Luxsin X8 - Frontansicht mit VU-Meter

Luxsin X8DAC/Amp mit KI-EQ zum halben X9-Preis

Lux­sin ist ein jun­ges Label aus dem Hau­se der Zidoo-Grup­pe, zu der auch Ever­so­lo gehört. Gegrün­det mit dem erklär­ten Ziel, im High-End-Kopf­hö­rer­be­reich Fuß zu fas­sen, hat die Mar­ke mit dem X9 einen soli­den ers­ten Ein­druck hin­ter­las­sen. Jetzt kommt der Lux­sin X8 — ein All-in-One-DAC/Amp, der preis­lich deut­lich zugäng­li­cher ange­setzt ist, dabei aber tech­nisch in eini­gen Punk­ten sogar zulegt. Das Inter­es­san­tes­te dar­an: erst­mals ver­baut ein Desk­top-DAC/Amp einen KI-gestütz­ten para­me­tri­schen EQ. Kein Mar­ke­ting­be­griff, son­dern tat­säch­lich funk­tio­nie­rend — zumin­dest laut allem, was bis zum Launch bekannt war.

Was Luxsin damit vorhat

Der X8 ist kein abge­speck­ter X9. Lux­sin posi­tio­niert die bei­den Gerä­te expli­zit neben­ein­an­der, nicht über­ein­an­der. Wäh­rend der X9 auf maxi­ma­le Hard­ware-Aus­stat­tung und Sys­tem­in­te­gra­ti­on setzt — mit AKM-Flag­ship-Chip, Fem­to­se­kun­den-Takt­ge­ber, R2R-Laut­stär­ke­re­ge­lung und Anschlüs­sen wie HDMI ARC oder Sub­woo­fer-Out — geht der X8 einen ande­ren Weg: mehr Soft­ware, mehr DSP, mehr Tuning-Optio­nen. Wer viel mit Kopf­hö­rern hört und die Klang­si­gna­tur sei­nes Hörers aktiv for­men will, ist hier bes­ser auf­ge­ho­ben als beim X9. Wer eine fle­xi­ble Vor­stu­fe für ein grö­ße­res Sys­tem braucht, greift zum X9.

Die Ziel­grup­pe des Lux­sin X8 ist damit klar: Desk­top-Hörer mit einer oder meh­re­ren Kopf­hö­rern, Inter­es­se an head­pho­ne­spe­zi­fi­scher Klang­kor­rek­tur und viel­leicht einer gesun­den Neu­gier gegen­über dem, was KI in die­ser Kate­go­rie tat­säch­lich leis­ten kann.

Technik: Acht CS43198 und ein eigener DSP

Der DAC-Part des Lux­sin X8 basiert auf acht Cir­rus-Logic-CS43198-Chips — vier pro Kanal, in ech­ter Dual-Mono-Par­al­lel­ar­chi­tek­tur. Jeder Chip sitzt auf einem eige­nen abge­schirm­ten Trä­ger­board, ther­misch und elek­trisch vom Rest getrennt. Auf­lö­sung: PCM 768 kHz / 32 Bit und DSD512 nativ. Der SNR liegt laut Her­stel­ler bei über 123 dB.

Die CS43198-Chips kennt man aus einer Rei­he von deut­lich güns­ti­ge­ren Gerä­ten — ein ein­zel­ner Chip steckt in vie­len DAC-Don­gles unter 100 Euro. Acht davon par­al­lel­ge­schal­tet ist aller­dings eine ande­re Haus­num­mer. Die par­al­le­le Ver­schal­tung drückt Rausch­fuß­punkt und Klirr, wäh­rend die Dual-Mono-Tren­nung Kanal­tren­nung und Abbil­dungs­prä­zi­si­on ver­bes­sert. Das ist kei­ne neue Idee, aber hier kon­se­quent umgesetzt.

