so vereinbart, und ihr könnt davon ausgehen, dass ich auch hier keine Gefangenen mache.

Sind die Audeze LCD‑3 nicht schon etwas älter?

Ja — erschienen 2011, und trotzdem uneingeschränkt erhältlich. Audeze hat das Modell über die Jahre in mehreren Revisionen weiterentwickelt, aber nie ersetzt. Das sagt einiges über die Langlebigkeit des Konzepts. Ich finde es außerdem schlicht interessant, mich an einer Handvoll Kopfhörer entlangzuhangeln und die Unterschiede systematisch herauszuarbeiten — gerade wenn Modelle aus derselben Familie so unterschiedlich klingen wie Audeze LCD‑X und Audeze LCD‑3. Kleiner Hinweis für alle, die gezielt nach einem gebrauchten Exemplar suchen: Je nach Baujahr können Fazor-Iterationen und Exemplarstreuungen im Hochton minimal differieren. Gegenhören lohnt sich.

Mein Testsetup

Ich habe den Audeze LCD‑3 über mehrere Wochen mit über 400 Stunden Tragedauer betrieben — bewusst auch länger als üblich, weil ich auf den Burson Conductor GT4 gewartet habe und dem Kopfhörer die bestmögliche Ausgangslage geben wollte. Folgende Kombinationen kamen zum Einsatz:

Der LCD‑3 ist in dieser Hinsicht unkompliziert — kein Setup hat versagt, kein Amp hat ihn überfordert oder unterversorgt. Die Unterschiede zwischen den Kombinationen waren vorhanden, aber nie dramatisch. Eine Ausnahme: dazu später mehr.

Unboxing & Lieferumfang

Der Audeze LCD‑3 kommt in einem silbernen Travel Case — gleiche Klasse wie beim Audeze LCD‑X, nur in einer anderen Farbe. Solide, stabil, mit dem richtigen Gewicht für ein 2000€-Gerät.

Im Lieferumfang meines Testmusters — das bereits einige Zeit auf dem Buckel hatte — war ein vieradriges Kopfhörerkabel mit 6,35mm-Anschluss dabei, plus ein Adapter-Bundle: XLR auf 6,35mm auf 3,5mm. Das entspricht laut Audeze dem aktuellen Standard; wer ein frisches Exemplar kauft, bekommt denselben Umfang. Ein 4,4mm Pentaconn-Adapter fehlt auch hier — bei einem Kopfhörer in dieser Preisklasse eine verpasste Chance.

Tech-Specs

Beim Audeze LCD‑3 handelt es sich wie beim LCD‑X um einen planaren Magnetostaten in offener Bauweise — gleiche Grundtechnologie, aber andere Abstimmung. Die entscheidende Kennzahl im Vergleich: 110 Ohm Impedanz statt 20 Ohm beim LCD‑X. Das bedeutet mehr Leistungsbedarf, und wer den LCD‑3 wirklich zum Singen bringen will, sollte das bei der Amp-Wahl im Kopf behalten.

MerkmalWert
BauweiseOffener, ohrumschließender, magnetostatischer (planarer) Kopfhörer
TreibertypPlanar-magnetisch (magnetostatischer Flachmembran-Schallwandler)
MagnetstrukturProprietäre Magnetanordnung, Neodym N50
Größe des Schallwandlers106 mm
PhasensteuerungFazor
Frequenzbereich10 Hz – 50 kHz
Impedanz110 Ohm
Wirkungsgrad/Empfindlichkeit101 dB / 1 mW (Herstellerangabe)
Verzerrungen< 0,1% bei 100 dB
Maximale Belastbarkeit5 W RMS
Maximaler SPL> 130 dB
Gewicht550–635 g (je nach Quelle und Ausführung, ohne Kabel)
AnschlussAbnehmbares Kabel, 4‑pol Mini-XLR, Adapter auf 6,3‑mm-Klinke und 3,5‑mm-Klinke
OhrpolsterPremium Lammleder oder Alcantara (vegan erhältlich)
Kabellänge1,9 m
Anpressdruckca. 1,5 N
Empfohlene Verstärkerleistung> 250 mW (mind. > 100 mW)

Der Audeze LCD‑3 wird häufig als “warm” oder “dunkel” beschrieben — technisch steckt dahinter eine bewusste Senke im oberen Präsenz- und unteren Hochtonbereich, grob um die 6 kHz. Das bändigt Zischlaute, Streicher-Schärfe und Cymbal-Crunch gezielt — gewollt langzeittauglich, aber auf Kosten von Brillanz und Attacke ganz oben.

Tragekomfort

Wer den Audeze LCD‑X kennt, weiß was ihn erwartet: Audeze hat am Grundaufbau nichts Wesentliches verändert, und das ist ein Kompliment. Schlichtes, robustes Kopfband mit perforierter Lederauflage, präzise rastende Größenverstellung, drehbar gelagerte Ohrmuscheln, dicke Polster ohne Druckstellen. Auch das Testmuster mit seinen Betriebsstunden hat konstruktiv nichts eingebüßt — das spricht für die Materialwahl.

612g sind objektiv kein Leichtgewicht. Wer direkt von einem federleichten Plastikbomber kommt, wird eine Eingewöhnung brauchen. Ich sage das ohne Wertung — ich komme selbst von leichteren Kopfhörern und empfinde das Gewicht der Audeze-Modelle mittlerweile als angenehm, weil der Anpressdruck so gut verteilt ist. Aber ausprobieren sollte das jeder selbst.

Klang

Ich mache es kurz: Der Audeze LCD‑3 und ich werden keine Freunde. Das sage ich ohne Groll — es ist eine ehrliche Einschätzung nach 400+ Stunden Hörzeit, und ich erkläre auch warum.

Der Audeze LCD‑3 ist technisch gut. Auflösung stark, Bühne räumlich, Bass kontrolliert und druckvoll. Was mich nicht loslässt: die Höhen. Sie sind nicht absent, aber sie sind klar im Hintergrund — gedämpft, entschärft, eingehegt. Wer wie ich an knackige, präsente Höhen gewöhnt ist und diese aktiv sucht, wird hier nicht glücklich. Der Kopfhörer liefert Wärme und Geschmeidigkeit, wo ich Biss und Energie erwarte.

