HiFiGeek Award - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de Audio & Heimkino. Ernst genommen. Mon, 15 Jun 2026 08:06:54 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://www.hifigeek.de/media/cropped-hifigeek.de-512-32x32.png HiFiGeek Award - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de 32 32 60029611 Burson Soloist Stellar Max im Test: Kompromisslos vielseitig – Voyager-DNA, branchenführender IEM-Modus, unter 3.000 € https://www.hifigeek.de/burson-soloist-stellar-max/ https://www.hifigeek.de/burson-soloist-stellar-max/#respond Tue, 02 Jun 2026 20:23:46 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=11843 Der Burson Soloist Stellar Max steht seit drei Monaten auf meinem Schreibtisch. Knapp acht Stunden täglich. Das ist viel Zeit. Genug Zeit jedenfalls, um nicht nur die ersten Wow-Eindrücke zu sammeln, sondern auch den Punkt zu finden, an dem ein Gerät anfängt zu nerven. Spoiler: Dieser Punkt ist beim Soloist Stellar Max bisher nicht gekommen. Ganz im Gegenteil – je länger ich das Ding nutze, desto mehr verstehe ich, warum es im Head-Fi-Forum gerade so abgeht.

Wer den Stellar Max im Kontext der gesamten Burson-Linie einordnen möchte: Alle HiFiGeek-Tests zu Burson Audio im Überblick.

Disclaimer: Burson Audio hat den Soloist Stellar Max kostenlos zur Verfügung gestellt. Auf meinen Testaufbau, meine Höreindrücke und meine Wertung hat Burson keinen Einfluss. Wie immer hier: keine Werbung, keine Affiliate-Links, keine bezahlten Beiträge – nur das, was im Test rauskommt.

Das Review vom Burson Soloist Stellar Max gibt es auch als Video

Burson Audio und die neue Stellar-Serie

Wer regelmäßig hier mitliest, kennt Burson Audio bereits aus meinem Timekeeper-GT4-Max-Review. Die Australier sortieren ihr Portfolio aktuell in vier Linien: Party‑, Stellar‑, Grand-Tourer- und Voyager-Series. Die Stellar-Serie ist die jüngste Neuauflage und sitzt im Stack unterhalb der Grand-Tourer-Geräte – kompakter, schlanker, optisch frischer, aber technisch nicht aus dem Schaufenster-Regal. Mit dem Conductor Stellar (mit DAC) und dem Soloist Stellar (rein Kopfhörer- und Vorverstärker) hat Burson zwei Geschwister im selben Gehäuse: gleiches Chassis, gleiche Designsprache, leicht unterschiedliche Innereien.

Der Burson Soloist Stellar Max, den ich hier habe, ist die Vollausstattung. Das heißt: V7 Vivid Pro Opamps (statt der NE5532 der Standard-Version), Silent Power Module 02 (statt SP01), das GaN-basierte Fusion Core Netzteil (statt des Standard-24-V-Schaltnetzteils) und eine ordentliche Aluminium-Fernbedienung. Burson bietet darüber hinaus die Deluxe-Variante an, die ohne den Fusion Core auskommt und stattdessen das Super-Charger-5A-Netzteil mitliefert. Wer maximal will, nimmt direkt den Max.

Preislich liegt der Soloist Stellar Max bei ca. 2.900 € UVP zum Testzeitpunkt. Damit kostet er knapp die Hälfte des Soloist Voyager Max, der bei rund 5.000 € liegt – und holt trotzdem einen Großteil von dessen Charakter ins kompakte Format. Aber dazu gleich mehr.

Unboxing und Lieferumfang

Burson-typisch ordentlich. Der Burson Soloist Stellar Max kommt in einem doppelten Karton, sauber in Schaumstoff gebettet. Das Fusion Core Netzteil liegt in einem eigenen Karton, dazu das custom-konfektionierte 24-V-Kabel – netzteilseitig mit Schraubverbindung gesichert, geräteseitig gesteckt. Dasselbe Konzept wie beim großen Timekeeper GT4 Max, nur mit weniger Saft (24 V/15 A statt 32 V/15 A).

Lieferumfang Burson Soloist Stellar Max:

  • Burson Soloist Stellar (Max-Version mit V7 Vivid Pro Opamps und SP02-Modulen)
  • Burson Fusion Core 24-V-Netzteil (GaN-basiert)
  • Custom 24-V-Kabel (Schraubverbindung)
  • Netzkabel (länderspezifisch)
  • Aluminium-Fernbedienung (zweifarbig)
  • Ersatzsicherung
  • Kein gedrucktes Handbuch – das gibt es zum Download

Ein 4,4‑mm-Pentaconn-Adapter wäre eine nette Geste gewesen, denn der Burson Soloist Stellar Max hat kein 4,4‑mm-Pentaconn an der Front. Wer von einem Portable-DAC oder einem moderneren Setup kommt, muss sich also einen Adapter besorgen oder das Kopfhörerkabel auf XLR‑4 oder 6,3 mm umkonfektionieren. Kein Drama, aber 2026 nicht mehr selbstverständlich.

Anschlüsse und Bedienmodi

Front:

  • 4‑Pol XLR (Balanced Headphone-Out, voller Punch via 8 W Class‑A)
  • 6,35 mm Klinke (Single-Ended, 4 W Class‑A)
  • 3,5 mm Mikrofon-Eingang
  • Lautstärke-Drehregler mit Encoder-Feedback
  • drei Menü-Tasten und ein 1,7‑Zoll-OLED-Display

Rückseite:

  • 2× RCA Eingang
  • 2× XLR Eingang
  • 2× RCA Ausgang
  • 2× XLR Ausgang
  • Subwoofer-Out (RCA)
  • Trigger In/Out
  • 24-V-DC-Eingang mit Steckverbindung
  • Power-Schalter

Vier Betriebsmodi lassen sich über die Menüsteuerung durchschalten:

  1. Headphone Amp – Hauptverstärkerzweig, volle 8 W Class‑A
  2. Headphone Amp + Subwoofer – Kopfhörer plus zusätzliche Sub-Ausspielung
  3. IEM Amp – dedizierter IEM-Verstärkerzweig mit niedrigerer Leistung, separatem Layout, eigenem Rauschabstand
  4. Preamp – Linestufe für Endstufen oder Aktivlautsprecher

Das Konzept mit den separaten Audio-Pfaden ist der eigentliche Witz bei diesem Gerät. Dazu gleich.

Design, Verarbeitung und Aufstellung

Der Burson Soloist Stellar Max teilt sich das Chassis mit dem Conductor Stellar – also kompakt im Vergleich zu den Grand-Tourer-Geräten, mit aerospace-inspirierten Lüftungsschlitzen oben und unten, gebürstetem Aluminium und der typisch futuristisch wirkenden Burson-Front. Mit 210 × 200 × 75 mm und etwa 5 kg ist das Ding ein Schreibtisch-Bewohner, kein Rack-Klotz. Auf einem normalen 60-cm-Schreibtisch findet er locker Platz neben Bildschirm und Tastatur und sieht dabei auch noch verdammt gut aus.

Die Verarbeitung ist Burson-typisch sehr gut – keine scheußlichen Spaltmaße, keine scharfen Kanten, das Aluminium fühlt sich satt und solide an. Das Volumen-Drehrädchen hat mehr Widerstand als bei meinen anderen Burson-Geräten, was sich angenehm haptisch anfühlt. Ehrlich gesagt ist mir das bei einem digital ausgewerteten Encoder relativ egal – aber wer Wert auf Premium-Haptik legt, freut sich über das deutliche Feedback.

Wärmeentwicklung: Bei 50 W Idle-Bias in Class‑A wird das Gerät warm. Nicht heiß, sondern gut handwarm – perfekt für kalte Schreibtischhände im Winter. Der Burson Soloist Stellar Max ist aktiv gekühlt, die Lüfter sitzen in den Schlitzen oben und unten. Im Alltag sind sie so leise, dass ich sie in den ersten Wochen schlicht nicht wahrgenommen habe – kein Vergleich zu einem lauten PC-Lüfter, eher ein leises Hintergrundrauschen das im normalen Hörpegel vollständig verschwindet. Trotzdem: Lüftungsschlitze freihalten, nichts drauflegen. Der Stellar braucht Luft zum Atmen.

Optisch ist das Ding deutlich näher am Conductor Stellar oder Voyager als an der Grand-Tourer-Serie. Wer von einem GT4 kommt, sieht hier eine neue Designgeneration – kompakter, geometrischer, weniger “Industrie-Look”, mehr “Premium-Desktop-Audio”.

Technik – die Innereien im Detail

Der Burson Soloist Stellar Max ist technisch ein verdichteter Voyager. Burson hat hier nicht einfach den 3X Performance neu lackiert, sondern das Konzept von Grund auf überarbeitet. Vor allem: Es gibt zwei vollständig getrennte Verstärkerzweige in einem Gehäuse.

Hauptverstärker: Vollsymmetrische Class-A-FET-Topologie

Der Hauptzweig ist eine vollsymmetrische, vollständig diskrete Class-A-FET-Schaltung. Pro Kanal arbeiten vier Onsemi MJE15032 Transistoren – das sind klassische NPN-Bipolar-Transistoren, optimiert für hohe Linearität und niedrige Verzerrung. Burson treibt diese mit einem Idle-Bias von satten 50 W – das heißt, der Verstärker steht permanent in seinem optimalen Arbeitsbereich, Transienten kommen ohne Verzögerung und Crossover-Verzerrung gibt es schlicht keine.

Ein Wort zum Warmup

50 W Idle-Bias in einem kompakten Gehäuse haben eine Konsequenz, die viele beim ersten Einschalten nicht auf dem Schirm haben: Der Burson Soloist Stellar Max braucht Zeit, um auf seinem tatsächlichen Leistungsniveau anzukommen. Transistoren haben temperaturabhängige Kennlinien – Verstärkung, Ruhestrom und Arbeitspunkt verschieben sich, bis das Gerät seine thermische Betriebstemperatur erreicht hat. Laut Burson selbst sind dafür 15–30 Minuten vollständig ausreichend.

Wer direkt nach dem Einschalten reinhört, hört den Stellar noch nicht auf Betriebstemperatur – Bass und Dynamik wirken einen Tick weniger kontrolliert, die Bühne etwas flacher. Das ist keine Einbildung, sondern pure Physik. Der Gegenzug: Im voll aufgewärmten Zustand zahlt sich dieser Aufwand direkt aus – volle Kontrolle, maximale Dynamik, der ganze Burson-Sound.

Also: 15–30 Minuten vor dem ersten Track einschalten, Kaffee kochen, ankommen. Dann ist der Stellar da wo er hingehört – und du auch.

Noch ein praktischer Hinweis: Ab Werk ist die Auto-Off-Funktion aktiv, die das Gerät nach einer gewissen Zeit ohne Signal automatisch abschaltet. Wer sie deaktiviert, muss nicht jedes Mal neu warten – das ist eine legitime Option. Dauerhaft anlassen empfiehlt Burson allerdings nicht, weder für das Gerät noch für die Umwelt. 15–30 Minuten Warmup sind das sinnvolle Mittel der Wahl.

IEM-Modus: Branchenführend gelöst

Hier wird’s spannend. Der Burson Soloist Stellar Max hat einen separaten Verstärkerzweig nur für IEMs, bestehend aus zwei TPA6120A2 OpAmps. Diese Chips sind alte Bekannte mit absurd guten Daten: 0,00014 % THD+N, 1.300 V/µs Slew-Rate, weiter Frequenzgang. Burson nutzt sie hier explizit als IEM-Stufe, weil sie kombiniert mit eigener Stromversorgung und niedriger Leistung (1 W XLR / 0,5 W SE) das machen, was IEMs brauchen: einen tiefschwarzen Hintergrund ohne jedes Grundrauschen und genug Auflösung, um die feinsten Details herauszuziehen.

Kurzer Querverweis: Im Luxsin X9 (siehe mein Review hier auf dem Blog) wird derselbe TPA6120A2 als Hauptverstärker eingesetzt. Im Burson ist das die IEM-Sektion. Das sagt einiges über das Anspruchsniveau, mit dem hier gearbeitet wird.

Aktiviert man im Menü den IEM-Output, schaltet das Gerät auf diese eigene Stufe um. Das Resultat ist schlicht das Beste, was ich je an einem Desktop-Amp im IEM-Modus gehört habe. Mehr dazu in den Höreindrücken weiter unten.

PGA2320 Lautstärkeregelung – und warum das keine Nebensache ist

Burson setzt zur Lautstärkeregelung auf zwei Texas Instruments PGA2320 – einen pro Kanal, vollständig voneinander getrennt. Das ist ein analoger Resistor-Ladder-Chip: intern sitzt ein Netzwerk aus präzisen Festwiderständen, die per elektronischem Schalter konfiguriert werden. Kein Schleifer, kein mechanischer Kontakt, kein Verschleiß.

