Head-Fi - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de Audio & Heimkino. Ernst genommen. Mon, 05 Oct 2026 12:23:11 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 https://www.hifigeek.de/media/cropped-hifigeek.de-512-32x32.png Head-Fi - HiFi, Heimkino, Kopfhörer & Head-Fi für Audiophile | HiFiGeek https://www.hifigeek.de 32 32 60029611 Hifiman Sundara im Test: Der Planar für 179 €, der eigentlich keiner sein dürfte https://www.hifigeek.de/hifiman-sundara-test/ https://www.hifigeek.de/hifiman-sundara-test/#respond Mon, 05 Oct 2026 12:23:09 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=12886 Ich hab den Hifiman Sundara aufgesetzt, den ersten Metal-Track gestartet und war erst mal ein bisschen weggeblasen. Nicht, weil der Kopfhörer ein Bassmonster wäre – ist er nicht, dazu kommen wir gleich –, sondern weil er für 179 € über die Ladentheke geht. Für das Geld bekommt man heute einen offenen Planar mit klaren Höhen, bequemem Sitz und einem Klang, der einfach Spaß macht. Gut zwei Wochen lang lief er bei mir täglich rund acht Stunden, dazu kamen die direkten Gegenhör-Sessions mit Verum 2, Hendeka und LCD‑X. Wo er an Grenzen stößt, schauen wir uns in diesem Review an.

Disclaimer: Der Hifiman Sundara wurde mir von Hifiman kostenlos für diesen Test zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung und die Ergebnisse hat das keinen Einfluss.

Hifiman

Hifiman ist mittlerweile so etwas wie der Volkswagen unter den Planar-Herstellern. Nicht weil sie bieder wären, sondern weil sie es geschafft haben, eine Technologie, die früher exklusiv im Vierstelligen zu Hause war, in fast jede Preisklasse runterzubrechen. Seit Ende der 2000er baut die Firma Planar-Magnetic-Kopfhörer, und mit der HE-Serie, dem Ananda oder dem Arya hat sie sich als einer der Platzhirsche im Head-Fi-Segment etabliert. Dazu kommt, dass Hifiman neue Technik wie die Stealth-Magnet-Bauweise und immer dünnere Diaphragmen konsequent auch in günstigere Modelle durchreicht, statt sie den Flaggschiffen vorzubehalten.

Der Hifiman Sundara ist dabei ein Dauerbrenner im Portfolio: 2018 gestartet, 2020 mit überarbeiteten Ohrpolstern leise aufgefrischt und mit einem UVP von 419 €, den in der Praxis kaum noch jemand zahlt. Im Handel steht er aktuell bei rund 179 €, und genau da beginnt die interessante Frage dieses Reviews: Was bekommt man für unter 200 € an echtem Planar-Sound?

Hifiman Sundara: Unboxing und Lieferumfang

Der Lieferumfang ist erfrischend … reduziert, um es freundlich auszudrücken. Karton auf, Kopfhörer raus, ein Kabel mit 3,5‑mm-auf‑6,35-mm-Adapter in der Hand, dazu ein simpler Kopfhörerständer. Kein Pouch, kein zweites Kabel, keine Dokumentation, die der Rede wert wäre. Auf der Rückseite des Kartons steht zwar „Packaged with headphone stand”, aber der „Ständer” ist zugleich der Schaumstoff, der den Kopfhörer beim Transport schützt. Unter dem Schaumstoff sitzt eine Acrylplatte als Gewicht. Das ist nichts Besonderes, aber ganz billig wirkt es auch nicht, und für den ein oder anderen am Schreibtisch dürfte es locker reichen. Für 179 € muss man den Lieferumfang nicht überbewerten, aber ehrlich: Selbst Kopfhörer, die deutlich günstiger sind, packen inzwischen oft ein Case oder wenigstens ein zweites Kabel mit dazu. Hier merkt man, wo Hifiman den Rotstift angesetzt hat, um den Kampfpreis zu ermöglichen. Das ist in Ordnung, solange man weiß, worauf man sich einlässt.

Das Originalkabel des Hifiman Sundara ist bei mir übrigens direkt in der Ecke gelandet: steif, störrisch und für den XLR-Betrieb am Phonitor ohnehin nicht zu gebrauchen. Stattdessen läuft der Hifiman Sundara an meinem GUCraftsman Kopfhörerkabel, das übrigens mehr kostet als der Kopfhörer selbst. Aber das ist eine andere Geschichte.

Design, Verarbeitung und Anschlüsse des Hifiman Sundara

Optisch bleibt der Hifiman Sundara bei dem, was Hifiman schon länger als Hausrezept fährt: runde, offene Ohrmuscheln mit Gitterstruktur, ein mattes Schwarz und ein reduziertes, technisches Erscheinungsbild ohne viel Chichi. Die Gehäuse sind laut Hersteller aus Aluminium gefertigt. Angeschlossen wird über zwei 3,5‑mm-Buchsen an den Ohrmuscheln. Das ist kein Steckerchaos, aber eben auch kein Standardanschluss, den man mit jedem x‑beliebigen Kabel ersetzt.

Die Verstellung ist denkbar simpel: Statt eines Verstellmechanismus am Kopfband ziehst du die Bügel heraus, und sie rasten sauber ein. Das Kopfband arbeitet nach dem Hängematten-Prinzip, es sitzt auf einem Metallrahmen und ist ledrig, nach Herstellerangaben aus Kunstleder. Anders als bei manchen anderen Modellen ist es nicht perforiert. Schwitzig wurde es bei mir am Kopf trotzdem nicht, bei Hitze oder sehr langen Sessions kann ein gelochtes Band aber angenehmer sein. Die Ohrmuscheln lassen sich nicht gezielt drehen, sie bewegen sich nur in dem Rahmen, den die Halterung hergibt. Ein echtes Swivel gibt es nicht.

Mit seinen rund 342 g (Herstellerangabe) ist er angenehm leicht und sitzt entsprechend gut, auch über längere Sessions. Die Ohrmuscheln sind großzügig dimensioniert, was mir persönlich entgegenkommt, weil ich mit meinen Ohrtunneln jedes bisschen Platz an der Muschel zu schätzen weiß. Der Anpressdruck ist dabei spürbar auf der höheren Seite. Kein Schädelbrummen, aber präsent, gerade wenn eine Cap mit drunter sitzt.

Die Ohrpolster sind ein Hybrid: außen lederartig (laut Beschreibungen Kunstleder), zur Ohrseite hin poröser Stoff. Rein optisch wirken sie etwas dünn und unspektakulär, der Tragekomfort täuscht aber darüber hinweg: gut bis sehr gut. Die Belüftung ist okay, wenn auch nicht auf dem Niveau eines reinen Mesh-Bezugs. Falls dir die Originale nicht zusagen, gibt es Ersatz von Hifiman selbst (Velour) und von Drittanbietern wie Dekoni.

Ein Hinweis, der bei einem offenen Kopfhörer immer gilt: Der Schall geht nach außen, und Umgebungsgeräusche kommen rein. Fürs Großraumbüro oder neben schlafenden Mitbewohnern ist der Hifiman Sundara nichts.

Tech-Specs

SpezifikationWert
BauartOffener Planar-Magnet, Over-Ear
DiaphragmaNEO Supernano Diaphragm (laut Hersteller ca. 80 % dünner als bei der HE400-Serie)
Impedanz32 Ω
Sensitivity92 dB
Frequenzgang6 Hz – 75 kHz (Herstellerangabe)
Gewichtca. 342 g
Kabel (im Lieferumfang)ca. 1,5 m, 3,5 mm mit 6,35-mm-Adapter, abnehmbar
ZubehörSchlichter Kopfhörerständer (Schaumstoff mit Acrylplatte als Gewicht)
Preisrund 179 € im Handel, UVP 419 €

Auf dem Papier ist der Sundara ein einfach anzutreibender Kopfhörer. In der Praxis will er trotzdem Strom sehen, dazu gleich mehr.

Klang des Hifiman Sundara

Testequipment: Burson Soloist Stellar Max (Ausgang: Headphone, Gain: High, Stellar-Max-Test als Video) und Burson Conductor GT4 Deluxe, außerdem Fosi Audio ZH3 und Fosi Audio DS3. Quelle: Eversolo DMP-A6, Kabel: GUCraftsman Kopfhörerkabel

Allgemeiner Klangcharakter

Der Bass macht unter etwa 40 Hz relativ zügig zu, aber das, was er anbietet, ist sauber, trocken und kontrolliert. Kein Basswunder, keine Fundament-Orgie, aber auch keine Gummi-Bude, die alles zumatscht. Der Sundara lügt hier nicht, er untertreibt eher. Die Höhen dagegen sind definitiv da und angenehm klar, ohne ins Nervige zu kippen. In Summe eine ziemlich angenehme Akustik, und wenn man sich vor Augen hält, dass dieser Kopfhörer für 179 € über die Ladentheke geht, fängt man an, ein bisschen breiter zu grinsen.

Ein Wort noch zum Antrieb: Der Hifiman Sundara will gefüttert werden, und er dankt es auch. Am Burson Soloist Stellar Max, Ausgang auf Headphone und Gain auf High, brauche ich für eine gute Abhörlautstärke Position 39 von 100. Am Fosi Audio DS3, einem rund 100 € günstigen USB-Dongle mit 220 mW an 32 Ω, lief der Hifiman Sundara zwar, aber da fehlt ihm ein bisschen Glanz und der letzte Punch. Mehr Power macht den Sundara gleich zum besseren Hörer. Am Fosi Audio ZH3 (rund 200 €) war er dagegen in der Tat gut. Der ZH3 liefert laut Hersteller bis zu 2.570 mW pro Kanal an 32 Ω (balanced), das ist mehr als das Zehnfache des DS3, und der Abstand zu den großen Amps ist hier deutlich kleiner als beim Dongle. Am Conductor GT4 Deluxe ändert sich am Charakter nichts, das ist schließlich ein High-End-Gerät, und der Hifiman Sundara macht dort dasselbe wie an den anderen Setups.

Musikbeispiele

Brand of Sacrifice – Between Death and Dreams

Hier zeigt sich früh, wo die Grenze liegt: Sonderlich viel Bass-Druck bekommt man nicht, dafür bildet der Hifiman Sundara den kompletten Klangteppich sauber ab. Die Bassdrops kommen einigermaßen rüber, aber der Punch, der einem bei dem Track in die Magengrube fahren sollte, bleibt aus. Trotzdem bleibt der Gesamteindruck cool. Der Kopfhörer verweigert sich nicht, er drückt nur nicht so, wie man es von größeren Kalibern gewohnt ist.

Brand of Sacrifice – Purge

Hier zieht’s in die andere Richtung: Die Höhen sind wirklich klar, die Becken fein betont, ohne in den Ohren zu klirren. Wer wie ich ein Faible für sauber aufgelöste Becken hat, wird hier fündig. Gut abgestimmt, keine Schärfe, kein Gescheppere.

Zeal & Ardor – Death to the Holy

Auch hier fehlt der Bass-Druck ganz klar. Die Stimme dagegen ist richtig gut, ebenso die anderen Tonspuren im Mix, das Percussion-Klatschen und die tiefere Stimmlage, alles okay. Der Bass bleibt aber zu flach, der Punch fehlt schlicht.

Sleep Token – Granit

Die Bassline kommt eher zurückhaltend rüber. Ich kenne den Track mit deutlich mehr Druck und „Party”-Charakter im Bass, hier spielt der Hifiman Sundara zahmer. Trotzdem: Für das, was man von einem Kopfhörer dieser Preisklasse erwarten kann, funktioniert der Bass völlig okay.

Septicflesh – Anubis (Live)

Das Orchester im Hintergrund ist zwar vorhanden, aber die Streicher gehen für meinen Geschmack ziemlich unter. Hörbar, ja, aber zu zurückhaltend, fast so, als wäre der Track zusammengeschnitten statt organisch verwoben. Der Gesang kommt leicht genäselt rüber. Die Bühne ist breit, aber nicht wirklich tief, eher flach, dafür angenehm umhüllend. Das mitreißende Live-Gefühl, das dieser Track normalerweise hat, stellt sich beim Hifiman Sundara nicht ein.

Nirvana – Rape Me (In Utero)

Der dreckige, grungige Flair, den ich an dem Song liebe, kommt zwar rüber, aber die Auflösung fehlt klar. Normalerweise habe ich bei diesem Track das Gefühl, mit Kurt Cobain in der Garage zu sitzen, während die Band das Stück einspielt. Dieses intime Nahgefühl bringt der Hifiman Sundara nicht. Die Details, die diese Illusion tragen würden, bleiben auf der Strecke.

Einordnung

Der Hifiman Sundara ist für mich eher der Typ Genuss-Kopfhörer als analytisches Seziermesser. Er will mich nicht mit jedem Detail konfrontieren, sondern mich einfach in die Musik reinlassen. Wer entspannt abschalten und trotzdem ordentlichen, stimmigen Klang haben will, ist hier goldrichtig. Wer jedes Fitzelchen Detail aus einem Track holen und sich komplett in die Musik reinfühlen will, muss meiner Einschätzung nach woanders suchen.

Ein kleiner Praxistipp: Wer dem Bass noch etwas mehr Fundament geben will, kommt mit einem leichten EQ-Stups unterhalb von 40 Hz vermutlich ein ganzes Stück weiter, ohne dass der saubere, kontrollierte Charakter dabei verloren geht.

Wettbewerbseinordnung: Hifiman Sundara im Vergleich

Ein Kopfhörer für 179 € muss sich nicht mit der Oberliga messen, aber ein Maßstab im eigenen Haus schadet nie. Deshalb habe ich den Hifiman Sundara direkt gegen den Verum 2, die OMNE Audio Hendeka (Hendeka-Test als Video) und den Audeze LCD‑X laufen lassen. Das ist bewusst unfair, denn die drei kosten ein Vielfaches: der Verum 2 rund 500 $, die Hendeka rund 530 € (Direktimport) und der LCD‑X rund 1.200 €. Alle vier hingen über 4‑pol XLR balanced am SPL Phonitor xe (Phonitor-xe-Test als Video), Quelle war der Eversolo DMP-A6, den Hifiman Sundara habe ich dafür über das GUCraftsman-Kabel angeschlossen. Als Testtracks dienen zwei Songs, die jeden Kopfhörer fordern.

Sleep Token – Granite

Der Sundara macht hier, was er halt so macht. Der Bass ist trocken, die Räumlichkeit für den Preispunkt okay. Wenn der Track bei 2:39 losbricht, fehlt aber der Druck. Es fühlt sich an wie die halbe Version dessen, was in dem Song steckt. Dann der Verum 2: Sofort ist der Unterschied da. Der Bass brummt definiert vor sich hin, ohne aufzuquellen, und der Gesang landet fast physisch auf dem Ohr. Das leise Hi-Hat-Geticke in der Strophe, beim Sundara kaum hörbar, steht plötzlich klar im Raum.

Knocked Loose – Everything Is Quiet Now

Das Gewirr aus Gitarren, Drums und Noise zu Beginn wird beim Sundara etwas unkontrolliert, und Bryan Garris tritt zu weit zurück. Das Finger-Quietschen am Ende ist da, aber leise und weit weg. Der Verum 2 setzt Kick links und Becken rechts sauber verortet, und das Quietschen klingt wie live, mit Gänsehaut. Die Hendeka ist wärmer, mit mehr Bass-Wumms und zurückhaltenden Becken, ein Sessel-Kopfhörer. Der LCD‑X liefert den eindringlichsten Bryan Garris der Runde und ist ein Analyse-Werkzeug statt Bauchkitzler.

Der Hifiman Sundara ist in dieser Runde klar das Einstiegsmodell. Er macht weniger aus dem Material als die anderen drei, aber er macht es sauber und ohne zu nerven.

Für wen ist der Hifiman Sundara?

Der Hifiman Sundara passt, wenn du neu im Head-Fi-Hobby bist und wissen willst, wie Planar klingt, ohne gleich ein Vermögen auszugeben. Er passt auch, wenn du abends einfach abschalten und Musik hören willst, mit klaren Höhen und einem Klang, der nicht nervt. Dazu brauchst du einen ordentlichen Kopfhörerverstärker: Ein USB-Dongle wie der DS3 reicht zum Reinhören, ein Gerät in der Klasse des ZH3 holt spürbar mehr raus.

Der Hifiman Sundara passt nicht, wenn du Bass-Druck und Punch liebst, gerade bei Metal. Auch wer in die Musik eintauchen und jedes Detail herausholen will, ist mit größeren Kalibern besser bedient. Und wer neben anderen Menschen hört, sollte lieber nach einem geschlossenen Modell schauen.

Fazit zum Hifiman Sundara

Ich bin ehrlich: Ich bin ein bisschen weggeblasen, dass dieser Kopfhörer für rund 179 € über die Ladentheke geht. Der Hifiman Sundara ist kein Giantkiller. Gegen Verum 2, Hendeka und LCD‑X zieht er bei Druck, Auflösung und Bühne klar den Kürzeren. Aber das ist auch nicht sein Job. Sein Job ist es, Leuten, die gerade ins Hobby einsteigen, einen sauberen, klaren und bequemen Planar in die Hand zu drücken, der Spaß macht, ohne zu nerven. Das kann er.

Der Bass ist ehrlich, aber zahm, die Höhen sind klar, die Bühne umhüllt dich, ohne richtig in die Tiefe zu gehen. Wer einfach abschalten und Musik hören will, ist hier super aufgehoben. Wer in die Musik eintauchen und jedes Detail herausholen will, ist beim Hifiman Sundara nicht am Ziel. Mit einem EQ unterhalb von 40 Hz kommt er noch einmal aus der Versenkung. Nur beim Verstärker solltest du nicht sparen, der Hifiman Sundara will gefüttert werden.

In seiner Klasse, bei diesem Preis, ist der Hifiman Sundara schwer zu schlagen. Genau deshalb steht bei Preis/Leistung eine 9,6, auch wenn der Klang selbst absolut gemessen bei 8,2 landet.

Für mich der ehrlichste Einstieg in die Planar-Welt: Der Hifiman Sundara ist kein Endgegner, aber einer, der Lust auf mehr macht.

Häufige Fragen zum Hifiman Sundara

Welchen Verstärker braucht der Hifiman Sundara?

Auf dem Papier ist er mit 32 Ω und 92 dB einfach anzutreiben. In der Praxis brauchte ich am Burson Soloist Stellar Max bei Gain High Position 39 von 100 für eine gute Abhörlautstärke. An einem USB-Dongle wie dem Fosi Audio DS3 mit 220 mW fehlt Glanz und Punch, am Fosi Audio ZH3 mit bis zu 2.570 mW war er dagegen gut.

Ist der Hifiman Sundara offen oder geschlossen?

Der hier getestete Sundara ist offen. Daneben gibt es den Sundara Closed-Back, ein eigenes Modell mit geschlossener Rückseite, das laut Händlerbeschreibung Stealth Magnets nutzt und aktuell ab etwa 139 € zu haben ist. Den Closed-Back habe ich nicht gehört.

Ist der Hifiman Sundara für Metal geeignet?

Ja, wenn du klare Höhen und saubere Becken magst. Wer bei Metal Bass-Druck und Punch erwartet, wird hier nicht ganz glücklich, mit einem EQ unter 40 Hz lässt sich aber nachhelfen.

Wie viel kostet der Hifiman Sundara?

Im Handel liegt der Hifiman Sundara aktuell bei rund 179 €. Der UVP von Hifiman liegt bei 419 €.

]]>
https://www.hifigeek.de/hifiman-sundara-test/feed/ 0 12886
OMNE Audio Hendeka im Test: Boutique-Kopfhörer aus Malaysia will dich zum Mitwippen bringen https://www.hifigeek.de/omne-audio-hendeka-review/ https://www.hifigeek.de/omne-audio-hendeka-review/#respond Sun, 13 Sep 2026 13:00:00 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=12585 Es gibt Kopfhörer, die dich mit einer Tabelle voller Messwerte überzeugen wollen. Und es gibt Kopfhörer, die einfach nur wollen, dass du den Kopf bewegst, wenn dein Lieblingssong läuft. Der OMNE Audio Hendeka gehört klar zur zweiten Sorte – und kommt dabei von einer Marke aus Malaysia, die uns in dieser Form so noch nicht untergekommen ist.

Disclaimer: Der OMNE Audio Hendeka wurde mir von OMNE Audio kostenlos für diesen Test zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung und die Ergebnisse dieses Reviews hatte das keinerlei Einfluss.

Der Hendeka im Video

Wer’s lieber hört und sieht statt liest: Ich hab den OMNE Audio Hendeka auch fürs Video komplett durchgehört, direkt im A/B‑Vergleich mit Verum 2 und Audeze LCD‑X, inklusive der Diana-Krall-Session, die mich am meisten überrascht hat. Hier das komplette Video dazu:

Wer ist OMNE Audio?

OMNE Audio ist eine Kopfhörer-Marke aus Malaysia, gegründet von drei Freunden: Nabil Muhammad (Digital Marketing), Leong Deng Yong (kommt aus dem Audio-Einzelhandel) und Daniel (“D”). Malaysia ist als HiFi-Standort bislang nicht sonderlich präsent – uns ist zumindest bisher keine andere Kopfhörer-Marke von dort untergekommen, was das Ganze schon mal interessant macht. Keiner der drei hatte vorher Startup-Erfahrung, alle drei haben aber genug eigenes Geld in den Hobby-Rabbit-Hole Head-Fi versenkt, um zu wissen, wie sich ein wirklich guter Kopfhörer anfühlen muss. Selbstfinanziert, ohne Investoren, ohne Crowdfunding – einfach drei Leute, die nach Feierabend an ihrem eigenen Produkt gebaut haben.

Der Name ihres ersten und bisher einzigen Produkts, der OMNE Audio Hendeka, kommt aus dem Griechischen und bedeutet schlicht “Elf” – eine Referenz auf die elfeckige Geometrie der Ohrmuscheln, die nicht nur optisch auffällt, sondern auch akustisch eine Rolle spielt. Gelauncht wurde der Hendeka im Sommer 2025, zunächst nur in Malaysia über die Distributoren Stars Picker Audio und Respawn Gaming Tech, mittlerweile auch international über Reviews und Mundpropaganda bekannt geworden.

Der eigene Anspruch der Marke ist erfrischend unprätentiös: Kein Wettrüsten um die neutralste Frequenzkurve, sondern – in Nabils eigenen Worten – Kopfhörer, bei denen die Leute “bobbing heads” bekommen. Musik soll Spaß machen, nicht analysiert werden. Das ist explizit kein Understatement, sondern die erklärte Design-Philosophie. Auf der eigenen Produktseite bringt es OMNE Audio selbst auf den Punkt: Der OMNE Audio Hendeka soll genre-agnostisch funktionieren – vom Playlist-Dauerbrenner bis zur neuen Entdeckung, alles soll ins bestmögliche Licht gerückt werden, nicht seziert

OMNE Audio Hendeka: Unboxing & Lieferumfang

Wer den OMNE Audio Hendeka auspackt, bekommt sofort das Gefühl, ein deutlich teureres Produkt vor sich zu haben. Kein Blister, keine Pappschachtel mit reingestopftem Kopfhörer – sondern ein schwarzer Hardcase, ähnlich hochwertig wie man es sonst eher von Audeze-Kopfhörern wie der LCD‑X kennt. Darin liegen die beiden Ohrmuscheln jeweils einzeln in Samtbeuteln verpackt, dazu das Kabel und eine Seriennummer- bzw. Registrierkarte.

Lieferumfang:

  • OMNE Audio Hendeka (Kopfhörer)
  • Abnehmbares balanced Dual‑3,5‑mm-Kabel, 1,2 m, mit 4,4mm Pentacon
  • Hardcase (schwarz)
  • Seriennummer-/Registrierkarte, handnummeriert – teilweise offenbar von Nabil persönlich beschriftet

Für ein Debütprodukt einer Drei-Mann-Marke ist das eine Ansage. Man merkt: Hier wurde nicht am Erstkontakt gespart, selbst wenn das Kernprodukt preislich klar unter Referenzklasse-Niveau liegt.

