Luxsin X9 im Test: Head‑Fi‑Control‑Center mit HPEQ, Sub‑Power und Firmware‑Upgrade für deine Kopfhörer

Ich war schon im Som­mer sehr neu­gie­rig auf den Lux­sin X9, habe ihn dann aber wie­der aus den Augen ver­lo­ren. Nichts­des­to­trotz steht er jetzt auf mei­nem Schreib­tisch und ich konn­te das gute Stück etwa vier Wochen unter die Lupe neh­men – oder bes­ser gesagt: in einen für ihn viel­leicht anstren­gen­den Dau­er­test schi­cken. Wenn dem so war, hat sich der Lux­sin X9 das kei­nes­falls anmer­ken las­sen. So viel sei verraten.

Vor­ab ein kur­zer Dis­clai­mer: Ich habe den Lux­sin X9 vom deut­schen Ver­trieb audio­NEXT kos­ten­los zur Ver­fü­gung gestellt bekom­men. audio­NEXT oder irgend­je­mand sonst nimmt kei­nen Ein­fluss auf mein Review. Als unab­hän­gi­ger Blog sind wir an kei­ne geschäft­li­chen Bezie­hun­gen gebun­den, die unse­re Mei­nung ver­fäl­schen könnten..

Hier das Video-Review zum Luxsin X9

Unboxing & Lieferumfang – erster Eindruck

Wer schon ein­mal Ever­so­lo-Pro­duk­te aus­ge­packt hat, wird die Qua­li­tät ken­nen. Lux­sin stammt eben­falls aus dem Hau­se Zidoo. Die 3,7 kg des Lux­sin X9 lie­gen direkt wer­tig in der Hand. Natür­lich wird das Gerät gut gepols­tert aus­ge­lie­fert, sodass dem mas­si­ven Alu­mi­ni­um­ge­häu­se mit sei­nen soli­den Alu-Plan­ken auf der Rei­se nichts pas­siert. Mit 30 x 20 x 6,5 cm ist das Gerät kom­pakt genug für den Schreib­tisch. Auf dem HiFi-Rack wirkt es hin­ge­gen ange­nehm schlank und schmal.

Was liegt in der Box:

  • Netz­ka­bel (Schu­ko-Stan­dard, EU-Stecker)
  • Blue­tooth-Fern­be­die­nung (IR- und BT-kompatibel)
  • USB-B-Kabel (für USB-Audio)
  • USB-Type-C-OTG-Kabel (für iPhone/iPad direkt)
  • Benut­zer­hand­buch (mehr­spra­chig, vor­erst ohne Deutsch)
  • Garan­tie­pa­pie­re & Quick-Start-Guide

Der ers­te Ein­druck ist durch­weg pre­mi­um. Das 4‑Zoll-Farb-Touch­screen mit den vir­tu­el­len VU-Metern ist das Eye-Can­dy – sie sehen täu­schend echt aus, sind voll­stän­dig ani­miert, etwa mit sanft-blau­em Hin­ter­grund. Lux­sin bie­tet 14 ver­schie­de­ne gra­fi­sche Vari­an­ten zur Wahl, was eigent­lich unnö­tig wirkt, aber durch­aus char­mant ist. Die facet­tier­ten Ecken des Gehäu­ses geben dem Lux­sin X9 ein moder­nes Design, das nicht bil­lig wirkt. Alle sicht­ba­ren Sei­ten sind sau­ber ver­ar­bei­tet, sogar die Unter­sei­te. Schrau­ben siehst du nur an der Rück­wand – alles ande­re wirkt wie aus einem Guss.

Technische Daten & Architektur

Was den Luxsin X9 technisch interessant macht

Der Lux­sin X9 nutzt den AK4499EX DAC-Chip von Asahi Kasei Micro­de­vices – der­sel­be, der auch im erfolg­rei­chen Ever­so­lo DMP-A8 Strea­ming-DAC ver­baut ist. Das ist ein Ver­trau­ens­si­gnal. Dane­ben sitzt ein AK4191EQ für die IV-Kon­ver­tie­rung (digi­tal zu ana­log). Die Signal­ver­ar­bei­tung erfolgt über einen AKM 7739 DSP-Chip­satz, der spe­zi­ell die Head­pho­ne-EQ-Funk­ti­on steu­ert (dazu spä­ter mehr).

