Elf Jahre hat mich mein Denon X4000 durchs Heimkino begleitet. Viele Setups, viele Testgeräte, viele Abende. Bis er eines Tages einfach aufhörte, seinen Job zu tun – und ich mich plötzlich mitten in einer Marktanalyse wiederfand, an deren Ende der Anthem AVM70 stand. Hier ist die ganze Geschichte.
Geiles Preis-Leistungs-Verhältnis
Seit 2014 hat mich der Denon X4000 begleitet. Zwar hat er in den letzten Jahren deutlich an Glanz verloren, dennoch war er ein fester Teil meines Setups.
Mit dem Ausbau des Wohnzimmer-Heimkinos zum 7.2.4‑Setup musste er zwischenzeitlich auf der Ersatzbank sitzen – zum Beispiel als ich das IOTAVX-Setup oder den Anthem MRX740 getestet habe. Aber aufgrund fehlender Alternativen kehrte er immer wieder an seinen angestammten Platz zurück.
Mann-o-meter, waren das noch wilde Zeiten. Ich glaube, ich habe den X4000 in Hamburg in der Mönckebergstraße spontan für 699 € gekauft und war hochzufrieden. Damals noch in der Mietwohnung mit 3.0‑Setup, weil mehr mit den Nachbarn schlicht nicht drin gewesen wäre. Rundherum nur Rentner und wir als junges Volk mittendrin – da war nichts mit aufdrehen oder durchdrehen. Nur gelegentlich. Das waren noch wilde AVR-Zeiten. Klar gab es da schon beinahe Trinnov mit ihrer Altitude 32, aber irgendwie tendierte alles immer zu Denon. Allgegenwärtig eben.
Mit dem Aufkommen von Dolby Atmos ein Jahr später zogen auch die Preise für Heimkino-Equipment allmählich an. Mehr Kanäle, bessere DSPs, mehr Rechenleistung – das hatte seinen Preis.
Mit dem Hauskauf dann der Umbruch: Voller Ausbau auf 7.2.4, Raum akustisch komplett bearbeitet, Technik nach hinten, OLED nach vorne. Mehr und mehr nahm mein Blog Form an und ich fing an, erste Unterhaltungselektronik zu testen. Der Wunsch, das 7.2.4‑Setup endlich voll auszufahren, wuchs.

Erste Atmos-Erfahrungen: Der AVX17
Ich war schon immer auf der Suche nach dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Man sieht mich eigentlich nie zu Release irgendetwas kaufen (außer vielleicht MacBooks und iPhones). Ich verfalle in den Recherche-Wahn: Wo bekomme ich welche Leistung? Was kann A, was kann B? Ist das Mehr-Geld auch mehr wert? Das ist bis heute tief in mir verwurzelt.
Natürlich kam ich früh auf IOTAVX – seiner Zeit noch ein britisches Unternehmen. Irgendwann habe ich mich getraut, eine Kooperation zu suchen, gerade als der deutsche Vertrieb die Bude übernommen hatte. Der AVX17 hat genau das versprochen, was ich gesucht hatte: High-End-Signalverarbeitung, starke DSPs – dafür eine sperrige Bedienung, weil keine Kosten in Usability gesteckt wurden. Die Preis-Leistungs-Granate, die ich gesucht hatte.
Und ja, der AVX17 ist ein cooles Teil. 1.800 € und man hat ein 16-Kanal-Ungetüm – wenn man es zu bändigen weiß. Reingefräst, REW mit UMIK‑1 bemüht und dann mühselig im Menü den PEQ eingestellt. Das Ergebnis? Wirklich solide bis beeindruckend. Manuell as hell, aber macht Spaß. Ganz anders als MultiEQXT32 von Denon, dem schwarzen Loch, das irgendwas macht. Schlecht ist die Kiste nicht, aber die Kontrolle des AVX17 war schon eine eigene Klasse.

Neidisch Richtung Dirac geschielt
Mit all diesem Purismus schielt man natürlich irgendwann Richtung Dirac. Immer mehr Marken adaptieren das System – so auch Marantz und Denon. Mein Wille, mal in diese Richtung zu schauen, war wieder entflammt. Aber dass man sich die kompletten Lizenzen extra kaufen muss, treibt den Preis dieser Allrounder ordentlich in die Höhe.
Ich habe viel umhergesehen: NAD, Arcam, Onkyo, StormAudio – alle haben Dirac, aber die Einmesstechnik entscheidet nicht allein über den Klang. Und ich will viel Klang für möglichst wenig Geld.
Irgendwann habe ich die eierlegende Wollmilchsau aufgegeben. Schuster bleib bei deinen Leisten. Streaming? Nice-to-have, wenn nicht egal – ich habe mittlerweile einen Eversolo. Phono-In? Ich habe einen super Phono-Pre-Amp und sowieso ein analog verarbeitendes Stereo-Setup. Analoger Passthrough hingegen wäre richtig geil: kein Umstecken mehr.
Zeit verging und irgendwie blieb man doch beim X4000. Stereo konnte ich mit meinem Stereo-Setup richtig einen abbrennen, in Surround war’s geil, aber altbacken.