Das ist keine Schwäche im technischen Sinne. Es ist eine Designentscheidung — und eine, die ihre Zielgruppe kennt. Wer Musik hören will ohne je von einem Zischlaut oder einer spitzen Beckenattacke aus dem Fluss gerissen zu werden, bekommt mit dem Audeze LCD‑3 genau das. Ich nenne es das Wohlfühlkopfkissen: aufsetzen, in den Sessel fallen lassen, Augen zu. Wenn daraus ein Nickerchen wird, schmiegt sich der Sound so sanft an, dass man es kaum merkt.

Hier noch unsere Qobuz Referenz-Playlist, für alle Interessierten.

Knocked Loose — Everything is quiet now

Brian Garris’ Stimme ist nicht jedermanns Sache — der Pitch, die Schärfe, die pure Intensität mit der er ins Mikro geht. Wer damit schon immer auf Kriegsfuß stand, sollte dem Audeze LCD‑3 hier wirklich eine Chance geben: Die Stimme verliert ihren aggressivsten Anteil, bleibt aber verständlich, fast greifbar. Das ist tatsächlich interessant. Der Haken: Genau diese Entschärfung zieht sich durch den ganzen Song. Der Cymbal-Crunch der Drums fehlt spürbar, das Riffing verliert einen Teil seiner rohen Textur, und der Song — der auf Anspannung und Druck aufgebaut ist — rollt etwas zu entspannt durch die Gegend. Wer Knocked Loose live gesehen hat, wie ich dieses Jahr zweimal in Köln und Hamburg, und weiß wie die Band wirklich klingt, merkt den Unterschied sofort. Der Audeze LCD‑3 macht Knocked Loose salon­fähig. Ob das gut ist, muss jeder selbst entscheiden.

Rage Against the Machine — Bombtrack

Ein Song, der dem LCD‑3 deutlich besser steht. Die Räumlichkeit kommt hier schön zur Geltung — Stimmen poppen links und rechts präzise auf, die Bühne hat Tiefe und Luft. Toms Morello’s Gitarre hat Körper, Zack de la Rochas Stimme kommt mit der richtigen Präsenz. Der Bass und die Bassdrum kicken sauber und trocken — das Fundament sitzt. Was fehlt, sind die Becken: Die treibende Hi-Hat-Energie, die den Song nach vorne peitscht, tritt beim LCD‑3 einen Schritt zurück. Der Track rollt eher, als dass er sägt. Das ist keine schlechte Interpretation von Bombtrack — es ist nur eine entspanntere.

Septicflesh — Portrait of a headless man (Live, Infernus Sinfonica MMXIX)

Das ist das Terrain, auf dem der Audeze LCD‑3 aufblüht — und ich sage das als jemand, der den Kopfhörer sonst eher kritisch sieht. Die Infernus Sinfonica MMXIX ist für mich eine perfekte Symbiose zweier Welten: Melodic Death Metal trifft auf vollständiges Orchester, und der LCD‑3 macht genau daraus das Beste. Die Bläser kommen fett und detailliert, der Chor breitet sich räumlich aus, die Streicher in ruhigen Passagen klingen seidig statt klinisch. Und die fetten Gitarren? Die haben beim Audeze LCD‑3 genau die richtige Menge Körper, ohne dabei zu stechen. Die Cymbals blitzen hier und da auf — mehr als bei anderen Songs — aber das Orchester steht vorn, und das passt. Wer klassische Elemente liebt und Metallschärfe gerne etwas bändigt, findet hier seinen Kopfhörer.

Korn — Got the Life

Immer wieder Korn in meinen Reviews — und das aus gutem Grund. Der ikonische Sound der Band ist einfach hervorragend zum Vergleichen geeignet, weil man jeden Bestandteil kennt und sofort merkt, wenn etwas fehlt. Der schnarrende Bass wird vom Audeze LCD‑3 druckvoll und mit Freude wiedergegeben — das macht Spaß. Fieldy’s Basslines haben Gewicht. Aber dann: Die Cymbals, die ich bei diesem Song immer als treibend und fein empfunden habe, rücken in den Hintergrund. Die Gitarre in der Strophe, die Jonathan Davis fast nervig begleitet und diesem psychedelischen Charakter des Songs gibt — sie ist da, aber sie hat weniger Biss, weniger Eindringlichkeit. Irgendwie geht der psychedelische Anteil ein wenig verloren. Der Song klingt rund und angenehm, aber er klingt nicht mehr so nach Korn. Das unterstreicht am Ende nochmal: Der Audeze LCD‑3 ist das Wohlfühlkopfkissen, kein Werkzeug für analytisches oder energiegeladenes Hören.

Das richtige Setup macht einen Unterschied

Der Audeze LCD‑3 ist an keinem meiner Amps wirklich schlecht gewesen — aber die Unterschiede waren aufschlussreich. Beim Fosi Audio K7 hatte ich das Gefühl, dass erst die Kombination mit dem Lehmann Linear und Linear II noch ein wenig mehr Leben in die Hütte gebracht hat. Beim Playmate 3 hat sich das nicht so herauskristallisiert. An der Rohleistung des K7 kann es eigentlich nicht liegen — der drückt symmetrisch knapp 4 Watt bei 32 Ohm, bei 110 Ohm sollten also noch genug Reserven da sein. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Mir fehlte es an Spritzigkeit, und ich kann das nicht sauber auf einen einzelnen Faktor zurückführen.

Den Vogel abgeschossen hat der Burson Conductor GT4. Bessere Auflösung, mehr Grip im Bass, feinere Dynamiksprünge — kein Ausrutscher nirgendwo. Kein Wunder, dass Burson und Audeze sich auf Messen regelmäßig gemeinsam präsentieren. Der Conductor GT4 löst einfach noch besser auf und erlaubt sich nirgendwo die kleinen Unschärfen, die im direkten analytischen Vergleich kaum auffallen, aber im Gesamtbild fehlen.