Die Kopfhörer-Verstärkerstufe

Die Kopf­hö­re­rend­stu­fe ist voll­stän­dig sym­me­trisch auf­ge­baut und lie­fert bis zu 6.400 mW an 16 Ω über den 4,4‑mm-Balanced-Ausgang – das ist ordent­lich Leis­tung. Über den 6,35-mm-Single-Ended-Anschluss oder XLR4 ist die Leis­tung etwas gerin­ger, aber immer noch mehr als aus­rei­chend. Der Ver­stär­ker-Chip ist ein TPA6120A2 in Kom­bi­na­ti­on mit einem OPA1612 als Buf­fer. Das Beson­de­re: Die Aus­gangs­stu­fe wur­de spe­zi­ell für den Lux­sin X9 ent­wi­ckelt und nicht ein­fach von Ever­so­lo übernommen.

Das Netzteil ist clever aufgebaut

Ein Line­ar­tra­fo ver­sorgt die ana­lo­ge Sek­ti­on (für hohe Rein­heit und guten Rausch­ab­stand), ein Schalt­netz­teil die digi­ta­le Sek­ti­on (für Effi­zi­enz). Im Inne­ren sitzt ein gro­ßer, gekap­sel­ter Ring­kern­tra­fo – du wirst sein Gewicht beim Trans­port spü­ren. Die Ripp­le-Unter­drü­ckung ist mit 40 nV extrem nied­rig. Das bedeu­tet: Der Rausch­grund des Lux­sin X9 ist in der Pra­xis nahe­zu nicht existent.

Spezifikationen

  • Dyna­mic Ran­ge / SNR: > 128 dB (sehr sauber)
  • THD+N @ KH-Out­put: < 0,00016% (extrem niedrig)
  • Cross­talk: > ‑117 dB (Kanal­tren­nung ausgezeichnet)
  • Kanal­ge­nau­ig­keit (L/R‑Balance): 0,1 dB (beein­dru­ckend präzise)
  • Fre­quenz­gang: neu­tral-flach mit sanf­tem Roll-off in den obers­ten Höhen

Unterstützte Formate:

  • PCM bis 32 Bit / 768 kHz
  • DSD bis DSD512 (nati­ve)
  • Blue­tooth 5.0 (SBC, AAC offi­zi­ell; LDAC & aptX wer­den unter­stützt, aber nicht zertifiziert)
  • Asyn­chro­nes USB-Audio (kein Trei­ber nötig)

Innovative Features

Das Dyna­mic Nega­ti­ve Feed­back Sys­tem (DNF) nutzt die Kom­bi­na­ti­on aus OPA1612 und TPA6120A2, um har­mo­ni­sche und inter­mo­du­la­ti­ve Ver­zer­run­gen signi­fi­kant zu redu­zie­ren. Das prak­ti­sche Resul­tat: Der Klang wirkt sau­be­rer und trans­pa­ren­ter, ohne zusätz­li­che Färbung.

Die R2R-Resis­tor-Array-Laut­stär­ke­re­ge­lung ist ein ech­tes High­light. Statt digi­tal zu regeln, nutzt der Lux­sin X9 1.024 dis­kre­te Stu­fen mit Schalt­re­lais – jeder Schritt ist als leich­tes „Click“ beim Dre­hen hör­bar, 0,5‑dB-Schritte sind Stan­dard (wahl­wei­se 1, 2 oder 3 dB). Das ver­hin­dert Kanal­ab­wei­chun­gen im unte­ren Laut­stär­ke­be­reich und ver­schleißt nicht wie ein klas­si­sches Potentiometer.

Die Impe­dance-Detec­tion-Tech­no­lo­gie misst auto­ma­tisch die Impe­danz dei­nes Kopf­hö­rers (16 Ω, 32 Ω oder 300 Ω), wenn du ihn an den 4,4‑mm- oder 6,35-mm-Anschluss anschließt, und passt das Gain ent­spre­chend an. Das ist prak­tisch wie die ISO-Ein­stel­lung an einer Kame­ra – es opti­miert den nutz­ba­ren Regel­be­reich für dei­ne spe­zi­fi­schen Kopf­hö­rer. XLR4-Nut­zer müs­sen die pas­sen­de Ein­stel­lung manu­ell wäh­len. Eine Ein­schrän­kung: Das Sys­tem misst Impe­danz, nicht Emp­find­lich­keit – mit sehr emp­find­li­chen IEMs oder sehr wenig emp­find­li­chen Kopf­hö­rern kann der Regel­weg etwas knapp werden.

