Standlautsprecher - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de Modern Audio für HiFi, Kopfhörer & Heimkino Sun, 15 Feb 2026 15:05:03 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 https://www.hifigeek.de/media/cropped-hifigeek.de-512-32x32.png Standlautsprecher - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de 32 32 60029611 Arendal 1723 Tower THX — Giantkiller mit Bodenhaftung https://www.hifigeek.de/arendal-1723-tower-thx-giantkiller/ https://www.hifigeek.de/arendal-1723-tower-thx-giantkiller/#respond Sun, 15 Feb 2026 15:00:00 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=9981 Ich hatte sie schon lange auf dem Schirm. Nun endlich stehen die Arendal 1723 Tower hier zum Test. Was diese feinen Boliden leisten, wie sie verarbeitet sind und warum sie das Schnäppchen sind, das sie versprechen, gibt’s jetzt hier – ungeschönt.

Disclaimer: Die Arendal 1723 Tower THX wurden mir von Arendal für den Test kostenlos zur Verfügung gestellt. Es gibt jedoch keine Einflussnahme auf meine ungeschönte Meinung und Ergebnisse. Arendal hatte keinen Einfluss auf den Testaufbau und steht in sonstiger Hinsicht in keiner Beziehung zu diesem Review.

Arendal 1723 Tower Review auch auf Youtube:

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Arendal Sound

Oh, Arendal. Einigen wird diese norwegische Lautsprecher-Schmiede bereits bekannt sein, für andere wird sie gänzlich neu und spannend sein. Aber machen wir doch erst einmal einen Ausflug in den rauen Norden.

Am liebsten würde ich jetzt schreiben: Hoch im kalten und rauen Skandinavien, wo harsche Winde und eisige Wellen die Landschaft einst formten, wo Winter noch Winter sind und teils Monate kein Sonnenlicht den Tag erhellt. Wo Mythen von Trollen die Runde machen und die Landschaften noch unberührt sind.

Naja, Arendal liegt genau genommen an der Südküste von Norwegen und ist demnach gar nicht so hoch im Norden, wie man meinen mag. Zwar sind die Winter dort sicherlich noch eine andere Hausnummer als bei uns und die Landschaften wirklich schroffer – bis zu malerischen Fjorden und Fjells ist aber noch ein gutes Stück Fahrt nötig. Ich will das auch gar nicht schmälern, da Norwegen in meinen Augen bisher das schönste Land ist, das ich bereisen durfte.

Arendal Sound ist nach der Küstenstadt Arendal benannt und zählt zu den jüngeren HiFi-Marken da draußen. 2015 gegründet, haben sie eine steile Entwicklung hinter sich und können mittlerweile drei ausgewachsene Lautsprecher-Serien vorweisen. Ich glaube behaupten zu können, dass keine im unteren Einsteiger-Segment angesiedelt ist – Arendal Sound macht keine Gefangenen.

Arendal Sound hat sich als Direktvermarkter wie z. B. Teufel, XTZ oder auch Nubert etabliert. Die Vorteile liegen auf der Hand: Direktvermarkter können mit dem Aussparen des länderspezifischen Vertriebs und des Handels ein lukratives Preis-Leistungs-Verhältnis liefern. Leider werden Direktvermarkter ein ums andere Mal gerade auf HiFi-Messen ein wenig belächelt und von Händlern oft mit Argwohn beäugt.

Dies ist aber in meinen Augen eher ein gutes Zeichen! Zwar weiß ich, dass gerade die Boomer-Generation große Stücke auf selbsternanntes „Fachpersonal“ legt und sich liebend gerne von ihnen beraten und weisen lässt. Dennoch bin ich guter Dinge, dass meine Leser ein wenig kritischer sind und sich so auch ganz gut ihre eigene Meinung bilden können.

Arendal Sound produziert wie viele Premium-Marken in Fernost – genauer gesagt in China. Ihr Slogan fasst es treffend zusammen: Conceived in Norway. Born in China. Raised by you. Was negativ klingen mag, ist es keineswegs. Gerade bei hochwertiger Massenfertigung bleiben die Preise kundenfreundlich. Auch wenn die Inflation Arendal nicht verschont: Bei der Markteinführung Ende 2017 kosteten die Arendal 1723 Tower noch 2.700 € – heute ein echtes Schnäppchen!

Arendal Sound Serien

Wer Arendal Sound noch nicht kennt, für den habe ich jetzt mal kurz eine kleine Übersicht, was man so von dem Direktversender erwarten kann. Arendal Sound gliedert sich in drei Serien: 1961, 1723, 1528. Die Serien sind nach bedeutenden historischen Daten der norwegischen Hafenstadt Arendal benannt.

Die 1961er Serie markiert den Einstieg in die Arendal-Welt. In dieser Serie gibt es alle erdenklichen Lautsprecher-Typen und bei den Standlautsprechern liegen wir bei 1.900 € Paarpreis.

Die 1723er Serie markierte bis Ende 2024 Arendals High-End-Referenz- und Flaggschiff-Serie. Diese unterteilt sich noch einmal in die „normale“ 8‑Zoll-Treiber-Serie und eine etwas kleinere 6,5‑Zoll-Treiber-Serie. Wie bei den 1961ern auch, gibt es hier die volle Bandbreite an verfügbaren Lautsprecher-Typen, und bei den Standlautsprechern liegen wir bei 3.800 € respektive 3.100 € Paarpreis.

Die 1528er Serie markiert seit Ende 2024 Arendals Ultra-High-End-Referenz- und Flaggschiff-Serie. Diese ist als Spitze des Eisbergs zu verstehen und ebenfalls für wirklich große Hörräume gedacht. Wie bei den anderen beiden Serien gibt es eine breite Bandbreite an Lautsprechern. Speziell zu erwähnen ist in meinen Augen z. B. der unglaubliche Center-Lautsprecher: Mit 1,35 m Breite, 29 cm Höhe und einem Gewicht von satten 82 kg versteht Arendal keinen Spaß. Bei den Standlautsprechern liegen wir hier bei einem Paarpreis von 9.900 €.

Arendal 1723 Tower THX — Imposanz

Die Arendal 1723 Tower THX sind ausgewachsene Lautsprecher, die eventuell schon einen Hörraum größen- und leistungstechnisch sprengen können. Die THX Ultra Zertifizierung ist hier nicht nur als Heimkino-Prädikat zu sehen, sondern spiegelt in erster Linie wider, dass die Lautsprecher für extreme Pegel ohne Verzerrung gemacht wurden. 112 dB unverzerrt, im Peak 124 dB bei Musiksignalen, sind schon mal eine Ansage.

