Luxsin X9 HPEQ erklärt: Target Curves, Crossfeed & Tipps für Kopfhörer

Ich habe den Lux­sin X9 HPEQ schon eini­ge Zeit im Ein­satz und bin begeis­tert. Was mich aller­dings etwas über­for­dert, ist die Funk­ti­on ‘Sel­ect tar­get fre­quen­cy respon­se’. Da hät­te ich ger­ne mehr Infos oder Tipps dazu.

Die­se Nach­richt kam gera­de in mei­ne Comm­ents zu mei­nem Review-Video und ich muss­te schmun­zeln. Ich ken­ne die­ses Gefühl zur Genü­ge. Der Lux­sin X9 steht da auf dem Rack, sieht aus wie ein Kunst­werk, macht aus jedem Kopf­hö­rer ein High-End-Erleb­nis – und dann kommt die­ser Moment am Touch­screen: „Sel­ect tar­get fre­quen­cy respon­se“ mit 11 ver­schie­de­nen Optio­nen für dei­nen Kopfhörer.

Wer das Review noch nicht gele­sen hat: Hier geht es zum Lux­sin X9 Review-Arti­kel.

Luxsin X9 HPEQ Erklärung auch auf Youtube:

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Plötz­lich wird aus Begeis­te­rung leich­te Panik. Im Lux­sin X9 HPEQ steht „Har­man Over-Ear? HMS 1.3? cri­nacle EARS 711? oratory1990? Was soll der gan­ze Kram?“ Der Kopf raucht schnel­ler als ein Death-Metal-Riff bei 0:47. Ich war genau da – ers­te Woche mit dem X9 = aus­schließ­lich Bypass. Und dann hab ich mich hin­ge­setzt und jedes ein­zel­ne Pro­fil durchgetestet.

Wie der Luxsin X9 HPEQ wirklich funktioniert – ohne komplizierte Matheformeln

Ich habe unter ande­rem im Benut­zer­hand­buch sowie im Netz recher­chiert und durchprobiert.

Der Lux­sin X9 hat für den DSP‑Chip (AK7739) Zugriff auf über 2500 ech­te Mes­sun­gen von Kopf­hö­rern in der Cloud. Das sind kei­ne Simu­la­tio­nen, son­dern Fre­quenz­gän­ge, die mit pro­fes­sio­nel­len Mess­rigs wie GRAS 43AG (ähn­lich oratory1990 oder AutoEQ) auf­ge­nom­men wur­den und über den Lux­sin X9 HPEQ nutzbar.

Wenn du jetzt z.B. dei­nen Kopf­hö­rer aus­wählst und dann „Har­man Over‑Ear“ klickst, pas­siert fol­gen­des im Hintergrund:

  • Die Mess­da­ten dei­nes Kopf­hö­rers wer­den gela­den (z.B. Bass‑Dip um 80 Hz, klei­ner Peak bei 4 kHz).
  • Die Ziel­kur­ve wird gela­den (Har­man Over‑Ear 2018 = Bass‑Anhebung um ca. +6 dB bei 80 Hz, sanf­ter Höhen­ab­fall ab 5 kHz).
  • Der DSP rech­net in Echt­zeit die Fil­ter (Peaks, Dips, Shelfs), die den exak­ten Abstand zwi­schen dei­nem Kopf­hö­rer und der Ziel­kur­ve überbrücken.

Aus­ga­be: ein Fre­quenz­gang, der sehr nah an der Ziel­kur­ve liegt – aber dein Kopf­hö­rer bleibt dein Kopf­hö­rer mit sei­ner Büh­ne, Dyna­mik und Trans­pa­renz. Direkt von „wie mein Kopf­hö­rer klingt“ zu „wie er klin­gen soll“.

Alle 11 Target Curves – neutral erklärt

Hier sind alle 11 Optio­nen mit ihren Haupt­merk­ma­len, Mess­ba­sis und typi­schen Ein­satz­ge­bie­ten (nach bes­tem Wis­sen und Gewissen):

Flat

Gera­de Refe­renz­li­nie – 0 dB über das gesam­te Spek­trum, abso­lu­te Linea­ri­tät.
Wann: Zum Ver­gleich mit Bypass oder als Refe­renz für eige­ne PEQ‑Anpassungen. Für Mixing/Mastering‑Checks, wenn du hören willst, wie der Kopf­hö­rer „wirk­lich“ klingt.

Harman Over‑Ear

Har­man Rese­arch 2018 (Over‑Ear) – Bass‑Anhebung ca. +6 dB bei 80 Hz, natür­li­che Mit­ten, sanf­ter Treble‑Rolloff ab 5 kHz. Blindtest‑basiert für brei­ten Appeal.
Wann: Dai­ly Dri­ver für 90% aller Musik. Pop, Rock, Hip‑Hop, EDM – der Klang, den die meis­ten Men­schen als „natür­lich“ empfinden.