Design & Verarbeitung

Die auffälligste Design-Entscheidung sitzt seitlich: eine echte Carbonplatte, rund 3 mm stark, die die offene Ohrmuschel abschließt. Stabil genug, dass sich von hinten nichts eindrücken lässt, gleichzeitig aber so schlank gehalten, dass kaum Material vor dem Treiber sitzt – ein Hinweis darauf, wie konsequent offen die OMNE Audio Hendeka wirklich gebaut ist.

Das Gehäuse selbst basiert, wie OMNE Audio bestätigt, auf einem 3D-gedruckten Resin-Chassis in Kombination mit der Carbon-Platte – entsprechend niedrig fällt auch das Gewicht aus (435 g laut Hersteller-Spec). Auf den ersten Blick wirkt das Gehäuse dadurch weniger “Industrieserien-poliert” als bei Großserien-Herstellern, aber genau das gehört zum Boutique-Charakter dazu; sichtbare Schraubköpfe inklusive.

Der Kopfbügel selbst ist eher schlicht gehalten: ein gepolsterter Bügel auf dem Niveau von Beyerdynamic oder den günstigeren Hifiman-Modellen, kein Hängematten-Suspension-System. Die Größenverstellung läuft über Metallpins mit Kerben-Rasterung, prinzipiell ähnlich zu Audeze LCD‑X – nur spürbar strammer einrastend, teils sogar per Schraube fixierbar, damit nichts verrutscht. Der OMNE Audio Hendeka fällt dabei sehr groß aus: Ohne Kappe komme ich fast mit der kleinsten Verstellstufe aus, was ungewöhnlich ist – bei den meisten anderen Kopfhörern brauche ich große bis mittelgroße Einstellungen. Ein Rastpunkt offener sitzt es dann aber optimal.

Angenehmes Detail am Kabelanschluss: Die 3,5‑mm-Buchsen an den Ohrmuscheln sind leicht nach vorne gebogen – nicht so starr wie beim LCD‑X. Reduziert Druck auf der Schulter beim Tragen um den Hals (z. B. mit Pulli), ein Detail, das man sonst eher von hochwertigeren Modellen kennt.

Tragekomfort

Die Ohrpolster sind samtbezogen und fühlen sich an der Oberfläche weich an, subjektiv leicht warm am Ohr – die Polsterung darunter ist mir persönlich aber auf Dauer etwas zu hart, dazu gleich mehr im Abschnitt zu den Langzeit-Beobachtungen. Der Anpressdruck ist angenehm dosiert, nicht zu fest. Die Ohrmuschelgröße ist großzügig: Selbst mit In-Ear-Stöpseln im Ohr passt das komplette Ohr rein. Wer größere Ohren hat, sollte das für sich checken, aber insgesamt geht die Passform gut auf.

Im Alltagstest – mehrere Wochen, 8 bis 10 Stunden täglich, Video, Musik, Mixing – gab es keine Probleme mit Hitzestau, trotz eigener Neigung zu schwitzigen Ohren, was angesichts der sehr offenen Bauweise auch nicht überrascht. Die Polsterhärte bleibt davon unabhängig ein Punkt, den ich weiter unten genauer einordne.

Technische Daten

SpezifikationWert
Treiber50 mm, dynamisch
BauformOffen, Over-Ear
Frequenzgang20 Hz – 20 kHz
Impedanz32 Ω
Empfindlichkeit98 dB/mW
Gewicht435 g
KabelDual 3,5 mm, 1,2 m, abnehmbar
Gehäuse3D-gedrucktes Resin-Chassis + Carbon-Platte
OhrpolsterSamt/Velours
Preis (Stand Test)RM 2.499 (~530 €) direkt bei OMNE Audio in Malaysia – der Preis, zu dem Interessenten dort tatsächlich bestellen. Bei internationalen Retailern wie Bloom Audio (USA) liegt der Preis mit 699 $ (~650 €) spürbar höher.
Garantie1 Jahr auf Bauteile/Verarbeitung, gültig bei Kauf direkt bei OMNE Audio oder einem autorisierten Händler

Seit Kurzem gibt es zudem eine eigenständige Kollab-Edition mit Astral Acoustics (OMNE Audio x AA) als komplett separates, teureres Produkt für 999 $ (~930 €, Stand Bloom Audio USA): neues, breiteres Kopfband-Design für bessere Gewichtsverteilung, dazu ein hochwertigeres Kabel inklusive 4,4‑mm-Balanced-Option. Das ist kein Zubehör-Upgrade, sondern eine eigene Edition des gesamten Kopfhörers – im Test hier lief ausschließlich die Standardversion mit Dual‑3,5‑mm-Kabel und Serien-Kopfband.

Wo bekommt man die OMNE Audio Hendeka?

Für deutsche bzw. europäische Käufer aktuell wichtig: Es gibt keinen offiziellen EU- oder DE-Vertrieb. Bestellt wird entweder direkt bei OMNE Audio in Malaysia (Basispreis, aber mit internationalem Versand und Einfuhrabgaben zu rechnen) oder über internationale Retailer wie Bloom Audio (USA) bzw. Zeppelin & Co (Singapur) – dort dann zum jeweils höheren Retail-Preis, dafür ohne die Unsicherheiten eines Direktimports aus Malaysia.

Zum Anschluss selbst gibt es wenig zu sagen: 3,5‑mm-Klinke an den Ohrmuscheln, jedes Kabel mit passendem Stecker funktioniert. Im Test liefen sowohl das Serienkabel als auch eigene Custom-Cables (ursprünglich für Hifiman-Modelle, mit Mono- und Stereo-Klinken) problemlos. Einen Klangunterschied zwischen den Kabeln konnte ich subjektiv nicht ausmachen – wer hier tauschen will, tut das aus Gusto, nicht aus klanglicher Notwendigkeit.

Klang der OMNE Audio Hendeka

Klangcharakter: warm, leicht V‑förmig abgestimmt. Der Bass ist angehoben, aber nicht aufdringlich, die Mitten spielen etwas smooth und zurückgenommen, die Höhen sind dezent angehoben, ohne jemals scharf oder “sparkling” zu werden. Nichts an den OMNE Audio Hendeka schneidet oder nervt – der Grundcharakter ist konsequent samtig.

Bemerkenswert: Trotz offener Bauweise baut der OMNE Audio Hendeka ordentlich Bassdruck auf – für einen dynamischen Treiber überdurchschnittlich, deutlich mehr Fundament, als man es von vielen offenen oder planaren Konkurrenten in der Preisklasse gewohnt ist, die hier oft dünner bleiben. Die Auflösung ist gut, aber nicht referenzhaft-analytisch – an die Nuancenschärfe von Planar-Konstruktionen kommt der Hendeka nicht heran. Das ist aber auch nicht das erklärte Ziel: Der Charakter bleibt durchgehend schmeichelnd statt chirurgisch.

Subjektiv persönliche Anmerkung: Mir fehlt an der Stelle etwas mehr Höhenanteil – das ist explizit Geschmackssache, keine objektive Schwäche der Abstimmung.

Offenheit in der Praxis

Die OMNE Audio Hendeka ist wirklich konsequent offen gebaut – das merkt man auch abseits der reinen Musikwiedergabe: In Calls/Meetings ist die eigene Stimme deutlich hörbar, kein Näseln oder Verzerren wie bei manchen dichteren Headsets. Im direkten Vergleich zum Beyerdynamic DT 1990 – technisch ebenfalls offen, gefühlt aber fast geschlossen – ist der Unterschied klar spürbar.

Musikbeispiele

Testkette dieser Session: Eversolo DMP-A6 via Coax S/PDIF → SPL Phonitor xe (DAC768v2) → OMNE Audio Hendeka via 4‑pol XLR balanced, im direkten Umschaltvergleich mit Hifiman Sundara, Verum 2 und Audeze LCD‑X.

Sleep Token – „Granite”

Ein Track, der sofort fordert: ruhige Strophen mit feinen Details, dann ein gnadenloser Klimax bei 2:39.

An dem OMNE Audio Hendeka zeigt sich sofort der Charakterunterschied zur Konkurrenz: deutlich wärmer als der planare Verum 2, die Bassdrum drückt satter und trockener – da ist eine physische Komponente drin, die ein Planar schlicht nicht liefert. Die Becken treten dafür etwas zurück, Stimmen wirken angenehmer, aber auch weniger direkt im Raum verortet als beim Verum 2. Bei hohen Pegeln fällt ein leichtes Zischen in den Höhen auf. Der Gesamtcharakter geht klar Richtung Live-Sound, mit Instrumenten leicht vor der Stimme – wer entspannter hören will statt seziert zu werden, ist hier genau richtig.

Zum Vergleich: Der Verum 2 bildet an derselben Kette gnadenlos ab, ohne zu schönen – bei 2:39 bricht die volle Dynamik des Tracks unverfälscht durch. Der LCD‑X spielt in einer weiteren Liga: Produktion liegt komplett offen, man hört den Nachhall als das, was er ist – künstlich draufgelegt.

Knocked Loose – „Everything Is Quiet Now”

Bryan Garris’ Screams, ein Breakdown, und am Ende dieses rohe Finger-Quietschen über die Saiten.

An dem Hendeka: wärmer, der Bass „ballert” mehr, die Becken treten zurück – insgesamt angenehmer für Dauerhören, um es mit einem Wort zu sagen: sessel-abgestimmt.

Der LCD‑X liefert hier den eindringlichsten Bryan Garris der ganzen Runde – das dreckige Finger-Quietschen am Ende ist maximal hörbar herausgearbeitet. Analyse-Werkzeug, kein Bauchkitzler. Der Verum 2 setzt Kick und Becken klar links/rechts getrennt, macht im Chorus ordentlich Splash und liefert das Saiten-Quietschen am Ende mit Gänsehaut-Faktor.

Zwischenfazit aus dem direkten Vergleich: Der Hendeka ist in dieser Runde ganz klar der “Wohlfühl”-Kopfhörer – kein Analyse-Werkzeug wie der LCD‑X, kein neutraler Abbildner wie der Verum 2, sondern der Kandidat, der einem entgegenkommt, statt zu fordern. Genau das Ziel, das OMNE Audio sich selbst gesetzt hat.

Isolierte Hendeka-Session (Testkette: Eversolo DMP-A6 → Burson Soloist Stellar Max → OMNE Audio Hendeka via XLR, kein EQ)

Rage Against the Machine – “Bombtrack”

Am OMNE Audio Hendeka: Bass zu Beginn deutlich samtiger, als es ein Planar abbilden würde. Snare-Intro spielt zurückhaltend, im vollen Bandeinsatz dann räumlich und gut hörbar, aber nie scharf. Der Gesang tritt für meinen Geschmack etwas zurückhaltender auf, als ich es sonst von diesem Track gewohnt bin – Bassdrum und E‑Bass dafür schön satt und gut ortbar. Insgesamt sehr räumlich, ausgewogene Höhen, nichts Stressiges. Bei ca. 3:10 wandert ein Becken klar aufs linke Ohr, kurz darauf folgt die Gitarre – schönes Beispiel für die räumliche Abbildung.

Am LCD‑X, direkt danach: deutlich heller, logischerweise weniger basslastig, dafür klarer aufgelöst (Höhen, Cymbals). Gesang wirkt räumlicher, ein Zweitgesang im Hintergrund (vermutlich der Gitarrist) tritt hier deutlicher hervor, tendenziell linkslastig platziert. Insgesamt eine Ecke räumlicher/klarer, aber auf Kosten des Bassfundaments, das der Planar in dieser Form nicht liefert.

Zurück am Hendeka zur Bestätigung: Gesang wirkt nicht ganz so frontal wie am LCD‑X, eher wie zwei bis drei Meter entfernt stehend statt “im Kopf” – bewusst als angenehm beschrieben, nicht als Schwäche. Zweitgesang des Gitarristen bildet sich deutlich weniger räumlich ab als am LCD‑X, die Schlagzeug-Räumlichkeit bleibt aber gut. Auffällig: Die Hi-Hat löst am LCD‑X spürbar feiner auf.

In Flames – “I, the Mask”

Am OMNE Audio Hendeka, bewusst sehr laut gehört (Soloist Stellar Max, High-Output-Gain, Stufe 43): Bassdrum trocken und druckvoll, kickt ordentlich rein. Bemerkenswerter Nebenbefund: Bei dieser Lautstärke wirkt der Hendeka gar nicht mehr so zurückhaltend in den Höhen, wie es bei geringerer Lautstärke den Anschein hat – der warme Grundcharakter täuscht offenbar ein Stück weit, je nach Pegel kommt der Hendeka spürbar mehr aus sich raus. Charakter bei hohem Pegel: knackig statt warm-verwaschen, bleibt auch bei schnelleren Passagen stabil. Räumlichkeit überzeugt. Gesang streckenweise leicht zischelnd – allerdings bei einem bewusst extremen Pegel gehört.

Am LCD‑X, gleicher Track, vergleichbare Lautstärke: Bass kickt ebenfalls, der Track ist insgesamt fairer für einen Planar abgemischt als für den OMNE Audio Hendeka. LCD‑X löst hörbar besser auf, besonders in den Höhen – Becken kommen präsenter und direkter. Gesang steht beim LCD‑X weiter vorne; der OMNE Audio Hendeka bleibt gesanglich, zumindest bei Metal, tendenziell etwas zurückhaltender.

Anmerkung zur Methodik: Der Lautstärke-Effekt auf die wahrgenommene Höhenmenge beim OMNE Audio Hendeka ist ein eigenständig interessanter Befund – bei niedrigerem Pegel wirkt er wärmer/zurückhaltender, bei hohem Pegel deutlich offener. Ein sauberer SPL-Pegelabgleich zwischen den Vergleichskandidaten würde solche Vergleiche zukünftig noch fairer machen.

Genre-Ausflug: Rock, Britpop und Jazz (Testkette: Eversolo DMP-A6 → Burson Soloist Stellar Max → OMNE Audio Hendeka via XLR, kein EQ)

The Beatles – „Come Together” (Remastered)

Am LCD‑X zuerst gehört: ein Track, den ich schon tausendmal kenne, dadurch gut als Referenz geeignet. Auffällig ist ein Produktionsdetail, das mir hier besonders deutlich auffiel: Beim Einsatz der E‑Gitarre schnarrt die Snare Drum leicht mit. Das ist keine Aufnahmepanne, sondern sympathetische Resonanz – die tiefen Frequenzen des Gitarrenverstärkers regen die locker sitzenden Snare-Teppiche zum Mitschwingen an, unabhängig davon, ob die Snare gerade gespielt wird. Ein bekanntes, gut dokumentiertes Phänomen bei Aufnahmen, bei denen Schlagzeug und verstärkte Instrumente im selben Raum stehen. Das Schlagzeug sitzt hart auf dem rechten Kanal, Gitarren lösen sich sauber links/rechts auf, der Gesang trägt den altersbedingten Wah-/Hall-Charakter der Aufnahme, insgesamt aber wenig räumlich – das liegt an der Produktion, nicht am Kopfhörer. Bass wirkt am LCD‑X angenehm, nicht unterbetont.

Am OMNE Audio Hendeka: automatisch mehr Bassdruck, nicht übertrieben, aber deutlich wahrnehmbar. Das Schlagzeug tritt dafür weiter in den Hintergrund, der Gesang kommt gut raus, inklusive Wah-Effekt. Das Snare-Schnarren ist auch hier hörbar, aber bei Weitem nicht so präsent wie am LCD‑X. Gesamteindruck: gefälliger als der LCD‑X, eher eine Zurücklehn-Angelegenheit als eine analytische. Bass kann ordentlich brummen, aber kein Bassmonster – logisch, kein Planar.

Oasis – „Don’t Look Back in Anger”

Am OMNE Audio Hendeka zuerst: überraschend hell, zumindest stimmlich – deutlich mehr Zischlaute, als der bisherige warme Eindruck erwarten ließ, aber nicht störend. Die Aufnahme selbst ist eher gefällig-poppig abgemischt, nicht sonderlich aufregend produziert. Genre-typisch klar: Gesang im Vordergrund, Schlagzeug zurückgenommen, Gitarren eher zurückhaltend statt punchig. Gesamteindruck: mitreißend, macht Spaß, trotz eher unspektakulärer Abmischung – aber genau das, was Pop-Rock-Hörer erwarten dürften.

Am LCD‑X, direkt danach: klarer Wechsel. Was am Hendeka eher gefällig wirkte, wird hier deutlich interessanter. Gitarren eindringlicher und klarer, dadurch ein spürbar besserer Stereomix. Etwas weniger Bassfundament als am Hendeka, dafür Gesang frontaler, besonders im Chorus. Mehr “drin im Song”.

Diana Krall – „Live in Paris”

Ein bewusster Genre-Ausflug, weit außerhalb der eigenen Komfortzone: Klavier-Ballade, Live-Mitschnitt.

Am LCD‑X: Klavier klingt leicht dumpf, dafür authentisch live, mit hörbaren Pedal-Nebengeräuschen. Die Aufnahme ist extrem publikumslastig – Husten, Bewegung, Stimmen aus dem Publikum, möglicherweise sogar ein leichtes Grundrauschen der Live-Situation selbst, alles gnadenlos ehrlich mit durchgereicht. Gesang klar vor dem Klavier, sehr klar abgebildet, aber auch deutlich hissig in den S‑Lauten. Starker Hall auf dem Gesang gibt dem Ganzen zusätzliche Tiefe.

Am OMNE Audio Hendeka: Die Live-Atmosphäre kommt fast noch unmittelbarer rüber – fühlt sich an, als würde man selbst im Publikum sitzen. Sibilanten weiterhin klar und hoch, aber insgesamt nicht ganz so transparent wie am LCD‑X. Gesang wird weicher, weniger direkt “im Kopf”, das Klavier klingt samtiger und runder, drückt weniger direkt rein. Genau hier zeigt sich der Monitor-Charakter des LCD‑X gegenüber einem bewusst gefälligeren Kopfhörer wie dem Hendeka – für exakt diese Art Aufnahme, mit viel Live-Atmosphäre und Publikumsgeräuschen, könnte der Hendeka sogar die angenehmere Wahl sein. Nicht, weil er technisch besser ist, sondern weil er einem erlaubt, einfach zuzuhören, ohne von jedem Husten aus der Reihe aus der Musik gerissen zu werden

Amp-Pairing

Der OMNE Audio Hendeka ist nicht schwer anzutreiben (Hifiman-Portable-Dongle reicht technisch aus), profitiert aber hörbar von potenteren Quellen – bei gleicher Lautstärke entfaltet sich mit stärkeren Verstärkern spürbar mehr Druck und “Öffnung”. Keine 50-%-Welten, aber geschätzt 10–15 % mehr Substanz.

Fosi Audio ZH3 (aktuell einer der beliebtesten, vielseitigen Kopfhörerverstärker im Einsteigersegment, 199,99 € laut EU-Preisliste): solides, leistungsfähiges Pärchen für ein Gesamtpaket unter 800–1.000 €.

SPL Phonitor xe: Charakterlich neutral-warm, technisch inzwischen etwas in die Jahre gekommen – aktuellere DACs holen mehr raus. Verfügt über Crossfeed mit einstellbaren Abstrahlwinkeln für simuliertes Lautsprecher-Feeling; persönlich kein großer Crossfeed-Fan (auf Kopfhörern soll Stereo hart getrennt bleiben, das ist Geschmackssache). Insgesamt ein tolles Pairing, der OMNE Audio Hendeka hätte in dieser Kombination aber noch von etwas mehr Neutralität und Headroom profitiert.

Burson Soloist Stellar Max: Ebenfalls mit leichter Wärme, aber sehr dezent für einen als neutral geltenden Verstärker. Bringt der OMNE Audio Hendeka spürbar mehr Leistung und Headroom – hier kam das “Bobbing-Head”-Gefühl, das OMNE Audio explizit anstrebt, am klarsten rüber.

Burson Conductor GT4 Deluxe (Max-Netzteil): Angeschlossen meist über 4‑Pin-XLR-Balanced. Klanglich eine tolle Kombination – aber ehrlicherweise eher etwas für Leute mit Lust am Experiment als eine ernsthafte Kaufempfehlung: Ein 3.500-€-Verstärker an einem ~530-€-Kopfhörer ist ein Statement, keine Notwendigkeit.

Zur Einordnung meiner Testkette: Ich höre seit rund anderthalb Jahren tagtäglich mit derselben Referenzkette – das gibt mir ein belastbares Gefühl dafür, wie viel Unterschied wirklich am Kopfhörer selbst liegt und wie viel am Verstärker drumherum. Gleichzeitig bin ich experimentierfreudig genug, auch mit deutlich günstigerem Equipment zu hören – “kauf dir das Teuerste, um das Beste rauszuholen” ist nicht meine Devise.

Ein Wort zu Röhrenverstärkern: Alle meine Pairings hier liefen über Solid-State-Verstärker – ich besitze schlicht keinen Röhrenamp und kann das entsprechend nicht selbst validieren. Da der OMNE Audio Hendeka aber ohnehin schon warm abgestimmt ist, würde ich bei der Kombination mit einem ebenfalls sehr warmen Röhrenverstärker vorsichtig sein: Die Gefahr, dass sich Bass und Mitten dann zu dick und undefiniert übereinanderlegen, halte ich für real. Wer selbst Röhre hört, sollte das im Hinterkopf behalten und im Zweifel eher zu einem neutraleren Röhrenamp greifen.

Wettbewerbseinordnung: OMNE Audio Hendeka im Vergleich

Verum 2 (ähnliches Preissegment, planar-magnetisch, offen): Ein wirklich toller Kopfhörer – super leicht, sehr gut verarbeitet, ebenfalls Manufaktur-Fertigung. Klanglich eine andere Kategorie als der OMNE Audio Hendeka (planar vs. dynamisch), daher kein 1:1‑Duell, aber als Alternative im selben Preisbereich relevant.

An dieser Stelle ein kurzer, sachlicher Hinweis in eigener Sache: Verum Audios Gründer Igor Krasnov ist in der Vergangenheit wiederholt öffentlich negativ aufgefallen – dokumentiert unter anderem in mehreren unabhängigen Artikeln und Forenberichten, die zu Bannings in diversen Audiophile-Communities geführt haben. Ich möchte das hier bewusst nicht bewerten oder vertiefen, sondern nur transparent benennen – wer sich dafür interessiert, findet mit einer kurzen Suche genug Material, um sich selbst ein Bild zu machen.

Audeze LCD‑X: Spielt klar eine Liga über der OMNE Audio Hendeka – das merkt man an praktisch jeder Stelle, angefangen beim Kopfband über die Ledertragepolster bis zum Gesamteindruck eines Kopfhörers, der für den täglichen Arbeitseinsatz gebaut ist. Kein fairer 1:1‑Vergleich, aber eine klare Empfehlung für alle, die eine Etage höher wollen und eher neutraleres Wasser suchen.

