Eversolo - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de Modern Audio für HiFi, Kopfhörer & Heimkino Fri, 30 Jan 2026 09:23:18 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 https://www.hifigeek.de/media/cropped-hifigeek.de-512-32x32.png Eversolo - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de 32 32 60029611 Luxsin X9 im Test: Head‑Fi‑Control‑Center mit HP‑EQ, Sub‑Power und Firmware‑Upgrade für deine Kopfhörer https://www.hifigeek.de/luxsin-x9-im-test/ https://www.hifigeek.de/luxsin-x9-im-test/#respond Wed, 28 Jan 2026 15:00:00 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=9737 Ich war schon im Sommer sehr neugierig auf den Luxsin X9, habe ihn dann aber wieder aus den Augen verloren. Nichtsdestotrotz steht er jetzt auf meinem Schreibtisch und ich konnte das gute Stück etwa vier Wochen unter die Lupe nehmen – oder besser gesagt: in einen für ihn vielleicht anstrengenden Dauertest schicken. Wenn dem so war, hat sich der Luxsin X9 das keinesfalls anmerken lassen. So viel sei verraten.

Vorab ein kurzer Disclaimer: Ich habe den Luxsin X9 vom deutschen Vertrieb audioNEXT kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. audioNEXT oder irgendjemand sonst nimmt keinen Einfluss auf mein Review. Als unabhängiger Blog sind wir an keine geschäftlichen Beziehungen gebunden, die unsere Meinung verfälschen könnten..

Hier findet ihr mein Luxsin X9 Video‑Review auf YouTube

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Unboxing & Lieferumfang – erster Eindruck

Wer schon einmal Eversolo-Produkte ausgepackt hat, wird die Qualität kennen. Luxsin stammt ebenfalls aus dem Hause Zidoo. Die 3,7 kg des Luxsin X9 liegen direkt wertig in der Hand. Natürlich wird das Gerät gut gepolstert ausgeliefert, sodass dem massiven Aluminiumgehäuse mit seinen soliden Alu-Planken auf der Reise nichts passiert. Mit 30 x 20 x 6,5 cm ist das Gerät kompakt genug für den Schreibtisch. Auf dem HiFi-Rack wirkt es hingegen angenehm schlank und schmal.

Was liegt in der Box:

  • Netzkabel (Schuko-Standard, EU-Stecker)
  • Bluetooth-Fernbedienung (IR- und BT-kompatibel)
  • USB-B-Kabel (für USB-Audio)
  • USB-Type-C-OTG-Kabel (für iPhone/iPad direkt)
  • Benutzerhandbuch (mehrsprachig, vorerst ohne Deutsch)
  • Garantiepapiere & Quick-Start-Guide

Der erste Eindruck ist durchweg premium. Das 4‑Zoll-Farb-Touchscreen mit den virtuellen VU-Metern ist das Eye-Candy – sie sehen täuschend echt aus, sind vollständig animiert, etwa mit sanft-blauem Hintergrund. Luxsin bietet 14 verschiedene grafische Varianten zur Wahl, was eigentlich unnötig wirkt, aber durchaus charmant ist. Die facettierten Ecken des Gehäuses geben dem Luxsin X9 ein modernes Design, das nicht billig wirkt. Alle sichtbaren Seiten sind sauber verarbeitet, sogar die Unterseite. Schrauben siehst du nur an der Rückwand – alles andere wirkt wie aus einem Guss.

Technische Daten & Architektur

Was den Luxsin X9 technisch interessant macht

Der Luxsin X9 nutzt den AK4499EX DAC-Chip von Asahi Kasei Microdevices – derselbe, der auch im erfolgreichen Eversolo DMP-A8 Streaming-DAC verbaut ist. Das ist ein Vertrauenssignal. Daneben sitzt ein AK4191EQ für die IV-Konvertierung (digital zu analog). Die Signalverarbeitung erfolgt über einen AKM 7739 DSP-Chipsatz, der speziell die Headphone-EQ-Funktion steuert (dazu später mehr).

Die Kopfhörer-Verstärkerstufe

Die Kopfhörerendstufe ist vollständig symmetrisch aufgebaut und liefert bis zu 6.400 mW an 16 Ω über den 4,4‑mm-Balanced-Ausgang – das ist ordentlich Leistung. Über den 6,35-mm-Single-Ended-Anschluss oder XLR4 ist die Leistung etwas geringer, aber immer noch mehr als ausreichend. Der Verstärker-Chip ist ein TPA6120A2 in Kombination mit einem OPA1612 als Buffer. Das Besondere: Die Ausgangsstufe wurde speziell für den Luxsin X9 entwickelt und nicht einfach von Eversolo übernommen.

Das Netzteil ist clever aufgebaut

Ein Lineartrafo versorgt die analoge Sektion (für hohe Reinheit und guten Rauschabstand), ein Schaltnetzteil die digitale Sektion (für Effizienz). Im Inneren sitzt ein großer, gekapselter Ringkerntrafo – du wirst sein Gewicht beim Transport spüren. Die Ripple-Unterdrückung ist mit 40 nV extrem niedrig. Das bedeutet: Der Rauschgrund des Luxsin X9 ist in der Praxis nahezu nicht existent.

Spezifikationen

  • Dynamic Range / SNR: > 128 dB (sehr sauber)
  • THD+N @ KH-Output: < 0,00016% (extrem niedrig)
  • Crosstalk: > ‑117 dB (Kanaltrennung ausgezeichnet)
  • Kanalgenauigkeit (L/R‑Balance): 0,1 dB (beeindruckend präzise)
  • Frequenzgang: neutral-flach mit sanftem Roll-off in den obersten Höhen

Unterstützte Formate:

  • PCM bis 32 Bit / 768 kHz
  • DSD bis DSD512 (native)
  • Bluetooth 5.0 (SBC, AAC offiziell; LDAC & aptX werden unterstützt, aber nicht zertifiziert)
  • Asynchrones USB-Audio (kein Treiber nötig)

Innovative Features

Das Dynamic Negative Feedback System (DNF) nutzt die Kombination aus OPA1612 und TPA6120A2, um harmonische und intermodulative Verzerrungen signifikant zu reduzieren. Das praktische Resultat: Der Klang wirkt sauberer und transparenter, ohne zusätzliche Färbung.

Die R2R-Resistor-Array-Lautstärkeregelung ist ein echtes Highlight. Statt digital zu regeln, nutzt der Luxsin X9 1.024 diskrete Stufen mit Schaltrelais – jeder Schritt ist als leichtes „Click“ beim Drehen hörbar, 0,5‑dB-Schritte sind Standard (wahlweise 1, 2 oder 3 dB). Das verhindert Kanalabweichungen im unteren Lautstärkebereich und verschleißt nicht wie ein klassisches Potentiometer.

Die Impedance-Detection-Technologie misst automatisch die Impedanz deines Kopfhörers (16 Ω, 32 Ω oder 300 Ω), wenn du ihn an den 4,4‑mm- oder 6,35-mm-Anschluss anschließt, und passt das Gain entsprechend an. Das ist praktisch wie die ISO-Einstellung an einer Kamera – es optimiert den nutzbaren Regelbereich für deine spezifischen Kopfhörer. XLR4-Nutzer müssen die passende Einstellung manuell wählen. Eine Einschränkung: Das System misst Impedanz, nicht Empfindlichkeit – mit sehr empfindlichen IEMs oder sehr wenig empfindlichen Kopfhörern kann der Regelweg etwas knapp werden.

In der Praxis bedeutet die Kombination aus Dynamic Negative Feedback und R2R-Lautstärkeregelung: extrem saubere Wiedergabe, perfekte Kanalbalance auch bei sehr niedrigen Pegeln und eine feinfühlige, verschleißfreie Lautstärkeregelung, von der besonders Leisehörer profitieren.

Anschlüsse & Konnektivität

Der Luxsin X9 ist eine echte Audio-Zentrale – nicht nur für Kopfhörer.

Kopfhörer-Ausgänge (Front):

  • 6,35 mm Klinke (Single-Ended, asymmetrisch)
  • 4,4 mm Pentaconn (Balanced, symmetrisch) – hier gibt es die volle Power (6.400 mW @ 16 Ω)
  • XLR4 Balanced (symmetrisch)

Alle Buchsen sind hochwertig verarbeitet, die Klinkenbuchsen haben dezent goldfarbene Ringe – ein schöner Farbakzent, der nicht billig wirkt.

Digitale Eingänge (Rückseite):

  • USB‑B (für USB-Audio, High-Res bis 768 kHz PCM, DSD512)
  • USB‑C (OTG-Standard, ideal um iPhone/iPad direkt anzuschließen)
  • USB‑A (nur für Firmware-Updates via USB-Stick)
  • Coax S/PDIF (Standard Digital Audio)
  • Toslink (optisch, für TV oder ältere Komponenten)
  • HDMI ARC (seltenes Feature für einen Desktop-DAC, ermöglicht Audio-Rückkanal vom Smart-TV in den Luxsin X9)
  • Bluetooth 5.0 (SBC, AAC, LDAC, aptX)
  • WiFi (für App-Steuerung und OTA-Updates)

Analoge Eingänge (Rückseite):

  • Stereo-Cinch (RCA) für CD-Player, Streamer oder andere analoge Quellen

Ausgänge (Rückseite – die Vorverstärker-Funktion):

  • XLR-Ausgänge (symmetrisch) für externe Endstufen oder Aktivlautsprecher
  • Cinch-Ausgänge (asymmetrisch, RCA)
  • Subwoofer-RCA-Ausgänge (Dual) – das ist selten; damit lässt sich ein vollständiges 2.2‑Stereo-Setup aufbauen (Stereo-Lautsprecher + zwei Subwoofer)

Smart Features:

  • Trigger-In/Out-Buchsen (Mono-Klinke)

App-Steuerung:
Die Luxsin Remote App ist verfügbar für iOS und Android. Es gibt außerdem ein Web-Panel im Browser, wenn der Luxsin X9 über WiFi im Netzwerk hängt. Aktuell ist die Oberfläche nur auf Englisch und Chinesisch verfügbar, laut Hersteller soll Deutsch folgen. Die App ist intuitiv, Tuning-Kurven werden visualisiert und PMEQ-Settings (Parametric EQ) lassen sich einfach anpassen. Luxsin schiebt regelmäßig Firmware-Updates nach – gut für Bugfixes und neue Features, aber man lebt damit auch mit einem Gerät, das softwareseitig in Bewegung bleibt.

Design & Verarbeitung

Massives Aluminium mit soliden Alu-Planken – kein Kunststoff mit Alu-Blende wie bei manchen Konkurrenten. Das Finish ist gebürstet statt hochglänzend, was Fingerabdrücke deutlich entschärft. Die leicht schräg gestellte Frontplatte mit ihren facettierten Ecken gibt dem Luxsin X9 ein modernes Aussehen, ohne zu aufdringlich zu wirken.

Das 4‑Zoll-Farb-Touchscreen (TFT-LCD) ist das visuelle Highlight. Die virtuellen VU-Meter sehen täuschend echt aus, vollständig animiert mit Schatten und Beleuchtung. Du kannst zwischen 14 verschiedenen grafischen Varianten wählen (Black VU, Classic VU, Neon usw.). Die Lesbarkeit ist auch aus seitlichen Blickwinkeln hervorragend, die Helligkeit ist einstellbar.

Die Bedienelemente (Front)

  • Minimalistisches Design – nur Lautstärke-Drehregler (rechts) und Power-Taste.