In der Pra­xis bedeu­tet die Kom­bi­na­ti­on aus Dyna­mic Nega­ti­ve Feed­back und R2R-Laut­stär­ke­re­ge­lung: extrem sau­be­re Wie­der­ga­be, per­fek­te Kanal­ba­lan­ce auch bei sehr nied­ri­gen Pegeln und eine fein­füh­li­ge, ver­schleiß­freie Laut­stär­ke­re­ge­lung, von der beson­ders Lei­se­hör­er profitieren.

Anschlüsse & Konnektivität

Der Luxsin X9 ist eine echte Audio-Zentrale – nicht nur für Kopfhörer.

Kopf­hö­rer-Aus­gän­ge (Front):

  • 6,35 mm Klin­ke (Sin­gle-Ended, asymmetrisch)
  • 4,4 mm Pen­t­a­conn (Balan­ced, sym­me­trisch) – hier gibt es die vol­le Power (6.400 mW @ 16 Ω)
  • XLR4 Balan­ced (sym­me­trisch)

Alle Buch­sen sind hoch­wer­tig ver­ar­bei­tet, die Klin­ken­buch­sen haben dezent gold­far­be­ne Rin­ge – ein schö­ner Farb­ak­zent, der nicht bil­lig wirkt.

Digi­ta­le Ein­gän­ge (Rück­sei­te):

  • USB‑B (für USB-Audio, High-Res bis 768 kHz PCM, DSD512)
  • USB‑C (OTG-Stan­dard, ide­al um iPhone/iPad direkt anzuschließen)
  • USB‑A (nur für Firm­ware-Updates via USB-Stick)
  • Coax S/PDIF (Stan­dard Digi­tal Audio)
  • Tos­link (optisch, für TV oder älte­re Komponenten)
  • HDMI ARC (sel­te­nes Fea­ture für einen Desk­top-DAC, ermög­licht Audio-Rück­ka­nal vom Smart-TV in den Lux­sin X9)
  • Blue­tooth 5.0 (SBC, AAC, LDAC, aptX)
  • WiFi (für App-Steue­rung und OTA-Updates)

Ana­lo­ge Ein­gän­ge (Rück­sei­te):

  • Ste­reo-Cinch (RCA) für CD-Play­er, Strea­mer oder ande­re ana­lo­ge Quellen

Aus­gän­ge (Rück­sei­te – die Vorverstärker-Funktion):

  • XLR-Aus­gän­ge (sym­me­trisch) für exter­ne End­stu­fen oder Aktivlautsprecher
  • Cinch-Aus­gän­ge (asym­me­trisch, RCA)
  • Sub­woo­fer-RCA-Aus­gän­ge (Dual) – das ist sel­ten; damit lässt sich ein voll­stän­di­ges 2.2‑Stereo-Setup auf­bau­en (Ste­reo-Laut­spre­cher + zwei Subwoofer)

Smart Fea­tures:

  • Trig­ger-In/Out-Buch­sen (Mono-Klin­ke)

App-Steue­rung:
Die Lux­sin Remo­te App ist ver­füg­bar für iOS und Android. Es gibt außer­dem ein Web-Panel im Brow­ser, wenn der Lux­sin X9 über WiFi im Netz­werk hängt. Aktu­ell ist die Ober­flä­che nur auf Eng­lisch und Chi­ne­sisch ver­füg­bar, laut Her­stel­ler soll Deutsch fol­gen. Die App ist intui­tiv, Tuning-Kur­ven wer­den visua­li­siert und PMEQ-Set­tings (Para­me­tric EQ) las­sen sich ein­fach anpas­sen. Lux­sin schiebt regel­mä­ßig Firm­ware-Updates nach – gut für Bug­fi­xes und neue Fea­tures, aber man lebt damit auch mit einem Gerät, das soft­ware­sei­tig in Bewe­gung bleibt.

Design & Verarbeitung

Mas­si­ves Alu­mi­ni­um mit soli­den Alu-Plan­ken – kein Kunst­stoff mit Alu-Blen­de wie bei man­chen Kon­kur­ren­ten. Das Finish ist gebürs­tet statt hoch­glän­zend, was Fin­ger­ab­drü­cke deut­lich ent­schärft. Die leicht schräg gestell­te Front­plat­te mit ihren facet­tier­ten Ecken gibt dem Lux­sin X9 ein moder­nes Aus­se­hen, ohne zu auf­dring­lich zu wirken.

