XLR - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de Audio & Heimkino. Ernst genommen. Wed, 24 Jun 2026 20:41:22 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://www.hifigeek.de/media/cropped-hifigeek.de-512-32x32.png XLR - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de 32 32 60029611 miniDSP Tide16: 16 Kanäle, Dirac komplett drin, und endlich mal was Neues im AV-Game https://www.hifigeek.de/minidsp-tide16/ https://www.hifigeek.de/minidsp-tide16/#respond Tue, 21 Apr 2026 19:50:28 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=10743 Okay, das ist ein Ding. miniDSP — die Jungs, die man bisher mit kleinen DSP-Kisten und Messmikrofonen verbindet — bringen mit dem miniDSP Tide16 ihren ersten echten AV-Prozessor raus. Zwei Jahre Entwicklung, Dolby- und DTS-zertifiziert, Hardware und Firmware beides inhouse gebaut. 16 Kanäle, die komplette Dirac-Suite inklusive ART, UMIK‑1 im Karton. 3.500 US-Dollar.

Worum geht’s

Der miniDSP Tide16 ist eine 16-kanalige AV-Vorstufe mit voller Atmos- und DTS:X‑Dekodierung, HDMI-Umschaltmatrix, Bluetooth-Streaming und Dirac-Raumkorrektur. Und zwar nicht irgendeine Raumkorrektur, sondern die ganze Dirac-Research-Suite: Dirac Live Full Range, Bass Control, Active Room Treatment. Alles perpetual lizenziert, alles serienmäßig. Wer diese drei Lizenzen einzeln kauft, ist locker 800 Dollar los. Hier kostet das genau nichts extra.

Das Ding ist kein Massenmarkt-AVR. Kein Denon, kein Marantz, kein „alles-läuft-aus-der-Box-mit-zwei-Klicks”. Es ist auch keine 15k-StormAudio. miniDSP selbst sagt: niche capability. Und das trifft’s.

Die Hardware

Gehirn: Quad-Core ARM A53 mit 1,8 GHz. 32 Bit Verarbeitung, aktuell 48 kHz Samplerate intern. Klingt erstmal wenig, ist aber die Bandbreite, in der jedes Filmsoundtrack-Format daherkommt. miniDSP sagt, 192 kHz sind per Firmware-Update irgendwann drin. Abwarten.

Rein kommt alles: 3× HDMI mit eARC-Port als TV-Rückkanal, 2× Koax und 2× Toslink S/PDIF, 1× XLR symmetrisch, 1× Cinch, 1× USB Audio (UAC2, Stereo-PCM), Bluetooth mit LDAC und APTX HD. Für eine Kiste, die fürs Wohnzimmer gedacht ist, ziemlich umfangreich bestückt.

Raus geht’s über 16 symmetrische XLRs: 8× ESS ES9017 DACs mit Output-Relais, 200 Ω Ausgangsimpedanz, 4 Vrms Maximalpegel. Frequenzgang 20 Hz bis 20 kHz ±0,05 dB. SNR 125 dB (D→A), A‑gewichtet 127 dB. THD+N bei ‑118 dB, also 0,0001 Prozent. Crosstalk ‑120 dB. Alles natürlich unter AES17-Bedingungen mit 20-kHz-Tiefpass bei 0 dBFS gemessen — sprich: Herstellerbedingungen. Real dürfte da noch Luft zu echten Messungen sein. Trotzdem: das sind keine schlechten Papierwerte.

Video: HDMI 1.4/2.0b, 4K60 UHD, 18 Gbps, HDCP 2.3, Dolby Vision zertifiziert. eARC und VRR sind an Bord. Keine volle HDMI 2.1 mit 48 Gbps. Dazu gleich mehr, das ist ein eigenes Kapitel.

Codecs, die sind alle drin, die man haben will: Dolby Atmos samt Height Virtualization und Atmos Music, Dolby TrueHD, DTS HD Master, DTS:X, DTS Neural:X, DTS Virtual:X. Upmixer bis 16 Kanäle (Atmos) beziehungsweise 12 Kanäle (DTS Neural:X). DTS:X Pro mit 16 Kanälen ist aktuell nicht lizenziert — kann später kommen.

Bass-Management: Bis zu 4 unabhängige Subwoofer-Kanäle, jeder mit eigener Laufzeit, EQ und Pegel. In Kombination mit Dirac Live Bass Control ist das genau die Flexibilität, die man sonst erst deutlich weiter oben im Preisregal findet.

Das Kistchen selbst: 432 × 254 × 89 mm. Rack-Ohren sind abnehmbar, also auch fürs Möbel im Wohnzimmer tauglich. Passive Kühlung, kein Lüfter, kein Gezischel. Vorne ein 1080p-OLED-Color-Display, das nach den ersten Bildern ziemlich schick aussieht. 23 Watt Idle, 1,3 Watt Standby.

Steuern kann man das Ding wie man will: klassische IR-Fernbedienung im Karton, miniDSP Device Console für Mac und Windows, WebGUI im Browser, optionaler KD‑1 Smart Remote mit rundem OLED-Dreh-Encoder. Crestron‑, AMX- und Savant-Integration ist vorbereitet, REST-API für Bastler kommt noch. Dazu 12-V-Trigger rein und zweimal raus, IR-In, IR-Flasher.

Ein Blick ins Manual

Das User Manual des miniDSP Tide16 ist seit Anfang April online. Wer miniDSP-Doku schon mal gelesen hat — weiß, worauf zu achten ist: das Signal-Flow-Kapitel. Und da wird’s interessant.

Jedes Signal wandert beim miniDSP Tide16 durch dieselbe Kette: Eingangsquelle wählen, Pegel-Offset, Bass Management, Matrix Mixer (jede der Eingangsquellen kann frei auf jeden der 16 Ausgänge geroutet werden), Dirac-Filter, Parametric-EQ, Crossovers, Delays, Master-Volume, DAC, raus. Das klingt nach viel, ist aber genau die Kette, die man sich als Enthusiast wünscht. Vollständige Kontrolle, jede Stufe konfigurierbar.

miniDSP Tide16 Flow Diagramm

Der Matrix Mixer ist der Star. Damit lässt sich beispielsweise ein vollaktives 4‑Kanal-Front-System (also je Kanal Hoch- und Tieftöner separat angesteuert, mit eigenen Endstufen) parallel zu einem 11.2‑Surround-Layout fahren. Alles aus einer Kiste, mit individuellen Crossover- und EQ-Einstellungen pro Kanal. Für DIY-Aktiv-Projekte und Studio-Setups ist das Gold.

Was das Manual auch zeigt: Analog-Eingänge laufen zwangsläufig durch ADC → DSP → DAC. Einen echten Analog-Bypass-Modus, bei dem das Signal an der Digitalisierung vorbeigeht, gibt’s nicht. Auch nicht mit deaktiviertem DSP. Heißt: wer mit einem externen Phono-Preamp rein will, wandelt in beiden Richtungen. Kein Drama, aber wer sich pure Analog-Durchleitung erhofft hat: Pech. Dafür hat miniDSP andere Produkte im Katalog.