Wer solche irren Lautstärken fahren möchte, muss aber auch das nötige Kleingeld haben, um eine Endstufe mit 500+ Watt/Kanal an die Arendal 1723 Tower zu hängen.

Die Arendal 1723 Tower sind aber auch keine Spargel-Tarzane. Mit 119 cm Höhe und 27,5 cm Breite sowie einem Gewicht von 50,6 kg pro Stück bekommt man hier richtig viel Material für sein Geld. Bei einer Tiefe von knapp 40 cm muss der Hörraum aber auch das gewisse Etwas an Raumtiefe bieten – mit Abstand zur Wand sind schnell 60–70 cm belegt.

Unboxing und Lieferumfang

Die Arendal 1723 Tower THX kommen natürlich auf einer Europalette per Spedition. Hier sollte man sich eine zweite Person zur Hilfe holen, denn das Handling der Kartons und des Gewichts ist nix für schwache Nerven. Ich habe sie alleine bewegt und aufgestellt und kann sagen: absolute Grenze des Machbaren. Wer hier einmal unachtsam ist, wird dies später bitter bereuen.

Nachdem ich den ersten massiven Karton in meinen Hörraum verfrachtet hatte, ging es ans Unboxing. Die Lautsprecher sind fabelhaft verpackt. Sie ruhen in zwei dicken, ineinander geschachtelten Kartons und sind dann mit äußerst stabilen Schaumstoff-Teilen in Position gehalten. Geschützt werden sie weiterhin durch einen Baumwollsack, welcher sich natürlich empfiehlt, erst nach der Montage der Traversen und Aufstellung zu entfernen.

Ich für meinen Teil habe den jeweiligen Lautsprecher auf die Unterkante des Kartons gehoben und hatte so die Möglichkeit, problemlos die Traversen und Spikes zu installieren. Ich habe mich für die Spikes entschieden, es liegen aber auch Gummifüße bei.

Nach der Installation der Traversen und Spikes am Arendal 1723 Tower habe ich den Hebel des Kartons und des unten aufliegenden Lautsprechers genutzt, um diesen vorsichtig auf meinem Teppich auf die Spikes zu stellen. Hier müsst ihr echt vorsichtig sein und einiges an Muskelkraft aufbringen, wenn ihr dies alleine machen wollt. Es befindet sich keine Abdeckung auf den empfindlichen Treibern! (liegt separat im Karton) Besser zu zweit.

Natürlich habe ich dann direkt den Baumwollsack entfernt, weil ich mir die guten Stücke ansehen wollte. Was soll ich sagen? Ich glaube, das war der erste Moment, in dem ich ein wenig Kribbeln verspürt habe und noch mal in mich ging.

Design, Verarbeitung und Aufstellung

Da standen nun diese massiven Arendal 1723 Tower vor mir – imposant in jeder Hinsicht. Arendal verzichtet, anders als schon fast branchenüblich, auf Gehäuse aus MDF und setzt auf HDF. High-Density-Fiberboard ist um ein Vielfaches dichter und stabiler als MDF und sorgt für noch steifere, resonanzärmere Gehäuse.

Die mir zugesandten Arendal 1723 Tower sind matt weiß lackiert. Die Lackierung ist tadellos. Ich habe die Lautsprecher überall nach Imperfections abgesucht, aber konnte beim besten Willen nichts beanstanden. Saubere Gewinde, einheitliche Lackierung, keine Staub- oder Lufteinschlüsse, keine unliebsamen Kanten. Das Anschlussterminal sitzt satt und sauber in der Rückseite des Lautsprechers. Die Eloxierung der massiven Aluplatte, auf der die rhodinierten Anschlussterminals installiert sind, ist ebenfalls mackenfrei.

Ja, ich weiß, das sieht man nicht unbedingt, aber ich versuche das Haar in der Suppe zu finden. Spoiler: hab ich nicht gefunden.

Die Terminals sind massiv und wurden zur Korrosionsbeständigkeit rhodiniert. Ich habe aus Interesse die Gewinde mal bewegt, nur um zu sehen, wie sauber sie gearbeitet wurden. Generell benutze ich die Lautsprecher mit Bananensteckern. Natürlich sind die Lautsprecher bi-amp- / bi-wiring-fähig. Dennoch: Arendal liefert bei den 1723 Towern jeweils zwei massive, vorinstallierte rhodinierte Kupferbrücken mit. Da ich vorhabe, die Lautsprecher primär erst einmal mit den Burson Audio Timekeeper GT4 Max zu testen, kann das auch so bleiben.

Zum Schutz der empfindlichen Treiber – oder vielleicht für den ein oder anderen aus optischen Gründen – liegt jedem Lautsprecher natürlich noch eine Abdeckung bei. Diese ist (natürlich!) massiv und schwer verarbeitet und hält mit starken Neodym-Magneten optisch unsichtbar an den Lautsprecherfronten. Da bewegt sich nix weg, und wenn man mal dagegenkommt, wird das die Lautsprecher zuverlässig schützen.

An der Rückseite der Arendal 1723 Tower gibt es noch drei 2,6‑Zoll‑Ports. Diese sind ab Werk mit Schaumstoff-Plugs verschlossen, da sich die Lautsprecher „sealed“ und „ported“ betreiben lassen.

Wer die Lautsprecher in ihrer Seitenansicht betrachtet, dem fällt auf, dass die Lautsprecher nicht im 90‑Grad‑Winkel zum Boden einfach gerade nach oben verlaufen, sondern wie ein Parallelogramm nach hinten geneigt sind. Dies hat folgende Vorteile:

  • Ästhetik & Stabilität: Dynamisches Erscheinungsbild, niedriger Schwerpunkt mit Outrigger-Füßen.
  • Time-Alignment: Tweeter und Midbass erreichen den Hörplatz zeitgleich (akustische Zentren ausgerichtet), reduzieren Phasenfehler für präziseres Imaging.
  • Optimale Achse: Geneigter Sweet-Spot bei Sitzhöhe (ca. 1 m Ohrhöhe), bessere Hochton-Integration.
  • Weniger Diffraction: Glatte Front minimiert Beugungsspitzen, homogenere Abstrahlung.