Der Lautstärke-Regler bietet ein sehr befriedigendes, gerastertes Feedback mit gut hörbaren Relais-Klicks – nicht zu straff, nicht zu leichtgängig. Die Haptik ist klar im Premium-Segment angesiedelt. Das Display zeigt bei Lautstärke-Änderungen eine „R2R“-Dezibel-Anzeige an.

Wärmeentwicklung:
Im Idle-Betrieb liegen an der Oberseite rund 30 °C an – warm genug, dass man im Winter gerne mal die Hand darüber streicht, aber nie unangenehm heiß. Es gibt keinen aktiven Lüfter; die Kühlung erfolgt passiv über das Gehäuse.

Bedienung & Features

Da es sich in erster Linie um einen Desktop-DAC handelt, erfolgt die primäre Bedienung über das Touchscreen. Natürlich lässt sich der Luxsin X9 auch bequem mit der Fernbedienung oder über die App steuern, wobei in der App nicht alle Optionen verfügbar sind.

HP-EQ (Kopfhörer-Spezifische Profile) – DAS UNIQUE FEATURE

Das ist das Killer-Feature des Luxsin X9. Luxsin hat eine Datenbank mit rund 2.500 Kopfhörer-Profilen vorinstalliert. Wenn du deinen Kopfhörer anschließt, tippst du seinen Namen ins Menü, wählst eines oder mehrere EQ-Profile, und der Luxsin X9 passt den Frequenzgang automatisch an – per DSP. Das funktioniert ähnlich wie EQ-Ansätze auf Basis gemessener Kopfhörerprofile, wie man sie von Roon oder Harman-Target-Curves kennt. Die Idee dahinter: Jeder Kopfhörer bringt charakteristische Verfärbungen mit. Der Fosi i5 ist dir zu zurückhaltend in den Höhen? Die EQ gleicht das aus. Der Verum 2 ist zu hell? Wird korrigiert. Dein Kopfhörer profitiert merklich von dieser Anpassung – nicht subtil, sondern klar hörbar.

Im Ergebnis wirkt HP‑EQ wie ein fehlendes Bindeglied im Head‑Fi‑Setup: Auf Basis realer Messdaten biegt der Luxsin X9 den Frequenzgang vieler Modelle in Richtung einer ausgewogeneren Zielkurve, sodass bekannte Kopfhörer plötzlich wie „fertig abgestimmte“ Hörer klingen – ohne Messmikrofon, REW oder stundenlange EQ‑Bastelei. Ich konnte fast alle Kopfhörer hier im Haus in der Datenbank finden. Lediglich der Sennheiser HD550 fehlt. Schade – wahrscheinlich hätte ihn dieses Feature noch eine Klasse nach oben befördert.

Crossfeed (Digital)

Es gibt drei verschiedene Crossfeed-Level. Die Funktion arbeitet sehr überzeugend: Sie imitiert eine lautsprecherähnliche Räumlichkeit und reduziert die typische „In-Head-Localization“, also das Gefühl, dass alles „im Kopf klebt“. Ideal für lange Listening-Sessions mit weniger Kopfhörer-Ermüdung. Wichtig: Es klingt nicht hohl oder künstlich wie manche schlechten analogen Crossfeed-Implementierungen.

Weitere DSP-Features

  • Stereo-Weite/Soundstage-Adjustment (Depth & Width einstellbar)
  • Musikstil-Presets (vorkonfigurierte DSP-Kurven)
  • 3‑Band-EQ (Bass/Mitten/Höhen)
  • Subwoofer-Weiche (Crossover-Frequenz einstellbar)
  • PMEQ (Parametric Equalization) über das Web-Panel fein konfigurierbar

Allgemeiner Klangcharakter & Bühne 

Im Grundcharakter spielt der Luxsin X9 neutral mit einem leichten Schuss Wärme: Der Bass ist schnell, trocken und kontrolliert, geht tief hinunter, ohne in den Mittelton zu bluten, Stimmen stehen sauber und natürlich im Raum, und der Hochton bringt Glanz und Luft, ohne scharf oder nervös zu werden. Der Hintergrund bleibt dabei „pitch‑black“ – selbst bei niedrigen Pegeln hörst du praktisch kein Rauschen, was in Kombination mit der R2R‑Lautstärkeregelung gerade Leisehörer glücklich macht.

Die Bühne ist standardmäßig eher mittlere Größe mit leicht frontaler Präsentation, dafür sehr klar geschichtet: Vocals und Leads stehen greifbar vorne, Rhythmus‑Sektion und Effekte staffeln sich sauber dahinter. Aktivierst du Crossfeed und die Soundstage‑Erweiterung, lässt sich dieses Bild erstaunlich weit aufziehen, ohne ins Künstliche abzudriften – du bekommst mehr Breite und Luft um Instrumente, ohne dass es nach billigem Hall‑Effekt klingt oder einfach nur der Hochton angehoben wird. Gerade bei längeren Sessions macht das Hörermüdung spürbar geringer, weil die typische „im Kopf festgetackerte“ Bühne einem eher lautsprecherähnlichen Raumgefühl weicht.

Spannend wird es, wenn der X9 seine DSP‑Tricks ausspielt. HP‑EQ fühlt sich in der Praxis an, als würden deine Kopfhörer ein Firmware‑Update für ihren Klang bekommen: Auf Basis realer Messdaten von rund 2.500 Modellen werden Peaks geglättet, Basslöcher aufgefüllt und die Gesamttonalität näher an eine saubere Zielkurve herangezogen. Besonders Kopfhörer mit „berühmten“ Eigenheiten – etwas zu heller Oberton, Badewannen‑Tuning, dünner Bass – profitieren massiv, weil der X9 ihre Stärken betont und die Schwächen beschneidet, ohne den Grundcharakter komplett zu erschlagen. Unterm Strich wirkt HP‑EQ wie das fehlende Bindeglied im Head‑Fi‑Setup: Statt den nächsten Hörer zu kaufen, hebst du mit einem Klick den vorhandenen eine Klasse nach oben.

Leistungsmäßig hat der Luxsin X9 nicht nur für deinen Verum 2 oder Fosi i5 genügend Reserven, sondern auch für große Planare – Berichte mit HIFIMAN‑Kalibern zeigen, dass selbst bei hohen Pegeln kein Eindruck von Kompression oder Weichzeichnung entsteht. Gleichzeitig bleibt er mit sinnvoll gewählter Gain‑Stufe auch an empfindlichen IEMs sehr leise im Rauschteppich, was in dieser Leistungsklasse alles andere als selbstverständlich ist. Dass die Impedance‑Detection den Gain passend vorsortiert, macht die ganze Power im Alltag gut beherrschbar, statt dir nur theoretische Wattzahlen auf dem Papier zu liefern.

Richtig charmant ist der Luxsin X9 dann als Schreibtisch‑Zentrale im 2.1‑ oder 2.2‑Betrieb: Über die beiden Sub‑Ausgänge und die einstellbare Subwoofer‑Weiche lassen sich Aktivmonitore und ein oder zwei Subs sauber ankoppeln – etwas, das man bei Desktop‑DAC/Amps dieser Art fast nie sieht. Damit kannst du tagsüber mit Kopfhörer und HP‑EQ arbeiten und abends mit einem Klick auf Lautsprecher + Sub umschalten, ohne die Klangsignatur komplett zu verlieren: straffe Bässe, aufgeräumter Mittenbereich, kontrollierte Höhen – nur eben mit mehr Luftbewegung im Magenbereich. Für Metal, Spiele und Filme ist das eine Kombination, die schnell süchtig macht, weil sie Studio‑Kontrolle und Spaßfaktor ziemlich elegant unter einen Hut bringt.

Höreindruck

Was für ein Technik-Brett. Für einen DAC gibt es hier erstaunlich viel zu entdecken – und genau das lädt zum Spielen und Ausprobieren ein. Gerade die Kombination aus kräftigem Kopfhörerverstärker, DSP-Spielwiese und Subwoofer‑Integration erinnert ein wenig an den Burson Conductor GT4: Der Subwoofer will plötzlich auch mit euren Kopfhörern mitspielen – ein ziemlich irres Erlebnis.

Natürlich durfte auch meine Metal‑Referenz‑Playlist nicht fehlen. Dazu kamen YouTube, Filme, Serien, Spiele – einmal das ganze Alltagspaket. Der Luxsin X9 hat in der Testzeit dauerhaft auf meinem Schreibtisch gestanden und wurde an guten Tagen locker 10 Stunden am Stück genutzt. Bei knapp 300 Stunden Spielzeit kennt man die Kiste langsam ziemlich gut.

Im Alltag bleibt der Luxsin X9 dem beschriebenen Grundcharakter treu: neutral bis leicht warm, straffer, kontrollierter Bass, sauberer Mittelton und eine klare, luftige, aber nicht nervige Höhenwiedergabe. Der Hintergrund bleibt „pitch‑black“, nichts rauscht, nichts zischelt – selbst bei niedrigen Pegeln wirkt alles kontrolliert und aufgeräumt. Erst wenn man DSP, HP‑EQ und Crossfeed dazuschaltet, merkt man, wie viel Potential da noch oben drauf kommt.

Luxsin X9 X Verum 2

Der Verum 2 ist ein großartiger Kopfhörer, gebaut von einem zugegeben etwas kontroversen Hersteller. Wie so oft bei mir handelt es sich um einen offenen Planar – hier mit den optionalen „ventilated Earpads“, um etwas mehr Tiefbass herauszukitzeln. Am Luxsin X9 angestöpselt und das passende Profil im HP‑EQ aktiviert, passiert genau das, was man sich insgeheim wünscht: Aus einem sehr guten Kopfhörer wird ein affengeiler Kopfhörer.

HP‑EQ bügelte beim Verum 2 die typischen Eigenheiten glatt: Der Bass gewinnt an Fundament, ohne aufzuquellen, die Mitten rücken etwas sortierter ins Zentrum und die Höhen verlieren ein Stück Schärfe, behalten aber Luft und Detail. Versteht es nicht falsch – der Verum 2 ist auch „pur“ ein toller Hörer –, aber es fühlt sich an, als bekäme er ein kostenloses Tuning‑Upgrade. Mehr Linearität, weniger Nervigkeit, stimmigere Tonalität. So sollte dieser Kopfhörer eigentlich ab Werk klingen.

Luxsin X9 X Fosi Audio i5

Der Fosi Audio i5 ist so ein bisschen der Geheimtipp 2025: für den Preis ein erstaunlich erwachsener Klang, der einige etablierte Hersteller sichtbar nervös gemacht hat. Klar, der Start war holprig, Fosi hat aber schnell nachgebessert und die Kinderkrankheiten überarbeitet. Am Luxsin X9 knüpft der i5 genau da an – nur eben eine Stufe höher.​

Mit aktiviertem HP‑EQ bekommt der i5 das, was ihm viele attestieren: ein sehr stimmiges, „großes“ Klangbild für kleines Geld, aber mit weniger Ecken und Kanten. Der Bass wirkt kontrollierter und definierter, Stimmen rücken natürlicher in den Vordergrund, und der Hochton verliert Härte, ohne langweilig zu werden. Unterm Strich hebt der Luxsin X9 den Fosi Audio i5 in eine andere Liga – nicht, weil er ihn verbiegt, sondern weil er seine Stärken betont und die Schwächen wegschneidet.

Einordnung & mögliche Kritikpunkte

Im Vergleich zu typischen Mess‑Boliden à la Topping DX9 oder ähnlichen Designs spielt der Luxsin X9 etwas wärmer und entspannter, punktet dafür mit deutlich mehr Features und Flexibilität. Für Besitzer eines Eversolo DMP‑A8 ist er weniger spannend, weil sich DAC‑Teil und viele Funktionen überschneiden – spannend wird er vor allem als dedizierter Head‑Fi‑Hub mit HP‑EQ und Sub‑Integration.

