Eversolo DMP-A8 - Frontansicht

Eversolo DMP-A8: Streamer, DAC und Vorstufe in einem – das Rundumpaket unter 2.000 Euro

Mit dem Ever­so­lo DMP-A8 legt Ever­so­lo nach dem DMP-A6 noch­mal nach – und dies­mal deut­lich. Der Ever­so­lo DMP-A8 ist Strea­mer, DAC und voll­sym­me­tri­sche Vor­ver­stär­ker-Vor­stu­fe in einer Box, für 1.980 Euro. Das ist mehr als dop­pelt so viel wie der A6 in sei­ner Basis­ver­si­on. Dafür bekommt man ent­spre­chend mehr Hard­ware, ein ernst­haf­te­res Netz­teil-Kon­zept und eine deut­lich erwei­ter­te Anschlussphilosophie.

Ever­so­lo ist ein Able­ger von Zidoo, einem chi­ne­si­schen Her­stel­ler aus Shen­zhen, der seit Jah­ren Media­play­er baut. Das erklärt auch, war­um die­se Gerä­te in Sachen UI und App-Erfah­rung oft ange­nehm über­ra­schen – da steckt Media-Play­er-DNA drin, die man bei klas­si­schen HiFi-Her­stel­lern so nicht bekommt.

Was will der Eversolo DMP-A8 sein?

Die Posi­tio­nie­rung ist klar: Der Ever­so­lo DMP-A8 soll das Herz­stück einer moder­nen Ste­reo­an­la­ge sein. Nicht nur Quell­ge­rät, son­dern gleich die kom­plet­te Schalt­zen­tra­le. Wer bis­her einen sepa­ra­ten Strea­mer, einen DAC und eine Vor­stu­fe betrie­ben hat, kann das theo­re­tisch auf eine Box redu­zie­ren. Das ist der Pitch.

Ob das in der Pra­xis wirk­lich die rich­ti­ge Ent­schei­dung ist, hängt natür­lich von der Rest­ket­te ab. Aber der Gedan­ke ist nach­voll­zieh­bar, und das Kon­zept ist nicht neu – der Unter­schied hier ist, dass die ein­zel­nen Kom­po­nen­ten tat­säch­lich nicht nach Kom­pro­miss klin­gen sollen.

Die Hardware: Was da reingesteckt wurde

Das Herz­stück des Ever­so­lo DMP-A8 ist das AKM-Duo AK4191EQ plus AK4499EX. AKM nennt das “Vel­vet Sound” und trennt dabei digi­ta­le Vor­ver­ar­bei­tung (AK4191EQ) und eigent­li­che D/A‑Wandlung (AK4499EX) auf zwei Chips auf – laut Her­stel­ler zuguns­ten von Rausch­ver­hal­ten und Klang­rein­heit. Das AK4499EX ist AKMs aktu­el­les Flagg­schiff-DAC-Chip. Was das in der Pra­xis bedeu­tet: Die Chips sind gut, aber Chips sind nur ein Teil der Geschich­te. Imple­men­tie­rung zählt genauso.

Ever­so­lo hat das offen­bar ernst genom­men. Die ana­lo­ge Sek­ti­on wird über ein line­ar gere­gel­tes Netz­teil mit Ring­kern­trans­for­ma­tor ver­sorgt, die digi­ta­le Sek­ti­on über ein sepa­ra­tes Schalt­netz­teil. Dual-Netz­teil also – und nicht nur als Mar­ke­ting­be­griff, son­dern mit wirk­lich getrenn­ten Ver­sor­gungs­zwei­gen. Das ist bei Gerä­ten in die­ser Preis­klas­se nicht selbstverständlich.

Dazu kom­men zwei Accu­si­li­con Fem­to­se­kun­den-Takt­ge­ber (45,1584 MHz und 49,152 MHz), die für die Sam­ple­ra­ten-Fami­li­en 44,1 kHz und 48 kHz zustän­dig sind. Jit­ter-Mini­mie­rung als kon­kre­tes Design­ziel, nicht nur als Sti­cker auf der Ver­pa­ckung. Als Op-Amps kom­men OPA1612 zum Ein­satz, bekannt für nied­ri­ge Ver­zer­rungs­wer­te (laut Her­stel­ler THD+N: ‑120 dB, SNR: 128 dB). Die Laut­stär­ke­re­ge­lung erfolgt über ein R2R-Wider­stands­netz­werk mit Omron-Relais – also kei­ne digi­ta­le Absen­kung, son­dern ech­te ana­lo­ge Pegel­re­ge­lung in 0,5- oder 1‑dB-Schrit­ten. Das Kli­cken der Relais beim Dre­hen ist phy­sisch hör­bar und für man­che ein Fea­ture, für ande­re Gewöhnung.

Für die digi­ta­le Auf­be­rei­tung sitzt ein XMOS XU316 (3. Gene­ra­ti­on, 16 Ker­ne) an Bord, der die USB-Audio-Schnitt­stel­le mana­ged und bis zu PCM 768 kHz / 32 Bit sowie DSD512 ver­ar­bei­tet. Kon­den­sa­to­ren von WIMA, Nichi­con und Mura­ta, Relais von Omron – wer Bau­tei­le­lis­ten mag, fin­det hier eini­ges, das für ein Gerät unter 2.000 Euro unge­wöhn­lich ist.

Das Gehäu­se besteht aus CNC-gefräs­tem Flug­zeug­u­n­alu­mi­ni­um, misst 388 x 248 x 90 mm und bringt rund 5 Kilo­gramm auf die Waa­ge. Auf der Front sitzt ein 6‑Zoll-LCD-Touch­dis­play in hoher Auf­lö­sung mit VU-Metern, Spek­tral­dar­stel­lung und Album­co­ver. Das Dis­play ist das­sel­be wie beim A6 – was kein Nach­teil ist, denn es war schon dort eines der bes­ten sei­ner Art.