Was das im Vergleich zu den gängigen Alternativen bedeutet:

  • Klassisches Potentiometer: Schleifer auf Widerstandsbahn, Kanalabweichung zwischen L und R von 5–20 % – besonders im unteren Lautstärkebereich, wo man morgens leise hört und der linke Kanal einen Tick lauter klingt als der rechte. Dazu kommen Verschleiß und Rauschen über die Zeit.
  • Digitale Abschwächung: Effektiv Bit-Reduktion. Wer digital dämpft, verliert Auflösung im Signal. Für Budget-Geräte akzeptabel, für einen Verstärker dieser Klasse keine ernstzunehmende Option.
  • Diskrete R2R-Relais-Leiter – wie sie zum Beispiel im Luxsin X9 verbaut ist: Ebenfalls Festwiderstände, aber mit physischen Relais geschaltet. Das gilt in Audiophilen-Kreisen als die konsequentere, prestigeträchtigere Lösung – alles diskret, nichts in einem IC versteckt, die Relais-Klicks hörbar und für viele ein Feature statt ein Fehler. Mehr Schritte, mehr Granularität, mehr Philosophie. Der Nachteil: teurer in der Umsetzung, mechanisch komplexer, und das Klicken beim Regeln ist Geschmackssache.

Der PGA2320 ist der pragmatischere Weg zum gleichen Ziel: 0,0004 % THD+N, perfekte Kanalgleichheit durch IC-Fertigung, absolut lautlose Regelung. Burson hat zusätzlich eine eigene Lautstärkekurve programmiert – angepasst an die 8‑W-Class-A-Ausgangsstufe – damit auch empfindliche IEMs genug Regelweg im unteren Bereich haben, ohne beim ersten Klick zu laut zu werden. Zwei Chips, ein Kanal pro Chip, 100 % Kanaltrennung auf jeder Stufe.

Wer die audiophilere Philosophie bevorzugt, greift zu diskreten Relais. Wer einen technisch exzellenten, lautlosen und wartungsfreien Regelweg will, ist mit dem PGA2320 genauso gut aufgehoben – nur ohne das Klicken.

Silent Power Module 02 – oder: Warum Stromversorgung kein Nebenschauplatz ist

Die Silent Power Module sind Bursons hauseigene Spannungsregler-Module, die direkt in die einzelnen Audiosektionen eingebunden sind. Die zweite Generation basiert auf dem LT3045-Regulator von Analog Devices – einem Bauteil, das ursprünglich für Messtechnik und Hochfrequenzanwendungen entwickelt wurde, weil dort Versorgungsrauschen schlicht inakzeptabel ist. Im Audiobereich ist das genauso relevant, nur redet dort seltener jemand darüber.

Der LT3045 liefert 0,8 µVrms Rauschen – das ist kein Marketing-Wert, sondern ein messbarer Unterschied zu dem, was die meisten Hersteller verbauen. Zum Vergleich: Klassische Linearregler wie der LM317 oder LM7815, die in einer Vielzahl von Verstärkern und DACs im drei- bis vierstelligen Preisbereich stecken, rauschen je nach Konfiguration mit 15 bis über 100 µVrms. Das ist ein Faktor von bis zu 100 zwischen „Standard” und dem, was Burson hier einsetzt.

Das klingt abstrakt, ist aber konkret: Spannungsregler versorgen die Signalverarbeitung – die Opamps, die Ausgangsstufe, das IEM-Modul. Jeder Regler hat eine endliche PSRR (Power Supply Rejection Ratio): die Fähigkeit eines Schaltungsteils, Störungen auf der Versorgungsspannung vom Audiosignal fernzuhalten. Selbst gute Opamps wie die V7 Vivid Pro verstärken einen Teil des Versorgungsrauschens mit – je sauberer die Versorgung, desto weniger gibt es da zu verstärken, desto schwärzer der Hintergrund.

Was machen andere Hersteller stattdessen? Das Spektrum ist breit. Im Budget-Segment wird das SMPS-Schaltnetzteil direkt an die Audiostufe gehängt – Schaltfrequenzen im Kilohertz-Bereich inklusive. Im Mittelfeld kommen LM317 oder äquivalente Typen, manchmal ein Regler für alle Sektionen gemeinsam. Das bedeutet: DAC, Verstärker, Display-Steuerung und Mikrocontroller teilen sich denselben Versorgungspfad, und digitale Störungen können direkt in den Analog-Pfad einkoppeln. Im oberen Mittelfeld werden Regler pro Sektion eingesetzt – das ist bereits besser, aber mit Standardbauteilen.

Burson geht zwei Schritte weiter: LT3045-basierte Module pro Sektion, und das in einem Gerät, das bereits fünf Max-Current-Power-Supply-Sektionen mitbringt. Der Soloist Stellar Max hat vier SP02-Module – mehr als der Conductor Stellar, weil dort die DAC-Sektion einen Teil der Stromversorgungskapazität anders beansprucht. Bei einem reinen Verstärker geht dieser gesamte Aufwand direkt in die Sauberkeit der Endstufe und der IEM-Stufe. Das ist der technische Grund dafür, warum alle Reviews – und meine drei Monate Alltagserfahrung – beim Burson Soloist Stellar Max immer wieder beim selben Punkt landen: pechschwarzer Hintergrund. Nicht als Marketingformulierung, sondern als direkte Konsequenz davon, was in diesem Gerät steckt.

Fusion Core – GaN-Netzteil, und warum das mehr ist als ein Buzzword

Der Fusion Core ist Bursons externes Netzteil für den Burson Soloist Stellar Max – und einer der Hauptgründe, warum die Max-Variante klanglich über der Deluxe steht. Bevor wir dazu kommen, warum: ein kurzer Ausflug in Netzteil-Realität, weil das Thema im HiFi-Bereich gerne in Voodoo-Richtung abbiegt, obwohl die Technik für sich selbst spricht.

Standard-Schaltnetzteil (SMPS mit Silizium-FETs): Das steckt in den meisten Geräten, auch in Geräten jenseits der 1.000 €. Silizium-Transistoren schalten typischerweise mit 50 bis 200 kHz. Das klingt schnell, ist es aber nicht – denn diese Frequenzen und ihre Oberwellen fallen direkt in den oder knapp über den Hörbereich. Das Resultat ist hochfrequentes Schaltartefakt-Rauschen auf der Versorgungsspannung, das sich je nach PSRR der nachfolgenden Schaltung mehr oder weniger direkt ins Audiosignal übersetzt. Günstig herzustellen, kompakt, aber klanglich der schwächste Ansatz.

Lineares Netzteil: Der Audiophilen-Klassiker. Kein Schalten, kein Takt, ein Transformator, ein Gleichrichter, ein Linearregler. In der Theorie das Sauberste. In der Praxis: schwer, groß, schlechter Wirkungsgrad (50–70 %), die überschüssige Energie wird als Wärme verbraten, und bei schlechtem Design bekommt man stattdessen 50-Hz-Brumm und dessen Oberwellen. Ein gut gemachtes Linearnetzteil ist exzellent – aber ein gut gemachtes Linearnetzteil mit 360 W Ausgangsleistung wäre ein Klotz, der größer wäre als der Verstärker selbst.

GaN-Schaltnetzteil (was das Fusion Core ist): GaN steht für Gallium-Nitrid – ein Halbleitermaterial, das Silizium in einem entscheidenden Punkt schlägt: Schaltgeschwindigkeit. GaN-Transistoren schalten mit bis zu 1 MHz – beim Fusion Core ist genau das die Betriebsfrequenz. Was das bedeutet: Die tiefste Schaltfrequenz und alle ihre Oberwellen starten bei 1 MHz, 2 MHz, 3 MHz – also weit außerhalb des Hörbereichs. Keine Artefakte im Audioband, keine Schaltfrequenz-Einstreuung, die irgendeinen Regler oder Opamp beschäftigen müsste. Dazu kommt: GaN hat niedrigere Schaltverluste als Silizium, was zu weniger Wärme, höherer Effizienz (~90 %) und besserer Regelgenauigkeit führt – das Netzteil kann schneller auf Lastwechsel reagieren als ein klassisches SMPS.

Das Ergebnis ist ein Rauschpegel unter 1 µV am Ausgang – vergleichbar mit einem sehr guten Linearnetzteil, aber in einem Bruchteil der Größe und mit deutlich besserem Wirkungsgrad. In Kombination mit den SP02-Modulen dahinter, die nochmal auf 0,8 µVrms filtern, hat man eine Versorgungskette, die sich tatsächlich batterieartig verhält: DC, sauber, ohne messbare Störsignale im Audioband. Das ist kein Marketingversprechen, das ist Messtechnik.

Warum ist das Ding so teuer? Das Fusion Core kostet als separates Upgrade rund 900 USD – für ein Netzteil, das zunächst nach viel Geld für wenig Hardware klingt. Die Gründe: GaN-Halbleiter sind in der Herstellung deutlich komplexer als Silizium, die Gate-Driver-Schaltung für GaN erfordert präziseres Engineering, und Burson hat das Fusion Core nicht aus einem Standard-Laptop-Netzteil abgeleitet, sondern spezifisch für ihre Verstärker entwickelt – mit definierter Ausgangsspannung, eigenem Locking-Stecker und dem Rauschpegel als primärem Designziel statt dem Preis. Das erklärt einen Teil des Aufpreises. Den Rest erklärt die schlichte Tatsache, dass Netzteile auf diesem Niveau in kleinen Stückzahlen produziert werden und die Bauteilkosten entsprechend sind.

Wer den Burson Soloist Stellar Max kauft, bekommt den Fusion Core inklusive. Wer mit der Deluxe-Variante startet, kann es separat nachrüsten – und wird den Unterschied hören.

V7 Vivid Pro Opamps – was Opamps sind, warum sie klingen, und warum du sie hier tauschen kannst

Operationsverstärker – kurz Opamps – sind die unsichtbaren Arbeitstiere analoger Audiotechnik. Sie sitzen in der Eingangs-Buffer-Stufe, in der Verstärkungsregelung, manchmal in der Ausgangsstufe – überall dort, wo ein analoges Signal verarbeitet, gepuffert oder geformt werden muss. In einem Kopfhörerverstärker dieser Klasse sind sie buchstäblich im Signalpfad: Was da drin steckt, beeinflusst direkt, was du hörst.

Die meisten Hersteller – auch im gehobenen Preissegment – verbauen IC-Opamps: kleine schwarze Chips, in denen Transistoren, Widerstände und Kondensatoren auf einem winzigen Siliziumkristall integriert sind. Das Gute daran: extrem kompakt, günstig, reproduzierbar. Das Problem: Die Integration auf einem Die hat physikalische Grenzen. Stromlieferfähigkeit, Wärmespreizung, Signalpfadlänge – all das ist im IC-Opamp kompromissbehaftet, weil alles auf engstem Raum zusammengedrängt ist. Klassiker wie der NE5532 kosten im Cent-Bereich und stecken in mehr HiFi-Geräten, als man denken würde – auch in Geräten jenseits der 1.000 €, bei denen man es nicht erwarten würde.

Bessere IC-Opamps wie der OPA2134 oder LME49720 liegen in einer anderen Liga und klingen hörbar anders – aber sie bleiben IC-Opamps mit denselben konstruktionsbedingten Einschränkungen.

Diskrete Opamps lösen das Problem auf eine andere Art: Statt alles auf einem Chip zu integrieren, werden einzelne Transistoren, Widerstände und Kondensatoren auf einer kleinen Miniatur-Platine aufgebaut – größer als ein IC-Chip, aber immer noch klein genug, um in einen Standard-DIP-8-Sockel zu passen. Das bedeutet: keine Die-Größen-Kompromisse, größere Transistoren, mehr Strom, bessere Wärmeabfuhr, kürzere und sauberere Signalpfade. Burson macht das seit zwanzig Jahren und ist damit zu einem der wenigen Hersteller geworden, die dieses Konzept kommerziell durchgezogen haben.

Die V7 Vivid Pro sind Bursons aktueller Flagship-Opamp – siebte Generation, vollständig diskret, Class‑A, mit 8‑lagiger Platine im Inneren und einem gefrästen Aluminiumgehäuse als Heatsink. Die Charakterisierung: maximale Klarheit, Geschwindigkeit, Transparenz, schnelle Transienten. Kein weicher Schleier, kein Euphonie-Filter – der V7 Vivid Pro zeigt dir, was in der Quelle und im Rest des Geräts steckt. Als Pendant dazu gibt es den V7 Classic: gleiche Technik, gleicher Rauschboden, aber mit einer wärmeren, geschmeidigeren Abstimmung, mehr Körper in den Stimmen, etwas mehr Glanz in den Höhen.

Und jetzt kommt der Teil, der den Burson Soloist Stellar Max von fast allem anderen auf dem Markt unterscheidet: Die Opamps sitzen in DIP-8-Sockeln und können getauscht werden. Burson liefert dafür sogar Inbusschlüssel mit und erklärt im Handbuch, wie das geht. Das ist im High-End-Bereich ungewöhnlich bis selten – die meisten Hersteller verlöten ihre Opamps direkt, weil es produktionsseitig einfacher ist und weil man keine „Garantiefälle durch Bastelei” riskieren will. Burson dreht das bewusst um: Opamp-Tausch ist ausdrücklich erwünscht.