Kleine Schattenseiten gibt es auch: Einen Ethernet‑Port sucht man vergeblich, alles läuft über WLAN oder USB. Die Relais‑Klicks der R2R‑Lautstärkeregelung sind gewollt und haptisch toll, in sehr leisen Umgebungen aber hörbar – Geschmackssache. Und wer statt leicht wärmer, „musikalischer“ Abstimmung lieber maximal analytische, knallharte Neutralität mit messfokussiertem Minimalismus sucht, wird bei Topping & Co. wahrscheinlich glücklicher.

Fazit

Der Luxsin X9 ist für mich so ein Gerät, das man anfangs wegen der Optik und der Technik-Gimmicks spannend findet – und am Ende wegen der Alltagstauglichkeit und des Klangtunings behält. Er ist kein puristischer „Nur-DAC“, sondern ein vollwertiges Head‑Fi‑Control‑Center: kräftiger Kopfhörerverstärker, sehr guter DAC, flexible Vorstufe mit Sub‑Ausgängen und dazu eine DSP-Werkzeugkiste, die deinen vorhandenen Kopfhörern im besten Fall ein Klang‑Firmware‑Update verpasst.

Wer maximale Analytik, klinische Neutralität und „Messwerte first, Features egal“ sucht, findet bei Burson (Conductor GT4), Topping & Co. wahrscheinlich die spannendere Lösung. Der Luxsin X9 zielt eher auf Hörer, die eine saubere, leicht warme, kontrollierte Abstimmung mögen und Lust haben, mit HP‑EQ, Crossfeed, Parametric‑EQ und 2.1/2.2‑Setup aktiv zu gestalten. In dieser Rolle macht er verdammt viel richtig: genug Power für große Planare, pechschwarzer Hintergrund, sehr gute Verarbeitung, starkes Display, und eine EQ‑/Profil‑Sektion, die aus „guten“ Hörern sehr oft „sehr gute“ Hörer macht.

Perfekt ist er nicht: kein LAN-Port, viele Funktionen hängen am Firmware‑Status, die Relais‑Klicks der R2R‑Lautstärke muss man mögen und der Grundsound im Bypass wirkt etwas „zu brav“. Aber unterm Strich ist der Luxsin X9 aktuell einer der spannendsten All‑in‑One‑DAC/Amps für den Schreibtisch – vor allem, wenn du mehr willst als nur „Signal rein, Signal raus“ und dein Head‑Fi‑Setup wirklich als Spielwiese und Werkzeug gleichzeitig begreifst.

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Lehmann Audio Linear im Test: Wenn deutsche Ingenieurskunst auf Kopfhörer-Power trifft https://www.hifigeek.de/lehmann-audio-linear-im-test-wenn-deutsche-ingenieurskunst-auf-kopfhoerer-power-trifft/ https://www.hifigeek.de/lehmann-audio-linear-im-test-wenn-deutsche-ingenieurskunst-auf-kopfhoerer-power-trifft/#respond Mon, 14 Jul 2025 21:02:29 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=9110 Irgendwie fange ich hier jetzt zum dritten Mal an, meinen Test zum Lehmann Audio Linear zu schreiben. Zu sehr war ich darauf fixiert, erstmal den Hintergrund des Tests zu klären – aber das habe ich jetzt an anderer Stelle erledigt. Wer Bock hat, kann das nachlesen.

Die Testmuster vom Lehmann Audio Linear und Lehmann Audio Linear II wurden uns freundlicherweise vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Aber keine Sorge: Das beeinflusst unsere Meinung null. Hier gibt’s wie immer die ungefilterte Wahrheit.

Lieferumfang und Verarbeitung

Wohl verpackt kamen die Lehmann Audio Linear hier an. Beim Lieferumfang ist bei einem Kopfhörerverstärker natürlich schnell Schluss: Kaltgerätekabel dabei, ein Cinch-Kabel muss man sich selbst besorgen – dann kann’s losgehen.

Verarbeitung? Absolut next level! Die 3mm dicke Aluminium-Frontplatte, das massive Gehäuse, der fette Ringkerntrafo im Inneren – alles fühlt sich nach High-End an. Der Lautstärkeregler läuft satt mit genau dem richtigen Widerstand, das Rad gleitet smooth durch die Finger. Die Kopfhörerbuchsen sind hochwertig, die kleine LED an der Front dezent und nicht zu grell.

Was mir direkt aufgefallen ist: Der Lehmann Audio Linear ist echt lang und braucht ordentlich Platz auf dem Schreibtisch. Unter meinem Balolo steht er jetzt, ragt aber hinten ziemlich raus. Zwei Kopfhörerausgänge gibt’s, beide werden gleichzeitig befeuert. Mit zwei DIP-Schaltern auf der Unterseite kann man die Ausgangslautstärke anpassen – praktisch für hungrige Kopfhörer, bei mir aber erstmal nicht nötig.

Hinten gibt’s zwei Cinch-Paare mit vergoldeten Kontakten – ein Paar als Eingang, eins als Ausgang, z.B. für aktive Monitore. Dazu noch der Ein/Aus-Schalter und der Stromanschluss.

Einziger echter Minuspunkt: Der Netzschalter ist hinten! Mega unpraktisch am Schreibtisch, ich muss immer zwischen Balolo und Monitor rumfummeln, um das Teil anzumachen. Ein Schalter vorne wäre ein Traum. Vielleicht hilft hier eine smarte Steckdose, denn nach vier Wochen nervt das echt.

Kopfhörerverstärker – warum überhaupt?

Hm… sehr gute Frage, die ich mir eigentlich nie gestellt habe, weil ja fast alles auf dem Schreibtisch schon einen Verstärker verbaut hat. Soundkarten, Audio-Interfaces, alles all-in-one. Aber gerade die Mikro-Interfaces sind für Kopfhörer oft nicht optimal, da lohnt sich ein separater DAC und Amp.

Viele DACs übernehmen zwar die Verstärkerrolle, sind aber meist auf normale Gaming-Headsets ausgelegt. Und mal ehrlich: Viele Gamer wissen gar nicht, was ihnen klanglich entgeht – oder sparen halt am falschen Ende. Die Branche hat sich aber entwickelt, Billigmarken wie Speedlink sind quasi weg vom Fenster.

Im Grunde ist es wie bei der Anlage im Wohnzimmer: Entweder All-in-One oder getrennte Komponenten. Ein guter DAC ist nicht automatisch ein guter Amp. Gerade mit hochwertigen Kopfhörern trennt sich die Spreu vom Weizen. Mein Fosi K7 klingt für 180 € schon richtig stark, aber mit dem Lehmann Audio Linear geht’s nochmal auf ein anderes Level.

HiFi-Regel: Komponenten sollten preislich zusammenpassen. Aber manchmal gibt’s eben auch Einhörner – wie den K7. Kombiniert mit einem 900 € Verstärker und evtl. einem besseren Netzteil (nochmal 100–120 €) landet man bei 300 €, hat aber ein Set, das richtig performt.

Klang mit dem Lehmann Audio Linear und Fosi Audio K7

Ich geb’s zu: Der K7 hatte mich schon vorher abgeholt. Sein AKM 4493SEQ ist schon sehr cool. Ein wenig Wärme, aber dennoch super Details. Lehmann Audio Linear dran geklemmt, Kopfhörer umgestöpselt, wow. Ich sag jetzt nicht, dass der Lehmann was am Klang macht – das tut er mit absoluter Sicherheit nicht. Er macht eher, dass es potenter klingt? Kann man das so sagen? Harmonischer, weil er halt gefühlt keine Versorgungsschwäche aufweist.

Das ist dieser berühmte Unterschied, wenn ein Verstärker nicht in die Knie geht und die Musik einfach mehr lebt. Ich habe das schon mal beschrieben beim Test von Verstärkern gegenüber Receivern. Diese gehen halt teilweise kurzzeitig in die “Knie” und der letzte Punch fehlt. Ziemlich genau das empfinde ich hier auch. Der Lehmann gibt der Musik noch mal mehr Energie. Nix, was ich vermissen würde, wenn ich es nicht erst gegengehört hätte, aber jetzt, wo ich es kenne, will ich’s nicht mehr missen.

Generell nennt man dies Transienten – und während ich diesen Text hier schreibe, merke ich immer wieder, dass ich auch hierüber aufklären muss. Deswegen gibt’s bei uns auch eine Erklärung zu Transienten.

Von Vorteil kann es schon sein, wenn man den DAC auf Line-Out stellen kann, dann hat man die Referenz-Ausgangsleistung anliegen. Das ging jetzt beim K7 nicht, aber ich habe ihn quasi auf ca. 2/3 Lautstärke gestellt und dann die Lautstärke über den Lehmann Audio Linear geregelt.

Was mir ab dann aufgefallen ist: Ich hatte richtig Spaß am Hören. Hat aber auch dazu geführt, dass ich die Musik streckenweise aufgedreht habe. Im Wohnzimmer ist das einfach, ich hab mal mein Handy mit Dezibelmesser zwischen Ohr und Kopfhörermuschel geschoben und gemessen. Ob das jetzt den wirklichen Schalldruckpegel anzeigt, weiß ich nicht. Vielleicht hat ja wer ne Idee, wie man das mal gescheit messen kann?

Für genau diesen Fall hat aber Norbert noch einen Hinweis verschriftlicht in seinem Techletter. Hier weist er nochmal auf die Lautstärken und Dauer hin, die man hören sollte, ohne dauerhafte Gehörschäden.

Stepup zum Fosi ZD3

Fosi bewirbt den Fosi ZD3 als seinen Flagship DAC, welcher aber mit 189 € immer noch moderat im Preis ausfällt. Hier werkelt jetzt kein AKM-Chip, sondern ein Sabre ES9039Q2M – also tendenziell der Zweikanal-Flaggschiff-DAC im mobilen Sektor. Der ZD3 ist zwar noch Vorstufe, hat aber schon keinen Kopfhörerverstärker mehr an Board. Dafür kann man an ihm noch rumtunen mit OpAmps, was ich auch ausgiebig getan habe. Ergebnisse folgen im ausführlichen Test. Aber aktuell warte ich noch auf OpAmps, demnach dauert es noch ein wenig, bis ich final bin.

Bis darauf, dass ich mich irgendwie auf der Sabre-Seite der Macht fühle, weil ich dann doch das Analytische vom Sabre mehr schätze und der DAC als solcher nochmal besser als der K7 performt, konnte ich hier lediglich ausmachen, dass mir die Kombo richtig gut gefällt. Platztechnisch ist der ZD3 auf dem Schreibtisch angenehm, optisch sieht er auch ansprechend aus.

Stepup zum Burson Audio Playmate 3 Deluxe

Ein ganz anderes Level betritt man natürlich dann mit dem Burson Audio Playmate 3, welcher auch erst kürzlich erschienen ist. Aber ich bin nunmal Spielkind und Burson ist die Wiege der Audiospielerei, haben sie doch diskrete OpAmps in den Markt gebracht und bieten wie Fosi Audio ebenfalls die Möglichkeit, eben jene auszutauschen.

Beim DAC-Chip handelt es sich wieder um den ES9039Q2M, welcher hier natürlich nochmal anders implementiert wurde. Hier gibt es noch spezifische Einstellungsmöglichkeiten, die den Klang anpassen lassen.