HDMI 2.0b — und warum das Geschrei nur zum Teil gerechtfertigt ist

Der größte Aufreger in der internationalen Berichterstattung: kein vollwertiges HDMI 2.1. In manchen Foren wird daraus schon das K.o. gezimmert. Das ist zu kurz gedacht.

Was ist drin: eARC, VRR, Dolby Vision zertifiziert. Was fehlt: die 48-Gbps-Pipeline für 4K120 und 8K60. Für den gewöhnlichen Film-Zuspieler 2026 — Blu-ray-Player, AppleTV 4K, 4K60-Streamer — völlig ausreichend. Problematisch wird’s erst bei Gaming-Setups mit PS5 Pro, Xbox Series X oder HTPCs, die 4K120 ausspucken wollen. Und bei echten 8K-Quellen, die aktuell eh kaum jemand hat.

miniDSP hat sich bewusst entschieden: lieber stabile, zertifizierte 2.0b-Basis mit den wichtigsten 2.1‑Features, als Marketing‑2.1, das hinten raus Handshake-Probleme macht. Wer die Schmerzen mit wackeliger HDMI-Implementierung bei kleineren Herstellern kennt, versteht die Entscheidung. Für Gamer mit 4K120-Ambitionen ist’s trotzdem ein harter Kompromiss — für Kino-Enthusiasten kein Thema.

Preis, Verfügbarkeit, wie man an den miniDSP Tide16 kommt

3.500 US-Dollar. Gegen Aufpreis kommt die KD‑1 Smart Remote obendrauf, wer ein Kalibrierungsmikrofon benötigt kann für 75$ das UMIK‑1 oder das UMIK‑2 für 195€ extra dazu nehmen. In Deutschland listet Soundimports ihn für 4.599 €.

Wer gleich die passenden Endstufen dazu will: miniDSP hat die AMP8 im Programm. 8 Kanäle Class D auf IcePower-Basis, 300 Watt pro Kanal, 2.200 Dollar das Stück. Zwei davon plus miniDSP Tide16 gleich schlüsselfertiges 16-Kanal-Setup für rund 7.900 Dollar. Nicht die günstigste Kombo. Muss man sich ansehen.

Die ersten Units sollen in den kommenden Wochen verfügbar werden.

Wo das Ding im Markt steht

Klare Sache: Der miniDSP Tide16 füllt die Lücke zwischen Mainstream-AVR und Ultra-High-End-AVP. Denon, Marantz, Yamaha, Onkyo sind bequem zu bedienen, aber DSP-Flexibilität ist da Mangelware und Dirac kostet Aufpreis. StormAudio, Trinnov, Datasat — alles großartig, aber eben auch dreimal bis fünfmal so teuer. Dazwischen herrscht aber auch ein rauher Markt. Monoprice HTP‑1 mit einem anderen Konzept, aber ohne Dirac im Bundle, Anthem mit dem AVM70 und ARC Genesis statt Dirac, Arcam AV41 mit Dirac und nicht 100%iger Stabilität, aber mit frisch angekündigtem Acam AVP45.

Zielgruppe also: Enthusiasten mit mehr als 8 Kanälen, Leute mit aktiven Monitoren im Studio, DIY-Aktiv-Lautsprecher-Bastler, Custom Integrators mit Spezialanforderungen. Wer ein All-in-One-Press-and-Play-Ding sucht, ist beim miniDSP Tide16 falsch und wird unglücklich. Wer endlich mal die Kontrolle über den gesamten Signalpfad haben will, die AVR-Hersteller seit Jahren konsequent nicht liefern, findet hier das Werkzeug dafür. Zu einem Preis, der realistisch bleibt.

Häufig gestellte Fragen zum miniDSP Tide16

Wie viele Kanäle hat der miniDSP Tide16?

16 Ausgangskanäle, davon bis zu 4 Subwoofer-Kanäle — damit lassen sich Konfigurationen wie 7.2.6 oder 9.2.4 realisieren.

Welche Dirac Live Komponenten sind inklusive?

Der miniDSP Tide16 enthält das vollständige Dirac Live Paket ohne Aufpreis: Room Correction (Full Band, 20 Hz–20 kHz), Bass Control (DLBC) und Active Room Treatment (ART). Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht — die Realität am Markt sieht so aus:

- Marantz und Denon: Dirac Live gar nicht verfügbar
- Andere: Oft nur die kostenlose Basislizenz dabei, die auf 500 Hz limitiert ist — Full Band, DLBC und ART kosten jeweils extra
- Anthem (ARC Genesis): Eigenes System, kein Dirac Live

Wer also bei einem klassischen AV-Receiver nachrüsten will, zahlt für Full Band + DLBC + ART schnell mehrere hundert Euro an Lizenzkosten — on top zum Gerätepreis. Beim Tide16 ist das alles von Tag 1 eingerechnet.

Ist ein Mikrofon im Lieferumfang?

Nein. Das UMIK‑1 Kalibrierungsmikrofon kostet 75$ oder das UMIK‑2 Kalibrierungsmikrofon 195€ extra.

Was kostet der miniDSP Tide16?

3.500 USD — europäischer Preis laut SoundImports bei 4.599 €

Unterstützt der miniDSP Tide16 Dolby Atmos und DTS:X?

Ja — Dolby Atmos, Dolby TrueHD, DTS:X, DTS:X Pro und DTS Neural:X werden unterstützt.

Unterstützt der miniDSP Tide16 Auro3D?

Nein. Nur Dolby Atmos, Dolby TrueHD, DTS:X, DTS:X Pro und DTS Neural:X werden unterstützt.

Unterstützt der miniDSP Tide16 HDMI 2.1?

Nein. Der Tide16 verwendet HDMI 2.0b — das bedeutet maximal 4K/60Hz und 18 Gbit/s Bandbreite. HDMI 2.1 mit 48 Gbit/s, 4K/120Hz oder 8K wird nicht unterstützt. Für reine Heimkino-Nutzung mit aktuellem Blu-ray-Material ist das kein Problem, wer aber Gaming mit 4K/120Hz oder einen modernen 8K-Workflow plant, sollte das einkalkulieren.

Das Fazit vor dem Test

Der miniDSP Tide16 ist eine Ansage. Hardware-seitig ordentlich bestückt, Dirac-Suite komplett, Flexibilität auf Profi-Niveau, dazu ein echter Effizienz-Vorteil durch ARM-Architektur und passive Kühlung. Die Kompromisse — HDMI 2.0b, 48-kHz-Limit, kein Analog-Bypass — sind bewusst gesetzt und passen zur miniDSP-DNA.