Jetzt der obligatorische HiFi-Händler-Einwurf: Natürlich kann man einen 2000€-Kopfhörer nicht an eine 200€-Kombo anschließen — und die Verkabelung kostet selbstverständlich dasselbe nochmal. Ich höre diese Argumentation regelmäßig und verstehe die Intention dahinter, teile sie aber nicht. Der Kopfhörer selbst hat den größten klanglichen Einfluss im Gesamtsystem. Moderne Einsteiger-Amps performen heute auf einem Niveau, das vor zehn Jahren undenkbar gewesen wäre, und Totalausfälle sind die Ausnahme. Was stimmt: 1–4 Watt Headroom bringen beim Audeze LCD‑3 spürbar mehr Kontrolle und Ruhe in den Klang, mehr Grip, feinere Dynamiksprünge. Die Verstärkung ernstzunehmen lohnt sich — aber dafür muss es kein 2000€-Amp sein.

Für wen ist der Audeze LCD‑3 gedacht?

Nicht für mich — das habe ich jetzt oft genug gesagt. Aber das ist kein Urteil, sondern eine Einordnung.

Der Audeze LCD‑3 ist für Hörer gemacht, die Wärme, Körper und Langzeittauglichkeit über Brillanz und Attacke stellen. Die bei harschem Hochton nicht begeistert sind, sondern erschöpft. Die abends nach einem langen Tag Musik hören wollen, ohne dass ein Beckencrash sie aus dem Gedanken reißt. Die Orchester genauso gerne hören wie Metal, und bei beidem das Geschmeidigere bevorzugen.

Neutral-Hörer und alle, die den Biss in den Höhen aktiv suchen, werden sich hier unwohl fühlen. Das ist keine Warnung gegen den Kopfhörer — es ist eine Warnung vor einer falschen Erwartung. Bei 2000€ ist das keine leichte Kaufentscheidung, und ich bitte wirklich jeden, den LCD‑3 vor dem Kauf probegehört zu haben — am besten mit der eigenen Hardware oder der Wunschhardware.

Fazit

Verarbeitung, Tragekomfort, Materialqualität — alles auf dem Niveau, das man von Audeze erwartet und bei 2000€ auch erwarten darf. Klanglich ist der Audeze LCD‑3 ein Spezialist: warm, körperhaft, langzeittauglich — und in genau diesem Bereich erstaunlich konsequent und überzeugend.

Für mich ist er das falsche Werkzeug. Zu warm, die Höhen zu weit im Hintergrund — ich will beim Hören involviert werden, nicht eingelullt. Aber ich weiß jetzt, was ich will. Und manchmal braucht man einen Kopfhörer wie den LCD‑3, um genau das herauszufinden.

]]>
https://www.hifigeek.de/audeze-lcd-3-review-warmes-planar-flaggschiff-im-test/feed/ 0 9400
Lehmann Audio Linear im Test: Wenn deutsche Ingenieurskunst auf Kopfhörer-Power trifft https://www.hifigeek.de/lehmann-audio-linear-im-test-wenn-deutsche-ingenieurskunst-auf-kopfhoerer-power-trifft/ https://www.hifigeek.de/lehmann-audio-linear-im-test-wenn-deutsche-ingenieurskunst-auf-kopfhoerer-power-trifft/#respond Mon, 14 Jul 2025 21:02:29 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=9110 Irgendwie fange ich hier jetzt zum dritten Mal an, meinen Test zum Lehmann Audio Linear zu schreiben. Zu sehr war ich darauf fixiert, erstmal den Hintergrund des Tests zu klären – aber das habe ich jetzt an anderer Stelle erledigt. Wer Bock hat, kann das nachlesen.

Die Testmuster vom Lehmann Audio Linear und Lehmann Audio Linear II wurden uns freundlicherweise vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Aber keine Sorge: Das beeinflusst unsere Meinung null. Hier gibt’s wie immer die ungefilterte Wahrheit.

Lieferumfang und Verarbeitung

Wohl verpackt kamen die Lehmann Audio Linear hier an. Beim Lieferumfang ist bei einem Kopfhörerverstärker natürlich schnell Schluss: Kaltgerätekabel dabei, ein Cinch-Kabel muss man sich selbst besorgen – dann kann’s losgehen.

Verarbeitung? Absolut next level! Die 3mm dicke Aluminium-Frontplatte, das massive Gehäuse, der fette Ringkerntrafo im Inneren – alles fühlt sich nach High-End an. Der Lautstärkeregler läuft satt mit genau dem richtigen Widerstand, das Rad gleitet smooth durch die Finger. Die Kopfhörerbuchsen sind hochwertig, die kleine LED an der Front dezent und nicht zu grell.

Was mir direkt aufgefallen ist: Der Lehmann Audio Linear ist echt lang und braucht ordentlich Platz auf dem Schreibtisch. Unter meinem Balolo steht er jetzt, ragt aber hinten ziemlich raus. Zwei Kopfhörerausgänge gibt’s, beide werden gleichzeitig befeuert. Mit zwei DIP-Schaltern auf der Unterseite kann man die Ausgangslautstärke anpassen – praktisch für hungrige Kopfhörer, bei mir aber erstmal nicht nötig.

Hinten gibt’s zwei Cinch-Paare mit vergoldeten Kontakten – ein Paar als Eingang, eins als Ausgang, z.B. für aktive Monitore. Dazu noch der Ein/Aus-Schalter und der Stromanschluss.

Einziger echter Minuspunkt: Der Netzschalter ist hinten! Mega unpraktisch am Schreibtisch, ich muss immer zwischen Balolo und Monitor rumfummeln, um das Teil anzumachen. Ein Schalter vorne wäre ein Traum. Vielleicht hilft hier eine smarte Steckdose, denn nach vier Wochen nervt das echt.

Kopfhörerverstärker – warum überhaupt?

Hm… sehr gute Frage, die ich mir eigentlich nie gestellt habe, weil ja fast alles auf dem Schreibtisch schon einen Verstärker verbaut hat. Soundkarten, Audio-Interfaces, alles all-in-one. Aber gerade die Mikro-Interfaces sind für Kopfhörer oft nicht optimal, da lohnt sich ein separater DAC und Amp.

