WiiM Amp Ultra - Frontansicht

WiiM Amp Ultra: Streaming-Verstärker mit Touchscreen, 200 Watt und einer Menge Ehrgeiz

WiiM hat auf der High End Mün­chen 2025 gezeigt, wohin die Rei­se geht — und das Ding heißt WiiM Amp Ultra. Die Mar­ke, die seit ein paar Jah­ren die Bud­get-Strea­ming-Sze­ne auf­mischt, baut jetzt ihr ers­tes ech­tes Flagg­schiff unter den Voll­ver­stär­kern. 599 Euro, Uni­bo­dy-Alu­mi­ni­um, Touch­screen, und auf dem Papier mehr Leis­tung als alles, was WiiM bis­her im Port­fo­lio hat­te. Klingt nach einer kla­ren Ansage.

WiiM selbst ist kein klas­si­sches HiFi-Unter­neh­men — die Mar­ke gehört zu Link­Play Tech­no­lo­gy, einem chi­ne­si­schen Modul-Her­stel­ler, des­sen Strea­ming-Tech­no­lo­gie in Dut­zen­den von Gerä­ten ande­rer Her­stel­ler steckt. Man kann sich also vor­stel­len, dass die Soft­ware-Basis sitzt. Seit dem ers­ten WiiM Amp hat die Mar­ke gezeigt, dass sie preis­lich unbe­quem sein kann — und der Amp Ultra treibt das Kon­zept noch ein Stück weiter.

Das Konzept: Amp Pro trifft WiiM Ultra

Wer die WiiM-Linie kennt, erkennt das Prin­zip sofort. Der Amp Pro war der leis­tungs­stär­ke­re Strea­ming-Ver­stär­ker im Port­fo­lio, der WiiM Ultra der hoch­wer­ti­ge Stan­da­lo­ne-Strea­mer mit Touch­screen und ESS-DAC. Der Amp Ultra ist schlicht bei­des in einer Kis­te — aber neu ent­wi­ckelt, nicht ein­fach zusammengeklebt.

Das Gehäu­se des WiiM Amp Ultra ist ein Uni­bo­dy-Alu­mi­ni­um­chas­sis, aus einem Stück gefräst, optisch irgend­wo zwi­schen Mac Mini und Mac Stu­dio. WiiM sagt nichts dazu, aber es ist weit­ge­hend bekannt, dass die Pro­duk­ti­on im sel­ben Fox­conn-Werk in Zheng­zhou läuft, in dem auch Apple-Hard­ware pro­du­ziert wird. Das erklärt die Ver­ar­bei­tungs­qua­li­tät — und auch den mit­ge­lie­fer­ten Voice Remo­te 2, der dem Apple Siri Remo­te so ähn­lich ist, dass man zwei­mal hin­schau­en muss.

Zwei Far­ben: Space Gray und Sil­ver. Maße: 200 × 211 × 76 mm. Passt auf jeden Schreib­tisch, passt in jedes Regal.

Technik: Die Specs des WiiM Amp Ultra im Check

Herz­stück des WiiM Amp Ultra ist der ESS ES9039Q2M SABRE DAC — ein 32-Bit-Wand­ler, der bis 384 kHz PCM und DSD512 ver­ar­bei­tet. Für ein All-in-One-Teil in die­sem Preis­be­reich ist das kein Bil­lig­chip, son­dern ein Bau­stein, den man sonst eher in sepa­rat ver­kauf­ten DACs für mehr Geld findet.

Die Ver­stär­ker­sek­ti­on des WiiM Amp Ultra arbei­tet mit zwei TI TPA3255 Class-D-Chips (Dual Mono, also je ein Chip pro Kanal) und sechs TI OPA1612 Op-Amps. Die Aus­gangs­leis­tung gibt WiiM mit 100 Watt pro Kanal an 8 Ohm an, 200 Watt an 4 Ohm. Wich­tig: Das sind Her­stel­ler­an­ga­ben. In unab­hän­gi­gen Bench­tests wur­den die 100 Watt an 8 Ohm bestä­tigt — aller­dings zeig­ten sich bei Burst-Tests Ein­schrän­kun­gen, die auf einen wei­chen Limi­ter oder eine begrenz­te Netz­teil-Head­room hin­deu­ten. Für den nor­ma­len All­tags­be­trieb spielt das kaum eine Rol­le, für Leu­te die ihre End­stu­fe hart aus­fah­ren wol­len, ist es einen Gedan­ken wert.

WiiM bewirbt die PFFB-Tech­no­lo­gie — Post Fil­ter Feed­back — als beson­de­ren Dif­fe­ren­zia­tor. Die Idee: Eine Rück­kopp­lungs­schlei­fe nach dem Aus­gangs­fil­ter kor­ri­giert das Signal in Echt­zeit und macht die Ver­stär­ker­cha­rak­te­ris­tik unab­hän­gi­ger von der ange­schlos­se­nen Laut­sprecherlast. THD+N gibt WiiM mit ≤0,005 % bei ‑106 dB (A‑gewichtet) an, SNR mit 120 dB bei 5 Watt. Das sind ordent­li­che Zah­len, und ers­te Mes­sun­gen deu­ten dar­auf hin, dass WiiM hier nicht zu hoch pokert.

