Arcam Radia AVA15 - Frontal mit gelbem Deckeldetail

Arcam baut die Radia-Serie aus: Neue AVA-Verstärker, Prozessor und Endstufen für das Heimkino

Die Arcam Radia AVA-Fami­lie ist da — und sie macht unmiss­ver­ständ­lich klar, wo Arcam im Heim­ki­no-Seg­ment ste­hen will: nicht beim nächs­ten Yama­ha, son­dern dort, wo audio­phi­ler Anspruch auf Mehr­ka­nal trifft. Mit dem kom­plet­ten Radia-AV-Lin­e­up prä­sen­tiert der bri­ti­sche Her­stel­ler eine neue Gene­ra­ti­on von AV-Ver­stär­kern, die optisch und kon­zep­tio­nell auf der bestehen­den Radia-HiFi-Linie aufbauen.

Arcam Radia AVA: Drei Modelle, ein Prozessor, zwei Endstufen

Vor­ge­stellt wur­de das neue Lin­e­up auf der ISE 2026 in Bar­ce­lo­na. Die Arcam Radia AVA-Fami­lie umfasst die drei AV-Ver­stär­ker AVA15, AVA25 und AVA35, den 16-Kanal-Pro­zes­sor AVP45 sowie die End­stu­fen PA4 (vier Kanä­le, Class D) und PA9 (neun Kanä­le, Class G). Wer über die unge­wohn­te Bezeich­nung stol­pert: Arcam nennt die Gerä­te bewusst AVA statt AVR, weil kein klas­si­scher AM/FM-Tuner ver­baut ist. Ein seman­ti­sches Detail, das die Posi­tio­nie­rung aber gut trifft — hier will nie­mand der nächs­te Mas­sen­markt-Recei­ver sein.

Die drei AVA-Model­le erset­zen die bis­he­ri­ge Gene­ra­ti­on aus dem Jahr 2022 — also AVR11, AVR21, AVR31 und AV41. Und der Gene­ra­ti­ons­wech­sel bringt mehr als ein neu­es Gehäu­se: Alle Model­le star­ten jetzt mit neun inte­grier­ten End­stu­fen statt bis­her sie­ben, und Dirac Live Acti­ve Room Tre­at­ment (ART) hält erst­mals Ein­zug — eine Funk­ti­on, die bis­lang nur sehr weni­gen Gerä­ten am Markt vor­be­hal­ten war.

Was die Modelle unterscheidet — und wo es technisch interessant wird

Optisch set­zen alle vier AV-Gerä­te auf das typi­sche Radia-Design: schOp­tisch set­zen alle vier AV-Gerä­te auf das typi­sche Radia-Design: schwar­zes Metall­ge­häu­se, dezen­te gel­be Akzen­te, 6,5‑Zoll-Farbdisplay auf der Front. Innen gehen die Wege aus­ein­an­der — und hier lohnt ein genaue­rer Blick.

Der AVA15 ist der Ein­stieg ins Lin­e­up. Neun Kanä­le in Class D, Dol­by Atmos, DTS:X, HDMI 2.1a mit HDCP 2.3 — bis zu 8K/60Hz oder 4K/120Hz, VRR und ALLM inklu­si­ve, also auch für Gam­ing-Set­ups gerüs­tet. Auro-3D fehlt auf die­sem Niveau noch.

Der AVA25 legt nach: Neun Kanä­le Class AB mit je 100 Watt an 8 Ohm, dazu ein toro­ida­les Linear­netz­teil für sta­bi­le Ver­sor­gung auch bei hohen Pegel­spit­zen. Auro-3D kommt hin­zu, eben­so ein Zone-2-Aus­gang. Arcam behaup­tet, der AVA25 lie­ge klang­lich nahe am mehr­fach aus­ge­zeich­ne­ten A15+ Ste­reo­ver­stär­ker — eine stei­le The­se, die wir im Test nach­prü­fen wollen.

