Aiyima HYFIOO DM100 - Frontansicht

Aiyima HYFIOO DM100: Android-Streamer mit offenem Ökosystem für knapp 500 Euro

Der Aiy­ima HYFIOO DM100 ist der ers­te Netz­werk­strea­mer aus dem Hau­se Aiy­ima — genau­er gesagt eine Kol­la­bo­ra­ti­on mit der Sub-Mar­ke HYFIOO — und der kommt mit einem kla­ren Kon­zept: Android 14, offe­nes App-Öko­sys­tem, kein DAC ver­baut, kein Amp. Ein­fach sau­ber strea­men und an den eige­nen DAC durch­rei­chen. Für ca. 530 US-Dol­lar, also grob 490 Euro direkt beim Hersteller.

Das Konzept: Transport first, kein Schweizer Taschenmesser

Aiy­ima ist seit Jah­ren bekannt für preis­güns­ti­ge Ver­stär­ker, DACs und Zube­hör aus Chi­na — die A07-Ampli­fier­rei­he hat sich in der Bud­get-HiFi-Sze­ne ordent­lich einen Namen gemacht. Mit dem Aiy­ima HYFIOO DM100 wagen sie sich in ein neu­es Seg­ment: dedi­zier­te Strea­ming-Trans­por­te. Das Teil hat kei­nen eige­nen DAC, kei­ne End­stu­fe, kei­ne Raum­kor­rek­tur. Wer so etwas sucht, ist hier falsch.

Wer aber einen sau­be­ren digi­ta­len Aus­gang für den eige­nen DAC will — ob über Koaxi­al, Tos­link, HDMI, oder USB — und dabei nicht auf Spo­ti­fy, Apple Music, Tidal, NAS und Blue­tooth ver­zich­ten will, dem hat Aiy­ima eini­ges anzubieten.

Hardware und Specs: Was drinsteckt

Das Gehäu­se des Aiy­ima HYFIOO DM100 ist Alu­mi­ni­um, 230 × 150 × 80 mm, knapp 1,5 kg. Klein genug um es irgend­wo ins Rack zu schie­ben, ohne dass es stört.

Das Herz­stück ist Android 14, tief ange­passt, mit 8 GB DDR4 und 64 GB eMMC-Spei­cher. Das klingt erst mal nach Midran­ge-Smart­phone von 2022 — aber für einen Strea­mer ist das mehr als aus­rei­chend. Die Navi­ga­ti­on läuft über ein 5,5‑Zoll-Touchdisplay mit HDR-Unter­stüt­zung, das sich zwi­schen Hoch- und Quer­for­mat umschal­ten lässt. Dazu gibt’s eine Fern­be­die­nung, falls man das Teil wei­ter weg stellt.

Kon­nek­ti­vi­tät: WiFi 6 (Dual-Band, 2,4 und 5 GHz, bis 1000 Mbps) und Blue­tooth 5.4. Als Blue­tooth-Emp­fän­ger wer­den SBC, AAC, aptX, aptX HD, aptX AD und LDAC unter­stützt — bis 96 kHz. Als Sen­der: SBC, aptX, aptX HD, aptX AD und LC3 mit 24bit/48kHz. Das ist für die­sen Preis­be­reich ein voll­stän­di­ges Codec-Set.

Aus­gän­ge: Koaxi­al, Tos­link, HDMI (bis 24bit/192kHz), zwei USB-A-Ports und ein USB‑C. Strea­ming-Pro­to­kol­le: DLNA, Air­Play und NAS. For­ma­te: DSD, FLAC, WAV, AIFF, ALAC, APE, DXD, MQA, CUE-Track­ing — das übli­che Vollprogramm.

Ein M.2‑SSD-Slot (bis 4 TB) ist eben­falls an Bord. Wer sei­ne loka­le Biblio­thek nicht auf einem NAS hat, kann den Aiy­ima HYFIOO DM100 also auch als selbst­stän­di­gen Musik­ser­ver betrei­ben. Praktisch.

Das Alleinstellungsmerkmal: Offenes Android, kein App-Jail

Was den Aiy­ima HYFIOO DM100 aus der Mas­se der chi­ne­si­schen Bud­get-Strea­mer her­aus­hebt, ist das bewusst offe­ne Soft­ware­kon­zept. Aiy­ima erlaubt die Instal­la­ti­on belie­bi­ger Dritt­an­bie­ter-Apps — und das ist tat­säch­lich ein Unter­schied zu man­chen Kon­kur­ren­ten, die ihre Strea­ming-Platt­for­men absicht­lich einschränken.

