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Eversolo DAC-Z10: DAC, Vorverstärker und Kopfhörerverstärker in einem

Der Ever­so­lo DAC-Z10 ist das neue Flagg­schiff des chi­ne­si­schen Her­stel­lers — und das Ding will ernst­haft mehr sein als ein DAC. Ever­so­lo, seit eini­gen Jah­ren mit Strea­mern und DACs in der geho­be­nen Mit­tel­klas­se prä­sent, legt mit dem DAC-Z10 eine Kom­bi­na­ti­on aus voll­wer­ti­gem D/A‑Wandler, akti­vem Vor­ver­stär­ker und Kopf­hö­rer­ver­stär­ker vor. Preis: 1.980 Euro. Dafür bekommt man eini­ges gebo­ten — auf dem Papier jedenfalls.

Was Eversolo damit will

Das Ziel ist klar: eine voll­stän­di­ge Steu­er­zen­tra­le für ein moder­nes Ste­reo-Sys­tem. Wer auf einen sepa­ra­ten Vor­ver­stär­ker ver­zich­ten will, soll mit dem Ever­so­lo DAC-Z10 direkt in die End­stu­fe oder Aktiv­laut­spre­cher gehen kön­nen. Gleich­zei­tig soll das Teil Kopf­hö­rer-Set­ups nicht als Aftert­hought behan­deln, son­dern als ernst­zu­neh­men­de Opti­on. Laut Her­stel­ler ist der Anspruch “True Sound” — das klingt nach Mar­ke­ting, aber hin­ter der Fas­sa­de steckt eine Archi­tek­tur, die das zumin­dest tech­nisch untermauert.

Technik und Hardware

Das Herz­stück ist eine Dual-Mono-Imple­men­tie­rung mit je einem AK4191- und AK4499-Chip­set pro Kanal — ins­ge­samt also vier AKM-Vel­vet-Sound-Chips. Jeder Kanal bekommt sei­ne eige­ne Signal­ket­te, sei­nen eige­nen linea­ren Netz­tra­fo und sei­ne eige­ne Mas­se­füh­rung. Ever­so­lo nennt das intern “Ful­ly Iso­la­ted Archi­tec­tu­re” (FIA). Drei getrenn­te Linear­netz­tei­le ver­sor­gen lin­ken Kanal, rech­ten Kanal und die Sys­tem­elek­tro­nik sepa­rat — das ist kein Mar­ke­ting­be­griff für gemein­sa­me Mas­se mit Trenn­kon­den­sa­to­ren, son­dern tat­säch­lich phy­sisch getrenn­te Versorgung.

Die Laut­stär­ke­re­ge­lung erfolgt nicht digi­tal, son­dern über ein dua­les R2R-Wider­stands­netz­werk — ein Modul pro Kanal. Das ver­hin­dert Pegel­ver­lus­te durch Bit-Trun­ca­ti­on bei nied­ri­gen Laut­stär­ken und sorgt für kanal­glei­che Pha­sen­re­ak­ti­on. Die ana­lo­ge Vor­ver­stär­ker­stu­fe unter­stützt sowohl XLR- als auch RCA-Ein­gän­ge und ‑Aus­gän­ge, mit +10 dB ana­lo­gem Gain. Das Ever­so­lo DAC-Z10 kann also direkt eine End­stu­fe trei­ben — ohne exter­ne Vorstufe.

Das Takt­sys­tem trägt den Mar­ken­na­men “Pre­cis­i­on Core”: Ein OCXO-Quarz­os­zil­la­tor (tem­pe­ra­tur­kon­trol­liert, um Fre­quenz­drift zu eli­mi­nie­ren), ergänzt durch PLL-Jit­ter-Unter­drü­ckung und FPGA-gestütz­te Takt­re­kon­struk­ti­on. Ever­so­lo spricht von Fem­to­se­kun­den-Prä­zi­si­on — das ist eine Wer­be­aus­sa­ge, die man nicht ein­fach nach­mes­sen kann, aber OCXO-basier­te Takt­ge­ber sind in die­ser Preis­klas­se tat­säch­lich sel­ten. Für Sys­te­me mit exter­nem Mas­ter­clock gibt es Ein­gän­ge für 10 MHz und 25 MHz, wahl­wei­se mit 50-Ω- oder 75-Ω-Abschluss. Das ist ein Fea­ture, das man sonst eher bei Eso­te­ric oder dCS findet.

Die Mess­wer­te laut Her­stel­ler: THD+N von 0,00008 %, Dyna­mik­um­fang 130 dB. Bei­des klingt beein­dru­ckend. Ob das unter rea­len Betriebs­be­din­gun­gen und mit allen Ein­gän­gen sta­bil bleibt, ist eine ande­re Frage.

Anschlüsse und Display

Der Ever­so­lo DAC-Z10 ist gut bestückt. Auf der Rück­sei­te: USB‑B (bis PCM 768 kHz/32-bit, DSD512), I²S mit acht kon­fi­gu­rier­ba­ren Modi (eben­falls bis DSD512), AES/EBU, je zwei Koaxi­al- und Tos­link-Ein­gän­ge (bis PCM 192 kHz/24-bit, DSD64 DoP), HDMI eARC und Blue­tooth 5.0 mit SBC und AAC. Ana­log rein und raus per XLR und RCA.

