SMSL VMV D3R - Front seitlich
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SMSL VMV D3R: ROHMs Flaggschiff-Chip, doppelt eingebaut

Der SMSL VMV D3R ist der neue Flagg­schiff-DAC aus SMSLs VMV-Linie — und setzt auf einen Chip-Ansatz, den man in die­ser Preis­klas­se nicht über­all fin­det. SMSL baut seit 2009 in Shen­zhen Ver­stär­ker und DACs, zunächst haupt­säch­lich im Ein­stiegs­seg­ment, seit 2018 aber zuneh­mend auch im obe­ren Regal. Mit dem SMSL VMV D3R zeigt die Mar­ke, wo sie 2026 klang­lich und tech­nisch hinwill.

Was das Ding sein will

Der SMSL VMV D3R ist ein Desk­top-DAC mit inte­grier­ter Voll­pre­amp-Funk­ti­on. Das heißt: direkt an die End­stu­fe, kein sepa­ra­ter Vor­ver­stär­ker nötig. Ziel­pu­bli­kum sind Leu­te, die ein auf­ge­räum­tes High-End-Set­up wol­len und kei­nen Bock auf unnö­ti­ge Zwi­schen­stu­fen haben. Der Form­fak­tor ist klas­si­sches Kom­po­nen­ten-HiFi: 320 mm breit, 51,5 mm hoch, 3,81 kg auf der Waa­ge. Passt in jedes Regal, macht dort eine ordent­li­che Figur.

Ein “R” für ROHM, nicht für R2R

Hier muss man kurz auf­pas­sen, denn die Namens­ge­bung ist etwas tückisch. Der älte­re VMV D3 ohne das abschlie­ßen­de R war ein ech­ter R2R-DAC mit vier PCM1704U-J-Chips von Texas Instru­ments. Der SMSL VMV D3R hin­ge­gen ist ein Del­ta-Sig­ma-Design — das “R” steht für ROHM, den japa­ni­schen Chip­her­stel­ler. Wer einen R2R-DAC sucht, schaut hier also an der fal­schen Adresse.

Was drin steckt: zwei ROHM BD34302EKV, je einer pro Kanal in Dual-Mono-Kon­fi­gu­ra­ti­on, voll­sym­me­trisch vom DAC-Aus­gang bis zum XLR-Aus­gang. SMSL bewirbt den ROHM-Chip als klang­lich eigen­stän­di­ge Alter­na­ti­ve zu den übli­chen Ver­däch­ti­gen aus dem Hau­se ESS oder AKM — wei­cher, natür­li­cher, weni­ger ana­ly­tisch. Das ist frei­lich Her­stel­ler­aus­sa­ge, die sich erst im Hören bewei­sen muss. Inter­es­sant ist der Ansatz trotz­dem, weil ROHM-basier­te Designs nach wie vor ver­gleichs­wei­se sel­ten sind.

Technik im Detail

Der SMSL VMV D3R läuft mit einem XMOS XU-316 als USB-Pro­zes­sor, dem aktu­el­len Stand der Tech­nik für asyn­chro­nes USB-Audio. PCM bis 768 kHz mit 32 Bit, nati­ves DSD512 — die übli­chen Papier­re­kor­de, die in der Pra­xis sel­ten jemand aus­reizt, aber voll­stän­dig dabei­zu­ha­ben scha­det nicht.

Was eher unge­wöhn­lich ist: MQA-Full-Deco­ding nicht nur über USB, son­dern auch über Tos­link, Koaxi­al und AES/EBU. Die meis­ten DACs die­ser Klas­se beschrän­ken MQA auf den USB-Ein­gang. Ob man MQA noch braucht oder will, ist eine ande­re Dis­kus­si­on — wer es will, bekommt beim SMSL VMV D3R die kom­plet­te Implementierung.

Die ange­ge­be­nen Mess­wer­te: THD+N von 0,00013 % (ent­spricht ‑117 dB), SNR und Dyna­mik­um­fang jeweils 123 dB über XLR, 122 dB über Cinch. XLR-Aus­gangs­pe­gel bei 5,2 Vrms, Cinch bei 2,5 Vrms. Star­ke Papier­pa­ra­me­ter — unter Her­stel­ler­be­din­gun­gen gemes­sen, wie immer.

Das Takt­sys­tem basiert auf einem selbst­ent­wi­ckel­ten CK-04-Schalt­kreis mit inte­grier­tem 10-MHz-OCXO bei ±3 ppb Sta­bi­li­tät. Ein tem­pe­ra­tur­ge­re­gel­ter Quarz­os­zil­la­tor die­ser Güte gehört nor­ma­ler­wei­se in Stu­dio­e­quip­ment oder teu­re­re Stan­da­lo­ne-Clocks — dass SMSL das hier intern ver­baut, ist zumin­dest auf dem Papier ein ech­tes Argu­ment. Zusätz­lich gibt es einen exter­nen Clock-Ein­gang, falls jemand lie­ber sei­nen eige­nen Mas­ter­clock einbindet.

Strom­ver­sor­gung: linea­res Netz­teil mit zwei Ring­kern­trans­for­ma­to­ren und adap­ti­ver Span­nungs­re­ge­lung. Ana­log- und Digi­tal­sek­ti­on getrennt — bei einem Gerät die­ser Preis­klas­se auch schlicht erwartet.

Anschlüsse: Kein Grund zum Meckern

Die Ein­gangs­sei­te des SMSL VMV D3R ist voll­stän­dig aus­ge­baut. Digi­tal rein geht es über USB‑B, USB‑C, Tos­link, Koaxi­al, AES/EBU und I²S — plus Blue­tooth 5.4 für den kabel­lo­sen Weg. Dazu kommt ein dedi­zier­ter Clock-Ein­gang für exter­ne 10-MHz-Refe­renz­quel­len, falls jemand einen sepa­ra­ten Mas­ter­clock im Set­up hat.