Viele DACs übernehmen zwar die Verstärkerrolle, sind aber meist auf normale Gaming-Headsets ausgelegt. Und mal ehrlich: Viele Gamer wissen gar nicht, was ihnen klanglich entgeht – oder sparen halt am falschen Ende. Die Branche hat sich aber entwickelt, Billigmarken wie Speedlink sind quasi weg vom Fenster.

Im Grunde ist es wie bei der Anlage im Wohnzimmer: Entweder All-in-One oder getrennte Komponenten. Ein guter DAC ist nicht automatisch ein guter Amp. Gerade mit hochwertigen Kopfhörern trennt sich die Spreu vom Weizen. Mein Fosi K7 klingt für 180 € schon richtig stark, aber mit dem Lehmann Audio Linear geht’s nochmal auf ein anderes Level.

HiFi-Regel: Komponenten sollten preislich zusammenpassen. Aber manchmal gibt’s eben auch Einhörner – wie den K7. Kombiniert mit einem 900 € Verstärker und evtl. einem besseren Netzteil (nochmal 100–120 €) landet man bei 300 €, hat aber ein Set, das richtig performt.

Klang mit dem Lehmann Audio Linear und Fosi Audio K7

Ich geb’s zu: Der K7 hatte mich schon vorher abgeholt. Sein AKM 4493SEQ ist schon sehr cool. Ein wenig Wärme, aber dennoch super Details. Lehmann Audio Linear dran geklemmt, Kopfhörer umgestöpselt, wow. Ich sag jetzt nicht, dass der Lehmann was am Klang macht – das tut er mit absoluter Sicherheit nicht. Er macht eher, dass es potenter klingt? Kann man das so sagen? Harmonischer, weil er halt gefühlt keine Versorgungsschwäche aufweist.

Das ist dieser berühmte Unterschied, wenn ein Verstärker nicht in die Knie geht und die Musik einfach mehr lebt. Ich habe das schon mal beschrieben beim Test von Verstärkern gegenüber Receivern. Diese gehen halt teilweise kurzzeitig in die “Knie” und der letzte Punch fehlt. Ziemlich genau das empfinde ich hier auch. Der Lehmann gibt der Musik noch mal mehr Energie. Nix, was ich vermissen würde, wenn ich es nicht erst gegengehört hätte, aber jetzt, wo ich es kenne, will ich’s nicht mehr missen.

Generell nennt man dies Transienten – und während ich diesen Text hier schreibe, merke ich immer wieder, dass ich auch hierüber aufklären muss. Deswegen gibt’s bei uns auch eine Erklärung zu Transienten.

Von Vorteil kann es schon sein, wenn man den DAC auf Line-Out stellen kann, dann hat man die Referenz-Ausgangsleistung anliegen. Das ging jetzt beim K7 nicht, aber ich habe ihn quasi auf ca. 2/3 Lautstärke gestellt und dann die Lautstärke über den Lehmann Audio Linear geregelt.

Was mir ab dann aufgefallen ist: Ich hatte richtig Spaß am Hören. Hat aber auch dazu geführt, dass ich die Musik streckenweise aufgedreht habe. Im Wohnzimmer ist das einfach, ich hab mal mein Handy mit Dezibelmesser zwischen Ohr und Kopfhörermuschel geschoben und gemessen. Ob das jetzt den wirklichen Schalldruckpegel anzeigt, weiß ich nicht. Vielleicht hat ja wer ne Idee, wie man das mal gescheit messen kann?

Für genau diesen Fall hat aber Norbert noch einen Hinweis verschriftlicht in seinem Techletter. Hier weist er nochmal auf die Lautstärken und Dauer hin, die man hören sollte, ohne dauerhafte Gehörschäden.

Stepup zum Fosi ZD3

Fosi bewirbt den Fosi ZD3 als seinen Flagship DAC, welcher aber mit 189 € immer noch moderat im Preis ausfällt. Hier werkelt jetzt kein AKM-Chip, sondern ein Sabre ES9039Q2M – also tendenziell der Zweikanal-Flaggschiff-DAC im mobilen Sektor. Der ZD3 ist zwar noch Vorstufe, hat aber schon keinen Kopfhörerverstärker mehr an Board. Dafür kann man an ihm noch rumtunen mit OpAmps, was ich auch ausgiebig getan habe. Ergebnisse folgen im ausführlichen Test. Aber aktuell warte ich noch auf OpAmps, demnach dauert es noch ein wenig, bis ich final bin.

Bis darauf, dass ich mich irgendwie auf der Sabre-Seite der Macht fühle, weil ich dann doch das Analytische vom Sabre mehr schätze und der DAC als solcher nochmal besser als der K7 performt, konnte ich hier lediglich ausmachen, dass mir die Kombo richtig gut gefällt. Platztechnisch ist der ZD3 auf dem Schreibtisch angenehm, optisch sieht er auch ansprechend aus.

Stepup zum Burson Audio Playmate 3 Deluxe

Ein ganz anderes Level betritt man natürlich dann mit dem Burson Audio Playmate 3, welcher auch erst kürzlich erschienen ist. Aber ich bin nunmal Spielkind und Burson ist die Wiege der Audiospielerei, haben sie doch diskrete OpAmps in den Markt gebracht und bieten wie Fosi Audio ebenfalls die Möglichkeit, eben jene auszutauschen.

Beim DAC-Chip handelt es sich wieder um den ES9039Q2M, welcher hier natürlich nochmal anders implementiert wurde. Hier gibt es noch spezifische Einstellungsmöglichkeiten, die den Klang anpassen lassen.

Hätte ich jetzt keinen Lehmann Audio Linear hier, würde mir erstmal wahrscheinlich der Kopfhörerverstärker im Playmate 3 reichen. Hier müssen wir aber auch hinzunehmen, dass es sich schon um die Deluxe-Version handelt, welche mit fast 1100 € zu Buche schlägt.