Der direkte A/B‑Vergleich über mehrere Genres hinweg (Metal, Rock, Britpop, Jazz/Live-Piano) bestätigt dieses Bild durchgehend: Der LCD‑X löst konsequent feiner auf, bildet Räumlichkeit präziser ab und bleibt näher an dem, was tatsächlich auf der Aufnahme ist – im Guten wie im Schlechten. Genau bei der Diana-Krall-Live-Aufnahme zeigt sich das: Publikumsgeräusche, Husten, Grundrauschen kommen am LCD‑X gnadenlos mit durch. Der OMNE Audio Hendeka rundet genau diese unangenehmen Ecken ab, ohne den Gesamteindruck zu verfälschen – für bestimmte Aufnahmen und Hörsituationen kann das sogar die angenehmere Wahl sein, nicht nur die günstigere

Langzeit-Detailpunkte

Ein paar abschließende Praxis-Beobachtungen aus dem Test:

  • Ohrpolster: Wechselbar, aber mir persönlich zu hart – das ist keine Vermutung, sondern mein klarer Eindruck aus dem Test. Kann natürlich sein, dass sich das nach einem halben Jahr oder Jahr Tragezeit anders anfühlt und man sich daran gewöhnt, dazu kann ich aus meinem Testzeitraum aber nichts sagen. Fakt ist: Weil ich beim Vergleichen ständig zwischen Kopfhörern hin- und herwechsle, kenne ich genug Kandidaten, die ich klar bequemer finde. Ob es bereits dedizierte Ersatzpolster gibt, ist mir aktuell nicht bekannt; das Wechselsystem selbst hab ich in dieser Form noch bei keinem anderen Kopfhörer gesehen, jeder Hersteller kocht hier offenbar sein eigenes Süppchen.
  • Kopfband: Nach längerem Tragen wächst einem das Standard-Kopfband durchaus ans Herz. Wer wie ich lieber ein Hängematten-/Suspension-System bevorzugt: OMNE Audio bietet mit der Kollab-Edition zusammen mit Astral Acoustics eine Variante mit überarbeitetem, breiterem Kopfband und neuem Kabel an – das ist kein separat nachkaufbares Zubehörteil, sondern nur als eigenständige, teurere Edition des gesamten Kopfhörers erhältlich. Als logisches Upgrade würde ich das aber durchaus einordnen: Wer eine andere Liga Kabel und eine andere Liga Kopfband bekommt, für den dürfte sich der Aufpreis lohnen.
  • Kabel: Gehört wurde durchgehend balanced – sowohl mit dem mitgelieferten Balanced-Kabel als auch mit einem eigenen Referenzkabel von GU Craftsman. Das Serienkabel ist weich und angenehm, subjektiv aber etwas kurz geraten. Klare Kabelklang-Präferenzen habe ich generell nicht – wer ein besseres Kabel kaufen möchte, tut das eher wegen der Länge als wegen eines erwarteten Klangunterschieds; die Welt verändert ein Kabeltausch hier erfahrungsgemäß nicht.

Fazit

Der OMNE Audio Hendeka ist kein Kopfhörer, den du aufsetzt, um eine Aufnahme zu sezieren. Er ist der Kopfhörer, den du abends aufsetzt, um genau das nicht zu tun: ein ordentliches Brett auflegen, abschalten, mitgehen. Kein Analyse-Werkzeug, sondern eine Einladung zum Mitwippen – und genau das liefert er zuverlässig ab, quer durch Metal, Rock, Britpop und selbst bei einer Live-Jazz-Aufnahme, bei der andere, schonungslosere Kopfhörer eher nerven als begeistern.

Damit erreicht OMNE Audio exakt das, was sich Nabil, Leong und Daniel für ihr erstes gemeinsames Produkt vorgenommen haben. Für drei Freunde ohne Startup-Erfahrung, die ihr eigenes Geld in ein selbstfinanziertes Debüt gesteckt haben, ist das eine beachtliche Leistung – vom durchdachten Unboxing-Erlebnis bis zur konsequent durchgehaltenen Klangphilosophie.

Technisch bewegt sich die Hendeka im, wie es in der Community mittlerweile heißt, oberen Mid-Fi-Segment: Wer messtechnische Neutralität, referenzhafte Auflösung oder das letzte Quäntchen Bühnentiefe sucht, findet das eine Etage höher – etwa beim Audeze LCD‑X, der in praktisch jeder Disziplin eine Klasse für sich bleibt, dafür aber auch das Drei- bis Vierfache kostet. Wer stattdessen einen warmen, geschmeidigen, nie nervenden Alltagsbegleiter für lange Hörsessions sucht, der nicht mal eben nebenbei ein kleines Vermögen kostet, bekommt mit der Hendeka ein rundes, ehrlich gemachtes Paket.

Bleibt die Frage, wie es mit einer Ein-Produkt-Marke weitergeht. Aber wenn der Auftakt schon so überzeugend ausfällt, bin ich gespannt, was als Nächstes kommt.

Für seinen Zweck – Feierabend-Kopfhörer mit Charakter statt Messlatten-Rekord – eine klare Empfehlung.

FAQ zur OMNE Audio Hendeka

Was bedeutet der Name “Hendeka”?

Griechisch für “Elf” – eine Referenz auf die elfeckige Geometrie der Ohrmuscheln.

Ist die Hendeka schwer anzutreiben?

Nein. Mit 32 Ω Impedanz und 98 dB/mW Empfindlichkeit läuft sie problemlos auch an Smartphone-Dongles. Von einem potenteren Verstärker profitiert sie klanglich trotzdem hörbar.

Wo kann man die OMNE Audio Hendeka kaufen?

Es gibt aktuell keinen offiziellen Vertrieb in Deutschland oder der EU. Bestellmöglichkeiten sind der Direktkauf bei OMNE Audio in Malaysia oder internationale Retailer wie Bloom Audio (USA) und Zeppelin & Co (Singapur).

Was kostet die Hendeka?

Rund 530 € (RM 2.499) direkt in Malaysia, bei internationalen Retailern um die 650 €. Die Kollab-Edition mit Astral Acoustics liegt bei rund 930 €.

Ist die Hendeka offen oder geschlossen?

Offen – und zwar konsequent, was sich auch praktisch bemerkbar macht (siehe Abschnitt “Offenheit in der Praxis”).

Für welche Musikrichtungen eignet sich die Hendeka?

Laut Markenanspruch genre-agnostisch. Im Test überzeugte sie über Metal, Rock, Britpop und sogar bei einer akustischen Jazz-Live-Aufnahme – wobei ihr warmer, gefälliger Charakter besonders bei Genres punktet, bei denen man nicht jedes Aufnahme-Artefakt hören möchte.

Wie ist die Garantie geregelt?

Ein Jahr auf Bauteile und Verarbeitung, gültig bei Kauf direkt bei OMNE Audio oder einem autorisierten Händler.

]]>
https://www.hifigeek.de/omne-audio-hendeka-review/feed/ 0 12585
SPL Phonitor xe im Test: Wenn das Mastering-Studio ins Wohnzimmer zieht https://www.hifigeek.de/spl-phonitor-xe-test-review/ https://www.hifigeek.de/spl-phonitor-xe-test-review/#respond Tue, 01 Sep 2026 15:00:00 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=10699 Ein Kopfhörerverstärker, der in Rot kommt, motorisierte Lautstärkeregelung hat und nach Mastering-Studio riecht – mitten auf dem HiFi-Rack. Das ist der SPL Phonitor xe. Nicht der neueste seiner Art, nicht der günstigste, und mit einem Funktionsumfang, der vielleicht nicht für jeden gleich relevant ist. Aber ein Gerät, das einen Ruf hat, den es sich über Jahre ehrlich erarbeitet hat.

Warum ich ihn trotzdem reviewe, obwohl er inzwischen ein paar Jahre auf dem Buckel hat? Weil er hier im Setup stand, weil er einige Dinge kann, die kein anderes Gerät in dieser Preisklasse so macht – und weil ehrliche Einordnungen auch für ältere Geräte ihren Wert haben.

Disclaimer: Den SPL Phonitor xe habe ich vom deutschen Vertrieb kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Es gibt keine Einflussnahme auf meinen Testaufbau oder mein Urteil. Als unabhängiger Blog sind wir an keine kommerziellen Beziehungen gebunden, die unsere Meinung verfälschen könnten.

Lieber schauen als lesen?

Wer lieber schaut als liest – hier ist das passende Video zum Review. Alle Höreindrücke, der direkte Amp-Vergleich und mein Fazit nochmal in Bewegtbild. Wer beides will: das Video für den schnellen Überblick, der Artikel für alle Details, Specs und die FAQ.

SPL – Sound Performance Lab, Niederkrüchten

SPL steht für Sound Performance Lab und kommt nicht aus Fernost, nicht aus Skandinavien, sondern aus Niederkrüchten am Niederrhein. Seit 1983 baut SPL Audiogeräte: Mastering-Consoles, Kompressoren, Transient-Designer – Profi-Ausrüstung, die in echten Tonstudios steht und gearbeitet hat. Die Professional-Fidelity-Serie, zu der der SPL Phonitor xe gehört, ist der Versuch, diese Studio-DNA in Heimgeräte zu übersetzen. Ohne Lifestyle-Blenderei, ohne Chip-Wettbewerb. Einfach Handwerk.

SPL produziert in Eigenregie in Deutschland. Das merkt man – nicht als Marketing-Phrase, sondern sobald man das Gerät anfasst.

Die Phonitor-Produktfamilie umfasst mehrere Modelle, die sich im Wesentlichen in Funktionsumfang und Anschlüssen unterscheiden:

  • Phonitor se – Einstieg in die Professional-Fidelity-Welt, single-ended only, vereinfachte Matrix
  • Phonitor x – Vorverstärker + Kopfhörerverstärker, XLR-Out für Endstufen, volle Matrix
  • Phonitor xe – Reiner Kopfhörerverstärker, volle Matrix, optionaler DAC768v2, kein Preamp-Ausgang

Der SPL Phonitor xe ist also das Flaggschiff für alle, die ausschließlich Kopfhörer hören und dafür keinen Millimeter Kompromiss eingehen wollen.

Unboxing & Lieferumfang

Schlicht verpackt. Ein Karton, ein Aufkleber mit der genauen Konfiguration – Farbe und ob DAC-Modul enthalten. Drinnen: Netzkabel, Bedienungsanleitung mit ausführlicher Erklärung der Phonitor Matrix, Garantiekarte. Kein Schnickschnack, keine Inszenierung. Das Gerät selbst ist gut geschützt und kommt ohne Schäden an – das Wichtigste.

Design, Verarbeitung & Aufstellung

5,1 kg, 278 × 100 × 300 mm, Aluminium, Rot. Das ist der erste Eindruck. Und er ist gut.

Das Gehäuse ist solide wie ein Werkzeug, das für den Einsatz in Tonstudios konzipiert wurde – weil es genau das ist. Keine Spaltmaße, keine scharfen Kanten, saubere Anschlusspositionen. Alle Schalter rasten sauber und definiert ein. Der große Lautstärkeregler – 45 mm, aus dem Vollen gefräst, auf einem Alps RK27 „Big Blue” Potentiometer – hat das, was Kenner gerne „Löffel in Honig”-Feeling nennen. Widerstand, der sich gleichmäßig und butterweich anfühlt. Man dreht und dreht und hört auf zu denken.

Auf der Front sitzen zwei analoge VU-Meter, dreifach umschaltbar in der Empfindlichkeit. Ja, das ist ein Gimmick. Ja, man schaut trotzdem ständig hin. Ich sage das nicht als Kritik – bei einem Gerät dieser Klasse darf ein bisschen Theater auf der Front sein. Und es sieht schlicht gut aus. Das rote Markier-LED am Lautstärkeregler hilft auch in gedimmter Umgebung bei der Orientierung.

Drei Farboptionen stehen zur Wahl: Silber, Schwarz, Rot. Schwarz ist das Standardbürogerät. Rot ist die Ansage. Ich mag Rot.

Das Design ist dabei schwer einzuordnen – retro-futuristisch trifft es vielleicht am besten. Der SPL Phonitor xe gehört nicht nur in irgendwelche Altherren-HiFi-Zimmer, sondern macht auch auf einem modernen Schreibtisch eine gute Figur. Er sieht einfach cool aus. Und er unterstreicht halt auch ein bisschen die Professionalität dessen, was man da vor sich hat.

Eine Sache, die nicht sofort auffällt, aber im Alltag Freude macht: Der Lautstärkeregler ist motorisiert und IR-fernbedienbar – mit jeder beliebigen Infrarot-Fernbedienung. Hinter einem der VU-Meter befindet ein kleiner IR-Empfänger. Einmal anlernen via Knopf auf der Rückseite, zwei Tasten einer beliebigen Fernbedienung zuweisen – fertig. Ich habe das mit der Fernbedienung des Burson Conductor GT4 gemacht. Seitdem regele ich den SPL Phonitor xe vom Hörplatz aus, ohne aufzustehen. Das klingt banal. Im Alltag ist es einer dieser Momente, bei denen man sich fragt, warum das nicht jedes Gerät kann.

Anschlüsse & Konnektivität

Kopfhörer-Ausgänge

Einer der praktischsten Aspekte des SPL Phonitor xe: Kopfhörerausgänge sowohl vorne als auch hinten – jeweils eine 6,35-mm-Klinke und ein 4‑pol XLR (symmetrisch). Umgeschaltet wird per Schalter auf der Front (F/R). Wer seinen Lieblingskopfhörer dauerhaft hinten angeschlossen lässt, hat vorne freie Bahn. Oder man nutzt es für schnellen Kopfhörer-Vergleich ohne Umstecken. Durchdacht.

Was fehlt: 4,4‑mm-Pentaconn. Das ist 2019 noch kein Standard gewesen, heute schmerzlicher. Wer moderne ausgewachsene Kopfhörer mit 4,4‑mm-Kabel hat, braucht einen Adapter.

Analoge Eingänge

  • XLR symmetrisch
  • RCA / Cinch unsymmetrisch

Digitale Eingänge (mit optionalem DAC768v2)

  • USB (asynchron, bis 32 Bit / 768 kHz PCM, DSD256)
  • Coax S/PDIF (bis 192 kHz)
  • Toslink (optisch, bis 96 kHz)
  • AES/EBU

Damit lassen sich bis zu sechs Stereo-Quellen gleichzeitig anschließen, umgeschaltet per Source-Drehschalter auf der Front. Kein Bluetooth, kein Streaming – SPL baut Werkzeuge, keine Multimediaboxen.

Praxis-Tipp: Wer den SPL Phonitor xe mit einem Eversolo DMP-A6 oder ähnlichem Streamer kombiniert, sollte Coax S/PDIF gegenüber Toslink bevorzugen – Coax ermöglicht höhere Auflösungen und ist die sauberere Verbindung. Im Test lief der SPL Phonitor xe via USB‑C am MacBook Pro M4 Max problemlos und klaglos – asynchrones USB-Audio funktioniert hier tadellos, kein Treiber nötig.

DIP-Schalter (Geräteunterseite)

Zwei DIP-Schalter, die man kennen muss:

  • Schalter 1: Kopfhörer-Gain +22 dB – für schwer anzutreibende Kopfhörer
  • Schalter 2: RCA-Eingang zwischen −10 dBV (HiFi-Pegel) und 0 dBu (Studio-Pegel)

Der Haken: Diese Schalter sitzen auf der Geräteunterseite hinter einer kleinen Öffnung. Wer regelmäßig zwischen sehr empfindlichen IEMs und hochohmigen Planaren wechselt, muss das Gerät anheben. Das ist die einzige wirklich umständliche Stelle am SPL Phonitor xe – und sie fällt auf, weil sonst alles so durchdacht ist.

Technik: VOLTAiR und der DAC768v2

VOLTAiR-Technologie (120V)

Das ist das technische Herzstück aller Professional-Fidelity-Geräte von SPL – und das, was den SPL Phonitor xe von der üblichen IC-Konkurrenz unterscheidet. Standard- Operationsverstärker arbeiten mit ±12–15 V. SPL entwickelt eigene SUPRA-OpAmps, die mit ±60 V (120 V Gesamtspannung) betrieben werden – viermal mehr als üblich.

Was das in der Praxis bedeutet: mehr Headroom. SPL gibt eine Eingangstoleranz von bis zu +32,5 dBu an. Signalspitzen, die normalen Schaltungen Stress bereiten, verarbeitet der SPL Phonitor xe ohne zu zucken. Das Resultat ist das, was alle Reviews übereinstimmend beschreiben – und was ich aus meiner Session bestätigen kann: ein entspanntes, natürliches Klangbild ohne die typische Anspannung, die man bei günstigeren IC-Lösungen kennt. Nicht wärmer, nicht weicher – einfach ruhiger.

DAC768v2 – Das optionale DAC-Modul

Das nachrüstbare DAC-Modul ist kein Nachrüst-Kompromiss, sondern von SPL als vollwertiger Referenz-Wandler entwickelt. Drei Komponenten machen es aus:

AKM AK4493 SEQ Velvet Sound: Bewährter Premium-Chip von Asahi Kasei. Es gibt inzwischen neuere AKM-Flaggschiffe – der AK4499EX im Eversolo DMP-A8 zum Beispiel. Der AK4493 SEQ ist aber kein schlechter Chip, sondern ein gut implementierter. Und Chip-Jahrgang und Klang sind zwei Paar Schuhe.

Spartan 7 FPGA: Programmierbare Logik für die Digitalverarbeitung. Mehr Flexibilität in der Umsetzung als starre IC-Lösungen.

SLP120 – Super Low-Pass-Filter mit VOLTAiR: Jeder DAC-Chip braucht nach der Digital-Analog-Wandlung einen Rekonstruktionsfilter. Was SPL hier anders macht: Dieser Filter ist nicht mit Standard-ICs gebaut, sondern in VOLTAiR-Technologie realisiert. Der SLP120 soll damit denselben Headroom wie der Rest der Signalkette bieten – und nicht zum Flaschenhals werden.

Technische Daten

SpezifikationWert
Verstärker
Interne Betriebsspannung (VOLTAiR)±60 V DC (120 V Audio Rail)
Max. Eingangspegel+32,5 dBu
Frequenzgang10 Hz – 300 kHz (−3 dB)
Klirrfaktor (THD)0,00082 % @ 0 dBu, 1 kHz
Übersprechen−90 dB @ 1 kHz
Dynamikumfang (symmetrisch)130,5 dB
Dynamikumfang (Single-Ended)135,5 dB
Ausgangsimpedanz (XLR balanced)0,36 Ohm
Ausgangsimpedanz (6,35 mm)0,18 Ohm
Dämpfungsfaktor180 @ 40 Ohm
Ausgangsleistung (unbalanced)
2 × bei 600 Ohm1 W
2 × bei 300 Ohm2 W
2 × bei 120 Ohm3,7 W
2 × bei 47 Ohm2,9 W
2 × bei 32 Ohm2,7 W
Ausgangsleistung (balanced)
2 × bei 600 Ohm4,4 W
2 × bei 300 Ohm9 W
2 × bei 150 Ohm7,4 W
2 × bei 47 Ohm6,2 W
DAC768v2 (optional)
DAC-ChipAKM AK4493 SEQ Velvet Sound
FPGAXilinx Spartan 7
PCM (USB)bis 32 Bit / 768 kHz
PCM (Coax / AES)bis 192 kHz
PCM (Toslink)bis 96 kHz
DSDbis DSD256 (DoP)
Allgemein
Netzspannung230 V AC / 50 Hz (schaltbar auf 115 V)
Leistungsaufnahmemax. 40 VA
Standby-Verbrauch0,7 W
Abmessungen (B × H × T, inkl. Füße)278 × 100 × 330 mm
Gewicht5,1 kg
FarbenSchwarz / Silber / Rot
HerstellungMade in Germany (Niederkrüchten, NRW)

Die Phonitor Matrix

Das ist das Alleinstellungsmerkmal. Das, worüber man reden muss.

Das Grundproblem beim Kopfhörerhören: Musik wird für Lautsprecher produziert. Am Lautsprecher hört das linke Ohr nicht nur den linken Kanal, sondern auch – leicht verzögert und pegelreduziert – den rechten. Dieser natürliche Crossfeed fehlt beim Kopfhörer komplett. Das Ergebnis: Die Bühne sitzt im Kopf, alles wirkt hyperbreit und unnatürlich. Das Gehirn kompensiert das – und ermüdet.

Die Phonitor Matrix korrigiert das analog, mit zwei Parametern:

Crossfeed (6 Stufen, Min bis Max): Steuert, wie viel Kreuzungssignal vom anderen Kanal eingemischt wird. Vergleichbar mit unterschiedlichen Raumgrößen und ‑charakteren.

Angle (4 Stufen: 22° / 30° / 40° / 55°): Simuliert den Öffnungswinkel des gedachten Lautsprecherpaars. 22° = enges Nearfield-Setup, 55° = breite Abhörposition.

Dazu kommt der Mode-Schalter: Stereo, Mono, und Laterality. Letzteres aktiviert eine feinstufige Kanalbalance-Korrektur – nützlich bei leichten Hörasymmetrien oder unausgewogenen Signalen.

Ein ehrlicher Hinweis, den ich nicht verschweige: Die Matrix ist keine Wunderkiste. Crossfeed reduziert die Bühnenbreite spürbar – das ist beabsichtigt, nicht ein Fehler. Das Ziel ist korrektere Lokalisierung, nicht maximale Breite. Ich persönlich trenne Kopfhörer und Lautsprecher bewusst als unterschiedliche Erlebnisse – und höre den SPL Phonitor xe überwiegend ohne Matrix.

Ich erkenne aber vollständig an, dass es Hörer gibt, für die die Matrix das entscheidende Feature ist: Wer abends mit Kopfhörern hört, weil die Wände dünn sind oder die Nachbarn keine Arendal-Tower-Sessions mögen, und sich dabei trotzdem ein räumliches Lautsprecher-Erlebnis wünscht – für den ist das kein Gimmick, sondern echtes Werkzeug. Wer also genau dieses Feature sucht, sollte den SPL Phonitor xe auf jeden Fall auf seiner Shortlist haben und irgendwo mal ausprobieren.

Klang & Höreindrücke

Testkette: MacBook Pro M4 Max (Qobuz) via USB‑C / Eversolo DMP-A6 via Coax S/PDIF → SPL Phonitor xe (DAC768v2 aktiv) → Kopfhörer via 4‑pol XLR balanced
Kopfhörer: Hifiman Sundara, Verum 2, OMNE Audio Hendeka, Audeze LCD‑X
Vergleichsverstärker: Burson Soloist Stellar Max

Hinweis: Ein direkter A/B‑Vergleich mit dem Burson Conductor GT4 Deluxe war geplant, fiel aber aus – der GT4 hat aktuell einen Defekt, das Ersatzteil ist unterwegs. Der Vergleich beschränkt sich daher auf SPL Phonitor xe vs. Soloist Stellar Max.

Ich habe bewusst alle Kopfhörer über den 4‑pol-XLR-Ausgang betrieben – das ist der Weg, wie man einem Gerät dieser Klasse gerecht wird. Single-Ended ist hier nicht die Antwort auf die Frage.

Sleep Token – „Granite”

Ein Track, der vom SPL Phonitor xe sofort fordert: ruhige Strophen mit feinen Details, dann ein Klimax bei 2:30 der keine Gnade kennt.

Hifiman Sundara: Der Sundara macht am SPL Phonitor xe das, was er halt so macht – er versucht es wirklich. Der Bass ist trocken, die Räumlichkeit für seinen Preispunkt überraschend gut, und die feinen Becken-Texturen löst er anständig auf. Aber Wärme sucht man vergebens, und wenn bei 2:39 die Flut kommt, fehlt einfach der Druck. Gefühlt fünfzig Prozent dessen, was in dem Track steckt. Für zweihundert Euro trotzdem respektabel – aber wer Granite so hört, wie es gemeint ist, braucht mehr Kopfhörer.

Verum 2: Und da ist er. Sofortiger Qualitätssprung in allen Belangen. Der Bass brummt schön definiert vor sich hin, ohne aufzuquellen. Die Räumlichkeit ist mehrere Klassen besser – Matties Gesang landet direkt auf dem Ohr, fast physisch präsent. Dieses leise „Tick tick tick” der Hi-Hat in der Strophe, das beim Sundara kaum hörbar war, steht jetzt klar und räumlich verortbar im Raum. Bei 2:39 dann – andere Welt. Der SPL Phonitor xe zeigt hier, was er kann: er schönfärbt nichts, er schiebt nichts nach vorne, was nicht da ist. Er bildet ab. Und die Verum 2 ist dankbar dafür.