Auf der Aus­gangs­sei­te gibt es XLR sym­me­trisch mit 5,2 Vrms und Cinch mit 2,5 Vrms. Bei­des gleich­zei­tig nutz­bar, was bei man­chen Set­ups prak­tisch ist. Der SMSL VMV D3R fun­giert dabei als ech­ter Vor­ver­stär­ker mit ana­lo­ger Laut­stär­ke­re­ge­lung — das Signal läuft also nicht digi­tal bedämpft raus, son­dern wird im ana­lo­gen Pfad gere­gelt. Klei­nes aber wich­ti­ges Detail.

Was fehlt: ein Kopf­hö­rer­aus­gang. Wer den DAC auch als Head­pho­ne-Stage nut­zen will, braucht einen sepa­ra­ten Amp dahin­ter. Für ein rei­nes Laut­spre­cher-Set­up ist das kein The­ma, soll­te aber bekannt sein.

Was es sonst noch kann

Blue­tooth 5.4 mit Qual­comm-Chip, LDAC, aptX HD, aptX, AAC, SBC. Für einen DAC in die­ser Gewichts­klas­se mitt­ler­wei­le Stan­dard, aber schön dass es da ist. Ein­gän­ge: USB‑B, USB‑C, Tos­link, Koaxi­al, AES/EBU, I²S und Blue­tooth. Aus­gän­ge: XLR und Cinch. Dazu ein Clock-Ein­gang für exter­ne 10-MHz-Refe­renz. Das 3,49-Zoll-Farbdisplay mit Echt­glas und eine Fern­be­die­nung sind eben­falls mit an Bord.

Es gibt außer­dem eine “Best Set”-Funktion, die auf Knopf­druck Fil­ter­kur­ve, Overs­am­pling-Stra­te­gie und Pegel­ver­hal­ten auto­ma­tisch kon­fi­gu­riert. Was das intern genau tut, bleibt SMSLs Geheim­nis. Klingt nach einem gut gemein­ten Fea­ture für Leu­te ohne Lust auf Menü­di­ving — ob das klang­lich rele­vant ist oder nur net­tes Bei­werk, lässt sich ohne Hör­test nicht beurteilen.

Einordnung: Wo steht das?

Preis­lich liegt der SMSL VMV D3R bei 1.750 EUR auf Ama­zon — inklu­si­ve Mehr­wert­steu­er, ohne Zoll­über­ra­schun­gen. Über inter­na­tio­na­le Grau­im­port-Händ­ler wie Shen­zhen­au­dio oder HiFi-Express geht es güns­ti­ger, aber dann ist Zoll ein­zu­rech­nen und der Sup­port-Weg länger.

Zum Ver­gleich: Der Top­ping D90SE liegt bei rund 700 EUR und bie­tet soli­de ESS-Per­for­mance mit ähn­li­chem Anschluss-Port­fo­lio, aber kein OCXO und kein dua­les Ring­kern­tra­fo-Set­up. Der Gus­tard A26 mit AKM-Chips kos­tet um die 1.000–1.100 EUR und spielt eben­falls in der Nähe. Wer Rich­tung R2R geht, lan­det bei Den­af­rips Venus II für ähn­li­ches Geld — ande­re Phi­lo­so­phie, ande­re Stär­ken. Der SMSL VMV D3R posi­tio­niert sich als tech­nisch voll­aus­ge­stat­te­tes Del­ta-Sig­ma-Flagg­schiff mit einem Chip, der bewusst nicht der Main­stream-Wahl folgt. Das macht ihn inter­es­sant für alle, die weder das mess­op­ti­mier­te ESS-Set­up noch den R2R-Vin­ta­ge-Sound suchen, son­dern irgend­was dazwischen.

Preis & Verfügbarkeit

Der SMSL VMV D3R ist seit März 2026 im Han­del, unter ande­rem über Shen­zhen­au­dio, HiFi-Express und Apos Audio. Preis je nach Händ­ler und Regi­on zwi­schen ca. 1.500 und 1.700 USD, für EU-Kun­den bei aus­ge­wähl­ten Händ­lern inklu­si­ve Mehr­wert­steu­er. Wer direkt aus Chi­na bestellt, rech­net Zoll oben­drauf. Garan­tie: ein Jahr, in Euro­pa zwei Jah­re je nach Händler.

Was offen bleibt

Auf dem Papier ist der SMSL VMV D3R ein sehr gut aus­ge­stat­te­tes Stück Hard­ware zum ver­tret­ba­ren Preis für die Kate­go­rie. Ob der ROHM-Chip klang­lich das hält, was SMSL ver­spricht — die­sen etwas wär­me­ren, ent­spann­te­ren Cha­rak­ter gegen­über ESS-Designs — ist die eigent­lich inter­es­san­te Fra­ge. Mess­pa­ra­me­ter sind eine Sache, wie sich das im ech­ten Sys­tem anfühlt eine ande­re. Wer par­al­lel schaut: Der Den­af­rips Venus II und der Gus­tard A26 gehö­ren in die­sel­be Shortlist.

Wer statt eines rei­nen DACs lie­ber alles in einem Gerät haben will: In unse­rem Test des Bur­son Audio Con­duc­tor GT4 Delu­xe zei­gen wir, was der All-in-One-Ansatz in die­ser Preis­klas­se taugt — und wo die Gren­zen des Kom­pro­mis­ses liegen.

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