Vinyl Anfänger: Mein Experiment als blutiger Anfänger

Als Vinyl Anfän­ger schmeißt man kei­ne Schmu­se­pro­gram­me auf den Plat­ten­tel­ler. Bei mir läuft Lor­na Shore, Zeal & Ardor und Blind Guar­di­an. Und genau das ist der Punkt: Wer als Metal-Fan mit Vinyl anfängt, macht das nicht wegen des audio­phi­len Kli­schees, son­dern wegen etwas ande­rem. Wegen des Rituals.

Ich bin 85er Bau­jahr und mit MC und CD groß gewor­den. Die Plat­ten­spie­ler wur­den in mei­ner Kind­heit gera­de ent­sorgt oder auf den Dach­bo­den ver­bannt. Vinyl kann­te ich nur vom Hören­sa­gen. Strea­ming war schon immer mein Ding – seit Tag eins dabei, und ich lie­be es bis heu­te. Trotz­dem hat mich der Wind irgend­wann in eine Rich­tung getrie­ben, die ich nicht erwar­tet hatte.

Warum ich als Vinyl Anfänger überhaupt anfange

Den Stream anwer­fen kann ein jeder. 192.000 Minu­ten Spo­ti­fy im Jahr 2023 – ich lebe Musik, wirk­lich. Auf Kon­zer­ten, auf Fes­ti­vals, zuhau­se im Hin­ter­grund. Aber irgend­wie genießt man die Musik eigent­lich nur auf Kon­zer­ten. Dort, wo man hin­geht der Musik wegen. Wo man sich Zeit nimmt, hin­steht und zuhört.

In der IT wird von Work-Life-Balan­ce gere­det. Ich woll­te eine Stream-Genuss-Balan­ce. Ich kon­su­mie­re Musik wie ein Buli­mie­pro­gramm – schnell rein, schnell wei­ter. Das woll­te ich aufbrechen.

Die Ant­wort: Vinyl. Ein­fach mal eine Plat­te auf einen dre­hen­den Tel­ler wer­fen, eine Nadel drauf­set­zen und ein ana­lo­ges Signal abgrei­fen. Den hei­li­gen Gral der HiFi-Freaks. Das Medi­um, das eine phy­si­sche Hand­lung ver­langt, bevor Musik spielt. Als Vinyl Anfän­ger ohne Vor­wis­sen ist das natür­lich erst mal Neuland.

Wer Extre­me Metal hört, weiß außer­dem: Da geht es zur Sache. Tod, Krieg, Hor­ror, gesell­schaft­li­che Miss­stän­de – detail­lier­te Tex­te über Mord und Kan­ni­ba­lis­mus sind bei Bands wie Catt­le Deca­pi­ta­ti­on pro­gram­ma­tisch. Das passt zu einem Medi­um, das man aktiv bedie­nen muss. Ana­log eben.

Musik, Meditation und Ritual

Ich bin der Letz­te, der sich auf eine Yoga­mat­te setzt und “Ohm” macht. Aber ich ken­ne das Bedürf­nis nach Ent­schleu­ni­gung. Bei Fil­men ist es das Ritu­al, eine Disk in den Play­er zu wer­fen – mein per­sön­li­cher Kata­log aus Blu-Rays, das Aus­su­chen, das phy­si­sche Han­deln. So wie frü­her in der Video­thek, wo man Stun­den ver­bracht hat, Fil­me auszuwählen.

Genau das woll­te ich für Musik. Nicht mal eben Shuff­le drü­cken, son­dern: Album aus­su­chen, Plat­te raus­ho­len, Sei­te A, Sei­te B. Aktiv kon­su­mie­ren. Nicht Beschal­lung, son­dern Genuss.

Die Idee reif­te ein paar Wochen in mei­nem Kopf. Dann habe ich die Blog­po­si­ti­on genutzt und von EAT einen Plat­ten­spie­ler zum Tes­ten bekom­men. Ein gro­ßes Dan­ke­schön dafür – mehr dazu im Review, das noch folgt. So konn­te ich das Vinyl Anfän­ger-Expe­ri­ment mal wirk­lich ange­hen: Was ist Vinyl? Wie geht das? Wie klingt das? Was ist der Hype?

