Zidoo - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de Audio & Heimkino. Ernst genommen. Thu, 07 May 2026 07:21:58 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://www.hifigeek.de/media/cropped-hifigeek.de-512-32x32.png Zidoo - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de 32 32 60029611 Luxsin X9 im Test: Head‑Fi‑Control‑Center mit HP‑EQ, Sub‑Power und Firmware‑Upgrade für deine Kopfhörer https://www.hifigeek.de/luxsin-x9-im-test/ https://www.hifigeek.de/luxsin-x9-im-test/#respond Wed, 28 Jan 2026 15:00:00 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=9737 Ich war schon im Sommer sehr neugierig auf den Luxsin X9, habe ihn dann aber wieder aus den Augen verloren. Nichtsdestotrotz steht er jetzt auf meinem Schreibtisch und ich konnte das gute Stück etwa vier Wochen unter die Lupe nehmen – oder besser gesagt: in einen für ihn vielleicht anstrengenden Dauertest schicken. Wenn dem so war, hat sich der Luxsin X9 das keinesfalls anmerken lassen. So viel sei verraten.

Vorab ein kurzer Disclaimer: Ich habe den Luxsin X9 vom deutschen Vertrieb audioNEXT kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. audioNEXT oder irgendjemand sonst nimmt keinen Einfluss auf mein Review. Als unabhängiger Blog sind wir an keine geschäftlichen Beziehungen gebunden, die unsere Meinung verfälschen könnten..

Hier findet ihr mein Luxsin X9 Video‑Review auf YouTube

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Unboxing & Lieferumfang – erster Eindruck

Wer schon einmal Eversolo-Produkte ausgepackt hat, wird die Qualität kennen. Luxsin stammt ebenfalls aus dem Hause Zidoo. Die 3,7 kg des Luxsin X9 liegen direkt wertig in der Hand. Natürlich wird das Gerät gut gepolstert ausgeliefert, sodass dem massiven Aluminiumgehäuse mit seinen soliden Alu-Planken auf der Reise nichts passiert. Mit 30 x 20 x 6,5 cm ist das Gerät kompakt genug für den Schreibtisch. Auf dem HiFi-Rack wirkt es hingegen angenehm schlank und schmal.

Was liegt in der Box:

  • Netzkabel (Schuko-Standard, EU-Stecker)
  • Bluetooth-Fernbedienung (IR- und BT-kompatibel)
  • USB-B-Kabel (für USB-Audio)
  • USB-Type-C-OTG-Kabel (für iPhone/iPad direkt)
  • Benutzerhandbuch (mehrsprachig, vorerst ohne Deutsch)
  • Garantiepapiere & Quick-Start-Guide

Der erste Eindruck ist durchweg premium. Das 4‑Zoll-Farb-Touchscreen mit den virtuellen VU-Metern ist das Eye-Candy – sie sehen täuschend echt aus, sind vollständig animiert, etwa mit sanft-blauem Hintergrund. Luxsin bietet 14 verschiedene grafische Varianten zur Wahl, was eigentlich unnötig wirkt, aber durchaus charmant ist. Die facettierten Ecken des Gehäuses geben dem Luxsin X9 ein modernes Design, das nicht billig wirkt. Alle sichtbaren Seiten sind sauber verarbeitet, sogar die Unterseite. Schrauben siehst du nur an der Rückwand – alles andere wirkt wie aus einem Guss.

Technische Daten & Architektur

Was den Luxsin X9 technisch interessant macht

Der Luxsin X9 nutzt den AK4499EX DAC-Chip von Asahi Kasei Microdevices – derselbe, der auch im erfolgreichen Eversolo DMP-A8 Streaming-DAC verbaut ist. Das ist ein Vertrauenssignal. Daneben sitzt ein AK4191EQ für die IV-Konvertierung (digital zu analog). Die Signalverarbeitung erfolgt über einen AKM 7739 DSP-Chipsatz, der speziell die Headphone-EQ-Funktion steuert (dazu später mehr).

Die Kopfhörer-Verstärkerstufe

Die Kopfhörerendstufe ist vollständig symmetrisch aufgebaut und liefert bis zu 6.400 mW an 16 Ω über den 4,4‑mm-Balanced-Ausgang – das ist ordentlich Leistung. Über den 6,35-mm-Single-Ended-Anschluss oder XLR4 ist die Leistung etwas geringer, aber immer noch mehr als ausreichend. Der Verstärker-Chip ist ein TPA6120A2 in Kombination mit einem OPA1612 als Buffer. Das Besondere: Die Ausgangsstufe wurde speziell für den Luxsin X9 entwickelt und nicht einfach von Eversolo übernommen.

