Fosi Audio S3 Preview
Fosi Audio S3 Preview

Fosi Audio S3 Preview: Starke Hardware, halbfertige Software – eine ehrliche Einschätzung

Alle fei­ern den neu­en Fosi Audio S3. Zwei Tage getes­tet, Video raus, Hype. Ich steh hier und frag mich: Hat irgend­je­mand das Ding mal wirk­lich benutzt? Ich hab’s getan – über Wochen, im Dau­er­be­trieb, an drei ver­schie­de­nen Set­ups. Und ich sag euch in die­sem Pre­view, was die ande­ren euch nicht sagen.

War­um kein voll­stän­di­ges Review? Weil ich mir mit mei­nen Test­ge­rä­ten nor­ma­ler­wei­se rich­tig viel Zeit neh­me. Die Gerä­te lau­fen bei mir den gan­zen Tag, über Wochen, im ech­ten All­tag – nicht nur für einen Nach­mit­tag. Und weil die Soft­ware schlicht noch nicht fer­tig ist, wäre ein abschlie­ßen­des Urteil jetzt schlicht nicht seri­ös. Ich will euch aber trotz­dem mit­neh­men: was der S3 schon kann, wo er Pro­ble­me hat und war­um es sich lohnt, die­ses Gerät im Auge zu behalten.

Dis­clai­mer: Ich habe den Fosi Audio S3 vom Her­stel­ler kos­ten­los zur Ver­fü­gung gestellt bekom­men. Fosi Audio oder irgend­je­mand sonst nimmt kei­nen Ein­fluss auf mein Pre­view. Als unab­hän­gi­ger Blog sind wir an kei­ne geschäft­li­chen Bezie­hun­gen gebun­den, die unse­re Mei­nung ver­fäl­schen könnten.

Was ist der Fosi Audio S3?

Der Fosi Audio S3 ist Fosis ers­ter Strea­mer – und schon das ist eine klei­ne Ansa­ge. Die Mar­ke kennt ihr viel­leicht eher von ihren kom­pak­ten, güns­ti­gen Ver­stär­kern; der Fosi Audio i5 ist nicht ohne Grund Teil mei­ner Refe­renz­ket­te. Jetzt wagen sie sich in eine kom­plett ande­re Pro­dukt­ka­te­go­rie, und das sieht man dem Gerät auch an: ande­rer Form­fak­tor, etwas grö­ßer als das typi­sche Fosi-Kist­chen, und ein hel­le­res Grau statt dem ver­trau­ten Dunkelgrau.

Preis­lich bewegt sich der S3 bei einem UVP von 329€ und im Netz bei ~ 279. Und genau die­ser Preis macht die Sache interessant.

Der Sweet Spot – und warum er wirklich einer ist

Man­che ord­nen den Fosi Audio S3 als direk­ten Kon­kur­ren­ten zum WiiM Pro Plus ein. Das stimmt, aber es greift zu kurz. Der WiiM Pro Plus hat weder HDMI-eARC, noch einen sym­me­tri­schen XLR-Aus­gang, oder einen dedi­zier­ten Sub­woo­fer-Out. Der S3 hat das alles – und das für unter 300 Euro. Der nächs­te WiiM, der mit­hal­ten kann, ist der Ultra, der bei rund 400 Euro liegt und dafür ein klei­nes Dis­play spen­diert bekommt. Auf das kann ich ehr­lich gesagt ver­zich­ten. Die Ever­so­lo-Model­le spie­len preis­lich noch eine Eta­ge drü­ber. Wer also für 270 bis 300 Euro einen Strea­mer sucht, der mehr mit­bringt als das Übli­che, soll­te genau hinschauen.

Anschlüsse: Mehr als erwartet

Auf der Rück­sei­te des Fosi Audio S3 fin­det sich eine für den Preis bemer­kens­wert voll­stän­di­ge Aus­stat­tung: XLR-Aus­gang (sym­me­trisch) und RCA (asym­me­trisch), ein Line-In per Cinch für CD-Play­er oder Plat­ten­spie­ler, ein Sub­woo­fer-Aus­gang, HDMI mit eARC, Tos­link und Blue­tooth. Was fehlt, ist ein Koaxi­al‑S/P­DIF-Aus­gang – der kann prin­zip­be­dingt mehr über­tra­gen als Tos­link, und bei einem Gerät auf die­sem Aus­stat­tungs­ni­veau wäre er ein logi­sches Puz­zle­teil gewe­sen. Scha­de, aber kein Dealbreaker.