Hier ist mit dem Lehmann Audio Linear dennoch noch was rausholbar, wobei der Lehmann Audio Linear II hier das i‑Tüpfelchen setzt. Aber dazu wollte ich einen eigenen Artikel schreiben. Hier kann man dann definitiv sagen, dass die Transientenwiedergabe noch ein Quäntchen zulegt. Ich weiß jetzt nicht, wie das viele Leute abmachen in ihrer Musik, aber ich mache das an gut aufgenommener Musik ab. Hier hatte ich zum Beispiel ganz gerne Korn gehört. Die meisten Alben stehen hier mit 192 kHz zur Verfügung, auch wenn ich ab einer bestimmten kHz-Zahl nicht mehr wirklich einen Unterschied abmachen kann, ist das die mir höchst verfügbare. Hier gibt es manche Aufnahmen, die ganz deutliche Anrisse von Gitarren- und Basssaiten haben, was mir vorher verwehrt war zu hören, aber die Musik jetzt mehr wie Musik klingen lassen. Good God, Reclaim my place, no place to hide wären da so Titel.

Schwer zu beschreiben, aber jeder kennt den Unterschied des Klangs, abgesehen von der Lautstärke, eines Konzerts. Auch hier hört man direkte Einflüsse der Instrumentenbedienung, also das leise Schleifen der Finger über die Metallsaiten oder auch das Anschlagen, bzw. den Zeitpunkt, wo der Drumstick das Becken hölzern trifft. Hier bilde ich mir ganz hart ein, dass ich das nicht oder nicht so intensiv hatte. Mehr zu Transienten habe ich dann gleich mal hier geschrieben.

Voll analog am Plattendreher

Ich glaub, ich hab noch nie so direkt meinen Plattendreher abgehört. Also tendenziell war halt nur der Plattendreher, der Graham Slee Gram Amp 2 SE und der Lehmann Audio Linear in meiner Audiokette. Dadurch, dass der Lehmann Audio Linear über eine Lautstärkeregelung verfügt, klappt das hervorragend.

Was soll ich sagen? Definitiv mal noch eine andere Welt. Man ist einfach noch eine Runde näher an allem dran. Der Graham Slee macht seine Sache wirklich gut, auch wenn ich irgendwann noch mal die Möglichkeit haben möchte, mich hier auszuprobieren. Beim Lehmann ist man aber in der Tat schon so ziemlich angekommen. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass man mit so einem Gerät noch viel mehr will. Braucht vielleicht, wenn da doch noch was richtig Leistungshungriges genutzt werden soll, aber sag niemals nie.

Ich hätte sicherlich ohne Norbert Lehmann auch nicht einen Kopfhörerverstärker im Haus gehabt und diesen erst recht nicht an mein Plattensetup gehangen.

WiiM

Auch an einem WiiM Ultra macht sich der Lehmann Audio Linear hervorragend. So bekommt man ein schönes, minimalistisches High-End-Setup dahingestellt. Die hervorragende Bedienbarkeit des WiiM Ultra mit einem leistungsstarken Kopfhörer-Amp hebt die Kiste zumindest für eben jene auf ein anderes Level. Definitiv nicht für Einsteiger, aber für Aufsteiger sicherlich eine tolle Option.

Eversolo

Kommen wir zu meinem unangefochtenen Lieblingsstreamer, dem Eversolo DMP-A6 und DMP-A6 Master Edition. Der WiiM ist wirklich geil, als Ultra mit seinem Display und der Bedienung… wirkt er aber dennoch ein wenig ipsig und eher wie ’ne Dose, ist der Eversolo einfach ein ausgewachsenes, aber dennoch junges Stück HiFi. Den Lehmann Audio Linear angeschlossen, rockt diese Kombo in meinen Augen schon ziemlich. Ich habe Stunden verbracht, mit dieser Kombo zu hören. Das große Display, welches mir immer das Cover zum aktuellen Song anzeigt, durch den Kopfhörer jetzt in der Nähe. Vertieft in die Musik versunken und immer mal einen Blick auf das Display. Handy beiseite und mit der Touch-Steuerung hier ein wenig den Alltag verschwinden lassen.

Klanglich über aller Zweifel erhaben. Der Lehmann Audio Linear tut das, was Norbert Lehmann verspricht: Linear spielen und das wirklich zur Entspannung.

Persönliches Empfinden

Ich weiß nicht, was es ist, aber ich glaube, es liegt nicht nur am “besseren”, “entspannteren” Ton, sondern auch an vielerlei anderer Faktoren. Sich einen Kopfhörerverstärker wie den Lehmann Audio Linear zuzulegen, bedeutet halt zum einen das Commitment auf den Kopfhörer an und für sich. Man gibt hier 1000 € für ein feines Stück Technik aus, welches allen angeschlossenen Kopfhörern schon mal auf dem Papier die Leistung zuteilwerden lässt, die sie benötigen. Weiterhin geht man davon aus, dass der Lehmann Audio Linear in keinster Weise meinen Ton verfärbt, sondern die einzigen klangbestimmenden Faktoren die Musik selber und der DAC + ggf. Equalizer sind. Was heißt, dass ich mir meine Musik so anpassen kann, wie ich sie vielleicht gerne höre – wärmer, analytischer – und nicht noch weitere Komponenten habe, welche ich in diese Einstellung einberechnen muss.

Mit dem Commitment weiß ich innerlich auch: Hier handelt es sich um ein absolutes Referenzgerät. Vielleicht ist es eine innere Ruhe, die entsteht, weil ich nicht versuche, zwangsläufig den Fehler an eben jener Stelle zu suchen, wenn ich im Klang etwas entdecke, das mir nicht gefällt oder schlimmstenfalls sich nicht natürlich anhört.

Jedenfalls hat mich das Commitment dazu bewegt, noch mal mehr Musik zu hören, weil ich neugierig war, wie, was, jetzt eventuell anders als vorher klingt. Andere Kopfhörer an dem Lehmann Audio Linear zu hören, welche ich vielleicht beim ersten Mal so gut fand und ihnen noch eine zweite Chance zu geben.

Für wen ist denn nun der Lehmann Audio Linear?