Das Netzteil ist clever aufgebaut

Ein Lineartrafo versorgt die analoge Sektion (für hohe Reinheit und guten Rauschabstand), ein Schaltnetzteil die digitale Sektion (für Effizienz). Im Inneren sitzt ein großer, gekapselter Ringkerntrafo – du wirst sein Gewicht beim Transport spüren. Die Ripple-Unterdrückung ist mit 40 nV extrem niedrig. Das bedeutet: Der Rauschgrund des Luxsin X9 ist in der Praxis nahezu nicht existent.

Spezifikationen

  • Dynamic Range / SNR: > 128 dB (sehr sauber)
  • THD+N @ KH-Output: < 0,00016% (extrem niedrig)
  • Crosstalk: > ‑117 dB (Kanaltrennung ausgezeichnet)
  • Kanalgenauigkeit (L/R‑Balance): 0,1 dB (beeindruckend präzise)
  • Frequenzgang: neutral-flach mit sanftem Roll-off in den obersten Höhen

Unterstützte Formate:

  • PCM bis 32 Bit / 768 kHz
  • DSD bis DSD512 (native)
  • Bluetooth 5.0 (SBC, AAC offiziell; LDAC & aptX werden unterstützt, aber nicht zertifiziert)
  • Asynchrones USB-Audio (kein Treiber nötig)

Innovative Features

Das Dynamic Negative Feedback System (DNF) nutzt die Kombination aus OPA1612 und TPA6120A2, um harmonische und intermodulative Verzerrungen signifikant zu reduzieren. Das praktische Resultat: Der Klang wirkt sauberer und transparenter, ohne zusätzliche Färbung.

Die R2R-Resistor-Array-Lautstärkeregelung ist ein echtes Highlight. Statt digital zu regeln, nutzt der Luxsin X9 1.024 diskrete Stufen mit Schaltrelais – jeder Schritt ist als leichtes „Click“ beim Drehen hörbar, 0,5‑dB-Schritte sind Standard (wahlweise 1, 2 oder 3 dB). Das verhindert Kanalabweichungen im unteren Lautstärkebereich und verschleißt nicht wie ein klassisches Potentiometer.

Die Impedance-Detection-Technologie misst automatisch die Impedanz deines Kopfhörers (16 Ω, 32 Ω oder 300 Ω), wenn du ihn an den 4,4‑mm- oder 6,35-mm-Anschluss anschließt, und passt das Gain entsprechend an. Das ist praktisch wie die ISO-Einstellung an einer Kamera – es optimiert den nutzbaren Regelbereich für deine spezifischen Kopfhörer. XLR4-Nutzer müssen die passende Einstellung manuell wählen. Eine Einschränkung: Das System misst Impedanz, nicht Empfindlichkeit – mit sehr empfindlichen IEMs oder sehr wenig empfindlichen Kopfhörern kann der Regelweg etwas knapp werden.

In der Praxis bedeutet die Kombination aus Dynamic Negative Feedback und R2R-Lautstärkeregelung: extrem saubere Wiedergabe, perfekte Kanalbalance auch bei sehr niedrigen Pegeln und eine feinfühlige, verschleißfreie Lautstärkeregelung, von der besonders Leisehörer profitieren.

Anschlüsse & Konnektivität

Der Luxsin X9 ist eine echte Audio-Zentrale – nicht nur für Kopfhörer.

Kopfhörer-Ausgänge (Front):

  • 6,35 mm Klinke (Single-Ended, asymmetrisch)
  • 4,4 mm Pentaconn (Balanced, symmetrisch) – hier gibt es die volle Power (6.400 mW @ 16 Ω)
  • XLR4 Balanced (symmetrisch)

Alle Buchsen sind hochwertig verarbeitet, die Klinkenbuchsen haben dezent goldfarbene Ringe – ein schöner Farbakzent, der nicht billig wirkt.