Das Ableben des X4000
Es kommt mir gerade so vor, als würde ich den Tod eines geliebten Begleiters verarbeiten. Das ist es eigentlich nicht, aber ich erzähle gerne die Geschichten, die mich zu neuen Dingen bewegen.
Ich hatte gerade das Review der Arendal 1723 Tower fertig, als der Center sowie die Bookshelf S eintrafen. Ich hörte sie ein paar Tage, als ich eines Abends beim Abendessen Musik im Wohnzimmer anmachte. Eigentlich wollte ich mein nächstes Video drehen. Es kam anders: Aus dem rechten Front-Lautsprecher kam nur noch leiser Ton. Ich prüfte natürlich, ob es an Einstellungen lag – war es natürlich nicht. Beim Umstecken wanderte das Problem mit, und als ich eine separate Endstufe aus dem Pre-Out füttern wollte, kam dort gar kein Ton. Klassisch: Irgendwo an der Signalverarbeitung zwischen Pre-Out und Endstufe ist etwas kaputt.
Lange habe ich über eine Reparatur nachgedacht und werde sie irgendwann aus Interesse noch angehen. Aber die Suche nach dem Ersatz war gestartet.
Marktanalyse
Natürlich begann ich sofort, Luftschlösser zu bauen. Dicke Vorstufen-/Endstufen-Kombination, irgendwas richtig Geiles! Aber natürlich ist das nicht so einfach.
Arcam AV41: Tolle Vorstufe auf dem Papier, Dirac Live, aber schon etwas in die Jahre gekommen – und Arcam hat für Q3 die neue Radia-Serie angekündigt. 6.000 € für die neue Vorstufe? Ins Schwitzen.
NAD: Upgrade-Möglichkeiten klingen nett, aber wie realistisch ist das wirklich? Auch in die Jahre gekommen. Lieber nicht.
Denon mit Dirac Live Upgrade: Irgendwie haben die den Glanz für mich verloren. Auch verworfen.
Marantz AV10 / AV20 / AV30: Klingen auf dem Papier toll. Die Preise? 4.000–6.500 €. Dirac kommt noch extra. Wieder nichts. Auch aus Angst, wieder in der Denon-Bubble zu hängen.
StormAudio / Trinnov: Vielleicht mit einer Kooperation, aber so richtig trauen? Noch nicht.
Onkyo TX-RZ50 als Pre-Amp: Eigentlich eine geile Idee! Teils unter 1.200 € zu haben, Dirac Live fähig – Lizenzen muss man nur noch kaufen. ART ist dann zwar nicht dabei, aber ich habe einen akustisch bearbeiteten Raum. Eine Überlegung wert.
Emotiva: Letztes Jahr auf der High End in München ein nettes Gespräch, aber die wollen scheinbar nicht wirklich auf den deutschen Markt. Verworfen, obwohl sicherlich killer Geräte.
Monoprice HTP‑1: Irgendwie hässlich, aber was will man machen? Auch ein geiler Preis – 4.000 $ und man bekommt wohl etwas Ordentliches nach Hause.
Fokusphase: Anthem
All die oben genannten Marken haben eines gemeinsam: Entweder hatte ich keinen Kontakt, oder es hat sich trotz Kontakt niemand ernsthaft gekümmert.
Ganz anders Anthem. Auf der High End 2025 habe ich den deutschen Vertrieb von Anthem kennengelernt und pflege seitdem netten Kontakt. Es war auch schon ein MRX740 in meiner Kette, der erstaunlich gut war. Eigentlich wollte ich dazu einiges veröffentlichen, aber familiär war einiges los und ich habe ihn unverrichteter Dinge zurückgeschickt.
Eine Marke, die aktiv in Deutschland vertrieben wird – mit echter Leidenschaft und dem Willen zu Gesprächen und Kooperation – macht da schon einen Unterschied.
Kein Dirac Live, ja. Aber mit ARC Genesis ein potentes System. Der MRX740 war klanglich schon eine Wucht. Das moderne Bedienkonzept, die Profile, die Einmessung, die Einstellbarkeit – alles Klasse in dieser Preisrange.
Natürlich kommen jetzt viele mit dem AVM90. Den Anspruch würde ich gerne erfüllen, aber es muss alles am Boden bleiben. Ich will und kann hier nicht abheben. Dennoch möchte ich an einer Vorstufe festhalten – also schiele ich auf den Anthem AVM70. Mit rund 5.500 € kein Schnapper, aber inhaltlich hochinteressant.
Was mich letztlich überzeugt hat: Wie stabil der MRX740 gelaufen ist. Der IOTAVX AVP17 hatte IMMER HDMI-Sync-Probleme bei eARC. Netflix an, kein Ton. Pause, 10 Sekunden warten, nochmal play. Der Denon X4000 konnte das problemlos – und der MRX740 ebenfalls. Usability ist nunmal wichtig.
Und dann die Einmessung mit ARC Genesis: Mikro ans MacBook, einmessen, Ergebnisse begutachten, nach Geschmack anpassen – und hallo, der Raum lebt. Das Stepdown zurück auf den Denon X4000 nach dem MRX740 war riesig.
