Zebrano Holz - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de Audio & Heimkino. Ernst genommen. Fri, 26 Jun 2026 11:59:43 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://www.hifigeek.de/media/cropped-hifigeek.de-512-32x32.png Zebrano Holz - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de 32 32 60029611 Audeze LCD‑3 Review — Warmes Planar-Flaggschiff im Test https://www.hifigeek.de/audeze-lcd-3-review-warmes-planar-flaggschiff-im-test/ https://www.hifigeek.de/audeze-lcd-3-review-warmes-planar-flaggschiff-im-test/#respond Mon, 20 Oct 2025 19:11:58 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=9400 Der Audeze LCD‑3 ist auf den ersten Blick kaum vom LCD‑X zu unterscheiden. Gleiche Ohrmuscheln, gleiche Konstruktion, gleiches Gewicht — nur der Holzring verrät, dass man es hier mit dem großen Bruder zu tun hat. Und natürlich das eingestanzte “LCD‑3” auf der Muschel. Was sich dahinter klanglich verbirgt, ist allerdings eine ganz andere Geschichte.

Transparenz: Dieses Testmuster wurde mir vom deutschen Audeze-Vertrieb kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Kooperation hat keinen Einfluss auf meine Bewertung — das war vor dem Test so vereinbart, und ihr könnt davon ausgehen, dass ich auch hier keine Gefangenen mache.

Sind die Audeze LCD‑3 nicht schon etwas älter?

Ja — erschienen 2011, und trotzdem uneingeschränkt erhältlich. Audeze hat das Modell über die Jahre in mehreren Revisionen weiterentwickelt, aber nie ersetzt. Das sagt einiges über die Langlebigkeit des Konzepts. Ich finde es außerdem schlicht interessant, mich an einer Handvoll Kopfhörer entlangzuhangeln und die Unterschiede systematisch herauszuarbeiten — gerade wenn Modelle aus derselben Familie so unterschiedlich klingen wie Audeze LCD‑X und Audeze LCD‑3. Kleiner Hinweis für alle, die gezielt nach einem gebrauchten Exemplar suchen: Je nach Baujahr können Fazor-Iterationen und Exemplarstreuungen im Hochton minimal differieren. Gegenhören lohnt sich.

Mein Testsetup

Ich habe den Audeze LCD‑3 über mehrere Wochen mit über 400 Stunden Tragedauer betrieben — bewusst auch länger als üblich, weil ich auf den Burson Conductor GT4 gewartet habe und dem Kopfhörer die bestmögliche Ausgangslage geben wollte. Folgende Kombinationen kamen zum Einsatz:

Der LCD‑3 ist in dieser Hinsicht unkompliziert — kein Setup hat versagt, kein Amp hat ihn überfordert oder unterversorgt. Die Unterschiede zwischen den Kombinationen waren vorhanden, aber nie dramatisch. Eine Ausnahme: dazu später mehr.

Unboxing & Lieferumfang

Der Audeze LCD‑3 kommt in einem silbernen Travel Case — gleiche Klasse wie beim Audeze LCD‑X, nur in einer anderen Farbe. Solide, stabil, mit dem richtigen Gewicht für ein 2000€-Gerät.

Im Lieferumfang meines Testmusters — das bereits einige Zeit auf dem Buckel hatte — war ein vieradriges Kopfhörerkabel mit 6,35mm-Anschluss dabei, plus ein Adapter-Bundle: XLR auf 6,35mm auf 3,5mm. Das entspricht laut Audeze dem aktuellen Standard; wer ein frisches Exemplar kauft, bekommt denselben Umfang. Ein 4,4mm Pentaconn-Adapter fehlt auch hier — bei einem Kopfhörer in dieser Preisklasse eine verpasste Chance.

Tech-Specs

Beim Audeze LCD‑3 handelt es sich wie beim LCD‑X um einen planaren Magnetostaten in offener Bauweise — gleiche Grundtechnologie, aber andere Abstimmung. Die entscheidende Kennzahl im Vergleich: 110 Ohm Impedanz statt 20 Ohm beim LCD‑X. Das bedeutet mehr Leistungsbedarf, und wer den LCD‑3 wirklich zum Singen bringen will, sollte das bei der Amp-Wahl im Kopf behalten.