OMNE Audio Hendeka: Wärmer. Deutlich wärmer. Die Bassdrum drückt mehr, satter und trockener als beim Planar – da ist was Physisches dran, was ein Planar halt nicht kann. Die Becken treten zurück, die Stimmen sind angenehmer aber auch weniger direkt. Ein leichtes Zischen in den Höhen bei hohen Pegeln fällt auf. Der Gesamtcharakter geht klar Richtung Live-Sound – Instrumente leicht gegenüber der Stimme hervorgehoben. Ob das am Hendeka selbst liegt oder an seinem Tuning-Profil: das ist seine Handschrift, der SPL Phonitor xe zeigt sie ungefiltert. Wer entspannter hören will, ist hier richtig.

Audeze LCD‑X: Lauter als die anderen – die Sensitivity macht sich bemerkbar. Aber dann: die Produktion liegt offen. Man hört, dass der Reverb künstlich ist. Man hört das Schnarren der Saiten. Man hört den Raum, in dem aufgenommen wurde. Der LCD‑X legt die Mischung auseinander wie ein Skalpell, und der SPL Phonitor xe liefert dazu das passende Licht. Höhen schärfer als bei allen anderen, Gesang am präsentesten, Auflösung nochmal eine Runde besser. Das Klangbild wirkt einen Tick anstrengender als beim OMNE – aber wenn man wissen will, was wirklich in einem Track steckt, ist das die Kombination.

Knocked Loose – „Everything Is Quiet Now”

Bryan Garris. Breakdown. Finger über Saiten. Alles was man braucht, um einen Kopfhörerverstärker in die Knie zu zwingen.

Hifiman Sundara: Der Anfang dieses Tracks – das komplexe Gewirr aus Gitarren, Drums und Noise – kommt beim Sundara als Matsch. Nicht katastrophal, aber hörbar unkontrolliert. Bryan Garris tritt zu weit zurück. Das Finger-Quietschen über die Saiten am Ende? Da. Aber so leise und so weit weg, dass es fast nichts ausmacht. Der Sundara macht weniger aus dem Lied als es ist.

Verum 2: Bam. Da ist er wieder. Sofort mehr Bass-Präsenz, sofort mehr Räumlichkeit. Kick links, Becken rechts – klar verortbar, macht Splash wie es soll. Der Chorus reißt einen von den Socken – physisch, direkt, keine Kompromisse. Und am Ende, wenn die E‑Gitarren aufhören und nur noch das Verstärker-Rauschen bleibt, wenn der Finger über die Saite fährt und dieses rohe, dreckige Quietschen entsteht: Gänsehaut. Klingt wie live. Unaufpoliert. Genau richtig. Das ist der Moment, für den man solche Ketten baut.

OMNE Audio Hendeka: Dunkler. Bryan Garris tritt zurück – nicht dramatisch, aber spürbar. Die Becken sind weich und weit hinten. Dafür ballert die Bassdrum mehr als bei der Verum 2, das Gong-Gefühl ist sofort da. Das Finger-Quietschen? Super hoch aufgelöst, aber räumlich weiter weg. Der Gesamtsound ist wohlwollender, bekömmlicher – Sessel-abgestimmt trifft es eigentlich ganz gut. Für Dauerhören angenehmer, für Metal-Analyse weniger geeignet.

Audeze LCD‑X: Eindringlichster Bryan Garris der Runde. Kein Pardon, kein Zurücktreten – er ist vorne und bleibt da. Die Auflösung ist nochmal besser als bei der Verum 2, das Drumherum des Mixes öffnet sich weiter. Die Dreckigkeit des Verstärker-Rauschens am Ende ist on top getrieben, maximal hörbar. Bass zurückhaltender als beim OMNE oder der Verum 2 – aber wer den LCD‑X wegen Bass kauft, hat ihn falsch eingeordnet. Das ist ein Analyse-Werkzeug, kein Bauchkitzler.

Sleep Token – „The Summoning” / Orbit Culture – „Inside the Waves”

Zwei weitere Tracks, primär für den Amp-Vergleich genutzt.

Bei „The Summoning” fällt auf: Der SPL Phonitor xe ist eine kleine Ecke dumpfer als der Soloist Stellar Max. Die Becken stehen einen Tick weiter hinten, sind nicht ganz so bright. Im Alltagshören würde das niemandem auffallen – im direkten A/B ist es hörbar.

Bei Orbit Culture „Inside the Waves” bestätigt sich das Bild. Die Stimmen am Anfang sind auf dem Stellar Max klarer, die Höhen deutlich klarer, das Gesamtbild homogener. Das ist keine dramatische Aussage – es ist ein Hauch. Aber er ist da.

Amp-Vergleich: SPL Phonitor xe vs. Burson Soloist Stellar Max

Gleiches Material, gleiche Kopfhörer, direktes Umschalten.

Das Ergebnis ist eindeutig aber nicht brutal: Der Soloist Stellar Max ist eine kleine Ecke klarer, minimal neutraler, und holt einen Hauch mehr Detail raus. Verum 2, OMNE Audio Hendeka, LCD‑X – dasselbe Bild überall, auf jedem Track. Der Stellar gewinnt, aber nicht mit großem Abstand.

Der entscheidende Satz ist dieser: Ohne isolierten, direkten Vergleich hätte ich den Unterschied wahrscheinlich nicht gehört. Der SPL Phonitor xe macht seinen Job hervorragend. Er ist kein limitierender Faktor. Wer ihn kauft und keinen Burson daneben stehen hat, wird glücklich sein – und das vollkommen zu Recht.

Was die Gleichung interessant macht: Preislich liegen beide nahe beieinander, aber der Stellar Max hat keinen DAC. Wer keinen guten Standalone-DAC hat, zahlt für den SPL Phonitor xe mehr – bekommt dafür aber das Gesamtpaket inklusive DAC768v2 und Phonitor Matrix. Wer nur einen reinen Kopfhörerverstärker sucht, bekommt mit dem Stellar Max minimal mehr Klang für ähnliches Geld.

Kein Grundrauschen, kein Stress

Ein kurzer aber wichtiger Punkt: Andere Reviews haben das Thema Grundrauschen beim SPL Phonitor xe aufgegriffen. Ich kann das aus meiner Session nicht bestätigen – an keinem der vier Kopfhörer war ein wahrnehmbares Rauschen feststellbar. Weder am empfindlicheren OMNE noch am LCD‑X. Der SPL Phonitor xe arbeitet ruhig. Das ist das, was man bei einem Gerät dieser Klasse erwartet – und bekommt.

Klangcharakter – das Fazit

Der SPL Phonitor xe spielt neutral mit einer warmen Nuance. Kein Kopfhörer wird durch ihn extra warm gefärbt, kein Einfluss der das Klangbild negativ verändert. Der DAC768v2 ist gut auf den Amp abgestimmt, das Gesamtpaket sitzt. Und das Wichtigste: Wenn irgendwo Details fehlen, liegt es nicht am SPL – zumindest nicht in diesem Preissegment und mit diesem Kopfhörer-Setup. Wo Schwächen auftauchen, landen sie beim Kopfhörer. Das ist genau das, was man von einem Gerät dieser Klasse erwartet.

Praxis: Das Hörzimmer-Szenario

Der SPL Phonitor xe ist eigentlich kein reines Desktop-Gerät – er ist ein Wohnzimmer-Instrument. Die Vorstellung: Eversolo DMP-A6 als Streamer, Coax-Kabel zum Phonitor, Kopfhörer auf dem Ständer daneben, ein Sessel. Steuerung per Eversolo-App oder Qobuz/Roon Connect – und die motorisierte Lautstärkeregelung des Phonitor per IR-Remote vom Sessel aus. Kein Aufstehen, kein Rumfummeln. Das ist ein komplettes, elegantes Hörzimmer-Setup für unter 3.000 € mit Streamer. Einfach schön.

Einordnung & Wettbewerb

Der SPL Phonitor xe spielt in einem Segment, das kompromisslos und teuer ist.

Gegen den Burson Soloist Stellar Max (~2.300 €): Ähnliches Preisniveau wie der SPL Phonitor xe ohne DAC (2.179 €), genauso wie der Stellar. Im direkten A/B minimal klarer, homogener, etwas mehr Detail – aber der Unterschied wäre im Alltag ohne direkten Vergleich nicht aufgefallen. Wer das Gesamtpaket mit DAC und Phonitor Matrix sucht, liegt mit dem SPL richtig. Wer nur den besten reinen Amp für sein Geld will, schaut beim Stellar vorbei.

Gegen den Burson Conductor GT4 Deluxe: Fast 700 € mehr, DAC mit ESS Pro Chip, Vorverstärker-Ausgang. Ein direkter A/B‑Vergleich war in dieser Session nicht möglich – der GT4 hat einen temporären Defekt. Auf Basis täglicher Nutzung beider Geräte: der GT4 ist eine andere Kategorie, kein fairer Preisvergleich. Wer tiefer in die Burson Audio Welt einsteigen will, findet auf HiFiGeek alle bisherigen Reviews zur Marke.

Gegen den Ferrum OOR: In der Head-Fi-Community regelmäßig als Konkurrent genannt, mit anderem Klangcharakter und ohne Matrix-Funktionalität. Leider nicht zur Hand.

Zur Altersfrage: Der SPL Phonitor xe ist seit 2019 auf dem Markt. Für einen reinen Kopfhörerverstärker ist das weniger problematisch – Verstärkerschaltungen altern nicht wie DAC-Chips. Aber für das Paket aus Verstärker und DAC768v2 zahlt man heute viel Geld, und es gibt inzwischen Alternativen, die technisch frischer aufgestellt sind. Das rechtfertigt keinen Referenz-Award 2026 – auch wenn das Gerät genauso gut klingt wie am ersten Tag.

Fazit

Der SPL Phonitor xe ist kein Gerät, das man kauft, weil es das Neueste ist. Man kauft ihn, weil er eine Haltung verkörpert: Profi-Handwerk, keine Kompromisse bei Material und Schaltungstopologie, und ein Alleinstellungsmerkmal in Form der Phonitor Matrix, das kein anderer Hersteller in dieser Form anbietet.

Wer täglich zwischen Kopfhörern mit sehr unterschiedlichen Impedanzen wechselt und die Matrix nicht braucht, findet heute für ähnliches Geld frischere Hardware. Wer aber genau weiß, dass er einen transparenten, kontrollierten Kopfhörerverstärker sucht, der über Jahrzehnte funktioniert, und für den die Phonitor Matrix ein echtes Feature ist – der liegt mit dem SPL Phonitor xe immer noch richtig.

Ein Gerät für Leute, die wissen, was sie wollen. Die größte Käuferschaft 2026 ist wahrscheinlich genau die: kein Lautsprecher-Setup zu Hause, dafür der Wunsch nach echter Räumlichkeit über Kopfhörer. Für die ist die Phonitor Matrix kein Gimmick, sondern der Grund, warum sie sich genau dieses Gerät kaufen und kein anderes.

Was macht SPL als Nächstes? Das ist tatsächlich eine spannende Frage. Die Professional-Fidelity-Serie ist seit Jahren stabil, aber das Marktumfeld hat sich seit 2019 deutlich verändert. Es wäre schön zu sehen, was SPL mit einer neuen Phonitor-Generation macht – neuer DAC-Chip, endlich Pentaconn, USB‑C. Die VOLTAiR-Technologie bleibt sowieso. Die Firma macht gute Geräte. Sie haben die Grundlagen für etwas Ordentliches, wenn sie es angehen.

Bis dahin: Geiles Teil. Aber eins mit klarem Verfallsdatum auf dem Preisschild.

FAQ – Häufige Fragen zum SPL Phonitor xe

Was ist der SPL Phonitor xe und für wen ist er geeignet?

Der SPL Phonitor xe ist ein High-End-Kopfhörerverstärker des deutschen Herstellers Sound Performance Lab (SPL) aus Niederkrüchten. Er richtet sich an anspruchsvolle Kopfhörer-Enthusiasten, die einen transparenten, neutral-warmen Verstärker mit analoger Crossfeed-Technologie (Phonitor Matrix) suchen. Besonders geeignet ist der SPL Phonitor xe für alle, die kein Lautsprecher-Setup realisieren können und sich über die Phonitor Matrix ein räumlicheres Klangerlebnis am Kopfhörer wünschen.

Was kostet der SPL Phonitor xe?

Der SPL Phonitor xe kostet zum Testzeitpunkt 2.179 € in der Version ohne DAC, mit dem optionalen DAC768v2-Modul 3.149 €. Für den Mehrpreis bekommt man einen vollwertigen Referenz-Wandler direkt integriert – wer bereits einen guten Standalone-DAC hat, fährt mit der günstigeren Variante.

Was ist die Phonitor Matrix und wie funktioniert sie?

Die Phonitor Matrix ist eine analoge Crossfeed-Schaltung, die das Klangbild am Kopfhörer dem einer Lautsprecherwiedergabe annähern soll. Sie mischt einen pegelreduzierten und zeitverzögerten Anteil des jeweils anderen Kanals ein – ähnlich wie es ein Lautsprecher im Raum physikalisch tut. Zwei Parameter sind einstellbar: Crossfeed (6 Stufen, steuert die Kanalmischung) und Angle (4 Stufen: 22°, 30°, 40°, 55°, simuliert den Lautsprecher-Öffnungswinkel). Die Matrix ist analog implementiert und damit ein Alleinstellungsmerkmal des SPL Phonitor xE in dieser Preisklasse.

Was ist der Unterschied zwischen SPL Phonitor xe und Phonitor x?

Der Hauptunterschied: Der Phonitor x hat zusätzlich einen symmetrischen XLR-Vorverstärker-Ausgang und kann damit auch Endstufen oder Aktivlautsprecher ansteuern. Der SPL Phonitor xe ist ein reiner Kopfhörerverstärker ohne Preamp-Ausgang. Beide teilen dieselbe Verstärkerschaltung und dieselbe Phonitor Matrix. Der xe bekommt außerdem das bessere DAC-Modul DAC768 (statt DAC768xs beim x), da er die nötige Stromreserve dafür hat.

Brauche ich das optionale DAC768v2-Modul?

Nicht zwingend. Wer bereits einen hochwertigen Standalone-DAC hat – etwa einen Eversolo DMP-A6 oder ähnliches – kann den SPL Phonitor xe problemlos über die analogen oder digitalen Eingänge betreiben. Das DAC768v2-Modul ist eine solide Option für alle, die keine separate DAC-Quelle haben und alles in einem Gerät bündeln wollen. Im Test via Coax S/PDIF vom Eversolo war das Ergebnis hervorragend.

Kann man den SPL Phonitor xe mit einer Fernbedienung bedienen?

Ja – und das ist eines der praktischsten Features des SPL Phonitor xe. Der motorisierte Lautstärkeregler lässt sich mit jeder beliebigen Infrarot-Fernbedienung steuern. Anlernvorgang: Knopf auf der Rückseite drücken, zwei Tasten einer IR-Remote zuweisen – fertig. Im Test wurde die Burson-Fernbedienung angelernt, seitdem läuft die Lautstärkeregelung bequem vom Hörplatz.

Wie schlägt sich der SPL Phonitor xe gegen den Burson Soloist Stellar Max?

Im direkten A/B‑Vergleich ist der Burson Soloist Stellar Max eine kleine Ecke klarer, minimal neutraler und holt einen Hauch mehr Detail heraus. Der Unterschied ist aber subtil – ohne isolierten Direktvergleich wäre er im Alltag kaum aufgefallen. Der SPL Phonitor xe punktet mit dem optionalen DAC768v2 und der einzigartigen Phonitor Matrix, die der Stellar Max nicht bietet. Preislich liegen beide nahe beieinander.

Gibt es Grundrauschen am SPL Phonitor xe?

Im Test war an keinem der getesteten Kopfhörer – Verum 2 (80 Ohm Planar), OMNE Audio Hendeka (dynamisch), Hifiman Sundara und Audeze LCD‑X – ein wahrnehmbares Grundrauschen feststellbar. Der SPL Phonitor xE arbeitet ruhig, auch bei hoher Verstärkung.

]]>
https://www.hifigeek.de/spl-phonitor-xe-test-review/feed/ 0 10699
Burson Soloist Prime Voyager: Neuer High-End Class-A-Kopfhörer-Endverstärker mit VU-Metern https://www.hifigeek.de/burson-soloist-prime-ankuendigung/ https://www.hifigeek.de/burson-soloist-prime-ankuendigung/#respond Wed, 19 Aug 2026 10:59:59 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=12434 Burson Audio erweitert seine Voyager-Serie um ein neues Mitglied: den Burson Soloist Prime. Wer schon länger unsere Burson-Reviews verfolgt – vom Soloist Stellar Max über den Conductor GT4 bis zum Timekeeper GT4 – weiß, dass die Australier ihr Portfolio in den letzten Monaten ordentlich durchgeschüttelt haben. Der Prime ist der nächste Schritt, und Burson selbst nennt ihn einen “Endgame Headphone Power Amplifier” – große Worte, aber die Technik dahinter gibt zumindest auf dem Papier einiges her.

Die Idee dahinter: Verstärkung pur, Regelung woanders

Der Burson Soloist Prime versteht sich explizit nicht als Pre-Amp mit Kopfhörerausgang, so wie es der Soloist Voyager oder die Soloist Stellar tun – sondern rein als Endverstärker. Burson bringt es selbst auf den Punkt: “By removing the volume control, preamp stage and display, we created the space to realise our design ideals.” Wer schon eine gute Lautstärkeregelung in seiner Quelle hat (Eversolo DMP-A6, sag ich nur), verschenkt bei einem klassischen Pre-Amp-Kopfhörerverstärker sonst Schaltungsaufwand für einen zweiten, redundanten Regler.

Das bedeutet aber auch: Kein Lautstärke-Poti, keine Eingangswahl, kein Gain-Umschalter zum Durchklicken, kein Display. Wer sowas will, ist beim Voyager oder der Stellar besser aufgehoben.

Front-Design: VU-Meter statt Display

Optisch schlägt der Burson Soloist Prime dafür eine andere, ziemlich charmante Richtung ein: Statt eines digitalen Displays wie beim Voyager (OLED) oder der Stellar (einfaches Volume-/Input-Display) sitzen auf der Front zwei analoge VU-Meter im klassischen Nadel-Design, orange hinterleuchtet – laut Produktfotos mechanische Zeigerinstrumente mit sichtbarem Innenleben, kein digitales Fake-VU. Zwischen den beiden Metern liegt die zentrale 4‑Pol-XLR-Buchse für den balancierten Kopfhörerausgang, flankiert von zwei weiteren Ausgängen: einer davon ein 4,4‑mm-Pentaconn-Ausgang (bestätigt direkt von Burson), der ein single ended 6,35mm Ausgang.”

Auf der Rückseite finden sich – ganz im Sinne des konsequenten Dual-Mono-Konzepts – pro Kanal ein eigener XLR- und ein Cinch-Lineeingang, dazu 12V-Trigger-In/Out und der Anschluss für das externe 24V/5A-Netzteil. Das Netzteil selbst arbeitet laut Spezifikation mit 100–240 V AC weltweit, für uns in der DACH-Region also ganz unkompliziert am heimischen Stromnetz.

Technik: Zwei-Lagen-Netzteilarchitektur als eigentliche Innovation

Kern des Burson Soloist Prime ist die Class-A-Verstärkung mit bis zu 12 Watt pro Kanal balanced (XLR, 4,4mm) bzw. 6 Watt unsymmetrisch (SE) – der Prime hat also, anders als man bei einem reinen “Balanced-Amp” vermuten könnte, durchaus auch einen klassischen SE-Ausgang mit ordentlich Leistung.

Richtig spannend wird’s aber beim Netzteilkonzept: Burson spendiert dem Prime erstmals eine zweistöckige interne Architektur mit insgesamt zehn MCPS-Modulen (Max Current Power Supplies) – doppelt so viele wie beim bereits potenten Soloist Voyager, der mit fünf MCPS in einer einzigen Lage auskommt.

  • Obere Lage (“The Quiet Upper Layer”): Sechs vollständig geschirmte MCPS versorgen unabhängig voneinander die Eingangs-Bufferstufe mit V7-Vivid-Pro-Opamps sowie die Dual-Mono-IEM-Ausgangsstufe. Der spiegelsymmetrische Aufbau hält die Kanäle getrennt und minimiert Übersprechen sowie eingestreute EMI.
  • Untere Lage (“Thunder from Down Under”): Vier weitere MCPS versorgen die neu entwickelte Dual-Mono-Verstärkerstufe, aufgebaut um Hochleistungs-MOSFETs, die gezielt für tiefen Class-A-Bias selektiert wurden – daraus resultieren die besagten 12 Watt/Kanal balanced.

Burson selbst bezeichnet das Konzept unumwunden als Ausdruck ihres Fokus auf Stromversorgung: gute Verstärkung fängt für sie bei einem exzellenten Netzteilkonzept an – und beim Prime wird das eben konsequent verdoppelt.

Dediziertes IEM-Modul: Deluxe vs. Max

Auch bei der IEM-Verstärkung unterscheiden sich die beiden Versionen deutlich:

Soloist Prime Deluxe – das unabhängig versorgte IEM-Modul basiert auf zwei TPA6120A2-Verstärkerchips und liefert laut Burson ultra-niedrige 0,001 % THD+N, eine Slew-Rate von 1.300 V/µs und einen “pitch-black” Hintergrund.

Soloist Prime Max – hier geht Burson konsequent den eigenen Weg weiter: ein vollständig diskretes, echtes Class-A-IEM-Modul, das mit 10 Watt Idle-Bias arbeitet (analog zum Class-A-Idle-Prinzip, das wir schon vom Timekeeper GT4 kennen) und 1 Watt Ausgangsleistung über balanced XLR und 4,4mm liefert. Auch hier: true dual-mono, spiegelsymmetrisch aufgebaut, gezielt auf empfindliche, niederohmige IEMs zugeschnitten.

Für beide Versionen gibt Burson als IEM-Ausgangsleistung 1 W balanced / 0,5 W SE an.

Weitere Ausstattung

  • Op-Amp-Swap: Die V7-Vivid-Pro-Opamps sind nutzerseitig tauschbar – ganz Burson-Tradition, auch beim Prime möglich.
  • Coolcase 2: Ein eigenes Kühlkonzept fürs Gehäuse, passend zur erheblichen Class-A-Abwärme, die bei zwei Verstärkerstufen mit hohem Idle-Bias zusammenkommt.
  • Silent Power Module: Das bekannte SP02 mit LT3045-Regler, laut Burson 0,8 µV RMS Rauschen.
  • Garantie: 3 Jahre Herstellergarantie, 30 Tage Rückgaberecht.

Deluxe oder Max?

Soloist Prime Deluxe – Silent Power Module 02, V7 Vivid Pro Opamps, Super Charger 5A als Netzteil, IEM-Modul mit zwei TPA6120A2-Chips.

Soloist Prime Max – alles aus der Deluxe-Version, plus Burson Fusion Core 24V GaN-Netzteil, das vollständig diskrete Class-A-IEM-Modul und die Burson Universal Remote.

Preislich ruft Burson 4.499 bis 5.499 US-Dollar auf, je nach Version.

Wo der Burson Soloist Prime im Portfolio steht

ModellPreis (USD)Leistung/KanalMCPS-LayoutIEM-ModulLautstärkeregelung
Soloist Stellar Max$1.499–$2.5998 W–2× TPA6120A2 (IC-basiert)Ja (Dual PGA2320)
Soloist Voyager$3.499–$4.79910 W5 MCPS, eine LageKeine dedizierte SektionJa (Dual MUSES72320)
Burson Soloist Prime$4.499–$5.49912 W XLR / 6 W SE10 MCPS, zwei Lagen2× TPA6120A2 (Deluxe) / diskret Class‑A (Max)Keine

Der Burson Soloist Prime ist damit teurer als der reguläre Voyager – trotz (oder gerade wegen) der weggelassenen Vorstufen-Funktion. Der Voyager bietet dafür eine waschechte Pre-Amp-Sektion mit den, laut Burson, teuersten Analog-Lautstärkereglern am Markt (Dual MUSES72320). Der Prime lässt das komplett weg, bekommt dafür mehr Rohleistung, ein doppelt so aufwendiges Netzteilkonzept und – zumindest in der Max-Version – ein IEM-Modul, das es so bei Burson noch nicht gab.