Die Entscheidung für den Anthem AVM70
Eine Investition für den Blog muss Content nach sich ziehen. Dafür will ich das mir bestmögliche tun.
Mit dem Anthem AVM70 bekomme ich ein ausgewachsenes Einmesssystem, das sich vor Dirac Live nicht verstecken muss – und von vielen sogar noch höher gelobt wird, weil es out of the box eindrucksvoller klingt. Ich bekomme ein System, an dem ich mich inhaltlich abarbeiten kann. Ich kann dem ein oder anderen die Vorzüge nahebringen, die Angst nehmen, ein komplexeres System zugunsten von mehr Klang und Kontrolle zu wählen.
Ich bekomme analogen Passthrough – ich kann einfach Geräte testen und den Anthem angeschlossen lassen, mit und ohne Einmessung. Und ich habe genug Platz für mehrere Profile, wenn ich Lautsprecher teste, ohne meine eigenen Profile zu verwerfen. Exportieren, importieren, nach Lust und Laune.
Der Anthem AVM70 sitzt irgendwo zwischen Denon/Marantz und StormAudio/Trinnov – höchst einstellbar, mit einer echten Einmessung und einem Vertrieb, der mich auch zu Schulungen bringen wird. Damit ich nicht völligen Stuss erzähle, sondern meine Journey immer weitergeht.
Was ich mit dem AVM70 herausfinden will
Was bringt mich dazu – warum das alles? Diese Frage ist vielschichtig, aber im HiFi-Hobby tief verankert: der Upgrade-Wille. Das nächste Upgrade ist direkt um die Ecke – das könnte ein Verkäufer-Slogan sein, und ich will dem auf den Zahn fühlen. Ich glaube, mit dem Anthem AVM70 ist man im High-End-Heimkino angekommen. Aber erfüllt das wirklich die Hoffnung auf wirklich geilen Sound? Ich weiß, dass der Denon so manches Kino, in dem ich war, in die Ecke gestellt hat. Vom Anthem AVM70 erwarte ich, dass er alles überragt. Wer hier auf dem Sofa Platz nimmt, soll mit einem fetten Grinsen wieder aufstehen – und sich ernsthaft Gedanken über seinen Netflix-Konsum ohne Heimkino-Sound machen.
Gleichzeitig bin ich Informatiker und liebe es, tief in Systeme einzusteigen. Ich hoffe, dass ich bisher nur an der Oberfläche der Möglichkeiten gekratzt habe und dem Anthem noch so einige Geheimnisse entlocken kann. ARC Genesis wirklich gegen manuelle PEQ-Arbeit vergleichen. Neue Impulse bei der Auswahl von Heimkino-Komponenten setzen – ganz bewusst ohne auf Schwarmintelligenz in Foren zu setzen.
Der analoge Passthrough soll dabei keine Zierde sein, sondern Werkzeug: für Reviews, für Hörsessions, für den Alltag. Ich will mir Gedanken machen, wie Profile sinnvoll strukturiert und genutzt werden – um den größten Nutzen sowohl als Tester als auch als Anwender herauszuholen.
Fazit
Ich habe euch versucht, ein wenig in meine Welt mitzunehmen und zu zeigen, was hinter den Kulissen passiert und was mir täglich durch den Kopf geht. Das ist noch lange nicht alles – ich könnte ein Buch darüber schreiben. Auch der Vergleich der verschiedenen Geräte, den ich hier sehr vereinfacht dargestellt habe, hätte noch viel mehr Raum verdient. Aber ich hoffe, damit Ideen und Diskussionen anzustoßen.
Bei mir wird es jetzt der Anthem AVM70 sein, dem ich mich für eine gute Weile verschreibe – und ich werde versuchen, meine Erkenntnisse, Anleitungen und Erfahrungen weiterzugeben. Nicht als Durchlaufobjekt wie das oft in der Fachpresse für 14 Tage der Fall ist, sondern langfristig. Weil ich an das Gerät glaube.
Elf Jahre X4000. Das ist keine Zahl, das ist ein Lebensabschnitt. 2013 hab ich den Horrorblog aufgemacht – ein Jahr später den Denon gekauft. Dem ich sogar einen Pioneer SC-LX56 vorgezogen hatte – Audyssey XT32 gegen MCACC, ich war schon damals Team Einmessung. Beides hätte ich damals nie für das gehalten, was daraus werden würde. Der Blog ist heute HiFiGeek.de. Und der Denon? Kaputt. Irgendwie fühlt sich das richtig an. Weil ich gemerkt habe, dass ich nicht mehr den günstigsten Kompromiss suche, sondern das, was ich wirklich will. Der Anthem AVM70 ist keine Notlösung. Er ist eine Entscheidung. Dafür, dass das nächste Mal jemand auf diesem Sofa sitzt und einfach nur denkt: Was zur Hölle ist das für ein Sound.
Auf zu neuen Ufern – und hoffentlich wieder ein Stück professioneller und interessanter.