HDMI eARC: Das Killerfeature für unter 300 Euro

Das The­ma ver­dient einen eige­nen Absatz, weil es für mich wirk­lich der Grund ist, war­um der Fosi Audio S3 in sei­nem Preis­seg­ment her­aus­sticht. HDMI eARC bedeu­tet, dass ihr den Strea­mer direkt in euren Fern­se­her hängt, den Ton des Fern­se­hers durch­schleift und gleich­zei­tig euer Strea­ming-Audio dar­über aus­gebt – alles über ein ein­zi­ges Kabel. Für Ein­stei­ger, die guten Klang wol­len ohne kom­pli­zier­te Mul­ti-Gerä­te-Ket­ten, ist das ein erheb­li­cher Komfortgewinn.

Der Klang über eARC macht dabei einen sau­be­ren Job: ordent­li­che Ste­reo­wie­der­ga­be, ver­nünf­ti­ge Rechts-Links-Ortung, nichts, wor­über man sich beschwe­ren müss­te. Wer aller­dings auf Dol­by-Deko­die­rung hofft: Fosi hat nach aktu­el­lem Stand kei­ne ent­spre­chen­de Lizenz, was bedeu­tet, dass ihr über eARC vor­aus­sicht­lich nur PCM bekommt. Das ist für die meis­ten Anwen­dungs­fäl­le völ­lig aus­rei­chend – man soll­te es aber wis­sen. Was defi­ni­tiv nicht aus­reicht: Die App zeigt euch aktu­ell weder For­mat noch Bit­ra­te noch Sam­ple­ra­te an, egal ob ihr über HDMI hört oder streamt. Das ist ein Basis-Fea­ture, das bei jedem Strea­mer in die­ser Klas­se selbst­ver­ständ­lich sein sollte.

Erster Klangeindruck: Gut – aber mit Einschränkungen

Vor­weg: Das hier sind ers­te Ein­drü­cke unter rea­len Bedin­gun­gen, kein abschlie­ßen­des Klan­gur­teil. Ich habe den S3 an drei Set­ups betrie­ben – am Bur­son Soloist Stel­lar Max über Kopf­hö­rer, sowohl an den Bur­son Time­kee­per GT4 Max als auch an den Nil­ai-500-Mono­blö­cken, jeweils in Kom­bi­na­ti­on mit den Are­nd­al 1723 Towern und dem SVS SB-5000.

Das Ergeb­nis: Der DAC im Fosi Audio S3 spielt soli­de, detail­liert und unan­ge­strengt. Wer die Bur­son-Ket­te kennt, weiß, was da klang­lich pas­siert – und der S3 fügt sich ordent­lich ein. Einen Tick mehr Fein­zeich­nung wäre schön, aber für das Geld bewegt er sich auf einem abso­lut respek­ta­blen Niveau.

Die Ein­schrän­kung liegt nicht am Klang selbst, son­dern dar­an, was man damit nicht tun kann. Wer Raum­pro­ble­me hat – und die hat fast jeder – braucht einen ver­nünf­ti­gen EQ. Fünf Bän­der sind bes­ser als kei­ner, aber in 2026 ist das schlicht zu wenig, um eine Hör­um­ge­bung ernst­haft zu kor­ri­gie­ren. An den Nil­ai-Mono­blö­cken, die deut­lich neu­tra­ler und tro­cke­ner spie­len als die Bur­son-Gerä­te (Test folgt), hät­te ein ordent­li­cher para­me­tri­scher EQ einen ech­ten Unter­schied gemacht. Den gibt es aktu­ell nicht. Das merkt man.

Hin­zu kommt: Ich konn­te wäh­rend des Tests aus­schließ­lich über Spo­ti­fy hören, weil Qobuz noch nicht unter­stützt wird. Für ein abschlie­ßen­des Klan­gur­teil brau­che ich Qobuz – HiRes-Strea­ming ist für mich kein Nice-to-have, son­dern Standard.

Hardware-Probleme: Ehrlichkeit ist hier Pflicht

Zwei Din­ge, die ich bei kei­nem ande­ren Gerät in mei­ner Ket­te hat­te und die ich direkt anspre­chen muss.

Ers­tens: ein kon­stan­tes, lei­ses Rau­schen auf dem lin­ken Kanal. Es ska­liert nicht mit der Laut­stär­ke, und als ich die Kanä­le getauscht habe, ist das Rau­schen mit­ge­wan­dert – es liegt also klar am Gerät, nicht an Kabeln oder Laut­spre­chern. Mein Ver­dacht geht in Rich­tung eines defek­ten Op-Amps oder Buf­fers. Ob das ein Seri­en­pro­blem ist oder ein Ein­zel­fall, kann ich noch nicht beur­tei­len. Ich sage es trotz­dem, weil ihr das wis­sen solltet.

Zwei­tens: gele­gent­li­che Knack­ge­räu­sche beim Quell­wech­sel – sowohl beim Lied­wech­sel als auch im HDMI-Betrieb. Das kann­te ich bis­her von kei­nem ande­ren Gerät in der Ket­te. Ob das Ursa­che in der Soft­ware oder der Hard­ware hat, lässt sich noch nicht end­gül­tig sagen. Fosi muss das fixen.