Was das in der Praxis bedeutet, zeigt das Head-Fi-Forum eindrucksvoll. Dort hat sich rund um den Burson Soloist Stellar Max bereits eine aktive Opamp-Rolling-Community gebildet. Ausprobiert wurden unter anderem Sparkos Labs SS3602 (diskret, JFET-basiert, positiv aufgenommen – offenerer Klang, mehr Luft), JFET-basierte „Orange Dual Opamps” (wärmer, entspannter), und polnische Muzga-Opamps als Geheimtipp. Interessant: Wer mit den V7 Vivid Pro out-of-the-box nicht zufrieden war und sie als „zu linear” empfand, hat oft durch den Wechsel auf den V7 Classic oder Drittanbieter-Opamps genau den Sound gefunden, den er suchte – und mit Fusion Core dazu nochmal eine andere Klangfarbe erlebt. Opamp-Rolling funktioniert beim Stellar wie Röhrentausch bei einem Röhrenverstärker: gleiches Gerät, andere Persönlichkeit.

Warum trotzdem mit den V7 Vivid Pro anfangen? Weil sie zum Rest des Geräts passen. Der Burson Soloist Stellar Max hat von Haus aus eine leicht warme, aber sehr detaillierte Class-A-Signatur – die V7 Vivid Pro ergänzen das mit Transparenz und Schnelligkeit, ohne die Wärme wegzubügeln. Wer direkt mit einem wärmeren Opamp einsteigt, riskiert, die Abstimmung in eine Richtung zu schieben, die am Ende mehr schmeichelt als informiert. Der Vivid Pro ist der neutrale Ausgangspunkt, von dem aus man in alle Richtungen experimentieren kann. Und wer nicht experimentieren will, hat mit ihm ohnehin schon einen der besten Opamps, die man aktuell in ein DIP-8-Gerät stecken kann.

Spezifikationen Burson Soloist Stellar Max

SpezifikationWert
TopologieVollsymmetrisch, vollständig diskret, Class‑A FET
Idle-Bias50 W
Hauptverstärker4× Onsemi MJE15032 pro Kanal
Ausgangsleistung Main HP8 W @ XLR / 4 W @ SE
IEM-Verstärker2× TPA6120A2, dedizierter Pfad
Ausgangsleistung IEM1 W @ XLR / 0,5 W @ SE
THD+N Hauptverstärker< 0,003 %
THD+N IEM-Sektion< 0,00014 % (TPA6120A2 spec)
Lautstärkeregelung2× PGA2320 Resistor Ladder, 0,0004 % THD+N
Stromfilterung4× Silent Power Module 02 (LT3045, 0,8 µVrms)
NetzteilBurson Fusion Core, 24 V / 15 A, GaN-basiert, 360 W
Eingänge2× RCA, 2× XLR (captive)
Ausgänge2× RCA, 2× XLR, 1× Subwoofer-RCA
Kopfhörer-AusgängeXLR‑4, 6,35 mm SE, 3,5 mm Mic-In
Gain-Stufen2 (Low/High)
Abmessungen210 × 200 × 75 mm
Gewicht~5 kg

Höreindrücke – Kopfhörer

Drei Monate, knapp acht Stunden täglich. Das ist genug Zeit, um nicht nur die ersten Eindrücke zu sammeln, sondern auch die Macken zu finden. Spoiler: Macken sind keine aufgetaucht. Stattdessen das hier:

Der Hintergrund ist schwarz wie die Nacht. Ich kann das gar nicht oft genug schreiben. Selbst mit empfindlichen IEMs am XLR-4-Hauptausgang (wo man eigentlich nicht hingehört, dafür gibt’s den IEM-Mode) ist kein Grundrauschen wahrnehmbar. Im IEM-Mode mit den dafür vorgesehenen In-Ears ist es nochmal eine Liga sauberer.

Die Tonalität ist klassischer Burson-Sound: Leicht warm in der Grundabstimmung, aber hochdetailliert in der Auflösung. Das ist keine Röhren-Wärme, kein Soft-Filter, kein Schönfärber – sondern eine Abstimmung, die im Hochton nicht ins Sibilante kippt und im Mittelton Stimmen mit Körper stehen lässt. Wer einen ultra-linearen, klinischen Topping-Sound sucht, wird beim Burson Soloist Stellar Max nicht das Ziel finden. Wer dagegen einen Verstärker will, an dem man stundenlang hören kann, ohne Ermüdung, ohne Schärfen, ohne Nerv-Faktor, ist hier exakt richtig.

Verum 2 (Planar, 80 Ω)

Mit dem Verum 2 habe ich alle vier Musikbeispiele unten gehört. Er ist mein Daily-Driver am Schreibtisch – ich kenne ihn, ich weiß was er kann, und ich weiß sofort wenn ein Amp ihm etwas gibt das er vorher nicht hatte.

Am Burson Soloist Stellar Max bekommt der Verum 2 vor allem eines: Kontrolle. Der Bass bleibt straff, die Mitten sortieren sich sauber, der Hochton hat Luft ohne anzustrengen. Was die Musikbeispiele zeigen – das plastische Gitarren-Imaging bei In Flames, die Snare die bei Imminence mitten im Gehirn sitzt, das Schlagzeug das bei Lorna Shore von links nach rechts rollt – das ist der Verum 2 am Burson Soloist Stellar Max. Nicht der Verum 2 an irgendeinem Amp.

Der Verum 2 ist kein Bassgigant. Aber er macht Druck wenn Druck da ist, und der Burson Soloist Stellar Max lässt ihn dabei nie ins Schwimmen geraten. Bei 45 von 100 auf dem Regler ist noch Luft nach oben – der Amp denkt nicht mal darüber nach.

Fosi Audio i5 (Planar, 28 Ω)

Der i5 ist auf dem Papier kein anspruchsvoller Kandidat – 28 Ω, 98 dB, gutmütig an fast jeder Quelle. Aber er gehört zu den Kopfhörern, die mit besserer Verstärkung spürbar aufblühen. Am Burson Soloist Stellar Max: ein stimmiges, großes Klangbild mit weniger Ecken und Kanten, mehr Autorität und Kontrolle. Mehr Punch im Bass, sortiertere Mitten, mehr Luft in den Höhen. Wer den i5 zu Hause hat und das Maximum rausholen will, sollte ihn an einem Amp dieser Klasse hören. Mindestens einmal.

SIVGA Luan (Dynamic, 38 Ω)

Der Luan ist der entspannteste Kandidat in dieser Runde – leicht zu treiben, warm abgestimmt, für lange Sessions gemacht. Am Burson Soloist Stellar Max harmoniert seine Grundabstimmung mit Bursons leicht warmer Signatur gut: voluminös aber nicht üppig, Stimmen präsent, Bass straff und schnell. Klassische Schreibtisch-Konfiguration für Abende wo man einfach nur hören will.

Musikbeispiele

Lorna Shore – „Glenwood”

Das Intro macht sofort klar, womit man es hier zu tun hat. Der Hall liegt groß und luftig im Raum, die Gitarre steht klar im Vordergrund, Will Ramos’ Stimme schiebt sich mit Autorität nach vorne – und die Bühne zieht sich weit in die Breite. Ja, das ist auch Produktion. Aber der Burson Soloist Stellar Max lässt sie vollständig entfalten, statt sie zusammenzudrücken.

Was mich bei diesem Track am meisten beeindruckt: das Imaging des Schlagzeugs. Becken links, Becken rechts, Snare in der Mitte, der kurze Fill der über das komplette Kit rollt – von links nach rechts, Stück für Stück, plastisch und dreidimensional.

Lorna Shore produziert mit vielen Layern – Drums, Gitarren, Synths, Samples, Gesang, alles gleichzeitig und alles laut. Genau da, wo viele Amps anfangen Dinge zu verschmieren, behält der Burson Soloist Stellar Max die Übersicht. Der E‑Bass ist einer von denen, die sich komplett ins Gesamtbild einfügen – kaum isolierbar, aber spürbar als Fundament. Bursons warme Grundabstimmung tritt bei diesem Track eher zurück – was bleibt ist Kontrolle, Auflösung und Druck.

Synestia & Disembodied Tyrant – „Winter”

Das Intro öffnet mit einem Cembalo – zart, fast fragil. Kein Zufall: „Winter” ist eine Neuinterpretation von Vivaldis Konzert Nr. 4 aus den Vier Jahreszeiten. Barockmusik trifft Deathcore, und der Stellar lässt beide Welten gleichberechtigt stehen.

Der Burson Soloist Stellar Max gibt der Geige Raum und Charakter, das zarte Spiel kommt fein raus. Die Spannung die sich mit den Chorälen aufbaut landet ordentlich, bevor Streicher und Fußmaschine übernehmen. Bei 2:25 drückt das Ding rein ohne Vorwarnung – Snare hämmert, Doppelbass zieht durch, der Gesang steht mitten drin.

Das Schlagzeug ist wieder mega Räumlich: Becken sauber und fein aufgelöst, aber der Bass drückt ohne Ende. Der Kontrast zwischen dem tiefen Gewummer und dem harten, höher gestimmten Snare-Schlag – der Burson Soloist Stellar Max serviert ihn ohne Umwege. Das Finale mit den sehr tiefen Bass-Drops: so nah wie ich bisher gekommen bin. Da ist gleichzeitig so viel los, dass ich das noch nie vollständig sauber gehört habe. Am Burson Soloist Stellar Max kommt man näher ran als an den meisten anderen Setups.

In Flames – „Stay With Me”

Das Intro trifft sofort. Eine einzelne Gitarre, dazu ein paar gezupfte Bassnoten – und der Burson Soloist Stellar Max macht daraus etwas, das mich kurz aufhorchen lässt. Die Gitarre klingt nicht wie aus Kopfhörern. Sie klingt wie jemand, der direkt neben mir sitzt und spielt. Plastisch, greifbar, dreidimensional. Das Imaging ist außergewöhnlich – die Gitarre hat eine Position im Raum, keine ungefähre Richtung.

Dann setzt das Schlagzeug ein. Die Hi-Hat kommt sanft, fast zögerlich – aber sie klingt echt. Der Sänger schiebt sich in die Mitte der Bühne, fast schon in den Raum hinein. Bei 3:30 dreht der Song auf – und hier passiert etwas Interessantes: Ich höre Kompressionsartefakte in den Becken. Etwas gequetscht, etwas zu glatt. Das ist kein Fehler des Stellars. Im Gegenteil: Er arbeitet es heraus. Ein Verstärker der schönfärbt, würde das unter den Teppich kehren. Der Burson Soloist Stellar Max tut das nicht. Das ist Ehrlichkeit, keine Schwäche.

Imminence – „God Fearing Man”

Dieser Mix ist anders. Fetter abgemischt, mehr Druck, mehr Atmosphäre von der ersten Sekunde an. Der Sänger öffnet tief im Hals, die Geige setzt daneben an – räumlich, fein, fast fragil. Dann schiebt das Schreddern rein.

Die Snare sitzt mitten im Gehirn. Nicht irgendwo hinten – mitten drin, auf den Punkt gestimmt, jeder Schlag ein Patsch der nach vorne kommt. Das Schlagzeug umrahmt komplett: links, rechts, oben, unten. Dazu das tiefe Gebrumme der tiefen Streicher, und dann immer wieder dieser Snare-Schlag. Der Kontrast zwischen dem Gewummer und dem harten, höher gestimmten Patsch – der Burson Soloist Stellar Max serviert ihn ohne Umwege.

Bei 2:20 kommt der Bass-Drop. Rechts im Ohr sind noch sauber die Becken zu hören – fein, klar – während der Bass gleichzeitig nach vorne drückt. Dass beides gleichzeitig funktioniert, ohne dass sich das eine ins andere schiebt, ist das was ich von einem guten Verstärker erwarte.

Dann der Breakdown. Der Geigenbogen auf der E‑Gitarre, dieser Moment, das Crescendo vorher – ich kriege jedes Mal Gänsehaut. Der Verum 2 ist kein Bassgigant, das weiß ich. Aber er macht das hier trotzdem geil. Und der Burson Soloist Stellar Max juckt das alles nicht – bei 45 von 100 geht der Kopfhörer einfach mit.

Ich freue mich auf Summerbreeze. Dieses Lied live. Das wird brutal.

Höreindrücke – IEMs (IEM-Mode)

Der dedizierte IEM-Modus des Soloist Stellar Max ist aktuell das Beste was ich in dieser Preisklasse und Bauform kenne. Pechschwarzer Hintergrund, eigenständiger Verstärkerzweig, genug Regelweg für jeden Empfindlichkeitsgrad – das ist kein Bonus-Feature, das ist ein vollwertiger zweiter Amp im selben Gehäuse.