Das 4‑Zoll-Farb-Touch­screen (TFT-LCD) ist das visu­el­le High­light. Die vir­tu­el­len VU-Meter sehen täu­schend echt aus, voll­stän­dig ani­miert mit Schat­ten und Beleuch­tung. Du kannst zwi­schen 14 ver­schie­de­nen gra­fi­schen Vari­an­ten wäh­len (Black VU, Clas­sic VU, Neon usw.). Die Les­bar­keit ist auch aus seit­li­chen Blick­win­keln her­vor­ra­gend, die Hel­lig­keit ist einstellbar.

Die Bedien­ele­men­te (Front)

  • Mini­ma­lis­ti­sches Design – nur Laut­stär­ke-Dreh­reg­ler (rechts) und Power-Taste.

Der Laut­stär­ke-Reg­ler bie­tet ein sehr befrie­di­gen­des, geras­ter­tes Feed­back mit gut hör­ba­ren Relais-Klicks – nicht zu straff, nicht zu leicht­gän­gig. Die Hap­tik ist klar im Pre­mi­um-Seg­ment ange­sie­delt. Das Dis­play zeigt bei Laut­stär­ke-Ände­run­gen eine „R2R“-Dezibel-Anzeige an.

Wär­me­ent­wick­lung:
Im Idle-Betrieb lie­gen an der Ober­sei­te rund 30 °C an – warm genug, dass man im Win­ter ger­ne mal die Hand dar­über streicht, aber nie unan­ge­nehm heiß. Es gibt kei­nen akti­ven Lüf­ter; die Küh­lung erfolgt pas­siv über das Gehäuse.

Bedienung & Features

Da es sich in ers­ter Linie um einen Desk­top-DAC han­delt, erfolgt die pri­mä­re Bedie­nung über das Touch­screen. Natür­lich lässt sich der Lux­sin X9 auch bequem mit der Fern­be­die­nung oder über die App steu­ern, wobei in der App nicht alle Optio­nen ver­füg­bar sind.

HP-EQ (Kopfhörer-Spezifische Profile) – DAS UNIQUE FEATURE

Das ist das Kil­ler-Fea­ture des Lux­sin X9. Lux­sin hat eine Daten­bank mit rund 2.500 Kopf­hö­rer-Pro­fi­len vor­in­stal­liert. Wenn du dei­nen Kopf­hö­rer anschließt, tippst du sei­nen Namen ins Menü, wählst eines oder meh­re­re EQ-Pro­fi­le, und der Lux­sin X9 passt den Fre­quenz­gang auto­ma­tisch an – per DSP. Das funk­tio­niert ähn­lich wie EQ-Ansät­ze auf Basis gemes­se­ner Kopf­hö­rer­pro­fi­le, wie man sie von Roon oder Har­man-Tar­get-Cur­ves kennt. Die Idee dahin­ter: Jeder Kopf­hö­rer bringt cha­rak­te­ris­ti­sche Ver­fär­bun­gen mit. Der Fosi i5 ist dir zu zurück­hal­tend in den Höhen? Die EQ gleicht das aus. Der Ver­um 2 ist zu hell? Wird kor­ri­giert. Dein Kopf­hö­rer pro­fi­tiert merk­lich von die­ser Anpas­sung – nicht sub­til, son­dern klar hörbar.

Im Ergeb­nis wirkt HPEQ wie ein feh­len­des Bin­de­glied im Head‑Fi‑Setup: Auf Basis rea­ler Mess­da­ten biegt der Lux­sin X9 den Fre­quenz­gang vie­ler Model­le in Rich­tung einer aus­ge­wo­ge­ne­ren Ziel­kur­ve, sodass bekann­te Kopf­hö­rer plötz­lich wie „fer­tig abge­stimm­te“ Hörer klin­gen – ohne Mess­mi­kro­fon, REW oder stun­den­lan­ge EQ‑Bastelei. Ich konn­te fast alle Kopf­hö­rer hier im Haus in der Daten­bank fin­den. Ledig­lich der Senn­hei­ser HD550 fehlt. Scha­de – wahr­schein­lich hät­te ihn die­ses Fea­ture noch eine Klas­se nach oben befördert.