Und dann gibt es noch das CEC-Pro­blem, das so ein typi­sches All­tags­ding ist, das man nur merkt, wenn man ein Gerät wirk­lich benutzt. Ich hat­te abends fern­ge­se­hen, den TV aus­ge­macht, der S3 ist brav per CEC mit­ge­gan­gen. Dann, spä­ter, woll­te ich noch Musik hören und habe Spo­ti­fy gestar­tet – wor­auf­hin zunächst der Fern­se­her wie­der anging, bevor der S3 auf die Strea­ming-Quel­le umschal­te­te. Was pas­siert: Der Strea­mer boo­tet im HDMI-Modus, gibt ein CEC-Weck­si­gnal ans Dis­play, und merkt erst danach, dass er eigent­lich Spo­ti­fy spie­len soll. Klingt klein, nervt im All­tag enorm. Und es ist genau der Grund, war­um ich Test­ge­rä­te nicht zwei Tage auf den Schreib­tisch stel­le und dann ein Video mache.

Die Software: Der eigentliche Knackpunkt

Ich sage es direkt: Die App ist dünn. Wirk­lich dünn – und das ist das zen­tra­le Pro­blem des Fosi Audio S3 in sei­nem aktu­el­len Zustand.

Fünf EQ-Bän­der sind ein Anfang, aber kein Werk­zeug. Wer sei­nen Raum wirk­lich ein­mes­sen will, braucht min­des­tens zehn Bän­der, bes­ser einen voll­wer­ti­gen para­me­tri­schen EQ. Eine Auto-EQ-Funk­ti­on, bei der man ein­fach das Han­dy nimmt und den Raum ein­misst? Hat WiiM. Hat Ever­so­lo. Fehlt hier kom­plett. Der Sub­woo­fer-Aus­gang ist phy­sisch vor­han­den, aber ein ein­stell­ba­rer Cross­over ist in der App nicht zu fin­den – was bedeu­tet, dass ihr euren Sub zwar anschlie­ßen könnt, aber ohne defi­nier­te Trenn­fre­quenz arbei­tet. Das mag für man­che Set­ups prag­ma­tisch funk­tio­nie­ren, für eine ernst­haf­te Ein­bin­dung in eine Stereo‑2.1‑Kette reicht es nicht. Getrenn­te Aus­gangs­pro­fi­le für XLR und RCA? Feh­len. Sepa­ra­te Ein­gangs­pro­fi­le? Feh­len. Und in der App sind Platz­hal­ter für Funk­tio­nen sicht­bar, die noch gar nicht exis­tie­ren – dar­un­ter Dis­play-Ein­stel­lun­gen für ein Dis­play, das der S3 gar nicht hat. Das wirkt unfer­tig, weil es unfer­tig ist.

Beim Strea­ming-Ange­bot sieht es ähn­lich aus: Spo­ti­fy, Tidal Con­nect, Air­Play 2, Goog­le Cast, Roon und Spo­ti­fy Con­nect sind mit an Bord. Qobuz fehlt – und für mich per­sön­lich ist das kein Schön­heits­feh­ler, son­dern ein ech­ter Show­stop­per für ein abschlie­ßen­des Urteil. Kein Inter­net­ra­dio, kei­ne dienst­über­grei­fen­den Play­lists. In sei­nem aktu­el­len Zustand ist der Fosi Audio S3 eher ein viel­ver­spre­chen­des Trans­port­mo­dul als ein voll­wer­ti­ger Streamer.

Roadmap: Fosi hört zu – aber die Liste ist lang

Beim Schrei­ben die­ses Fosi Audio S3 Pre­view hat Fosi auf Insta­gram eine ers­te öffent­li­che Road­map ver­öf­fent­licht. Für April ist Qobuz Con­nect ange­kün­digt sowie eine Erwei­te­rung des EQ auf zehn Bän­der, für Mai ein kom­plett über­ar­bei­te­tes UI mit anpass­ba­rem Home­screen. Das ist gut. Es zeigt, dass Fosi zuhört und aktiv entwickelt.

Aber es reicht noch nicht. Cross­over für den Sub­woo­fer-Aus­gang steht nicht auf der Road­map. Auto-EQ steht nicht drauf. Para­me­tri­scher EQ steht nicht drauf. Signal­an­zei­ge steht nicht drauf. Aus­gangs­pro­fi­le ste­hen nicht drauf. Was Fosi lie­fert, ist ein ers­ter Schritt – aber die Distanz zum Ziel ist noch beträcht­lich. Das war­nen­de Bei­spiel kennt ihr: Sonos. Ver­spre­chen allein bau­en kein Ver­trau­en. WiiM hat mit öffent­li­chen Chan­ge­logs und einer leben­di­gen Com­mu­ni­ty vor­ge­macht, wie das rich­tig geht. Das ist der Stan­dard, an dem sich Fosi mes­sen las­sen muss.

