WiiM Amp - Frontansicht

WiiM Amp: Streaming-Vollverstärker für 349 Euro mit ernsten Ambitionen

WiiM kennt man bis jetzt haupt­säch­lich als Her­stel­ler von kom­pak­ten Netz­werk­play­ern. WiiM Mini, WiiM Pro, WiiM Pro Plus – alle­samt Strea­mer ohne eige­ne End­stu­fe. Mit dem WiiM Amp geht die Mar­ke jetzt den nächs­ten Schritt: ein voll­stän­di­ger Strea­ming-Ver­stär­ker für Pas­siv­laut­spre­cher, zu einem Preis, bei dem ande­re Her­stel­ler gera­de mal einen Vor­ver­stär­ker ver­kau­fen wür­den. 349 Euro. Fertig.

Was WiiM eigentlich ist

WiiM ist eine hun­dert­pro­zen­ti­ge Toch­ter von Link­play Tech­no­lo­gy – einem chi­ne­si­schen Unter­neh­men, das seit Jah­ren Strea­ming-Modu­le ent­wi­ckelt, die in Pro­duk­ten ande­rer Her­stel­ler ste­cken. Silent Angel, Audio Pro, diver­se B‑Brands: alle auf Link­play-Basis. WiiM ist qua­si der direk­te Kanal, der aus dem OEM-Lie­fe­ran­ten einen eigen­stän­di­gen Kon­su­meran­bie­ter macht. Das erklärt, war­um die Soft­ware so aus­ge­reift wirkt – die haben halt schon etwas Erfah­rung damit.

Das ers­te Pro­dukt mit inte­grier­ter End­stu­fe ist der WiiM Amp. Ziel­grup­pe laut Her­stel­ler: alle, die vor­han­de­ne Pas­siv­laut­spre­cher nut­zen wol­len, ohne ein sepa­ra­tes Gerät-Rack auf­zu­bau­en. Also der klas­si­sche Ein­stieg in ver­netz­tes HiFi – aber ohne die übli­che Kompromissware.

Technik im Kasten

Die End­stu­fe arbei­tet mit einem Texas Instru­ments TPA3255, einem Class-D-Chip, der im DIY-Bereich einen guten Ruf hat. WiiM gibt 60 Watt pro Kanal an 8 Ohm und 120 Watt pro Kanal an 4 Ohm an – Her­stel­ler­an­ga­ben, wie immer. In der Pra­xis soll­te das für die aller­meis­ten Regal­bo­xen und kom­pak­te Stand­laut­spre­cher mehr als aus­rei­chen. Nur wer sehr nie­der­oh­mi­ge oder schwie­rig zu trei­ben­de Laut­spre­cher hat, soll­te das im Hin­ter­kopf behalten.

Als DAC steckt ein ESS ES9018K2M (Sab­re) drin. Nicht der neu­es­te Chip aus dem ESS-Regal, aber soli­de imple­men­tiert. Laut WiiM liegt die THD+N bei 0,002 Pro­zent (ent­spricht ‑93 dB) und der SNR bei 98 dB bei 5 Watt. Das sind kei­ne schlech­ten Wer­te für die­se Preis­klas­se – aber kei­ne audio­phi­len Traum­zah­len, das sei ehr­lich gesagt.

Ein­gangs­sei­tig gibt es RCA ana­log, einen opti­schen Digi­tal­ein­gang und HDMI ARC. Letz­te­res ist prak­tisch für alle, die den Fern­se­her direkt ein­bin­den wol­len. Sub­woo­fer-Aus­gang ist eben­falls mit an Bord. Hi-Res bis 24 Bit/192 kHz wird laut Her­stel­ler über alle Ein­gän­ge unter­stützt. Zum Abspie­len loka­ler Datei­en gibt es einen USB-Port – der WiiM Amp kann dann als Medi­en­ser­ver für ande­re WiiM-Gerä­te im Netz­werk fungieren.

Netz­werk­sei­tig: Wi-Fi, Ether­net und Blue­tooth 5.0 mit BLE. Blue­tooth kann sowohl emp­fan­gen als auch sen­den – wer also einen Blue­tooth-Kopf­hö­rer ansteu­ern will, ist hier fein raus.

Das Ökosystem ist die eigentliche Stärke

Was die­ses Teil von einem gene­ri­schen Class-D-Amp unter­schei­det, ist der Funk­ti­ons­um­fang auf der Strea­ming-Sei­te. Air­Play 2, Goog­le Chro­me­cast, Spo­ti­fy Con­nect, TIDAL Con­nect, Ama­zon Music, Qobuz, Deezer, DLNA – alles drin. Ale­xa, Goog­le Assistant und Siri wer­den eben­falls unter­stützt. Die bei­lie­gen­de WiiM Voice Remo­te ver­bin­det sich per Blue­tooth LE, funk­tio­niert also auch ohne Sicht­li­nie durch Schrank­tü­ren hindurch.