MerkmalWert
BauweiseOffener, ohrumschließender, magnetostatischer (planarer) Kopfhörer
TreibertypPlanar-magnetisch (magnetostatischer Flachmembran-Schallwandler)
MagnetstrukturProprietäre Magnetanordnung, Neodym N50
Größe des Schallwandlers106 mm
PhasensteuerungFazor
Frequenzbereich10 Hz – 50 kHz
Impedanz110 Ohm
Wirkungsgrad/Empfindlichkeit101 dB / 1 mW (Herstellerangabe)
Verzerrungen< 0,1% bei 100 dB
Maximale Belastbarkeit5 W RMS
Maximaler SPL> 130 dB
Gewicht550–635 g (je nach Quelle und Ausführung, ohne Kabel)
AnschlussAbnehmbares Kabel, 4‑pol Mini-XLR, Adapter auf 6,3‑mm-Klinke und 3,5‑mm-Klinke
OhrpolsterPremium Lammleder oder Alcantara (vegan erhältlich)
Kabellänge1,9 m
Anpressdruckca. 1,5 N
Empfohlene Verstärkerleistung> 250 mW (mind. > 100 mW)

Der Audeze LCD‑3 wird häufig als “warm” oder “dunkel” beschrieben — technisch steckt dahinter eine bewusste Senke im oberen Präsenz- und unteren Hochtonbereich, grob um die 6 kHz. Das bändigt Zischlaute, Streicher-Schärfe und Cymbal-Crunch gezielt — gewollt langzeittauglich, aber auf Kosten von Brillanz und Attacke ganz oben.

Tragekomfort

Wer den Audeze LCD‑X kennt, weiß was ihn erwartet: Audeze hat am Grundaufbau nichts Wesentliches verändert, und das ist ein Kompliment. Schlichtes, robustes Kopfband mit perforierter Lederauflage, präzise rastende Größenverstellung, drehbar gelagerte Ohrmuscheln, dicke Polster ohne Druckstellen. Auch das Testmuster mit seinen Betriebsstunden hat konstruktiv nichts eingebüßt — das spricht für die Materialwahl.

612g sind objektiv kein Leichtgewicht. Wer direkt von einem federleichten Plastikbomber kommt, wird eine Eingewöhnung brauchen. Ich sage das ohne Wertung — ich komme selbst von leichteren Kopfhörern und empfinde das Gewicht der Audeze-Modelle mittlerweile als angenehm, weil der Anpressdruck so gut verteilt ist. Aber ausprobieren sollte das jeder selbst.

Klang

Ich mache es kurz: Der Audeze LCD‑3 und ich werden keine Freunde. Das sage ich ohne Groll — es ist eine ehrliche Einschätzung nach 400+ Stunden Hörzeit, und ich erkläre auch warum.

Der Audeze LCD‑3 ist technisch gut. Auflösung stark, Bühne räumlich, Bass kontrolliert und druckvoll. Was mich nicht loslässt: die Höhen. Sie sind nicht absent, aber sie sind klar im Hintergrund — gedämpft, entschärft, eingehegt. Wer wie ich an knackige, präsente Höhen gewöhnt ist und diese aktiv sucht, wird hier nicht glücklich. Der Kopfhörer liefert Wärme und Geschmeidigkeit, wo ich Biss und Energie erwarte.

Das ist keine Schwäche im technischen Sinne. Es ist eine Designentscheidung — und eine, die ihre Zielgruppe kennt. Wer Musik hören will ohne je von einem Zischlaut oder einer spitzen Beckenattacke aus dem Fluss gerissen zu werden, bekommt mit dem Audeze LCD‑3 genau das. Ich nenne es das Wohlfühlkopfkissen: aufsetzen, in den Sessel fallen lassen, Augen zu. Wenn daraus ein Nickerchen wird, schmiegt sich der Sound so sanft an, dass man es kaum merkt.