Die eigentliche Frage ist: wie schlägt sich das Ding in der Praxis? Wie stabil läuft die HDMI-Strecke über Monate? Wie gut performt Dirac ART im Vergleich zu alternativen Raumkorrektursystemen? Wie souverän arbeitet die DAC-Stufe gegen einen realen Signalgenerator?

Das sind die Fragen, die sich erst am realen Gerät beantworten lassen. Und genau deshalb wird’s spannend. Dran bleiben.

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Fosi Audio S3 Preview: Starke Hardware, halbfertige Software – eine ehrliche Einschätzung https://www.hifigeek.de/fosi-audio-s3-preview-starke-hardware-halbfertige-software-eine-ehrliche-einschaetzung/ https://www.hifigeek.de/fosi-audio-s3-preview-starke-hardware-halbfertige-software-eine-ehrliche-einschaetzung/#respond Mon, 20 Apr 2026 22:40:18 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=10693

Alle feiern den neuen Fosi Audio S3. Zwei Tage getestet, Video raus, Hype. Ich steh hier und frag mich: Hat irgendjemand das Ding mal wirklich benutzt? Ich hab’s getan – über Wochen, im Dauerbetrieb, an drei verschiedenen Setups. Und ich sag euch in diesem Preview, was die anderen euch nicht sagen.

Warum kein vollständiges Review? Weil ich mir mit meinen Testgeräten normalerweise richtig viel Zeit nehme. Die Geräte laufen bei mir den ganzen Tag, über Wochen, im echten Alltag – nicht nur für einen Nachmittag. Und weil die Software schlicht noch nicht fertig ist, wäre ein abschließendes Urteil jetzt schlicht nicht seriös. Ich will euch aber trotzdem mitnehmen: was der S3 schon kann, wo er Probleme hat und warum es sich lohnt, dieses Gerät im Auge zu behalten.

Disclaimer: Ich habe den Fosi Audio S3 vom Hersteller kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Fosi Audio oder irgendjemand sonst nimmt keinen Einfluss auf mein Preview. Als unabhängiger Blog sind wir an keine geschäftlichen Beziehungen gebunden, die unsere Meinung verfälschen könnten.

Update [01.05.2026]: Fosi hat nachgeliefert – der EQ wurde erweitert und Qobuz ist inzwischen an Bord. Beides teste ich gerade aktiv, erste Eindrücke sind vielversprechend. Wie gut die Umsetzung im Alltag wirklich ist, wird im vollständigen Review eingehend beurteilt.

Was ist der Fosi Audio S3?

Der Fosi Audio S3 ist Fosis erster Streamer – und schon das ist eine kleine Ansage. Die Marke kennt ihr vielleicht eher von ihren kompakten, günstigen Verstärkern; der Fosi Audio i5 ist nicht ohne Grund Teil meiner Referenzkette. Jetzt wagen sie sich in eine komplett andere Produktkategorie, und das sieht man dem Gerät auch an: anderer Formfaktor, etwas größer als das typische Fosi-Kistchen, und ein helleres Grau statt dem vertrauten Dunkelgrau.

Preislich bewegt sich der S3 bei einem UVP von 329€ und im Netz bei ~ 279. Und genau dieser Preis macht die Sache interessant.

Der Sweet Spot – und warum er wirklich einer ist

Manche ordnen den Fosi Audio S3 als direkten Konkurrenten zum WiiM Pro Plus ein. Das stimmt, aber es greift zu kurz. Der WiiM Pro Plus hat weder HDMI-eARC, noch einen symmetrischen XLR-Ausgang, oder einen dedizierten Subwoofer-Out. Der S3 hat das alles – und das für unter 300 Euro. Der nächste WiiM, der mithalten kann, ist der Ultra, der bei rund 400 Euro liegt und dafür ein kleines Display spendiert bekommt. Auf das kann ich ehrlich gesagt verzichten. Die Eversolo-Modelle spielen preislich noch eine Etage drüber. Wer also für 270 bis 300 Euro einen Streamer sucht, der mehr mitbringt als das Übliche, sollte genau hinschauen.

Anschlüsse: Mehr als erwartet

Auf der Rückseite des Fosi Audio S3 findet sich eine für den Preis bemerkenswert vollständige Ausstattung: XLR-Ausgang (symmetrisch) und RCA (asymmetrisch), ein Line-In per Cinch für CD-Player oder Plattenspieler, ein Subwoofer-Ausgang, HDMI mit eARC, Toslink und Bluetooth. Was fehlt, ist ein Koaxial‑S/PDIF-Ausgang – der kann prinzipbedingt mehr übertragen als Toslink, und bei einem Gerät auf diesem Ausstattungsniveau wäre er ein logisches Puzzleteil gewesen. Schade, aber kein Dealbreaker.

HDMI eARC: Das Killerfeature für unter 300 Euro

Das Thema verdient einen eigenen Absatz, weil es für mich wirklich der Grund ist, warum der Fosi Audio S3 in seinem Preissegment heraussticht. HDMI eARC bedeutet, dass ihr den Streamer direkt in euren Fernseher hängt, den Ton des Fernsehers durchschleift und gleichzeitig euer Streaming-Audio darüber ausgebt – alles über ein einziges Kabel. Für Einsteiger, die guten Klang wollen ohne komplizierte Multi-Geräte-Ketten, ist das ein erheblicher Komfortgewinn.

Der Klang über eARC macht dabei einen sauberen Job: ordentliche Stereowiedergabe, vernünftige Rechts-Links-Ortung, nichts, worüber man sich beschweren müsste. Wer allerdings auf Dolby-Dekodierung hofft: Fosi hat nach aktuellem Stand keine entsprechende Lizenz, was bedeutet, dass ihr über eARC voraussichtlich nur PCM bekommt. Das ist für die meisten Anwendungsfälle völlig ausreichend – man sollte es aber wissen. Was definitiv nicht ausreicht: Die App zeigt euch aktuell weder Format noch Bitrate noch Samplerate an, egal ob ihr über HDMI hört oder streamt. Das ist ein Basis-Feature, das bei jedem Streamer in dieser Klasse selbstverständlich sein sollte.

Erster Klangeindruck: Gut – aber mit Einschränkungen

Vorweg: Das hier sind erste Eindrücke unter realen Bedingungen, kein abschließendes Klangurteil. Ich habe den S3 an drei Setups betrieben – am Burson Soloist Stellar Max über Kopfhörer, sowohl an den Burson Timekeeper GT4 Max als auch an den Nilai-500-Monoblöcken, jeweils in Kombination mit den Arendal 1723 Towern und dem SVS SB-5000.

Das Ergebnis: Der DAC im Fosi Audio S3 spielt solide, detailliert und unangestrengt. Wer die Burson-Kette kennt, weiß, was da klanglich passiert – und der S3 fügt sich ordentlich ein. Einen Tick mehr Feinzeichnung wäre schön, aber für das Geld bewegt er sich auf einem absolut respektablen Niveau.