Hätte ich jetzt keinen Lehmann Audio Linear hier, würde mir erstmal wahrscheinlich der Kopfhörerverstärker im Playmate 3 reichen. Hier müssen wir aber auch hinzunehmen, dass es sich schon um die Deluxe-Version handelt, welche mit fast 1100 € zu Buche schlägt.

Hier ist mit dem Lehmann Audio Linear dennoch noch was rausholbar, wobei der Lehmann Audio Linear II hier das i‑Tüpfelchen setzt. Aber dazu wollte ich einen eigenen Artikel schreiben. Hier kann man dann definitiv sagen, dass die Transientenwiedergabe noch ein Quäntchen zulegt. Ich weiß jetzt nicht, wie das viele Leute abmachen in ihrer Musik, aber ich mache das an gut aufgenommener Musik ab. Hier hatte ich zum Beispiel ganz gerne Korn gehört. Die meisten Alben stehen hier mit 192 kHz zur Verfügung, auch wenn ich ab einer bestimmten kHz-Zahl nicht mehr wirklich einen Unterschied abmachen kann, ist das die mir höchst verfügbare. Hier gibt es manche Aufnahmen, die ganz deutliche Anrisse von Gitarren- und Basssaiten haben, was mir vorher verwehrt war zu hören, aber die Musik jetzt mehr wie Musik klingen lassen. Good God, Reclaim my place, no place to hide wären da so Titel.

Schwer zu beschreiben, aber jeder kennt den Unterschied des Klangs, abgesehen von der Lautstärke, eines Konzerts. Auch hier hört man direkte Einflüsse der Instrumentenbedienung, also das leise Schleifen der Finger über die Metallsaiten oder auch das Anschlagen, bzw. den Zeitpunkt, wo der Drumstick das Becken hölzern trifft. Hier bilde ich mir ganz hart ein, dass ich das nicht oder nicht so intensiv hatte. Mehr zu Transienten habe ich dann gleich mal hier geschrieben.

Voll analog am Plattendreher

Ich glaub, ich hab noch nie so direkt meinen Plattendreher abgehört. Also tendenziell war halt nur der Plattendreher, der Graham Slee Gram Amp 2 SE und der Lehmann Audio Linear in meiner Audiokette. Dadurch, dass der Lehmann Audio Linear über eine Lautstärkeregelung verfügt, klappt das hervorragend.

Was soll ich sagen? Definitiv mal noch eine andere Welt. Man ist einfach noch eine Runde näher an allem dran. Der Graham Slee macht seine Sache wirklich gut, auch wenn ich irgendwann noch mal die Möglichkeit haben möchte, mich hier auszuprobieren. Beim Lehmann ist man aber in der Tat schon so ziemlich angekommen. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass man mit so einem Gerät noch viel mehr will. Braucht vielleicht, wenn da doch noch was richtig Leistungshungriges genutzt werden soll, aber sag niemals nie.

Ich hätte sicherlich ohne Norbert Lehmann auch nicht einen Kopfhörerverstärker im Haus gehabt und diesen erst recht nicht an mein Plattensetup gehangen.

WiiM

Auch an einem WiiM Ultra macht sich der Lehmann Audio Linear hervorragend. So bekommt man ein schönes, minimalistisches High-End-Setup dahingestellt. Die hervorragende Bedienbarkeit des WiiM Ultra mit einem leistungsstarken Kopfhörer-Amp hebt die Kiste zumindest für eben jene auf ein anderes Level. Definitiv nicht für Einsteiger, aber für Aufsteiger sicherlich eine tolle Option.

Eversolo

Kommen wir zu meinem unangefochtenen Lieblingsstreamer, dem Eversolo DMP-A6 und DMP-A6 Master Edition. Der WiiM ist wirklich geil, als Ultra mit seinem Display und der Bedienung… wirkt er aber dennoch ein wenig ipsig und eher wie ’ne Dose, ist der Eversolo einfach ein ausgewachsenes, aber dennoch junges Stück HiFi. Den Lehmann Audio Linear angeschlossen, rockt diese Kombo in meinen Augen schon ziemlich. Ich habe Stunden verbracht, mit dieser Kombo zu hören. Das große Display, welches mir immer das Cover zum aktuellen Song anzeigt, durch den Kopfhörer jetzt in der Nähe. Vertieft in die Musik versunken und immer mal einen Blick auf das Display. Handy beiseite und mit der Touch-Steuerung hier ein wenig den Alltag verschwinden lassen.

Klanglich über aller Zweifel erhaben. Der Lehmann Audio Linear tut das, was Norbert Lehmann verspricht: Linear spielen und das wirklich zur Entspannung.

Persönliches Empfinden

Ich weiß nicht, was es ist, aber ich glaube, es liegt nicht nur am “besseren”, “entspannteren” Ton, sondern auch an vielerlei anderer Faktoren. Sich einen Kopfhörerverstärker wie den Lehmann Audio Linear zuzulegen, bedeutet halt zum einen das Commitment auf den Kopfhörer an und für sich. Man gibt hier 1000 € für ein feines Stück Technik aus, welches allen angeschlossenen Kopfhörern schon mal auf dem Papier die Leistung zuteilwerden lässt, die sie benötigen. Weiterhin geht man davon aus, dass der Lehmann Audio Linear in keinster Weise meinen Ton verfärbt, sondern die einzigen klangbestimmenden Faktoren die Musik selber und der DAC + ggf. Equalizer sind. Was heißt, dass ich mir meine Musik so anpassen kann, wie ich sie vielleicht gerne höre – wärmer, analytischer – und nicht noch weitere Komponenten habe, welche ich in diese Einstellung einberechnen muss.

Mit dem Commitment weiß ich innerlich auch: Hier handelt es sich um ein absolutes Referenzgerät. Vielleicht ist es eine innere Ruhe, die entsteht, weil ich nicht versuche, zwangsläufig den Fehler an eben jener Stelle zu suchen, wenn ich im Klang etwas entdecke, das mir nicht gefällt oder schlimmstenfalls sich nicht natürlich anhört.

Jedenfalls hat mich das Commitment dazu bewegt, noch mal mehr Musik zu hören, weil ich neugierig war, wie, was, jetzt eventuell anders als vorher klingt. Andere Kopfhörer an dem Lehmann Audio Linear zu hören, welche ich vielleicht beim ersten Mal so gut fand und ihnen noch eine zweite Chance zu geben.

Für wen ist denn nun der Lehmann Audio Linear?

Ganz klar: Enthusiasten. Wenn du deine Musik und deinen Musikgenuss weiter nach vorne bringen möchtest. Klingt vielleicht dein DAC schon nach dem, was du dir so vorstellst, kannst du sicherlich mit dem Lehmann Audio Linear hier und da noch ein Quäntchen herausholen. Weiterhin gibt er dir Freiheit bei deiner zukünftigen Kopfhörerwahl. Dennoch wäre es natürlich nicht mein erstes Upgrade. Vorziehen würde ich immer OpAmps und das Netzteil, da dies natürlich einen ganz entscheidenden Einfluss auf den Klang hat.

Ganz ehrlich würde ich den Lehmann Audio Linear (bzw. hier den Linear II) nicht mehr missen wollen. Letztlich entscheidet bei mir nur das Budget. Gerne hätte ich einen Lehmann Audio Linear II hier im Repertoire, alleine für zukünftige Tests von Geräten, da ich jetzt einmal in den Kaninchenbau gefallen bin. Aber da alles hier auf dem Blog dennoch Geld kostet und durch meine Entscheidung, den Blog gar nicht zu monetarisieren, alles vom Hobby-Budget abgeht, muss jede Ausgabe wohl überlegt sein. So sehr es mich und die Qualität nach vorne bringen würde, gibt es einfach auch andere Ausgaben hier, die man nicht sieht. Oft müssen Zölle bezahlt werden für Lieferungen und geschenkt bekommt man nunmal auch nix.

Also: Wer sich ein geiles Desktop-Setup zusammenbauen will, sollte definitiv mit einem Kopfhörerverstärker rechnen. Beim Lehmann Audio Linear macht man absolut nix falsch und bekommt “deutsche Wertarbeit und Engineering”. Vielleicht auch sowas wie Zukunftssicherheit – vom Linear zum Linear II bietet Lehmann Audio auch ein Upgrade an.

Analog-Setup direkt am Phono-Pre-Amp? Ebenfalls geil. Vielleicht in einer Mietsituation, oder einfach um die bessere Hälfte nicht zu nerven. Oder einfach, weil man beides genießt. Mal mit den Lautsprechern und mal mit den Kopfhörern. War vor diesem Test mir nicht so präsent, kann ich aber voll und ganz nachvollziehen.

Direkt an einen Streamer? Geile Sache. Durch die direktere Nähe der Kopfhörer zum Ohr merkt man aber schon Nuancen-Unterschiede bei den Streamern. Wo ein WiiM Ultra wirklich geil an einer Anlage ist, kann ein Eversolo noch ’ne deutliche Ecke besser klingen auf dem Kopfhörer.

Fazit

Hier gibt’s kein Haar in der Suppe, sondern nur unbändige Power, ohne nur ein Quäntchen den Klang zu verfälschen. Wer einen Kopfhörerverstärker sucht, der einfach das macht, was man erwartet, ohne irgendwelche OpAmp-Spielereien, ist hier an seinem erstrebenswerten Ziel angekommen. Feinste Class-A-Verstärkung, solide Bauweise und mit Liebe engineered.

Behind the Scenes

Ich hatte hier natürlich auch einige Kopfhörerkandidaten am Start, mit welchen ich rumgespielt habe: Diese waren Audezee LCD‑X, LCD‑3, Sennheiser HD 550, Verum 2, Fosi Audio i5, Beyerdynamic DT1990 Pro. IEM’s habe ich die Juzear Defiant, 7Hz Timeless II und Shanling ME600 mit dem Lehmann Audio Linear betrieben. Musik wurde fast ausschließlich mit Qobuz gestreamt. Eine Referenzplaylist findet sich hier.

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https://www.hifigeek.de/lehmann-audio-linear-im-test-wenn-deutsche-ingenieurskunst-auf-kopfhoerer-power-trifft/feed/ 0 9110
Transaudio D5Pro — Nachbau von legendärer Endstufe im Test https://www.hifigeek.de/transaudio-d5pro-nachbau-von-legendaerer-endstufe-im-test/ https://www.hifigeek.de/transaudio-d5pro-nachbau-von-legendaerer-endstufe-im-test/#respond Sun, 11 Aug 2024 14:13:00 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=8020 Ich hoffe ich setzte mich jetzt nicht in die Nässeln mit meiner Neugierde. Aber der Transaudio D5Pro hat mich heiß gemacht. Da das Patent vom Original abgelaufen ist und ich mir bei leibe niemals das Original leisten könnte, hoffe ich das es hier kein böses Blut gibt.

Aber warum geht es eigentlich?

Na um den Nachbau des legendären darTZeel NHB-108. Dieser ist mittlerweile schon als Model Two erhältlich und unter Patent von darTZeel. Der Nachbau von Transaudio versucht aber gar nicht erst das Design des darTZeels zu kopieren, sondern kommt in einem schlichten Gehäuse daher. Aber es zählen natürlich die inneren Werte und hier wurde versucht auf Komponenten mit den selben Eigenschaften zu setzen wie im Original und die Schaltung exakt nachzubauen.

Abgrenzung

Wir haben den Transaudio D5Pro kostenlos vom Hersteller zur Verfügung gestellt bekommen. Mehr oder minder kostenlos, da wir natürlich Einfuhrumsatzsteuer für das Gerät bezahlen mussten. Dennoch beeinflusst dieser Umstand unsere Einschätzung zu dem Gerät nicht. Wir versuchen hier neutral an jede Bewertung heran zu gehen und nehmen uns Zeit um einen Eindruck des Geräts und Eigenschaften zu bekomen. Es wird versucht den Eindruck möglichst verständlich wieder zu geben ohne blumige und aussagelose Sprache der Fachpresse.