Auch der Vergleich zu unserem Soloist Stellar Max lohnt sich, den wir ja selbst mit 9,4/10 und Referenz-Award bewertet haben: Deren IEM-Sektion basiert, wie auch die Deluxe-Version des Prime, auf zwei TPA6120A2-Chips. Erst die Prime Max geht einen Schritt weiter und bringt ein komplett diskretes, echtes Class-A-IEM-Modul mit eigenem Idle-Bias – eine Architektur, die weder die Stellar noch der reguläre Voyager bieten.

Der Pre-Order-Deal: Deluxe bestellen, Max bekommen

Wer aktuell die Deluxe-Version vorbestellt, wird automatisch auf Max hochgestuft – ohne Aufpreis. Sprich: Fusion-Core-Netzteil, das diskrete Class-A-IEM-Modul und die Fernbedienung gibt’s obendrauf. Burson beziffert die Ersparnis auf über 1.000 US-Dollar.

Pre-Orders schließen am 31. August 2026, der Versand startet laut Burson Ende September 2026 und läuft in Bestellreihenfolge ab. Storno ist bis zum Versand kostenlos möglich, allerdings fällt dann eine Bearbeitungsgebühr von 5 % an, um die nicht erstattungsfähigen Zahlungsabwicklungskosten zu decken.

Versand erfolgt per DHL Express Priority und ist vollversichert – Steuern und Einfuhrabgaben sind da allerdings nicht mit drin, das kommt bei einem Import aus Australien für uns in der DACH-Region also on top.

Burson veröffentlicht Messbericht: Erste Zahlen vom Bench

Kurz vor Ende der Pre-Order-Phase hat Burson einen eigenen Audio-Precision-Messbericht zum Soloist Prime veröffentlicht – und zwar mit einer bemerkenswert ehrlichen Einordnung dazu. Sinngemäß schreibt das Team: Messwerte sagen viel, aber sie sagen nichts darüber aus, wie ein Gerät am Ende in den eigenen Ohren klingt – und genau deshalb lohnt sich immer auch der eigene Hörtest beim Händler.

Das nehmen wir gerne mit, schauen uns die Zahlen aber trotzdem an, denn die sind für ein Gerät dieser Preisklasse aufschlussreich:

MessungCh1Ch2
Hauptverstärker (XLR, 4 Vrms, 32 Ω) – THD+N0,000477 %0,000476 %
Hauptverstärker (XLR) – SINAD106,43 dB106,45 dB
IEM-Modul Deluxe (IC, TPA6120A2) – THD+N0,001019 %0,000975 %
IEM-Modul Deluxe – SINAD99,84 dB100,22 dB
IEM-Modul Max (diskret, Class‑A) – THD+N0,000979 %0,001076 %
IEM-Modul Max – SINAD100,18 dB99,36 dB
Click & Pop (Ein-/Ausschalten)Kein messbarer KnackserKein messbarer Knackser

Interessant dabei: Das aufwendigere, vollständig diskrete Class-A-IEM-Modul der Max-Version schlägt das IC-basierte Modul der Deluxe-Version in der reinen THD+N‑Zahl nicht eindeutig – beide bewegen sich im selben, sehr niedrigen Bereich um 0,001 %. Der Mehrwert des diskreten Aufbaus dürfte sich also eher in Slew-Rate, Dynamikverhalten oder dem subjektiven Klangcharakter zeigen als in der nackten Verzerrungszahl auf dem Papier – etwas, das sich ohnehin nur im Hörtest wirklich beurteilen lässt.

Der Hauptverstärker über XLR liefert dagegen Zahlen, die sich vor deutlich teureren Endstufen nicht verstecken müssen: 0,000477 % THD+N und gut 106 dB SINAD bei 4 Vrms Ausgangspegel sind Referenzklasse-Niveau. Auch das Ein-/Ausschaltverhalten ist astrein – bei einem Gerät mit hohem Class-A-Bias keine Selbstverständlichkeit, da thermische Umschaltvorgänge gerne mal für hörbare Knackser sorgen.

Wer die vollständigen Messkurven (THD vs. Pegel, IMD SMPTE, Übersprechen, Multiton, Frequenzgang bei 20 kHz und 90 kHz Messbandbreite) selbst durchgehen will, findet den kompletten AP-Messbericht direkt bei Burson.

Technische Eckdaten im Überblick

SpezifikationWert
DesignReiner Class-A-Kopfhörer-Endverstärker
Hauptausgang12 W/Kanal XLR, 4,4mm / 6 W/Kanal SE
IEM-Ausgang1 W XLR, 4,4mm / 0,5 W SE
ArchitekturTrue Dual-Mono, spiegelsymmetrisch, zwei Netzteil-Lagen
Netzteilmodule10× MCPS (6 obere Lage / 4 untere Lage)
VerstärkungHigh-Performance-MOSFETs, Class-A-Bias
SpannungsregelungSilent Power Module 02 (LT3045)
OpampsBurson V7 Vivid Pro (diskret, tauschbar)
IEM-VerstärkungDeluxe: 2× TPA6120A2, 0,001 % THD+N / Max: diskret Class‑A, 10 W Idle-Bias
LautstärkeregelungKeine – für Quellen mit eigener Regelung konzipiert
Anzeige2× analoge VU-Meter
EingängeJe 1× XLR + 1× Cinch pro Kanal
Trigger12V Trigger In/Out
NetzteilSuper Charger 5A (Deluxe) / Fusion Core 24V GaN (Max), AC 100–240 V
KühlungCoolcase 2
Garantie3 Jahre, 30 Tage Rückgaberecht
Maße32 × 16 × 50 cm
Gewicht7 kg
Preis$4.499–$5.499

Einordnung

Ein dedizierter Class-A-Kopfhörer-Power-Amp ohne Pre-Amp-Ballast, mit einer für diese Preisklasse ungewöhnlich aufwendigen Zwei-Lagen-Netzteilarchitektur, VU-Metern statt Display und einem potenziell richtig starken IEM-Modul in der Max-Version – das ist eine klare Ansage an alle, die bereits eine potente Quelle mit guter Lautstärkeregelung haben und einfach nur noch mehr Saft, Kontrolle und sauberes IEM-Handling obendrauf wollen. Ob der Burson Soloist Prime das Versprechen aus 12 Watt Class‑A, zehn MCPS-Modulen und diskretem IEM-Modul auch klanglich einlöst, können wir naturgemäß erst sagen, wenn das Gerät tatsächlich bei uns steht.

Bis dahin: Wer aktuell mit dem Gedanken spielt, sollte den 31. August im Kopf behalten – danach ist der Max-Upgrade-Deal erstmal Geschichte. Alle weiteren Burson-Reviews von uns findet ihr wie immer im Burson-Übersichtsseite.

Gibt es unabhängige Messwerte zum Soloist Prime?

Burson hat einen eigenen Audio-Precision-Messbericht veröffentlicht. Der Hauptverstärker liegt bei rund 0,00048 % THD+N und 106 dB SINAD über XLR – Werte auf Referenzklasse-Niveau. Interessant: Das diskrete Class-A-IEM-Modul der Max-Version misst sich in der reinen THD+N‑Zahl nicht besser als das IC-basierte Modul der Deluxe-Version.

Welche Ausgänge hat der Soloist Prime?

Drei Kopfhörerausgänge: 6,35 mm SE, 4,4 mm Pentaconn und 4‑Pol-XLR (balanced). Dazu kommt die separate IEM-Verstärkerstufe.

Was kostet der Burson Soloist Prime?

Die Deluxe-Version startet bei 4.499 US-Dollar, die Max-Version bei 5.499 US-Dollar.

Was ist der Unterschied zwischen Deluxe und Max?

Die Max-Version bringt zusätzlich das Burson-Fusion-Core-24V-GaN-Netzteil, ein vollständig diskretes Class-A-IEM-Modul (statt der TPA6120A2-Chips der Deluxe) und die Burson Universal Remote mit.

Hat der Soloist Prime eine Lautstärkeregelung?

Nein. Der Prime ist bewusst als reiner Endverstärker konzipiert, ohne Volume-Poti, Eingangswahl oder Display – gedacht für den Betrieb an Quellen mit eigener Lautstärkeregelung.

Wie viel Leistung liefert der Soloist Prime?

Bis zu 12 Watt pro Kanal über balanced XLR. Am IEM-Modul liegt die Ausgangsleistung bei 1 Watt balanced.

Was unterscheidet den Soloist Prime vom Soloist Voyager?

Der Prime verzichtet auf Vorstufen-Funktion und Lautstärkeregelung, bietet dafür mehr Rohleistung (12 W statt 10 W), ein doppelt so umfangreiches Netzteilkonzept (10 statt 5 MCPS-Module) und ein dediziertes IEM-Modul, das der Voyager nicht hat. Preislich liegt er trotzdem über dem regulären Voyager.

Bis wann läuft der Pre-Order-Deal?

Pre-Orders schließen am 31. August 2026. Wer bis dahin die Deluxe-Version bestellt, bekommt automatisch auf Max hochgestuft – eine Ersparnis von über 1.000 US-Dollar.

Wann wird der Soloist Prime ausgeliefert?

Der Versand startet laut Burson Ende September 2026, in der Reihenfolge der eingegangenen Bestellungen.

Testet HiFiGeek den Soloist Prime?

Ja – wir haben ein Testgerät von Burson bestätigt bekommen. Sobald der Prime bei uns eintrifft, folgt der ausführliche Test.

]]>
https://www.hifigeek.de/burson-soloist-prime-ankuendigung/feed/ 0 12434
Burson Soloist Stellar Max im Test: Kompromisslos vielseitig – Voyager-DNA, branchenführender IEM-Modus, unter 3.000 € https://www.hifigeek.de/burson-soloist-stellar-max/ https://www.hifigeek.de/burson-soloist-stellar-max/#respond Tue, 02 Jun 2026 20:23:46 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=11843 Der Burson Soloist Stellar Max steht seit drei Monaten auf meinem Schreibtisch. Knapp acht Stunden täglich. Das ist viel Zeit. Genug Zeit jedenfalls, um nicht nur die ersten Wow-Eindrücke zu sammeln, sondern auch den Punkt zu finden, an dem ein Gerät anfängt zu nerven. Spoiler: Dieser Punkt ist beim Soloist Stellar Max bisher nicht gekommen. Ganz im Gegenteil – je länger ich das Ding nutze, desto mehr verstehe ich, warum es im Head-Fi-Forum gerade so abgeht.

Wer den Stellar Max im Kontext der gesamten Burson-Linie einordnen möchte: Alle HiFiGeek-Tests zu Burson Audio im Überblick.

Disclaimer: Burson Audio hat den Soloist Stellar Max kostenlos zur Verfügung gestellt. Auf meinen Testaufbau, meine Höreindrücke und meine Wertung hat Burson keinen Einfluss. Wie immer hier: keine Werbung, keine Affiliate-Links, keine bezahlten Beiträge – nur das, was im Test rauskommt.

Das Review vom Burson Soloist Stellar Max gibt es auch als Video

Burson Audio und die neue Stellar-Serie

Wer regelmäßig hier mitliest, kennt Burson Audio bereits aus meinem Timekeeper-GT4-Max-Review. Die Australier sortieren ihr Portfolio aktuell in vier Linien: Party‑, Stellar‑, Grand-Tourer- und Voyager-Series. Die Stellar-Serie ist die jüngste Neuauflage und sitzt im Stack unterhalb der Grand-Tourer-Geräte – kompakter, schlanker, optisch frischer, aber technisch nicht aus dem Schaufenster-Regal. Mit dem Conductor Stellar (mit DAC) und dem Soloist Stellar (rein Kopfhörer- und Vorverstärker) hat Burson zwei Geschwister im selben Gehäuse: gleiches Chassis, gleiche Designsprache, leicht unterschiedliche Innereien.

Der Burson Soloist Stellar Max, den ich hier habe, ist die Vollausstattung. Das heißt: V7 Vivid Pro Opamps (statt der NE5532 der Standard-Version), Silent Power Module 02 (statt SP01), das GaN-basierte Fusion Core Netzteil (statt des Standard-24-V-Schaltnetzteils) und eine ordentliche Aluminium-Fernbedienung. Burson bietet darüber hinaus die Deluxe-Variante an, die ohne den Fusion Core auskommt und stattdessen das Super-Charger-5A-Netzteil mitliefert. Wer maximal will, nimmt direkt den Max.

Preislich liegt der Soloist Stellar Max bei ca. 2.900 € UVP zum Testzeitpunkt. Damit kostet er knapp die Hälfte des Soloist Voyager Max, der bei rund 5.000 € liegt – und holt trotzdem einen Großteil von dessen Charakter ins kompakte Format. Aber dazu gleich mehr.

Unboxing und Lieferumfang

Burson-typisch ordentlich. Der Burson Soloist Stellar Max kommt in einem doppelten Karton, sauber in Schaumstoff gebettet. Das Fusion Core Netzteil liegt in einem eigenen Karton, dazu das custom-konfektionierte 24-V-Kabel – netzteilseitig mit Schraubverbindung gesichert, geräteseitig gesteckt. Dasselbe Konzept wie beim großen Timekeeper GT4 Max, nur mit weniger Saft (24 V/15 A statt 32 V/15 A).

Lieferumfang Burson Soloist Stellar Max:

  • Burson Soloist Stellar (Max-Version mit V7 Vivid Pro Opamps und SP02-Modulen)
  • Burson Fusion Core 24-V-Netzteil (GaN-basiert)
  • Custom 24-V-Kabel (Schraubverbindung)
  • Netzkabel (länderspezifisch)
  • Aluminium-Fernbedienung (zweifarbig)
  • Ersatzsicherung
  • Kein gedrucktes Handbuch – das gibt es zum Download

Ein 4,4‑mm-Pentaconn-Adapter wäre eine nette Geste gewesen, denn der Burson Soloist Stellar Max hat kein 4,4‑mm-Pentaconn an der Front. Wer von einem Portable-DAC oder einem moderneren Setup kommt, muss sich also einen Adapter besorgen oder das Kopfhörerkabel auf XLR‑4 oder 6,3 mm umkonfektionieren. Kein Drama, aber 2026 nicht mehr selbstverständlich.

Anschlüsse und Bedienmodi

Front:

  • 4‑Pol XLR (Balanced Headphone-Out, voller Punch via 8 W Class‑A)
  • 6,35 mm Klinke (Single-Ended, 4 W Class‑A)
  • 3,5 mm Mikrofon-Eingang
  • Lautstärke-Drehregler mit Encoder-Feedback
  • drei Menü-Tasten und ein 1,7‑Zoll-OLED-Display

Rückseite:

  • 2× RCA Eingang
  • 2× XLR Eingang
  • 2× RCA Ausgang
  • 2× XLR Ausgang
  • Subwoofer-Out (RCA)
  • Trigger In/Out
  • 24-V-DC-Eingang mit Steckverbindung
  • Power-Schalter

Vier Betriebsmodi lassen sich über die Menüsteuerung durchschalten:

  1. Headphone Amp – Hauptverstärkerzweig, volle 8 W Class‑A
  2. Headphone Amp + Subwoofer – Kopfhörer plus zusätzliche Sub-Ausspielung
  3. IEM Amp – dedizierter IEM-Verstärkerzweig mit niedrigerer Leistung, separatem Layout, eigenem Rauschabstand
  4. Preamp – Linestufe für Endstufen oder Aktivlautsprecher

Das Konzept mit den separaten Audio-Pfaden ist der eigentliche Witz bei diesem Gerät. Dazu gleich.

Design, Verarbeitung und Aufstellung

Der Burson Soloist Stellar Max teilt sich das Chassis mit dem Conductor Stellar – also kompakt im Vergleich zu den Grand-Tourer-Geräten, mit aerospace-inspirierten Lüftungsschlitzen oben und unten, gebürstetem Aluminium und der typisch futuristisch wirkenden Burson-Front. Mit 210 × 200 × 75 mm und etwa 5 kg ist das Ding ein Schreibtisch-Bewohner, kein Rack-Klotz. Auf einem normalen 60-cm-Schreibtisch findet er locker Platz neben Bildschirm und Tastatur und sieht dabei auch noch verdammt gut aus.

Die Verarbeitung ist Burson-typisch sehr gut – keine scheußlichen Spaltmaße, keine scharfen Kanten, das Aluminium fühlt sich satt und solide an. Das Volumen-Drehrädchen hat mehr Widerstand als bei meinen anderen Burson-Geräten, was sich angenehm haptisch anfühlt. Ehrlich gesagt ist mir das bei einem digital ausgewerteten Encoder relativ egal – aber wer Wert auf Premium-Haptik legt, freut sich über das deutliche Feedback.

Wärmeentwicklung: Bei 50 W Idle-Bias in Class‑A wird das Gerät warm. Nicht heiß, sondern gut handwarm – perfekt für kalte Schreibtischhände im Winter. Der Burson Soloist Stellar Max ist aktiv gekühlt, die Lüfter sitzen in den Schlitzen oben und unten. Im Alltag sind sie so leise, dass ich sie in den ersten Wochen schlicht nicht wahrgenommen habe – kein Vergleich zu einem lauten PC-Lüfter, eher ein leises Hintergrundrauschen das im normalen Hörpegel vollständig verschwindet. Trotzdem: Lüftungsschlitze freihalten, nichts drauflegen. Der Stellar braucht Luft zum Atmen.

Optisch ist das Ding deutlich näher am Conductor Stellar oder Voyager als an der Grand-Tourer-Serie. Wer von einem GT4 kommt, sieht hier eine neue Designgeneration – kompakter, geometrischer, weniger “Industrie-Look”, mehr “Premium-Desktop-Audio”.

Technik – die Innereien im Detail

Der Burson Soloist Stellar Max ist technisch ein verdichteter Voyager. Burson hat hier nicht einfach den 3X Performance neu lackiert, sondern das Konzept von Grund auf überarbeitet. Vor allem: Es gibt zwei vollständig getrennte Verstärkerzweige in einem Gehäuse.

Hauptverstärker: Vollsymmetrische Class-A-FET-Topologie

Der Hauptzweig ist eine vollsymmetrische, vollständig diskrete Class-A-FET-Schaltung. Pro Kanal arbeiten vier Onsemi MJE15032 Transistoren – das sind klassische NPN-Bipolar-Transistoren, optimiert für hohe Linearität und niedrige Verzerrung. Burson treibt diese mit einem Idle-Bias von satten 50 W – das heißt, der Verstärker steht permanent in seinem optimalen Arbeitsbereich, Transienten kommen ohne Verzögerung und Crossover-Verzerrung gibt es schlicht keine.

Ein Wort zum Warmup

50 W Idle-Bias in einem kompakten Gehäuse haben eine Konsequenz, die viele beim ersten Einschalten nicht auf dem Schirm haben: Der Burson Soloist Stellar Max braucht Zeit, um auf seinem tatsächlichen Leistungsniveau anzukommen. Transistoren haben temperaturabhängige Kennlinien – Verstärkung, Ruhestrom und Arbeitspunkt verschieben sich, bis das Gerät seine thermische Betriebstemperatur erreicht hat. Laut Burson selbst sind dafür 15–30 Minuten vollständig ausreichend.

Wer direkt nach dem Einschalten reinhört, hört den Stellar noch nicht auf Betriebstemperatur – Bass und Dynamik wirken einen Tick weniger kontrolliert, die Bühne etwas flacher. Das ist keine Einbildung, sondern pure Physik. Der Gegenzug: Im voll aufgewärmten Zustand zahlt sich dieser Aufwand direkt aus – volle Kontrolle, maximale Dynamik, der ganze Burson-Sound.

Also: 15–30 Minuten vor dem ersten Track einschalten, Kaffee kochen, ankommen. Dann ist der Stellar da wo er hingehört – und du auch.

Noch ein praktischer Hinweis: Ab Werk ist die Auto-Off-Funktion aktiv, die das Gerät nach einer gewissen Zeit ohne Signal automatisch abschaltet. Wer sie deaktiviert, muss nicht jedes Mal neu warten – das ist eine legitime Option. Dauerhaft anlassen empfiehlt Burson allerdings nicht, weder für das Gerät noch für die Umwelt. 15–30 Minuten Warmup sind das sinnvolle Mittel der Wahl.

IEM-Modus: Branchenführend gelöst

Hier wird’s spannend. Der Burson Soloist Stellar Max hat einen separaten Verstärkerzweig nur für IEMs, bestehend aus zwei TPA6120A2 OpAmps. Diese Chips sind alte Bekannte mit absurd guten Daten: 0,00014 % THD+N, 1.300 V/µs Slew-Rate, weiter Frequenzgang. Burson nutzt sie hier explizit als IEM-Stufe, weil sie kombiniert mit eigener Stromversorgung und niedriger Leistung (1 W XLR / 0,5 W SE) das machen, was IEMs brauchen: einen tiefschwarzen Hintergrund ohne jedes Grundrauschen und genug Auflösung, um die feinsten Details herauszuziehen.

Kurzer Querverweis: Im Luxsin X9 (siehe mein Review hier auf dem Blog) wird derselbe TPA6120A2 als Hauptverstärker eingesetzt. Im Burson ist das die IEM-Sektion. Das sagt einiges über das Anspruchsniveau, mit dem hier gearbeitet wird.

Aktiviert man im Menü den IEM-Output, schaltet das Gerät auf diese eigene Stufe um. Das Resultat ist schlicht das Beste, was ich je an einem Desktop-Amp im IEM-Modus gehört habe. Mehr dazu in den Höreindrücken weiter unten.

PGA2320 Lautstärkeregelung – und warum das keine Nebensache ist

Burson setzt zur Lautstärkeregelung auf zwei Texas Instruments PGA2320 – einen pro Kanal, vollständig voneinander getrennt. Das ist ein analoger Resistor-Ladder-Chip: intern sitzt ein Netzwerk aus präzisen Festwiderständen, die per elektronischem Schalter konfiguriert werden. Kein Schleifer, kein mechanischer Kontakt, kein Verschleiß.

Was das im Vergleich zu den gängigen Alternativen bedeutet:

  • Klassisches Potentiometer: Schleifer auf Widerstandsbahn, Kanalabweichung zwischen L und R von 5–20 % – besonders im unteren Lautstärkebereich, wo man morgens leise hört und der linke Kanal einen Tick lauter klingt als der rechte. Dazu kommen Verschleiß und Rauschen über die Zeit.
  • Digitale Abschwächung: Effektiv Bit-Reduktion. Wer digital dämpft, verliert Auflösung im Signal. Für Budget-Geräte akzeptabel, für einen Verstärker dieser Klasse keine ernstzunehmende Option.
  • Diskrete R2R-Relais-Leiter – wie sie zum Beispiel im Luxsin X9 verbaut ist: Ebenfalls Festwiderstände, aber mit physischen Relais geschaltet. Das gilt in Audiophilen-Kreisen als die konsequentere, prestigeträchtigere Lösung – alles diskret, nichts in einem IC versteckt, die Relais-Klicks hörbar und für viele ein Feature statt ein Fehler. Mehr Schritte, mehr Granularität, mehr Philosophie. Der Nachteil: teurer in der Umsetzung, mechanisch komplexer, und das Klicken beim Regeln ist Geschmackssache.