Die Einschränkung liegt nicht am Klang selbst, sondern daran, was man damit nicht tun kann. Wer Raumprobleme hat – und die hat fast jeder – braucht einen vernünftigen EQ. Fünf Bänder sind besser als keiner, aber in 2026 ist das schlicht zu wenig, um eine Hörumgebung ernsthaft zu korrigieren. An den Nilai-Monoblöcken, die deutlich neutraler und trockener spielen als die Burson-Geräte (Test folgt), hätte ein ordentlicher parametrischer EQ einen echten Unterschied gemacht. Den gibt es aktuell nicht. Das merkt man.

Hinzu kommt: Ich konnte während des Tests ausschließlich über Spotify hören, weil Qobuz noch nicht unterstützt wird. Für ein abschließendes Klangurteil brauche ich Qobuz – HiRes-Streaming ist für mich kein Nice-to-have, sondern Standard.

Hardware-Probleme: Ehrlichkeit ist hier Pflicht

Zwei Dinge, die ich bei keinem anderen Gerät in meiner Kette hatte und die ich direkt ansprechen muss.

Erstens: ein konstantes, leises Rauschen auf dem linken Kanal. Es skaliert nicht mit der Lautstärke, und als ich die Kanäle getauscht habe, ist das Rauschen mitgewandert – es liegt also klar am Gerät, nicht an Kabeln oder Lautsprechern. Mein Verdacht geht in Richtung eines defekten Op-Amps oder Buffers. Ob das ein Serienproblem ist oder ein Einzelfall, kann ich noch nicht beurteilen. Ich sage es trotzdem, weil ihr das wissen solltet.

Zweitens: gelegentliche Knackgeräusche beim Quellwechsel – sowohl beim Liedwechsel als auch im HDMI-Betrieb. Das kannte ich bisher von keinem anderen Gerät in der Kette. Ob das Ursache in der Software oder der Hardware hat, lässt sich noch nicht endgültig sagen. Fosi muss das fixen.

Und dann gibt es noch das CEC-Problem, das so ein typisches Alltagsding ist, das man nur merkt, wenn man ein Gerät wirklich benutzt. Ich hatte abends ferngesehen, den TV ausgemacht, der S3 ist brav per CEC mitgegangen. Dann, später, wollte ich noch Musik hören und habe Spotify gestartet – woraufhin zunächst der Fernseher wieder anging, bevor der S3 auf die Streaming-Quelle umschaltete. Was passiert: Der Streamer bootet im HDMI-Modus, gibt ein CEC-Wecksignal ans Display, und merkt erst danach, dass er eigentlich Spotify spielen soll. Klingt klein, nervt im Alltag enorm. Und es ist genau der Grund, warum ich Testgeräte nicht zwei Tage auf den Schreibtisch stelle und dann ein Video mache.

Die Software: Der eigentliche Knackpunkt

Ich sage es direkt: Die App ist dünn. Wirklich dünn – und das ist das zentrale Problem des Fosi Audio S3 in seinem aktuellen Zustand.

Fünf EQ-Bänder sind ein Anfang, aber kein Werkzeug. Wer seinen Raum wirklich einmessen will, braucht mindestens zehn Bänder, besser einen vollwertigen parametrischen EQ. Eine Auto-EQ-Funktion, bei der man einfach das Handy nimmt und den Raum einmisst? Hat WiiM. Hat Eversolo. Fehlt hier komplett. Der Subwoofer-Ausgang ist physisch vorhanden, aber ein einstellbarer Crossover ist in der App nicht zu finden – was bedeutet, dass ihr euren Sub zwar anschließen könnt, aber ohne definierte Trennfrequenz arbeitet. Das mag für manche Setups pragmatisch funktionieren, für eine ernsthafte Einbindung in eine Stereo‑2.1‑Kette reicht es nicht. Getrennte Ausgangsprofile für XLR und RCA? Fehlen. Separate Eingangsprofile? Fehlen. Und in der App sind Platzhalter für Funktionen sichtbar, die noch gar nicht existieren – darunter Display-Einstellungen für ein Display, das der S3 gar nicht hat. Das wirkt unfertig, weil es unfertig ist.

Beim Streaming-Angebot sieht es ähnlich aus: Spotify, Tidal Connect, AirPlay 2, Google Cast, Roon und Spotify Connect sind mit an Bord. Qobuz fehlt – und für mich persönlich ist das kein Schönheitsfehler, sondern ein echter Showstopper für ein abschließendes Urteil. Kein Internetradio, keine dienstübergreifenden Playlists. In seinem aktuellen Zustand ist der Fosi Audio S3 eher ein vielversprechendes Transportmodul als ein vollwertiger Streamer.

Roadmap: Fosi hört zu – aber die Liste ist lang

Beim Schreiben dieses Fosi Audio S3 Preview hat Fosi auf Instagram eine erste öffentliche Roadmap veröffentlicht. Für April ist Qobuz Connect angekündigt sowie eine Erweiterung des EQ auf zehn Bänder, für Mai ein komplett überarbeitetes UI mit anpassbarem Homescreen. Das ist gut. Es zeigt, dass Fosi zuhört und aktiv entwickelt.

Aber es reicht noch nicht. Crossover für den Subwoofer-Ausgang steht nicht auf der Roadmap. Auto-EQ steht nicht drauf. Parametrischer EQ steht nicht drauf. Signalanzeige steht nicht drauf. Ausgangsprofile stehen nicht drauf. Was Fosi liefert, ist ein erster Schritt – aber die Distanz zum Ziel ist noch beträchtlich. Das warnende Beispiel kennt ihr: Sonos. Versprechen allein bauen kein Vertrauen. WiiM hat mit öffentlichen Changelogs und einer lebendigen Community vorgemacht, wie das richtig geht. Das ist der Standard, an dem sich Fosi messen lassen muss.

Das eigentliche Thema: Ökosystem schlägt Chips

Ich komme immer wieder auf denselben Punkt zurück, weil er der entscheidende ist. In Reviews und Kommentaren dreht sich alles um DAC-Chips. Dieser Chip, jener Chip. Wisst ihr was? Ich hab hier einen Fosi-Kopfhörerverstärker stehen, der hat einen hervorragenden DAC eingebaut. Warum soll ich überall DAC-Chips horten?

Es geht ums Ökosystem. WiiM kommt aus dem Netzwerkplayer-Bereich – die konnten von Tag eins Software. Eversolo genauso. Fosi ist bisher eine Hardware-Firma mit starker Engineering-DNA, aber Softwareentwicklung ist ein anderes Handwerk. Es braucht Konzeption, Entwicklung, Testing, Pflege, Community-Management. Das baut man nicht in einem Quartal auf.