Reviews in Bild und Ton

Wir haben mittlerweile auch einen eigenen Youtube-Channel. Hier versuche ich regelmäßig für euch Reviews mit bewegtem Bild bereit zu stellen und mehr mit euch in Kontakt zu treten. Schaut doch einfach mal vorbei und aboniert den Kanal. Danke!

Unboxing

Geliefert wird der Transaudio D5Pro in einem Karton, mit Syroporplatten ausschraffiert, hervorragend in Luftpolsterfolie verpackt und mit Eckenschutz. Das Gerät hat so die lange Reise ohne irgendwelche Blessuren überstanden. Hier kann man dem Hersteller nur auf die Schulter klopfen, das kennt man aus Fernost auch anders.

Lieferumfang

Hier sind wir schnell durch, da ausser dem Gerät dem Paket nichts beiliegt. Dies ist aber in der Artikelbescheibung beim Kauf transparent angegeben. Woran das liegt ist uns schleierhaft, aber macht das Verpacken und den Versand für verschiedene Länder sicherlich einfacher.

Design und Verarbeitung

Der Transaudio D5Pro ist sagen wir mal schlicht. Also bis auf das eingravierte Transaudio-Logo, die zwei LEDs und dem Netzschalter hat er an der Front nunmal nix zu bieten. Also wer was unauffälliges sucht: in schwarz ist er schwarz wie die Nacht, dass mir die Fotos schon schwer gefallen sind. Das Markanteste an dem Gerät sind wohl mit abstand die Kühlrippen an den Seiten. Sorry, aber hier gibt es wörtlich nix zu sehen.

Die Verarbeitung ist sagen wir mal zweckmäßig gut. Es wurde Wert auf dicke Aluminium Bleche gelegt und das ist hervorragend. Es ist alles sauber verarbeitet und es gibt keine scharfen Kanten. An manchen Stellen ist die schwarze Eloxierung nicht 100%ig und da sieht man in der Größe eines Sandkorns vielleicht die silberne Platte durchblitzen. Stört aber im Regelfall nicht, weil ich ihn nicht den ganzen Tag betrachten muss.

Einrichtung

Als Cinch-Kabel haben wir unser bewährtes Cinch Sommer Cable Epilogue angeschlossen und die Lautsprecher mit unseren DIY Lautsprecherkabeln auf Basis von Sommer Cable Dual Blue Kabel versorgt. Da wir nur ein High-End Kaltgeräte-Kabel haben und dieses an unserem Eversolo (hier im Test) hängt, haben wir den Transaudio D5Pro nur mit einem “normalen” Kaltgerätekabel ausgestattet. Als Zuspieler haben wir zum einen den Eversolo DMP-A6 verwendet oder den IOTAVX AVX17 als Vorstufe mit dem EAT Prelude Plattenspieler an einem Graham Slee — Graham Amp 2 SE.

Als Lautsprecher haben wir hier die Bowers & Wilkins 704 S2 und Acoustic Energy AE 100² in Betrieb gehabt.

Erster Start und Bedienung

Da, einschalten, einen moment warten, bis sich die Kondensatoren vollgesaugt haben und schon leuchten die beiden Front-LEDs und signalisieren die Bereitschaft des Geräts. Da man weiter nichts machen kann, sei hier auch alles zu den Themen gesagt.

Technik-Bashing

Das gute Stück bringt satte 17,4kg auf die Waage. Dafür verantwortlich ist neben dem Gehäuse, das massive Ringkerntraffo, welches mit einer Leistung von 800Watt angegeben ist. Der Transaudio D5Pro stellt eine Leistung von 150w an 8 Ohm zur Verfügung und damit genug auch potentere Lautsprecher ordentlich in Wallung zu bringen. Als Puffer stehen ihm 120.000 µF zur Verfügung und damit einiges an Reserven bei harten Einsätzen. Die Stereo-Endstufe ist intern als doppel Mono-Enstufe aufgebaut und teilen sich nur die Stromversorgung. Das heißt jedem Kanal stehen 60.000 µF, aufgeteilt in jeweils sechs hochwertige 10.000 µF Elna for Music ELKOs, zur Verfügung. Weiterhin wurden Wima MKS 4 Folienkonsensatoren für die weitere Filterung verbaut.

Alle kleineren Kondensatoren auf den Platinen sind von Nichicon. Man kann also nicht meckern über die gewählen Komponenten. Die Verkabelung ist auch sehr hochwertig ausgeführt. Hier fallen zum einen die Teflon ummantelten Kabel von der Kaltegerätesteckerdose zum ersten Schaltboard auf, aber auch die 4mm² Lautsprecherkabel, welche laut Angaben auf dem Kabel, auch in korrekter Signalflussrichtung montiert wurden.

Hier wackelt weiterhin nix rum im Gehäuse, sondern die Kabelführung ist sauber vorgenommen worden. Der Transaudio D5Pro vermittelt bis hierher einen hochwertigen Eindruck und das weit über seinen Preis hinaus.

Die 8mm Front und Seiten-Platten, 3mm Deckel‑, Rück- und Boden-Platte sowie 31mm Kühlrippen alles aus Aluminium sprechen eine weitere Sprache.

Aber auch bei den Funktionen gibt es noch Besonderheiten. Der Transaudio D5Pro wurde mit Lautsprecherschutzschaltungen und einer Soft-Start Funktion versehen. Hier werkeln hochwertige Omron G2r-1‑e Relais je Kanal einmal am Spannungseingang und in den jeweiligen Verstärkerblöcken.

Höreindruck

Wir haben den Transaudio D5Pro auf verschiedene weise angeschlossen gehabt und Musik damit abgehört. Zum einen voll digital mit dem WiiM Pro Plus und dem Eversolo DMP-A6. Hier haben wir unsere allseits bekannte Qobuz-Referenz-Playlist herangezogen. Zum Anderen haben wir den Transaudio D5Pro ebenfalls an unserem EAT Prelude mit Graham Slee — Graham Amp 2 SE voll analog betrieben. Hier haben wir einige referenzfähige Platten bei uns stehen. Wer einen Blick werfen mag kann das in meinem Discogs-Profil machen.

Vielleicht erst einmal was zum generellen Sound des Transaudio D5Pro. Die Kiste klingt verdammt gut und ist mit Abstand der beste Verstärker den wir bisher hier zu Ohren bekommen haben. Was in sofern erstaunlich ist, weil er so günstig ist, aber hochwertig produziert. Generell kann man dem Verstärker attestieren, dass er sehr in Richtung Röhren-Sound tendert, obwohl es sich bei ihm um einen Transistor-Verstärker handelt. Zeigt aber auch das die von Hervé Delétraz’ erfundene Schaltung hier einfach meisterliche Arbeit war.

Knocked Loose — Everything is Quiet Now

Dauerbrenner bei uns. Schon beim Test vom Eversolo DMP-A6 oder WiiM Pro Plus herangezogen, geht es direkt mit Knocked Loose los. Hochwertig produziert haben die Songs echt einiges. Und damit beginnt Everythin is Quiet Now, extrem schnell und komplex. Die Räumlichkeit des Schlagzeugs mit dessen punchigen Bass-Drum spielt suverän und druckvoll auf. Dazu den fetten Gitarren-Riffs verlangen direkt vom Amp einiges an Leistung, lassen ihn aber zu keiner Zeit wirklich schwitzen. Auch bei höheren Lautstärken schafft er es dann den Kontrast zu schaffen zu Brian Garris Schrei-Gesang, welcher vergleichsweise hoch ist.

Bei 0:29 kommt der erste Breakdown, mit anschließender groovigerer Passage. Hier ist viel Raum zu hören und die Bühne klingt wirklich breit. Auch die kurzen Musikkaussetzer locken weder Rauschen, noch beim aprupten Fortsetzen der Musik starke Pegelsteigerungen hervor. Hier hört man das die Kondensatoren das tuen was sie sollen. 1:40 nächster Breakdown mit lang nachklingenden Gitarren und fett einspielenden Riffs und ultra präsentem Schlagzeug, löst bombastisch auf und lässt einen spätestens jetzt vom Sofa/Sessel/Whatever auf springen und den heimischen Moshpit eröffen. (EVERYTHING IS QUIET NOW!) Wo auf Konzerten alles kurz und klein geschlagen wird, muss man sich Zuhause dann doch ein wenig im Zaum halten.

Zeal & Ardor — Firewake

Gospel und Black Metal at it’s Best erwartet uns jetzt bei Zeal & Ardor. Auch wieder hervorragend produziert, perfekt zum Abhören von unserem Transaudio D5pro. Dieser spielt sauber, verzerrungsfrei die ersten Passagen, in welchen er sich sicherlich noch nicht all zu viel anstrengen muss, aber eine harmonische Sauberkeit beweißt. Sauberer Gesang mit immer mehr einsetzenden Instrumenten: E‑Gitarre, anschwellendes Schlagzeug. Headbang-Gefahr dann ab 0:38. Hier schiebt dann der Zeal & Ardor Sound durchs Wohnzimmer! Spätestens bei 01:06 drückt der Song dann so richtig und lässt die Lautsprecher losballern. Kein Anzeichen von Müdigkeit oder Verzerren beim Transaudio D5Pro. Dieser hämmert und hämmert unaufhörlich uns die Riffs und Manuel Gagneux verzerrte Stimme ins Trommelfell. Keine Schwächen und keine Knade!

Brand of Sacrifice — Purge

Technisch moderner Deatchcore… das ist Brand of Sacrifice. Mit ihren vielen musikalischen Ebenen, bilden sie einen komplexen Klangteppich. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen… spätestens bei tiefsten Bass-Drops, welche den Verstärkern alles abverlangen. Nach einem technisch klingenden kleinen Intro ballert der Song direkt los. Tiefbass, schnelle Gitarren und noch schnellere Drums. Regelrechte Maschinengewehrsalven transportiert der Transaudio D5Pro hier uns entgegen. Immer noch kein Zeichen von Müdigkeit. Wenn hier was an die Grenzen kommt, können es höchstens die Lautsprecher sein. Der Verstärker lutscht den Song so weg.

Immer Detail verliebt zeigt er sich unbeeindruckt und spielt uns Brand of Sacrifice druckvoll auf. Das schreit nach mehr Klarheit und reduzierterem Sound im nächsten Song.

In Flames — I, the Mask

Und dieser ist nach einigen Hörsessions: In Flames mit I, the Mask. Der Song hat eine schöne Räumlichkeit und beweißt klarheit bei den Höhen und eine punchige Bass-Drum. Und das haben wir hier ab der ersten Sekunde. Mitreißend kann man sagen. Das Schlagzeug ist akustisch eines der Babies von der Person, die den Song abgemischt hat. Ganz klar. Definiert, nicht zu wuchtig, aber super knackig kickt und die Bass-Drum in die untere Magengrube. Man kann das Gefühl bekommen man hört den Spaß gerade Live über eine große PA. Den Song feiern sicherlich große Lautsprecher die in der Lage sind wirklich zuzupacken. Beim Transaudio D5Pro machen wir uns auch nicht wirklich sorgen, dass er diese bespielen kann.

Jedenfalls erlaubt er sich keine Fehler und bombt und I, the Mask auf unsere Referenzliste.