Die WiiM Home App ist der zen­tra­le Dreh- und Angel­punkt. Mul­ti­room-Syn­chro­ni­sa­ti­on mit ande­ren WiiM-Gerä­ten, aber auch mit Air­Play-2-Laut­spre­chern, Ama­zon Echo oder Goog­le Home-Gerä­ten. EQ-sei­tig bie­tet der WiiM Amp 24 Pre­set-EQs, einen 10-Band-Gra­fik-EQ und einen 4‑Band-para­me­tri­schen EQ – und das für jede Ein­gangs­quel­le sepa­rat einstellbar.

Roon Rea­dy war zum Zeit­punkt des Laun­ches noch nicht zer­ti­fi­ziert, ist aber laut WiiM in Arbeit. Bis dahin läuft Roon über Chro­me­cast, was kei­ne per­fek­te Lösung ist, aber funktioniert.

Eins noch zur Air­Play-Funk­ti­on, weil das regel­mä­ßig Fra­gen auf­wirft: Der WiiM Amp emp­fängt Air­Play-Streams, kann aber nicht als Air­Play-Sen­der fun­gie­ren. Wer also Air­Play an ande­re Laut­spre­cher wei­ter­lei­ten will, schaut hier in die Röhre.

Einordnung: Was kriegt man woanders für 349 Euro

Mal schau­en, was der Markt sonst so bie­tet. Der Sonos Amp lan­det bei über 500 Euro – ohne RCA-Ein­gang, mit pro­prie­tä­rem Öko­sys­tem und deut­lich weni­ger Fle­xi­bi­li­tät bei Strea­ming-Pro­to­kol­len. Der Blue­sound Power­node fängt bei knapp 900 Euro an und ist klang­lich und qua­li­ta­tiv noch­mal eine ande­re Num­mer, aber eben auch mehr als dop­pelt so teu­er. Cam­bridge Audio EVO, Naim Mu-so – alles deut­lich teu­rer, meist auch Fea­ture-rei­cher, aber nicht immer in einem sinn­vol­len Ver­hält­nis zum Preis.

Was für 349 Euro sonst auf den Tisch kommt, ist meist ent­we­der ein nack­ter Ver­stär­ker ohne Strea­ming-Fähig­kei­ten oder ein AV-Recei­ver mit viel Gewicht, vie­len Ein­gän­gen und mäßi­gem DAC. Der WiiM Amp macht da einen ande­ren Vor­schlag: kom­pakt, ver­netzt, kein Unnötigkram.

Das Gehäu­se ist Alu­mi­ni­um, das Finish sau­ber. Optisch erin­nert der Kas­ten an einen Mac Mini – und das ist expli­zit kein Nach­teil. Space Gray oder Sil­ber, bei­des unauf­fäl­lig genug für jedes Wohnzimmer.

Preis und Verfügbarkeit

Der WiiM Amp kos­tet 349 Euro und ist seit Dezem­ber 2023 in Deutsch­land erhält­lich – unter ande­rem über Ama­zon sowie aus­ge­wähl­te Fach­händ­ler. Far­ben: Space Gray und Sil­ber. Im Lie­fer­um­fang ist die WiiM Voice Remo­te ent­hal­ten, dazu HDMI-Kabel und RCA-Kabel.

Fazit

349 Euro für einen Strea­ming-Voll­ver­stär­ker mit die­sem Pro­to­koll-Umfang ist kein schlech­ter Deal. Ob die DAC-Imple­men­tie­rung und der Amp-Teil wirk­lich hal­ten, was die Specs ver­spre­chen, muss sich im All­tag zei­gen – Papier ist gedul­dig. Was schon jetzt klar ist: Das Öko­sys­tem funk­tio­niert. Link­play hat genug Erfah­rung mit Strea­ming-Inte­gra­ti­on, und die WiiM-App gilt als eine der bes­se­ren in die­ser Preisklasse.

Wer nach einem Ein­stieg ins ver­netz­te HiFi sucht, ohne gleich 900 Euro für einen Blue­sound Power­node hin­zu­le­gen, hat mit dem WiiM Amp eine ernst­haf­te Opti­on auf dem Tisch. Und wer sowie­so schon WiiM Mini oder Pro Plus im Ein­satz hat, dem bie­tet er eine nahe­lie­gen­de Ergänzung.

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