Zum Design der Arendal 1723 Tower THX bleibt von meiner Seite her zu sagen, dass ich sie sehr ästhetisch finde. Es sind ausgewachsene, große, massiv dastehende Lautsprecher, die beim Hereinkommen in den Raum das Gefühl vermitteln, dass hier nicht gespaßt wird. Bei kleineren Lautsprechern denkt man immer erst: „Hoppla, hier wird immer erzählt, hier steppt der Bär, aber die Lautsprecher gehen mir gerade bis zur Hüfte …“ oder: „Ach! Das sind also Regallautsprecher, die du hast. Wenn du immer erzählst, dass du viel Musik hörst, habe ich immer an große schwarze Lautsprecher wie auf Konzerten gedacht.“

Wir wissen alle, dass es sich bei den meisten dieser Äußerungen um Unwissenheit handelt, und sobald meist der erste Ton spielt, weiß auch der Besuch, dass es hier wirklich ernsthaft wird. Bei den Arendal 1723 Towern aber kommt einem direkt ein „WOW“ entgegen. Sie sehen nach dem aus, was sie sind. Nicht mehr und nicht weniger.

Für die Boomer- und Holz-Fraktion könnten die Arendal 1723 Tower eine harte Nuss sein. Ich ordne sie klar dem modernen Design zu – kein nobles Möbelstück mit Edelholz, sondern puristisch und funktional. Arendal bietet lediglich Satin Black oder Satin White an, was perfekt in zeitgenössische Wohnräume passt. Ich selbst habe mich auf weiß-matt eingeschossen und finde es zeitlos elegant, doch ich verstehe den Hang zur Wärme und zum Status edler Holzfinishes absolut.

Aufstellung

Arendal bietet einen exzellenten Aufstellungs-Guide, der sich wirklich lohnt. Grob variiert die optimale Position je nach Szenario:

  • Für Musik: Zuerst exakt auf den Hörplatz toe-in, dann leicht öffnen für maximale Bühnenbreite (individuell nach Vorliebe).
  • Für Heimkino: Symmetrische Ausrichtung direkt auf den Hörplatz – dank des Waveguide-Designs minimieren die Arendal 1723 Tower seitliche Reflexionen sogar in unbehandelten Räumen und liefern präzisen Richtcharakter.

Abmessungen

SpezifikationWert
Abmessungen (H/B/T ohne Füße)115 × 27,5 × 40 cm​
Mit Füßen (H/B/T)119,1 × 37 × 40 cm​
Gewicht (inkl. Spikes)50,6 kg​
GehäuseHDF (High Density Fiberboard), versiegelt/ventiliert (3 × 2,6″ Ports)​
FinishSatin Black / Satin White​

Tech-Specs

Die Arendal 1723 Tower THX sind nach dem Prinzip entstanden: nicht kleckern, sondern klotzen! Wenn man allein die brachiale Optik sieht: Das Gehäuse ist an der Front von oben bis unten mit 8‑Zoll‑Mittel- und Tiefton-Treibern gespickt, die speziell für Arendal gefertigt wurden und es ermöglichen, mit „nur“ 119 cm Höhe auszukommen. Der Hochtöner sitzt ebenfalls in einem 6,5‑Zoll‑Waveguide. Somit ergibt sich eine technisch anmutende Front.

Die Arendal 1723 Tower sind nach dem 2,5‑Wege‑Prinzip gebaut. Sie nutzen eine modifizierte D’Appolito-Anordnung. Klassisch handelt es sich normalerweise um eine MTM-Anordnung (zwei Midbass + zentraler Tweeter). Wegen des 2,5‑Wege‑Systems, das Phasenfehler vermeiden soll, wurde das System aber nicht mit einem separaten Mitteltöner ausgestattet, sondern besitzt homogen custom-designte 8‑Zoll‑Membranen, die Bass und Midrange abbilden können. Die drei unteren fokussieren sich auf den Tiefbass, während der obere mit dem Tweeter zusammen Midbass und Höhen übernimmt.

So ergibt sich ein Crossover bei 120 Hz (Bass-Trennung) und 1.500 Hz (Mid/High).

Die nominale Impedanz der Lautsprecher beträgt 4 Ohm und sie sind mit einer Sensitivität von 92 dB / 2,83 V / 1 m relativ effizient und leicht anzutreiben. Das ist überraschend, da man bei so ausgewachsenen Lautsprechern auch durchaus anderes gewohnt ist.

Die Arendal 1723 Tower sind zwar mit einer typischen „In-Room Bass Response“ von 16 Hz und einem linearen Frequenzverlauf von 37 Hz–20 kHz angegeben, man sollte aber davon ausgehen, dass sie in einem akustisch behandelten Raum vielleicht irgendwo bei ~25–30 Hz nutzbaren Bass produzieren.

Daraus ergeben sich zwei Erkenntnisse: Die Arendal 1723 Tower spielen extrem tief und sind so geeignet für Leute, die gerne ohne Subwoofer auskommen wollen. Hier empfiehlt es sich natürlich, an der Endstufe nicht zu sparen. Mit den angegebenen 112 dB schaffen die Lautsprecher das darüber hinaus auch mit hohen Pegeln.

Des Weiteren lassen sich die Arendal 1723 Tower – wie weiter oben schon erwähnt – sealed und ported betreiben. Das ist insofern interessant, als man sie nicht unbedingt offen betreiben muss, wenn man ohnehin vorhat, einen Subwoofer mit in die Kette zu nehmen, und so ein geschlossenes und damit noch responsiveres Hörvergnügen bekommt. Abgesehen davon, dass man sie so auch näher an die Wand stellen kann, ohne negative Effekte befürchten zu müssen.

SpezifikationWert
Design2.5‑Wege​
Treiber28 mm Tweeter (mit Waveguide), 4 × 8″ Woofer​
Frequenzgang (-6 dB, anechoisch)37 Hz–20 kHz​
F3 (anechoisch)45 Hz​
Sensitivität92 dB / 2,83 V / 1 m​
Impedanz4 Ohm nominal​
Crossover-Frequenzen120 Hz / 1500 Hz​
Empfohlene VerstärkerleistungBis 500 W RMS @ 4 Ohm​

Klang und Höreindrücke

Okay! Stehen die Arendal 1723 Tower erst einmal an Ort und Stelle und sind ordentlich verkabelt, steht dem ersten Hören nix mehr im Weg. Nach der Pflicht folgt also die Kür – und natürlich kenne ich einige Reviews zu den Lautsprechern, was meine Erwartungen in astronomische Höhen befördert hat.