Sleep Token — Granite

Wollen wir noch dem Sleep Token Hype fröhnen und hier ein wenig allgemein kompatiblere Musik einstreuen. Was nicht heißen soll, dass wir das weniger gut finden. Granite beginnt sehr ruhig und hier kann der Transaudio D5Pro eine schöne räumliche Bühne bilden. Vessels Gesang ist hier präsent und mit immer weiter steigender Intensität des Songs ab 1:11 und dann ab 2:32 drückt der Song durch das sehr präsente Schlagzeug und die Gitarren schon ordentlich. Die Bass-Drum ist auch hier punchy und die Becken lösen schön fein auf. Der E‑Bass darf schön fett wummern, wobei wir hier auch den Transaudio nicht aus seinen Reserven locken können.

Für wen ist der Transaudio D5Pro was?

Ganz klar für Einsteiger, die mit wenig Geld nach Möglichkeit sofort ganz oben einsteigen wollen. Der Transaudio D5Pro bietet unglaublich viel für sein Geld. Hier wird es schwer jemandem was anderes in dieser Qualität zu empfehlen. Aber auch ganz klar für die Zweit-Anlage oder ein Upgrade eines einfacheren Geräts. Vielleicht eine rein analoge Kombination? Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Ideen für Anlagen-Kombinationen

Geht man immer nach der High-End Gemeinschaft, ist der Einstieg in diese Welt ab 5000€ möglich. Zielgruppe sind hier Baby-Boomer und Generation X. Wir denken da anders, denn wer im Alter schon Hobbies hat, wird sich nicht Hifi als weiteres teures Hobby ans Bein binden und klanglich kann man auch mit kleinem Budget ordentlich was rausholen. Wir versuchen hier mal Ideen in den Raum zu werfen, wie das aussehen könnte. Viele beschriebene Komponente sind natürlich mit Komponente X ersetzbar und vielleicht trifft was anderes eher den Geschmack. Letztlich geht es hier um Ideen-Findung und wir hoffen das kommt gut an.

Mehr oder minder Einsteiger

Mehr oder Minder halt weil es sich hier bei dem Transaudio D5Pro schon um einen dedizierten Verstärker handelt. Wahrscheinlich ist wenn man “günstig” einsteigen will eine Stereo-Vorstufe mit Endstufe günstiger. Aber eben nicht so variabel. Vor allem weil man nicht immer eine wirkliche Vorstufe benötigt. Im Falle eines WiiM Pro Plus und dem Eversolo DMP-A6 funktionieren diese, solange man in deren Universum bleibt, für sich genommen als Vorstufe hervorragend. Auf dem Zettel haben sollte man auch vielleicht den WiiM Ultra, welcher in den nächsten Tagen verfügbar wird. Mit einem Preis von 399€, Display und im Inneren arbeitenden ES9038 Q2M Flagship-DAC. Für alle die auf Displays verzichten können, sollten sich somit den WiiM Pro Plus ansehen. Wer ausschlieslich Musik hören mag, aber auf die ästetik mit dem Display steht, der ist beim Eversolo ganz weit vorne dabei.

Allround

Wer aber ein Allround Gerät sucht, wird von WiiM Ultra begeistert sein. Denn dieser hat hier und da noch tolle Features, welche ihm definitv die Allround-Krone aufsetzen werden. HDMI mit ARC, Phono-Pre-Amp und einen Headphone Amplifier um nur kurz das Gerät anzureißen. Wir warten quasi täglich auf die Ankunft unserers Musters und dann wird hier ebenfalls ein umfangreicher Test erscheinen.

Lautsprecher

Aber ob WiiM oder Eversolo, gepaart mit dem Transaudio D5Pro hat man wahnsinnige Reserven zur Verfügung. Regallautsprecher? Kein Problem. Hier im Test haben wir Acoustic Energy AE 100² im Betrieb gehabt. Mit ihren knapp 350€ und einem Komplettsystempreis dann bei um die 1000€ mit einem WiiM Pro Plus, 1150€ mit dem WiiM Ultra oder knapp über 1500€ mit dem Eversolo hat man meine solide Grundlage zum Musik genießen geschaffen. Natürlich kann man hier auch einen Blick Richtung anderer üblicher Verdächtigen werfen: Dali, Elac, Canton,… die Palette ist riesig. Wichtig ist nur: stellt euch das Zeug Zuhause hin und hört es euch in euren vier Wänden an! Jeder gute Händler gibt euch die Möglichkeit genau das zu tun. Denn nur so erfahrt ihr ob euch eure Zusammenstellung in euren vier Wänden so klingt, wie ihr euch das vorstellt.

Standlautsprecher? Klar. Hier sind wir sicherlich dann schon irgendwo bei 2000€ für ein komplettes System mit Player und Amp. Viel hilft viel? Jo! Also Standlautsprecher sind schon erstrebenswert, wenn es um Musik Genuss gehen soll. Aber eben halt kein Muss. Auch ein Subwoofer kann die Regallautsprecher auf ein anderes Level heben.

Denkbare Upgrades

Neben größeren Lautsprechern wenn es bisher nur Regallautsprecher sind und/oder einem Subwoofer gibt es noch einiges was man sich ansehen kann um die nächsten Schritte im Hifi/Heimkino-Bereich zu wagen. Subwoofer sind übrigens gerade wenn man mit der Anlage auch Filme gucken möchte extrem hilfrech. Wen das mehr interessiert hatten wir zum Thema und Horror mal einen kleinen Abriss gemacht.

Natürlich kann man zu aller erst eine echte Stereo/Surround-Vorstufe hinzufügen und schafft sich so die Möglichkeit z.B. mehrere Quellen durchzuschalten. Neben Stereo-Sound kann man so eventuell eine 3.0 oder 3.1 Kombination schaffen und profitiert dann von dem dedizierten Front-Kanal für die Sprache in Filmen. Lange Zeit hat uns genau dies auch gereicht, aber war ein Segen für die Sprachverständlichkeit. Hier einfach einen kleinen Verstärker für den Center hinzugefügt, kann es schon losgehen. Hierfür wäre z.B. ein Fosi Audio V3 Mono denkenswert. Wenig Geld, aber hervorragend arbeitende Mono-Endstufe.

Weiterhin lässt sich dann mit einer Vorstufe oder dem WiiM Ultra ebenfalls ein Ausflug ins Analoge, gepaart mit einem Plattendreher, realisieren.

Bleiben wir dabei. Hoffentlich kommen die Anregungen gut an. Wir versuchen hier immer weiter zu gehen und weitere Ideen im Laufe unserer nächsten Tests zu zeigen.

Fazit

Der Transaudio D5pro ist der Wahnsinn. Schon immer gab es Nachbauten dieser legendären Endstufe, aber erst das Ablaufen des Patents ermöglicht es der breiten Masse Zugriff auf diese hervorragende Schaltung zu haben. Schwer vorstellbar, dass es aktuell irgendwas um die 500€ gibt, was diesem Amp irgendwas entgegen setzen kann. Zu beziehen ist as Gerät über Ali-Express, vom dem Shop wo wir das Testmuster bereitgestellt bekommen haben. Macht es natürlich schwierig mit Garantie. Aber am Ende lässt sich das Gerät sicherlich zu 100% reparieren.

Röhren-Feeling in einem Transistor-Verstärker? Jop! Leistung? Jop! Preis-Leistung? Unschlagbar. Wird man lange Spaß an dem Gerät haben? Mit absoluter Sicherheit. Kann ich damit auch schon geneigte High-Ender hervorlocken? Klar. Die klanglichen Eigenschaften des Geräts sind unverkennbar.

Wir jedenfalls werden das Gerät für unsere rein analogen Tests immer gerne heranziehen. Mit einem Streamer hat man auch sofort eine wunderbare Anlage. Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Und jetzt: weniger lesen mehr hören!

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Eversolo DMP-A6 — der Hype-Streamer im Langzeittest https://www.hifigeek.de/eversolo-dmp-a6-der-hype-streamer-im-langzeittest/ https://www.hifigeek.de/eversolo-dmp-a6-der-hype-streamer-im-langzeittest/#respond Wed, 24 Jul 2024 20:06:26 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=7922 Wenn man sich mit Streamern beschäftigt, kommt man wohl nicht am Eversolo DMP-A6 vorbei. Wir natürlich auch nicht und haben ihn parallel mit dem WiiM Pro Plus zum Test gebeten.

*Update*: Wer auch gespannt ist, wie sich der Eversolo DMP-A6 gegen den Eversolo DMP-A6 Master Edition schlägt, muss bei uns wieder reinklicken. Aktuell haben wir beide nebeneinander stehen und versuchen jede noch so kleine Nuance herauszukitzeln. Hier nun der Test: Eversolo DMP-A6 Master Edition

Weiterhin passt zu den Eversolos natürlich auch der Eversolo AMP-F2, welchen wir natürlich ebenfalls zum Test gebeten haben.

Natürlich war uns bewusst, dass man die beiden Streamer im Grunde nicht vergleichen kann. Das sagt alleine das Preistag von gut 850€ beim Eversolo DMP-A6 aus. Ist der WiiM Pro Plus doch am Prime Day für sage und schreibe 199€ zu haben gewesen.

Nein, wir wollten den Eversolo wegen seinem Look und seinen Features. Und von denen hat er jede Menge.

Abgrenzung

Wir haben uns den Eversolo DMP-A6 vom deutschen Vertrieb besorgt und lassen uns von diesem in unserer Wertung nicht beeinflussen. Wir nehmen ebenfalls kein Geld für unsere Tests, sodass wir die Freiheit genießen frei über das Produkt zu schreiben, ohne uns Monitär abhänging zu machen. Wer lieber auf blumige Reviews ohne klare Aussagen steht, darf sich gerne bei der Fachpresse umsehen.

Reviews in Bild und Ton

Wir haben mittlerweile auch einen eigenen Youtube-Channel. Hier versuche ich regelmäßig für euch Reviews mit bewegtem Bild bereit zu stellen und mehr mit euch in Kontakt zu treten. Schaut doch einfach mal vorbei und aboniert den Kanal. Danke!

Unboxing

Gut verpackt, erreichte uns der Eversolo DMP-A6 und nachdem wir, schwarze Box, in der Box, in der Box öffneten, wurden wir zuerst vom Quick Start Guide begrüßt. Unter dem einrahmenden Schaumstoff verbarg sich dann der, in einem Polyesterbeutel verpackten, Streamer. Den Beutel, welcher ebenfalls das Eversolo Logo trägt entnommen und oberhalb noch die im Lieferumfang enthaltenen Zubehörteile, war es dann auch schon unboxed!

Lieferumfang

Der Lieferumfang ist sperrlich aber angemessen. Neben dem Eversolo DMP-A6 selbst und dem Beutel als Verpackung, gibt es noch ein Kaltgerätestecker, einen kleinen Kreuzschlitzschraubendreher und ein USB‑A zu USB‑B Kabel. Weder Cinch oder ein Toslink-Kabel ist enthalten, war aber auch nicht wirklich von uns erwartet worden. Wobei hier der WiiM beides mitbringt. Ob das nun mehr “Müll” ist oder eben nicht, muss man für sich selbst entscheiden.

Eine Fernbedienung wird beim Eversolo nicht mitgeliefert, ist aber als Zubehör erhältlich.

Design und Verarbeitung

Der Eversolo besticht natürlich durch sein Design. Mit seinem riesigen Display und beleuchteten Volume-Knob sieht er einfach schick aus. Die von Eversolo gestaltete Oberfläche der Software ist modern und schlicht zugleich. Der Streamer eignet sich definitiv als Eye-Catcher auf einem schicken Möbel. Um sich noch weiter zu verwöhnen hat er verschiedene VU-Meter und Designs zum Anpassen an den persönlichen Geschmack.