Was ich gehört habe: Es soll noch eine S3 Light-Variante geben sowie eine Max- oder Ultra-Version. Für den Light könnte ich mir einen reinen Netzwerktransport ohne eigenen DAC vorstellen – und das wäre tatsächlich eine Marktlücke in diesem Preissegment. Im High-End läuft der Trend zu dedizierten Transporten gerade heiß, Eversolo hat das vorgemacht. Warum nicht auch im Einsteiger- bis Mittelklassebereich?

Der größere Gedanke dahinter: Wenn Fosi ein ernsthaftes Multiroom-Konzept aufbaut und dazu einen eigenen aktiven Lautsprecher bringt – sagen wir im Bereich 150 bis 200 Euro –, dann könnte daraus etwas wirklich Interessantes entstehen. So wie Sonos, aber im Fosi-Preisbereich, mit offenem Ökosystem und dem Feature-Set, das man 2026 erwarten darf. WiiM hat Speaker im Angebot, aber 350 Euro das Stück bedeutet 700 Euro für Stereo – da bekommt man einen WiiM Amp Ultra mit guten Regalboxen und ist deutlich flexibler aufgestellt. Wenn Fosi das Ökosystem-Denken wirklich verinnerlicht und konsequent umsetzt: Das wäre eine Ansage.

Fosi Audio S3 Preview – Fazit

Der Fosi Audio S3 ist für seinen Preis hardware-technisch wirklich stark aufgestellt. Symmetrischer XLR-Ausgang, HDMI mit eARC, Subwoofer-Out, Line-In, Bluetooth – das ist eine Kombination, die unter 300 Euro ihresgleichen sucht. Der erste Klangeindruck ist solide, das Potenzial ist spürbar.

Aber der Fosi Audio S3 ist noch nicht fertig. Die Software ist das, was zwischen einem spannenden Gerät und einem empfehlenswerten Streamer steht – und da ist noch eine erhebliche Strecke zu gehen. Hinzu kommen die Hardware-Beobachtungen, die ich gemacht habe und an Fosi weiter gegeben.

Wer heute einen Streamer kaufen will, der aus der Box heraus alles kann, ist bei WiiM oder Eversolo besser bedient. Wer aber bereit ist, mitzuwachsen, und wer das Hardware-Paket für diesen Preis spannend findet – der sollte den S3 im Auge behalten. Ich werde den Fosi Audio S3 weiter im Dauerbetrieb lassen und nach diesem Preview ein vollständiges Review nachliefern, sobald die Software einen Stand erreicht hat, der ein faires Urteil erlaubt.

Die große Frage bleibt: Wie viel Geduld gibt man einem jungen Unternehmen, das in einer neuen Kategorie Fuß fasst? Ich bin gespannt. Und ihr hoffentlich auch.

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Burson Conductor Voyager: Der Audio-Endgegner droppt seine Granate! https://www.hifigeek.de/burson-conductor-voyager-der-audio-endgegner-droppt-seine-granate/ https://www.hifigeek.de/burson-conductor-voyager-der-audio-endgegner-droppt-seine-granate/#respond Mon, 02 Jun 2025 17:25:26 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=8983 Während wir noch gespannt auf den Burson Conductor GT4 warten, knallt Burson Audio einfach den Conductor Voyager auf den Tisch – und der ist nichts für schwache Nerven! Das neue Flaggschiff ist ab sofort vorbestellbar und bringt alles mit, was Audiophilen-Schwitzhände verursacht. Nach unserem Test des Playmate 3 (der uns echt vom Hocker gehauen hat) jucken uns die Ohren schon jetzt. Stellt euch vor: 10 Watt pure Class-A-PowerDSD512-Support und ein Subwoofer-Modus für Kopfhörer – das ist kein Hörgerät, das ist ein Sonic-Boom in Space-Grey-Optik!

Warum der Voyager deine Playlist sprengt

Der Conductor Voyager positioniert sich als Bursons ultimative All-in-One-Lösung und kombiniert DAC, Class‑A Kopfhörerverstärker und Vorverstärker in einem Gerät. Das Herzstück bildet der ESS9039PRO DAC – der fortschrittlichste Chip von ESS Technology, der mit atemberaubender Auflösung, dynamischem Kontrast und ultra-niedrigen Verzerrungen aufwartet.

Aber wie wir von Burson gewohnt sind, geht es nicht nur um den DAC-Chip selbst. Die vollständig diskrete I/V- und LP-Stufe wurde speziell für den ESS9039PRO entwickelt und arbeitet mit der bewährten Dual-Mono-Architektur und Burson V7 Opamps. Das Ergebnis? Ein lebensechtes, immersives Klangerlebnis, das digitale Signale in pure Emotionen verwandelt.

DAC-Chip from Hell: ESS9039PRO

Im Herzstück des Voyager tickt der ESS9039PRO DAC – ESS Technologies krönende Schöpfung. Dieser Chip zerhackt digitale Signale nicht, er verwandelt sie in adrenalinfreie Klangorgien. Mit 143 dB Kanaltrennung und 0,0005% THD ist das so, als würde man Queen live in der Schädeldecke spüren.

Class-A-Amp mit MMA-Training

Hier geht’s zur Sache: 10 Watt pro Kanal bei 100W Idle-Bias – das ist kein Verstärker, das ist ein Schwergewicht in der K.O.-Runde. Vier Onsemi MJE15032-Transistoren pro Kanal (Made in USA!) jagen selbst hungrige Planar-Magneten in die Knie. Ob du nun 16-Ohm-IEMs oder 300-Ohm-Sennheiser rockst – hier gibt’s 5,2W bis 1W ohne Kompromisse. Und ja, das Gehäuse wiegt stolze 7 kg – damit kannst du im Notfall auch Einbrecher vertreiben.

Head+Sub: Bass, der dir die Jeans zerreißt

Der Head+Sub-Modus ist das Audio-Äquivalent zu einem Haunted House: Offene Kopfhörer + Subwoofer = Kino im Schädel. Egal ob Slayer-Riffs oder Horror-Soundtracks – hier spürst du jeden Basslauf bis in die Zehennägel. Dieses Feature hatten wir schon beim Conductor GT4 im Visier, aber der Voyager zieht nach.

Technik, die begeistert

Was uns besonders freut: Der Voyager unterstützt natives DSD512 und 32-bit/768kHz PCM über den USB‑C XMOS-Eingang. Bluetooth 5.0 mit LDAC, aptX HD und AAC bis zu 24-bit/96kHz ist ebenfalls an Bord – perfekt für alle, die auch mal kabellos hören möchten.

Und für die Gamer: Low-Latency-Modus, der Explosionen schneller als dein Adrenalin ins Ohr jagt.

Anschlusswahnsinn

Kopfhörer: 6,35 mm | 3,5 mm (mit Mikro!) unsymetrisch | 4‑Pin-XLR symetrisch
Digital: USB‑C (DSD512/768kHz PCM), Bluetooth 5.0 (LDAC/aptX HD)
Analog: 2x XLR + 2x RCA rein, 1x XLR + 1x RCA raus

Sille? Hier erwünscht!