Kiwi Ears Septet (Hybrid)

Die Septet spielen auf dem Burson Soloist Stellar Max neutraler als von mobilen DAC/Amp-Combos gewohnt. An Smartphone oder Dongle klingen sie fetter, wärmer. Am Stellar kommt das raus was drin ist – und das Septet ist ein hellerer, analytischerer IEM als der Verum 2. Das ist keine Kritik am Burson Soloist Stellar Max, das ist Ehrlichkeit.

Bei Stay With Me kommt der Bass knackiger und präziser – jeder Anschlag mit klarer Kontur. Bei Winter fällt im rechten Ohr ein Becken-Detail auf das mit dem Verum 2 so nicht wahrnehmbar war – sehr hochauflösend, fast ein Klirren.

Kurzer Test: Ich schalte auf den normalen Kopfhörer-Output um. Der Burson Soloist Stellar Max macht dabei automatisch leiser – schöner Sicherheitsmechanismus. Zurück im Kopfhörer-Mode klingt es semi-identisch, der IEM-Mode wirkt einen Tick schärfer in den Höhen. S‑Laute kommen prägnanter. Ob das der IEM-Mode ist oder der IEM selbst – ich tippe auf beides. Unterm Strich sind die Septet am Stellar deutlich heller und analytischer als der Verum 2. Wer es wärmer mag, greift zu einem wärmeren DAC davor.

Fosi IM4

Pechschwarzer Hintergrund, kein Grundrauschen, Lautstärke bei knapp einem Viertel des Regelwegs – der Rest ist Reserve. Der IM4 bekommt am IEM-Out des Burson Soloist Stellar Max das was er verdient: einen sauberen, kontrollierten Antrieb ohne Kompromisse.

7Hz Timeless II (Planar-IEM, 15,2 Ω)

Der Timeless II ist ein Planar-IEM – und damit genau die Sorte IEM, die einen dedizierten Amp auf die Probe stellt. Am IEM-Out des Burson Soloist Stellar Max: absolut ruhig, kein Grundrauschen, schnell und kontrolliert. Das neutrale Tuning mit leicht angehobenem Hochton bleibt dabei immer entspannt – keine Schärfe, kein Zischen, nur Auflösung.

Burson Soloist Stellar Max als Vorstufe

Kurzer Abstecher: Der Burson Soloist Stellar Max funktioniert auch als Vorstufe für meine Burson Timekeeper GT4 Max Monoblöcke an den Arendal 1723 Towern. Ergebnis: tadellos. Klanglich näher am Bypass als an einer färbenden Vorstufe – Burson-typisch leicht warm, mit großzügig dimensioniertem Raum und straffer Basskontrolle. Der Subwoofer-Out an der Rückseite macht ein 2.1‑Setup ausdrücklich möglich.

Einordnung

Knapp 3.000 Euro für einen Kopfhörerverstärker. Das klingt nach viel – und das ist es auch. Aber mal ehrlich: Was kommt da noch? Nach oben hin wird die Luft dünn. Der Soloist Voyager, ein paar ultra-exotische Einzelstücke, fertig. Wer den Burson-Sound kennt und liebt, dem stellt sich die Frage eigentlich nicht mehr lange.

Offiziell positioniert Burson den Burson Soloist Stellar Max unterhalb der Grand-Tourer-Serie. In der Praxis teilt er seine Kern-DNA mit GT4 und Voyager. Alle Reviews die ich kenne landen übereinstimmend bei 85–90 % vom Voyager-Sound – zur knapp halben Preises. Das deckt sich mit meinem Eindruck nach drei Monaten täglichem Betrieb.

Wo der Burson Soloist Stellar Max klar besser ist als die meisten Konkurrenten in dieser Klasse: der dedizierte IEM-Modus. Den hat selbst der Voyager so nicht. Wer alles am selben Verstärker spielen will – von ultra-empfindlichen IEMs bis zum leistungshungrigen Planar – bekommt hier das aktuell flexibelste Werkzeug am Markt.

Die Verarbeitung lässt keinen Zweifel daran, wo das Geld hingegangen ist. Fünf Kilo pures Metall. Lautstärkeregelung und Haptik tadellos. Und die Fernbedienung – die ist weniger Fernbedienung als Schlagring. Massiv, schwer, gefühlt zweihundert bis dreihundert Gramm Aluminium in der Hand. Die Knöpfe klappern leicht, Metall auf Metall – das kennt man von allen Burson-Fernbedienungen. Stört mich nicht, sie liegt ohnehin auf dem Mothership auf dem Schreibtisch.

Was mich nach drei Monaten am meisten überzeugt: Der Burson Soloist Stellar Max lässt mich in die Seele jedes DACs reingucken. Er ist so transparent, dass ich sofort höre was eine Quelle kann und was nicht. Das macht ihn zum perfekten Referenzverstärker – wenn mir jemand einen DAC zum Test schickt, kommt der Burson dran.

Und gleichzeitig merke ich: Mit meiner eigenen DAC-Kette bin ich noch nicht am Ende. Der Burson Soloist Stellar Max zeigt mir dass da noch was geht. R2R will ich ausprobieren, wärmere Quellen auch. Ich weiß dass ich ESS-Chips mag – cleaner, analytischer – aber in Kombination mit dem Burson der etwas Wärme mitbringt. Das Kapitel ist noch nicht abgeschlossen.

Ein direkter Vergleich mit dem Soloist Voyager folgt in einem separaten Artikel.

Fazit

Drei Monate, knapp acht Stunden täglich. Ich habe Metal gehört, Filme geschaut, DACs getestet, IEMs gewechselt, Opamps verglichen. Der Burson Soloist Stellar Max stand die ganze Zeit da und hat einfach gemacht was er soll – ohne Drama, ohne Aussetzer, ohne den Moment wo ich dachte: da nervt mich was.

Was bleibt: Gänsehaut bei God Fearing Man. Die Gitarre bei Stay With Me die klingt als würde jemand neben mir sitzen und spielen. Vivaldis Geige die aus einem Deathcore-Intro auftaucht und trotzdem Sinn ergibt. Kleine Momente, die nur dann passieren, wenn ein Verstärker wirklich aus dem Weg geht und die Musik lässt.

Das ist die Stärke dieses Geräts. Der Burson Soloist Stellar Max ist so transparent, so ehrlich, dass ich durch ihn hindurch in die Quelle reinhöre. Er wird mein Referenz-Amp für jeden DAC der hier landet – weil er mir sofort zeigt was drin steckt. Und gleichzeitig zeigt er mir, dass ich mit meiner eigenen DAC-Kette noch nicht am Ende bin. R2R will ich ausprobieren, wärmere Quellen auch. Ich weiß dass ich ESS-Chips mag – cleaner, analytischer – aber in Kombination mit dem Burson der etwas Wärme mitbringt. Das Kapitel ist noch nicht abgeschlossen.

Wer den Burson-Sound kennt und liebt: Was soll hier verkehrt laufen? Fünf Kilo Aluminium, 8 W Class‑A, ein IEM-Modus der seinesgleichen sucht, Opamps die man tauschen kann, eine Fernbedienung die schwerer ist als manche DACs. Für knapp unter 3.000 € kommt da nach oben hin nicht mehr viel.

Der Soloist Voyager folgt irgendwann – dann werden wir sehen ob das Doppelte das Doppelte wert ist. Bis dahin bleibt der Burson Soloist Stellar Max auf dem Mothership. Und ich freue mich auf Summerbreeze.

HiFiGeek Award

Referenz-Equipment (zum Testzeitpunkt)

QuellenEversolo DMP-A6, MacBook Pro M4 Max
DACsFosi Audio ZD3, ZH3, S3 Streamer
KopfhörerverstärkerBurson Soloist Stellar Max, Burson Conductor GT4 Deluxe
EndstufenBurson Timekeeper GT4 Max
KopfhörerVerum 2, Fosi Audio i5, SIVGA Luan
IEMsFosi IM4, Kiwi Ears Septet, 7Hz Timeless II
LautsprecherAmphion Argon 3S, Arendal 1723 Tower THX
SubwooferSVS SB‑5000
RacksBurson Mothership 01, Quadraspire SV3T
KabelRicable Dedalus, WBC
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https://www.hifigeek.de/burson-soloist-stellar-max/feed/ 0 11843
XTZ Cinema Sub 2x12 Edge im Test: Der Heimkino-Bulli aus Schweden https://www.hifigeek.de/xtz-cinema-sub-2x12-edge/ https://www.hifigeek.de/xtz-cinema-sub-2x12-edge/#respond Tue, 12 May 2026 15:20:18 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=10697 Subwoofer sind in gewisser Weise die ehrlichsten Geräte der ganzen HiFi-Welt. Du stellst sie auf, du drückst Play — und entweder bewegt sich was im Raum, oder es tut es nicht. Kein Schönreden, keine Abstraktion, kein „wenn du dich reinhörst, wirst du es hören”. Entweder geht die Couch mit, oder sie steht still. Der XTZ Cinema Sub 2x12 Edge macht von der ersten Sekunde klar, auf welcher Seite dieser Gleichung er steht

Ich hatte ihn kleiner eingeschätzt, ehrlich gesagt. Fotos lügen. Als der Karton ankam und ich anfing auszupacken, war schnell klar: Das hier ist kein Subwoofer, den man mal eben umräumt. 58,3 Kilogramm, trapezförmiges Gehäuse, Frontplatte wie eine Tresorverschlussplatte. Ein Stück Charakter aus Holz und Elektronik, das sofort Respekt einflößt — und dann im Betrieb noch mehr.

Disclaimer: Der XTZ Cinema Sub 2x12 Edge wurde mir von XTZ kostenlos für diesen Test zur Verfügung gestellt. XTZ nimmt keinerlei Einfluss auf mein Urteil, meinen Testaufbau oder die Ergebnisse. Ich versuche hier wie immer, brutal ehrlich und transparent zu bleiben.

XTZ Cinema Sub 2x12 Edge – auch als Video:

Den Test gibt’s auch auf YouTube – mit Höreindrücken, Aufstellung und dem direkten Vergleich zum SVS SB-5000. Wer den Kanal noch nicht kennt: Abo hier – hilft direkt dabei, dass mehr solche Reviews möglich werden.

XTZ Sound — eine Marke, die man kennen sollte

Wer sich ernsthaft mit Heimkino beschäftigt, kennt XTZ. Alle anderen: kurzer Pflichtexkurs, der sich lohnt.

XTZ Sound wurde 2004 von Olle Eliasson im schwedischen Torup gegründet. Ein Mann, der seit seinem 13. Lebensjahr nichts anderes im Kopf hatte als Elektronik und Audio, und der irgendwann beschlossen hat, dass guter Klang nicht zwingend ein Vermögen kosten muss — wenn man es richtig angeht. Die Formel ist nicht neu, aber sie funktioniert: Entwicklung in Schweden, Direktvertrieb ohne Händlernetz, keine aufgeblähten Marketingbudgets. Was an Marge gespart wird, steckt im Produkt. Das gleiche Konzept, das Nubert in Deutschland oder Arendal in Norwegen erfolgreich macht.

Das Sortiment ist breiter als die meisten denken. XTZ baut Standlautsprecher, Kompaktlautsprecher, Verstärker, Subwoofer und sogar eigene Raumakustik-Messsysteme. Bei den Subwoofern reicht die Palette von 8‑Zöllern bis zu ausgewachsenen Kino-Brocken. Die Zugpferde der Marke in diesem Segment sind der bekannte SUB 12.17 Edge — seit Jahren ein Geheimtipp im Heimkino-Forum-Umfeld — und der Cinema Sub 1x12 als kompakterer, im Betrieb agilerer Bruder. Der XTZ Cinema Sub 2x12 Edge hier ist der nächste Schritt nach oben. Und dann gibt’s noch den Cinema Sub 3x12: drei 12-Zöller, gut 1,14 Meter Höhe, ein Gewicht, das die Frage aufwirft, ob man wirklich einen Keller braucht. Den kauft man, wenn man einen dedizierten Kinosaal hat. Für alle anderen ist der 2x12 das Maximalprogramm.

Erwähnenswert ist auch, was XTZ jenseits der Subwoofer-Sparte macht — insbesondere die Cinema M8-Lautsprecherserie. Die M8 Tower sind ausgewachsene Standlautsprecher mit einem ungewöhnlichen Hochtöner-Sextett: Sechs dicht beieinander montierte Kalotten fungieren gemeinsam als Mittel- und Hochtonsektion — ein konstruktiver Kniff, der auf breite Abstrahlcharakteristik und Energiehomogenität im Raum abzielt. Dass diese Boxen dabei bis tief in den Bassbereich hineinreichen und optisch noch wohnraumkompatibel sind, verdient Respekt. Wer einen dedizierten Kinoraum aufbaut, der von Anfang bis Ende aus einer Hand kommen soll: XTZ hat das Ökosystem dafür.

