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Eversolo Play: Streaming-Vollverstärker mit Phonostufe und CD-Option ab 699 Euro

Der Ever­so­lo Play ist ein Strea­ming-Voll­ver­stär­ker, der Strea­mer, DAC, Class-D-End­stu­fe und Pho­no­stu­fe in ein ein­zi­ges, qua­dra­ti­sches Alu­mi­ni­um­ge­häu­se packt — für 699 Euro. Ever­so­lo kommt aus Shen­zhen, ist eine Toch­ter von Zidoo Tech­no­lo­gy und hat sich seit ein paar Jah­ren mit Strea­mern wie dem DMP-A6, A8 und zuletzt dem A10 einen soli­den Ruf in der Com­mu­ni­ty erar­bei­tet. Mit dem Ever­so­lo Play betritt die Mar­ke jetzt ein neu­es Ter­rain: statt rei­nem Strea­mer gibt’s hier gleich die gan­ze Ket­te in einem Teil — minus Lautsprecher.

Vor­ge­stellt wur­de das Ding auf der High End 2025 in Mün­chen. Seit­dem ist klar: der Play ist das erschwing­lichs­te Pro­dukt im Port­fo­lio und gezielt für Ein­stei­ger und Zweit­an­la­gen-Leu­te gemacht. Ob das auf­geht, schau­en wir uns an.

Was Eversolo damit sagen will

Das Kon­zept ist sim­pel und ehr­lich: Laut­spre­cher ran­ste­cken, Netz­werk ver­bin­den, fer­tig. Kein sepa­ra­ter DAC, kein exter­ner Pho­no-Pre, kei­ne Recei­ver-Wühl­kis­te aus dem Kel­ler. Der Ever­so­lo Play soll die kom­plet­te Ket­te erset­zen — und das für einen Preis, bei dem ande­re Her­stel­ler noch nicht mal den Ver­stär­ker allei­ne hin­be­kom­men. Ziel­grup­pe sind Strea­ming-Ein­stei­ger, Leu­te mit wenig Platz und alle, die end­lich einen sau­be­ren Desk-Set­up wol­len, ohne sich durch fünf Ein­zel­kom­po­nen­ten zu kämpfen.

Für 100 Euro Auf­preis gibt’s die CD Edi­ti­on — glei­che Hard­ware, aber mit einem seit­lich aus­fah­ren­den Hita­chi-LG-Lauf­werk inklu­si­ve CD-Rip­per-Funk­ti­on. Das ist die selt­sams­te und gleich­zei­tig sym­pa­thischs­te Idee dabei.

Die Technik im Überblick

Herz­stück ist der AKM AK4493SEQ — ein 32-Bit-DAC-Chip mit Ever­so­lo-Anga­ben von ≥109 dB SNR (A‑gewichtet) und einem THD von 0,0037 %. Das sind Zah­len, über die man bei die­ser Preis­klas­se nicht meckern kann. AKM nennt das intern „Vel­vet­sound”, was nach Mar­ke­ting klingt, aber kon­kret für einen nied­ri­gen Klirr­fak­tor und gute Jit­ter-Unter­drü­ckung steht.

Die End­stu­fe arbei­tet im Class-D-Betrieb und lie­fert laut Her­stel­ler 60 Watt pro Kanal an 8 Ohm, 110 Watt an 4 Ohm. Ever­so­lo emp­fiehlt Laut­spre­cher mit 85–88 dB Wir­kungs­grad und 4–8 Ohm — kon­kret also eher Kom­pakt­bo­xen im 200–600-Euro-Bereich, kei­ne schwie­ri­gen Last­fäl­le. Gro­ße Stand­bo­xen mit nied­ri­gem Wir­kungs­grad: lie­ber nicht. Das Teil ist für Regal­laut­spre­cher gebaut, und das soll­te man auch respektieren.

Die For­mat­un­ter­stüt­zung ist voll­stän­dig: PCM bis 32/768 kHz, DSD bis DSD512, FLAC, WAV, APE, AIFF — alles dabei. Netz­werk­sei­tig gibt’s Roon Rea­dy, Tidal Con­nect, Qobuz Con­nect, Spo­ti­fy Con­nect, Air­Play und DLNA/UPnP. Dazu Dual-Band-WLAN und Blue­tooth 5.3 mit SBC und AAC. LDAC fehlt — für man­che ein Punkt, für die meis­ten in die­sem Kon­text irrelevant.

Die Pho­no­stu­fe unter­stützt MM und MC. MC läuft fest auf 74 dB Ver­stär­kung und 0,5 mV Ein­gangs­emp­find­lich­keit — kei­ne Anpas­sungs­mög­lich­keit. Für güns­ti­ge­re MCs aus dem Stan­dard-Seg­ment reicht das, für alles Exo­ti­sche wird’s eng.