Sieben Silent-Power-Module drücken das Rauschen auf 0,8nVrms – 200x leiser als bei Billiggeräten. Optional gibt’s das 480W GaN Fusion Core-Netzteil, das mit 1 MHz Taktfrequenz arbeitet. Das ist so, als würde man einen Ferrari-Motor in ein Einhorn einbauen.

Pre-Order-Bonus: Schnapp dir den Loot!

Burson macht es Früh-Entscheidern schmackhaft: Wer die Standard-Version für $3.799 bestellt, bekommt automatisch die Deluxe-Version ($4.399). Bei der Deluxe-Bestellung gibt’s das Upgrade zur Max-Version ($4.999) gratis dazu. Die Vorbestellungen laufen bis zum 15. Juni, der Versand startet Mitte Juni 2025.

Voyager-Serie: Was ist da noch im Köcher?

Der Burson Soloist Voyager ist für viele Kopfhörer-Fans der absolute Traum, wenn es um Verstärker geht. Aber jetzt stellt sich die Frage: Kommt da was Neues? Die Bilder vom Burson Conductor Voyager lassen schon mal aufhorchen: Die Silent Power 02 Module sehen anders aus als beim Soloist. Außerdem werkeln im Conductor Voyager nur noch vier OpAmps – beim Soloist waren’s noch sieben. Schaut euch mal die neue Fernbedienung an! Und weil Burson schon die kleineren Serien auf Vordermann gebracht hat, ist die Sache eigentlich klar: Mit dem Release des Conductor Voyager dürfte auch ein Upgrade des Soloist Voyager nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Unser Fazit

Nach den durchweg positiven Erfahrungen mit dem Playmate 3, den wir bereits ausführlich getestet haben, und dem anstehenden Test des Conductor GT4, sind unsere Erwartungen an den Burson Conductor Voyager entsprechend hoch. Die technischen Daten lesen sich jedenfalls vielversprechend, und Bursons Ruf für musikalische, warme Klangsignatur spricht für sich.

Wer auf der Suche nach einer Premium-All-in-One-Lösung ist und bereit ist, entsprechend zu investieren, sollte sich den Voyager definitiv näher ansehen. Wir stehen schon Schlange fürs Testgerät – bleibt dran, sonst verpasst ihr, wie der Voyager unsere Gehörgänge kolonisiert!

Pre-Order: bursonaudio.com/shop/conductor-voyager

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IOTAVX AVX 17 – Purismus, Power und Präzision fürs Heimkino https://www.hifigeek.de/iotavx-avx-17-purismus-power-und-praezision-fuers-heimkino/ https://www.hifigeek.de/iotavx-avx-17-purismus-power-und-praezision-fuers-heimkino/#respond Thu, 17 Apr 2025 12:52:32 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=8757 Die IOTAVX AVX 17 AV-Vorstufe war für mehrere Monate unser audiophiler Mitbewohner. Genau genommen hatten wir das komplette IOTAVX AVX17 + 2x AVXP1 (hier gehts zu unserem Test) Paket im Test, aber ich entschied mich, die Geräte separat zu betrachten. Was diese Vorstufe von der Masse abhebt? Ein konsequenter Fokus auf Hardware-Exzellenz statt Software-Magie – und ob das wirklich funktioniert, erfahrt ihr in diesem ungeschönten Test.

Transparenz first

Der IOTAVX AVX 17 wurde uns kostenlos vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Klingt nach Beeinflussung? Keine Sorge – wie immer bleiben wir kompromisslos ehrlich und neutral. Bei uns gibt’s keine PR-Floskeln, sondern die nackte Wahrheit – egal ob ein Produkt glänzt oder spektakulär versagt.

Die Grundidee: Hardware first, Software second

IOTAVX verfolgt mit der IOTAVX AVX 17 einen völlig anderen Ansatz als Mainstream-Hersteller wie Denon und Marantz oder High-End-Marken wie StormAudio und Trinnov. Statt Kunden mit automatischen Einmesssystemen und komplexen Raumkorrekturen zu beeindrucken, konzentrieren sie sich auf erstklassige Hardware und geben euch mächtige manuelle Werkzeuge an die Hand.

Die Philosophie dahinter ist simpel: Hochentwickelte Algorithmen wie Audyssey, Dirac Live oder Trinnovs proprietäre Lösungen verschlingen Entwicklungsbudgets – und diese Kosten landen zwangsläufig bei uns als Endkunden. IOTAVX hat stattdessen entschieden, das Budget in exzellente Hardware zu stecken und bei der Software auf das Wesentliche zu reduzieren, ohne auf wichtige Codecs wie Dolby Atmos und DTS:X zu verzichten.

Ihr bekommt zwar kein vollautomatisches Audio-Wunderwerk, dafür aber leistungsstarke manuelle Werkzeuge für Audio-Enthusiasten. Etwas Bastelarbeit ist also gefragt – aber für Audiophile und Heimkino-Fans, die wissen wollen, was in ihrem Setup wirklich steckt, ist genau das ein Grund zum Feiern!

Lieferumfang und technische Daten: Vollausstattung ohne Schnörkel

Zum Lieferumfang gibt’s nicht viel zu sagen: Netzkabel, Fernbedienung, Einmessmikro, 4x Trigger-Kabel, das Gerät selbst und eine Anleitung – mehr braucht’s auch nicht. Das eigentliche Highlight ist die innere Ausstattung: Die IOTAVX AVX 17 bietet satte 17 Kanäle, aufgeteilt in 13.4, womit Setups bis zu 7.4.6 möglich sind. Alle wichtigen Formate wie Dolby Atmos und DTS:X werden unterstützt – hier gibt’s keine Kompromisse.

Die Anschlussvielfalt ist beeindruckend:

  • 17 Cinch-Ausgänge
  • 17 XLR-Ausgänge (für maximale Signalqualität)
  • 3 analoge Cinch-Eingänge (ideal für Plattenspieler, Streamer oder CD-Player)
  • 2 koaxiale und 2 optische Digitaleingänge
  • 6 HDMI 2.0b Eingänge und 2 HDMI 2.0b Ausgänge (mit HDCP 2.2, 4K, HDR10 und Dolby Vision)
  • Bluetooth 5.0 mit aptX-HD

Die zwei HDMI-Ausgänge sind besonders praktisch, wenn ihr beispielsweise TV und Beamer parallel betreiben wollt. Der erste HDMI-Ausgang unterstützt zudem ARC, um den Sound vom TV zurück an die AV-Vorstufe zu leiten.

Verarbeitung und Software: Wo Licht ist, gibt’s auch Schatten

Die Verarbeitungsqualität der IOTAVX AVX 17 ist absolut high-end. Das massive Metallgehäuse, die hochwertigen Anschlüsse und das informative Frontdisplay schreien förmlich “Ich bin ein audiophiles Kraftpaket!” Hier gibt’s nichts zu meckern – IOTAVX unterstreicht ihren Anspruch, kompromisslose Qualität zu liefern.