Platz genommen, Eversolo DMP-A6 und Burson Timekeeper GT4 Max angeschmissen. Natürlich wird wie immer zuallererst meine Qobuz Metal-Referenz-Playlist zu Rate gezogen. Diese ist für alle frei verfügbar und darf gerne zur besseren Nachvollziehbarkeit benutzt werden. Des Weiteren bin auch ich nicht ganz resistent gegenüber der Musik, die oft von Herstellern und Händlern auf Fachmessen herangezogen wird, und habe mal eine kleine Sammlung an Referenz-Musik angelegt. Dennoch finde ich, ist diese mit Vorsicht zu genießen, weil diese Songs tendenziell immer gut klingen, da hier mehr Bass-Quantität vor wirklicher klanglicher Qualität geht. Interessant sind sie dennoch.

Arendal 1723 Tower × Eversolo DMP-A6 + Burson Timekeeper GT4 Max

Okay! Bass-Port-Plugs raus, dennoch habe ich mir direkt die Mühe gemacht und das neue Einmess-Feature vom Eversolo benutzt. MiniDSP UMIK‑1 (kalibriertes Messmikrofon) ans iPad Air gehängt und den Wizard durchlaufen lassen. FIR-Filter erstellen lassen und Profil auf „linear“ gestellt. Ja, ich weiß, viele lieben eher so ’ne Harman-Curve, aber ich finde linear mit einer leichten Bassanhebung noch ’ne Ecke geiler.

Der Aha-Effekt kam sofort! Ja, die Arendal 1723 Tower sind bewusst ein Hybrid zwischen Musik und Heimkino, aber dass sie so musikalisch mitmachen, hatte ich nicht erwartet. Sie stehen den Amphion Argon3S in der Klarheit und Bühne in nichts nach! Hier findet ihr übrigens den Test zu den Amphion Argon3S. Natürlich haben die Arendal 1723 Tower mehr Body und Tiefe.

Ich musste mich erst ein wenig fangen, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass sie gerade für Musik so ultra gut funktionieren.

Haben wir hier wirklich einen Giantkiller?

Ich bin ebenfalls schuldig, wenn es um Hype-Trains geht, aber ich glaube bzw. weiß, dass es da draußen manchmal das eine Produkt gibt, das ein Unicorn darstellt und selbst Produkte, die ein Vielfaches kosten, in den Schatten stellt.

Natürlich habe ich alles unternommen, um mir irgendwie sicher zu sein: 50 Stunden einlaufen lassen, wie Arendal es empfiehlt, an der Platzierung gefeilt, mit und ohne Einmessung gearbeitet. Ich hatte bereits das Glück, einiges hören zu dürfen, und ich glaube, die Arendal 1723 Tower machen so einiges richtig.

Ich muss meine Euphorie zügeln, um seriös zu bleiben – innerlich bin ich am Durchdrehen. Wer keinen Boutique-Lautsprecher mit überhöhter Neutralität sucht und nicht zwingend 13.000–15.000 € investieren will, findet im Arendal 1723 Tower einen echten Endgegner. Ab dieser Preisklasse werden Frequenzweichen, Gehäuse und Komponenten noch exklusiver – aber die Luft im Portemonnaie merklich dünner.

Genau dies ist für mich die Definition eines Giantkillers. Er spielt in das Zwei- bis Dreifache seines Budgets, und man muss sich gar nicht schlecht fühlen, wenn man die Konkurrenz sieht. Hier haben wir in der Tat einen Lautsprecher, der – wenn man bereit ist, das Geld in die Hand zu nehmen – das Budget bis zum letzten Cent ausreizt. Ich kenne wirklich nicht viele so herausragende Produkte im HiFi-Bereich. Bin aber immer wieder dankbar, dass sich ein Hersteller traut, das Preisgefüge ein wenig aus dem Gleichgewicht zu bringen, um die Preise irgendwie noch am Boden zu halten.

Heimkino vs. HiFi

Jetzt kommen mir einige sicherlich mit der Argumentation, dass es sich doch schließlich um Heimkino-Lautsprecher handelt. Schließlich werden sie recht stark als solche beworben und auf ihnen prangt das THX Ultra Zertifikat.

Also: Kann man die Arendal 1723 Tower THX denn wirklich für Musik empfehlen? Hierauf habe ich ein ganz klares Ja! zu entgegnen. Absolut und uneingeschränkt! Ich weiß es nicht genau, aber wenn man einen guten HiFi-Lautsprecher baut, kommt da meist ein guter Heimkino-Lautsprecher bei raus – vor allem, wenn man die paar Feinheiten beachtet, die er als hervorragender Heimkino-Lautsprecher braucht.

Die Arendal 1723 Tower spielen kräftig wie luftig, tief, aber auch klar. Stimmen wirken natürlich und präzise, genauso wie die Bühne und die dazugehörigen Instrumente. Sie sind sehr aufgeräumt und machen all dies, ohne auch nur im Anflug angestrengt zu wirken.

Ich habe viele Stunden des Hörens in den letzten 4 Wochen investiert, um hier wirklich sicher zu sein. Aber ehe ich hier weiter um den heißen Brei rede: Lasst uns ein wenig über Musik sprechen!

Imminence – God Fearing Man

Imminence holt mich immer mehr ab, gerade God Fearing Man, weil der Track eine gewisse Imposanz mitbringt. Der ruhige, fast fragile Gesang, die Geige des Sängers, die sich langsam aufbaut – und dann dieser Breakdown. Ich habe diesen Moment schon oft als Referenz genannt, aber so kraftvoll wie über die Arendal 1723 Tower habe ich ihn in Stereo noch nicht erlebt.

Die Arendal schaffen es, die komplette Grundstimmung, den Spannungsbogen und die Entladung emotional nachvollziehbar und gleichzeitig kontrolliert zu inszenieren. Nichts klebt an den Lautsprechern, die Bühne löst sich sauber vom Gehäuse, und trotzdem steht der Bass mit Autorität im Raum.

Ich will nicht behaupten, dass der Track maximal komplex wäre, aber genau darin liegt der Charme: Man hört sofort, wie gut eine Box Dynamik, Timing und emotionale Dichte kann. Und hier zeigen die Arendal 1723 Tower ganz klar: Studioqualität ist kein Marketing-Floskel.

Knocked Loose — Everything is quiet now

Bei den einen erzeugt Knocked Loose blutende Ohren, ich liebe diese rohe Energie. Die ungeschliffene, ehrliche Musik der Band fasziniert zum Glück nicht nur mich, stellt bei der Wiedergabe aber einige Fallstricke: Immer wieder stoße ich auf HiFi-Komponenten, die genau hier den Sound produzieren, der einem tatsächlich die Ohren blutig schreit.

