WiiM selbst ist kein klassisches HiFi-Unternehmen — die Marke gehört zu LinkPlay Technology, einem chinesischen Modul-Hersteller, dessen Streaming-Technologie in Dutzenden von Geräten anderer Hersteller steckt. Man kann sich also vorstellen, dass die Software-Basis sitzt. Seit dem ersten WiiM Amp hat die Marke gezeigt, dass sie preislich unbequem sein kann — und der Amp Ultra treibt das Konzept noch ein Stück weiter.
Wer die WiiM-Linie kennt, erkennt das Prinzip sofort. Der Amp Pro war der leistungsstärkere Streaming-Verstärker im Portfolio, der WiiM Ultra der hochwertige Standalone-Streamer mit Touchscreen und ESS-DAC. Der Amp Ultra ist schlicht beides in einer Kiste — aber neu entwickelt, nicht einfach zusammengeklebt.
Das Gehäuse des WiiM Amp Ultra ist ein Unibody-Aluminiumchassis, aus einem Stück gefräst, optisch irgendwo zwischen Mac Mini und Mac Studio. WiiM sagt nichts dazu, aber es ist weitgehend bekannt, dass die Produktion im selben Foxconn-Werk in Zhengzhou läuft, in dem auch Apple-Hardware produziert wird. Das erklärt die Verarbeitungsqualität — und auch den mitgelieferten Voice Remote 2, der dem Apple Siri Remote so ähnlich ist, dass man zweimal hinschauen muss.
Zwei Farben: Space Gray und Silver. Maße: 200 × 211 × 76 mm. Passt auf jeden Schreibtisch, passt in jedes Regal.
Herzstück des WiiM Amp Ultra ist der ESS ES9039Q2M SABRE DAC — ein 32-Bit-Wandler, der bis 384 kHz PCM und DSD512 verarbeitet. Für ein All-in-One-Teil in diesem Preisbereich ist das kein Billigchip, sondern ein Baustein, den man sonst eher in separat verkauften DACs für mehr Geld findet.
Die Verstärkersektion des WiiM Amp Ultra arbeitet mit zwei TI TPA3255 Class-D-Chips (Dual Mono, also je ein Chip pro Kanal) und sechs TI OPA1612 Op-Amps. Die Ausgangsleistung gibt WiiM mit 100 Watt pro Kanal an 8 Ohm an, 200 Watt an 4 Ohm. Wichtig: Das sind Herstellerangaben. In unabhängigen Benchtests wurden die 100 Watt an 8 Ohm bestätigt — allerdings zeigten sich bei Burst-Tests Einschränkungen, die auf einen weichen Limiter oder eine begrenzte Netzteil-Headroom hindeuten. Für den normalen Alltagsbetrieb spielt das kaum eine Rolle, für Leute die ihre Endstufe hart ausfahren wollen, ist es einen Gedanken wert.
WiiM bewirbt die PFFB-Technologie — Post Filter Feedback — als besonderen Differenziator. Die Idee: Eine Rückkopplungsschleife nach dem Ausgangsfilter korrigiert das Signal in Echtzeit und macht die Verstärkercharakteristik unabhängiger von der angeschlossenen Lautsprecherlast. THD+N gibt WiiM mit ≤0,005 % bei ‑106 dB (A‑gewichtet) an, SNR mit 120 dB bei 5 Watt. Das sind ordentliche Zahlen, und erste Messungen deuten darauf hin, dass WiiM hier nicht zu hoch pokert.
Konnektivität beim WiiM Amp Ultra : HDMI ARC (mit Dolby Digital Decoding), optischer Eingang, RCA-Stereoeingang, USB‑A, LAN. Dazu ein dedizierter Subwoofer-Ausgang. Drahtlos: Wi-Fi 6E mit Dual-Antennen, Bluetooth 5.3 mit LE Audio und LDAC. Die Lautsprecherterminals sind als Bananenbuchsen ausgeführt — Kabelschuhe und blankes Kabel gehen mit mitgelieferten Adaptern.

Software-seitig bietet der WiiM Amp Ultra : Roon Ready, Google Cast, Alexa Cast, Spotify Connect, TIDAL Connect, DLNA. Streaming-Dienste über die WiiM Home App: Spotify, Tidal, Qobuz, Amazon Music, Deezer, Apple Music und mehr. Kein AirPlay — das ist eine bewusste Entscheidung von WiiM, die sich durch die gesamte Produktlinie zieht. Wer fest im Apple-Ökosystem steckt, muss mit Chromecast oder der App leben.