Ganz klar: Enthusiasten. Wenn du deine Musik und deinen Musikgenuss weiter nach vorne bringen möchtest. Klingt vielleicht dein DAC schon nach dem, was du dir so vorstellst, kannst du sicherlich mit dem Lehmann Audio Linear hier und da noch ein Quäntchen herausholen. Weiterhin gibt er dir Freiheit bei deiner zukünftigen Kopfhörerwahl. Dennoch wäre es natürlich nicht mein erstes Upgrade. Vorziehen würde ich immer OpAmps und das Netzteil, da dies natürlich einen ganz entscheidenden Einfluss auf den Klang hat.

Ganz ehrlich würde ich den Lehmann Audio Linear (bzw. hier den Linear II) nicht mehr missen wollen. Letztlich entscheidet bei mir nur das Budget. Gerne hätte ich einen Lehmann Audio Linear II hier im Repertoire, alleine für zukünftige Tests von Geräten, da ich jetzt einmal in den Kaninchenbau gefallen bin. Aber da alles hier auf dem Blog dennoch Geld kostet und durch meine Entscheidung, den Blog gar nicht zu monetarisieren, alles vom Hobby-Budget abgeht, muss jede Ausgabe wohl überlegt sein. So sehr es mich und die Qualität nach vorne bringen würde, gibt es einfach auch andere Ausgaben hier, die man nicht sieht. Oft müssen Zölle bezahlt werden für Lieferungen und geschenkt bekommt man nunmal auch nix.

Also: Wer sich ein geiles Desktop-Setup zusammenbauen will, sollte definitiv mit einem Kopfhörerverstärker rechnen. Beim Lehmann Audio Linear macht man absolut nix falsch und bekommt “deutsche Wertarbeit und Engineering”. Vielleicht auch sowas wie Zukunftssicherheit – vom Linear zum Linear II bietet Lehmann Audio auch ein Upgrade an.

Analog-Setup direkt am Phono-Pre-Amp? Ebenfalls geil. Vielleicht in einer Mietsituation, oder einfach um die bessere Hälfte nicht zu nerven. Oder einfach, weil man beides genießt. Mal mit den Lautsprechern und mal mit den Kopfhörern. War vor diesem Test mir nicht so präsent, kann ich aber voll und ganz nachvollziehen.

Direkt an einen Streamer? Geile Sache. Durch die direktere Nähe der Kopfhörer zum Ohr merkt man aber schon Nuancen-Unterschiede bei den Streamern. Wo ein WiiM Ultra wirklich geil an einer Anlage ist, kann ein Eversolo noch ’ne deutliche Ecke besser klingen auf dem Kopfhörer.

Fazit

Hier gibt’s kein Haar in der Suppe, sondern nur unbändige Power, ohne nur ein Quäntchen den Klang zu verfälschen. Wer einen Kopfhörerverstärker sucht, der einfach das macht, was man erwartet, ohne irgendwelche OpAmp-Spielereien, ist hier an seinem erstrebenswerten Ziel angekommen. Feinste Class-A-Verstärkung, solide Bauweise und mit Liebe engineered.

Behind the Scenes

Ich hatte hier natürlich auch einige Kopfhörerkandidaten am Start, mit welchen ich rumgespielt habe: Diese waren Audezee LCD‑X, LCD‑3, Sennheiser HD 550, Verum 2, Fosi Audio i5, Beyerdynamic DT1990 Pro. IEM’s habe ich die Juzear Defiant, 7Hz Timeless II und Shanling ME600 mit dem Lehmann Audio Linear betrieben. Musik wurde fast ausschließlich mit Qobuz gestreamt. Eine Referenzplaylist findet sich hier.

]]>
https://www.hifigeek.de/lehmann-audio-linear-im-test-wenn-deutsche-ingenieurskunst-auf-kopfhoerer-power-trifft/feed/ 0 9110
Audeze LCD‑X im Hardcore-Test: Wenn Sound auf Komfort trifft https://www.hifigeek.de/audeze-lcd-x-im-hardcore-test-wenn-sound-auf-komfort-trifft/ https://www.hifigeek.de/audeze-lcd-x-im-hardcore-test-wenn-sound-auf-komfort-trifft/#respond Wed, 09 Apr 2025 20:40:04 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=8704 Der Audeze LCD‑X ist ein Premium-Kopfhörer, der sowohl für Musikproduktion als auch für intensives Gaming und Musikgenuss konzipiert wurde. Nach fünf Wochen intensiver Nutzung teile ich meine ungeschönte Meinung zu diesem Audio-Kraftpaket – und verrate, ob sich die Investition für euch lohnen könnte.

Transparenz: Dieses Testmuster wurde mir vom deutschen Audeze-Vertrieb kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Kooperation hat keinen Einfluss auf meine Bewertung — das war vor dem Test so vereinbart, und ihr könnt davon ausgehen, dass ich auch hier keine Gefangenen mache.

Mein Testsetup

In meinem fünfwöchigen Test — mit über 300 Stunden Tragedauer — habe ich den Audeze LCD‑X durch die audiophile Hölle geschickt und systematisch mit verschiedenen Setups kombiniert:

  • ifi HipDac
  • Fosi Audio K7 (zum Review)
  • Fosi Audio K7 + Lehmann Audio Linear (zum Review) und Linear II
  • Fosi ZD3 + Lehmann Audio Linear und Linear II
  • Burson Audio Playmate 3 Deluxe (zum Review)
  • Burson Audio Playmate 3 Deluxe + Lehmann Audio Linear und Linear II

Das war kein zufälliges Durchprobieren, sondern ein gezielter Benchmark: Bei mehreren Geräten mit integriertem Kopfhörerverstärker konnte ich diesen direkt gegen die separaten Lehmann-Amps messen. So lässt sich sauber herausarbeiten, wie viel der Kopfhörer selbst beiträgt — und wo die Kette anfängt, einen Unterschied zu machen.