Kon­nek­ti­vi­tät beim WiiM Amp Ultra : HDMI ARC (mit Dol­by Digi­tal Deco­ding), opti­scher Ein­gang, RCA-Ste­reo­ein­gang, USB‑A, LAN. Dazu ein dedi­zier­ter Sub­woo­fer-Aus­gang. Draht­los: Wi-Fi 6E mit Dual-Anten­nen, Blue­tooth 5.3 mit LE Audio und LDAC. Die Laut­spre­cher­ter­mi­nals sind als Bana­nen­buch­sen aus­ge­führt — Kabel­schu­he und blan­kes Kabel gehen mit mit­ge­lie­fer­ten Adaptern.

Soft­ware-sei­tig bie­tet der WiiM Amp Ultra : Roon Rea­dy, Goog­le Cast, Ale­xa Cast, Spo­ti­fy Con­nect, TIDAL Con­nect, DLNA. Strea­ming-Diens­te über die WiiM Home App: Spo­ti­fy, Tidal, Qobuz, Ama­zon Music, Deezer, Apple Music und mehr. Kein Air­Play — das ist eine bewuss­te Ent­schei­dung von WiiM, die sich durch die gesam­te Pro­dukt­li­nie zieht. Wer fest im Apple-Öko­sys­tem steckt, muss mit Chro­me­cast oder der App leben.

Was es von der Konkurrenz unterscheidet

Der offen­sicht­lichs­te Ver­gleich ist der Ever­so­lo PLAY — eben­falls ein chi­ne­si­scher Strea­ming-Voll­ver­stär­ker im Mac-Mini-For­mat, eben­falls mit TI TPA3255, eben­falls mit ESS-DAC. Der PLAY hat einen grö­ße­ren 5,5″-Bildschirm, der Amp Ultra kommt mit 3,5 Zoll, dafür mit PFFB und laut Spec mehr Aus­gangs­leis­tung. Bei­de Tei­le kos­ten ähn­lich viel. Wel­ches bes­ser klingt, ist erst nach einem direk­ten Ver­gleich seri­ös zu beantworten.

Zum Blue­sound Power­node Edge (ca. 599 Euro) ist der Abstand deut­li­cher — der Edge kommt mit einem Sin­gle-Chip-Clas­s‑D und ohne Touch­screen, lie­fert aber Air­Play 2 und das aus­ge­reif­te Blu­OS-Eco­sys­tem mit. Der klas­si­sche Power­node (ca. 900 Euro) liegt preis­lich klar darüber.

Ver­gli­chen mit dem Marantz Model M1 (eben­falls ca. 700–800 Euro) spielt der Amp Ultra in ähn­li­chen Gewäs­sern, bringt aber deut­lich mehr Strea­ming-Fle­xi­bi­li­tät mit — Roon Rea­dy allein ist für vie­le ein K.O.-Kriterium.

Sonos Amp (ca. 750 Euro) ist in der Klas­se auch ein rele­van­ter Name, aber der hat kei­nen eige­nen DAC im klas­si­schen Sin­ne, und das Sonos-Eco­sys­tem ist zuneh­mend ein The­ma für sich.

Preis und Verfügbarkeit

Der WiiM Amp Ultra kos­tet 599 Euro in Deutsch­land und ist seit August 2025 im Han­del erhält­lich — in Space Gray und Sil­ver. Im Lie­fer­um­fang ist der WiiM Voice Remo­te 2 ent­hal­ten, also kein sepa­ra­ter Kauf nötig.

599 Euro für das, was hier drin steckt, ist nicht güns­tig im abso­lu­ten Sin­ne. Aber es ist güns­tig gemes­sen an dem, was man bekommt: ESS SABRE DAC der aktu­el­len Gene­ra­ti­on, Roon Rea­dy, HDMI ARC, Wi-Fi 6E, Dual-Mono-End­stu­fe, Touch­screen, Uni­bo­dy-Alu. Das glei­che Fea­ture-Set in klas­si­schen Sepa­ra­te-Kom­po­nen­ten zusam­men­zu­stel­len, wür­de das Dop­pel­te oder mehr kosten.

Einordnung

WiiM macht mit dem WiiM Amp Ultra das, was sie schon mit dem ers­ten Amp gemacht haben — ein Gerät bau­en, das preis­lich unan­ge­nehm ist für alle, die mehr kos­ten. Ob das auf Höhe­punkt klingt, ob die 100 Watt tat­säch­lich aus­rei­chend Hub für anspruchs­vol­le­re Laut­spre­cher haben, und wie sich Room­Fit in der Pra­xis schlägt — das sind die Fra­gen, die nur ein ech­ter Hör­test beant­wor­ten kann.

Wer damit lieb­äu­gelt, einen sepa­ra­ten Strea­mer und Ver­stär­ker durch eine ein­zi­ge kom­pak­te Kis­te zu erset­zen und dabei kein Ver­mö­gen aus­ge­ben will: Der Amp Ultra ist momen­tan eine der glaub­wür­digs­ten Optio­nen in die­sem Bereich. Abwar­ten oder kau­fen — das hängt davon ab, ob Air­Play feh­len darf und ob man dem PFFB-Ver­spre­chen vertraut.

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