Der offensichtlichste Vergleich ist der Eversolo PLAY — ebenfalls ein chinesischer Streaming-Vollverstärker im Mac-Mini-Format, ebenfalls mit TI TPA3255, ebenfalls mit ESS-DAC. Der PLAY hat einen größeren 5,5″-Bildschirm, der Amp Ultra kommt mit 3,5 Zoll, dafür mit PFFB und laut Spec mehr Ausgangsleistung. Beide Teile kosten ähnlich viel. Welches besser klingt, ist erst nach einem direkten Vergleich seriös zu beantworten.
Zum Bluesound Powernode Edge (ca. 599 Euro) ist der Abstand deutlicher — der Edge kommt mit einem Single-Chip-Class‑D und ohne Touchscreen, liefert aber AirPlay 2 und das ausgereifte BluOS-Ecosystem mit. Der klassische Powernode (ca. 900 Euro) liegt preislich klar darüber.
Verglichen mit dem Marantz Model M1 (ebenfalls ca. 700–800 Euro) spielt der Amp Ultra in ähnlichen Gewässern, bringt aber deutlich mehr Streaming-Flexibilität mit — Roon Ready allein ist für viele ein K.O.-Kriterium.
Sonos Amp (ca. 750 Euro) ist in der Klasse auch ein relevanter Name, aber der hat keinen eigenen DAC im klassischen Sinne, und das Sonos-Ecosystem ist zunehmend ein Thema für sich.
Der WiiM Amp Ultra kostet 599 Euro in Deutschland und ist seit August 2025 im Handel erhältlich — in Space Gray und Silver. Im Lieferumfang ist der WiiM Voice Remote 2 enthalten, also kein separater Kauf nötig.
599 Euro für das, was hier drin steckt, ist nicht günstig im absoluten Sinne. Aber es ist günstig gemessen an dem, was man bekommt: ESS SABRE DAC der aktuellen Generation, Roon Ready, HDMI ARC, Wi-Fi 6E, Dual-Mono-Endstufe, Touchscreen, Unibody-Alu. Das gleiche Feature-Set in klassischen Separate-Komponenten zusammenzustellen, würde das Doppelte oder mehr kosten.
WiiM macht mit dem WiiM Amp Ultra das, was sie schon mit dem ersten Amp gemacht haben — ein Gerät bauen, das preislich unangenehm ist für alle, die mehr kosten. Ob das auf Höhepunkt klingt, ob die 100 Watt tatsächlich ausreichend Hub für anspruchsvollere Lautsprecher haben, und wie sich RoomFit in der Praxis schlägt — das sind die Fragen, die nur ein echter Hörtest beantworten kann.
Wer damit liebäugelt, einen separaten Streamer und Verstärker durch eine einzige kompakte Kiste zu ersetzen und dabei kein Vermögen ausgeben will: Der Amp Ultra ist momentan eine der glaubwürdigsten Optionen in diesem Bereich. Abwarten oder kaufen — das hängt davon ab, ob AirPlay fehlen darf und ob man dem PFFB-Versprechen vertraut.

WiiM ist eine hundertprozentige Tochter von Linkplay Technology – einem chinesischen Unternehmen, das seit Jahren Streaming-Module entwickelt, die in Produkten anderer Hersteller stecken. Silent Angel, Audio Pro, diverse B‑Brands: alle auf Linkplay-Basis. WiiM ist quasi der direkte Kanal, der aus dem OEM-Lieferanten einen eigenständigen Konsumeranbieter macht. Das erklärt, warum die Software so ausgereift wirkt – die haben halt schon etwas Erfahrung damit.
Das erste Produkt mit integrierter Endstufe ist der WiiM Amp. Zielgruppe laut Hersteller: alle, die vorhandene Passivlautsprecher nutzen wollen, ohne ein separates Gerät-Rack aufzubauen. Also der klassische Einstieg in vernetztes HiFi – aber ohne die übliche Kompromissware.
Die Endstufe arbeitet mit einem Texas Instruments TPA3255, einem Class-D-Chip, der im DIY-Bereich einen guten Ruf hat. WiiM gibt 60 Watt pro Kanal an 8 Ohm und 120 Watt pro Kanal an 4 Ohm an – Herstellerangaben, wie immer. In der Praxis sollte das für die allermeisten Regalboxen und kompakte Standlautsprecher mehr als ausreichen. Nur wer sehr niederohmige oder schwierig zu treibende Lautsprecher hat, sollte das im Hinterkopf behalten.
Als DAC steckt ein ESS ES9018K2M (Sabre) drin. Nicht der neueste Chip aus dem ESS-Regal, aber solide implementiert. Laut WiiM liegt die THD+N bei 0,002 Prozent (entspricht ‑93 dB) und der SNR bei 98 dB bei 5 Watt. Das sind keine schlechten Werte für diese Preisklasse – aber keine audiophilen Traumzahlen, das sei ehrlich gesagt.