Der PGA2320 ist der pragmatischere Weg zum gleichen Ziel: 0,0004 % THD+N, perfekte Kanalgleichheit durch IC-Fertigung, absolut lautlose Regelung. Burson hat zusätzlich eine eigene Lautstärkekurve programmiert – angepasst an die 8‑W-Class-A-Ausgangsstufe – damit auch empfindliche IEMs genug Regelweg im unteren Bereich haben, ohne beim ersten Klick zu laut zu werden. Zwei Chips, ein Kanal pro Chip, 100 % Kanaltrennung auf jeder Stufe.

Wer die audiophilere Philosophie bevorzugt, greift zu diskreten Relais. Wer einen technisch exzellenten, lautlosen und wartungsfreien Regelweg will, ist mit dem PGA2320 genauso gut aufgehoben – nur ohne das Klicken.

Silent Power Module 02 – oder: Warum Stromversorgung kein Nebenschauplatz ist

Die Silent Power Module sind Bursons hauseigene Spannungsregler-Module, die direkt in die einzelnen Audiosektionen eingebunden sind. Die zweite Generation basiert auf dem LT3045-Regulator von Analog Devices – einem Bauteil, das ursprünglich für Messtechnik und Hochfrequenzanwendungen entwickelt wurde, weil dort Versorgungsrauschen schlicht inakzeptabel ist. Im Audiobereich ist das genauso relevant, nur redet dort seltener jemand darüber.

Der LT3045 liefert 0,8 µVrms Rauschen – das ist kein Marketing-Wert, sondern ein messbarer Unterschied zu dem, was die meisten Hersteller verbauen. Zum Vergleich: Klassische Linearregler wie der LM317 oder LM7815, die in einer Vielzahl von Verstärkern und DACs im drei- bis vierstelligen Preisbereich stecken, rauschen je nach Konfiguration mit 15 bis über 100 µVrms. Das ist ein Faktor von bis zu 100 zwischen „Standard” und dem, was Burson hier einsetzt.

Das klingt abstrakt, ist aber konkret: Spannungsregler versorgen die Signalverarbeitung – die Opamps, die Ausgangsstufe, das IEM-Modul. Jeder Regler hat eine endliche PSRR (Power Supply Rejection Ratio): die Fähigkeit eines Schaltungsteils, Störungen auf der Versorgungsspannung vom Audiosignal fernzuhalten. Selbst gute Opamps wie die V7 Vivid Pro verstärken einen Teil des Versorgungsrauschens mit – je sauberer die Versorgung, desto weniger gibt es da zu verstärken, desto schwärzer der Hintergrund.

Was machen andere Hersteller stattdessen? Das Spektrum ist breit. Im Budget-Segment wird das SMPS-Schaltnetzteil direkt an die Audiostufe gehängt – Schaltfrequenzen im Kilohertz-Bereich inklusive. Im Mittelfeld kommen LM317 oder äquivalente Typen, manchmal ein Regler für alle Sektionen gemeinsam. Das bedeutet: DAC, Verstärker, Display-Steuerung und Mikrocontroller teilen sich denselben Versorgungspfad, und digitale Störungen können direkt in den Analog-Pfad einkoppeln. Im oberen Mittelfeld werden Regler pro Sektion eingesetzt – das ist bereits besser, aber mit Standardbauteilen.

Burson geht zwei Schritte weiter: LT3045-basierte Module pro Sektion, und das in einem Gerät, das bereits fünf Max-Current-Power-Supply-Sektionen mitbringt. Der Soloist Stellar Max hat vier SP02-Module – mehr als der Conductor Stellar, weil dort die DAC-Sektion einen Teil der Stromversorgungskapazität anders beansprucht. Bei einem reinen Verstärker geht dieser gesamte Aufwand direkt in die Sauberkeit der Endstufe und der IEM-Stufe. Das ist der technische Grund dafür, warum alle Reviews – und meine drei Monate Alltagserfahrung – beim Burson Soloist Stellar Max immer wieder beim selben Punkt landen: pechschwarzer Hintergrund. Nicht als Marketingformulierung, sondern als direkte Konsequenz davon, was in diesem Gerät steckt.

Fusion Core – GaN-Netzteil, und warum das mehr ist als ein Buzzword

Der Fusion Core ist Bursons externes Netzteil für den Burson Soloist Stellar Max – und einer der Hauptgründe, warum die Max-Variante klanglich über der Deluxe steht. Bevor wir dazu kommen, warum: ein kurzer Ausflug in Netzteil-Realität, weil das Thema im HiFi-Bereich gerne in Voodoo-Richtung abbiegt, obwohl die Technik für sich selbst spricht.

Standard-Schaltnetzteil (SMPS mit Silizium-FETs): Das steckt in den meisten Geräten, auch in Geräten jenseits der 1.000 €. Silizium-Transistoren schalten typischerweise mit 50 bis 200 kHz. Das klingt schnell, ist es aber nicht – denn diese Frequenzen und ihre Oberwellen fallen direkt in den oder knapp über den Hörbereich. Das Resultat ist hochfrequentes Schaltartefakt-Rauschen auf der Versorgungsspannung, das sich je nach PSRR der nachfolgenden Schaltung mehr oder weniger direkt ins Audiosignal übersetzt. Günstig herzustellen, kompakt, aber klanglich der schwächste Ansatz.

Lineares Netzteil: Der Audiophilen-Klassiker. Kein Schalten, kein Takt, ein Transformator, ein Gleichrichter, ein Linearregler. In der Theorie das Sauberste. In der Praxis: schwer, groß, schlechter Wirkungsgrad (50–70 %), die überschüssige Energie wird als Wärme verbraten, und bei schlechtem Design bekommt man stattdessen 50-Hz-Brumm und dessen Oberwellen. Ein gut gemachtes Linearnetzteil ist exzellent – aber ein gut gemachtes Linearnetzteil mit 360 W Ausgangsleistung wäre ein Klotz, der größer wäre als der Verstärker selbst.

GaN-Schaltnetzteil (was das Fusion Core ist): GaN steht für Gallium-Nitrid – ein Halbleitermaterial, das Silizium in einem entscheidenden Punkt schlägt: Schaltgeschwindigkeit. GaN-Transistoren schalten mit bis zu 1 MHz – beim Fusion Core ist genau das die Betriebsfrequenz. Was das bedeutet: Die tiefste Schaltfrequenz und alle ihre Oberwellen starten bei 1 MHz, 2 MHz, 3 MHz – also weit außerhalb des Hörbereichs. Keine Artefakte im Audioband, keine Schaltfrequenz-Einstreuung, die irgendeinen Regler oder Opamp beschäftigen müsste. Dazu kommt: GaN hat niedrigere Schaltverluste als Silizium, was zu weniger Wärme, höherer Effizienz (~90 %) und besserer Regelgenauigkeit führt – das Netzteil kann schneller auf Lastwechsel reagieren als ein klassisches SMPS.

Das Ergebnis ist ein Rauschpegel unter 1 µV am Ausgang – vergleichbar mit einem sehr guten Linearnetzteil, aber in einem Bruchteil der Größe und mit deutlich besserem Wirkungsgrad. In Kombination mit den SP02-Modulen dahinter, die nochmal auf 0,8 µVrms filtern, hat man eine Versorgungskette, die sich tatsächlich batterieartig verhält: DC, sauber, ohne messbare Störsignale im Audioband. Das ist kein Marketingversprechen, das ist Messtechnik.

Warum ist das Ding so teuer? Das Fusion Core kostet als separates Upgrade rund 900 USD – für ein Netzteil, das zunächst nach viel Geld für wenig Hardware klingt. Die Gründe: GaN-Halbleiter sind in der Herstellung deutlich komplexer als Silizium, die Gate-Driver-Schaltung für GaN erfordert präziseres Engineering, und Burson hat das Fusion Core nicht aus einem Standard-Laptop-Netzteil abgeleitet, sondern spezifisch für ihre Verstärker entwickelt – mit definierter Ausgangsspannung, eigenem Locking-Stecker und dem Rauschpegel als primärem Designziel statt dem Preis. Das erklärt einen Teil des Aufpreises. Den Rest erklärt die schlichte Tatsache, dass Netzteile auf diesem Niveau in kleinen Stückzahlen produziert werden und die Bauteilkosten entsprechend sind.

Wer den Burson Soloist Stellar Max kauft, bekommt den Fusion Core inklusive. Wer mit der Deluxe-Variante startet, kann es separat nachrüsten – und wird den Unterschied hören.

V7 Vivid Pro Opamps – was Opamps sind, warum sie klingen, und warum du sie hier tauschen kannst

Operationsverstärker – kurz Opamps – sind die unsichtbaren Arbeitstiere analoger Audiotechnik. Sie sitzen in der Eingangs-Buffer-Stufe, in der Verstärkungsregelung, manchmal in der Ausgangsstufe – überall dort, wo ein analoges Signal verarbeitet, gepuffert oder geformt werden muss. In einem Kopfhörerverstärker dieser Klasse sind sie buchstäblich im Signalpfad: Was da drin steckt, beeinflusst direkt, was du hörst.

Die meisten Hersteller – auch im gehobenen Preissegment – verbauen IC-Opamps: kleine schwarze Chips, in denen Transistoren, Widerstände und Kondensatoren auf einem winzigen Siliziumkristall integriert sind. Das Gute daran: extrem kompakt, günstig, reproduzierbar. Das Problem: Die Integration auf einem Die hat physikalische Grenzen. Stromlieferfähigkeit, Wärmespreizung, Signalpfadlänge – all das ist im IC-Opamp kompromissbehaftet, weil alles auf engstem Raum zusammengedrängt ist. Klassiker wie der NE5532 kosten im Cent-Bereich und stecken in mehr HiFi-Geräten, als man denken würde – auch in Geräten jenseits der 1.000 €, bei denen man es nicht erwarten würde.

Bessere IC-Opamps wie der OPA2134 oder LME49720 liegen in einer anderen Liga und klingen hörbar anders – aber sie bleiben IC-Opamps mit denselben konstruktionsbedingten Einschränkungen.

Diskrete Opamps lösen das Problem auf eine andere Art: Statt alles auf einem Chip zu integrieren, werden einzelne Transistoren, Widerstände und Kondensatoren auf einer kleinen Miniatur-Platine aufgebaut – größer als ein IC-Chip, aber immer noch klein genug, um in einen Standard-DIP-8-Sockel zu passen. Das bedeutet: keine Die-Größen-Kompromisse, größere Transistoren, mehr Strom, bessere Wärmeabfuhr, kürzere und sauberere Signalpfade. Burson macht das seit zwanzig Jahren und ist damit zu einem der wenigen Hersteller geworden, die dieses Konzept kommerziell durchgezogen haben.

Die V7 Vivid Pro sind Bursons aktueller Flagship-Opamp – siebte Generation, vollständig diskret, Class‑A, mit 8‑lagiger Platine im Inneren und einem gefrästen Aluminiumgehäuse als Heatsink. Die Charakterisierung: maximale Klarheit, Geschwindigkeit, Transparenz, schnelle Transienten. Kein weicher Schleier, kein Euphonie-Filter – der V7 Vivid Pro zeigt dir, was in der Quelle und im Rest des Geräts steckt. Als Pendant dazu gibt es den V7 Classic: gleiche Technik, gleicher Rauschboden, aber mit einer wärmeren, geschmeidigeren Abstimmung, mehr Körper in den Stimmen, etwas mehr Glanz in den Höhen.

Und jetzt kommt der Teil, der den Burson Soloist Stellar Max von fast allem anderen auf dem Markt unterscheidet: Die Opamps sitzen in DIP-8-Sockeln und können getauscht werden. Burson liefert dafür sogar Inbusschlüssel mit und erklärt im Handbuch, wie das geht. Das ist im High-End-Bereich ungewöhnlich bis selten – die meisten Hersteller verlöten ihre Opamps direkt, weil es produktionsseitig einfacher ist und weil man keine „Garantiefälle durch Bastelei” riskieren will. Burson dreht das bewusst um: Opamp-Tausch ist ausdrücklich erwünscht.

Was das in der Praxis bedeutet, zeigt das Head-Fi-Forum eindrucksvoll. Dort hat sich rund um den Burson Soloist Stellar Max bereits eine aktive Opamp-Rolling-Community gebildet. Ausprobiert wurden unter anderem Sparkos Labs SS3602 (diskret, JFET-basiert, positiv aufgenommen – offenerer Klang, mehr Luft), JFET-basierte „Orange Dual Opamps” (wärmer, entspannter), und polnische Muzga-Opamps als Geheimtipp. Interessant: Wer mit den V7 Vivid Pro out-of-the-box nicht zufrieden war und sie als „zu linear” empfand, hat oft durch den Wechsel auf den V7 Classic oder Drittanbieter-Opamps genau den Sound gefunden, den er suchte – und mit Fusion Core dazu nochmal eine andere Klangfarbe erlebt. Opamp-Rolling funktioniert beim Stellar wie Röhrentausch bei einem Röhrenverstärker: gleiches Gerät, andere Persönlichkeit.

Warum trotzdem mit den V7 Vivid Pro anfangen? Weil sie zum Rest des Geräts passen. Der Burson Soloist Stellar Max hat von Haus aus eine leicht warme, aber sehr detaillierte Class-A-Signatur – die V7 Vivid Pro ergänzen das mit Transparenz und Schnelligkeit, ohne die Wärme wegzubügeln. Wer direkt mit einem wärmeren Opamp einsteigt, riskiert, die Abstimmung in eine Richtung zu schieben, die am Ende mehr schmeichelt als informiert. Der Vivid Pro ist der neutrale Ausgangspunkt, von dem aus man in alle Richtungen experimentieren kann. Und wer nicht experimentieren will, hat mit ihm ohnehin schon einen der besten Opamps, die man aktuell in ein DIP-8-Gerät stecken kann.

Spezifikationen Burson Soloist Stellar Max

SpezifikationWert
TopologieVollsymmetrisch, vollständig diskret, Class‑A FET
Idle-Bias50 W
Hauptverstärker4× Onsemi MJE15032 pro Kanal
Ausgangsleistung Main HP8 W @ XLR / 4 W @ SE
IEM-Verstärker2× TPA6120A2, dedizierter Pfad
Ausgangsleistung IEM1 W @ XLR / 0,5 W @ SE
THD+N Hauptverstärker< 0,003 %
THD+N IEM-Sektion< 0,00014 % (TPA6120A2 spec)
Lautstärkeregelung2× PGA2320 Resistor Ladder, 0,0004 % THD+N
Stromfilterung4× Silent Power Module 02 (LT3045, 0,8 µVrms)
NetzteilBurson Fusion Core, 24 V / 15 A, GaN-basiert, 360 W
Eingänge2× RCA, 2× XLR (captive)
Ausgänge2× RCA, 2× XLR, 1× Subwoofer-RCA
Kopfhörer-AusgängeXLR‑4, 6,35 mm SE, 3,5 mm Mic-In
Gain-Stufen2 (Low/High)
Abmessungen210 × 200 × 75 mm
Gewicht~5 kg

Ob dein eigener Kopfhörer die vollen 8 W am XLR-4-Ausgang überhaupt braucht, kannst du mit meinem Wattrechner in ein paar Sekunden für deine Sensitivität und Ziellautstärke durchspielen.

Höreindrücke – Kopfhörer

Drei Monate, knapp acht Stunden täglich. Das ist genug Zeit, um nicht nur die ersten Eindrücke zu sammeln, sondern auch die Macken zu finden. Spoiler: Macken sind keine aufgetaucht. Stattdessen das hier:

Der Hintergrund ist schwarz wie die Nacht. Ich kann das gar nicht oft genug schreiben. Selbst mit empfindlichen IEMs am XLR-4-Hauptausgang (wo man eigentlich nicht hingehört, dafür gibt’s den IEM-Mode) ist kein Grundrauschen wahrnehmbar. Im IEM-Mode mit den dafür vorgesehenen In-Ears ist es nochmal eine Liga sauberer.

Die Tonalität ist klassischer Burson-Sound: Leicht warm in der Grundabstimmung, aber hochdetailliert in der Auflösung. Das ist keine Röhren-Wärme, kein Soft-Filter, kein Schönfärber – sondern eine Abstimmung, die im Hochton nicht ins Sibilante kippt und im Mittelton Stimmen mit Körper stehen lässt. Wer einen ultra-linearen, klinischen Topping-Sound sucht, wird beim Burson Soloist Stellar Max nicht das Ziel finden. Wer dagegen einen Verstärker will, an dem man stundenlang hören kann, ohne Ermüdung, ohne Schärfen, ohne Nerv-Faktor, ist hier exakt richtig.

Verum 2 (Planar, 80 Ω)

Mit dem Verum 2 habe ich alle vier Musikbeispiele unten gehört. Er ist mein Daily-Driver am Schreibtisch – ich kenne ihn, ich weiß was er kann, und ich weiß sofort wenn ein Amp ihm etwas gibt das er vorher nicht hatte.

Am Burson Soloist Stellar Max bekommt der Verum 2 vor allem eines: Kontrolle. Der Bass bleibt straff, die Mitten sortieren sich sauber, der Hochton hat Luft ohne anzustrengen. Was die Musikbeispiele zeigen – das plastische Gitarren-Imaging bei In Flames, die Snare die bei Imminence mitten im Gehirn sitzt, das Schlagzeug das bei Lorna Shore von links nach rechts rollt – das ist der Verum 2 am Burson Soloist Stellar Max. Nicht der Verum 2 an irgendeinem Amp.

Der Verum 2 ist kein Bassgigant. Aber er macht Druck wenn Druck da ist, und der Burson Soloist Stellar Max lässt ihn dabei nie ins Schwimmen geraten. Bei 45 von 100 auf dem Regler ist noch Luft nach oben – der Amp denkt nicht mal darüber nach.

Fosi Audio i5 (Planar, 28 Ω)

Der i5 ist auf dem Papier kein anspruchsvoller Kandidat – 28 Ω, 98 dB, gutmütig an fast jeder Quelle. Aber er gehört zu den Kopfhörern, die mit besserer Verstärkung spürbar aufblühen. Am Burson Soloist Stellar Max: ein stimmiges, großes Klangbild mit weniger Ecken und Kanten, mehr Autorität und Kontrolle. Mehr Punch im Bass, sortiertere Mitten, mehr Luft in den Höhen. Wer den i5 zu Hause hat und das Maximum rausholen will, sollte ihn an einem Amp dieser Klasse hören. Mindestens einmal.

SIVGA Luan (Dynamic, 38 Ω)

Der Luan ist der entspannteste Kandidat in dieser Runde – leicht zu treiben, warm abgestimmt, für lange Sessions gemacht. Am Burson Soloist Stellar Max harmoniert seine Grundabstimmung mit Bursons leicht warmer Signatur gut: voluminös aber nicht üppig, Stimmen präsent, Bass straff und schnell. Klassische Schreibtisch-Konfiguration für Abende wo man einfach nur hören will.

Musikbeispiele

Lorna Shore – „Glenwood”

Das Intro macht sofort klar, womit man es hier zu tun hat. Der Hall liegt groß und luftig im Raum, die Gitarre steht klar im Vordergrund, Will Ramos’ Stimme schiebt sich mit Autorität nach vorne – und die Bühne zieht sich weit in die Breite. Ja, das ist auch Produktion. Aber der Burson Soloist Stellar Max lässt sie vollständig entfalten, statt sie zusammenzudrücken.

Was mich bei diesem Track am meisten beeindruckt: das Imaging des Schlagzeugs. Becken links, Becken rechts, Snare in der Mitte, der kurze Fill der über das komplette Kit rollt – von links nach rechts, Stück für Stück, plastisch und dreidimensional.

Lorna Shore produziert mit vielen Layern – Drums, Gitarren, Synths, Samples, Gesang, alles gleichzeitig und alles laut. Genau da, wo viele Amps anfangen Dinge zu verschmieren, behält der Burson Soloist Stellar Max die Übersicht. Der E‑Bass ist einer von denen, die sich komplett ins Gesamtbild einfügen – kaum isolierbar, aber spürbar als Fundament. Bursons warme Grundabstimmung tritt bei diesem Track eher zurück – was bleibt ist Kontrolle, Auflösung und Druck.

Synestia & Disembodied Tyrant – „Winter”

Das Intro öffnet mit einem Cembalo – zart, fast fragil. Kein Zufall: „Winter” ist eine Neuinterpretation von Vivaldis Konzert Nr. 4 aus den Vier Jahreszeiten. Barockmusik trifft Deathcore, und der Stellar lässt beide Welten gleichberechtigt stehen.

Der Burson Soloist Stellar Max gibt der Geige Raum und Charakter, das zarte Spiel kommt fein raus. Die Spannung die sich mit den Chorälen aufbaut landet ordentlich, bevor Streicher und Fußmaschine übernehmen. Bei 2:25 drückt das Ding rein ohne Vorwarnung – Snare hämmert, Doppelbass zieht durch, der Gesang steht mitten drin.

Das Schlagzeug ist wieder mega Räumlich: Becken sauber und fein aufgelöst, aber der Bass drückt ohne Ende. Der Kontrast zwischen dem tiefen Gewummer und dem harten, höher gestimmten Snare-Schlag – der Burson Soloist Stellar Max serviert ihn ohne Umwege. Das Finale mit den sehr tiefen Bass-Drops: so nah wie ich bisher gekommen bin. Da ist gleichzeitig so viel los, dass ich das noch nie vollständig sauber gehört habe. Am Burson Soloist Stellar Max kommt man näher ran als an den meisten anderen Setups.

In Flames – „Stay With Me”

Das Intro trifft sofort. Eine einzelne Gitarre, dazu ein paar gezupfte Bassnoten – und der Burson Soloist Stellar Max macht daraus etwas, das mich kurz aufhorchen lässt. Die Gitarre klingt nicht wie aus Kopfhörern. Sie klingt wie jemand, der direkt neben mir sitzt und spielt. Plastisch, greifbar, dreidimensional. Das Imaging ist außergewöhnlich – die Gitarre hat eine Position im Raum, keine ungefähre Richtung.

Dann setzt das Schlagzeug ein. Die Hi-Hat kommt sanft, fast zögerlich – aber sie klingt echt. Der Sänger schiebt sich in die Mitte der Bühne, fast schon in den Raum hinein. Bei 3:30 dreht der Song auf – und hier passiert etwas Interessantes: Ich höre Kompressionsartefakte in den Becken. Etwas gequetscht, etwas zu glatt. Das ist kein Fehler des Stellars. Im Gegenteil: Er arbeitet es heraus. Ein Verstärker der schönfärbt, würde das unter den Teppich kehren. Der Burson Soloist Stellar Max tut das nicht. Das ist Ehrlichkeit, keine Schwäche.

Imminence – „God Fearing Man”

Dieser Mix ist anders. Fetter abgemischt, mehr Druck, mehr Atmosphäre von der ersten Sekunde an. Der Sänger öffnet tief im Hals, die Geige setzt daneben an – räumlich, fein, fast fragil. Dann schiebt das Schreddern rein.

Die Snare sitzt mitten im Gehirn. Nicht irgendwo hinten – mitten drin, auf den Punkt gestimmt, jeder Schlag ein Patsch der nach vorne kommt. Das Schlagzeug umrahmt komplett: links, rechts, oben, unten. Dazu das tiefe Gebrumme der tiefen Streicher, und dann immer wieder dieser Snare-Schlag. Der Kontrast zwischen dem Gewummer und dem harten, höher gestimmten Patsch – der Burson Soloist Stellar Max serviert ihn ohne Umwege.

Bei 2:20 kommt der Bass-Drop. Rechts im Ohr sind noch sauber die Becken zu hören – fein, klar – während der Bass gleichzeitig nach vorne drückt. Dass beides gleichzeitig funktioniert, ohne dass sich das eine ins andere schiebt, ist das was ich von einem guten Verstärker erwarte.