Die Software hingegen ist… sagen wir mal… funktional statt sexy. Hier gibt’s keine hochglanzpolierte Benutzeroberfläche, sondern eine zweckmäßige, teils pixelige Darstellung. Ehrlich gesagt: Wer braucht Schnickschnack, wenn die Funktionalität stimmt?

Das integrierte Einmesssystem erkennt die Abstände der Lautsprecher zur Hörposition erstaunlich präzise und erleichtert die Grundeinrichtung enorm. Die rudimentären DSP-Filter sind für den Anfang durchaus brauchbar – das wahre Highlight ist jedoch der extrem flexible parametrische EQ:

  • 11 Bänder für die Hauptkanäle (Links, Rechts, Center)
  • 7 Bänder für weitere Kanäle (Surround, Surround-Back, Atmos)
  • 5 Bänder für jeden der vier Subwoofer-Ausgänge1

Was fehlt? Auf moderne Komfortfunktionen wie Streaming, Netzwerkanschluss, WLAN und Multiroom müsst ihr verzichten. Die IOTAVX AVX 17 unterstützt allerdings eine zweite Zone für Musik in einem anderen Raum. Der interne DAC verarbeitet Signale bis 192kbit – völlig ausreichend für Filmgenuss und Musik. Ein Phono-Vorverstärker ist ebenfalls nicht an Bord, also plant entsprechend, wenn ihr Vinyl hören wollt.

Ersteinrichtung: Schnell, aber noch nicht perfekt

Die Ersteinrichtung geht erstaunlich flott von der Hand. Mit dem automatischen Einmesssystem erzielt man bereits akzeptable Ergebnisse – perfekt für einen ersten Höreindruck. Schon nach dieser grundlegenden Einrichtung kann man direkt mit dem Hören beginnen und bekommt einen soliden Eindruck vom Potenzial des Systems.

Nach den ersten Filmen haben wir allerdings die Lautstärken einzelner Kanäle manuell angepasst. Die Atmos-Kanäle waren für unseren Geschmack etwas zu zurückhaltend, weshalb wir sie um 1,5dB angehoben haben – genau diese Flexibilität macht die IOTAVX AVX 17 so interessant.

Einmessung mit REW: Jetzt wird’s richtig geil!

Wer das volle Potenzial der IOTAVX AVX 17 ausschöpfen will, sollte sich mit der Software Room EQ Wizard (REW) vertraut machen und ein kalibriertes Messmikrofon besorgen. Wir haben ein miniDSP UMIK1 verwendet, die Kalibrierungsdaten in REW importiert und dann jeden Kanal einzeln vermessen.

Zugegeben: Bei so vielen Kanälen ist das ein ordentliches Stück Arbeit – ähnlich wie wenn ihr eure erste Platte auf Vinyl hört und realisiert, dass ihr jetzt ein ganzes Kaninchenloch an audiophilen Möglichkeiten entdeckt habt. Nach den Messungen haben wir die Parameter berechnet – REW macht das zum Glück recht einfach – und dann manuell über die Fernbedienung in die IOTAVX AVX 17 eingegeben.

Klingt mühsam? Ist es auch! Aber das Ergebnis ist absolut beeindruckend. Wir haben natürlich auch ein paar Feinheiten nach unserem persönlichen Geschmack angepasst, besonders im Bassbereich – mehr Druck für die brutalen Breakdowns bei unseren Metal-Sessions. Genau diese Möglichkeit, selbst Hand anzulegen und zu experimentieren, macht unglaublich viel Spaß!

Bedienung: Zweckmäßig, aber nicht sexy

Die Software ist nicht gerade ein Augenschmaus, aber die Einstellmöglichkeiten sind umfangreich. Nach der Ersteinrichtung hat man im Alltag jedoch weitgehend seine Ruhe und kann den IOTAVX AVX 17 problemlos nutzen.

Die alltägliche Bedienung ist erfreulich unkompliziert. Dank CEC lässt sich die Vorstufe in den meisten Fällen bequem über den Fernseher steuern – hier gab es in unseren Tests keinerlei Probleme. Die Funktionen sind intuitiv erreichbar, und nach einer kurzen Eingewöhnungszeit greift man blind zur richtigen Taste.

Klang: Das Herzstück der IOTAVX AVX 17

Kommen wir zum Entscheidenden: Wie klingt dieses Beast? Die AVX 17 spielt erfreulich neutral und ausgewogen, ohne einen bestimmten “Einschlag” wie ihn beispielsweise Denon-Geräte haben. Sie offenbart die Aufnahme in ihrer reinsten Form, ohne eigene Färbung hinzuzufügen.

Gerade im Bassbereich kann sie dank der flexiblen EQ-Einstellungen direkt zupacken – wir haben hier ordentlich an den Reglern gedreht, um zu sehen, was möglich ist, und waren absolut begeistert. Bass-Drops, wie sie bei modernem Metal zum Standard gehören, kommen mit einer Präzision und Kraft, die man sonst nur von deutlich teureren Systemen kennt.

Wie bereits erwähnt, empfanden wir die werkseitige Einpeglung der Atmos-Lautsprecher als etwas zu zurückhaltend und haben hier nachgeholfen. Leider kann man nicht einzelne Kanäle isoliert testen, wie es bei manchen Konkurrenzprodukten möglich ist – das wäre für analytisches Hören hilfreich, ist für den Normalanwender aber kein Dealbreaker.

Surround und 3D-Sound: Kinoreife Performance

Die IOTAVX AVX 17 erzeugt eine beeindruckend homogene Surround-Atmosphäre mit hervorragender räumlicher Abbildung. Die Kanaltrennung ist präzise, ohne ungewollte Überblendungen. Was mir besonders gefällt: Die Vorstufe spielt ungeschönt und offenbart dadurch auch Schwächen in der Abmischung – ein Zeichen für ihre natürliche Wiedergabe.

Bei der 3D-Sound-Wiedergabe überzeugt die IOTAVX AVX 17 durch Präzision und Homogenität. Die Deckenlautsprecher werden exakt angesteuert und in ein stimmiges Gesamtbild integriert. Das einzige “Problem”: Die meisten Film-Tonspuren schöpfen die Möglichkeiten der Hardware noch nicht voll aus. Hier sind eher die Filmstudios gefordert, bessere Atmos-Mischungen zu liefern.

Vinyl: Auch analog macht der AVX 17 eine gute Figur

Wir haben unseren Plattenspieler mit einer Graham Slee GramAmp 2 SE Phono-Vorstufe an die IOTAVX AVX 17 angeschlossen. Natürlich wandelt die Vorstufe das analoge Signal zunächst in ein digitales um – anders wären DSP und Lautstärkeregelung nicht möglich. Dennoch ist der Klangunterschied zur komplett analogen Kette erstaunlich gering.