Unboxing & Lieferumfang: Flexen mit dem Travel Case

Der Audeze LCD‑X kommt in einem massiven schwarzen Travel Case — kein Pappkarton, kein Schaumstoffwürfel, sondern ein veritabler Koffer mit Scharnieren und Verschlüssen, mit dem ihr bei euren Audio-Buddies garantiert einen bleibenden Eindruck hinterlasst. Im Inneren findet ihr neben dem Kopfhörer selbst:

  • Ein geflochtenes, vieradriges XLR zu 2x mini-XLR Kabel (verknotungsfrei und spürbar hochwertig)
  • XLR zu 6,35mm Adapter
  • 6,35mm auf 3,5mm Adapter (unsymmetrisch)

Während viele Hersteller bei den mitgelieferten Kabeln sparen als wäre es eine olympische Disziplin, liefert Audeze hier solide Qualität ab. Das Kabel ist nicht das geschmeidigste, das ich je in den Händen hatte — es hat einen gewissen Eigenwillen — aber im Vergleich zu vielen Konkurrenten ist es ein echtes Upgrade. Einziger Wermutstropfen: Die symmetrische Verbindung wird nur bis zum XLR-Stecker geführt. Ein 4,4mm Pentaconn-Adapter wäre für den Einsatz an modernen DAPs oder Balanced-Amps eine sinnvolle Ergänzung gewesen — die Zielgruppe dieses Kopfhörers würde ihn definitiv nutzen.

Das Travel Case ist ein schickes Extra — gerade für Audio-Profis, die ihr Equipment auf die Reise mitnehmen. Im stationären Home-Setup wird es bei mir vor allem als stilvoller Staubschutz im Regal stehen.

Die Tech dahinter: Was zur Hölle ist ein Magnetostat?

Beim Audeze LCD‑X handelt es sich um einen planaren Magnetostaten in offener Bauweise. Anders als bei klassischen dynamischen Treibern besteht der “Lautsprecher” hier aus einer hauchdünnen Folie — der Membran — auf die leitfähiges Material aufgedampft wurde. Diese ultradünne Membran schwingt gleichmäßig zwischen Dauermagneten und erzeugt so den Schall. Das Ergebnis: eine deutlich größere abstrahlende Fläche als bei einem konventionellen Treiber, weniger Masse, und eine Impulsantwort, die dynamische Treiber nur schwer toppen können.

Die technischen Daten im Überblick:

  • Rechteckiger Treiber mit 106 mm Größe und mikrometerdünner Membran
  • Impedanz: 20 Ohm
  • Sensitivität: 103 dB/1mW — erstaunlich effizient für einen Magnetostaten
  • Empfohlene Leistung: mindestens 250mW
  • Frequenzgang: 10Hz — 50kHz
  • Gewicht: 612g

Magnetostaten neigen konstruktionsbedingt dazu, im tiefsten Bassbereich etwas weniger Druck zu erzeugen als konventionelle Treiber — dafür glänzen sie mit einer Präzision und Schnelligkeit in den Mitten und Höhen, die kaum zu übertreffen ist. Mit 612g ist der Audeze LCD‑X kein Leichtgewicht, aber wer schon mal einen Beyerdynamic oder Sennheiser HD 800 längere Zeit getragen hat, wird sich hier nicht beschweren.

Tragekomfort: Überraschend bequem für Marathon-Sessions

Offene Kopfhörer sind für lange Arbeitssessions gesetzt — das Luftpolster zwischen Ohr und Treiber verhindert das Hitzestau-Gefühl, das geschlossene Konstruktionen unweigerlich mitbringen. Der Audeze LCD‑X macht hier keine Ausnahme, liefert aber nochmal einen drauf. Das Kopfband wirkt auf den ersten Blick spartanisch, entpuppt sich im täglichen Betrieb aber als durchdacht konstruiert:

  • Die perforierte Lederauflage verhindert Schwitzen — großes Plus für alle, die wie ich zu Hitzköpfen zählen
  • Die Größenverstellung rastet satt und präzise ein und verstellt sich auch nach Stunden nicht von selbst
  • Die drehbar gelagerten Ohrmuscheln passen sich der individuellen Kopfform an, ohne dass man daran herumfummeln muss
  • Die dicken Lederpolster verteilen den Anpressdruck so gleichmäßig, dass Druckstellen selbst nach mehrstündigen Sessions kein Thema sind

Nach fast zehn Jahren mit Noise-Cancelling-Kopfhörern, die mich zuverlässig schwitzen ließen und dieses klaustrophobische “Aquarium-Gefühl” erzeugten, ist das offene Design des Audeze LCD‑X eine echte Befreiung. Besonders in Telekonferenzen zahlt sich das aus: Ich höre meine eigene Stimme natürlich — kein unbewusstes Schreien, kein Nuscheln, weil man sich selbst nicht richtig einordnen kann.

Die runden Ohrmuscheln sind für meine Ohren die ideale Form. Bei einigen Hifiman-Modellen mit ovalen Cups hatte ich das Problem, dass das untere Ende des Polsters auf dem Kiefer auflag und das Sprechen spürbar einschränkte. Beim Audeze LCD‑X passt alles komplett hinein, und auch die nach vorn gerichteten Kabelanschlüsse sind so positioniert, dass sie beim Bewegen zwischen zwei Monitoren nicht im Weg sind. Selbst mit Kapuzenpulli bleibt das Kabel unauffällig — für alle, die im Home Office gern zwischen Arbeits- und Chill-Modus wechseln, kein unwichtiges Detail.

Selbst mit Kapuzenpulli gibt’s keine Kabelprobleme – wichtig für alle, die wie ich im Home Office zwischen Arbeits- und Chill-Modus wechseln!

Mobil? Geht, aber…

Theoretisch lässt sich der Shanling M5 Ultra in die Jackentasche stecken und der Audeze LCD‑X damit durch die Wohnung tragen. Funktioniert erstaunlich gut — die 20 Ohm Impedanz und die hohe Sensitivität sorgen dafür, dass selbst mobile Quellen ihn ordentlich antreiben. Aber ehrlich gesagt ist der Kopfhörer einfach nicht dafür gemacht. Die Größe, das offene Design, das Kabel — alles schreit Workstation. Wer einen Kopfhörer für Bus und Bahn sucht, ist hier komplett falsch. Wer einen Kopfhörer für den Schreibtisch sucht, mit dem er täglich Stunden verbringt, ist genau richtig.