Crossfeed (Digital)

Es gibt drei ver­schie­de­ne Cross­feed-Level. Die Funk­ti­on arbei­tet sehr über­zeu­gend: Sie imi­tiert eine laut­spre­cher­ähn­li­che Räum­lich­keit und redu­ziert die typi­sche „In-Head-Loca­liza­ti­on“, also das Gefühl, dass alles „im Kopf klebt“. Ide­al für lan­ge Lis­tening-Ses­si­ons mit weni­ger Kopf­hö­rer-Ermü­dung. Wich­tig: Es klingt nicht hohl oder künst­lich wie man­che schlech­ten ana­lo­gen Crossfeed-Implementierungen.

Weitere DSP-Features

  • Ste­reo-Wei­te/­Sound­s­ta­ge-Adjus­t­ment (Depth & Width einstellbar)
  • Musik­stil-Pre­sets (vor­kon­fi­gu­rier­te DSP-Kurven)
  • 3‑Band-EQ (Bass/Mitten/Höhen)
  • Sub­woo­fer-Wei­che (Cross­over-Fre­quenz einstellbar)
  • PMEQ (Para­me­tric Equa­liza­ti­on) über das Web-Panel fein konfigurierbar

Allgemeiner Klangcharakter & Bühne 

Im Grund­cha­rak­ter spielt der Lux­sin X9 neu­tral mit einem leich­ten Schuss Wär­me: Der Bass ist schnell, tro­cken und kon­trol­liert, geht tief hin­un­ter, ohne in den Mit­tel­ton zu blu­ten, Stim­men ste­hen sau­ber und natür­lich im Raum, und der Hoch­ton bringt Glanz und Luft, ohne scharf oder ner­vös zu wer­den. Der Hin­ter­grund bleibt dabei „pitch‑black“ – selbst bei nied­ri­gen Pegeln hörst du prak­tisch kein Rau­schen, was in Kom­bi­na­ti­on mit der R2R‑Lautstärkeregelung gera­de Lei­se­hör­er glück­lich macht.

Die Büh­ne ist stan­dard­mä­ßig eher mitt­le­re Grö­ße mit leicht fron­ta­ler Prä­sen­ta­ti­on, dafür sehr klar geschich­tet: Vocals und Leads ste­hen greif­bar vor­ne, Rhythmus‑Sektion und Effek­te staf­feln sich sau­ber dahin­ter. Akti­vierst du Cross­feed und die Soundstage‑Erweiterung, lässt sich die­ses Bild erstaun­lich weit auf­zie­hen, ohne ins Künst­li­che abzu­drif­ten – du bekommst mehr Brei­te und Luft um Instru­men­te, ohne dass es nach bil­li­gem Hall‑Effekt klingt oder ein­fach nur der Hoch­ton ange­ho­ben wird. Gera­de bei län­ge­ren Ses­si­ons macht das Hör­ermü­dung spür­bar gerin­ger, weil die typi­sche „im Kopf fest­geta­cker­te“ Büh­ne einem eher laut­spre­cher­ähn­li­chen Raum­ge­fühl weicht.

Span­nend wird es, wenn der X9 sei­ne DSP‑Tricks aus­spielt. HPEQ fühlt sich in der Pra­xis an, als wür­den dei­ne Kopf­hö­rer ein Firmware‑Update für ihren Klang bekom­men: Auf Basis rea­ler Mess­da­ten von rund 2.500 Model­len wer­den Peaks geglät­tet, Bass­lö­cher auf­ge­füllt und die Gesamt­to­na­li­tät näher an eine sau­be­re Ziel­kur­ve her­an­ge­zo­gen. Beson­ders Kopf­hö­rer mit „berühm­ten“ Eigen­hei­ten – etwas zu hel­ler Ober­ton, Badewannen‑Tuning, dün­ner Bass – pro­fi­tie­ren mas­siv, weil der X9 ihre Stär­ken betont und die Schwä­chen beschnei­det, ohne den Grund­cha­rak­ter kom­plett zu erschla­gen. Unterm Strich wirkt HPEQ wie das feh­len­de Bin­de­glied im Head‑Fi‑Setup: Statt den nächs­ten Hörer zu kau­fen, hebst du mit einem Klick den vor­han­de­nen eine Klas­se nach oben.