Harman Over‑Ear HMS 1.3

Har­man mit HMS‑Messstandard 1.3 – prä­zi­se­rer Bass (+5 dB), glat­te­re Höhen, mini­ma­le Pha­sen­ver­zer­run­gen.
Wann: Län­ge­re Listening‑Sessions (Pod­casts, Hör­bü­cher, Pro­gres­si­ve Metal). Weni­ger Höhen‑Fatigue, etwas prä­zi­ser als Standard‑Harman.

crinacle EARS 711 Harman Over‑Ear 2018

crinacle’s EARS‑711‑Rig + Har­man 2018 – stär­ke­rer Bass (+8 dB), Peak‑Korrektur um 3–4 kHz, für die­se Mess­geo­me­trie opti­miert.
Wann: Für Bass‑Liebhaber: Death Metal, Hard­core, Hip‑Hop, Trap. Ide­al für bass‑schwache Planar‑ oder offe­ne Kopfhörer.

AutoEQ In‑Ear

AutoEQ‑Datenbank für In‑Ears – straf­fer Bass (+4 dB), neu­tra­le Mit­ten, IEM‑typische Höhen­an­he­bung.
Wann: Kom­ple­xe Musik mit vie­len Gitarren/Layern: Melo­dic Death, Pro­gres­si­ve Metal, Jazz. Eher enge Büh­ne, sehr prä­zi­se Trennung.

HMS 1.3 AutoEQ In‑Ear

HMS 1.3 Stan­dard + AutoEQ – kon­trol­lier­ter Bass, prä­zi­se Mit­ten, mini­ma­le Reso­nan­zen.
Wann: Death­co­re, Dub­step und moder­ne Pro­duk­tio­nen mit viel Low‑End – straffs­te Kicks, kon­trol­lier­te Breakdowns.

Diffuse Field 518 (dB/oct)

Diffuse‑Field‑Simulation (518 dB/oct) – nahe­zu linea­re Kur­ve, leich­te Höhen­an­he­bung, frei­es Schall­feld nach­ge­ahmt.
Wann: Klas­sik, Jazz, Akus­tik. Ana­ly­ti­sche Gen­res, bei denen du jedes Detail hören willst. Eher Studio‑Referenz als „Spaß‑Klang“.

LMS 20G ohne Bass

LMS20G‑Messrig, bass­re­du­ziert – Fokus auf Mitten/Höhen, Bass unter 100 Hz deut­lich abge­senkt.
Wann: Vokal­las­ti­ge Musik: Singer‑Songwriter, Oper, Post‑Rock. Wenn Stim­men wirk­lich im Vor­der­grund ste­hen sollen.

oratory1990 In‑Ear

oratory1990‑Messungen für In‑Ears – sehr prä­zi­se Höhen ab 8 kHz, kon­trol­lier­ter Bass, gerin­ge Ver­zer­run­gen.
Wann: Black Metal, Tech­ni­cal Death, alles mit viel Atmo­sphä­re in den Höhen und fein auf­ge­lös­ten Becken.

oratory1990 Over‑Ear

oratory1990‑Messungen für Over‑Ears – aus­ge­wo­ge­ner Bass/Mitten/Höhen, Studio‑Referenz‑Charakter.
Wann: Studio‑Qualität für alle Gen­res. Neu­tral, aber nicht ste­ril – wenn du „rich­ti­gen“ Klang ohne Schön­fär­be­rei suchst.

Harman Over‑Ear 2013

Har­man Rese­arch 2013 (frü­he Ver­si­on) – mil­der Bass‑Boost (+4 dB), wei­che­re Über­gän­ge als 2018.
Wann: Retro‑Klang: 70er/80er Rock, älte­re Auf­nah­men. Weni­ger aggres­siv und etwas ent­spann­ter als die 2018‑Version.

Den Luxsin X9 HPEQ noch weiter customizen

Natür­lich muss es nicht dabei blei­ben. Du kannst vor­han­de­ne Kur­ven nach dei­nen Wün­schen anpas­sen oder kom­plett eige­ne PEQ‑Einstellungen erstel­len. Beson­ders prak­tisch, wenn du den Lux­sin X9 auch als Vor­stu­fe für dei­ne HiFi‑Anlage nutzt – und ja: Der Pre‑Out über­nimmt 1:1 die Lux­sin X9 HPEQ‑Einstellungen (inkl. PEQ und Crossfeed).