Eine kurze Geschichte am Rande: Der deutsche XTZ-Vertrieb hat sich um 2020 aufgelöst, was damals in Heimkino-Foren für einige Aufregung gesorgt hat. Keine Insolvenz der Marke selbst, sondern eine Umstrukturierung. Heute bestellt man direkt über xtzsound.eu — mit europäischem Kundenservice, fünf Jahren Garantie und einer 30-Tage-„Buy & Try”-Rückgabepolitik. Für ein 58-Kilo-Gerät ist das kein Kleingedrucktes, das ist ein echtes Kaufargument.

Unboxing & erster Eindruck: Schwerer als gedacht. Besser auch.

Allein hab ich den XTZ Cinema Sub 2x12 Edge durch das Haus gewuchtet — funktioniert, aber ich würde es nicht empfehlen. Zum Zurückschicken hole ich mir Hilfe. Das sei als Warnung vorangestellt für alle, die glauben, 58 Kilo seien mal eben durch den Flur geschoben.

Die Verpackung ist zweckmäßig und solide — kein Premium-Unboxing-Erlebnis wie bei manchen HiFi-Boutique-Marken, aber auch nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste. Das Gerät kommt sicher an.

Was dann auf dem Boden steht, macht einen sofortigen Eindruck: Das ist kompromisslos. Das trapezförmige Gehäuse — von vorne nach hinten deutlich breiter werdend — ist keine Designmarotte, sondern Akustik-Engineering. Die Form reduziert parallele Innenwände, die stehende Wellen begünstigen würden, und macht das Gehäuse in sich steifer. XTZ hat für den XTZ Cinema Sub 2x12 Edge das Kabinettdesign des Cinema Sub 3x12 übernommen: dicke MDF-Platten, massive Versteifungsstreben innen, mehrlagige Bedämpfung. Klopft man drauf, klingt es entsprechend — tot. Das Gehäuse hat den Charakter eines Tresors, und das ist genau das, was man bei einem 58-Kilo-Subwoofer erwartet.

Die Oberfläche ist mattschwarze Anti-Reflexions-Lackierung in acht Schichten, sauber poliert. Keine Fingerabdrücke, keine störenden Reflexionen im abgedunkelten Kinoraum. Die Seitenpanele tragen eine Nextel-Beschichtung, die optisch nochmals eine andere Qualitätsanmutung hat als einfache Mattlackierung. Verarbeitungstechnisch gibt es rein gar nichts zu beanstanden — das ist erste Güte.

Sechs Gummifüße verteilen das Gewicht auf mehr Aufstandsfläche als die bei Subwoofern üblichen vier Punkte. Kein Hexenwerk, aber bei knapp 60 Kilo der richtige Ansatz. Die Stoffabdeckung sitzt magnetisch — unsichtbar, kein Gesuche nach Steckern, kein Gerammel. Ein Detail, das erstaunlich viele Hersteller in dieser Preisklasse immer noch nicht serienmäßig hinbekommen. SVS, ich schaue in eure Richtung.

Konstruktion & Technik: Zwei Teller, ein Port, viel Konzept

Herz des XTZ Cinema Sub 2x12 Edge sind zwei 12-Zoll-Chassis, vertikal übereinander im Gehäuse angeordnet. Keine gegenüberliegende Force-Cancelling-Anordnung wie bei anderen doppel 12-Zöllern — das hier ist ein anderer Ansatz: zwei gleichartig arbeitende Treiber, die gemeinsam Membranfläche aufbauen, die ein einzelner 12-Zöller schlicht nicht erreichen kann. Und bei Subwoofern ist Membranfläche, physikalisch betrachtet, bares Kapital.

Die Chassis stammen aus der hauseigenen Cinema-Serie und sind ausgewachsene Langhubtreiber. Die Membran besteht aus einem speziell entwickelten Langfaser-Zellstoff-Gemisch — leicht genug für schnelle Transienten, steif genug, um bei hohem Hub nicht zu verformen. Dazu kommt ein FEA-optimiertes Magnetfeld mit fokussiertem „T”-Pol-Aufbau, ein Aluminium-Kurzschlussring zur Reduktion von Induktivitätsmodulation und eine eigens entwickelte NBR-Gummisicke für maximalen linearen Hub ohne mechanische Bremse. Das ist kein Chassis von der Stange.

Der Port feuert nach vorne. Das klingt wie eine Selbstverständlichkeit, ist es aber nicht — und es macht im Alltag einen echten Unterschied. Kein erzwungener Mindestabstand zur Rückwand, kein Kompromiss bei der Platzierung. Wer den Sub nah an der Wand aufstellen muss, kann das tun. Wer Platz hat, nutzt ihn.

Die Endstufe: ICEpower SA‑1

Angetrieben wird das Ganze von der ICEpower-Endstufe SA‑1 — 1.000 Watt RMS, 1.045 Watt Peak. ICEpower ist eine Verstärkerplattform aus dem Hause Bang & Olufsen, die in Subwoofern, Studioanlagen und Beschallungstechnik eingesetzt wird, weil sie einen Vorteil bietet, den man nicht wegdiskutieren kann: hohe Effizienz bei niedrigem Klirrfaktor und exzellenter Impulsantwort. Kein thermisches Limit bei hohen Lasten wie bei Class-AB, kein schlechtes Clipping-Verhalten wie bei billigen Class-D-Lösungen. Der Signal-Rauschabstand liegt bei 117 dB — das ist keine Datenblatt-Dekoration.

Im SA‑1 steckt außerdem ein Dual-Core-DSP-Prozessor mit 56-Bit-Auflösung für Echtzeit-Treiberkorrektur und Signalformung. Das ist nicht der typische „wir haben auch einen EQ”-DSP — das ist aktive Chassis-Kontrolle in Echtzeit. Das messbare Ergebnis: 122 dB SPL in der Freifeldmessung nach CEA-2010‑A bei 2 Metern Abstand; an der Schallwand bis 128,5 dB Peak. Bei solchen Zahlen hält man kurz inne.

Einstellmöglichkeiten

Smart-Features? Keine. App? Keine. Das Rückpanel ist analog durch und durch — und das ist hier vollkommen richtig. Wer einen Heimkino-Sub dieser Klasse betreibt, integriert ihn über AV-Receiver und Einmessung, nicht über Bluetooth-Verbindung zum Smartphone.

Was da ist, reicht für eine sehr sorgfältige Integration:

  • Eingänge: 2× Cinch (RCA), 1× XLR symmetrisch, 1× XLR-Passthrough für die Verkettung eines zweiten Subs
  • Crossover: variabel 30–170 Hz, plus Bypass
  • Phase: stufenlos 0–180°
  • Gain: stufenlos
  • Parametrischer EQ: 30–120 Hz, ±9 dB
  • EQ-Presets: REF (maximale Tiefbasserstreckung), EQ1 (Punch-Betonung für kleinere Räume), EQ2 (Kompromiss)
  • Low-Pass-Filter: zuschaltbar
  • Port-Stopfen: beiliegend für Sealed-Betrieb, eigene EQ-Presets vorhanden

Der PEQ läuft über Drehpotis. Wer präzise Raumkorrektur machen will, braucht ein bisschen Geduld und idealerweise ein Messmikrofon sowie REW oder den XTZ Room Analyzer II Pro. Mit etwas Zeit lässt sich aber auch ohne automatische Einmessung einiges rausholen.

Technische Daten des XTZ Cinema Sub 2x12 Edge

SpezifikationWert
KonstruktionAktiv-Subwoofer (Ported)
Chassis2 × 300 mm (12″) High-Speed Ultra-Long-Stroke
EndstufeICEpower SA‑1, Class‑D
Leistung1.000 W RMS / 1.045 W Peak
SNR117 dB
Frequenzgang19–180 Hz (±3 dB)
Max. SPL (CEA-2010‑A, 1 m)128,5 dB Peak
Max. SPL (CEA-2010‑A, 2 m)122,5 dB Peak / 119,5 dB RMS
Crossover30–170 Hz variabel, Bypass
Phase0–180° stufenlos
EQ3 Presets (REF / EQ1 / EQ2) + PEQ 30–120 Hz, ±9 dB
Eingänge2× RCA, XLR, XLR-Passthrough
Gewicht58,3 kg
Garantie5 Jahre
Rückgabe30 Tage, kostenloser Rückversand
Preis (UVP)2.200 €
Preis (aktuell)1.800 €

Aufstellung im Test-Setup

Getestet im Heimkino-Setup in einem Raum von ca. 4,2 × 5 m, mit Akustikbehandlung an der Frontseite. Der XTZ Cinema Sub 2x12 Edge stand zentriert zwischen den Arendal 1723 Tower THX als Frontlautsprecher. Das sieht konsequent aus — die Arendals sind keine kleinen Lautsprecher, aber neben dem 2x12 wirken sie fast zierlich. Wer einen Subwoofer dieser Klasse kauft, hat den WAF vermutlich schon vorher geklärt.

EQ-Preset: REF. Port offen. Dank des frontfeuernden Ports war die Wandnähe kein Problem — der XTZ Cinema Sub 2x12 Edge stand dort, wo er stehen sollte.

Klang — Film: Das ist, warum man ihn kauft

Hier lebt der XTZ Cinema Sub 2x12 Edge. Das ist keine Aussage über Schwächen, das ist eine über Stärken. Was er im Kinokontext macht, ist das, wofür er entwickelt wurde — und er macht es mit einer Konsequenz, die man im Preissegment unter 2.500 Euro nicht überall findet.

The Batman (2022)

Wer Matt Reeves’ Film kennt, weiß, was auf einen zukommt. Die erste Batmobile-Verfolgungssequenz durch das verregnete Gotham — nasse Straßen, Reifenquietschen, Motorenlärm, Explosionen und darunter Michael Giacchinos Score, der in Frequenzbereiche geht, die in normalen Setups schlicht verschluckt werden. Der XTZ Cinema Sub 2x12 Edge holt das alles raus. Nicht diffus, nicht dumpf, nicht ein Bass-Teppich, unter dem alles versinkt — sondern strukturiert, mit Druck, der physisch spürbar wird. Der Raum geht mit. Das Sofa geht mit. Genau das ist Kinoton.

Was dabei auffällt: Der XTZ Cinema Sub 2x12 Edge dröhnt nicht. Das ist nicht selbstverständlich bei einem so großen Subwoofer in einem vergleichsweise kleinen Raum. Die Kombination aus gut abgestimmten EQ-Presets, frontfeuerndem Port und aktiver DSP-Kontrolle hält den Bass in Form, auch wenn es tief und laut wird.

Dune (2021 / 2024)

Denis Villeneuves Epos gehört zu den Filmen, bei denen man im Kino denkt: Das will ich zuhause nochmal so hören. Hans Zimmermanns Score ist von Haus aus auf Subfrequenzen ausgelegt — brummende Ornithopter, das Erwachen des Sandwurms, atmosphärische Tieftöne, die in normalen Setups irgendwo unter dem Rauschen verschwinden. Mit dem XTZ Cinema Sub 2x12 Edge kommen sie an. Vollständig, physisch erfahrbar, mit der Energie, die der Regisseur im Kino haben wollte. Das ist der Punkt, an dem man versteht, warum manche Menschen dedizierte Heimkinosäle bauen.

Die Dynamikreserven des XTZ Cinema Sub 2x12 Edge werden in meinem Raum zu keinem Zeitpunkt ausgereizt — und das ist das eigentliche Kompliment. Er klingt bei keiner Lautstärke angestrengt. Man merkt, dass da noch Luft nach oben ist. Das ist das Zeichen einer gut dimensionierten Endstufe in einem Gehäuse, das weiß, was es tut.

Einschätzung für den Kinobetrieb

Wer primär Heimkino macht und dabei ernsthaft Bass will — nicht „es klingt gut”, sondern „der Raum arbeitet mit” — landet mit dem XTZ Cinema Sub 2x12 Edge in einer Liga, die man für 1.800 Euro normalerweise nicht betritt. Zwei davon in einem dedizierten Kinosaal: Das ist dann keine Spaßmaschine mehr. Das ist Artillerie.

Klang — Musik: Ehrlichkeit first

Das ist nicht sein Metier — und das ist vollkommen okay, weil er das auch gar nicht sein will.

Ich habe Musik gehört: Metal-Playlist (meine Referenz), ein bisschen Qobuz, gelegentlich Spotify als Nebenbeschallung. Er macht Musik. Bei Titeln mit ausschweifendem Tiefbass — Doom, langsame Riffs, Techno (aus der Messemusik-Playlist), atmosphärische Passagen — klingt es gut. Da liegt kein nennenswerter Unterschied zu einem dedizierten Musik-Sub.

Wo der XTZ Cinema Sub 2x12 Edge gegenüber dem SVS SB-5000 zurückfällt, ist bei schnellen Kickdrums und präzisen Bassläufen — dem, was Enthusiasten als „Timing” bezeichnen. Der SB-5000 ist in diesem Bereich trockener, konturierter, kontrollierbarer. Der XTZ Cinema Sub 2x12 Edge klingt im direkten Vergleich bei schnellen Passagen einen Tick schwammiger. Nicht falsch, nicht störend beim Alltagshören — aber weniger präzise, und im direkten A/B‑Vergleich spürbar. Das ist dem offenen Design geschuldet: Ein Ported-Sub optimiert auf Tiefgang und Pegel, nicht auf maximale Transientenschärfe. Das ist keine Kritik, das ist Physik.