Das eigentliche Thema: Ökosystem schlägt Chips

Ich kom­me immer wie­der auf den­sel­ben Punkt zurück, weil er der ent­schei­den­de ist. In Reviews und Kom­men­ta­ren dreht sich alles um DAC-Chips. Die­ser Chip, jener Chip. Wisst ihr was? Ich hab hier einen Fosi-Kopf­hö­rer­ver­stär­ker ste­hen, der hat einen her­vor­ra­gen­den DAC ein­ge­baut. War­um soll ich über­all DAC-Chips horten?

Es geht ums Öko­sys­tem. WiiM kommt aus dem Netz­werk­play­er-Bereich – die konn­ten von Tag eins Soft­ware. Ever­so­lo genau­so. Fosi ist bis­her eine Hard­ware-Fir­ma mit star­ker Engi­nee­ring-DNA, aber Soft­ware­ent­wick­lung ist ein ande­res Hand­werk. Es braucht Kon­zep­ti­on, Ent­wick­lung, Test­ing, Pfle­ge, Com­mu­ni­ty-Manage­ment. Das baut man nicht in einem Quar­tal auf.

Was ich gehört habe: Es soll noch eine S3 Light-Vari­an­te geben sowie eine Max- oder Ultra-Ver­si­on. Für den Light könn­te ich mir einen rei­nen Netz­werk­trans­port ohne eige­nen DAC vor­stel­len – und das wäre tat­säch­lich eine Markt­lü­cke in die­sem Preis­seg­ment. Im High-End läuft der Trend zu dedi­zier­ten Trans­por­ten gera­de heiß, Ever­so­lo hat das vor­ge­macht. War­um nicht auch im Ein­stei­ger- bis Mittelklassebereich?

Der grö­ße­re Gedan­ke dahin­ter: Wenn Fosi ein ernst­haf­tes Mul­ti­room-Kon­zept auf­baut und dazu einen eige­nen akti­ven Laut­spre­cher bringt – sagen wir im Bereich 150 bis 200 Euro –, dann könn­te dar­aus etwas wirk­lich Inter­es­san­tes ent­ste­hen. So wie Sonos, aber im Fosi-Preis­be­reich, mit offe­nem Öko­sys­tem und dem Fea­ture-Set, das man 2026 erwar­ten darf. WiiM hat Spea­k­er im Ange­bot, aber 350 Euro das Stück bedeu­tet 700 Euro für Ste­reo – da bekommt man einen WiiM Amp Ultra mit guten Regal­bo­xen und ist deut­lich fle­xi­bler auf­ge­stellt. Wenn Fosi das Öko­sys­tem-Den­ken wirk­lich ver­in­ner­licht und kon­se­quent umsetzt: Das wäre eine Ansage.

Fosi Audio S3 Preview – Fazit

Der Fosi Audio S3 ist für sei­nen Preis hard­ware-tech­nisch wirk­lich stark auf­ge­stellt. Sym­me­tri­scher XLR-Aus­gang, HDMI mit eARC, Sub­woo­fer-Out, Line-In, Blue­tooth – das ist eine Kom­bi­na­ti­on, die unter 300 Euro ihres­glei­chen sucht. Der ers­te Klang­ein­druck ist soli­de, das Poten­zi­al ist spürbar.

Aber der Fosi Audio S3 ist noch nicht fer­tig. Die Soft­ware ist das, was zwi­schen einem span­nen­den Gerät und einem emp­feh­lens­wer­ten Strea­mer steht – und da ist noch eine erheb­li­che Stre­cke zu gehen. Hin­zu kom­men die Hard­ware-Beob­ach­tun­gen, die ich gemacht habe und an Fosi wei­ter gegeben.

Wer heu­te einen Strea­mer kau­fen will, der aus der Box her­aus alles kann, ist bei WiiM oder Ever­so­lo bes­ser bedient. Wer aber bereit ist, mit­zu­wach­sen, und wer das Hard­ware-Paket für die­sen Preis span­nend fin­det – der soll­te den S3 im Auge behal­ten. Ich wer­de den Fosi Audio S3 wei­ter im Dau­er­be­trieb las­sen und nach die­sem Pre­view ein voll­stän­di­ges Review nach­lie­fern, sobald die Soft­ware einen Stand erreicht hat, der ein fai­res Urteil erlaubt.

Die gro­ße Fra­ge bleibt: Wie viel Geduld gibt man einem jun­gen Unter­neh­men, das in einer neu­en Kate­go­rie Fuß fasst? Ich bin gespannt. Und ihr hof­fent­lich auch.

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner