Avatar Hamburg 2026 — Freakshow in den Docks

Die Docks sind nicht gera­de mei­ne Lieb­lings-Loca­ti­on in Ham­burg – aber wenn Ava­tar spie­len und Freun­de dabei sind, macht man das einfach.

Der Ein­lass für Ava­tar Ham­burg 2026 war mit 17:00 Uhr schon rela­tiv früh und mit zwei Vor­grup­pen soll­te das auch ein aus­gie­bi­ger Abend wer­den. Aga­bas und Ali­en Wea­pon­ry waren hier für Ham­burg gesetzt, anders als in Köln wovon mei­ne Freun­de schwärm­ten und des­halb in den Nor­den gereist sind um noch ein­mal gemein­sam das Kon­zert zu erleben.

Agabas — norwegisches Deathjazz

Aga­bas sind eine nor­we­gi­sche Cross­over-Band mit Saxo­fon-Ein­schlag – klingt wil­der als es sich liest. 17:30 soll­ten sie schon los­le­gen und der Groo­ve hat mich zwi­schen­zeit­lich erwischt, aber warm gewor­den bin ich mit ihnen nicht. Sehr wohl hat Front­man Sond­re Søren­sen Brøn­stad alles in sei­ner Macht ste­hen­de getan um die Men­ge ein­zu­hei­zen. Wenn das auch dazu geführt hat, dass er selbst Hand ange­legt und die ers­ten Moshs eigen­hän­dig ange­scho­ben hat. Respekt an die­ser Stelle.

Alien Weaponry – Māori Metal aus Neuseeland

Ali­en Wea­pon­ry haben sich mit einem Haka auf die Büh­ne gekämpft – das setzt einen Ton, bevor auch nur eine Note gespielt wur­de. Die Neu­see­län­der, übri­gens pünkt­lich frü­her als ange­kün­digt, sind zu dritt unter­wegs und brau­chen kei­ne gro­ße Crew um Prä­senz zu erzeu­gen. Vor allem der Bas­sist mit sei­nen tra­di­tio­nel­len Tā moko-Gesicht­stat­toos macht klar: das ist kein ästhe­ti­sches Acces­soire, das ist wer die­se Leu­te sind.

Der Māo­ri-Ein­fluss sickert immer wie­der durch – in Rhyth­mik, Gesang, Ener­gie – und genau das ist es, was Ali­en Wea­pon­ry von jeder ande­ren Thrash-Band unter­schei­det. Als jemand der für indi­ge­ne Ein­flüs­se im Metal brennt, hät­te ich davon ger­ne mehr gehabt. Das Poten­zi­al ist da, das Fun­da­ment steht – aber sie könn­ten die­sen Teil ihrer Iden­ti­tät noch kon­se­quen­ter nach vor­ne schie­ben statt ihn gele­gent­lich ein­zu­streu­en. Eine inter­es­san­te Vor­grup­pe, die noch schär­fer wer­den kann. Und wird, wenn man dem Ein­druck trau­en darf.

Avatar Hamburg 2026 – Der Zirkus kommt in die Stadt

Ava­tar sind seit über 20 Jah­ren unter­wegs und haben sich von einer Gothen­burg-Metal­band zu einem der eigen­wil­ligs­ten Live-Spek­ta­kel der Sze­ne ent­wi­ckelt. Das aktu­el­le Album „Don’t Go in the Forest” mar­kiert dabei eine wei­te­re Ver­tie­fung ihres düs­te­ren Zir­kus-Uni­ver­sums – thea­tra­li­scher, atmo­sphä­ri­scher, noch kon­se­quen­ter in der Ästhe­tik. Ham­burg war der letz­te Abend der „In the Air­wa­ves EU ’26″-Tour, und das merk­te man: Die Band hat hier noch ein­mal alles raus­ge­holt was nach einem lan­gen Tour­ma­ra­thon übrig war – und das war ver­dammt viel.

Wenn Ava­tar die Büh­ne betre­ten, ist das kein Kon­zert – das ist eine Vor­stel­lung. Har­le­kin-Kos­tü­me, ein durch­gän­gig zele­brier­tes Zir­kus-Set­ting und Front­mann Johan­nes Ecker­ström als Zere­mo­nien­meis­ter eines düs­te­ren Spek­ta­kels, das von der ers­ten bis zur letz­ten Minu­te funk­tio­niert. Was zusätz­lich für Stim­mung sorgt: Ecker­ström spricht über­ra­schend gutes Deutsch und zieht sämt­li­che Ansa­gen auf Deutsch durch – das kommt im aus­ver­kauf­ten Docks erwar­tungs­ge­mäß gut an.

Der Fokus lag klar auf dem aktu­el­len Album, aber Ava­tar sind klug genug, nie­man­den im Regen ste­hen zu las­sen – Klas­si­ker wie Bloo­dy Angel, Hail the Apo­ca­lyp­se und das fina­le Smells Like a Freak­show haben die Hüt­te noch­mal ordent­lich in Bewe­gung gebracht. Die Büh­nen­show lie­fert dazu die pas­sen­den Momen­te: der klei­ne Flü­gel an dem Ecker­ström sei­ne ruhi­ge­ren Pas­sa­gen zele­briert, die Schlag­zeug­ein­la­ge an der Büh­nen­kan­te mit der gan­zen Band auf­ge­reiht, und natür­lich der Königs­thron für Hail the Apo­ca­lyp­se – Kitsch im bes­ten Sin­ne, voll­kom­men selbst­be­wusst zele­briert. Der Mosh­pit wuchs zum Fina­le hin kon­ti­nu­ier­lich – und wer Black Waltz kennt weiß, dass vier Songs davon in einer Set­list kei­ne zufäl­li­ge Ent­schei­dung sind.

Weni­ger gestimmt hat das Publi­kum an ver­ein­zel­ten Stel­len. Wer als Foto­graf arbei­tet und sich freund­lich durch die Men­ge bewe­gen muss, erwar­tet kei­ne rote-Tep­pich-Behand­lung – aber kom­plett igno­riert und von hin­ten geschubst zu wer­den wenn man dar­auf hin­weist, dass man hier einen Job macht, ist schlicht unnö­tig. Klei­ner Schat­ten auf einem ansons­ten star­ken Abend.

Ach ja: Das Bier war War­stei­ner. In Ham­burg. Das sagt eigent­lich alles.

Ava­tar – Ham­burg, Docks, 13. März 2026

  1. Cap­tain Goat
  2. Silence in the Age of Apes
  3. The Eagle Has Landed
  4. In the Airwaves
  5. Bloo­dy Angel
  6. Death and Glitz
  7. Blod
  8. The Dirt I’m Buried In
  9. Colos­sus
  10. Torn Apart
  11. How­ling at the Waves
  12. Legend of the King
  13. Let It Burn
  14. Tonight We Must Be Warriors

Enco­re:

  1. Don’t Go in the Forest
  2. Smells Like a Freakshow
  3. Hail the Apocalypse

Wer nach dem Ava­tar-Abend noch mehr Hun­ger auf Metal in Ham­burg hat – hier ist unser Bericht vom Lor­na Shore Kon­zert 2026 in der aus­ver­kauf­ten Insel­park Are­na.

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