XTZ legt dem Subwoofer ebenfalls einen Stopfen zum verschließen des Bassreflexkanals bei. Diesen angewendet und den EQ auf der Rückseite angepasst, spielt er freudiger, aber kommt natürlich nicht an ein voll geschlossenes Modell heran.

Für alle, bei denen Kino first ist und Musik auch mal läuft: völlig akzeptabel. Für alle, bei denen es genau andersherum ist: lieber sealed.

SVS SB-5000 im Direktvergleich

Weil er im Setup steht, ein kurzes Wort dazu. Der SB-5000 ist ein ausgezeichneter Subwoofer — sealed, trocken, präzise, schnell. Für Musik die souveränere Wahl.

Im Kinoformat dreht sich das Bild. Der XTZ geht tiefer, baut mehr Druck auf, das offene Design produziert im unteren Frequenzbereich mehr physisch spürbares Volumen. Beim Sandwurm in Dune, beim Batmobile-Motor, bei allem, was im unteren Keller wohnt — gibt der XTZ Cinema Sub 2x12 Edge mehr. Nicht dramatisch anders auf den ersten Durchgang, aber spürbar, wenn man’s weiß und hört.

Beide Geräte haben ihre Daseinsberechtigung — sie optimieren für unterschiedliche Prioritäten. Musik zuerst: SB-5000. Kino zuerst: XTZ Cinema Sub 2x12 Edge.

Einordnung & Konkurrenz

Der XTZ Cinema Sub 2x12 Edge tritt bei 2.200 Euro (aktuell im Sale für 1.800 Euro) in einem Preisfeld an, das echte Alternativen kennt — aber keine, die das gleiche Paket in dieser Konfiguration anbietet.

Arendal 1723 2S (ca. 2.600 Euro) ist die interessanteste Alternative auf dem Papier. Kompakter, eleganter, mit integriertem DSP. Das klingt nach einem Vorteil — ist es aber nur bedingt. Wer seinen Subwoofer sowieso per AV-Receiver oder externem Messsystem einmisst, braucht den internen DSP kaum. Und mit 800 Euro Aufpreis und geringerer Membranfläche stellt sich die Frage nach dem Mehrwert. Die Arendal-Subs habe ich nicht direkt gehört — kein Klangurteil meinerseits. Rein auf Papier und Preisebene: Der XTZ ist für Kino-Priorität das bessere Angebot.

SVS PB-4000 (über 2.000 Euro) ist eine solide Option im Ported-Segment mit App-Steuerung und SVS-typisch gutem Support-Ökosystem. Aber auch nur ein 12-Zöller — der 2x12 hat bei der Membranfläche klar die Oberhand.

Fazit Einordnung: In diesem Preisfenster ist die Kombination aus Membranfläche, Leistung, Verarbeitung und dem 30-Tage-Rückgaberecht schwer zu schlagen.

Fazit

Der XTZ Cinema Sub 2x12 Edge macht keine halben Sachen. Er ist groß, schwer, optisch kompromisslos — und er ist sehr gut darin, genau das zu tun, wofür er gebaut wurde.

Für Heimkino in der Preisklasse bis 2.200 Euro — und aktuell sogar für 1.800 Euro — steht er praktisch allein. Zwei 12-Zoll-Cinema-Chassis, 1.000 Watt RMS, frontfeuernder Port, Dual-Core-DSP in der Endstufe, 117 dB SNR, 8‑Schicht-Lackierung, fünf Jahre Garantie, 30-Tage-Rückgabe. Wer das mit realen Alternativen in diesem Preisfenster vergleicht, kommt schnell zu dem Schluss: Das ist ein fairer Deal. Eigentlich ein sehr fairer.

XTZ ist eine Marke, die im deutschen Markt weniger Aufmerksamkeit bekommt als sie verdient. Kein Vertrieb mehr vor Ort, keine Präsenz im Fachhandel — das kostet Sichtbarkeit. Wer aber weiß, dass man direkt in Schweden bestellt und dafür ein Produkt bekommt, das sich gegen Mitbewerber zum zwei- bis dreifachen Preis behauptet, ist gut beraten, sie auf dem Zettel zu haben. Das gilt für die Subs — und nach allem, was die Cinema M8-Serie leistet, auch für den Rest des Portfolios.

Musik kann er. Film ist sein Leben.

Und wer beim Lesen bereits ausgerechnet hat, ob zwei davon ins Budget passen: Ich verstehe das vollständig.

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https://www.hifigeek.de/xtz-cinema-sub-2x12-edge/feed/ 0 10697
Arendal 1723 Tower THX — Giantkiller mit Bodenhaftung https://www.hifigeek.de/arendal-1723-tower-thx-giantkiller/ https://www.hifigeek.de/arendal-1723-tower-thx-giantkiller/#respond Sun, 15 Feb 2026 15:00:00 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=9981 Ich hatte sie schon lange auf dem Schirm. Nun endlich stehen die Arendal 1723 Tower hier zum Test. Was diese feinen Boliden leisten, wie sie verarbeitet sind und warum sie das Schnäppchen sind, das sie versprechen, gibt’s jetzt hier – ungeschönt.

Disclaimer: Die Arendal 1723 Tower THX wurden mir von Arendal für den Test kostenlos zur Verfügung gestellt. Es gibt jedoch keine Einflussnahme auf meine ungeschönte Meinung und Ergebnisse. Arendal hatte keinen Einfluss auf den Testaufbau und steht in sonstiger Hinsicht in keiner Beziehung zu diesem Review.

Arendal 1723 Tower Review auch auf Youtube:

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Arendal Sound

Oh, Arendal. Einigen wird diese norwegische Lautsprecher-Schmiede bereits bekannt sein, für andere wird sie gänzlich neu und spannend sein. Aber machen wir doch erst einmal einen Ausflug in den rauen Norden.

Am liebsten würde ich jetzt schreiben: Hoch im kalten und rauen Skandinavien, wo harsche Winde und eisige Wellen die Landschaft einst formten, wo Winter noch Winter sind und teils Monate kein Sonnenlicht den Tag erhellt. Wo Mythen von Trollen die Runde machen und die Landschaften noch unberührt sind.

Naja, Arendal liegt genau genommen an der Südküste von Norwegen und ist demnach gar nicht so hoch im Norden, wie man meinen mag. Zwar sind die Winter dort sicherlich noch eine andere Hausnummer als bei uns und die Landschaften wirklich schroffer – bis zu malerischen Fjorden und Fjells ist aber noch ein gutes Stück Fahrt nötig. Ich will das auch gar nicht schmälern, da Norwegen in meinen Augen bisher das schönste Land ist, das ich bereisen durfte.

Arendal Sound ist nach der Küstenstadt Arendal benannt und zählt zu den jüngeren HiFi-Marken da draußen. 2015 gegründet, haben sie eine steile Entwicklung hinter sich und können mittlerweile drei ausgewachsene Lautsprecher-Serien vorweisen. Ich glaube behaupten zu können, dass keine im unteren Einsteiger-Segment angesiedelt ist – Arendal Sound macht keine Gefangenen.

Arendal Sound hat sich als Direktvermarkter wie z. B. Teufel, XTZ oder auch Nubert etabliert. Die Vorteile liegen auf der Hand: Direktvermarkter können mit dem Aussparen des länderspezifischen Vertriebs und des Handels ein lukratives Preis-Leistungs-Verhältnis liefern. Leider werden Direktvermarkter ein ums andere Mal gerade auf HiFi-Messen ein wenig belächelt und von Händlern oft mit Argwohn beäugt.

Dies ist aber in meinen Augen eher ein gutes Zeichen! Zwar weiß ich, dass gerade die Boomer-Generation große Stücke auf selbsternanntes „Fachpersonal“ legt und sich liebend gerne von ihnen beraten und weisen lässt. Dennoch bin ich guter Dinge, dass meine Leser ein wenig kritischer sind und sich so auch ganz gut ihre eigene Meinung bilden können.

Arendal Sound produziert wie viele Premium-Marken in Fernost – genauer gesagt in China. Ihr Slogan fasst es treffend zusammen: Conceived in Norway. Born in China. Raised by you. Was negativ klingen mag, ist es keineswegs. Gerade bei hochwertiger Massenfertigung bleiben die Preise kundenfreundlich. Auch wenn die Inflation Arendal nicht verschont: Bei der Markteinführung Ende 2017 kosteten die Arendal 1723 Tower noch 2.700 € – heute ein echtes Schnäppchen!

Arendal Sound Serien

Wer Arendal Sound noch nicht kennt, für den habe ich jetzt mal kurz eine kleine Übersicht, was man so von dem Direktversender erwarten kann. Arendal Sound gliedert sich in drei Serien: 1961, 1723, 1528. Die Serien sind nach bedeutenden historischen Daten der norwegischen Hafenstadt Arendal benannt.

Die 1961er Serie markiert den Einstieg in die Arendal-Welt. In dieser Serie gibt es alle erdenklichen Lautsprecher-Typen und bei den Standlautsprechern liegen wir bei 1.900 € Paarpreis.

Die 1723er Serie markierte bis Ende 2024 Arendals High-End-Referenz- und Flaggschiff-Serie. Diese unterteilt sich noch einmal in die „normale“ 8‑Zoll-Treiber-Serie und eine etwas kleinere 6,5‑Zoll-Treiber-Serie. Wie bei den 1961ern auch, gibt es hier die volle Bandbreite an verfügbaren Lautsprecher-Typen, und bei den Standlautsprechern liegen wir bei 3.800 € respektive 3.100 € Paarpreis.

Die 1528er Serie markiert seit Ende 2024 Arendals Ultra-High-End-Referenz- und Flaggschiff-Serie. Diese ist als Spitze des Eisbergs zu verstehen und ebenfalls für wirklich große Hörräume gedacht. Wie bei den anderen beiden Serien gibt es eine breite Bandbreite an Lautsprechern. Speziell zu erwähnen ist in meinen Augen z. B. der unglaubliche Center-Lautsprecher: Mit 1,35 m Breite, 29 cm Höhe und einem Gewicht von satten 82 kg versteht Arendal keinen Spaß. Bei den Standlautsprechern liegen wir hier bei einem Paarpreis von 9.900 €.

Arendal 1723 Tower THX — Imposanz

Die Arendal 1723 Tower THX sind ausgewachsene Lautsprecher, die eventuell schon einen Hörraum größen- und leistungstechnisch sprengen können. Die THX Ultra Zertifizierung ist hier nicht nur als Heimkino-Prädikat zu sehen, sondern spiegelt in erster Linie wider, dass die Lautsprecher für extreme Pegel ohne Verzerrung gemacht wurden. 112 dB unverzerrt, im Peak 124 dB bei Musiksignalen, sind schon mal eine Ansage.

Wer solche irren Lautstärken fahren möchte, muss aber auch das nötige Kleingeld haben, um eine Endstufe mit 500+ Watt/Kanal an die Arendal 1723 Tower zu hängen.

Die Arendal 1723 Tower sind aber auch keine Spargel-Tarzane. Mit 119 cm Höhe und 27,5 cm Breite sowie einem Gewicht von 50,6 kg pro Stück bekommt man hier richtig viel Material für sein Geld. Bei einer Tiefe von knapp 40 cm muss der Hörraum aber auch das gewisse Etwas an Raumtiefe bieten – mit Abstand zur Wand sind schnell 60–70 cm belegt.

Unboxing und Lieferumfang

Die Arendal 1723 Tower THX kommen natürlich auf einer Europalette per Spedition. Hier sollte man sich eine zweite Person zur Hilfe holen, denn das Handling der Kartons und des Gewichts ist nix für schwache Nerven. Ich habe sie alleine bewegt und aufgestellt und kann sagen: absolute Grenze des Machbaren. Wer hier einmal unachtsam ist, wird dies später bitter bereuen.

Nachdem ich den ersten massiven Karton in meinen Hörraum verfrachtet hatte, ging es ans Unboxing. Die Lautsprecher sind fabelhaft verpackt. Sie ruhen in zwei dicken, ineinander geschachtelten Kartons und sind dann mit äußerst stabilen Schaumstoff-Teilen in Position gehalten. Geschützt werden sie weiterhin durch einen Baumwollsack, welcher sich natürlich empfiehlt, erst nach der Montage der Traversen und Aufstellung zu entfernen.

Ich für meinen Teil habe den jeweiligen Lautsprecher auf die Unterkante des Kartons gehoben und hatte so die Möglichkeit, problemlos die Traversen und Spikes zu installieren. Ich habe mich für die Spikes entschieden, es liegen aber auch Gummifüße bei.