Druck ist halt nicht die halbe Miete – also müssen sich die Arendal 1723 Tower auch Knocked Loose stellen. Hier bekomme ich genau das, was ich suche: Aus dem scheinbaren Einheitsbrei mit kreischenden Gitarren wird ein differenziertes Klangbild, wie ich es von guten Knocked-Loose-Liveperformances kenne. Dreckig, ja. Roh, ja. Aber absolut genießbar. Nicht für jeden, aber eben für mich – und das zählt.

Lorna Shore – Glenwood

Gehen die Deathcore-Überflieger gerade auf große Europa-Tour und ich zum schon lange ausverkauften Konzert nach Hamburg, können sie auch hier mal wieder eine Erwähnung vertragen.

Dieser Abschnitt geht aber viel mehr raus an eine Person, die diesen Track quasi tot gehört hat, um ihn danach direkt wieder in Dauerschleife laufen zu lassen. Das soll nicht heißen, dass der Song kacke ist, sondern dass er mir regelrecht eingemeißelt wurde – es war nur eine Frage der Zeit, bis er auf meiner Referenzliste landet.

„Glenwood“ ist wie so viele Songs von Lorna Shore ein Brett. Emotional geht es um Reue, Stolz, der im Weg steht, und darum, ob man zu weit weg ist, um Dinge wieder gut zu machen – mit der Botschaft, dass man sich fragen sollte, ob es das wert ist, so lange verletzt und stur zu bleiben.​

Brutal schnelle Drums, Will Ramos mit seinem einzigartigen Gesangstalent, flankiert von schiebenden Riffs und dieser typischen choralen/orchestralen Epicness. Ein Wechselspiel zwischen ruhig und drückend – genau das richtige Material, um Feingeist und Antrieb der Arendal 1723 Tower zu demonstrieren. Ich weiß nicht, wie oft der Song hier gelaufen ist; an ihm habe ich jedenfalls die Positionierung (Toe-in) der Lautsprecher optimiert, bis ich die für mich beste Bühne hatte.

Jedenfalls ist dieses Lied nicht ganz unschuldig an meiner Liebe zu diesen Lautsprechern.

Unliebsame Messe-Musik – trotzdem wichtig

Jetzt kommt der Teil, den ich persönlich immer nur in kleinen Dosen ertrage: typische Messe-Musik. Ihr kennt das – Diana Krall, Nils Lofgren, „audiophile“ Aufnahmen mit viel Raum, wenig Komplexität und möglichst spektakulären Effekten.

Ich bin ganz ehrlich: Das ist nicht meine Alltagsmusik. Aber sie ist extrem nützlich, um bestimmte Eigenschaften zu beurteilen – Feinauflösung, Leisehörfähigkeit, Bühnentiefe, Lokalisationsschärfe.

Was sie aber immer gemeinsam haben, ist Bass. Ich glaube ganz fest, eines der Verkaufsargumente ist es, ein Fundament zu präsentieren. Ich will nicht sagen, dass es leicht ist, aber Bass scheint mir oft der Treiber zu sein.

Aber sind wir ehrlich: Bass ist es, was die Arendal 1723 Tower schon fast beiläufig liefern.

Mit den Arendal 1723 Towern passiert hier das, was ich mir von einem echten Allrounder erwarte:

  • Stimmen stehen sauber im Raum, klar umrissen, ohne ins Sibilante zu kippen.
  • Die Bühne zieht sich glaubhaft in die Tiefe, Instrumente sind klar voneinander getrennt.
  • Selbst bei sehr niedrigen Pegeln bleibt alles durchhörbar, nichts fällt in sich zusammen.

Besonders spannend: Die Arendal klingen nie „HiFi-überanalytisch“, sondern behalten immer eine gewisse Selbstverständlichkeit. Sie zeigen, was auf der Aufnahme passiert, ohne dir permanent „Hör mal, wie detailliert ich bin“ ins Gesicht zu schreien. Genau so soll es sein. Und trotzdem sind sie nicht der weichgewaschene People-Pleaser, der dir alles samtig in die Ohren schmiegt.

Arendal 1723 Tower + Subwoofer

So mächtig die Arendal 1723 Tower im Bass sind – und das sind sie zweifellos –, gibt es Szenarien, in denen ein Subwoofer trotzdem Sinn macht. Gerade im Heimkino oder wenn man gerne sehr laut hört, ist Entlastung im Tiefbass nie verkehrt.

In meinem Stereo-Setup laufen die Arendal 1723 Tower aktuell zusammen mit einem SVS SB-5000. Die Kombination zeigt sehr schön, wie flexibel die Arendal abgestimmt sind:

  • Im „sealed“-Modus lassen sie sich problemlos bei 60–80 Hz trennen und spielen darüber extrem sauber und schnell.
  • Der Sub übernimmt den wirklich tiefen Bereich darunter, kümmert sich um Fundament und LFE-Einschläge, während die Tower Bühne, Körper und Punch liefern.

Wer keinen Sub stellen kann oder will, wird mit den Arendal 1723 Towern alleine schon extrem glücklich – gerade in Musik-Setups. Wer aber Heimkino auf Referenzniveau anpeilt, hat hier eine perfekte Basis für ein 2.1‑, 3.1- oder später voll ausgebautes 5.1-/7.1‑System.

Im Mehrkanalbetrieb habe ich die Arendal 1723 Tower mit meinem Arendal 1961 Subwoofer 1V laufen lassen. Auch hier haben sie sich perfekt integrieren lassen und das Kinofeeling hörbar auf ein neues Level gehoben. Aufgrund des nicht seriengleichen Center-Kanals – ich habe hier noch meinen B&W‑Center weiter benutzt – konnte ich jedoch in jeder Sekunde des Films den Unterschied der Lautsprecher ausmachen.

Lasst es euch gesagt sein: Der Center ist der zentrale und wichtigste Kanal im Heimkino. Ein Großteil der Information läuft über ihn, und mit ihm steht und fällt das Heimkino. Nur wer klar definierte Stimmen hat, muss den Lautstärkeregler nicht zwangsläufig auf Angriffsposition drehen.

Ich kann es kaum erwarten, den Arendal 1723 Center zwischen die Arendal 1723 Tower zu stellen und vorne ein wirklich homogenes Bild zu haben.