Hier noch unsere Qobuz Referenz-Playlist, für alle Interessierten.

Knocked Loose — Everything is quiet now

Brian Garris’ Stimme ist nicht jedermanns Sache — der Pitch, die Schärfe, die pure Intensität mit der er ins Mikro geht. Wer damit schon immer auf Kriegsfuß stand, sollte dem Audeze LCD‑3 hier wirklich eine Chance geben: Die Stimme verliert ihren aggressivsten Anteil, bleibt aber verständlich, fast greifbar. Das ist tatsächlich interessant. Der Haken: Genau diese Entschärfung zieht sich durch den ganzen Song. Der Cymbal-Crunch der Drums fehlt spürbar, das Riffing verliert einen Teil seiner rohen Textur, und der Song — der auf Anspannung und Druck aufgebaut ist — rollt etwas zu entspannt durch die Gegend. Wer Knocked Loose live gesehen hat, wie ich dieses Jahr zweimal in Köln und Hamburg, und weiß wie die Band wirklich klingt, merkt den Unterschied sofort. Der Audeze LCD‑3 macht Knocked Loose salon­fähig. Ob das gut ist, muss jeder selbst entscheiden.

Rage Against the Machine — Bombtrack

Ein Song, der dem LCD‑3 deutlich besser steht. Die Räumlichkeit kommt hier schön zur Geltung — Stimmen poppen links und rechts präzise auf, die Bühne hat Tiefe und Luft. Toms Morello’s Gitarre hat Körper, Zack de la Rochas Stimme kommt mit der richtigen Präsenz. Der Bass und die Bassdrum kicken sauber und trocken — das Fundament sitzt. Was fehlt, sind die Becken: Die treibende Hi-Hat-Energie, die den Song nach vorne peitscht, tritt beim LCD‑3 einen Schritt zurück. Der Track rollt eher, als dass er sägt. Das ist keine schlechte Interpretation von Bombtrack — es ist nur eine entspanntere.

Septicflesh — Portrait of a headless man (Live, Infernus Sinfonica MMXIX)

Das ist das Terrain, auf dem der Audeze LCD‑3 aufblüht — und ich sage das als jemand, der den Kopfhörer sonst eher kritisch sieht. Die Infernus Sinfonica MMXIX ist für mich eine perfekte Symbiose zweier Welten: Melodic Death Metal trifft auf vollständiges Orchester, und der LCD‑3 macht genau daraus das Beste. Die Bläser kommen fett und detailliert, der Chor breitet sich räumlich aus, die Streicher in ruhigen Passagen klingen seidig statt klinisch. Und die fetten Gitarren? Die haben beim Audeze LCD‑3 genau die richtige Menge Körper, ohne dabei zu stechen. Die Cymbals blitzen hier und da auf — mehr als bei anderen Songs — aber das Orchester steht vorn, und das passt. Wer klassische Elemente liebt und Metallschärfe gerne etwas bändigt, findet hier seinen Kopfhörer.

Korn — Got the Life

Immer wieder Korn in meinen Reviews — und das aus gutem Grund. Der ikonische Sound der Band ist einfach hervorragend zum Vergleichen geeignet, weil man jeden Bestandteil kennt und sofort merkt, wenn etwas fehlt. Der schnarrende Bass wird vom Audeze LCD‑3 druckvoll und mit Freude wiedergegeben — das macht Spaß. Fieldy’s Basslines haben Gewicht. Aber dann: Die Cymbals, die ich bei diesem Song immer als treibend und fein empfunden habe, rücken in den Hintergrund. Die Gitarre in der Strophe, die Jonathan Davis fast nervig begleitet und diesem psychedelischen Charakter des Songs gibt — sie ist da, aber sie hat weniger Biss, weniger Eindringlichkeit. Irgendwie geht der psychedelische Anteil ein wenig verloren. Der Song klingt rund und angenehm, aber er klingt nicht mehr so nach Korn. Das unterstreicht am Ende nochmal: Der Audeze LCD‑3 ist das Wohlfühlkopfkissen, kein Werkzeug für analytisches oder energiegeladenes Hören.