Vorn: ein 8,8‑Zoll-Touchscreen. Kein win­zi­ges OLED-Fens­ter, son­dern ein rich­ti­ges Dis­play, das auch aus Sitz­di­stanz les­bar ist. VU-Meter, Spek­trum­ana­ly­zer, Fil­ter­aus­wahl, Ein­gangs­wahl — alles direkt am Gerät steu­er­bar, alter­na­tiv per Fern­be­die­nung oder der Ever­so­lo-Con­trol-App für iOS und Android. Der Kopf­hö­rer­aus­gang (6,3 mm, front­sei­tig) erkennt auto­ma­tisch die Impe­danz des ange­steck­ten Hörers und passt den Gain an. Für nied­ri­ge Impe­dan­zen gibt es einen High-Gain-Modus mit bis zu 1 Watt an 16–32 Ohm — das reicht für die meis­ten pla­na­ren Magnetostat-Hörer.

Was es anders macht

Dual-Mono-DAC-Imple­men­tie­run­gen in die­ser Preis­klas­se sind sel­ten. Wer sowas nor­ma­ler­wei­se kauft, lan­det eher bei Chord, T+A oder MSB — und zahlt deut­lich mehr. Der Ever­so­lo DAC-Z10 kom­bi­niert das mit einer voll­wer­ti­gen ana­lo­gen Vor­ver­stär­ker­stu­fe und einem ernst­zu­neh­men­den Kopf­hö­rer­ver­stär­ker. Drei Kate­go­rien in einem Gehäu­se, die sich nicht gegen­sei­tig kom­pro­mit­tie­ren sol­len. Ob das tat­säch­lich gelingt, muss ein aus­führ­li­cher Test zeigen.

Die R2R-Laut­stär­ke­re­ge­lung ist eben­falls ein Punkt, der das Teil von den meis­ten DAC/P­re-Kom­bis im Seg­ment abhebt. Die übli­chen Ver­däch­ti­gen in die­ser Klas­se — Top­ping D90 III Sab­re, RME ADI‑2 Pro FS — arbei­ten mit digi­ta­lem oder ein­fa­chem ana­lo­gen Poti. Das R2R-Modul ist hier eine tech­nisch fun­dier­te Entscheidung.

Markteinordnung

1.980 Euro ist viel Geld für einen DAC. Gemes­sen an dem, was für die­sen Preis gebo­ten wird, ist es aller­dings eine ande­re Geschich­te. Der Top­ping D90SE liegt deut­lich dar­un­ter, bie­tet aber kei­ne ana­lo­gen Ein­gän­ge und kei­nen voll­wer­ti­gen Vor­ver­stär­ker. Der RME ADI‑2 Pro FS kos­tet ähn­lich, ist aber klar auf Stu­dio- und Kopf­hö­rer­ein­satz opti­miert, nicht auf ein Wohn­zim­mer-Sys­tem. Der Chord Hugo TT 2 liegt preis­lich ähn­lich, hat aber kei­ne ana­lo­gen Ein­gän­ge und ist eine ande­re Phi­lo­so­phie. Wer einen sepa­ra­ten Vor­ver­stär­ker ein­spa­ren will und trotz­dem kein Com­pro­miss-Gerät möch­te, hat in die­ser Preis­klas­se sonst kaum Optio­nen, die tech­nisch ver­gleich­bar aus­ge­stat­tet sind.

Ever­so­lo ist kein No-Name-Her­stel­ler mehr. Die DMP-A8 und A6 haben dem Unter­neh­men in der Strea­mer-Sze­ne einen guten Ruf ein­ge­bracht. Der Ever­so­lo DAC-Z10 ist der ers­te ech­te Angriff auf das obe­re Preis­seg­ment — und zumin­dest auf dem Papier gut gerüs­tet dafür.

Preis und Verfügbarkeit

Der Ever­so­lo DAC-Z10 kos­tet 1.980 USD / 1.980 EUR. In Deutsch­land ist er über aus­ge­wähl­te HiFi-Händ­ler erhält­lich. Zum Lie­fer­um­fang gehö­ren Fern­be­die­nung, Netz­ka­bel, USB-Daten­ka­bel, USB-Stick für Firm­ware-Updates, Trig­ger-Kabel und Bedienungsanleitung.

Offene Fragen

Das Kon­zept über­zeugt auf dem Papier. Drei getrenn­te Netz­tei­le, Dual-Mono-AKM, R2R-Laut­stär­ke­re­ge­lung, exter­ner Clock­ein­gang — das ist kei­ne zusam­men­ge­wür­fel­te Fea­ture­lis­te, son­dern eine kohä­ren­te Archi­tek­tur­ent­schei­dung. Was noch fehlt: wie sich das alles in der Pra­xis ver­hält. Wie schlägt sich die ana­lo­ge Vor­stu­fe wirk­lich gegen dedi­zier­te Vor­ver­stär­ker in ähn­li­cher Preis­klas­se? Wie klingt der Kopf­hö­rer­an­schluss mit anspruchs­vol­len pla­na­ren Hörern? Und bleibt die Kom­bi­na­ti­on aus Dis­play, App und Audio­sek­ti­on auf Dau­er sta­bil — Firm­ware-sei­tig? Abwarten.

Wer sich eher für die Strea­ming-Sei­te des Ever­so­lo-Port­fo­li­os inter­es­siert: Unse­ren Test zum DMP-A6 fin­det ihr hier.

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