Digitale Eingänge (Rückseite):

  • USB‑B (für USB-Audio, High-Res bis 768 kHz PCM, DSD512)
  • USB‑C (OTG-Standard, ideal um iPhone/iPad direkt anzuschließen)
  • USB‑A (nur für Firmware-Updates via USB-Stick)
  • Coax S/PDIF (Standard Digital Audio)
  • Toslink (optisch, für TV oder ältere Komponenten)
  • HDMI ARC (seltenes Feature für einen Desktop-DAC, ermöglicht Audio-Rückkanal vom Smart-TV in den Luxsin X9)
  • Bluetooth 5.0 (SBC, AAC, LDAC, aptX)
  • WiFi (für App-Steuerung und OTA-Updates)

Analoge Eingänge (Rückseite):

  • Stereo-Cinch (RCA) für CD-Player, Streamer oder andere analoge Quellen

Ausgänge (Rückseite – die Vorverstärker-Funktion):

  • XLR-Ausgänge (symmetrisch) für externe Endstufen oder Aktivlautsprecher
  • Cinch-Ausgänge (asymmetrisch, RCA)
  • Subwoofer-RCA-Ausgänge (Dual) – das ist selten; damit lässt sich ein vollständiges 2.2‑Stereo-Setup aufbauen (Stereo-Lautsprecher + zwei Subwoofer)

Smart Features:

  • Trigger-In/Out-Buchsen (Mono-Klinke)

App-Steuerung:
Die Luxsin Remote App ist verfügbar für iOS und Android. Es gibt außerdem ein Web-Panel im Browser, wenn der Luxsin X9 über WiFi im Netzwerk hängt. Aktuell ist die Oberfläche nur auf Englisch und Chinesisch verfügbar, laut Hersteller soll Deutsch folgen. Die App ist intuitiv, Tuning-Kurven werden visualisiert und PMEQ-Settings (Parametric EQ) lassen sich einfach anpassen. Luxsin schiebt regelmäßig Firmware-Updates nach – gut für Bugfixes und neue Features, aber man lebt damit auch mit einem Gerät, das softwareseitig in Bewegung bleibt.

Design & Verarbeitung

Massives Aluminium mit soliden Alu-Planken – kein Kunststoff mit Alu-Blende wie bei manchen Konkurrenten. Das Finish ist gebürstet statt hochglänzend, was Fingerabdrücke deutlich entschärft. Die leicht schräg gestellte Frontplatte mit ihren facettierten Ecken gibt dem Luxsin X9 ein modernes Aussehen, ohne zu aufdringlich zu wirken.

Das 4‑Zoll-Farb-Touchscreen (TFT-LCD) ist das visuelle Highlight. Die virtuellen VU-Meter sehen täuschend echt aus, vollständig animiert mit Schatten und Beleuchtung. Du kannst zwischen 14 verschiedenen grafischen Varianten wählen (Black VU, Classic VU, Neon usw.). Die Lesbarkeit ist auch aus seitlichen Blickwinkeln hervorragend, die Helligkeit ist einstellbar.

Die Bedienelemente (Front)

  • Minimalistisches Design – nur Lautstärke-Drehregler (rechts) und Power-Taste.

Der Lautstärke-Regler bietet ein sehr befriedigendes, gerastertes Feedback mit gut hörbaren Relais-Klicks – nicht zu straff, nicht zu leichtgängig. Die Haptik ist klar im Premium-Segment angesiedelt. Das Display zeigt bei Lautstärke-Änderungen eine „R2R“-Dezibel-Anzeige an.

Wärmeentwicklung:
Im Idle-Betrieb liegen an der Oberseite rund 30 °C an – warm genug, dass man im Winter gerne mal die Hand darüber streicht, aber nie unangenehm heiß. Es gibt keinen aktiven Lüfter; die Kühlung erfolgt passiv über das Gehäuse.

Bedienung & Features

Da es sich in erster Linie um einen Desktop-DAC handelt, erfolgt die primäre Bedienung über das Touchscreen. Natürlich lässt sich der Luxsin X9 auch bequem mit der Fernbedienung oder über die App steuern, wobei in der App nicht alle Optionen verfügbar sind.

HP-EQ (Kopfhörer-Spezifische Profile) – DAS UNIQUE FEATURE

Das ist das Killer-Feature des Luxsin X9. Luxsin hat eine Datenbank mit rund 2.500 Kopfhörer-Profilen vorinstalliert. Wenn du deinen Kopfhörer anschließt, tippst du seinen Namen ins Menü, wählst eines oder mehrere EQ-Profile, und der Luxsin X9 passt den Frequenzgang automatisch an – per DSP. Das funktioniert ähnlich wie EQ-Ansätze auf Basis gemessener Kopfhörerprofile, wie man sie von Roon oder Harman-Target-Curves kennt. Die Idee dahinter: Jeder Kopfhörer bringt charakteristische Verfärbungen mit. Der Fosi i5 ist dir zu zurückhaltend in den Höhen? Die EQ gleicht das aus. Der Verum 2 ist zu hell? Wird korrigiert. Dein Kopfhörer profitiert merklich von dieser Anpassung – nicht subtil, sondern klar hörbar.

