Topping DX9 Discrete schwarz - Frontansicht mit doppel Display, Volume-Knob und Kopfhöreranschlüssen

Topping DX9 Discrete: Flaggschiff-DAC mit eigenem 1‑Bit-Chip und 10 Watt für den Kopfhörer

Der Top­ping DX9 Dis­crete ist Top­pings aktu­el­les Flagg­schiff-Kom­bi­ge­rät: DAC, Vor­ver­stär­ker und Kopf­hö­rer­ver­stär­ker in einem Alu-Gehäu­se, knapp 43 Zen­ti­me­ter breit, sechs Zen­ti­me­ter hoch. Top­ping kommt aus Guang­zhou, baut seit 2008 kom­pak­te HiFi-Elek­tro­nik und hat sich über die Jah­re einen soli­den Ruf in der Desk­top-Audio-Sze­ne erar­bei­tet — vor allem weil die Din­ger in Mes­sun­gen regel­mä­ßig Kon­kur­ren­ten kos­ten, die dop­pelt so viel kos­ten. Der Top­ping DX9 Dis­crete ist der Nach­fol­ger des DX9 von 2023, und der Unter­schied steckt direkt im Namen.

Was “Discrete” hier bedeutet

Das Ori­gi­nal-DX9 lief noch mit dem AK4499EQ von AKM — ein star­ker Del­ta-Sig­ma-Chip, den Top­ping damals als Jubi­lä­ums-Kis­te zum 15-jäh­ri­gen Bestehen raus­ge­bracht hat. Beim Top­ping DX9 Dis­crete ist der exter­ne DAC-Chip raus. Statt­des­sen setzt Top­ping auf das eige­ne PSRM-Modul (Pre­cis­i­on Stream Recon­s­truc­tion Matrix): 16 dis­kre­te Ele­men­te pro Kanal, 1‑Bit-Archi­tek­tur, voll­stän­dig selbst ent­wi­ckelt. Die Tech­nik kennt man bereits von Top­pings D900 und dem D90III Dis­crete — jetzt taucht sie im Kom­bi­ge­rät auf. Die Idee dahin­ter: kei­ne Abhän­gig­keit von exter­nen Chip­lie­fe­ran­ten, vol­le Kon­trol­le über das Schal­tungs­de­sign. Prak­tisch ist das auch ein State­ment in Rich­tung R‑2R-Lager: Man kann eige­ne dis­kre­te Wand­ler­ar­chi­tek­tu­ren bau­en, ohne auf Wider­stands­lei­tern zurückzugreifen.

Technik und Hardware

Der Top­ping DX9 Dis­crete erreicht laut Her­stel­ler 131 dB SNR und 131 dB Dyna­mik­um­fang bei einem THD+N von unter 0,00006 Pro­zent. Das sind Wer­te, die an der Mess­gren­ze moder­ner Audio­ana­ly­ser krat­zen — klas­si­sche Mar­ke­ting-Aus­sa­ge, die Top­ping aber typi­scher­wei­se durch ver­öf­fent­lich­te Mea­su­re­ments unter­mau­ert. Abwar­ten bis das jemand unab­hän­gig nach­ge­mes­sen hat, aber Top­ping hat in die­ser Hin­sicht kei­ne schlech­te Historie.

Die Ver­stär­ker­sek­ti­on über­nimmt Top­pings NFCA-Topo­lo­gie (Nes­ted Feed­back Com­po­si­te Ampli­fier) in einer sechs­ka­na­li­gen Aus­füh­rung. SE- und Balan­ced-Pfad arbei­ten voll­stän­dig unab­hän­gig von­ein­an­der. Die Aus­gangs­leis­tung: laut Daten­blatt bis zu 10.000 mW pro Kanal an 16 Ohm, 7.080 mW an 32 Ohm. Das ist viel. Auch für pla­na­re Kopf­hö­rer wie HiFi­MAN Sus­va­ra oder Abyss Dia­na ist das kein Pro­blem — Her­stel­ler­an­ga­be, aber rea­lis­tisch ein­ge­ord­net: selbst mit 50 Pro­zent Abschlag bleibt genug Head­room für fast alles was es gibt.