In der App klickst du beim Lux­sin X9 HPEQ auf den Plus‑Button neben dei­nem Kopf­hö­rer­mo­dell und gibst einen Namen für dein eige­nes Pro­fil ein. Wenn du das machst, nach­dem du dei­ne Lieblings‑Kurve gewählt hast, wird die­se auto­ma­tisch über­nom­men. Danach kannst du PEQ, Cross­feed & Co. nach dei­nem Geschmack feintunen.

Für HiFi‑Anlagen (mit REW und kali­brier­tem Mikro­fon wie dem mini­DSP UMIK‑1):

  • Neu­es Pre­set anle­gen → „Flat“ als Basis wäh­len → Name vergeben
  • In REW dei­ne Anla­ge ein­mes­sen → im EQ‑Fenster eine Target‑Curve erstellen
  • Save Fil­ter Coef­fi­ci­ents to File“ (Text­da­tei mit Biquad‑Filtern) exportieren
  • Im Lux­sin X9 HPEQ → „Batch Edit / Import“ → REW‑Datei laden → fertig

Tipp: Der Lux­sin X9 merkt sich beim Swit­chen zwi­schen Kopfhörer‑Ausgang und XLR/Cinch die jeweils gewähl­ten Pro­fi­le – damit hast du auch am Pre‑Out digi­tal per­fekt kor­ri­gier­ten Klang bis zum Verstärker.

Crossfeed – Lautsprecher‑Klang aus Kopfhörern

Cross­feed ver­sucht, den typi­schen „Kopf­klang“ von Kopf­hö­rern zu ent­schär­fen und sie ein Stück weit wie Laut­spre­cher im Raum klin­gen zu las­sen. Die Idee: Ein wenig vom lin­ken Signal gelangt zeit­ver­zö­gert und lei­ser aufs rech­te Ohr (und umge­kehrt), so wie es bei ech­ten Laut­spre­chern auch passiert.

Die Basis dahin­ter heißt bs2b – Bau­er Ste­reo to Bin­au­ral. Dahin­ter steckt ein Algo­rith­mus, der genau die­se Übersprech‑ und Lauf­zeit­ef­fek­te nach­bil­det: Ein gefil­ter­ter Anteil des Nach­bar­ka­nals wird hin­zu­ge­mischt, im Hoch­ton etwas abge­senkt, im Timing leicht ver­scho­ben. Dadurch ver­schiebt sich die Büh­ne weg von „mit­ten im Kopf“ nach vor­ne, Stim­men wan­dern eher in die Mit­te des Raums, und lan­ges Hören wirkt weni­ger anstrengend.

In der Luxsin‑App taucht das als drei bs2b‑Presets auf:

BS2B relax (650 Hz, 9.5 dB)

Bei „relax“ setzt der Algo­rith­mus etwas tie­fer an und greift kräf­ti­ger zu. Stim­men und zen­tra­le Instru­men­te wer­den stark in die Mit­te gezo­gen, das Pan­ora­ma wirkt ins­ge­samt wei­cher und ent­spann­ter. Die­se Ein­stel­lung bie­tet sich für lan­ge Hör­ses­si­ons, Hör­bü­cher oder eher har­sche Auf­nah­men an, bei denen du mög­lichst kom­for­ta­bel und wenig ermü­dend hören möchtest.

BS2B default (700 Hz, 4.5 dB)

Das ist die neu­tra­le Grund­ein­stel­lung. Die Crossfeed‑Wirkung ist hör­bar, aber zurück­hal­tend: Die Büh­ne rutscht etwas nach vor­ne, der Mix wirkt geschlos­se­ner, ohne dass sich der Klang­cha­rak­ter stark ver­än­dert. Ide­al, wenn du Cross­feed zum ers­ten Mal aus­pro­bierst oder ein­fach nur ein biss­chen weni­ger „im Kopf“ hören möchtest.

BS2B polular (700 Hz, 6 dB)

Hier arbei­tet bs2b mit der glei­chen Trenn­fre­quenz, aber höhe­rem Pegel – der Effekt ist deut­lich stär­ker. Das hilft vor allem bei älte­ren oder sehr hart links/rechts gemisch­ten Pro­duk­tio­nen, etwa klas­si­schem Rock oder aggres­siv gemas­ter­tem Metal, wo Gesang, Sna­re oder Gitar­ren zu weit außen kle­ben. Mit „polu­lar“ rücken die­se Ele­men­te hör­bar in die Mit­te, ohne dass die Stereo‑Breite kom­plett zusammenfällt.

Fazit

Unterm Strich nimmt dir der Lux­sin X9 HPEQ und Cross­feed den größ­ten Teil der Kopfhörer‑Bastelei ab – übrig bleibt nur noch die ange­nehms­te Auf­ga­be: Musik hören.

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