Ver­stärkt wird mit OPA1612-Opamps und TPA6120A2-Hoch­strom­trei­bern. Balan­ced lie­fert der Lux­sin X8 laut Her­stel­ler 4.840 mW pro Kanal an 16 Ohm, THD+N unter 1 Pro­zent. Das ist nomi­nell mehr als beim X9. Aus­gangs­wi­der­stand: 1 Ohm. Die Impe­dan­zer­ken­nung läuft über alle drei Kopf­hö­rer­aus­gän­ge — XLR4, 4,4 mm und 6,35 mm — auto­ma­tisch und soll voll­stän­dig gal­va­nisch vom Signal­pfad getrennt sein. Was den Strom angeht: kein Schalt­netz­teil für das Audio-Front­end. Ein 25-VA-Tra­fo ver­sorgt Ana­log- und Digi­tal­sek­ti­on, weit­ge­hend line­ar gefil­tert und gere­gelt. Für den Stand­by gibt es ein klei­nes SMPSU. Soli­de Grundlage.

Das Herz­stück der Digi­tal­ver­ar­bei­tung ist der haus­ei­ge­ne “Digi­tal Audio Core” — ein Dual-Core-DSP auf Basis der Cadence-Ten­si­li­ca-HiFi-5-Archi­tek­tur, kom­bi­niert mit einem ARM-Pro­zes­sor, über 500 MHz Takt und eige­nem SRAM. Lux­sin hat die­ses Modul intern ent­wi­ckelt; es läuft der gesam­te EQ- und AI-Stack darauf.

Das Alleinstellungsmerkmal: KI-gestützter PEQ

Der Lux­sin X8 bringt als ers­tes Gerät über­haupt einen KI-assis­tier­ten para­me­tri­schen EQ mit. Bedie­nung: Text­ein­ga­be oder Sprach­ein­ga­be über die App — “etwas weni­ger Hoch­ton­schär­fe bei mei­nen HiFi­MAN” reicht als Befehl. Das Sys­tem zieht Infor­ma­tio­nen über bekann­te Kopf­hö­rer-Mes­sun­gen und Nut­zer­feed­back aus einer Cloud-Daten­bank und gene­riert dar­aus PEQ-Parameter.

Das klingt nach Mar­ke­ting-Gedöns, scheint laut allem was zum Launch bekannt war aber tat­säch­lich zu funk­tio­nie­ren. Die KI beschränkt sich dabei auf den Fre­quenz­gang — Dyna­mik, Sta­ging oder ähn­li­ches kann sie nicht beein­flus­sen. Das ist eine sinn­vol­le Ein­schrän­kung: mehr wäre ver­mut­lich Hokuspokus.

Dane­ben ist auch das HP-EQ-Sys­tem des X9 an Bord — Lux­sins pro­prie­tä­re head­pho­ne­spe­zi­fi­sche Klang­kor­rek­tur, die den Fre­quenz­gang eines Kopf­hö­rers auf eine Ziel­kur­ve wie die Har­man-Kur­ve oder ande­re Pre­sets angleicht. Die Daten­bank umfasst laut Her­stel­ler über 2.500 Kopf­hö­rer­mo­del­le, mit OTA-Updates. Was HP-EQ genau macht, wel­che Ziel­kur­ven es gibt und wie man Cross­feed sinn­voll ein­setzt, haben wir in unse­rem Arti­kel: Lux­sin X9 HPEQ erklärt: Tar­get Cur­ves, Cross­feed & Tipps für Kopf­hö­rer aus­führ­lich auf­ge­drö­selt — wer tie­fer ein­stei­gen will, fin­det dort die Grundlagen.

Zusätz­lich: Cross­feed, 10-Band-PEQ mit manu­el­ler Bear­bei­tung, Out­put-spe­zi­fi­sche Pro­fi­le — jeder Kopf­hö­rer­aus­gang merkt sich eige­ne Laut­stär­ke, EQ-Kur­ve und DSP-Ein­stel­lun­gen. Das ist ein net­tes Detail für Leu­te, die meh­re­re Kopf­hö­rer am glei­chen Gerät betreiben.