Das Rau­schen liegt laut Top­ping bei unter 0,5 µVrms am sym­me­tri­schen Kopf­hö­rer­aus­gang. Für IEM-Nut­zer rele­vant: das ist sehr lei­se, emp­find­li­che In-Ears soll­ten hier kein Grund­rau­schen wahrnehmen.

Digi­tal läuft alles über XMOS XU316 (USB), AKM AK4118 für S/P­DIF-Ein­gän­ge und Qual­comm QCC5125 für Blue­tooth 5.1. LDAC, aptX HD und aptX Adap­ti­ve sind dabei. Unter­stützt wer­den bis zu PCM 768 kHz/32 Bit und DSD512 via USB — via S/PDIF und Blue­tooth erwar­tungs­ge­mäß weni­ger, PCM 192 kHz bzw. LDAC.

Ein­gän­ge: USB, AES/EBU, zwei opti­sche, zwei koaxia­le, I²S, Blue­tooth. Aus­gän­ge auf der Kopf­hö­rer­sei­te: 6,35-mm-Klinke, 4,4‑mm-Pentaconn, 4‑Pin-XLR. Für die Anla­ge: XLR und Cinch, jeweils als gere­gel­ter Pre­amp-Aus­gang und als fes­ter Line-Out. Ein 12-V-Trig­ger für die Sys­tem­in­te­gra­ti­on ist auch drin.

Die Laut­stär­ke­re­ge­lung läuft über ein Relais-Wider­stands­netz­werk — voll­sym­me­trisch, soll Kanal­un­gleich­ge­wich­te auch bei nied­ri­gen Pegeln ver­hin­dern. Das ist bei die­ser Gerä­te­klas­se Stan­dard, aber gut zu haben.

Neu gegen­über dem Vor­gän­ger: ein 10-Band-Para­me­tric-EQ mit Import-Funk­ti­on für Ziel­kur­ven und meh­re­ren spei­cher­ba­ren Pro­fi­len. Wer sei­nen Kopf­hö­rer per Har­man-Kur­ve oder Cus­tom-Ziel­kur­ve kor­ri­gie­ren will, muss nicht mehr zu exter­ner Soft­ware greifen.

Das Gehäu­se: CNC-gefräs­tes Alu­mi­ni­um, Ple­xi­glas-Sicht­fens­ter oben mit ambi­en­tem LED-Leuch­ten, zwei 2‑Zoll-Farb­dis­plays vor­ne mit Auro­ra-UI (FFT-Spek­trum, VU-Meter, Wie­der­ga­be­infos), gro­ßer Mul­ti­funk­ti­ons­knopf. Sieht nach mehr aus als es kos­tet — das war beim Ori­gi­nal schon so.

Was es anders macht als die Konkurrenz

Der direk­tes­te Ver­gleich läuft gera­de auf den Lux­sin X9 hin­aus. Der kommt aus dem Hau­se der Zidoo-Grup­pe — die Leu­te, die mit Ever­So­lo die Strea­ming-DAC-Welt etwas auf­ge­mischt haben — und kos­tet mit rund 1.199 Euro knapp 100 Euro weni­ger als der Top­ping. Lux­sin setzt beim X9 auf den AK4499EX von AKM, einen exter­nen Del­ta-Sig­ma-Chip der Ober­klas­se, kom­bi­niert mit einer R2R-Laut­stär­ke­re­ge­lung und einer haus­ei­ge­nen DNF-Ver­stär­ker­stu­fe auf Basis von OPA1612 und TPA6120A2. Die Aus­gangs­leis­tung liegt bei 4.000 mW an 32 Ohm — ordent­lich, aber klar unter den rund 7.000 mW des Top­ping. Der X9 hat dafür etwas, was der Top­ping DX9 Dis­crete nicht bie­tet: einen Ana­log­ein­gang. Wer einen exter­nen DAC oder eine ande­re ana­lo­ge Quel­le anschlie­ßen will, ist beim Lux­sin fle­xi­bler. Außer­dem bringt der X9 ein HP-EQ-Sys­tem mit, das die Fre­quenz­gang­kor­rek­tur hard­ware­sei­tig auf Basis einer Daten­bank von über 2.500 Kopf­hö­rer­mo­del­len vor­nimmt — direk­ter in der Umset­zung als ein rei­ner Software-PEQ.