Nach der Installation der Traversen und Spikes am Arendal 1723 Tower habe ich den Hebel des Kartons und des unten aufliegenden Lautsprechers genutzt, um diesen vorsichtig auf meinem Teppich auf die Spikes zu stellen. Hier müsst ihr echt vorsichtig sein und einiges an Muskelkraft aufbringen, wenn ihr dies alleine machen wollt. Es befindet sich keine Abdeckung auf den empfindlichen Treibern! (liegt separat im Karton) Besser zu zweit.

Natürlich habe ich dann direkt den Baumwollsack entfernt, weil ich mir die guten Stücke ansehen wollte. Was soll ich sagen? Ich glaube, das war der erste Moment, in dem ich ein wenig Kribbeln verspürt habe und noch mal in mich ging.

Design, Verarbeitung und Aufstellung

Da standen nun diese massiven Arendal 1723 Tower vor mir – imposant in jeder Hinsicht. Arendal verzichtet, anders als schon fast branchenüblich, auf Gehäuse aus MDF und setzt auf HDF. High-Density-Fiberboard ist um ein Vielfaches dichter und stabiler als MDF und sorgt für noch steifere, resonanzärmere Gehäuse.

Die mir zugesandten Arendal 1723 Tower sind matt weiß lackiert. Die Lackierung ist tadellos. Ich habe die Lautsprecher überall nach Imperfections abgesucht, aber konnte beim besten Willen nichts beanstanden. Saubere Gewinde, einheitliche Lackierung, keine Staub- oder Lufteinschlüsse, keine unliebsamen Kanten. Das Anschlussterminal sitzt satt und sauber in der Rückseite des Lautsprechers. Die Eloxierung der massiven Aluplatte, auf der die rhodinierten Anschlussterminals installiert sind, ist ebenfalls mackenfrei.

Ja, ich weiß, das sieht man nicht unbedingt, aber ich versuche das Haar in der Suppe zu finden. Spoiler: hab ich nicht gefunden.

Die Terminals sind massiv und wurden zur Korrosionsbeständigkeit rhodiniert. Ich habe aus Interesse die Gewinde mal bewegt, nur um zu sehen, wie sauber sie gearbeitet wurden. Generell benutze ich die Lautsprecher mit Bananensteckern. Natürlich sind die Lautsprecher bi-amp- / bi-wiring-fähig. Dennoch: Arendal liefert bei den 1723 Towern jeweils zwei massive, vorinstallierte rhodinierte Kupferbrücken mit. Da ich vorhabe, die Lautsprecher primär erst einmal mit den Burson Audio Timekeeper GT4 Max zu testen, kann das auch so bleiben.

Zum Schutz der empfindlichen Treiber – oder vielleicht für den ein oder anderen aus optischen Gründen – liegt jedem Lautsprecher natürlich noch eine Abdeckung bei. Diese ist (natürlich!) massiv und schwer verarbeitet und hält mit starken Neodym-Magneten optisch unsichtbar an den Lautsprecherfronten. Da bewegt sich nix weg, und wenn man mal dagegenkommt, wird das die Lautsprecher zuverlässig schützen.

An der Rückseite der Arendal 1723 Tower gibt es noch drei 2,6‑Zoll‑Ports. Diese sind ab Werk mit Schaumstoff-Plugs verschlossen, da sich die Lautsprecher „sealed“ und „ported“ betreiben lassen.

Wer die Lautsprecher in ihrer Seitenansicht betrachtet, dem fällt auf, dass die Lautsprecher nicht im 90‑Grad‑Winkel zum Boden einfach gerade nach oben verlaufen, sondern wie ein Parallelogramm nach hinten geneigt sind. Dies hat folgende Vorteile:

  • Ästhetik & Stabilität: Dynamisches Erscheinungsbild, niedriger Schwerpunkt mit Outrigger-Füßen.
  • Time-Alignment: Tweeter und Midbass erreichen den Hörplatz zeitgleich (akustische Zentren ausgerichtet), reduzieren Phasenfehler für präziseres Imaging.
  • Optimale Achse: Geneigter Sweet-Spot bei Sitzhöhe (ca. 1 m Ohrhöhe), bessere Hochton-Integration.
  • Weniger Diffraction: Glatte Front minimiert Beugungsspitzen, homogenere Abstrahlung.

Zum Design der Arendal 1723 Tower THX bleibt von meiner Seite her zu sagen, dass ich sie sehr ästhetisch finde. Es sind ausgewachsene, große, massiv dastehende Lautsprecher, die beim Hereinkommen in den Raum das Gefühl vermitteln, dass hier nicht gespaßt wird. Bei kleineren Lautsprechern denkt man immer erst: „Hoppla, hier wird immer erzählt, hier steppt der Bär, aber die Lautsprecher gehen mir gerade bis zur Hüfte …“ oder: „Ach! Das sind also Regallautsprecher, die du hast. Wenn du immer erzählst, dass du viel Musik hörst, habe ich immer an große schwarze Lautsprecher wie auf Konzerten gedacht.“

Wir wissen alle, dass es sich bei den meisten dieser Äußerungen um Unwissenheit handelt, und sobald meist der erste Ton spielt, weiß auch der Besuch, dass es hier wirklich ernsthaft wird. Bei den Arendal 1723 Towern aber kommt einem direkt ein „WOW“ entgegen. Sie sehen nach dem aus, was sie sind. Nicht mehr und nicht weniger.

Für die Boomer- und Holz-Fraktion könnten die Arendal 1723 Tower eine harte Nuss sein. Ich ordne sie klar dem modernen Design zu – kein nobles Möbelstück mit Edelholz, sondern puristisch und funktional. Arendal bietet lediglich Satin Black oder Satin White an, was perfekt in zeitgenössische Wohnräume passt. Ich selbst habe mich auf weiß-matt eingeschossen und finde es zeitlos elegant, doch ich verstehe den Hang zur Wärme und zum Status edler Holzfinishes absolut.

Aufstellung

Arendal bietet einen exzellenten Aufstellungs-Guide, der sich wirklich lohnt. Grob variiert die optimale Position je nach Szenario:

  • Für Musik: Zuerst exakt auf den Hörplatz toe-in, dann leicht öffnen für maximale Bühnenbreite (individuell nach Vorliebe).
  • Für Heimkino: Symmetrische Ausrichtung direkt auf den Hörplatz – dank des Waveguide-Designs minimieren die Arendal 1723 Tower seitliche Reflexionen sogar in unbehandelten Räumen und liefern präzisen Richtcharakter.

Abmessungen

SpezifikationWert
Abmessungen (H/B/T ohne Füße)115 × 27,5 × 40 cm​
Mit Füßen (H/B/T)119,1 × 37 × 40 cm​
Gewicht (inkl. Spikes)50,6 kg​
GehäuseHDF (High Density Fiberboard), versiegelt/ventiliert (3 × 2,6″ Ports)​
FinishSatin Black / Satin White​

Tech-Specs

Die Arendal 1723 Tower THX sind nach dem Prinzip entstanden: nicht kleckern, sondern klotzen! Wenn man allein die brachiale Optik sieht: Das Gehäuse ist an der Front von oben bis unten mit 8‑Zoll‑Mittel- und Tiefton-Treibern gespickt, die speziell für Arendal gefertigt wurden und es ermöglichen, mit „nur“ 119 cm Höhe auszukommen. Der Hochtöner sitzt ebenfalls in einem 6,5‑Zoll‑Waveguide. Somit ergibt sich eine technisch anmutende Front.

Die Arendal 1723 Tower sind nach dem 2,5‑Wege‑Prinzip gebaut. Sie nutzen eine modifizierte D’Appolito-Anordnung. Klassisch handelt es sich normalerweise um eine MTM-Anordnung (zwei Midbass + zentraler Tweeter). Wegen des 2,5‑Wege‑Systems, das Phasenfehler vermeiden soll, wurde das System aber nicht mit einem separaten Mitteltöner ausgestattet, sondern besitzt homogen custom-designte 8‑Zoll‑Membranen, die Bass und Midrange abbilden können. Die drei unteren fokussieren sich auf den Tiefbass, während der obere mit dem Tweeter zusammen Midbass und Höhen übernimmt.

So ergibt sich ein Crossover bei 120 Hz (Bass-Trennung) und 1.500 Hz (Mid/High).

Die nominale Impedanz der Lautsprecher beträgt 4 Ohm und sie sind mit einer Sensitivität von 92 dB / 2,83 V / 1 m relativ effizient und leicht anzutreiben. Das ist überraschend, da man bei so ausgewachsenen Lautsprechern auch durchaus anderes gewohnt ist.

Die Arendal 1723 Tower sind zwar mit einer typischen „In-Room Bass Response“ von 16 Hz und einem linearen Frequenzverlauf von 37 Hz–20 kHz angegeben, man sollte aber davon ausgehen, dass sie in einem akustisch behandelten Raum vielleicht irgendwo bei ~25–30 Hz nutzbaren Bass produzieren.

Daraus ergeben sich zwei Erkenntnisse: Die Arendal 1723 Tower spielen extrem tief und sind so geeignet für Leute, die gerne ohne Subwoofer auskommen wollen. Hier empfiehlt es sich natürlich, an der Endstufe nicht zu sparen. Mit den angegebenen 112 dB schaffen die Lautsprecher das darüber hinaus auch mit hohen Pegeln.

Des Weiteren lassen sich die Arendal 1723 Tower – wie weiter oben schon erwähnt – sealed und ported betreiben. Das ist insofern interessant, als man sie nicht unbedingt offen betreiben muss, wenn man ohnehin vorhat, einen Subwoofer mit in die Kette zu nehmen, und so ein geschlossenes und damit noch responsiveres Hörvergnügen bekommt. Abgesehen davon, dass man sie so auch näher an die Wand stellen kann, ohne negative Effekte befürchten zu müssen.

SpezifikationWert
Design2.5‑Wege​
Treiber28 mm Tweeter (mit Waveguide), 4 × 8″ Woofer​
Frequenzgang (-6 dB, anechoisch)37 Hz–20 kHz​
F3 (anechoisch)45 Hz​
Sensitivität92 dB / 2,83 V / 1 m​
Impedanz4 Ohm nominal​
Crossover-Frequenzen120 Hz / 1500 Hz​
Empfohlene VerstärkerleistungBis 500 W RMS @ 4 Ohm​

Klang und Höreindrücke

Okay! Stehen die Arendal 1723 Tower erst einmal an Ort und Stelle und sind ordentlich verkabelt, steht dem ersten Hören nix mehr im Weg. Nach der Pflicht folgt also die Kür – und natürlich kenne ich einige Reviews zu den Lautsprechern, was meine Erwartungen in astronomische Höhen befördert hat.

Platz genommen, Eversolo DMP-A6 und Burson Timekeeper GT4 Max angeschmissen. Natürlich wird wie immer zuallererst meine Qobuz Metal-Referenz-Playlist zu Rate gezogen. Diese ist für alle frei verfügbar und darf gerne zur besseren Nachvollziehbarkeit benutzt werden. Des Weiteren bin auch ich nicht ganz resistent gegenüber der Musik, die oft von Herstellern und Händlern auf Fachmessen herangezogen wird, und habe mal eine kleine Sammlung an Referenz-Musik angelegt. Dennoch finde ich, ist diese mit Vorsicht zu genießen, weil diese Songs tendenziell immer gut klingen, da hier mehr Bass-Quantität vor wirklicher klanglicher Qualität geht. Interessant sind sie dennoch.

Arendal 1723 Tower × Eversolo DMP-A6 + Burson Timekeeper GT4 Max

Okay! Bass-Port-Plugs raus, dennoch habe ich mir direkt die Mühe gemacht und das neue Einmess-Feature vom Eversolo benutzt. MiniDSP UMIK‑1 (kalibriertes Messmikrofon) ans iPad Air gehängt und den Wizard durchlaufen lassen. FIR-Filter erstellen lassen und Profil auf „linear“ gestellt. Ja, ich weiß, viele lieben eher so ’ne Harman-Curve, aber ich finde linear mit einer leichten Bassanhebung noch ’ne Ecke geiler.

Der Aha-Effekt kam sofort! Ja, die Arendal 1723 Tower sind bewusst ein Hybrid zwischen Musik und Heimkino, aber dass sie so musikalisch mitmachen, hatte ich nicht erwartet. Sie stehen den Amphion Argon3S in der Klarheit und Bühne in nichts nach! Hier findet ihr übrigens den Test zu den Amphion Argon3S. Natürlich haben die Arendal 1723 Tower mehr Body und Tiefe.

Ich musste mich erst ein wenig fangen, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass sie gerade für Musik so ultra gut funktionieren.

Haben wir hier wirklich einen Giantkiller?

Ich bin ebenfalls schuldig, wenn es um Hype-Trains geht, aber ich glaube bzw. weiß, dass es da draußen manchmal das eine Produkt gibt, das ein Unicorn darstellt und selbst Produkte, die ein Vielfaches kosten, in den Schatten stellt.