Bedie­nung: 4‑Zoll-Touch­screen mit 960×480 Pixeln, um 15 Grad geneigt — glei­che Design­spra­che wie beim X9. Dazu App (iOS/Android), Web-Inter­face, optio­na­le Fern­be­die­nung. Blue­tooth 5.1 via Qual­comm SXW5125 mit LDAC, aptX HD, aptX LL, AAC und SBC. UAC2-Kom­pa­ti­bi­li­tät: trei­ber­frei unter Win­dows und macOS, ASIO-Trei­ber optional.

Ein­gang: USB‑B, USB‑C, Koaxi­al, Optisch, IIS (bis zu acht kon­fi­gu­rier­ba­re Vari­an­ten), Blue­tooth. Aus­gang: XLR balan­ced und RCA für Line-Level, die drei Kopf­hö­rer­buch­sen vor­ne. Einen ana­lo­gen Line-Ein­gang gibt es nicht.

Einordnung: Was kostet die Konkurrenz

699 Euro ist für ein voll­wer­ti­ges Desk­top-DAC/Amp-Kom­bo kein Schnäpp­chen, aber auch kein Preis­trei­ber. Zum Ver­gleich: Der FiiO K17 liegt ähn­lich auf, bie­tet eben­falls DSP-Fea­tures und eine brei­te Anschluss­aus­stat­tung, aber kei­ne KI-gestütz­te EQ-Funk­tio­na­li­tät. Der Top­ping DX9 spielt preis­lich etwas dar­un­ter, ohne ver­gleich­ba­re DSP-Tie­fe. Wer zum eige­nen X9 (1.099 Euro) schaut — und das haben wir im Lux­sin X9 Test getan — der zahlt 400 Euro Auf­preis für AKM-Flagg­schiff-DAC, Fem­to-Clock, R2R-Laut­stär­ke­re­ge­lung und deut­lich mehr phy­si­sche Anschlüs­se. Dafür ent­fällt der KI-EQ, zumin­dest zum Launch.

Der Lux­sin X8 macht damit in der Klas­se zwi­schen 600 und 800 Euro ein gut struk­tu­rier­tes Ange­bot: ordent­li­che Hard­ware, außer­ge­wöhn­li­che DSP-Tie­fe, und ein Fea­ture, das es so noch nicht gab. Ob das in der Pra­xis tat­säch­lich so funk­tio­niert wie beschrie­ben, bleibt abzuwarten.

Preis & Verfügbarkeit

Der Lux­sin X8 ist seit Anfang Febru­ar 2026 erhält­lich. UVP: 699 Euro inkl. MwSt. Far­be: Schwarz matt. Ein optio­nal erhält­li­ches Sicht­fens­ter-Top­co­ver soll laut Her­stel­ler für einen spä­te­ren Zeit­punkt nach dem Launch ver­füg­bar werden.

Fazit

Der Lux­sin X8 ist ein inter­es­san­tes Stück Hard­ware — vor allem wegen des KI-EQ, der als Kon­zept in die­ser Kate­go­rie neu ist. Ob er in der Pra­xis so rei­bungs­los funk­tio­niert wie auf der Pro­dukt­sei­te beschrie­ben, ist eine ande­re Fra­ge. Was klar ist: tech­nisch ist das Ding gut aus­ge­stat­tet, die DSP-Tie­fe über­trifft die meis­ten Mit­be­wer­ber in die­ser Preis­klas­se, und die acht par­al­le­len CS43198 sind mehr als ein Marketing-Chip-Count.

Die span­nen­de­re Fra­ge für Leser, die den X9 ken­nen: Ist der Lux­sin X8 wirk­lich das zugäng­li­che­re Gerät, oder kauft man sich mit dem güns­ti­ge­ren Preis eine ande­re Klang­phi­lo­so­phie ein? Zum Launch spricht eini­ges dafür, dass die bei­den Gerä­te tat­säch­lich ver­schie­de­ne Nut­zer­ty­pen anspre­chen — und das ist unge­wöhn­lich genug, um posi­tiv aufzufallen.

Wer eher die tech­nisch mög­lichst trans­pa­ren­te Hard­ware-Vari­an­te sucht, fin­det in unse­rem Lux­sin X9 Test die aus­führ­li­che Ein­ord­nung des grö­ße­ren Bruders.

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