Leis­tungs­mä­ßig hat der Lux­sin X9 nicht nur für dei­nen Ver­um 2 oder Fosi i5 genü­gend Reser­ven, son­dern auch für gro­ße Pla­na­re – Berich­te mit HIFIMAN‑Kalibern zei­gen, dass selbst bei hohen Pegeln kein Ein­druck von Kom­pres­si­on oder Weich­zeich­nung ent­steht. Gleich­zei­tig bleibt er mit sinn­voll gewähl­ter Gain‑Stufe auch an emp­find­li­chen IEMs sehr lei­se im Rausch­tep­pich, was in die­ser Leis­tungs­klas­se alles ande­re als selbst­ver­ständ­lich ist. Dass die Impedance‑Detection den Gain pas­send vor­sor­tiert, macht die gan­ze Power im All­tag gut beherrsch­bar, statt dir nur theo­re­ti­sche Watt­zah­len auf dem Papier zu liefern.

Rich­tig char­mant ist der Lux­sin X9 dann als Schreibtisch‑Zentrale im 2.1‑ oder 2.2‑Betrieb: Über die bei­den Sub‑Ausgänge und die ein­stell­ba­re Subwoofer‑Weiche las­sen sich Aktiv­mo­ni­to­re und ein oder zwei Subs sau­ber ankop­peln – etwas, das man bei Desktop‑DAC/Amps die­ser Art fast nie sieht. Damit kannst du tags­über mit Kopf­hö­rer und HPEQ arbei­ten und abends mit einem Klick auf Laut­spre­cher + Sub umschal­ten, ohne die Klang­si­gna­tur kom­plett zu ver­lie­ren: straf­fe Bäs­se, auf­ge­räum­ter Mit­ten­be­reich, kon­trol­lier­te Höhen – nur eben mit mehr Luft­be­we­gung im Magen­be­reich. Für Metal, Spie­le und Fil­me ist das eine Kom­bi­na­ti­on, die schnell süch­tig macht, weil sie Studio‑Kontrolle und Spaß­fak­tor ziem­lich ele­gant unter einen Hut bringt.

Höreindruck

Was für ein Tech­nik-Brett. Für einen DAC gibt es hier erstaun­lich viel zu ent­de­cken – und genau das lädt zum Spie­len und Aus­pro­bie­ren ein. Gera­de die Kom­bi­na­ti­on aus kräf­ti­gem Kopf­hö­rer­ver­stär­ker, DSP-Spiel­wie­se und Subwoofer‑Integration erin­nert ein wenig an den Bur­son Con­duc­tor GT4: Der Sub­woo­fer will plötz­lich auch mit euren Kopf­hö­rern mit­spie­len – ein ziem­lich irres Erlebnis.

Natür­lich durf­te auch mei­ne Metal‑Referenz‑Playlist nicht feh­len. Dazu kamen You­Tube, Fil­me, Seri­en, Spie­le – ein­mal das gan­ze All­tags­pa­ket. Der Lux­sin X9 hat in der Test­zeit dau­er­haft auf mei­nem Schreib­tisch gestan­den und wur­de an guten Tagen locker 10 Stun­den am Stück genutzt. Bei knapp 300 Stun­den Spiel­zeit kennt man die Kis­te lang­sam ziem­lich gut.

Im All­tag bleibt der Lux­sin X9 dem beschrie­be­nen Grund­cha­rak­ter treu: neu­tral bis leicht warm, straf­fer, kon­trol­lier­ter Bass, sau­be­rer Mit­tel­ton und eine kla­re, luf­ti­ge, aber nicht ner­vi­ge Höhen­wie­der­ga­be. Der Hin­ter­grund bleibt „pitch‑black“, nichts rauscht, nichts zischelt – selbst bei nied­ri­gen Pegeln wirkt alles kon­trol­liert und auf­ge­räumt. Erst wenn man DSP, HPEQ und Cross­feed dazu­schal­tet, merkt man, wie viel Poten­ti­al da noch oben drauf kommt.

Luxsin X9 X Verum 2

Der Ver­um 2 ist ein groß­ar­ti­ger Kopf­hö­rer, gebaut von einem zuge­ge­ben etwas kon­tro­ver­sen Her­stel­ler. Wie so oft bei mir han­delt es sich um einen offe­nen Pla­nar – hier mit den optio­na­len „ven­ti­la­ted Ear­pads“, um etwas mehr Tief­bass her­aus­zu­kit­zeln. Am Lux­sin X9 ange­stöp­selt und das pas­sen­de Pro­fil im HPEQ akti­viert, pas­siert genau das, was man sich ins­ge­heim wünscht: Aus einem sehr guten Kopf­hö­rer wird ein affen­gei­ler Kopfhörer.