Das Flagg­schiff der Arcam Radia AVA-Rei­he ist der AVA35, und hier wird es tech­nisch wirk­lich inter­es­sant. Arcam ver­baut Class-G-Ver­stär­kung für alle neun Kanä­le — ein Prin­zip, das mit einer dop­pel­ten Span­nungs­ver­sor­gung arbei­tet: Bei gerin­gen Pegeln läuft die End­stu­fe auf der nied­ri­ge­ren Schie­ne, bei hoher Dyna­mik­an­for­de­rung schal­tet sie auf die höhe­re um. Das redu­ziert Ver­lust­leis­tung gegen­über klas­si­schem Class AB erheb­lich und senkt gleich­zei­tig das Kreuz­ver­zer­rungs­pro­blem, das vie­le Class-AB-Designs bei nied­ri­gen Pegeln plagt. Arcam hat die­ses Kon­zept bereits im SA45 Strea­ming-Ver­stär­ker ver­fei­nert — der AVA35 über­trägt es nun erst­mals auf neun Kanä­le in einem Gehäuse.

Dazu kommt der ESS Hyperstream IV DAC Pro, den­sel­ben Wand­ler den Arcam auch im SA45 ein­setzt, kom­bi­niert mit einem Fre­quenz­gang von 20 Hz bis 20 kHz bei ±0,05 dB — also prak­tisch per­fekt flach über das gesam­te Audio­band. Der SNR liegt bei 100 dB, THD+N bei –100 dB. Das sind Wer­te, bei denen man nicht lan­ge über Mess­ergeb­nis­se dis­ku­tie­ren muss.

Der AVP45: Prozessor mit ernsthafter Architektur

Wer den maxi­ma­len Sepa­ra­tes-Auf­bau anstrebt, greift zum AVP45 — und bekommt dafür eine der tech­nisch auf­ge­räum­te­ren Archi­tek­tu­ren im Seg­ment. 16 Deko­die­rungs­ka­nä­le, und was beson­ders auf­fällt: alle 16 Kanä­le haben sowohl XLR- als auch RCA-Aus­gän­ge. Der sym­me­tri­sche Aus­gang lie­fert 5 V RMS, der unsym­me­tri­sche 2 V RMS — für lan­ge Kabel­we­ge zu exter­nen End­stu­fen im dedi­zier­ten Heim­ki­no-Raum ist das ein ech­ter Vor­teil, denn Ein­streu­un­gen wer­den über die Gleich­takt­un­ter­drü­ckung der Balan­ced-Ver­bin­dung weit­ge­hend eli­mi­niert. Wer wie wir selbst einen dedi­zier­ten AV-Pro­zes­sor im Ein­satz hat, weiß wie viel die Archi­tek­tur aus­macht — wir haben uns gera­de für den Anthem AVM70 ent­schie­den.

Die Matrix Chan­nel Assign­ment-Funk­ti­on erlaubt dabei freie Kanal­zu­wei­sung für alle 16 Aus­gän­ge — mit einer sinn­vol­len Ein­schrän­kung: Sub­woo­fer-Kanä­le sind nur auf den Aus­gän­gen 4 sowie 11 bis 16 zuläs­sig, was die Bass­ma­nage­ment-Archi­tek­tur intern sau­ber hält. For­mat­un­ter­stüt­zung umfasst Dol­by Atmos, Dol­by TrueHD, DTS:X, DTS-HD Mas­ter, IMAX Enhan­ced, Auro-3D und MPEG‑H. Der Pro­zes­sor zieht dabei im Leer­lauf ledig­lich 35 Watt — ein Hin­weis dar­auf, dass hier kei­ne unnö­ti­ge Wär­me­ent­wick­lung in Kauf genom­men wird, trotz des ernst­haf­ten 9,4‑Kilogramm-Chassis.