Was es anders macht als die Konkurrenz

Der sprin­gen­de Punkt beim Ever­so­lo DMP-A8 gegen­über ande­ren Strea­mern in die­sem Bereich ist die voll­sym­me­tri­sche ana­lo­ge Vor­stu­fe. Es gibt RCA- und XLR-Ana­log­ein­gän­ge – für Plat­ten­spie­ler (mit exter­ner Pho­no­stu­fe), CD-Trans­port oder sons­ti­ge Quel­len. Plus HDMI ARC-Ein­gang, womit auch der Fern­se­her über den A8 klang­lich bes­ser ver­sorgt wer­den kann als über sei­ne eige­nen Aus­gän­ge. Und ein HDMI I2S-Aus­gang, um den inter­nen DAC zu umge­hen und den A8 als rei­nen Strea­mer-Trans­port vor einen exter­nen Wand­ler zu schalten.

Das ist ein Voll­sor­ti­ment. Der WiiM Ultra (~349 Euro) kann vie­les davon im Klei­nen, aber kei­ne voll­sym­me­tri­sche Vor­ver­stär­kung und kein Dual-Netz­teil. Der Aura­lic Aries G1.1 (~1.900 Euro) ist als rei­ner Strea­mer-Trans­port gebaut, ohne inter­nen DAC. Der Lumin U2 Mini liegt ähn­lich preis­lich, ist aber eben­falls ohne DAC. Ein Lumin T3 (~2.500 Euro) kommt dem A8-Kon­zept näher, kos­tet aber mehr.

Die EOS Audio Engi­ne – Ever­so­los eigens ent­wi­ckel­te Android-Schicht – löst außer­dem ein chro­ni­sches Android-Pro­blem: Nor­ma­ler­wei­se mischt Android alle Audio­quel­len durch sei­nen eige­nen SRC-Mixer, was Resam­pling bedeu­tet. EOS umgeht das und ermög­licht bit-per­fek­te Aus­ga­be direkt aus Dritt­an­bie­ter-Apps. Apple Music Hi-Res, Spo­ti­fy, was auch immer – kommt an, wie es soll. Das ist rele­vant, weil vie­le Strea­mer auf Android-Basis das offi­zi­ell nicht kön­nen, auch wenn sie es manch­mal behaupten.

Roon Rea­dy ist das Ding natür­lich auch. Dazu Tidal Con­nect, Spo­ti­fy Con­nect, DLNA, Air­Play 2 und das übli­che Pro­to­koll-Sor­ti­ment. Eine Steu­e­r­apps für iOS und Android gibt es eben­falls, die laut Nut­zer­feed­back tat­säch­lich benutz­bar ist – was nicht immer selbst­ver­ständ­lich ist in die­ser Kategorie.

Ein M.2‑NVMe-SSD-Slot (bis 4 TB, SSD nicht inklu­si­ve) erlaubt loka­le Musik­bi­blio­thek im Gerät. Neat.

Markteinordnung: Was kostet das, was bekommt man

1.980 Euro ist für ein All-in-One-Gerät die­ser Kate­go­rie kein schlech­ter Preis. Wer das auf­drö­selt: Ein ordent­li­cher Netz­werk-Strea­mer allein (Aura­lic, Pri­ma­re, Lumin) kos­tet ab 1.000 Euro auf­wärts. Ein anstän­di­ger DAC mit AKM-Flagg­schiff-Chip noch­mal 500 bis 1.000 Euro. Eine voll­sym­me­tri­sche Vor­stu­fe dann noch­mal. Wer das ein­zeln kau­fen will, lan­det schnell bei 4.000 Euro und mehr – und hat dann drei Gerä­te auf dem Rack.

Der Ever­so­lo DMP-A8 macht das in einer Kis­te. Das ist die Aus­sa­ge. Ob das klang­lich auf dem Niveau von drei wirk­lich guten Ein­zel­ge­rä­ten lan­det, ist eine ande­re Fra­ge – und die hängt von der Rest­ket­te ab. Als Strea­ming­zen­tra­le für eine hoch­wer­ti­ge Anla­ge ohne sepa­ra­ten DAC oder Vor­stu­fe ist das Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis aber nach­voll­zieh­bar interessant.

Preis und Verfügbarkeit

Der Ever­so­lo DMP-A8 ist in Schwarz erhält­lich und kos­tet in Deutsch­land 1.980 Euro UVP. Erhält­lich unter ande­rem bei Pro­jekt Akus­tik, HiF­iS­ound, Nubert und wei­te­ren Fach­händ­lern sowie über eversolo.de direkt. Optio­nal gibt es Kon­fi­gu­ra­tio­nen mit vor­in­stal­lier­ter M.2‑SSD (2 TB oder 4 TB) zu ent­spre­chen­dem Auf­preis. Blue­tooth-Fern­be­die­nung liegt beim Lie­fer­um­fang bei.

Einordnung

Die Fra­ge, die bleibt: Wer noch eine wirk­lich gute sepa­ra­te Vor­stu­fe besitzt, braucht den DMP-A8 in sei­ner Voll­stre­cke nicht zwin­gend – da reicht ein dedi­zier­ter Streamer/DAC wie der DMP-A6 ME. Wer hin­ge­gen auf­räu­men, ver­ein­fa­chen oder eine neue Anla­ge auf­bau­en will: Der Ever­so­lo DMP-A8 ist eine der weni­gen Kis­ten unter 2.000 Euro, bei der man nicht das Gefühl hat, dass irgend­wo gespart wur­de, wo es weh­tut. Das ist schon ein Ding.

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