Was der Top­ping DX9 Dis­crete in die­ser Preis­klas­se allein macht: kom­plett eige­ne dis­kre­te DAC-Archi­tek­tur ohne exter­nen Chip, deut­lich mehr rohe Ver­stär­kerleis­tung, und ein sym­me­tri­scher Signal­pfad der von Anfang bis Ende ohne frem­de Wand­ler­bau­stei­ne aus­kommt. Wer sich für die PSRM-Archi­tek­tur inter­es­siert, hat schlicht kei­ne Alter­na­ti­ve — das baut nur Top­ping. Dafür bleibt der Top­ping DX9 Dis­crete ein geschlos­se­nes Öko­sys­tem: kein Ana­log­ein­gang, kein Strea­ming. Das war beim Vor­gän­ger schon so, das ist hier genauso.

Einordnung und Alternativen

Rund 1.299 Euro für ein Kom­bi­ge­rät die­ser Klas­se ist nicht bil­lig — aber auch kein Mond­preis, wenn man sich anschaut, was der Markt für sepa­ra­te DAC- und Amp-Kom­bi­na­tio­nen mit ver­gleich­ba­ren Specs auf­ruft. Der Lux­sin X9 für 1.199 Euro ist der direk­tes­te Gegen­spie­ler: ähn­li­ches Kon­zept, ähn­li­cher Preis, ande­re tech­ni­sche Phi­lo­so­phie. Wer den Ana­log­ein­gang braucht oder auf das HP-EQ-Sys­tem des X9 steht, greift dort hin. Wer mehr Ver­stär­ker­re­ser­ven will und auf exter­ne DAC-Chips grund­sätz­lich ver­zich­ten kann, lan­det beim Topping.

Dar­über hin­aus: Das RME ADI‑2 DAC FS kos­tet ähn­lich viel, ist in der Pro-Welt gesetzt und hat einen exzel­len­ten inte­grier­ten EQ — bringt aber deut­lich weni­ger Ver­stär­kerleis­tung mit. Das iFi NEO iDSD 2 hat Strea­ming-Fea­tures, die bei­den Chi­ne­sen nicht bie­ten. Chord Hugo 2 ist eine ande­re Kate­go­rie — trag­bar, klang­lich als Refe­renz dis­ku­tiert, und teurer.

Der Top­ping DX9 Dis­crete rich­tet sich an Leu­te, die ein voll­stän­di­ges Desk­top-Set­up aus einer Kis­te wol­len, mit ech­tem Head­room für die schwie­ri­gen Kopf­hö­rer, ordent­li­cher Blue­tooth-Imple­men­tie­rung für den All­tag, und ohne Kom­pro­mis­se bei den Mess­wer­ten. Das Lux­sin-Lager spricht eher Nut­zer an, die etwas mehr Sys­tem­fle­xi­bi­li­tät und eine aus­ge­feil­te­re Kopf­hö­rer-Ent­zerr-Lösung schätzen.

Preis und Verfügbarkeit

  • Top­ping DX9 Dis­crete: 1.299 Euro UVP
  • Erhält­lich in Schwarz und Silber
  • Ver­trieb über auto­ri­sier­te Fach­händ­ler und spe­zia­li­sier­te Online-Shops

Offene Fragen

Die Specs auf dem Papier sind stark. Was bleibt: Wie klingt das PSRM-Modul im direk­ten Ver­gleich zum AK4499EQ des Vor­gän­gers im All­tag? Top­ping selbst spricht von einem “glat­te­ren, ana­lo­ge­ren Klang­cha­rak­ter” — das ist natur­ge­mäß Inter­pre­ta­ti­ons­sa­che. Inter­es­sant wird auch sein, wie sta­bil der 10-Band-PEQ in der Pra­xis arbei­tet und ob die Soft­ware-Anbin­dung unter Win­dows rei­bungs­los funk­tio­niert. Das sind die Punk­te, die sich erst im län­ge­ren Ein­satz zeigen.

Wer ein rei­nes Vor­stu­fen­kon­zept für exter­ne Quel­len sucht, soll­te außer­dem beden­ken: Ana­log-Ein­gang gibt es hier kei­nen. Das DX9 Dis­crete ist ein geschlos­se­nes Öko­sys­tem — DAC rein, Kopf­hö­rer oder Boxen raus. Klar.

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