Intern ste­cken 4 GB RAM und 32 GB Spei­cher. Exter­ne Lauf­wer­ke gehen per USB 3.0. Ein M.2‑Slot wie bei den DMP-Model­len ist nicht verbaut.

Das 5,5‑Zoll-LCD-Touchscreen auf der Vor­der­sei­te ist reak­ti­ons­schnell und über­sicht­lich. Der Ever­so­lo Con­trol App gibt es für iOS und Android.

Was den Eversolo Play vom Wettbewerb abhebt

Ver­gli­chen mit dem direk­tes­ten Kon­kur­ren­ten, dem WiiM Amp Ultra (529 Euro), hat der Ever­so­lo Play drei kla­re Vor­tei­le: eine ein­ge­bau­te Pho­no­stu­fe (MM und MC), ein optio­na­les CD-Lauf­werk und einen dedi­ziert para­me­tri­schen EQ pro Ein­gang. Dazu kommt eine ein­ge­bau­te Raum­kor­rek­tur — nutz­bar mit dem Smart­phone-Mikro­fon oder einem exter­nen Mess­mi­kro­fon wie dem mini­DSP UMIK‑1. Das ist für ein Gerät die­ser Preis­klas­se ziem­lich viel.

Gegen­über dem Tech­nics SA-C600 (ca. 1.000 Euro) kos­tet der Play deut­lich weni­ger, hat aber einen ähn­li­chen Ansatz: CD, Strea­ming, Ver­stär­ker in einer Box. Beim Tech­nics hat man mehr Ver­trau­en in die Lang­le­big­keit der mecha­ni­schen Bau­tei­le — das Lauf­werk im Play ist schlank und sim­pel gehal­ten, was auf Dau­er eine offe­ne Fra­ge bleibt.

Ever­so­lo hat hier außer­dem sei­nen eige­nen Audio-Stack am Start: Die EOS-Engi­ne umgeht das Android-inter­ne Resam­pling kom­plett und sorgt für Bit-Per­fect-Aus­ga­be. Das ist nicht selbst­ver­ständ­lich bei Android-basier­ten Streamern.

Was fehlt: eine Fern­be­die­nung liegt nicht bei. Die gibt’s optio­nal, was im Jahr 2025 etwas schä­big wirkt — auch wenn die meis­ten das Ding sowie­so über die App oder den Touch­screen steuern.

Einordnung: Günstig — aber für wen?

699 Euro für einen Strea­ming-Voll­ver­stär­ker mit DAC, Pho­no­stu­fe, Raum­kor­rek­tur und 5,5‑Zoll-Display ist objek­tiv ein guter Deal. Das ist nicht güns­tig im Sin­ne von „weg­wer­fen”, das ist güns­tig im Sin­ne von: die­ser Preis macht die Ent­schei­dung leicht. Wer eine kom­pak­te Zweit­an­la­ge will, wer in eine ers­te Hi-Fi-Ket­te ein­stei­gen will oder wer das Rack end­lich auf ein Teil redu­zie­ren möch­te — der Ever­so­lo Play ist ein offen­sicht­li­cher Kandidat.

Wer aller­dings schon ein ernst­haf­tes Set­up hat und über eine Ergän­zung nach­denkt, ist hier falsch. Der Play ersetzt eine Ket­te, er ergänzt kei­ne. Die End­stu­fe reicht für die ange­dach­ten Spiel­part­ner, aber sie kann nicht mit spe­zia­li­sier­ten Kom­po­nen­ten mit­hal­ten — und das ist auch nicht der Anspruch

Preis & Verfügbarkeit

  • Ever­so­lo Play (Stan­dard): 699 Euro
  • Ever­so­lo Play CD Edi­ti­on: 799 Euro

Bei­de Vari­an­ten sind seit Som­mer 2025 im deut­schen Fach­han­del und online erhält­lich. Gehäu­se: CNC-gefräs­tes Alu­mi­ni­um, 230 × 75 × 230 mm, ca. 2,9 kg.

Fazit

Der Ever­so­lo Play ist kein Gerät, das man klein­re­den muss. Die Kom­bi­na­ti­on aus Funk­ti­ons­um­fang, Ver­ar­bei­tung und Preis ist in die­ser Klas­se schwer zu kon­tern. Die offe­ne Fra­ge bleibt wie immer bei sol­chen All-in-One-Lösun­gen: Wie hält das CD-Lauf­werk nach drei Jah­ren durch? Und wie gut klingt die Pho­no­stu­fe wirk­lich, wenn man sie ernst­haft beansprucht?

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