Im Ergebnis wirkt HP‑EQ wie ein fehlendes Bindeglied im Head‑Fi‑Setup: Auf Basis realer Messdaten biegt der Luxsin X9 den Frequenzgang vieler Modelle in Richtung einer ausgewogeneren Zielkurve, sodass bekannte Kopfhörer plötzlich wie „fertig abgestimmte“ Hörer klingen – ohne Messmikrofon, REW oder stundenlange EQ‑Bastelei. Ich konnte fast alle Kopfhörer hier im Haus in der Datenbank finden. Lediglich der Sennheiser HD550 fehlt. Schade – wahrscheinlich hätte ihn dieses Feature noch eine Klasse nach oben befördert.

Crossfeed (Digital)

Es gibt drei verschiedene Crossfeed-Level. Die Funktion arbeitet sehr überzeugend: Sie imitiert eine lautsprecherähnliche Räumlichkeit und reduziert die typische „In-Head-Localization“, also das Gefühl, dass alles „im Kopf klebt“. Ideal für lange Listening-Sessions mit weniger Kopfhörer-Ermüdung. Wichtig: Es klingt nicht hohl oder künstlich wie manche schlechten analogen Crossfeed-Implementierungen.

Weitere DSP-Features

  • Stereo-Weite/Soundstage-Adjustment (Depth & Width einstellbar)
  • Musikstil-Presets (vorkonfigurierte DSP-Kurven)
  • 3‑Band-EQ (Bass/Mitten/Höhen)
  • Subwoofer-Weiche (Crossover-Frequenz einstellbar)
  • PMEQ (Parametric Equalization) über das Web-Panel fein konfigurierbar

Allgemeiner Klangcharakter & Bühne 

Im Grundcharakter spielt der Luxsin X9 neutral mit einem leichten Schuss Wärme: Der Bass ist schnell, trocken und kontrolliert, geht tief hinunter, ohne in den Mittelton zu bluten, Stimmen stehen sauber und natürlich im Raum, und der Hochton bringt Glanz und Luft, ohne scharf oder nervös zu werden. Der Hintergrund bleibt dabei „pitch‑black“ – selbst bei niedrigen Pegeln hörst du praktisch kein Rauschen, was in Kombination mit der R2R‑Lautstärkeregelung gerade Leisehörer glücklich macht.

Die Bühne ist standardmäßig eher mittlere Größe mit leicht frontaler Präsentation, dafür sehr klar geschichtet: Vocals und Leads stehen greifbar vorne, Rhythmus‑Sektion und Effekte staffeln sich sauber dahinter. Aktivierst du Crossfeed und die Soundstage‑Erweiterung, lässt sich dieses Bild erstaunlich weit aufziehen, ohne ins Künstliche abzudriften – du bekommst mehr Breite und Luft um Instrumente, ohne dass es nach billigem Hall‑Effekt klingt oder einfach nur der Hochton angehoben wird. Gerade bei längeren Sessions macht das Hörermüdung spürbar geringer, weil die typische „im Kopf festgetackerte“ Bühne einem eher lautsprecherähnlichen Raumgefühl weicht.

Spannend wird es, wenn der X9 seine DSP‑Tricks ausspielt. HP‑EQ fühlt sich in der Praxis an, als würden deine Kopfhörer ein Firmware‑Update für ihren Klang bekommen: Auf Basis realer Messdaten von rund 2.500 Modellen werden Peaks geglättet, Basslöcher aufgefüllt und die Gesamttonalität näher an eine saubere Zielkurve herangezogen. Besonders Kopfhörer mit „berühmten“ Eigenheiten – etwas zu heller Oberton, Badewannen‑Tuning, dünner Bass – profitieren massiv, weil der X9 ihre Stärken betont und die Schwächen beschneidet, ohne den Grundcharakter komplett zu erschlagen. Unterm Strich wirkt HP‑EQ wie das fehlende Bindeglied im Head‑Fi‑Setup: Statt den nächsten Hörer zu kaufen, hebst du mit einem Klick den vorhandenen eine Klasse nach oben.