TL;DR – Arendal 1723 Tower THX

  • Klang: Brutal dynamisch, zugleich feinzeichnend. Von Metal über Messe-Mucke bis Heimkino jederzeit souverän.
  • Technik: 2,5‑Wege, 4×8″, HDF-Gehäuse, THX Ultra, echte Pegelreserven – gebaut für Druck und Kontrolle.​
  • Praxis: Spielt solo schon extrem tief, funktioniert aber auch perfekt mit Sub und im Mehrkanal-Setup. Aufstellung (Toe‑in + Raum) dank Waveguide sehr gut beherrschbar.​
  • Preis/Leistung: Klanglich auf Augenhöhe mit deutlich teureren Lautsprechern, die in der 10k–15k‑Region unterwegs sind – ohne das Kleinwagen-Budget.​

Für mich aktuell: der Lautsprecher, an dem ich zukünftige Reviews messe.

Fazit

Ich habe Tage über diese Zeilen nachgedacht. Klar, wir jagen immer besseren, gefälligeren Klang. Die Preisschraube dreht sich unaufhaltsam nach oben – verständlich, wo Ingenieure Herzblut reinlegen, riskante Innovationen wagen und Komponenten verbauen, die alles andere als Allerweltsware sind. Extreme HiFi-Komponenten werden immer teuer sein.

Auch ich könnte Begehrlichkeiten schüren, die Preisspirale in unseren Köpfen immer tiefer treiben. Aber bei den Arendal 1723 Towern würde ich als bodenständige Referenz für Reviews und Videos bleiben. Klar, imposante Kleinwagen-Ketten wirken spektakulärer. Doch Bodenständigkeit heißt nicht, die Messlatte endlos hochzuschrauben, sondern sie genau hier im Hier und Jetzt zu belassen.

Das schließt Höheres nicht aus – es gibt genug darüber! Aber irgendwo braucht’s den Nullpunkt. Eine Erdung, Balance. Denn Reviews mit Hardware, die 0,001% meiner Leser sich leisten können, helfen niemandem. Selbst die Arendal 1723 Tower sind für viele schon Budget-Sprenger.

Meine Messlatte wähle ich nicht leichtfertig, sondern wohlüberlegt. Aber bei Qualität, Sound und gerade bei der Preis-Leistung kann ich mich zurücklehnen: Hier bekommt man für jeden Cent Gegenwert.

Nach meinem Bewertungsschema erhalten die Arendal 1723 Tower den HiFiGeek Award. Wie ich bewerte und was der Award bedeutet, steht hier: https://www.hifigeek.de/bewertungsschema-bei-hifigeek/

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https://www.hifigeek.de/arendal-1723-tower-thx-giantkiller/feed/ 0 9981
Arendal 1610 Series — die Norweger holen zum Schlag aus https://www.hifigeek.de/arendal-1610-series/ https://www.hifigeek.de/arendal-1610-series/#respond Thu, 12 Feb 2026 13:20:39 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=10349 Während ich hier noch sitze und die letzten Schliffe am Review zu den Arendal 1723 Towern mache, droppen die Norweger schon die nächste Serie: die Arendal 1610 Series. Sie platziert sich genau dazwischen, wo viele sie vermutlich haben wollten – zwischen der 1528er und der 1723er Serie, aber mit einem entscheidenden Dreh: nicht dieses „1528 nimmt dir den Raum weg“-Format, sondern eher die wohnraumfreundlicheren Proportionen der 1723er.

Und ja: Irgendwie war’s absehbar, dass Arendal nach der 1528 nochmal nachlegt. Die 1528 ist ein Statement, keine Frage – aber auch eine Box, die dir ziemlich klar sagt, was sie von dir will: Platz, Abstand, saubere Aufstellung. Der ganze Front-Radius und die zeitliche Abstimmung der Treiber sind eben nicht nur Design-Spielerei, sondern ein Konzept, das bei vernünftigen Sitzabständen so richtig aufgeht – und wenn du dann deutlich näher dran sitzt, verlierst du einen Teil von dem, wofür du die Größe überhaupt in Kauf nimmst.

Bei der Arendal 1610 Series bleibt die Idee zwar erhalten, dass 4 Meter so eine Art Zielmarke sind – aber Arendal beschreibt kürzere Abstände als weniger kritisch. Und ganz ehrlich: Das ist genau der Punkt, an dem diese Serie plötzlich nicht mehr „nice to have“, sondern für viele Wohnzimmer schlicht relevant wird.

Rein optisch wird das sofort klar. Der 1610 Tower ist sichtbar kleiner als ein 1528-Turm, wirkt weniger wie ein Möbelstück mit Hochtöner und mehr wie ein Standlautsprecher, der sich in ein normales Setup integrieren lässt. Gleichzeitig ist das Ganze nicht auf „kompakt“ getrimmt, sondern bleibt klar in dieser Arendal-DNA: erwachsen, massiv, keine Spielzeuge.

Auch beim Line-up macht Arendal diesmal keine Wissenschaft draus. Die Arendal 1610 Series besteht aus einem Tower, einer großen Bookshelf, einer Slim-Variante für realistische Wohnräume und einem Center. Keine zehn Modelle, keine halben Experimente – eher: das, was die Serie als System braucht, fertig.

Unterm Strich wirkt das für mich wie eine hochwertigere Wohnraum-Interpretation zwischen 1528 und 1723: mehr High-End-Feeling als „nur Heimkino-Arbeitstier“, aber ohne den Anspruch, dass dein Wohnzimmer ab sofort ein dedizierter Hörraum sein muss. Und genau deshalb lohnt es sich, nicht nur über Techspecs zu reden, sondern auch über das, was am Ende wirklich zählt: Aufstellung im echten Leben.

Techspecs — lass die Zahlen sprechen

Ich weiß, Techspecs sind so ein Ding: Die einen überfliegen sie, die anderen bauen daraus direkt ihr ganzes Setup im Kopf. Ich bin irgendwo dazwischen. Mich interessiert weniger, ob da „3‑Wege“ steht, sondern ob das Gesamtkonzept logisch ist – und ob Arendal bei der Arendal 1610 Series wirklich diesen Sweet Spot aus Wohnraumfreundlichkeit und High-End-Anspruch trifft, den sie verspricht.

Arendal 1610 Tower 8

Fangen wir beim Kern an: Der Arendal 1610 Tower 8 ist ein echter 3‑Wege-Standlautsprecher. Oben sitzt der 28‑mm‑Hochtöner, dazu kommt ein eigener 5‑Zoll‑Mitteltöner und im Bass arbeiten gleich drei 8‑Zöller.

Von den nackten Daten her ist das genau die Art Aufteilung, die ich in dieser Klasse sehen will, weil sie den Mittelton entlastet und Bass nicht „nebenbei“ mitmachen lässt. Dazu kommt, dass Arendal das Gehäuse als Bassreflex auslegt, aber eine optionale sealed Konfiguration anbietet – du bekommst also die Möglichkeit, das Verhalten stärker an Raum und Geschmack anzupassen, statt nur „so ist es halt“ zu bekommen.