Wich­tig dabei: Das Gerät läuft ohne Goog­le Mobi­le Ser­vices (GMS). Apps, die GMS vor­aus­set­zen, funk­tio­nie­ren nicht. Das ist der bekann­te Trade­off bei Android-Gerä­ten aus Chi­na ohne Goog­le-Lizenz. In der Pra­xis bedeu­tet das: Spo­ti­fy, Tidal und Apple Music wer­den als nati­ve Imple­men­tie­run­gen mit­ge­lie­fert oder las­sen sich als APK laden — aber der Goog­le Play Store ist nicht vor­han­den. Wer mit APK-Sidel­oa­ding klar­kommt, wird damit kein Pro­blem haben. Wer das nicht will, soll­te das vor­ab einplanen.

Der Bypass der Sam­ple Rate Con­ver­si­on (SRC) ist laut Her­stel­ler imple­men­tiert — also kein erzwun­ge­nes Resam­pling durch den Android-Audio­mi­xer. Das ist die Vor­aus­set­zung für ech­te Bit-per­fek­te Aus­ga­be über USB, was wie­der­um die Grund­la­ge für ordent­li­ches DSD-Strea­ming ist. In der Pra­xis kommt es aber auf die jewei­li­ge App und deren Imple­men­tie­rung an. Das lässt sich nur mit dem kon­kre­ten Set­up testen.

Einordnung: Wo steht der Aiyima HYFIOO DM100?

Der rele­van­te Ver­gleichs­rah­men: WiiM Ultra (ca. 330 Euro), Ever­so­lo DMP-A6 (ca. 550 Euro) und der Blue­sound Node (ca. 600 Euro).

Der WiiM Ultra ist güns­ti­ger, hat aber kein offe­nes Android-Sys­tem und kei­nen M.2‑Slot. Der Ever­so­lo DMP-A6 kommt mit eige­nem DAC, kos­tet ähn­lich viel, und ist für Leu­te gedacht, die kein sepa­ra­tes DAC-Set­up haben — kon­zep­tio­nell also ein ande­rer Ansatz. Der Blue­sound Node über­zeugt vor allem durch Blu­OS und sei­ne aus­ge­reif­te Mul­ti­room-Inte­gra­ti­on, bie­tet aber kei­ne offe­ne App-Plattform.

Der Aiy­ima HYFIOO DM100 posi­tio­niert sich als puris­ti­scher Trans­port mit maxi­ma­ler Soft­ware-Offen­heit. Wer ein gutes DAC-Set­up hat und trotz­dem Strea­ming-Kom­fort von Apple Music bis NAS will, ohne an ein pro­prie­tä­res Öko­sys­tem gebun­den zu sein, fin­det hier einen ernst­zu­neh­men­den Kandidaten.

Dass das Teil als Aiy­imas ers­ter Strea­mer noch kei­ne lan­ge Erpro­bungs­zeit hin­ter sich hat, ist ein legi­ti­mer Vor­be­halt. Firm­ware-Updates wer­den ent­schei­den, wie lang­le­big die Platt­form wirk­lich ist. Ers­te Nut­zer berich­ten von soli­dem Betrieb — aber auch von Klei­nig­kei­ten wie DSD256-Aus­set­zern oder dem Apple-Music-Cross­fa­de-Pro­blem, das übri­gens ein­fach zu lösen ist: Cross­fa­de in der App deak­ti­vie­ren. Kein Dra­ma, aber auch kein Selbstläufer.

Preis und Verfügbarkeit

Der Aiy­ima HYFIOO DM100 ist direkt über den Aiy­ima-Web­shop erhält­lich zum Preis von 530 US-Dol­lar, inklu­si­ve EU-Ste­cker. Das ent­spricht zum Zeit­punkt der Vor­stel­lung grob 490 Euro — zuzüg­lich even­tu­el­ler Import­kos­ten je nach Ver­sand­weg. Ein EU-Händ­ler­netz besteht zum Launch noch nicht.

Fazit: Konzept stimmt, Software entscheidet

Der Aiy­ima HYFIOO DM100 macht genau das, was ein rei­ner Trans­port machen soll: digi­ta­le Quel­len sau­ber durch­rei­chen, offen blei­ben für alles was man drauf­pa­cken will, und dabei nicht über­mä­ßig viel kos­ten. Das offe­ne Android-14-Sys­tem mit M.2‑Erweiterung ist in die­sem Preis­seg­ment sel­ten. Die feh­len­den GMS sind ein Kom­pro­miss, kein Dealb­rea­k­er — solan­ge man weiß, wor­auf man sich einlässt.

Ob der DM100 lang­fris­tig hält, was das Spec-Sheet ver­spricht, hängt stark an der Soft­ware-Pfle­ge. Genau das rich­ti­ge Gerät für muti­ge Ear­ly Adop­ter — oder für alle ande­ren in ein paar Firmware-Updates.

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