Leistungsmäßig hat der Luxsin X9 nicht nur für deinen Verum 2 oder Fosi i5 genügend Reserven, sondern auch für große Planare – Berichte mit HIFIMAN‑Kalibern zeigen, dass selbst bei hohen Pegeln kein Eindruck von Kompression oder Weichzeichnung entsteht. Gleichzeitig bleibt er mit sinnvoll gewählter Gain‑Stufe auch an empfindlichen IEMs sehr leise im Rauschteppich, was in dieser Leistungsklasse alles andere als selbstverständlich ist. Dass die Impedance‑Detection den Gain passend vorsortiert, macht die ganze Power im Alltag gut beherrschbar, statt dir nur theoretische Wattzahlen auf dem Papier zu liefern.

Richtig charmant ist der Luxsin X9 dann als Schreibtisch‑Zentrale im 2.1‑ oder 2.2‑Betrieb: Über die beiden Sub‑Ausgänge und die einstellbare Subwoofer‑Weiche lassen sich Aktivmonitore und ein oder zwei Subs sauber ankoppeln – etwas, das man bei Desktop‑DAC/Amps dieser Art fast nie sieht. Damit kannst du tagsüber mit Kopfhörer und HP‑EQ arbeiten und abends mit einem Klick auf Lautsprecher + Sub umschalten, ohne die Klangsignatur komplett zu verlieren: straffe Bässe, aufgeräumter Mittenbereich, kontrollierte Höhen – nur eben mit mehr Luftbewegung im Magenbereich. Für Metal, Spiele und Filme ist das eine Kombination, die schnell süchtig macht, weil sie Studio‑Kontrolle und Spaßfaktor ziemlich elegant unter einen Hut bringt.

Höreindruck

Was für ein Technik-Brett. Für einen DAC gibt es hier erstaunlich viel zu entdecken – und genau das lädt zum Spielen und Ausprobieren ein. Gerade die Kombination aus kräftigem Kopfhörerverstärker, DSP-Spielwiese und Subwoofer‑Integration erinnert ein wenig an den Burson Conductor GT4: Der Subwoofer will plötzlich auch mit euren Kopfhörern mitspielen – ein ziemlich irres Erlebnis.

Natürlich durfte auch meine Metal‑Referenz‑Playlist nicht fehlen. Dazu kamen YouTube, Filme, Serien, Spiele – einmal das ganze Alltagspaket. Der Luxsin X9 hat in der Testzeit dauerhaft auf meinem Schreibtisch gestanden und wurde an guten Tagen locker 10 Stunden am Stück genutzt. Bei knapp 300 Stunden Spielzeit kennt man die Kiste langsam ziemlich gut.

Im Alltag bleibt der Luxsin X9 dem beschriebenen Grundcharakter treu: neutral bis leicht warm, straffer, kontrollierter Bass, sauberer Mittelton und eine klare, luftige, aber nicht nervige Höhenwiedergabe. Der Hintergrund bleibt „pitch‑black“, nichts rauscht, nichts zischelt – selbst bei niedrigen Pegeln wirkt alles kontrolliert und aufgeräumt. Erst wenn man DSP, HP‑EQ und Crossfeed dazuschaltet, merkt man, wie viel Potential da noch oben drauf kommt.

Luxsin X9 X Verum 2

Der Verum 2 ist ein großartiger Kopfhörer, gebaut von einem zugegeben etwas kontroversen Hersteller. Wie so oft bei mir handelt es sich um einen offenen Planar – hier mit den optionalen „ventilated Earpads“, um etwas mehr Tiefbass herauszukitzeln. Am Luxsin X9 angestöpselt und das passende Profil im HP‑EQ aktiviert, passiert genau das, was man sich insgeheim wünscht: Aus einem sehr guten Kopfhörer wird ein affengeiler Kopfhörer.

HP‑EQ bügelte beim Verum 2 die typischen Eigenheiten glatt: Der Bass gewinnt an Fundament, ohne aufzuquellen, die Mitten rücken etwas sortierter ins Zentrum und die Höhen verlieren ein Stück Schärfe, behalten aber Luft und Detail. Versteht es nicht falsch – der Verum 2 ist auch „pur“ ein toller Hörer –, aber es fühlt sich an, als bekäme er ein kostenloses Tuning‑Upgrade. Mehr Linearität, weniger Nervigkeit, stimmigere Tonalität. So sollte dieser Kopfhörer eigentlich ab Werk klingen.

Luxsin X9 X Fosi Audio i5

Der Fosi Audio i5 ist so ein bisschen der Geheimtipp 2025: für den Preis ein erstaunlich erwachsener Klang, der einige etablierte Hersteller sichtbar nervös gemacht hat. Klar, der Start war holprig, Fosi hat aber schnell nachgebessert und die Kinderkrankheiten überarbeitet. Am Luxsin X9 knüpft der i5 genau da an – nur eben eine Stufe höher.​

Mit aktiviertem HP‑EQ bekommt der i5 das, was ihm viele attestieren: ein sehr stimmiges, „großes“ Klangbild für kleines Geld, aber mit weniger Ecken und Kanten. Der Bass wirkt kontrollierter und definierter, Stimmen rücken natürlicher in den Vordergrund, und der Hochton verliert Härte, ohne langweilig zu werden. Unterm Strich hebt der Luxsin X9 den Fosi Audio i5 in eine andere Liga – nicht, weil er ihn verbiegt, sondern weil er seine Stärken betont und die Schwächen wegschneidet.

Einordnung & mögliche Kritikpunkte

Im Vergleich zu typischen Mess‑Boliden à la Topping DX9 oder ähnlichen Designs spielt der Luxsin X9 etwas wärmer und entspannter, punktet dafür mit deutlich mehr Features und Flexibilität. Für Besitzer eines Eversolo DMP‑A8 ist er weniger spannend, weil sich DAC‑Teil und viele Funktionen überschneiden – spannend wird er vor allem als dedizierter Head‑Fi‑Hub mit HP‑EQ und Sub‑Integration.

Kleine Schattenseiten gibt es auch: Einen Ethernet‑Port sucht man vergeblich, alles läuft über WLAN oder USB. Die Relais‑Klicks der R2R‑Lautstärkeregelung sind gewollt und haptisch toll, in sehr leisen Umgebungen aber hörbar – Geschmackssache. Und wer statt leicht wärmer, „musikalischer“ Abstimmung lieber maximal analytische, knallharte Neutralität mit messfokussiertem Minimalismus sucht, wird bei Topping & Co. wahrscheinlich glücklicher.

Fazit

Der Luxsin X9 ist für mich so ein Gerät, das man anfangs wegen der Optik und der Technik-Gimmicks spannend findet – und am Ende wegen der Alltagstauglichkeit und des Klangtunings behält. Er ist kein puristischer „Nur-DAC“, sondern ein vollwertiges Head‑Fi‑Control‑Center: kräftiger Kopfhörerverstärker, sehr guter DAC, flexible Vorstufe mit Sub‑Ausgängen und dazu eine DSP-Werkzeugkiste, die deinen vorhandenen Kopfhörern im besten Fall ein Klang‑Firmware‑Update verpasst.

Wer maximale Analytik, klinische Neutralität und „Messwerte first, Features egal“ sucht, findet bei Burson (Conductor GT4), Topping & Co. wahrscheinlich die spannendere Lösung. Der Luxsin X9 zielt eher auf Hörer, die eine saubere, leicht warme, kontrollierte Abstimmung mögen und Lust haben, mit HP‑EQ, Crossfeed, Parametric‑EQ und 2.1/2.2‑Setup aktiv zu gestalten. In dieser Rolle macht er verdammt viel richtig: genug Power für große Planare, pechschwarzer Hintergrund, sehr gute Verarbeitung, starkes Display, und eine EQ‑/Profil‑Sektion, die aus „guten“ Hörern sehr oft „sehr gute“ Hörer macht.

Perfekt ist er nicht: kein LAN-Port, viele Funktionen hängen am Firmware‑Status, die Relais‑Klicks der R2R‑Lautstärke muss man mögen und der Grundsound im Bypass wirkt etwas „zu brav“. Aber unterm Strich ist der Luxsin X9 aktuell einer der spannendsten All‑in‑One‑DAC/Amps für den Schreibtisch – vor allem, wenn du mehr willst als nur „Signal rein, Signal raus“ und dein Head‑Fi‑Setup wirklich als Spielwiese und Werkzeug gleichzeitig begreifst.

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Eversolo DMP-A8: Streamer, DAC und Vorstufe in einem – das Rundumpaket unter 2.000 Euro https://www.hifigeek.de/eversolo-dmp-a8/ https://www.hifigeek.de/eversolo-dmp-a8/#respond Thu, 23 Nov 2023 15:19:00 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=10881 Mit dem Eversolo DMP-A8 legt Eversolo nach dem DMP-A6 nochmal nach – und diesmal deutlich. Der Eversolo DMP-A8 ist Streamer, DAC und vollsymmetrische Vorverstärker-Vorstufe in einer Box, für 1.980 Euro. Das ist mehr als doppelt so viel wie der A6 in seiner Basisversion. Dafür bekommt man entsprechend mehr Hardware, ein ernsthafteres Netzteil-Konzept und eine deutlich erweiterte Anschlussphilosophie.

Eversolo ist ein Ableger von Zidoo, einem chinesischen Hersteller aus Shenzhen, der seit Jahren Mediaplayer baut. Das erklärt auch, warum diese Geräte in Sachen UI und App-Erfahrung oft angenehm überraschen – da steckt Media-Player-DNA drin, die man bei klassischen HiFi-Herstellern so nicht bekommt.

Was will der Eversolo DMP-A8 sein?

Die Positionierung ist klar: Der Eversolo DMP-A8 soll das Herzstück einer modernen Stereoanlage sein. Nicht nur Quellgerät, sondern gleich die komplette Schaltzentrale. Wer bisher einen separaten Streamer, einen DAC und eine Vorstufe betrieben hat, kann das theoretisch auf eine Box reduzieren. Das ist der Pitch.

Ob das in der Praxis wirklich die richtige Entscheidung ist, hängt natürlich von der Restkette ab. Aber der Gedanke ist nachvollziehbar, und das Konzept ist nicht neu – der Unterschied hier ist, dass die einzelnen Komponenten tatsächlich nicht nach Kompromiss klingen sollen.

Die Hardware: Was da reingesteckt wurde

Das Herzstück des Eversolo DMP-A8 ist das AKM-Duo AK4191EQ plus AK4499EX. AKM nennt das “Velvet Sound” und trennt dabei digitale Vorverarbeitung (AK4191EQ) und eigentliche D/A‑Wandlung (AK4499EX) auf zwei Chips auf – laut Hersteller zugunsten von Rauschverhalten und Klangreinheit. Das AK4499EX ist AKMs aktuelles Flaggschiff-DAC-Chip. Was das in der Praxis bedeutet: Die Chips sind gut, aber Chips sind nur ein Teil der Geschichte. Implementierung zählt genauso.

Eversolo hat das offenbar ernst genommen. Die analoge Sektion wird über ein linear geregeltes Netzteil mit Ringkerntransformator versorgt, die digitale Sektion über ein separates Schaltnetzteil. Dual-Netzteil also – und nicht nur als Marketingbegriff, sondern mit wirklich getrennten Versorgungszweigen. Das ist bei Geräten in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich.

Dazu kommen zwei Accusilicon Femtosekunden-Taktgeber (45,1584 MHz und 49,152 MHz), die für die Sampleraten-Familien 44,1 kHz und 48 kHz zuständig sind. Jitter-Minimierung als konkretes Designziel, nicht nur als Sticker auf der Verpackung. Als Op-Amps kommen OPA1612 zum Einsatz, bekannt für niedrige Verzerrungswerte (laut Hersteller THD+N: ‑120 dB, SNR: 128 dB). Die Lautstärkeregelung erfolgt über ein R2R-Widerstandsnetzwerk mit Omron-Relais – also keine digitale Absenkung, sondern echte analoge Pegelregelung in 0,5- oder 1‑dB-Schritten. Das Klicken der Relais beim Drehen ist physisch hörbar und für manche ein Feature, für andere Gewöhnung.

Für die digitale Aufbereitung sitzt ein XMOS XU316 (3. Generation, 16 Kerne) an Bord, der die USB-Audio-Schnittstelle managed und bis zu PCM 768 kHz / 32 Bit sowie DSD512 verarbeitet. Kondensatoren von WIMA, Nichicon und Murata, Relais von Omron – wer Bauteilelisten mag, findet hier einiges, das für ein Gerät unter 2.000 Euro ungewöhnlich ist.

Das Gehäuse besteht aus CNC-gefrästem Flugzeugunaluminium, misst 388 x 248 x 90 mm und bringt rund 5 Kilogramm auf die Waage. Auf der Front sitzt ein 6‑Zoll-LCD-Touchdisplay in hoher Auflösung mit VU-Metern, Spektraldarstellung und Albumcover. Das Display ist dasselbe wie beim A6 – was kein Nachteil ist, denn es war schon dort eines der besten seiner Art.