​Bei den Maßen wird dann auch klar, warum das Ding in viele Wohnräume passt, wo eine 1528 eher zum Möbelprojekt wird: 115.0 × 26.5 × 45.0 cm (H×B×T) ohne Füße, mit Füßen sind es 119.8 × 40.7 × 45.0 cm.

Das Gewicht liegt bei 45.37 kg – also immer noch „Arendal typisch“ stabil und massiv, aber nicht diese absolute Schwerlast-Klasse wie bei den ganz großen Brüdern.

Jetzt die Werte, die die meisten als erstes sehen wollen: Arendal gibt den Frequenzgang bei ‑6 dB (anechoic) mit 28 Hz bis 20 kHz an, die typische In‑Room Bass Response mit 18 Hz, die Frequenzlinearität von 40 Hz bis 11 kHz mit ±2.5 dB, plus die Eckdaten F3 39 Hz, F6 28 Hz und F10 24 Hz.

Impedanz ist 4 Ohm nominal, die Sensitivity liegt bei 89.5 dB (2.83 V/1 m). Das ist nicht „gefährlich“, aber es zeigt dir gnadenlos, ob dein Amp wirklich Kontrolle hat. Wer dazu ein Praxisbeispiel will: Im Test vom Burson Audio Timekeeper GT4 merkt man sehr schnell, was Kontrolle eigentlich heißt.

Beim Übergang arbeitet der Tower mit 380 Hz und 2600 Hz, und Arendal nennt als Verstärkerempfehlung bis zu 800 Watt.

​Und falls du beim Lesen gerade denkst „okay, aber wie viel Leistung braucht man denn wirklich?“ – ich hab das mal runtergebrochen in: Wattbedarf von Lautsprechern berechnen.

Kleiner, aber nicht unwichtig: Arendal nennt 50 Stunden Break‑In für optimale Performance, und im Lieferumfang sind Port Plug sowie magnetische Grilles.

Arendal 1610 Bookshelf 8

Die Arendal 1610 Bookshelf 8 ist ebenfalls ein 3‑Wege-Konzept – und genau das macht sie so interessant, weil viele Bookshelves in der Praxis bei „2‑Way + viel Hub“ landen. Hier hast du wieder den 28‑mm‑Hochtöner, 5‑Zoll‑Mid und einen einzelnen 8‑Zoll‑Woofer.

Auch hier ist das Gehäuse ported, optional sealed, inklusive Port Plug, magnetischem Grill und Rubber Pads.

Die Maße liegen bei 47.7 × 26.5 × 30.0 cm, das Gewicht bei 16.2 kg – das ist eine Bookshelf, die man nicht „irgendwo ins Regal“ stellt, sondern die nach ordentlichen Stands schreit.

Beim Frequenzgang nennt Arendal ‑6 dB (anechoic) 34 Hz bis 20 kHz, typische In‑Room Bass Response 22 Hz, Frequency Linearity (hier interessant detailliert) einmal 40 Hz bis 11 kHz sowie 47 Hz bis 20 kHz jeweils ±2.5 dB, dazu F3 43 Hz, F6 34 Hz, F10 27 Hz.

Impedanz: 4 Ohm nominal.

Sensitivity: 85 dB (2.83 V/1 m) – also spürbar weniger als beim Tower, was in der Praxis bei der Verstärkerwahl und bei Pegelreserven einfach ein Thema ist (nicht dramatisch, aber real).

Crossover-Frequenzen: 330 Hz / 2300 Hz, Amp-Empfehlung bis 400 Watt, Break‑In wieder 50 Stunden.

Arendal 1610 Slim 8

Die Arendal 1610 Slim 8 ist für mich die „Wohnzimmer-Realismus“-Box der Serie. Nicht, weil sie irgendwie „klein“ wäre, sondern weil sie das Formfaktor-Problem löst, das viele bei Bookshelves und Standboxen haben: Tiefe, Optik, Integration.

Technisch geht Arendal hier einen anderen Weg: Die Slim 8 ist sealed – also kein Port, kein „stell mich bitte nicht zu nah an die Wand, sonst wird’s wild“, sondern ein geschlossenes Konzept, das in vielen Wohnräumen schlicht entspannter zu handeln ist.

Aufgebaut ist sie ebenfalls als 3‑Way mit 28‑mm‑Tweeter, 5‑Zoll‑Mid und 8‑Zoll‑Woofer.

Die Maße liegen bei 47.7 × 26.5 × 16.5 cm, Gewicht 13.1 kg.

Arendal gibt den Frequenzgang bei ‑6 dB (anechoic) mit 56 Hz bis 20 kHz an, typische In‑Room Bass Response 38 Hz, Frequency Linearity 70 Hz bis 20 kHz ±2.5 dB, plus F3 68 Hz, F6 56 Hz, F10 45 Hz.

Impedanz: 4 Ohm nominal, Sensitivity: 86.5 dB (2.83 V/1 m).

Crossover: 340 Hz / 2700 Hz, Amp-Empfehlung bis 300 Watt, Break‑In 50 Stunden.

Und ein Detail, das in der Praxis oft über „nutze ich wirklich“ entscheidet: Arendal packt hier direkt eine VESA 100 Wall Mount Lösung mit rein, plus magnetischen Grill und Rubber Pads. Das ist genau diese Art „wir wissen, wie Wohnzimmer funktionieren“-Denke.

Preise der Arendal 1610 Series

Wichtig, weil das bei Arendal gern mal durcheinandergeht: Tower/Bookshelf/Slim sind als Paar gelistet, der Center ist Single.

  • Arendal 1610 Tower 8: 6.900 € (Pair)
  • Arendal 1610 Bookshelf 8: 3.300 € (Pair)
  • Arendal 1610 Slim 8: 2.600 € (Pair)
  • Arendal 1610 Center 8: 2.100 € (Single)

Wenn du dir das als typische Konfigurationen hinlegst, wird’s sehr schnell greifbar:

  • Stereo mit Towern: 6.900 €
  • Stereo mit Bookshelves: 3.300 €
  • Stereo mit Slim: 2.600 €
  • LCR-Frontstage (Tower + Center): 9.000 €
  • LCR-Frontstage (Bookshelf + Center): 5.400 €
  • LCR-Frontstage (Slim + Center): 4.700 €

Und genau da liegt für mich die Story: Die Arendal 1610 Series ist kein „du musst alles nehmen“-Baukasten, sondern eher ein Set aus sehr klaren Bausteinen. Tower, wenn du richtig Fundament willst. Bookshelf, wenn du kompakter bleiben willst, aber nicht auf die erwachsene Abstimmung verzichten möchtest. Slim, wenn du das Ganze in ein echtes Wohnzimmer integrieren willst – und Center, wenn Heimkino nicht nur „auch mal“ passieren soll.