HPEQ bügel­te beim Ver­um 2 die typi­schen Eigen­hei­ten glatt: Der Bass gewinnt an Fun­da­ment, ohne auf­zu­quel­len, die Mit­ten rücken etwas sor­tier­ter ins Zen­trum und die Höhen ver­lie­ren ein Stück Schär­fe, behal­ten aber Luft und Detail. Ver­steht es nicht falsch – der Ver­um 2 ist auch „pur“ ein tol­ler Hörer –, aber es fühlt sich an, als bekä­me er ein kos­ten­lo­ses Tuning‑Upgrade. Mehr Linea­ri­tät, weni­ger Ner­vigkeit, stim­mi­ge­re Tona­li­tät. So soll­te die­ser Kopf­hö­rer eigent­lich ab Werk klingen.

Luxsin X9 X Fosi Audio i5

Der Fosi Audio i5 ist so ein biss­chen der Geheim­tipp 2025: für den Preis ein erstaun­lich erwach­se­ner Klang, der eini­ge eta­blier­te Her­stel­ler sicht­bar ner­vös gemacht hat. Klar, der Start war holp­rig, Fosi hat aber schnell nach­ge­bes­sert und die Kin­der­krank­hei­ten über­ar­bei­tet. Am Lux­sin X9 knüpft der i5 genau da an – nur eben eine Stu­fe höher.

Mit akti­vier­tem HPEQ bekommt der i5 das, was ihm vie­le attes­tie­ren: ein sehr stim­mi­ges, „gro­ßes“ Klang­bild für klei­nes Geld, aber mit weni­ger Ecken und Kan­ten. Der Bass wirkt kon­trol­lier­ter und defi­nier­ter, Stim­men rücken natür­li­cher in den Vor­der­grund, und der Hoch­ton ver­liert Här­te, ohne lang­wei­lig zu wer­den. Unterm Strich hebt der Lux­sin X9 den Fosi Audio i5 in eine ande­re Liga – nicht, weil er ihn ver­biegt, son­dern weil er sei­ne Stär­ken betont und die Schwä­chen wegschneidet.

Einordnung & mögliche Kritikpunkte

Im Ver­gleich zu typi­schen Mess‑Boliden à la Top­ping DX9 oder ähn­li­chen Designs spielt der Lux­sin X9 etwas wär­mer und ent­spann­ter, punk­tet dafür mit deut­lich mehr Fea­tures und Fle­xi­bi­li­tät. Für Besit­zer eines Ever­so­lo DMPA8 ist er weni­ger span­nend, weil sich DAC‑Teil und vie­le Funk­tio­nen über­schnei­den – span­nend wird er vor allem als dedi­zier­ter Head‑Fi‑Hub mit HPEQ und Sub‑Integration.

Klei­ne Schat­ten­sei­ten gibt es auch: Einen Ethernet‑Port sucht man ver­geb­lich, alles läuft über WLAN oder USB. Die Relais‑Klicks der R2R‑Lautstärkeregelung sind gewollt und hap­tisch toll, in sehr lei­sen Umge­bun­gen aber hör­bar – Geschmacks­sa­che. Und wer statt leicht wär­mer, „musi­ka­li­scher“ Abstim­mung lie­ber maxi­mal ana­ly­ti­sche, knall­har­te Neu­tra­li­tät mit mess­fo­kus­sier­tem Mini­ma­lis­mus sucht, wird bei Top­ping & Co. wahr­schein­lich glücklicher.

Fazit

Der Lux­sin X9 ist für mich so ein Gerät, das man anfangs wegen der Optik und der Tech­nik-Gim­micks span­nend fin­det – und am Ende wegen der All­tags­taug­lich­keit und des Klang­tu­nings behält. Er ist kein puris­ti­scher „Nur-DAC“, son­dern ein voll­wer­ti­ges Head‑Fi‑Control‑Center: kräf­ti­ger Kopf­hö­rer­ver­stär­ker, sehr guter DAC, fle­xi­ble Vor­stu­fe mit Sub‑Ausgängen und dazu eine DSP-Werk­zeug­kis­te, die dei­nen vor­han­de­nen Kopf­hö­rern im bes­ten Fall ein Klang‑Firmware‑Update verpasst.