Eingangsseitig gibt es RCA analog, einen optischen Digitaleingang und HDMI ARC. Letzteres ist praktisch für alle, die den Fernseher direkt einbinden wollen. Subwoofer-Ausgang ist ebenfalls mit an Bord. Hi-Res bis 24 Bit/192 kHz wird laut Hersteller über alle Eingänge unterstützt. Zum Abspielen lokaler Dateien gibt es einen USB-Port – der WiiM Amp kann dann als Medienserver für andere WiiM-Geräte im Netzwerk fungieren.
Netzwerkseitig: Wi-Fi, Ethernet und Bluetooth 5.0 mit BLE. Bluetooth kann sowohl empfangen als auch senden – wer also einen Bluetooth-Kopfhörer ansteuern will, ist hier fein raus.

Was dieses Teil von einem generischen Class-D-Amp unterscheidet, ist der Funktionsumfang auf der Streaming-Seite. AirPlay 2, Google Chromecast, Spotify Connect, TIDAL Connect, Amazon Music, Qobuz, Deezer, DLNA – alles drin. Alexa, Google Assistant und Siri werden ebenfalls unterstützt. Die beiliegende WiiM Voice Remote verbindet sich per Bluetooth LE, funktioniert also auch ohne Sichtlinie durch Schranktüren hindurch.
Die WiiM Home App ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt. Multiroom-Synchronisation mit anderen WiiM-Geräten, aber auch mit AirPlay-2-Lautsprechern, Amazon Echo oder Google Home-Geräten. EQ-seitig bietet der WiiM Amp 24 Preset-EQs, einen 10-Band-Grafik-EQ und einen 4‑Band-parametrischen EQ – und das für jede Eingangsquelle separat einstellbar.
Roon Ready war zum Zeitpunkt des Launches noch nicht zertifiziert, ist aber laut WiiM in Arbeit. Bis dahin läuft Roon über Chromecast, was keine perfekte Lösung ist, aber funktioniert.
Eins noch zur AirPlay-Funktion, weil das regelmäßig Fragen aufwirft: Der WiiM Amp empfängt AirPlay-Streams, kann aber nicht als AirPlay-Sender fungieren. Wer also AirPlay an andere Lautsprecher weiterleiten will, schaut hier in die Röhre.
Mal schauen, was der Markt sonst so bietet. Der Sonos Amp landet bei über 500 Euro – ohne RCA-Eingang, mit proprietärem Ökosystem und deutlich weniger Flexibilität bei Streaming-Protokollen. Der Bluesound Powernode fängt bei knapp 900 Euro an und ist klanglich und qualitativ nochmal eine andere Nummer, aber eben auch mehr als doppelt so teuer. Cambridge Audio EVO, Naim Mu-so – alles deutlich teurer, meist auch Feature-reicher, aber nicht immer in einem sinnvollen Verhältnis zum Preis.
Was für 349 Euro sonst auf den Tisch kommt, ist meist entweder ein nackter Verstärker ohne Streaming-Fähigkeiten oder ein AV-Receiver mit viel Gewicht, vielen Eingängen und mäßigem DAC. Der WiiM Amp macht da einen anderen Vorschlag: kompakt, vernetzt, kein Unnötigkram.
Das Gehäuse ist Aluminium, das Finish sauber. Optisch erinnert der Kasten an einen Mac Mini – und das ist explizit kein Nachteil. Space Gray oder Silber, beides unauffällig genug für jedes Wohnzimmer.
Der WiiM Amp kostet 349 Euro und ist seit Dezember 2023 in Deutschland erhältlich – unter anderem über Amazon sowie ausgewählte Fachhändler. Farben: Space Gray und Silber. Im Lieferumfang ist die WiiM Voice Remote enthalten, dazu HDMI-Kabel und RCA-Kabel.
349 Euro für einen Streaming-Vollverstärker mit diesem Protokoll-Umfang ist kein schlechter Deal. Ob die DAC-Implementierung und der Amp-Teil wirklich halten, was die Specs versprechen, muss sich im Alltag zeigen – Papier ist geduldig. Was schon jetzt klar ist: Das Ökosystem funktioniert. Linkplay hat genug Erfahrung mit Streaming-Integration, und die WiiM-App gilt als eine der besseren in dieser Preisklasse.
Wer nach einem Einstieg ins vernetzte HiFi sucht, ohne gleich 900 Euro für einen Bluesound Powernode hinzulegen, hat mit dem WiiM Amp eine ernsthafte Option auf dem Tisch. Und wer sowieso schon WiiM Mini oder Pro Plus im Einsatz hat, dem bietet er eine naheliegende Ergänzung.