Sound: Die nackte Wahrheit über den Audeze LCD‑X

Bässe: Kontrolliert, nicht kompromisslos

Magnetostaten ticken nun mal anders als dynamische Treiber — wer einen Kopfhörer sucht, der bei jedem Drop physisch antritt und Bassheads befriedigt, greift woanders hin. Das ist keine Schwäche, das ist Designphilosophie. Der Audeze LCD‑X liefert Tiefton mit Haltung: Double-Bass-Salven in Metal-Breakdowns kommen knackig, texturiert und präzise auf den Punkt, ohne dabei zu matschen oder zu übertreiben. Wer Material mit suboptimaler Abmischung hört, wird genau das auch hören — der Bass lügt nicht.

Mitten: Wo der Audeze LCD‑X sein wahres Gesicht zeigt

Hier trennt sich der Audeze LCD‑X von der Masse — und zwar deutlich. E‑Gitarren haben Biss ohne Schärfe, E‑Bass schiebt mit Substanz, Drums klingen dreidimensional statt flach. Gesang und gesprochene Sprache sind so klar durchgezeichnet, dass man im Mix noch das Atemgeräusch des Sängers hört. In dichtem Gewusel bleibt jedes Instrument verortet, jede Transienten-Spitze kommt sauber — das ist der Stoff, aus dem Studio-Referenzmonitore gemacht sind.

Höhen: Crisp, aber nicht aggressiv

Die Höhen des Audeze LCD‑X sind einer der Bereiche, in denen die planare Technologie ihren Charakter am deutlichsten zeigt. Knackig präsent, aber nie aufdringlich oder nervig — kein Zischen bei S‑Lauten, keine künstliche Brillanz, die nach einer Stunde anfängt zu ermüden. Becken lassen sich präzise orten, Hi-Hat-Arbeit kommt mit der richtigen Textur, und auch komplexe Gitarrenarrangements mit viel Obertonstruktur bleiben differenziert, ohne zu stechen. Für lange Sessions ist das genau die Balance, die man sich wünscht.

Räumlichkeit und Bühnendarstellung: Metal-Pit statt Fernsehsessel

Die Bühne des Audeze LCD‑X ist nicht die breiteste, die ich je gehört habe — wer eine riesige Weitwinkel-Soundstage erwartet, wie sie manche offene Sennheiser-Modelle aufbauen, wird das merken. Was der Audeze LCD‑X stattdessen liefert, ist Tiefe und Einbettung: Man sitzt nicht am FOH-Pult und schaut entspannt aufs Geschehen, man steht mittendrin. Bei Cattle Decapitations “Bring Back the Plague” ist das ein Fest — die tiefen Growls kommen von unten, die fiesen höheren Vocals umhüllen von oben, und die Gitarren haben eine physische Präsenz, die man bei weniger auflösenden Kopfhörern einfach vermisst. Für mich als Metal-Fan ist das Moshpit-Feeling hundertmal befriedigender als distanzierte Bühnenbreite.

Auflösung und Details: Nichts bleibt verborgen

Hier glänzt der Audeze LCD‑X am hellsten — und hier zeigt er auch, dass er kein Schönfärber ist. Jede Feinheit wird sauber herausgearbeitet, was auch bedeutet: Fehler in Abmischungen sind nicht mehr zu überhören. Nehmt Amon Amarths “Valkyries Ride” — ihr hört nicht nur die brutal treibende Bass-Drum, sondern auch das mechanische Geräusch des Pedals darunter. Für mich ist das keine Störung, das ist Authentizität. Es ist wie ein Live-Konzert: raw, ungefiltert, echt.

Das Impulsverhalten und die Transientendarstellung sind so gut, dass ich den Audeze LCD‑X dauerhaft neben meinem Beyerdynamic DT 1990 Pro im Rotation halten würde — beide für verschiedene Hörszenarien, keiner als Ersatz für den anderen.

Der Upgrade-Pfad: Wie weit willst du gehen?

Fangen wir mit der guten Nachricht an: Der Audeze LCD‑X klingt bereits an einem soliden Einsteigeramp überzeugend. Der Fosi Audio K7 hatte zu keiner Zeit Probleme, ihn sauber anzutreiben — und das bei einem Preispunkt, der kaum wehtut. Wer den nächsten Schritt machen will, investiert zuerst in Verstärkung, nicht in den DAC. Ein potenter, sauber arbeitender Amp holt spürbar mehr aus dem Treiber heraus — Impulsverhalten und Transientendarstellung profitieren direkt davon, und genau das ist es, was den Audeze LCD‑X auf ein anderes Level hebt.

Wer ohne Umwege das Maximum will: Der Burson Audio Playmate 3 Deluxe harmoniert mit dem Audeze LCD‑X nahezu ideal. Class-A-Verstärkung, Leistungsreserven im Überfluss, und die Werks-OpAmps färben den Klang auf angenehme Weise ohne ihn zu verfärben. Wer dann noch experimentierfreudig ist, kann über OpAmp-Tausch weitere Klangcharaktere erschließen — aber das ist bereits Feintuning auf hohem Niveau, nicht Notwendigkeit.

Und für alle, die wissen wollen, wo die Reise langfristig hingeht: Der Kopfhörer kommt zuerst. Dann die Verstärkung. Den DAC kann man immer noch upgraden — aber ein mittelmäßiger Kopfhörer an einem Spitzen-DAC bleibt ein mittelmäßiger Kopfhörer.

Fazit: Audio-Nirvana für Dauernutzer

Der Audeze LCD‑X ist kein Kopfhörer, der euch mit Wow-Momenten im ersten Reinhören überwältigt. Er ist einer, der nach drei Wochen dafür sorgt, dass ihr gar nicht mehr zurückwollt. Analytisch ohne kalt zu sein, präzise ohne zu ermüden, komfortabel genug für Marathonsessions — und mit genug Tiefenschärfe, um Lieblingsalben neu zu entdecken. Für Dauernutzer, die täglich Stunden mit Kopfhörern verbringen, gibt es bei diesem Preispunkt kaum ein besseres Argument. Und ja, ich gebe ihn zurück. Aber ungern.

]]>
https://www.hifigeek.de/audeze-lcd-x-im-hardcore-test-wenn-sound-auf-komfort-trifft/feed/ 0 8704