Streaming und Konnektivität

App-sei­tig läuft alles über die Arcam Radia App. Strea­ming-sei­tig ist alles dabei, was man 2026 erwar­tet: Air­Play, Goog­le Cast, Spo­ti­fy Con­nect, TIDAL Con­nect, Qobuz Con­nect und Roon Rea­dy. Das Netz­werk­mo­dul unter­stützt Dual-Band-WLAN nach 802.11ac sowie Blue­tooth 5.4 mit Snapd­ra­gon Sound und Aura­cast — also aptX Los­sless für bit­ge­nau­es kabel­lo­ses Strea­ming und Broad­cast-Modus für meh­re­re Emp­fän­ger gleich­zei­tig. Hi-Res-Audio bis 24 Bit/192 kHz ist über alle Ein­gangs­we­ge möglich.

Software: Eine lange Geschichte, die noch nicht ganz geschrieben ist

Arcam baut auf einem guten Klang-Ruf auf — aber auch auf einer Soft­ware-Bio­gra­fie, die nicht ohne Nar­ben ist. Älte­re Model­le wie der AVR30 kamen Ende 2019 mit teils feh­ler­haf­ter Firm­ware auf den Markt, Update-Pro­zes­se gal­ten in der Com­mu­ni­ty jah­re­lang als zäh und feh­ler­an­fäl­lig. Das hat sich mit der aktu­el­len Arcam Radia AVA-Gene­ra­ti­on gebes­sert — aber erle­digt ist das The­ma nicht.

Nut­zer der aktu­el­len Radia-Strea­ming-Gerä­te bemän­geln die Qobuz-Inte­gra­ti­on in der Radia-App als aus­ge­spro­chen schwach: feh­len­de Meta­da­ten, unat­trak­ti­ve Ober­flä­che, kaum ver­gleich­bar mit eta­blier­ten Lösun­gen wie Blu­OS. Und wer ein Update ein­spie­len will, greift noch immer zum USB-Stick — Over-the-Air-Updates waren laut Arcam im Früh­jahr 2025 in Pla­nung, aber zum dama­li­gen Zeit­punkt noch nicht ver­füg­bar. Für Gerä­te im Preis­be­reich von 3.000 bis 7.000 Euro ist das ein Ana­chro­nis­mus, den Käu­fer ken­nen sollten.

Die neue AVA-Fami­lie soll von Beginn an sta­bi­ler ins Ren­nen gehen. Ob das dies­mal wirk­lich stimmt, wer­den die ers­ten Mona­te nach dem Q3-Launch zeigen.

Der Markt erwacht

Die Arcam Radia AVA-Serie trifft auf einen Markt, der sich gera­de grund­le­gend neu auf­stellt. Onkyo nutz­te die CES 2026 in Las Vegas — pas­send zum 80-jäh­ri­gen Jubi­lä­um — für einen umfas­sen­den Aus­blick auf ein kom­plett neu­es AV-Recei­ver-Lin­e­up der TX- und RZ-Seri­en, inklu­si­ve neu­er High-End-Vor­stu­fe und sepa­ra­ter End­stu­fen. Dirac Live und Dirac ART sol­len bei allen Model­len von Anfang an dabei sein. Der Haken: Vie­le Onkyo-Model­le sind erst für 2027 als fina­le Markt­ein­füh­rung geplant — was Arcam mit dem Q3-Launch durch­aus in die Kar­ten spielt.

Preise und Verfügbarkeit

Die Arcam Radia AVA-Model­le und der AVP45 sol­len ab Q3 2026 ver­füg­bar sein, die End­stu­fen PA4 und PA9 fol­gen im Q4. Die Prei­se in der Übersicht:

  • AVA15: 2.999 €
  • AVA25: 4.999 €
  • AVA35: 6.999 €
  • AVP45: 5.999€
  • PA4: 999€
  • PA9: 3.999€

Wir haben ein Test­ge­rät ange­fragt — sobald ein AVA bei uns ein­trifft, schau­en wir uns an, ob der Klang-Anspruch hält, was die Specs versprechen.

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