Die Verarbeitung des Eversolo ist Fehlerfrei. Das Gerät besteht vollständig aus Aluminium und ist für seine Größe recht schwer. Massiver Gehäusedeckel, ordentliche Gerätefüße und vergoldete Anschlüsse lassen eigentlich keine Wünsche offen.

Einrichtung

Neuer Streamer, altes Spiel: Auch für den Eversolo DMP-A6 gibt es natürlich eine App. Diese schnell aus dem App Store gezogen ist man hier schon mal ready. Den Streamer haben wir über verschiedene Arten angeschlossen, aber gängig ist sicherlich, per Cinch oder XLR an seinen Vorverstärker. Wer jedoch einen externen DAC benutzen möchte, muss das dann per USB, Coax oder Toslink tuen. Schnell noch ein Netzwerk-Kabel angeschlossen kann es losgehen. Wir haben den Streamer mit unserem High-End Kaltgeräte-Stecker an den Strom angeschlossen und je nach Setup mit dem Cinch Sommer Cable Epilogue oder XLR Sommer Cable Epilogue an unsere Vorstufe und Endstufen. Die Lautsprecher haben wir mit DIY Lautsprecherkabeln auf Basis von Sommer Cable Dual Blue Kabel versorgt.

M.2 SSD

Eine Besonderheit hat der Eversolo DMP-A6 natürlich noch: An der Unterseite hat er eine kleine Klappe, welche sich mit dem beigelegten Kreuzschlitzschraubendreher öffnen lässt. In diese passt dann eine handelsübliche M.2 SSD, auf welcher man seine Musiksammlung ablegen kann. Hierzu natürlich später mehr. Wer das direkt zu Beginn möchte, kann das natürlich direkt vor dem Anschließen erledigen.

Erster Start

Da wir ein Netzwerkkabel verwenden begrüßt einen beim ersten Start direkt ein Update! Woohoo. Update gemacht, App an den Start gebracht, kann es eigentlich auch sofort losgehen. Für die WLAN Leute, muss man seine WLAN Daten mit Hilfe des Displays des Eversolo DMP-A6 eingeben. Danach sollte der Player sich die Update-Pause gönnen und dann kann man endlich loslegen.

Bedienung

Wir haben es gerade schon erwähnt, aber was den Eversolo DMP-A6 zum einen vom WiiM abgrenzt, ist dessen 6 Zoll Display. Und dieses ist nicht nur zum Anzeigen von Informationen da, sondern da es sich um ein Touchscreen handelt, kann man den Player hierüber komfortabel bedienen. Zusätzlich lässt sich bis auf einige Kleinigkeiten der Player auch über die Handy-App bedienen. Ausnahmen sind hier z.B. die Netzwerkeinstellungen, welche nur am Gerät selber getätigt werden können.

Die Bedienung an und für sich geht einfach und intuitiv von der Hand. Aufgrund der vielen Features, sind einige Funktionen nur sehr verschachtelt zu erreichen. Zum Glück gibt es aber die Option Short-Cuts auf dem Home-Screen des Eversolo DMP-A6 zu setzen, mit welchen man dann zum Beispiel zu seinem Streaming-Dienst der Wahl kommt.

Generell muss man sagen, dass der 6 Zoll Touch-Bildschirm eine klasse Art und Weise der Bedienung ermöglicht. Das System reagiert immer flink und auch ein Boot vom ausgeschalteten Zustand geht innerhalb von 30 Sekunden.

Eversolo Software

Bei dem Betriebssystem vom Eversolo DMP-A6 handelt es sich um ein extrem modifiziertes Android 11. Wer jetzt die Optik oder andere Dinge an Android nicht mag: keine Angst! Bis auf die Eingabe-Tastatur erinnert sogut wie nichts an ein normales Android. Hier hat Eversolo viel Hand angelegt und ein in unseren Augen rundes Software-Erlebnis gebaut. Die iOS App funktioniert tadellos und bedient sich flink, als dass auch schnellen Sessions nichts im Wege steht. Abstürze oder Ähnliches sind uns in unserem Test nicht untergekommen. Die Software macht einen wirklich ausgereiften Eindruck und kann locker gegen der altbekannten von Sonos gegenhalten. Gerade mit der V2 von Sonos erst recht. Gegen den WiiM gibt es sicherlich kleinst Abzüge in der Endnote, weil uns hier die aufgeräumte Oberfläche dann doch eine Nuance besser gefällt.

Technik-Bashing

Aber auch die inneren Werte zählen und hier ist der Eversolo DMP-A6 stark aufgestellt. Mit einem ARM Cortex-A55 Quad Core, welcher zwar schon ein paar Tage auf dem Buckel hat, den Eversolo aber niemals langsam wirken lassen. Unterstützt wird er von 4 GB Ram und 32 GB eMMC Speicher stehen für Apps zur Verfügung.

Der Eversolo DMP-A6 verwendet gleich zwei SABRE ES9038Q2M DAC-Chipsätze von ESS und bietet dadruch einen voll symetrischen Aufbau. Hier haben wir wirklich High-End Allüren, welche schon weit oben mitspielen. Die Arbeit übernimmt dann ein XMOS XU316.

Dank den beiden SABRE ES9038Q2M’s unterstützt der Eversolo DMP-A6 DSD512 Native, PCM768KHz@32Bit, MQA Volldecodierung. (Ja wir wissen, dass sich MQA auf dem absteigenden Ast befindet)

Der Eversolo hat eine Dual-Clock-Verarbeitung mit geringem Jitter und dadurch höherer Genauigkeit. Vollständig symmetrische Schaltung, symmetrischer XLR- und unsymmetrischer RCA-HiFi-Vorausgang. 2x DOH-Chips, unterstützt HDMI DSD Native und D2P Mehrkanal-Ausgang.

Ab Werk hat der Eversolo schon ein rauscharmes, hochwertiges Netzteil, das eine reine Stromquelle für Audioschaltungen bietet.

Hatten wir gesagt dass es sich beim Grundsystem um ein Android handelt? Eversolo hat ebenfalls seine eigene EOS-Audio-Engine entwickelt, die die SRC-Beschränkungen von Android global umgeht und so die direkte Ausgabe von Drittanbieter-Apps unterstützt. (Apple Music Hi-Res Direct Output)

Die verbauten Komponenten zergehen auf der Zunge wie Butter: WIMA-Kondensatoren aus Deutschland, NICHICON-Kondensatoren für den Audiobereich, Murata-Chipkondensatoren, Omron-Relais auf Japan und TI-Audio-Operationsverstärker (Op-Amps)

Als kleinen Leckerbissen verfügt der Eversolo DMP-A6 noch über einen M.2 NVME 3.0 Slot im Format 2280, welcher SSD’s mit bis zu 4TB aufnimmt.

Streaming

Der Eversolo DMP-A6 verfügt über alle gängingen und nicht gängigen Streaming-Dienste. Als kleiner Leckerbissen ist er auch als so einziger (von dem wir wissen) in der Lage auch nativ Apple Music auf dem Gerät bereit zu stellen. Hier hat Eversolo ganze Arbeit geleistet und Apple Music vollständig selbst implementiert. Einfach einloggen und loshören.

Unterstützte Streaming-Dienste sind bisher: Tidal, HIGHRESAUDIO, SoundCloud, Calm Radio, Apple Music, Classical, Presto Music, Spotify, Audials Play, Amazon Music, Deezer, KKBOX, Napster, TuneIn Radio, Qobuz, Radio Paradise, BBC Sounds, RadioDroid, Open Radio.

Weiterhin ist der Player in der Lage Music von weiteren Netzwerk- und Internet-Quellen abzuspielen. OpenDrive, Dropbox, Emby, Jellyfin und Plex. Im Netzwerk greift er per UPnP und WebDAV auf Inhalte, z.B. auf ein NAS zu.

Tidal Connect, Roon Ready, Spotify Connect, Airplay2 und Squeeze Connect dürfen auch nicht fehlen. Lediglich auf Chromecast scheint man bisher verzichten zu müssen.

Screenshot

Equalizer

Natürlich verfügt der Eversolo DMP-A6 auch über Equalizer. Und was für eine fette Implementation Eversolo seinen Kunden da an die Hand gibt! Abgesehen davon dass man einen 10 bandigen wahlweise parametrischen oder grafischen Equalizer zur Hand bekommt, kann man mehre Konfigurationen für diesen ablegen. Wem das noch nicht reicht, kann den Equalizer auch unabhänging pro Kanal einstellen. Wem auch das nicht reicht: Der Equalizer kann ebenfalls pro Ausgang eingestellt werden und bietet damit ein höchstmaß an Feintuning-Möglichkeit, wo ein jeder mit Glücklich werden sollte.

Smart-Assistenten

Stumpf: keine. Eversolo verzichtet auf die Integration von Alexa und Co.

Höreindruck

Angeschlossen haben wir den Eversolo DMP-A6 über mehrere Setups im Laufe der Zeit und dies soll den persönlichen Höreindruck schildern. Hierzu haben wir uns eine Qobuz-Referenz-Playlist Playlist angelegt, die wir etliche Male abgehört haben.

Knocked Loose — Deep in the Willow

Wir haben es schon in unser WiiM Pro Plus Review erwähnt: Knocked Loose hat erstaunlich audiophile Alben. Bryan Garris gekeife mit den slayerisken Riffs und den eindringlichen Drums eignen sich für das Abhören und bewerten von der Sound-Qualität ganz hervorragend. Zu Beginn erwarten uns abgrundtiefe Riffs, welche schön aus dem Keller heraus zupacken und ordentlich nach vorne schieben. Der Eversolo DMP-A6 drückt hier noch ein bisschen mehr, als wir das schon vom WiiM gewohnt waren. Gerade das Wechselspiel aus tiefen, fetten Riffs und Bryan’s Gesang, stellt der Eversolo DMP-A6 wirklich sehr plastisch und differenziert dar. Die dargestellte Bühne ist breit und tief. Bryan spuckt uns direkt frontal mit seinem Gesang ins Gesicht, die Gitarren und Bass werden sehr räumlich dargestellt und über allem erhaben sind die Drums die wie eine Gewehrsalve teilweise in den Raum transportiert werden. Die Bassdrum drückt dank Subwoofer ordentlich und erweckt den eindruck, dass sie gerade direkt vor einem steht. Hier merkt man den Klassenunterschied zum WiiM doch schon recht deutlich, gerade weil wir die Gelegenheit hatten beide Player gleichzeitig zu testen. Nicht falsch verstehen! Aber wer wirklich noch mehr Details, Druck und Präzision sucht, bekommt beim Eversolo DMP-A6 noch eine ganze Schippe mehr geboten.

Nirvana — Rape Me

Das Album In Utero von Nirvana ist in der Lossless Variante einfach eine Wucht! Rape Me haben wir aufgrund des Aufbaus des Songs gewählt, da hier besonders stark der Raum in dem die Aufnahme gemacht wurde, heraushörbar ist. Das ist in unseren Augen was ganz besonderes und lässt uns eine Vorstellung bekommen wie das Lied ursprünglich in den Ohren von Kurt Cubain, Dave Grohl und Co. geklungen haben muss. Der Eversolo DMP-A6 spielt hier sehr feinfühlich zunächst die erste Passagen des Lieds und verwöhnt unser Ohr mit einer wirklich guten Abbildung des Aufnahmeraums. Hier lässt der Streamer uns schon gerade zu analytisch den Raum erkunden und die verschiedenen Instrumente verorten. Ganz großes Tennis muss man sagen.