Was es anders macht als die Konkurrenz

Der springende Punkt beim Eversolo DMP-A8 gegenüber anderen Streamern in diesem Bereich ist die vollsymmetrische analoge Vorstufe. Es gibt RCA- und XLR-Analogeingänge – für Plattenspieler (mit externer Phonostufe), CD-Transport oder sonstige Quellen. Plus HDMI ARC-Eingang, womit auch der Fernseher über den A8 klanglich besser versorgt werden kann als über seine eigenen Ausgänge. Und ein HDMI I2S-Ausgang, um den internen DAC zu umgehen und den A8 als reinen Streamer-Transport vor einen externen Wandler zu schalten.

Das ist ein Vollsortiment. Der WiiM Ultra (~349 Euro) kann vieles davon im Kleinen, aber keine vollsymmetrische Vorverstärkung und kein Dual-Netzteil. Der Auralic Aries G1.1 (~1.900 Euro) ist als reiner Streamer-Transport gebaut, ohne internen DAC. Der Lumin U2 Mini liegt ähnlich preislich, ist aber ebenfalls ohne DAC. Ein Lumin T3 (~2.500 Euro) kommt dem A8-Konzept näher, kostet aber mehr.

Die EOS Audio Engine – Eversolos eigens entwickelte Android-Schicht – löst außerdem ein chronisches Android-Problem: Normalerweise mischt Android alle Audioquellen durch seinen eigenen SRC-Mixer, was Resampling bedeutet. EOS umgeht das und ermöglicht bit-perfekte Ausgabe direkt aus Drittanbieter-Apps. Apple Music Hi-Res, Spotify, was auch immer – kommt an, wie es soll. Das ist relevant, weil viele Streamer auf Android-Basis das offiziell nicht können, auch wenn sie es manchmal behaupten.

Roon Ready ist das Ding natürlich auch. Dazu Tidal Connect, Spotify Connect, DLNA, AirPlay 2 und das übliche Protokoll-Sortiment. Eine Steuerapps für iOS und Android gibt es ebenfalls, die laut Nutzerfeedback tatsächlich benutzbar ist – was nicht immer selbstverständlich ist in dieser Kategorie.

Ein M.2‑NVMe-SSD-Slot (bis 4 TB, SSD nicht inklusive) erlaubt lokale Musikbibliothek im Gerät. Neat.

Markteinordnung: Was kostet das, was bekommt man

1.980 Euro ist für ein All-in-One-Gerät dieser Kategorie kein schlechter Preis. Wer das aufdröselt: Ein ordentlicher Netzwerk-Streamer allein (Auralic, Primare, Lumin) kostet ab 1.000 Euro aufwärts. Ein anständiger DAC mit AKM-Flaggschiff-Chip nochmal 500 bis 1.000 Euro. Eine vollsymmetrische Vorstufe dann nochmal. Wer das einzeln kaufen will, landet schnell bei 4.000 Euro und mehr – und hat dann drei Geräte auf dem Rack.

Der Eversolo DMP-A8 macht das in einer Kiste. Das ist die Aussage. Ob das klanglich auf dem Niveau von drei wirklich guten Einzelgeräten landet, ist eine andere Frage – und die hängt von der Restkette ab. Als Streamingzentrale für eine hochwertige Anlage ohne separaten DAC oder Vorstufe ist das Preis-Leistungs-Verhältnis aber nachvollziehbar interessant.

Preis und Verfügbarkeit

Der Eversolo DMP-A8 ist in Schwarz erhältlich und kostet in Deutschland 1.980 Euro UVP. Erhältlich unter anderem bei Projekt Akustik, HiFiSound, Nubert und weiteren Fachhändlern sowie über eversolo.de direkt. Optional gibt es Konfigurationen mit vorinstallierter M.2‑SSD (2 TB oder 4 TB) zu entsprechendem Aufpreis. Bluetooth-Fernbedienung liegt beim Lieferumfang bei.

Einordnung

Die Frage, die bleibt: Wer noch eine wirklich gute separate Vorstufe besitzt, braucht den DMP-A8 in seiner Vollstrecke nicht zwingend – da reicht ein dedizierter Streamer/DAC wie der DMP-A6 ME. Wer hingegen aufräumen, vereinfachen oder eine neue Anlage aufbauen will: Der Eversolo DMP-A8 ist eine der wenigen Kisten unter 2.000 Euro, bei der man nicht das Gefühl hat, dass irgendwo gespart wurde, wo es wehtut. Das ist schon ein Ding.

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