Der große Vorteil: Unsere auf den Raum optimierten EQs gleichen vorhandene akustische Schwächen perfekt aus. Hier zeigt sich wieder die Stärke des IOTAVX-Ansatzes: Lieber eine exzellente Hardware-Basis mit manuellen Anpassungsmöglichkeiten als Automatik-Features, die am Ende nicht das Optimum herausholen.

DAC/Streamer: Neutral wie ein Schweizer Notar

Da die IOTAVX AVX 17 selbst keine Streaming-Funktionen bietet, haben wir diverse externe Streamer und DACs angeschlossen (WiiM, Eversolo, Burson, Shanling etc.). Auch hier bestätigt sich die neutrale Arbeitsweise der Vorstufe: Obwohl sie intern die Signale digital wandelt, setzt sie keine eigene klangliche Note drauf. Die charakteristischen Unterschiede zwischen den verschiedenen Quellgeräten bleiben erhalten.

Gaming: Solide Performance mit kleinem Wermutstropfen

Natürlich haben wir auch mit der IOTAVX AVX 17 gezockt – sowohl am PC als auch an diversen Konsolen. Die Performance ist durchweg überzeugend, mit einem kleinen Wermutstropfen: Aufgrund des HDMI 2.0b Standards sind keine 120Hz-Signale möglich. Wenn euch das wichtig ist, solltet ihr die entsprechenden Quellgeräte direkt an den Fernseher anschließen und den Ton via ARC zur IOTAVX AVX 17 leiten.

Ist die IOTAVX AVX 17 eine echte Alternative zu anderen Herstellern?

Die IOTAVX AVX 17 ist definitiv ein eigensinniges Produkt, das sich mehr an Enthusiasten als an Einsteiger richtet. Dennoch könnte sie ein idealer Einstieg in die High-End-Welt sein – wie das erste Death-Metal-Album, das euch die Tür zu einer völlig neuen Klangwelt öffnet. Anfangs vielleicht einschüchternd, aber mit wachsender Erfahrung immer faszinierender.

Im Vergleich zur Konkurrenz steht die IOTAVX AVX 17 hervorragend da:

  • Denon bietet keine reinen Vorstufen an. Der AVR-X6800H für ca. 2400€ kommt mit 11 Endstufen und der Möglichkeit, über eine separate Stereoendstufe auf 13 Kanäle zu erweitern. Hier bekommt man zwar Streaming-Funktionen via HEOS dazu, aber qualitativ kann diese All-in-One-Lösung mit einem IOTAVX AVX 17 + AVXP1 Paket nicht mithalten.
  • Marantz hat zwar eine dedizierte AV-Vorstufe im Programm, diese kostet jedoch stolze 7000€. Bei IOTAVX bekommt ihr ein komplettes Set mit zwei IOTAVX AVXP1 Endstufen für ca. 4200€.
  • Der Denon AVC-A10H rangiert bei 4600€ und dürfte kaum den Dynamikumfang des IOTAVX-Sets erreichen.

Erst deutlich teurere Geräte von StormAudio oder Trinnov bieten ähnliche PEQ-Funktionen plus zusätzliche Features wie Bass-Management oder Active-Room-Treatment – allerdings zum 3- bis 5‑fachen Preis. Hier ist IOTAVX wie ein aufstrebendes Underground-Label, das die großen Plattenkonzerne in Sachen Preis-Leistung alt aussehen lässt.

“Aber Streaming ist mir wichtig!” – Die Lösung

Mit dem gesparten Budget könnt ihr locker in einen hochwertigen externen Streamer investieren. Empfehlenswert sind der WiiM Pro Plus oder WiiM Ultra für den kleineren Geldbeutel, oder der Eversolo DMP-A6 (Master Edition) als anspruchsvollere Lösung. Wir haben alle diese Geräte bereits mit der IOTAVX AVX 17 getestet – sie harmonieren hervorragend!

“Aber 8K ist doch die Zukunft?” – Nein, ist es nicht

Ehrlich gesagt: aktuell braucht kein Mensch 8K. Die meisten Hersteller nehmen ihre 8K-Geräte bereits wieder aus dem Sortiment, weil der Markt schlicht nicht da ist. Selbst 4K hat es noch nicht überall geschafft, und im Heimbereich wird 8K entweder noch Jahre brauchen oder sich gar nicht durchsetzen.

Bei typischen Betrachtungsabständen und Bildschirmgrößen im Heimkino ist der Unterschied zwischen 4K und 8K kaum wahrnehmbar – ähnlich wie der Unterschied zwischen einem gut gemasterten MP3 und einer High-Res-Datei auf einem Durchschnitts-System. (Denkt dran der AVX 17 ist nicht durchschnitt und hier bekommt ihr die Unterschiede direkt auf dem Präsentierteller)

Auch im Gaming-Bereich kämpfen aktuelle Grafikkarten noch damit, stabile Frameraten bei 4K mit allen Details und Raytracing zu liefern. Selbst Sony hat das 8K-Logo von der PlayStation 5 entfernt, da sie nicht an die kurzfristige Marktrelevanz glauben.

Fazit: Audiophiler Purismus für Enthusiasten

Die IOTAVX AVX 17 ist ein Gerät mit klarem Fokus: kompromisslose Klangqualität ohne überflüssigen Schnickschnack. Sie richtet sich an Audio-Enthusiasten, die bereit sind, sich mit der Materie auseinanderzusetzen und das letzte Quäntchen Performance aus ihrem Heimkino-Setup herauszukitzeln – vergleichbar mit dem Unterschied zwischen einem normalen Fan und einem echten Metalhead, der jede Note seines Lieblingsalbums kennt.

Mit ihrer erstklassigen Verarbeitung, den umfangreichen Anschlussmöglichkeiten und dem neutralen, detailreichen Klangbild überzeugt die IOTAVX AVX 17 auf ganzer Linie. Besonders beeindruckend ist der flexible parametrische EQ, der eine präzise Anpassung an den eigenen Raum und Geschmack ermöglicht.

Die Vorstufe ist kein Plug-and-Play-Gerät für Einsteiger, sondern eine audiophile Sandbox für Tüftler und Klangperfektionisten. Wer bereit ist, Zeit und Mühe in die Einrichtung zu investieren, wird mit einem Klangerlebnis belohnt, das deutlich teurere Geräte in den Schatten stellt.

Im Zusammenspiel mit den passenden IOTAVX AVXP1 Endstufen entsteht ein Heimkino-Setup, das in Sachen Preis-Leistung seinesgleichen sucht. Für Metal-Fans, Horrorfans und Filmliebhaber, die Wert auf ungefärbte, kraftvolle Wiedergabe legen, ist das IOTAVX-System eine echte Offenbarung – wie der erste Besuch auf einem Konzert in der ersten Reihe, wenn die Basswellen direkt durch den Körper gehen.

* Die Wertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.

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