Dann der Breakdown. Der Geigenbogen auf der E‑Gitarre, dieser Moment, das Crescendo vorher – ich kriege jedes Mal Gänsehaut. Der Verum 2 ist kein Bassgigant, das weiß ich. Aber er macht das hier trotzdem geil. Und der Burson Soloist Stellar Max juckt das alles nicht – bei 45 von 100 geht der Kopfhörer einfach mit.

Ich freue mich auf Summerbreeze. Dieses Lied live. Das wird brutal.

Höreindrücke – IEMs (IEM-Mode)

Der dedizierte IEM-Modus des Soloist Stellar Max ist aktuell das Beste was ich in dieser Preisklasse und Bauform kenne. Pechschwarzer Hintergrund, eigenständiger Verstärkerzweig, genug Regelweg für jeden Empfindlichkeitsgrad – das ist kein Bonus-Feature, das ist ein vollwertiger zweiter Amp im selben Gehäuse.

Kiwi Ears Septet (Hybrid)

Die Septet spielen auf dem Burson Soloist Stellar Max neutraler als von mobilen DAC/Amp-Combos gewohnt. An Smartphone oder Dongle klingen sie fetter, wärmer. Am Stellar kommt das raus was drin ist – und das Septet ist ein hellerer, analytischerer IEM als der Verum 2. Das ist keine Kritik am Burson Soloist Stellar Max, das ist Ehrlichkeit.

Bei Stay With Me kommt der Bass knackiger und präziser – jeder Anschlag mit klarer Kontur. Bei Winter fällt im rechten Ohr ein Becken-Detail auf das mit dem Verum 2 so nicht wahrnehmbar war – sehr hochauflösend, fast ein Klirren.

Kurzer Test: Ich schalte auf den normalen Kopfhörer-Output um. Der Burson Soloist Stellar Max macht dabei automatisch leiser – schöner Sicherheitsmechanismus. Zurück im Kopfhörer-Mode klingt es semi-identisch, der IEM-Mode wirkt einen Tick schärfer in den Höhen. S‑Laute kommen prägnanter. Ob das der IEM-Mode ist oder der IEM selbst – ich tippe auf beides. Unterm Strich sind die Septet am Stellar deutlich heller und analytischer als der Verum 2. Wer es wärmer mag, greift zu einem wärmeren DAC davor.

Fosi IM4

Pechschwarzer Hintergrund, kein Grundrauschen, Lautstärke bei knapp einem Viertel des Regelwegs – der Rest ist Reserve. Der IM4 bekommt am IEM-Out des Burson Soloist Stellar Max das was er verdient: einen sauberen, kontrollierten Antrieb ohne Kompromisse.

7Hz Timeless II (Planar-IEM, 15,2 Ω)

Der Timeless II ist ein Planar-IEM – und damit genau die Sorte IEM, die einen dedizierten Amp auf die Probe stellt. Am IEM-Out des Burson Soloist Stellar Max: absolut ruhig, kein Grundrauschen, schnell und kontrolliert. Das neutrale Tuning mit leicht angehobenem Hochton bleibt dabei immer entspannt – keine Schärfe, kein Zischen, nur Auflösung.

Burson Soloist Stellar Max als Vorstufe

Kurzer Abstecher: Der Burson Soloist Stellar Max funktioniert auch als Vorstufe für meine Burson Timekeeper GT4 Max Monoblöcke an den Arendal 1723 Towern. Ergebnis: tadellos. Klanglich näher am Bypass als an einer färbenden Vorstufe – Burson-typisch leicht warm, mit großzügig dimensioniertem Raum und straffer Basskontrolle. Der Subwoofer-Out an der Rückseite macht ein 2.1‑Setup ausdrücklich möglich.

Einordnung

Knapp 3.000 Euro für einen Kopfhörerverstärker. Das klingt nach viel – und das ist es auch. Aber mal ehrlich: Was kommt da noch? Nach oben hin wird die Luft dünn. Der Soloist Voyager, ein paar ultra-exotische Einzelstücke, fertig. Wer den Burson-Sound kennt und liebt, dem stellt sich die Frage eigentlich nicht mehr lange.

Offiziell positioniert Burson den Burson Soloist Stellar Max unterhalb der Grand-Tourer-Serie. In der Praxis teilt er seine Kern-DNA mit GT4 und Voyager. Alle Reviews die ich kenne landen übereinstimmend bei 85–90 % vom Voyager-Sound – zur knapp halben Preises. Das deckt sich mit meinem Eindruck nach drei Monaten täglichem Betrieb.

Wo der Burson Soloist Stellar Max klar besser ist als die meisten Konkurrenten in dieser Klasse: der dedizierte IEM-Modus. Den hat selbst der Voyager so nicht. Wer alles am selben Verstärker spielen will – von ultra-empfindlichen IEMs bis zum leistungshungrigen Planar – bekommt hier das aktuell flexibelste Werkzeug am Markt.

Die Verarbeitung lässt keinen Zweifel daran, wo das Geld hingegangen ist. Fünf Kilo pures Metall. Lautstärkeregelung und Haptik tadellos. Und die Fernbedienung – die ist weniger Fernbedienung als Schlagring. Massiv, schwer, gefühlt zweihundert bis dreihundert Gramm Aluminium in der Hand. Die Knöpfe klappern leicht, Metall auf Metall – das kennt man von allen Burson-Fernbedienungen. Stört mich nicht, sie liegt ohnehin auf dem Mothership auf dem Schreibtisch.

Was mich nach drei Monaten am meisten überzeugt: Der Burson Soloist Stellar Max lässt mich in die Seele jedes DACs reingucken. Er ist so transparent, dass ich sofort höre was eine Quelle kann und was nicht. Das macht ihn zum perfekten Referenzverstärker – wenn mir jemand einen DAC zum Test schickt, kommt der Burson dran.

Und gleichzeitig merke ich: Mit meiner eigenen DAC-Kette bin ich noch nicht am Ende. Der Burson Soloist Stellar Max zeigt mir dass da noch was geht. R2R will ich ausprobieren, wärmere Quellen auch. Ich weiß dass ich ESS-Chips mag – cleaner, analytischer – aber in Kombination mit dem Burson der etwas Wärme mitbringt. Das Kapitel ist noch nicht abgeschlossen.

Ein direkter Vergleich mit dem Soloist Voyager folgt in einem separaten Artikel.

Fazit

Drei Monate, knapp acht Stunden täglich. Ich habe Metal gehört, Filme geschaut, DACs getestet, IEMs gewechselt, Opamps verglichen. Der Burson Soloist Stellar Max stand die ganze Zeit da und hat einfach gemacht was er soll – ohne Drama, ohne Aussetzer, ohne den Moment wo ich dachte: da nervt mich was.

Was bleibt: Gänsehaut bei God Fearing Man. Die Gitarre bei Stay With Me die klingt als würde jemand neben mir sitzen und spielen. Vivaldis Geige die aus einem Deathcore-Intro auftaucht und trotzdem Sinn ergibt. Kleine Momente, die nur dann passieren, wenn ein Verstärker wirklich aus dem Weg geht und die Musik lässt.

Das ist die Stärke dieses Geräts. Der Burson Soloist Stellar Max ist so transparent, so ehrlich, dass ich durch ihn hindurch in die Quelle reinhöre. Er wird mein Referenz-Amp für jeden DAC der hier landet – weil er mir sofort zeigt was drin steckt. Und gleichzeitig zeigt er mir, dass ich mit meiner eigenen DAC-Kette noch nicht am Ende bin. R2R will ich ausprobieren, wärmere Quellen auch. Ich weiß dass ich ESS-Chips mag – cleaner, analytischer – aber in Kombination mit dem Burson der etwas Wärme mitbringt. Das Kapitel ist noch nicht abgeschlossen.

Wer den Burson-Sound kennt und liebt: Was soll hier verkehrt laufen? Fünf Kilo Aluminium, 8 W Class‑A, ein IEM-Modus der seinesgleichen sucht, Opamps die man tauschen kann, eine Fernbedienung die schwerer ist als manche DACs. Für knapp unter 3.000 € kommt da nach oben hin nicht mehr viel.

Der Soloist Voyager folgt irgendwann – dann werden wir sehen ob das Doppelte das Doppelte wert ist. Bis dahin bleibt der Burson Soloist Stellar Max auf dem Mothership. Und ich freue mich auf Summerbreeze.

HiFiGeek Award

Referenz-Equipment (zum Testzeitpunkt)

QuellenEversolo DMP-A6, MacBook Pro M4 Max
DACsFosi Audio ZD3, ZH3, S3 Streamer
KopfhörerverstärkerBurson Soloist Stellar Max, Burson Conductor GT4 Deluxe
EndstufenBurson Timekeeper GT4 Max
KopfhörerVerum 2, Fosi Audio i5, SIVGA Luan
IEMsFosi IM4, Kiwi Ears Septet, 7Hz Timeless II
LautsprecherAmphion Argon 3S, Arendal 1723 Tower THX
SubwooferSVS SB‑5000
RacksBurson Mothership 01, Quadraspire SV3T
KabelRicable Dedalus, WBC
]]>
https://www.hifigeek.de/burson-soloist-stellar-max/feed/ 0 11843
Luxsin X9 im Test: Head‑Fi‑Control‑Center mit HP‑EQ, Sub‑Power und Firmware‑Upgrade für deine Kopfhörer https://www.hifigeek.de/luxsin-x9-im-test/ https://www.hifigeek.de/luxsin-x9-im-test/#respond Wed, 28 Jan 2026 15:00:00 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=9737 Ich war schon im Sommer sehr neugierig auf den Luxsin X9, habe ihn dann aber wieder aus den Augen verloren. Nichtsdestotrotz steht er jetzt auf meinem Schreibtisch und ich konnte das gute Stück etwa vier Wochen unter die Lupe nehmen – oder besser gesagt: in einen für ihn vielleicht anstrengenden Dauertest schicken. Wenn dem so war, hat sich der Luxsin X9 das keinesfalls anmerken lassen. So viel sei verraten.

Vorab ein kurzer Disclaimer: Ich habe den Luxsin X9 vom deutschen Vertrieb audioNEXT kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. audioNEXT oder irgendjemand sonst nimmt keinen Einfluss auf mein Review. Als unabhängiger Blog sind wir an keine geschäftlichen Beziehungen gebunden, die unsere Meinung verfälschen könnten..

Auch nach diesem Test ist beim Luxsin X9 einiges passiert – u. a. ein neuer Hörtest namens Hearing Compensation und AI-EQ, das inzwischen auch hier eingezogen ist. Alle Details im Update unten.

Hier findet ihr mein Luxsin X9 Video‑Review auf YouTube

Gefällt euch mein Content? Dann klickt auf „Abonnieren“ und unterstützt meinen Kanal – so kann ich auch in Zukunft spannende HiFi‑Komponenten für euch testen.

Unboxing & Lieferumfang – erster Eindruck

Wer schon einmal Eversolo-Produkte ausgepackt hat, wird die Qualität kennen. Luxsin stammt ebenfalls aus dem Hause Zidoo. Die 3,7 kg des Luxsin X9 liegen direkt wertig in der Hand. Natürlich wird das Gerät gut gepolstert ausgeliefert, sodass dem massiven Aluminiumgehäuse mit seinen soliden Alu-Planken auf der Reise nichts passiert. Mit 30 x 20 x 6,5 cm ist das Gerät kompakt genug für den Schreibtisch. Auf dem HiFi-Rack wirkt es hingegen angenehm schlank und schmal.

Was liegt in der Box:

  • Netzkabel (Schuko-Standard, EU-Stecker)
  • Bluetooth-Fernbedienung (IR- und BT-kompatibel)
  • USB-B-Kabel (für USB-Audio)
  • USB-Type-C-OTG-Kabel (für iPhone/iPad direkt)
  • Benutzerhandbuch (mehrsprachig, vorerst ohne Deutsch)
  • Garantiepapiere & Quick-Start-Guide

Der erste Eindruck ist durchweg premium. Das 4‑Zoll-Farb-Touchscreen mit den virtuellen VU-Metern ist das Eye-Candy – sie sehen täuschend echt aus, sind vollständig animiert, etwa mit sanft-blauem Hintergrund. Luxsin bietet 14 verschiedene grafische Varianten zur Wahl, was eigentlich unnötig wirkt, aber durchaus charmant ist. Die facettierten Ecken des Gehäuses geben dem Luxsin X9 ein modernes Design, das nicht billig wirkt. Alle sichtbaren Seiten sind sauber verarbeitet, sogar die Unterseite. Schrauben siehst du nur an der Rückwand – alles andere wirkt wie aus einem Guss.

Technische Daten & Architektur

Was den Luxsin X9 technisch interessant macht

Der Luxsin X9 nutzt den AK4499EX DAC-Chip von Asahi Kasei Microdevices – derselbe, der auch im erfolgreichen Eversolo DMP-A8 Streaming-DAC verbaut ist. Das ist ein Vertrauenssignal. Daneben sitzt ein AK4191EQ für die IV-Konvertierung (digital zu analog). Die Signalverarbeitung erfolgt über einen AKM 7739 DSP-Chipsatz, der speziell die Headphone-EQ-Funktion steuert (dazu später mehr).

Die Kopfhörer-Verstärkerstufe

Die Kopfhörerendstufe ist vollständig symmetrisch aufgebaut und liefert bis zu 6.400 mW an 16 Ω über den 4,4‑mm-Balanced-Ausgang – das ist ordentlich Leistung. Über den 6,35-mm-Single-Ended-Anschluss oder XLR4 ist die Leistung etwas geringer, aber immer noch mehr als ausreichend. Der Verstärker-Chip ist ein TPA6120A2 in Kombination mit einem OPA1612 als Buffer. Das Besondere: Die Ausgangsstufe wurde speziell für den Luxsin X9 entwickelt und nicht einfach von Eversolo übernommen.

Das Netzteil ist clever aufgebaut

Ein Lineartrafo versorgt die analoge Sektion (für hohe Reinheit und guten Rauschabstand), ein Schaltnetzteil die digitale Sektion (für Effizienz). Im Inneren sitzt ein großer, gekapselter Ringkerntrafo – du wirst sein Gewicht beim Transport spüren. Die Ripple-Unterdrückung ist mit 40 nV extrem niedrig. Das bedeutet: Der Rauschgrund des Luxsin X9 ist in der Praxis nahezu nicht existent.

Spezifikationen

  • Dynamic Range / SNR: > 128 dB (sehr sauber)
  • THD+N @ KH-Output: < 0,00016% (extrem niedrig)
  • Crosstalk: > ‑117 dB (Kanaltrennung ausgezeichnet)
  • Kanalgenauigkeit (L/R‑Balance): 0,1 dB (beeindruckend präzise)
  • Frequenzgang: neutral-flach mit sanftem Roll-off in den obersten Höhen

Unterstützte Formate:

  • PCM bis 32 Bit / 768 kHz
  • DSD bis DSD512 (native)
  • Bluetooth 5.0 (SBC, AAC offiziell; LDAC & aptX werden unterstützt, aber nicht zertifiziert)
  • Asynchrones USB-Audio (kein Treiber nötig)

Innovative Features

Das Dynamic Negative Feedback System (DNF) nutzt die Kombination aus OPA1612 und TPA6120A2, um harmonische und intermodulative Verzerrungen signifikant zu reduzieren. Das praktische Resultat: Der Klang wirkt sauberer und transparenter, ohne zusätzliche Färbung.

Die R2R-Resistor-Array-Lautstärkeregelung ist ein echtes Highlight. Statt digital zu regeln, nutzt der Luxsin X9 1.024 diskrete Stufen mit Schaltrelais – jeder Schritt ist als leichtes „Click“ beim Drehen hörbar, 0,5‑dB-Schritte sind Standard (wahlweise 1, 2 oder 3 dB). Das verhindert Kanalabweichungen im unteren Lautstärkebereich und verschleißt nicht wie ein klassisches Potentiometer.

Die Impedance-Detection-Technologie misst automatisch die Impedanz deines Kopfhörers (16 Ω, 32 Ω oder 300 Ω), wenn du ihn an den 4,4‑mm- oder 6,35-mm-Anschluss anschließt, und passt das Gain entsprechend an. Das ist praktisch wie die ISO-Einstellung an einer Kamera – es optimiert den nutzbaren Regelbereich für deine spezifischen Kopfhörer. XLR4-Nutzer müssen die passende Einstellung manuell wählen. Eine Einschränkung: Das System misst Impedanz, nicht Empfindlichkeit – mit sehr empfindlichen IEMs oder sehr wenig empfindlichen Kopfhörern kann der Regelweg etwas knapp werden.

In der Praxis bedeutet die Kombination aus Dynamic Negative Feedback und R2R-Lautstärkeregelung: extrem saubere Wiedergabe, perfekte Kanalbalance auch bei sehr niedrigen Pegeln und eine feinfühlige, verschleißfreie Lautstärkeregelung, von der besonders Leisehörer profitieren.

Anschlüsse & Konnektivität

Der Luxsin X9 ist eine echte Audio-Zentrale – nicht nur für Kopfhörer.

Kopfhörer-Ausgänge (Front):

  • 6,35 mm Klinke (Single-Ended, asymmetrisch)
  • 4,4 mm Pentaconn (Balanced, symmetrisch) – hier gibt es die volle Power (6.400 mW @ 16 Ω)
  • XLR4 Balanced (symmetrisch)

Alle Buchsen sind hochwertig verarbeitet, die Klinkenbuchsen haben dezent goldfarbene Ringe – ein schöner Farbakzent, der nicht billig wirkt.

Digitale Eingänge (Rückseite):

  • USB‑B (für USB-Audio, High-Res bis 768 kHz PCM, DSD512)
  • USB‑C (OTG-Standard, ideal um iPhone/iPad direkt anzuschließen)
  • USB‑A (nur für Firmware-Updates via USB-Stick)
  • Coax S/PDIF (Standard Digital Audio)
  • Toslink (optisch, für TV oder ältere Komponenten)
  • HDMI ARC (seltenes Feature für einen Desktop-DAC, ermöglicht Audio-Rückkanal vom Smart-TV in den Luxsin X9)
  • Bluetooth 5.0 (SBC, AAC, LDAC, aptX)
  • WiFi (für App-Steuerung und OTA-Updates)

Analoge Eingänge (Rückseite):

  • Stereo-Cinch (RCA) für CD-Player, Streamer oder andere analoge Quellen

Ausgänge (Rückseite – die Vorverstärker-Funktion):

  • XLR-Ausgänge (symmetrisch) für externe Endstufen oder Aktivlautsprecher
  • Cinch-Ausgänge (asymmetrisch, RCA)
  • Subwoofer-RCA-Ausgänge (Dual) – das ist selten; damit lässt sich ein vollständiges 2.2‑Stereo-Setup aufbauen (Stereo-Lautsprecher + zwei Subwoofer)

Smart Features:

  • Trigger-In/Out-Buchsen (Mono-Klinke)

App-Steuerung:
Die Luxsin Remote App ist verfügbar für iOS und Android. Es gibt außerdem ein Web-Panel im Browser, wenn der Luxsin X9 über WiFi im Netzwerk hängt. Aktuell ist die Oberfläche nur auf Englisch und Chinesisch verfügbar, laut Hersteller soll Deutsch folgen. Die App ist intuitiv, Tuning-Kurven werden visualisiert und PMEQ-Settings (Parametric EQ) lassen sich einfach anpassen. Luxsin schiebt regelmäßig Firmware-Updates nach – gut für Bugfixes und neue Features, aber man lebt damit auch mit einem Gerät, das softwareseitig in Bewegung bleibt.

Design & Verarbeitung

Massives Aluminium mit soliden Alu-Planken – kein Kunststoff mit Alu-Blende wie bei manchen Konkurrenten. Das Finish ist gebürstet statt hochglänzend, was Fingerabdrücke deutlich entschärft. Die leicht schräg gestellte Frontplatte mit ihren facettierten Ecken gibt dem Luxsin X9 ein modernes Aussehen, ohne zu aufdringlich zu wirken.

Das 4‑Zoll-Farb-Touchscreen (TFT-LCD) ist das visuelle Highlight. Die virtuellen VU-Meter sehen täuschend echt aus, vollständig animiert mit Schatten und Beleuchtung. Du kannst zwischen 14 verschiedenen grafischen Varianten wählen (Black VU, Classic VU, Neon usw.). Die Lesbarkeit ist auch aus seitlichen Blickwinkeln hervorragend, die Helligkeit ist einstellbar.

Die Bedienelemente (Front)

  • Minimalistisches Design – nur Lautstärke-Drehregler (rechts) und Power-Taste.

Der Lautstärke-Regler bietet ein sehr befriedigendes, gerastertes Feedback mit gut hörbaren Relais-Klicks – nicht zu straff, nicht zu leichtgängig. Die Haptik ist klar im Premium-Segment angesiedelt. Das Display zeigt bei Lautstärke-Änderungen eine „R2R“-Dezibel-Anzeige an.

Wärmeentwicklung:
Im Idle-Betrieb liegen an der Oberseite rund 30 °C an – warm genug, dass man im Winter gerne mal die Hand darüber streicht, aber nie unangenehm heiß. Es gibt keinen aktiven Lüfter; die Kühlung erfolgt passiv über das Gehäuse.

Bedienung & Features

Da es sich in erster Linie um einen Desktop-DAC handelt, erfolgt die primäre Bedienung über das Touchscreen. Natürlich lässt sich der Luxsin X9 auch bequem mit der Fernbedienung oder über die App steuern, wobei in der App nicht alle Optionen verfügbar sind.

HP-EQ (Kopfhörer-Spezifische Profile) – DAS UNIQUE FEATURE

Das ist das Killer-Feature des Luxsin X9. Luxsin stellt online eine Datenbank mit rund 2.500 Kopfhörer-Profilen zur Verfügung. Wenn du deinen Kopfhörer anschließt, tippst du seinen Namen ins Menü, wählst eines oder mehrere EQ-Profile, und der Luxsin X9 passt den Frequenzgang automatisch an – per DSP. Das funktioniert ähnlich wie EQ-Ansätze auf Basis gemessener Kopfhörerprofile, wie man sie von Roon oder Harman-Target-Curves kennt. Die Idee dahinter: Jeder Kopfhörer bringt charakteristische Verfärbungen mit. Der Fosi i5 ist dir zu zurückhaltend in den Höhen? Die EQ gleicht das aus. Der Verum 2 ist zu hell? Wird korrigiert. Dein Kopfhörer profitiert merklich von dieser Anpassung – nicht subtil, sondern klar hörbar.

Im Ergebnis wirkt HP‑EQ wie ein fehlendes Bindeglied im Head‑Fi‑Setup: Auf Basis realer Messdaten biegt der Luxsin X9 den Frequenzgang vieler Modelle in Richtung einer ausgewogeneren Zielkurve, sodass bekannte Kopfhörer plötzlich wie „fertig abgestimmte“ Hörer klingen – ohne Messmikrofon, REW oder stundenlange EQ‑Bastelei. Ich konnte fast alle Kopfhörer hier im Haus in der Datenbank finden. Lediglich der Sennheiser HD550 fehlt. Schade – wahrscheinlich hätte ihn dieses Feature noch eine Klasse nach oben befördert.

Crossfeed (Digital)

Es gibt drei verschiedene Crossfeed-Level. Die Funktion arbeitet sehr überzeugend: Sie imitiert eine lautsprecherähnliche Räumlichkeit und reduziert die typische „In-Head-Localization“, also das Gefühl, dass alles „im Kopf klebt“. Ideal für lange Listening-Sessions mit weniger Kopfhörer-Ermüdung. Wichtig: Es klingt nicht hohl oder künstlich wie manche schlechten analogen Crossfeed-Implementierungen.