Wer maxi­ma­le Ana­ly­tik, kli­ni­sche Neu­tra­li­tät und „Mess­wer­te first, Fea­tures egal“ sucht, fin­det bei Bur­son (Con­duc­tor GT4), Top­ping & Co. wahr­schein­lich die span­nen­de­re Lösung. Der Lux­sin X9 zielt eher auf Hörer, die eine sau­be­re, leicht war­me, kon­trol­lier­te Abstim­mung mögen und Lust haben, mit HPEQ, Cross­feed, Parametric‑EQ und 2.1/2.2‑Setup aktiv zu gestal­ten. In die­ser Rol­le macht er ver­dammt viel rich­tig: genug Power für gro­ße Pla­na­re, pech­schwar­zer Hin­ter­grund, sehr gute Ver­ar­bei­tung, star­kes Dis­play, und eine EQ‑/Profil‑Sektion, die aus „guten“ Hörern sehr oft „sehr gute“ Hörer macht.

Per­fekt ist er nicht: kein LAN-Port, vie­le Funk­tio­nen hän­gen am Firmware‑Status, die Relais‑Klicks der R2R‑Lautstärke muss man mögen und der Grund­sound im Bypass wirkt etwas „zu brav“. Aber unterm Strich ist der Lux­sin X9 aktu­ell einer der span­nends­ten All‑in‑One‑DAC/Amps für den Schreib­tisch – vor allem, wenn du mehr willst als nur „Signal rein, Signal raus“ und dein Head‑Fi‑Setup wirk­lich als Spiel­wie­se und Werk­zeug gleich­zei­tig begreifst.

Klang / Bildqualität
9
Leis­tung & Kon­trol­le / Dyna­mik & Reserven
9.1
Ver­ar­bei­tung & Design
9.3
Aus­stat­tung & Praxisnutzen
9.2
Mess­wer­te & tech­ni­sche Umsetzung
9.1
Preis/Leistung
9.1
Pros
Sehr guter, neu­tral bis leicht war­mer Klang mit „pech­schwar­zem“ Hin­ter­grund, hoher Detail­auf­lö­sung und stress­frei­em Langzeithören.
Extrem leis­tungs­star­ker Kopf­hö­rer­ver­stär­ker, der auch gro­ße Pla­na­re sou­ve­rän antreibt, trotz­dem sehr lei­se mit emp­find­li­chen IEMs (pas­sen­de Gain-Stu­fe vorausgesetzt).
HPEQ mit rund 2.500 Pro­fi­len als ech­tes Kil­ler-Fea­ture: hebt vie­le Kopf­hö­rer ton­alt eine Klas­se nach oben, ohne deren Cha­rak­ter totzubügeln.
Umfas­sen­de DSP-Aus­stat­tung: Cross­feed, Soundstage‑Weite, 3‑Band‑EQ, PMEQ, Sub‑Weiche – alles direkt im Gerät nutzbar.
Star­ke Anschluss­viel­falt inklu­si­ve HDMI ARC, Dual‑Sub‑Outs für 2.1/2.2‑Setups, sym­me­tri­schen Aus­gän­gen und meh­re­ren USB‑Optionen.
Hoch­wer­ti­ge Ver­ar­bei­tung, mas­si­ves Alu­mi­ni­um­ge­häu­se, sehr gutes 4″-Touchdisplay und wer­ti­ge Bedienelemente.
App + Web‑Interface mit visua­li­sier­tem EQ und ein­fa­cher Kon­fi­gu­ra­ti­on, regel­mä­ßi­ge Firmware‑Updates mit neu­en Funktionen.
Cons
R2R‑­Re­lais-Laut­stär­ke erzeugt hör­ba­re Klicks beim Regeln; hap­tisch cool, aber in sehr lei­sen Umge­bun­gen Geschmackssache.
Grund­tu­ning im Bypass eher „brav“/referenzartig; wer maxi­ma­len Punch und ultra‑analytischen Sound will, fin­det das bei man­chen Kon­kur­ren­ten eher.
Firm­ware und UX noch in Bewe­gung: klei­ne Bedienlogik‑Unebenheiten, eini­ge Funk­tio­nen nur am Gerät ver­füg­bar, App nicht komplett.
HP‑EQ-Daten­bank ist zwar groß, aber nicht voll­stän­dig – ein­zel­ne neuere/Exoten‑Hörer feh­len (noch).
9.1
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