Wohnzimmer-Aufstellung: ja, auch bei der Arendal 1610 Series entscheidet das Setup

Jetzt kommt der Teil, den viele überspringen – und sich danach wundern, warum die Einmessung „irgendwie nicht zaubern konnte“. Arendal sagt es im eigenen Aufstellungsguide ziemlich deutlich: Erst Positionierung, dann Auto‑EQ.

Und genau im Wohnzimmer ist das der Knackpunkt. Du hast meist vorne ein TV/Lowboard, irgendwo links einen Durchgang, rechts vielleicht Fenster oder ein Schrank – und das Sofa steht selten da, wo es akustisch perfekt wäre, sondern da, wo es im Alltag Sinn ergibt.

Ich glaube übrigens, dass die Arendal 1610 Series genau in die Zeit passt, wo Streaming bei vielen das Herzstück ist. Ich hab zuletzt den WiiM Ultra im Test gehabt – und solche Geräte sind genau das, was ich bei vielen Wohnzimmer-Setups als Startpunkt sehe.

Wer eher in Richtung „ein Gerät, das alles kann“ denkt: Mein Langzeittest zum Eversolo DMP‑A6 passt da ziemlich gut als Gegenpol.

Füße / Spikes: nicht optional, sondern Grundlage

Arendal beschreibt bei den Arendal 1610 Series Towern explizit, dass die Spikes so gedacht sind, dass du sie von oben über die Outrigger einstellen kannst – ohne Werkzeug und ohne die Box anheben zu müssen.

Das ist im Wohnzimmer schlicht Gold wert, weil du damit eine stabile, definierte Aufstellung hinbekommst. Und es spielt direkt in den nächsten Punkt rein: Arendal betont nämlich, dass du auf der Listening Axis hören solltest, weil es sonst um die Crossover-Regionen unruhig werden kann.

Kurz: erst mechanisch sauber, dann akustisch fein.

Toe-In: Arendal will, dass du einwinkelst

Arendal schreibt, dass ihre Arendal 1610 Series Lautsprecher bewusst zum Hörplatz eingewinkelt werden sollen, um Probleme mit den nächsten Begrenzungsflächen zu reduzieren und die Abbildung stabil zu halten, auch wenn du nicht exakt mittig sitzt.

Im Wohnzimmer ist das genau das, was du willst. Weil du selten perfekte Symmetrie hast. Und weil du nicht immer wie ein Zombie in der Mitte des Sofas festgetackert hörst. Toe-In hilft, dass die Mitte sitzt und Stimmen nicht wandern.

Abstand zur Wand: „unten ported“ heißt nicht „egal“

Wenn die Ports der Arendal 1610 Series nach unten arbeiten, ist der Reflex‑zu‑Wand‑Stress anders als bei einem klassischen Rear-Port, der dir direkt in die Wand feuert. In der Praxis kann das durchaus helfen, wandnäher zu arbeiten.

Aber Arendal ist im eigenen Guide trotzdem ziemlich eindeutig und empfiehlt als Minimum 20–30 cm zwischen Frontwand und Rückseite des Lautsprechers. Und sie sagen auch dazu, warum: zu nah wird’s „muddy“ im unteren Mittelton, der Oberbass dickt auf, Stimmen wirken congested und undifferenziert.

Für mich heißt das: Ja, du kannst mit der Arendal 1610 Series tendenziell realistischer wandnah arbeiten – aber du solltest es nicht mit „10 cm, passt schon“ verwechseln.

Seitenwände, Reflexionen und der normale Wahnsinn

Arendal erklärt im Guide recht ausführlich, dass sie viel Wert auf linearen On- und Off-Axis sowie eine lineare Power Response legen, und dass die kontrollierte Direktivität die Speaker toleranter macht – auch bei weniger idealen Räumen. So auch bei der Arendal 1610 Series.

Trotzdem bleibt Physik Physik: Arendal sagt genauso klar, dass mehr Abstand zu Seitenwänden hilft, weil frühe Reflexionen die Bühne verwischen und die Ortung unpräzise machen können.

Wenn du dazu noch einen einfachen, aber brutalen Wohnraum-Hack willst: Arendal empfiehlt mindestens einen Teppich an den ersten Reflexionspunkten am Boden und erklärt den Spiegel-Trick, um genau diese Punkte zu finden.

Und ja, auch der Hörplatz ist so ein Thema, über das man nicht gern spricht: Arendal nennt als Faustregel ca. 38% der Raumlänge von der Rückwand als sinnvollen Startpunkt, um Rückwand-Einflüsse zu reduzieren und den Bass zu glätten.

​​Und falls du dich fragst, warum ich so auf Bühne, Attack und Kontur rumreite: Das Thema Transienten ist für mich der heimliche Star bei gutem Sound.

Abschluss: Warum die Arendal 1610 Series gerade so viel Sinn ergibt

Wenn man sich die Arendal 1610 Series nüchtern anschaut, ist das keine „wir mussten halt was Neues bringen“-Serie. Das wirkt eher wie eine bewusst gesetzte Lücke im Portfolio: High-End-Konstruktion und erwachsene Chassis-Bestückung, aber in Modellen, die nicht automatisch ein eigenes Zimmer verlangen.

Der Arendal 1610 Series Tower bringt die große Geste, ohne völlig aus dem Rahmen zu fallen. Die Bookshelf ist die kompromissarme Alternative für alle, die lieber flexibel bleiben. Die Slim ist die Box für das echte Leben – Wandmontage, wenig Tiefe, Integration. Und preislich ist das Ganze klar als High-End positioniert, aber eben so modular, dass du dir aus der Serie ein Setup bauen kannst, das zu Raum und Nutzung passt – statt umgekehrt.

Wenn Arendal das klanglich so sauber umsetzt, wie es die Techspecs und die ganze Systemlogik vermuten lassen, dann ist die Arendal 1610 Series ziemlich genau das, was viele gesucht haben: Arendal‑Anspruch, weniger Platzsteuer, mehr Alltag.

Wer mehr zu der Arendal 1610 Series lesen möchte kann dies auf der Arendal-Website tuen.

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