Weitere DSP-Features

  • Stereo-Weite/Soundstage-Adjustment (Depth & Width einstellbar)
  • Musikstil-Presets (vorkonfigurierte DSP-Kurven)
  • 3‑Band-EQ (Bass/Mitten/Höhen)
  • Subwoofer-Weiche (Crossover-Frequenz einstellbar)
  • PMEQ (Parametric Equalization) über das Web-Panel fein konfigurierbar

Allgemeiner Klangcharakter & Bühne 

Im Grundcharakter spielt der Luxsin X9 neutral mit einem leichten Schuss Wärme: Der Bass ist schnell, trocken und kontrolliert, geht tief hinunter, ohne in den Mittelton zu bluten, Stimmen stehen sauber und natürlich im Raum, und der Hochton bringt Glanz und Luft, ohne scharf oder nervös zu werden. Der Hintergrund bleibt dabei „pitch‑black“ – selbst bei niedrigen Pegeln hörst du praktisch kein Rauschen, was in Kombination mit der R2R‑Lautstärkeregelung gerade Leisehörer glücklich macht.

Die Bühne ist standardmäßig eher mittlere Größe mit leicht frontaler Präsentation, dafür sehr klar geschichtet: Vocals und Leads stehen greifbar vorne, Rhythmus‑Sektion und Effekte staffeln sich sauber dahinter. Aktivierst du Crossfeed und die Soundstage‑Erweiterung, lässt sich dieses Bild erstaunlich weit aufziehen, ohne ins Künstliche abzudriften – du bekommst mehr Breite und Luft um Instrumente, ohne dass es nach billigem Hall‑Effekt klingt oder einfach nur der Hochton angehoben wird. Gerade bei längeren Sessions macht das Hörermüdung spürbar geringer, weil die typische „im Kopf festgetackerte“ Bühne einem eher lautsprecherähnlichen Raumgefühl weicht.

Spannend wird es, wenn der X9 seine DSP‑Tricks ausspielt. HP‑EQ fühlt sich in der Praxis an, als würden deine Kopfhörer ein Firmware‑Update für ihren Klang bekommen: Auf Basis realer Messdaten von rund 2.500 Modellen werden Peaks geglättet, Basslöcher aufgefüllt und die Gesamttonalität näher an eine saubere Zielkurve herangezogen. Besonders Kopfhörer mit „berühmten“ Eigenheiten – etwas zu heller Oberton, Badewannen‑Tuning, dünner Bass – profitieren massiv, weil der X9 ihre Stärken betont und die Schwächen beschneidet, ohne den Grundcharakter komplett zu erschlagen. Unterm Strich wirkt HP‑EQ wie das fehlende Bindeglied im Head‑Fi‑Setup: Statt den nächsten Hörer zu kaufen, hebst du mit einem Klick den vorhandenen eine Klasse nach oben.

Leistungsmäßig hat der Luxsin X9 nicht nur für deinen Verum 2 oder Fosi i5 genügend Reserven, sondern auch für große Planare – Berichte mit HIFIMAN‑Kalibern zeigen, dass selbst bei hohen Pegeln kein Eindruck von Kompression oder Weichzeichnung entsteht. Gleichzeitig bleibt er mit sinnvoll gewählter Gain‑Stufe auch an empfindlichen IEMs sehr leise im Rauschteppich, was in dieser Leistungsklasse alles andere als selbstverständlich ist. Dass die Impedance‑Detection den Gain passend vorsortiert, macht die ganze Power im Alltag gut beherrschbar, statt dir nur theoretische Wattzahlen auf dem Papier zu liefern.

Richtig charmant ist der Luxsin X9 dann als Schreibtisch‑Zentrale im 2.1‑ oder 2.2‑Betrieb: Über die beiden Sub‑Ausgänge und die einstellbare Subwoofer‑Weiche lassen sich Aktivmonitore und ein oder zwei Subs sauber ankoppeln – etwas, das man bei Desktop‑DAC/Amps dieser Art fast nie sieht. Damit kannst du tagsüber mit Kopfhörer und HP‑EQ arbeiten und abends mit einem Klick auf Lautsprecher + Sub umschalten, ohne die Klangsignatur komplett zu verlieren: straffe Bässe, aufgeräumter Mittenbereich, kontrollierte Höhen – nur eben mit mehr Luftbewegung im Magenbereich. Für Metal, Spiele und Filme ist das eine Kombination, die schnell süchtig macht, weil sie Studio‑Kontrolle und Spaßfaktor ziemlich elegant unter einen Hut bringt.

Höreindruck

Was für ein Technik-Brett. Für einen DAC gibt es hier erstaunlich viel zu entdecken – und genau das lädt zum Spielen und Ausprobieren ein. Gerade die Kombination aus kräftigem Kopfhörerverstärker, DSP-Spielwiese und Subwoofer‑Integration erinnert ein wenig an den Burson Conductor GT4: Der Subwoofer will plötzlich auch mit euren Kopfhörern mitspielen – ein ziemlich irres Erlebnis.

Natürlich durfte auch meine Metal‑Referenz‑Playlist nicht fehlen. Dazu kamen YouTube, Filme, Serien, Spiele – einmal das ganze Alltagspaket. Der Luxsin X9 hat in der Testzeit dauerhaft auf meinem Schreibtisch gestanden und wurde an guten Tagen locker 10 Stunden am Stück genutzt. Bei knapp 300 Stunden Spielzeit kennt man die Kiste langsam ziemlich gut.

Im Alltag bleibt der Luxsin X9 dem beschriebenen Grundcharakter treu: neutral bis leicht warm, straffer, kontrollierter Bass, sauberer Mittelton und eine klare, luftige, aber nicht nervige Höhenwiedergabe. Der Hintergrund bleibt „pitch‑black“, nichts rauscht, nichts zischelt – selbst bei niedrigen Pegeln wirkt alles kontrolliert und aufgeräumt. Erst wenn man DSP, HP‑EQ und Crossfeed dazuschaltet, merkt man, wie viel Potential da noch oben drauf kommt.

Luxsin X9 X Verum 2

Der Verum 2 ist ein großartiger Kopfhörer, gebaut von einem zugegeben etwas kontroversen Hersteller. Wie so oft bei mir handelt es sich um einen offenen Planar – hier mit den optionalen „ventilated Earpads“, um etwas mehr Tiefbass herauszukitzeln. Am Luxsin X9 angestöpselt und das passende Profil im HP‑EQ aktiviert, passiert genau das, was man sich insgeheim wünscht: Aus einem sehr guten Kopfhörer wird ein affengeiler Kopfhörer.

HP‑EQ bügelte beim Verum 2 die typischen Eigenheiten glatt: Der Bass gewinnt an Fundament, ohne aufzuquellen, die Mitten rücken etwas sortierter ins Zentrum und die Höhen verlieren ein Stück Schärfe, behalten aber Luft und Detail. Versteht es nicht falsch – der Verum 2 ist auch „pur“ ein toller Hörer –, aber es fühlt sich an, als bekäme er ein kostenloses Tuning‑Upgrade. Mehr Linearität, weniger Nervigkeit, stimmigere Tonalität. So sollte dieser Kopfhörer eigentlich ab Werk klingen.

Luxsin X9 X Fosi Audio i5

Der Fosi Audio i5 ist so ein bisschen der Geheimtipp 2025: für den Preis ein erstaunlich erwachsener Klang, der einige etablierte Hersteller sichtbar nervös gemacht hat. Klar, der Start war holprig, Fosi hat aber schnell nachgebessert und die Kinderkrankheiten überarbeitet. Am Luxsin X9 knüpft der i5 genau da an – nur eben eine Stufe höher.​

Mit aktiviertem HP‑EQ bekommt der i5 das, was ihm viele attestieren: ein sehr stimmiges, „großes“ Klangbild für kleines Geld, aber mit weniger Ecken und Kanten. Der Bass wirkt kontrollierter und definierter, Stimmen rücken natürlicher in den Vordergrund, und der Hochton verliert Härte, ohne langweilig zu werden. Unterm Strich hebt der Luxsin X9 den Fosi Audio i5 in eine andere Liga – nicht, weil er ihn verbiegt, sondern weil er seine Stärken betont und die Schwächen wegschneidet.

Einordnung & mögliche Kritikpunkte

Im Vergleich zu typischen Mess‑Boliden à la Topping DX9 oder ähnlichen Designs spielt der Luxsin X9 etwas wärmer und entspannter, punktet dafür mit deutlich mehr Features und Flexibilität. Für Besitzer eines Eversolo DMP‑A8 ist er weniger spannend, weil sich DAC‑Teil und viele Funktionen überschneiden – spannend wird er vor allem als dedizierter Head‑Fi‑Hub mit HP‑EQ und Sub‑Integration.

Kleine Schattenseiten gibt es auch: Einen Ethernet‑Port sucht man vergeblich, alles läuft über WLAN oder USB. Die Relais‑Klicks der R2R‑Lautstärkeregelung sind gewollt und haptisch toll, in sehr leisen Umgebungen aber hörbar – Geschmackssache. Und wer statt leicht wärmer, „musikalischer“ Abstimmung lieber maximal analytische, knallharte Neutralität mit messfokussiertem Minimalismus sucht, wird bei Topping & Co. wahrscheinlich glücklicher.

Fazit

Der Luxsin X9 ist für mich so ein Gerät, das man anfangs wegen der Optik und der Technik-Gimmicks spannend findet – und am Ende wegen der Alltagstauglichkeit und des Klangtunings behält. Er ist kein puristischer „Nur-DAC“, sondern ein vollwertiges Head‑Fi‑Control‑Center: kräftiger Kopfhörerverstärker, sehr guter DAC, flexible Vorstufe mit Sub‑Ausgängen und dazu eine DSP-Werkzeugkiste, die deinen vorhandenen Kopfhörern im besten Fall ein Klang‑Firmware‑Update verpasst.

Wer nach dem X9 noch höher hinaus will: Der Burson Soloist Stellar Max (rund 2.450 €) und ganz oben der Burson Conductor GT4 (rund 3.600 €) zeigen, wohin die Reise gehen kann – beide deutlich teurer und hardwareseitig eine andere Liga, während der X9 seine Stärken vor allem über die Software ausspielt. Der Luxsin X9 zielt eher auf Hörer, die eine saubere, leicht warme, kontrollierte Abstimmung mögen und Lust haben, mit HP‑EQ, Crossfeed, Parametric‑EQ und 2.1/2.2‑Setup aktiv zu gestalten. In dieser Rolle macht er verdammt viel richtig: genug Power für große Planare, pechschwarzer Hintergrund, sehr gute Verarbeitung, starkes Display, und eine EQ‑/Profil‑Sektion, die aus „guten“ Hörern sehr oft „sehr gute“ Hörer macht.

Perfekt ist er nicht: kein LAN-Port, viele Funktionen hängen am Firmware‑Status, die Relais‑Klicks der R2R‑Lautstärke muss man mögen und der Grundsound im Bypass wirkt etwas „zu brav“. Aber unterm Strich ist der Luxsin X9 aktuell einer der spannendsten All‑in‑One‑DAC/Amps für den Schreibtisch – vor allem, wenn du mehr willst als nur „Signal rein, Signal raus“ und dein Head‑Fi‑Setup wirklich als Spielwiese und Werkzeug gleichzeitig begreifst.

Einen Überblick über die gesamte Luxsin-Modellpalette inklusive aller Neuheiten von der HIGH END Vienna 2026 findest du unter Luxsin Audio: X8, X9 und alle Neuheiten im Überblick.

Update Juli 2026: Auch nach meinem Test lebt der X9 weiter

Mein Test oben ist abgeschlossen, das Gerät selbst offensichtlich nicht. Seit dem Verkaufsstart hat Luxsin dem X9 per Firmware-Update kontinuierlich neue Funktionen spendiert – von einem überarbeiteten Web-UI über HTTPS-Unterstützung bis hin zu USB-Musikwiedergabe direkt vom Stick. Für ein Gerät, das schon über ein Jahr auf dem Markt ist, ist das ein ungewöhnlich aktiver Entwicklungstakt, und zwei Neuzugänge sind einen genaueren Blick wert.

Hearing Compensation: ein echter Hörtest im Luxsin X9

Mit Firmware 2.0.0.7 hat Luxsin eine Funktion namens Hearing Compensation eingeführt. Die Idee: Kein Gehör ist symmetrisch oder linear – viele Menschen hören bestimmte Frequenzen auf dem einen Ohr anders als auf dem anderen, oft ohne es zu merken. Hearing Compensation lässt den Luxsin X9 das eigene Gehör direkt am Gerät vermessen und daraus eine individuelle Korrekturkurve für links und rechts erstellen.

Das ist etwas anderes als die bereits im Test oben beschriebene HP-EQ: HP-EQ gleicht die Eigenheiten eines bestimmten Kopfhörer-Modells an eine Zielkurve an (mehr dazu in meiner HP-EQ-Anleitung). Hearing Compensation dagegen misst nicht den Kopfhörer, sondern das eigene Gehör – zwei unterschiedliche Korrekturebenen, die sich theoretisch sogar kombinieren lassen sollten.

Ich habe die Funktion nicht selbst durchgespielt, kann den Ablauf aber aus dem offiziellen Luxsin-Erklärvideo detailliert nachvollziehen:

  1. Start: Im Menü über den Touchscreen zu Effect → Hearing compensation → + New hearing profile navigieren.
  2. Referenzton kalibrieren: Zwei Testtöne (3,5 kHz oder 1 kHz) stehen zur Wahl. Per Drehregler die Gerätelautstärke herunterregeln, bis der Ton gerade noch hörbar ist, dann den subjektiv lauteren Ton per Touch auswählen.
  3. Linkes Ohr, 7 Frequenzbänder (u. a. 125 Hz, 250 Hz, 500 Hz, 1000 Hz, 4000 Hz, 8000 Hz): Ton wird langsam lauter, sobald hörbar auf “Heard” tippen, danach Lautstärke per Schieberegler oder Plus/Minus-Tasten feinjustieren, bis der Ton gerade eben wahrnehmbar ist, mit “Next” bestätigen.
  4. Rechtes Ohr: identischer Ablauf, automatisch im Anschluss.
  5. Ergebnis: Ein “Final Result”-Diagramm zeigt die individuelle Kompensationskurve für beide Ohren. Über “Rename” benennen, über “Apply” anwenden – die Ausgabe ist danach auf das persönliche Gehör kalibriert.

Im Kern ist das ein vollwertiges, geführtes Audiogramm-Verfahren, wie man es sonst eher von dedizierten Hörtest-Apps kennt – nur direkt im DAC integriert. Genau diesen Bedarf hatten Luxsin X9-Nutzer schon vorher in Foren thematisiert, etwa mit selbstgebauten Lösungen über externe Tongeneratoren zur Kompensation von einseitigem Gehörverlust. Luxsin scheint diesen Community-Wunsch jetzt direkt ins Gerät geholt zu haben.

AI-EQ: mittlerweile auch im X9 an Bord

Der X8 hatte von Anfang an ein eigenes Software-Highlight: eine KI-gestützte parametrische EQ, die sich per Sprach- oder Textbefehl bedienen lässt – “mach den Bass wärmer” wird automatisch in eine passende EQ-Kurve übersetzt, inklusive Erklärung, was verändert wurde. Mittlerweile ist diese Funktion auch im X9 angekommen, sodass sie kein Alleinstellungsmerkmal des kleineren Modells mehr ist. Mehrere unabhängige Tester beschreiben das System übereinstimmend als überraschend intuitiv, kritisieren aber, dass sich die KI auf reine Frequenzgang-Anpassungen beschränkt.

Mein Zwischenfazit

Zwei Dinge fallen auf: Sowohl Hearing Compensation als auch AI-EQ lösen ein reales, oft unterschätztes Problem – dass Gehör und Kopfhörer beide Fehlerquellen sind, die sich nicht mit einer pauschalen Zielkurve beheben lassen. Und beide Funktionen kamen nicht zum Marktstart, sondern wurden per Firmware nachgereicht – AI-EQ ist inzwischen sogar geräteübergreifend auf X9 und X8 verfügbar. Das unterscheidet Luxsin von vielen Wettbewerbern, bei denen ein Gerät im Wesentlichen so bleibt, wie es ausgeliefert wurde. Wer vor über einem Jahr gekauft hat, bekommt heute spürbar mehr Gerät, als er ursprünglich bezahlt hat – ein Kurs, den ich mit Interesse weiterverfolge, gerade jetzt, wo mit BD9, BH9 und weiteren Neuheiten von der HIGH END Vienna 2026 auch hardwareseitig einiges in Bewegung ist.

]]>
https://www.hifigeek.de/luxsin-x9-im-test/feed/ 0 9737
horror-news.com wird zu hifigeek.de – Mein Wandel, meine Leidenschaft https://www.hifigeek.de/horror-news-com-wird-zu-hifigeek-de-mein-wandel-meine-leidenschaft/ https://www.hifigeek.de/horror-news-com-wird-zu-hifigeek-de-mein-wandel-meine-leidenschaft/#respond Wed, 19 Nov 2025 10:09:07 +0000 https://www.hifigeek.de/?p=9538 Einleitung: Wandel im Blog – Vom Horror zur HiFi-Welt

Viele werden es bemerkt haben. Einige andere haben uns nur gefunden, weil sie nach HiFi gesucht, aber Horror bekommen haben. Es war eine schleichende, aber stetige Transformation. Ein wenig komme ich mir so vor, als hätte ich mich jetzt geoutet. Aber horror-news.com passte schon länger nicht mehr zum Kernthema des Blogs und ich habe nur an der Tradition festgehalten.

Rückblick: Die Anfänge von horror-news.com

2013 habe ich horror-news.com ins Leben gerufen, um zur Facebook-Seite mit ihren teils 80.000 Fans eine konstante Seite zu pflegen, anstatt nur Social-Media-Schleuderei zu betreiben. Das alles entstand zu einer Zeit, in der viele noch an klassischen Medien festhielten und nur ein Lächeln für uns junge Rebellen im Internet übrig hatten. „Du kommst hier nicht rein! Nur mit Presseausweis!“ Natürlich ist Journalismus ein wichtiger Beruf und diese Berufsgruppe identifiziert sich und ihre Arbeit über solche Ausweise. Nur bekommt man so etwas nicht, wenn man „nur“ Social Media macht und einen Blog betreibt.

Hürden & Entwicklung: Anerkennung in der Pressewelt

Umso schwerer war es am Anfang, akzeptiert zu werden und auf Presseverteilerlisten zu kommen. Pressevorführungen, Pressematerial – all das war nicht selbstverständlich. Mit den Jahren wurde es besser. Heute ist das eigentlich kein Problem mehr.

Anspruch und Realität: Mein Weg als Einzelkämpfer

Mein Anspruch war, die Horror-Welt hier in News, Bild und Ton einzufangen. Aber jeder Versuch, meine Arbeit auf mehrere ambitionierte Personen aufzuteilen und so mehr und mehr abzudecken, ist irgendwie immer im Sande verlaufen. Jeder will die Vorteile, die ich mir erarbeitet habe, genießen, ohne jedoch etwas dafür zu tun. So habe ich teilweise resigniert und meine Ansprüche komplett zurückgeschraubt, nur noch über das geschrieben, was ich interessant fand. Was gar nicht schlecht ist und generell Spaß gemacht hat, aber eben nicht „Horror News“ entsprochen hat.

Neuer Lebensabschnitt: Zeitmangel und Technologie

Jetzt mit Kind und Kegel wird die Zeit knapper, und für etliche News, Trailer, Reviews etc. zu etlichen Filmen fehlt einfach die Zeit. Auch wenn KI einfache Aufgaben wie Tag-Listen erstellen übernehmen kann und gute Zuarbeit für Dinge leistet, die neben dem eigentlichen Content-Erstellen weitere Zeit fressen. Mein bester Freund ist die KI insoweit geworden, dass sie meine Texte korrekturlesen kann, ohne dass ich Hilfe von Dritten benötige.

Interessenwandel: Vom Horror zum HiFi-Genuss

Dennoch hat sich in den letzten zwei Jahren ein Wandel meiner Interessen angedeutet. Zwar schaue ich immer noch gerne Horrorfilme und liebe alles, was mit Horror zu tun hat, aber mittlerweile steht für mich der Genuss im Vordergrund – und damit auch guter Ton und gutes Bild.

Musik & Technik: Leidenschaft für Sound und Bild

Musik ist bei mir eigentlich allgegenwärtig, und das wird mit Festivals und Konzerten ausgelebt. Während der Arbeit höre ich den kompletten Tag Musik mit meinen Kopfhörern. Beim Grillen schallt Musik aus den Terrassenlautsprechern. Das Heimkino teilt sich mittlerweile in Heimkino-Anlage und analoges Stereo auf. Natürlich dürfen im ganzen Haus auch die Sonos-Lautsprecher nicht fehlen. Auch wenn Sonos mittlerweile Schrott ist … anderes Thema.

HiFi & Nachwuchs: Ein Blick auf die Szene

Jedenfalls habe ich angefangen, mich mehr und mehr für HiFi, Heimkino und Head-Fi zu interessieren, Inhalte dazu zu veröffentlichen und festgestellt, dass es viele Menschen interessiert. Jetzt zähle ich mich noch zu den jungen HiFi-Enthusiasten und sehe, dass die Szene eine kleine Krise durchlebt, was Nachwuchs angeht. In meinen Augen ist das Problem die Ansprache und das Angebot. Das Angebot wird von den Chinesen erkannt und mit Marken wie Fosi Audio, SMSL, Topping und vielen mehr beackert, während die traditionellen Marken junges Volk belächeln und nicht ernst nehmen. So zumindest mein Eindruck nach meinem ersten Besuch der High End München.

Leidenschaft & Einstieg: Warum gute Technik wichtig ist

Ich verstehe, dass HiFi ein riesiges Hobby ist und jeder andere Ansprüche und Berührungspunkte hat. Aber irgendwie braucht jeder irgendwann die Einstiegsdroge, um sich für das Thema zu begeistern. Bei mir sind es Filme und Musik. Die müssen einfach gut klingen. Ein Horrorfilm ohne guten Ton ist nun mal kein Horrorfilm. Das Erlebnis Kino – zumindest, wenn man ein gescheites in seiner Nähe hat – ist einfach ein anderes als Zuhause. Dennoch wird Zuhause das Bild immer größer und die Möglichkeiten besser. Durch Streaming haben wir tausende Filme und Serien nur einen Klick entfernt. Zwar empfinde ich Streaming als angenehm und verstehe die Vorzüge, jedoch fehlt mir die Haptik und Qualität eines physischen Mediums, weshalb hier regelmäßig 4K-Scheiben ihre Runden drehen.

Entwicklung & Ausblick: HiFi statt Horror

In den letzten fast zwei Jahren habe ich viel über HiFi geschrieben, ausprobiert und entdeckt. Die Pace hinter HiFi ist bei weitem nicht so hoch wie bei Filmen, sodass man auch mal eine Woche nichts schreiben muss, um aktuell zu bleiben. Das gibt mir die Freiheit, noch tiefer ins Thema einzutauchen, Wissen aufzubauen und mich richtig einzunerden.

Fazit: Ein Buch schließt sich, ein neues beginnt

Mit der Transformation von horror-news.com zu hifigeek.de schließe ich ein Buch und öffne ein neues. Und ich bin hyped! Ich erhoffe mir dadurch, weniger aber besseren Content zu erstellen, meine stetige Neugierde, wie, was, wo klingt, zu stillen und Menschen zu inspirieren, es mir gleichzutun. Vielleicht auch Entscheidungshilfen zu geben, denn ich hole mir diese ebenfalls immer aus dem Internet. Natürlich gibt es da draußen fähiges Fachpersonal, das einen perfekt beraten kann – leider habe ich von diesen Personen gänzlich wenige getroffen.

Genug gelabert. Lasst uns loslegen! Ich hoffe, ich schocke jetzt niemanden mit der Transformation und setze nur noch das letzte i‑Tüpfelchen auf das, was eh schon offensichtlich war.

]]>
https://www.hifigeek.de/horror-news-com-wird-zu-hifigeek-de-mein-wandel-meine-leidenschaft/feed/ 0 9538