Das richtige Setup macht einen Unterschied

Der Audeze LCD‑3 ist an keinem meiner Amps wirklich schlecht gewesen — aber die Unterschiede waren aufschlussreich. Beim Fosi Audio K7 hatte ich das Gefühl, dass erst die Kombination mit dem Lehmann Linear und Linear II noch ein wenig mehr Leben in die Hütte gebracht hat. Beim Playmate 3 hat sich das nicht so herauskristallisiert. An der Rohleistung des K7 kann es eigentlich nicht liegen — der drückt symmetrisch knapp 4 Watt bei 32 Ohm, bei 110 Ohm sollten also noch genug Reserven da sein. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Mir fehlte es an Spritzigkeit, und ich kann das nicht sauber auf einen einzelnen Faktor zurückführen.

Den Vogel abgeschossen hat der Burson Conductor GT4. Bessere Auflösung, mehr Grip im Bass, feinere Dynamiksprünge — kein Ausrutscher nirgendwo. Kein Wunder, dass Burson und Audeze sich auf Messen regelmäßig gemeinsam präsentieren. Der Conductor GT4 löst einfach noch besser auf und erlaubt sich nirgendwo die kleinen Unschärfen, die im direkten analytischen Vergleich kaum auffallen, aber im Gesamtbild fehlen.

Jetzt der obligatorische HiFi-Händler-Einwurf: Natürlich kann man einen 2000€-Kopfhörer nicht an eine 200€-Kombo anschließen — und die Verkabelung kostet selbstverständlich dasselbe nochmal. Ich höre diese Argumentation regelmäßig und verstehe die Intention dahinter, teile sie aber nicht. Der Kopfhörer selbst hat den größten klanglichen Einfluss im Gesamtsystem. Moderne Einsteiger-Amps performen heute auf einem Niveau, das vor zehn Jahren undenkbar gewesen wäre, und Totalausfälle sind die Ausnahme. Was stimmt: 1–4 Watt Headroom bringen beim Audeze LCD‑3 spürbar mehr Kontrolle und Ruhe in den Klang, mehr Grip, feinere Dynamiksprünge. Die Verstärkung ernstzunehmen lohnt sich — aber dafür muss es kein 2000€-Amp sein.

Für wen ist der Audeze LCD‑3 gedacht?

Nicht für mich — das habe ich jetzt oft genug gesagt. Aber das ist kein Urteil, sondern eine Einordnung.

Der Audeze LCD‑3 ist für Hörer gemacht, die Wärme, Körper und Langzeittauglichkeit über Brillanz und Attacke stellen. Die bei harschem Hochton nicht begeistert sind, sondern erschöpft. Die abends nach einem langen Tag Musik hören wollen, ohne dass ein Beckencrash sie aus dem Gedanken reißt. Die Orchester genauso gerne hören wie Metal, und bei beidem das Geschmeidigere bevorzugen.

Neutral-Hörer und alle, die den Biss in den Höhen aktiv suchen, werden sich hier unwohl fühlen. Das ist keine Warnung gegen den Kopfhörer — es ist eine Warnung vor einer falschen Erwartung. Bei 2000€ ist das keine leichte Kaufentscheidung, und ich bitte wirklich jeden, den LCD‑3 vor dem Kauf probegehört zu haben — am besten mit der eigenen Hardware oder der Wunschhardware.

Fazit

Verarbeitung, Tragekomfort, Materialqualität — alles auf dem Niveau, das man von Audeze erwartet und bei 2000€ auch erwarten darf. Klanglich ist der Audeze LCD‑3 ein Spezialist: warm, körperhaft, langzeittauglich — und in genau diesem Bereich erstaunlich konsequent und überzeugend.

Für mich ist er das falsche Werkzeug. Zu warm, die Höhen zu weit im Hintergrund — ich will beim Hören involviert werden, nicht eingelullt. Aber ich weiß jetzt, was ich will. Und manchmal braucht man einen Kopfhörer wie den LCD‑3, um genau das herauszufinden.

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