Zeal & Ardor — Firewake

Mit Zeal & Ardors Firewake haben wir einen weiteren Hochkaräter in unserer Referenz-Playlist. Mit eine Misch aus Gospel und Black Metal haben wir hier Gegensätze und gleichzeitig eine komplexe Vereinigung total verschiedener Stile. Die Drums in dem Song sind sehr eindringlich und gepaart mit den wirklich fetten Riffs, flankieren sie hier zarteren Gospel-Artigen Gesag und verzehrten Schrei-/Guteral-Passagen. Wer Zeal & Ardor schon mal live gesehen hat, weiß dass Sänger Manuel Gagneux hierfür teils verzerrer bei seiner Stimme verwendet. Der Eversolo DMP-A6 arbeitet hier alle Nuancen sauber heraus. Die Snare-Drum beo 0:29 hämmert sauber ins Trommelfell und die Riffs schieben ordentlich tiefenbetont vorwärts. Bei all dem Geballer, kann der Eversolo DMP-A6 dennoch eine homogene Bühne zeichnen und bettet alles sauber ins Klangbild ein. Gerade so um 2:20 herum geht die Bass-Drum Salve los und die Stand-Toms bekommen hier ordentlich Bühne. Hier zeigt der Streamer wieder keinerlei Schwächen, sodass er auch bei Firewake zu überzeugen weiß.

Brand of Sacrifice — Between Death and Dreams

Brand of Sacrifice machen immer Spaß! Haben sie doch recht komplex designte Songs mit vielen Einspielern und Bass-Drops. So auch bei Between Death and Dreams. Klar Elektro lastig geht es im Intro des Songs los mit feinem Chor gesag und wummernden Bass. Hier bei der Eversolo DMP-A6 eine abgrundtiefe Stage und hüllt unseren ganzen Raum in tiefsten Bass. Mit einsetzen der Gitarren und weiteren Tiefbass-Effekten bricht Kyle Anderson hinterm Mikro los und wirft fiesen guteralen Gesang in den Raum, welcher kraftvoller nicht dargestellt werden kann. Immer unterbrochen durch wummernde Bässe gepaar mit Chorgesängen. Die schnelle Bass-Drum immer sauber und zwingend präsent zur Stelle ist das komplette Drumset räumlich perfekt zu verorten. Da es sich um eine wirklich sehr digitale Produktion handelt, ist das Song design zugegeben sehr technisch und komplex, was und der Eversolo DMP-A6 aber anscheinend mit Leichtigkeit entgegnet. Nie haben wir den Eindruck, dass hier was verloren geht oder fehlt dargestellt wird. Der Breakdown bei 2:20 ist eine Wonne und macht voll aufgedreht tierisch Bock auf mehr und hämmert auch den letzten Staub von den Boxen.

Der Sound zusammengefasst

Seien es die erwähnten Songs oder unsere schier unendlichen test gehörten Songs verschiedenster Bands und Genre, der Eversolo DMP-A6 macht eine gute Figur bei allem. Im direkten Vergleich zum WiiM glänzt er mit einigem an mehr Auflösung und Details. Auch in Sachen Druck ist er gefühlt noch einige Ecken stärker. Wir haben die Streamer immer ohne jegliche Equalizer in unserem akustisch bearbeiteten Wohnzimmer-Heimkino gehört, in welchem wir zum großteil auf Equalizer-Anpassungen verzichten können.

Musik-Bibliothek und M.2 SSD

Ein Killer-Feature des Eversolo DMP-A6 ist sein M.2 Slot. Hier kann man nämlich eine bis zu 4TB große SSD im M.2 Format verbauen und so seine Musiksammlung auf dem Streamer lokal ablegen. Damit bildet der Streamer eine Alternative zu z.B. einem Roon-Server oder NAS.

Leider kann er nicht als Roon-Server fungieren und uns so die Roon-Features zur Verfügung stellen, aber die von Eversolo bereitgestelle Oberfläche für die eigenen Dateien ist schon klasse. Man hat die Möglichkeit via SMB oder per Browser den Player mit seiner Musik zu bestücken. Der Player sortiert dann nach Wunsch die eigene Musik nach Album, Song oder Interpret oder aber man legt sich eigene Playlists an. Der Player erkennt alle gängigen Formate und spielt dank schnellem Prozessor und SSD die Files eigentlich ohne Wartezeit ab.

CD-Ripping

Um der SSD-Funtionalität noch ein i‑Tüpfelchen aufzusetzen, ist der Eversolo DMP-A6 ebenfalls in der Lage CDs zu rippen und diese auf den internen Speicher abzulegen. Hierfür muss an dem Streamer ein CD/DVD-Rom Laufwerk per USB an den Streamer angeschlossen werden und dann kann es auch schon losgehen. Mangels USB-Laufwerk haben wir die Funktion nicht getestet, denken aber das sie für den ein oder anderen interessant sein könnte.

Vergleich zum WiiM

Dem muss sich wohl ein jeder Ultra Hi-Res Player in Zukunft stellen. Und ja, es ist nicht unbedingt so, dass der WiiM nicht reichen würde. Der Eversolo DMP-A6 zeichnet besser und drückt mehr. Aber bei einem Aufpreis von fast 500€ ist das sicherlich nicht das Argument um zum Eversolo DMP-A6 zu greifen. Diese finden sich schlicht ganz woanders. Selbst die Software, welche zwar unterschiedlich und beim Eversolo DMP-A6 ein wenig verschachtelter ist, macht hier nicht den Braten fett.

Der Eversolo DMP-A6 glänzt einfach mit einem wirklich brillianten Display, mit welchem er sich ausgezeichnet steuern lässt und Stimmungsmäßig die Albencover oder VU-Meter anzeigt. Er hat einen M.2 Slot um die eigene Musiksammlung zu beherbergen. Das ist wenn man nicht gerade ein NAS nutzen möchte oder schon über sowas wie einen Roon-Server verfügt, wirklich das Killer-Feature. 2 TB für 120€ reingeschmissen, nimmt er tausende Lossless-Alben auf und so hat man eine wirklich reichhaltige Offline-Bibliothek zur Verfügung, um sich ein wenig unabhängiger von Streaming-Diensten zu machen. Weiterhin der symetrische Aufbau des Audio-Bereichs lässt ihn einfach noch in einer anderen Klasse spielen.

Wer einen Budget Player nur zum Streamen sucht, wird zu 100% mit dem WiiM glücklich. Wer einen Streamer sucht, der noch kein Vermögen kostet, seine eigene Musik-Sammlung beherbergen will oder aber seine CD-Sammlung rippen, sowie gerne auch Albencover zu Gesicht bekommt ohne gleich sein Handy zu zücken, der muss sich den Eversolo auf die Short-List setzen.

Für wen ist der Eversolo DMP-A6?

Hier gibt es sicherlich verschiedenste Szenarien, aber eines ist sicherlich wie in unserem Falle, dass man relativ “dumme” Technik Zuhause hat und dieser Streaming-Funktionalitäten aufrüsten möchte. Der Eversolo DMP-A6 bietet mit seinen Anschlussmöglichkeiten nahezu alles um wunschlos glücklich zu werden. Der Sound des DAC wird einem lange Freude bereiten und die meisten Ansprüche im Einsteigersegment befriedigen.

Ideen für Einsteiger- und Aufsteiger-Anlagen

Wenn es nicht der WiiM Amp sein soll, sondern man einfach im Regal zu einer Klasse besser greifen möchte und Ideen sucht wie eine Einsteiger- oder Aufsteiger-Anlage mit dem Eversolo DMP-A6 aussehen könnte, haben wir und ein wenig Gedanken gemacht.

Gehobene Einsteiger Kombination

Eine gehobene Einsteiger-Kombination ist sicherlich Eversolo DMP-A6 + Fosi Audio V3 Mono + Acoustic Energy AE 100² Regallautsprecher. Fosi Audio ist als Budget-Marke bekannt und bringt mit ihren V3 Mono gerade interessante und wirklich leistungsstarke digital Mono-Endstufen auf den Markt. Dadurch, dass der Eversolo DMP-A6 sich perfekt als Vorstufe nutzen lässt, können die Fosi Audio V3 Mono direkt per XLR an diesen angeschlossen werden. Einzelne Monoblock-Endstufen sieht man normalerweise schon eher im Ultra High-End Bereich und kann hier für “kleines Geld” von den Vorteilen durch separate Netzteile pro Kanal und damit keine Interferenzen, sowie Verhinderung von Cross-Talk. Darüber hinaus, kann man in Zukunft über Erweiterungen mit weiteren V3 Monos als 3.0 System oder 5.0/5.1 System nachdenken. Klingt gerade ein wenig crazy, aber die Möglichkeiten zur Aufrüstung sind gegeben. Mit den Acoustic Energy AE 100², zu welchen wir in nächster Zeit auch was schreiben werden, holt man sich klanglich hervorragende kleinere Lautsprecher ins Haus um bei wenig Platz und/oder kleinerem Budget, High-End Sound genießen zu können. Darüber hinaus sind die Lautsprecher super verarbeitet und die 300er Serie von Acoustic Energy bietet genug Potenzial für Upgrades und Ausbauten.

Gehobene Kombination

Zweite Idee wäre es neben den üblichen Verdächtigen einen Blick nach China zu wagen und sich sowas wie den Transaudio D5-Pro ins Haus zu holen. Hier bekommt man dann einen Nachbau von einem tollen Stück Hifi-Geschichte (dem darTZeel NHB-108) und definitv im High-End Segment mitspielenden Stereo-Verstärker für um die 700€. Hierzu werden wir die Tage auch noch was schreiben, denn wir haben sogar einen hier im Test. In Kombination mit dem Eversolo DMP-A6 und den Acoustic Energy haben wir hier ein tolles Hifi-Paket, welches aber schon so langsam an der 2000€-Genze kratzt. Dennoch sind genug Leistungsreserven für etwaige Aufrüstung Richtung Standlautsprecher vorhanden und das Ganze im Class-AB Design mit symetirschen Aufbau.

Erweiterungen

Erweiterungen sind natürlich immer in den Vorschlägen bedacht. Die Fosi-Audio V3 Mono’s kann man in beliebiger Stückzahl einfach erweitern, um sich z.B. mit einer geeigneten Vorstufe ein Surround-Setup zusammen zu basteln. Generell eine Vorstufe ist auch keine schlechte Idee, um sein Setup vielleicht noch mit einem Plattendreher zu erweitern.

Geneigte High-Ender greifen sicherlich früher oder später noch zu anderen DAC’s, um hier noch mehr Details und Auflösung aus den abgespielten Dateien heraus zu holen.

Fazit

Wir haben uns verliebt. Wer beim WiiM noch was vermisst, wird dies sicherlich beim Eversolo DMP-A6 finden. Das große Display weiß zu begeistern und trägt zur meditativen Stimmung beim Musik hören bei. Hier kann man sich zu seiner Musik das Alben-Cover, VU-Meter oder andere Dinge anzeigen lassen. Weiterhin kann man auf ein Handy als Bedienung verzichten. Die als Zubehör erhältliche Fernbedienung macht dann sicherlich für den ein oder anderen Sinn.

Die Audioverarbeitung ist spitzenklasse und sicherlich außergewöhnlich in dem Preissegment unter 1000€. Die Anschlussmöglichkeiten sind vielfältig und einzig ARC könnte man beim HDMI-Anschluss vermissen. Wir wollen den Player ungern wieder gehen lassen. Gerade für Einsteiger in das Hifi-Hobby ist dieser Streamer das Tor Richtung High-End.

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