Natürlich habe ich alles unternommen, um mir irgendwie sicher zu sein: 50 Stunden einlaufen lassen, wie Arendal es empfiehlt, an der Platzierung gefeilt, mit und ohne Einmessung gearbeitet. Ich hatte bereits das Glück, einiges hören zu dürfen, und ich glaube, die Arendal 1723 Tower machen so einiges richtig.

Ich muss meine Euphorie zügeln, um seriös zu bleiben – innerlich bin ich am Durchdrehen. Wer keinen Boutique-Lautsprecher mit überhöhter Neutralität sucht und nicht zwingend 13.000–15.000 € investieren will, findet im Arendal 1723 Tower einen echten Endgegner. Ab dieser Preisklasse werden Frequenzweichen, Gehäuse und Komponenten noch exklusiver – aber die Luft im Portemonnaie merklich dünner.

Genau dies ist für mich die Definition eines Giantkillers. Er spielt in das Zwei- bis Dreifache seines Budgets, und man muss sich gar nicht schlecht fühlen, wenn man die Konkurrenz sieht. Hier haben wir in der Tat einen Lautsprecher, der – wenn man bereit ist, das Geld in die Hand zu nehmen – das Budget bis zum letzten Cent ausreizt. Ich kenne wirklich nicht viele so herausragende Produkte im HiFi-Bereich. Bin aber immer wieder dankbar, dass sich ein Hersteller traut, das Preisgefüge ein wenig aus dem Gleichgewicht zu bringen, um die Preise irgendwie noch am Boden zu halten.

Heimkino vs. HiFi

Jetzt kommen mir einige sicherlich mit der Argumentation, dass es sich doch schließlich um Heimkino-Lautsprecher handelt. Schließlich werden sie recht stark als solche beworben und auf ihnen prangt das THX Ultra Zertifikat.

Also: Kann man die Arendal 1723 Tower THX denn wirklich für Musik empfehlen? Hierauf habe ich ein ganz klares Ja! zu entgegnen. Absolut und uneingeschränkt! Ich weiß es nicht genau, aber wenn man einen guten HiFi-Lautsprecher baut, kommt da meist ein guter Heimkino-Lautsprecher bei raus – vor allem, wenn man die paar Feinheiten beachtet, die er als hervorragender Heimkino-Lautsprecher braucht.

Die Arendal 1723 Tower spielen kräftig wie luftig, tief, aber auch klar. Stimmen wirken natürlich und präzise, genauso wie die Bühne und die dazugehörigen Instrumente. Sie sind sehr aufgeräumt und machen all dies, ohne auch nur im Anflug angestrengt zu wirken.

Ich habe viele Stunden des Hörens in den letzten 4 Wochen investiert, um hier wirklich sicher zu sein. Aber ehe ich hier weiter um den heißen Brei rede: Lasst uns ein wenig über Musik sprechen!

Imminence – God Fearing Man

Imminence holt mich immer mehr ab, gerade God Fearing Man, weil der Track eine gewisse Imposanz mitbringt. Der ruhige, fast fragile Gesang, die Geige des Sängers, die sich langsam aufbaut – und dann dieser Breakdown. Ich habe diesen Moment schon oft als Referenz genannt, aber so kraftvoll wie über die Arendal 1723 Tower habe ich ihn in Stereo noch nicht erlebt.

Die Arendal schaffen es, die komplette Grundstimmung, den Spannungsbogen und die Entladung emotional nachvollziehbar und gleichzeitig kontrolliert zu inszenieren. Nichts klebt an den Lautsprechern, die Bühne löst sich sauber vom Gehäuse, und trotzdem steht der Bass mit Autorität im Raum.

Ich will nicht behaupten, dass der Track maximal komplex wäre, aber genau darin liegt der Charme: Man hört sofort, wie gut eine Box Dynamik, Timing und emotionale Dichte kann. Und hier zeigen die Arendal 1723 Tower ganz klar: Studioqualität ist kein Marketing-Floskel.

Knocked Loose — Everything is quiet now

Bei den einen erzeugt Knocked Loose blutende Ohren, ich liebe diese rohe Energie. Die ungeschliffene, ehrliche Musik der Band fasziniert zum Glück nicht nur mich, stellt bei der Wiedergabe aber einige Fallstricke: Immer wieder stoße ich auf HiFi-Komponenten, die genau hier den Sound produzieren, der einem tatsächlich die Ohren blutig schreit.

Druck ist halt nicht die halbe Miete – also müssen sich die Arendal 1723 Tower auch Knocked Loose stellen. Hier bekomme ich genau das, was ich suche: Aus dem scheinbaren Einheitsbrei mit kreischenden Gitarren wird ein differenziertes Klangbild, wie ich es von guten Knocked-Loose-Liveperformances kenne. Dreckig, ja. Roh, ja. Aber absolut genießbar. Nicht für jeden, aber eben für mich – und das zählt.

Lorna Shore – Glenwood

Gehen die Deathcore-Überflieger gerade auf große Europa-Tour und ich zum schon lange ausverkauften Konzert nach Hamburg, können sie auch hier mal wieder eine Erwähnung vertragen.

Dieser Abschnitt geht aber viel mehr raus an eine Person, die diesen Track quasi tot gehört hat, um ihn danach direkt wieder in Dauerschleife laufen zu lassen. Das soll nicht heißen, dass der Song kacke ist, sondern dass er mir regelrecht eingemeißelt wurde – es war nur eine Frage der Zeit, bis er auf meiner Referenzliste landet.

„Glenwood“ ist wie so viele Songs von Lorna Shore ein Brett. Emotional geht es um Reue, Stolz, der im Weg steht, und darum, ob man zu weit weg ist, um Dinge wieder gut zu machen – mit der Botschaft, dass man sich fragen sollte, ob es das wert ist, so lange verletzt und stur zu bleiben.​

Brutal schnelle Drums, Will Ramos mit seinem einzigartigen Gesangstalent, flankiert von schiebenden Riffs und dieser typischen choralen/orchestralen Epicness. Ein Wechselspiel zwischen ruhig und drückend – genau das richtige Material, um Feingeist und Antrieb der Arendal 1723 Tower zu demonstrieren. Ich weiß nicht, wie oft der Song hier gelaufen ist; an ihm habe ich jedenfalls die Positionierung (Toe-in) der Lautsprecher optimiert, bis ich die für mich beste Bühne hatte.

Jedenfalls ist dieses Lied nicht ganz unschuldig an meiner Liebe zu diesen Lautsprechern.

Unliebsame Messe-Musik – trotzdem wichtig

Jetzt kommt der Teil, den ich persönlich immer nur in kleinen Dosen ertrage: typische Messe-Musik. Ihr kennt das – Diana Krall, Nils Lofgren, „audiophile“ Aufnahmen mit viel Raum, wenig Komplexität und möglichst spektakulären Effekten.

Ich bin ganz ehrlich: Das ist nicht meine Alltagsmusik. Aber sie ist extrem nützlich, um bestimmte Eigenschaften zu beurteilen – Feinauflösung, Leisehörfähigkeit, Bühnentiefe, Lokalisationsschärfe.

Was sie aber immer gemeinsam haben, ist Bass. Ich glaube ganz fest, eines der Verkaufsargumente ist es, ein Fundament zu präsentieren. Ich will nicht sagen, dass es leicht ist, aber Bass scheint mir oft der Treiber zu sein.

Aber sind wir ehrlich: Bass ist es, was die Arendal 1723 Tower schon fast beiläufig liefern.

Mit den Arendal 1723 Towern passiert hier das, was ich mir von einem echten Allrounder erwarte:

  • Stimmen stehen sauber im Raum, klar umrissen, ohne ins Sibilante zu kippen.
  • Die Bühne zieht sich glaubhaft in die Tiefe, Instrumente sind klar voneinander getrennt.
  • Selbst bei sehr niedrigen Pegeln bleibt alles durchhörbar, nichts fällt in sich zusammen.

Besonders spannend: Die Arendal klingen nie „HiFi-überanalytisch“, sondern behalten immer eine gewisse Selbstverständlichkeit. Sie zeigen, was auf der Aufnahme passiert, ohne dir permanent „Hör mal, wie detailliert ich bin“ ins Gesicht zu schreien. Genau so soll es sein. Und trotzdem sind sie nicht der weichgewaschene People-Pleaser, der dir alles samtig in die Ohren schmiegt.

Arendal 1723 Tower + Subwoofer

So mächtig die Arendal 1723 Tower im Bass sind – und das sind sie zweifellos –, gibt es Szenarien, in denen ein Subwoofer trotzdem Sinn macht. Gerade im Heimkino oder wenn man gerne sehr laut hört, ist Entlastung im Tiefbass nie verkehrt.

In meinem Stereo-Setup laufen die Arendal 1723 Tower aktuell zusammen mit einem SVS SB-5000. Die Kombination zeigt sehr schön, wie flexibel die Arendal abgestimmt sind:

  • Im „sealed“-Modus lassen sie sich problemlos bei 60–80 Hz trennen und spielen darüber extrem sauber und schnell.
  • Der Sub übernimmt den wirklich tiefen Bereich darunter, kümmert sich um Fundament und LFE-Einschläge, während die Tower Bühne, Körper und Punch liefern.

Wer keinen Sub stellen kann oder will, wird mit den Arendal 1723 Towern alleine schon extrem glücklich – gerade in Musik-Setups. Wer aber Heimkino auf Referenzniveau anpeilt, hat hier eine perfekte Basis für ein 2.1‑, 3.1- oder später voll ausgebautes 5.1-/7.1‑System.

Im Mehrkanalbetrieb habe ich die Arendal 1723 Tower mit meinem Arendal 1961 Subwoofer 1V laufen lassen. Auch hier haben sie sich perfekt integrieren lassen und das Kinofeeling hörbar auf ein neues Level gehoben. Aufgrund des nicht seriengleichen Center-Kanals – ich habe hier noch meinen B&W‑Center weiter benutzt – konnte ich jedoch in jeder Sekunde des Films den Unterschied der Lautsprecher ausmachen.

Lasst es euch gesagt sein: Der Center ist der zentrale und wichtigste Kanal im Heimkino. Ein Großteil der Information läuft über ihn, und mit ihm steht und fällt das Heimkino. Nur wer klar definierte Stimmen hat, muss den Lautstärkeregler nicht zwangsläufig auf Angriffsposition drehen.

Ich kann es kaum erwarten, den Arendal 1723 Center zwischen die Arendal 1723 Tower zu stellen und vorne ein wirklich homogenes Bild zu haben.

TL;DR – Arendal 1723 Tower THX

  • Klang: Brutal dynamisch, zugleich feinzeichnend. Von Metal über Messe-Mucke bis Heimkino jederzeit souverän.
  • Technik: 2,5‑Wege, 4×8″, HDF-Gehäuse, THX Ultra, echte Pegelreserven – gebaut für Druck und Kontrolle.​
  • Praxis: Spielt solo schon extrem tief, funktioniert aber auch perfekt mit Sub und im Mehrkanal-Setup. Aufstellung (Toe‑in + Raum) dank Waveguide sehr gut beherrschbar.​
  • Preis/Leistung: Klanglich auf Augenhöhe mit deutlich teureren Lautsprechern, die in der 10k–15k‑Region unterwegs sind – ohne das Kleinwagen-Budget.​

Für mich aktuell: der Lautsprecher, an dem ich zukünftige Reviews messe.

Fazit

Ich habe Tage über diese Zeilen nachgedacht. Klar, wir jagen immer besseren, gefälligeren Klang. Die Preisschraube dreht sich unaufhaltsam nach oben – verständlich, wo Ingenieure Herzblut reinlegen, riskante Innovationen wagen und Komponenten verbauen, die alles andere als Allerweltsware sind. Extreme HiFi-Komponenten werden immer teuer sein.

Auch ich könnte Begehrlichkeiten schüren, die Preisspirale in unseren Köpfen immer tiefer treiben. Aber bei den Arendal 1723 Towern würde ich als bodenständige Referenz für Reviews und Videos bleiben. Klar, imposante Kleinwagen-Ketten wirken spektakulärer. Doch Bodenständigkeit heißt nicht, die Messlatte endlos hochzuschrauben, sondern sie genau hier im Hier und Jetzt zu belassen.

Das schließt Höheres nicht aus – es gibt genug darüber! Aber irgendwo braucht’s den Nullpunkt. Eine Erdung, Balance. Denn Reviews mit Hardware, die 0,001% meiner Leser sich leisten können, helfen niemandem. Selbst die Arendal 1723 Tower sind für viele schon Budget-Sprenger.

Meine Messlatte wähle ich nicht leichtfertig, sondern wohlüberlegt. Aber bei Qualität, Sound und gerade bei der Preis-Leistung kann ich mich zurücklehnen: Hier bekommt man für jeden Cent Gegenwert.

Nach meinem Bewertungsschema erhalten die Arendal 1723 Tower den HiFiGeek Award. Wie ich bewerte und was der Award bedeutet, steht hier: https://www.hifigeek.de/bewertungsschema-bei-hifigeek/

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https://www.hifigeek.de/arendal-1723-tower-thx-giantkiller/feed/ 0 9981