Das Vinyl Anfänger-Experiment: Meine ersten Platten

Idee war nicht, die größ­te Vinyl­samm­lung der Welt auf­zu­bau­en, son­dern gezielt die Alben zu suchen, die mich beglei­tet haben oder gera­de begleiten.

Die Lis­te war schnell klar:

  • Lor­na Shore – Pain Remains: Das ful­mi­nan­te ers­te Album mit Will Ramos. Death­co­re zum Ein­stieg. Pflicht.
  • Zeal & Ardor: Auf dem Sum­mer Bree­ze nachts um 2 Uhr gese­hen – knapp das bes­te Kon­zert des Jah­res. Die Plat­te muss her.
  • Behe­mo­th – In Absen­tia Dei: Das Coro­na-Kon­zert in einer Kir­che ohne Publi­kum. Bes­tes-of-Behe­mo­th auf einer Scheibe.
  • Blind Guar­di­an – Some­whe­re Far Bey­ond: Wunsch mei­ner Frau. Nach­dem wir das Album in vol­ler Län­ge auf dem Sum­mer Bree­ze 2022 live erlebt haben – kei­ne schlech­te Wahl.
  • Win­ter­sun: Lei­der nur als Live at Tus­ka, da Time I ver­grif­fen und für hor­ren­de Sum­men gehan­delt wird.

Das wird der Ein­stieg. Rom wur­de nicht an einem Tag erbaut.

Erste Schritte mit dem EAT Prelude

Plat­ten­spie­ler kam Diens­tag an, natür­lich sofort auf­ge­baut. Der EAT Pre­lude ist ein inter­es­san­tes Kon­zept: Motor und Zar­ge sind zwei phy­sisch getrenn­te Tei­le. Der Motor steht sepa­rat auf dem Rack (shou­tout an das Cre­ak­tiv HiFi-Rack), dann kommt die Zar­ge mit Motor­aus­spa­rung drü­ber, der Alut­el­ler rein, Ton­arm jus­tie­ren. Ton­ab­neh­mer war bereits mon­tiert und ein­ge­stellt – es fehlt nur das Ein­pen­deln des Gegen­ge­wichts, das die Anlei­tung gut beschreibt.

Tada. Man hat einen Plattenspieler.

Als ers­tes drauf: The Off­spring – Ame­ri­ca­na LP. Die hat­te ich bei Ama­zon im Ange­bot gese­hen und als Test­kan­di­dat mit­ge­nom­men. Uiui, Klang­ein­druck? Wirk­lich gut! Also mit Strea­ming hat das nix zu tun. Aber halt ana­lo­ger und anfäl­li­ger – mal leicht am HiFi-Rack gewa­ckelt und schon springt die Musik. Ja, der ein­ge­fleisch­te Vinyl-Fan weiß: macht man nicht. Ist mir trotz­dem pas­siert. Cra­zy. Da es sich beim EAT Pre­lude außer­dem nicht um einen Voll­au­to­ma­ten han­delt, bin ich direkt nach der ers­ten Sei­te auf­ge­sprun­gen und hab die Nadel vor dem Ende der LP bewahrt. Glaub die mag das nicht, am inners­ten Ende zu lan­den – muss ich noch mal nachlesen.

Was den Vinyl Anfänger zuerst erwischt: Flusen

Plat­te umge­dreht und dann… WHAT?! Wo kom­men denn die gan­zen Flu­sen her?

Ich weiß natür­lich, dass Fett­grif­feln an der Plat­te nichts zu suchen haben – aber wie greift man das Ding über­haupt an? Okay, Kis­te trotz­dem ange­schmis­sen. Fest­ge­stellt: die Flu­sen kom­men wohl vom Filz­auf­le­ger auf dem Plat­ten­tel­ler, oder von den schi­cken, viel zu klei­nen Hand­schu­hen, die beim Plat­ten­spie­ler dabei waren, damit man den Kla­vier­lack nicht in den ers­ten Sekun­den beschmiert. Und da ist dann das Knis­tern, das man bekommt, wenn Flu­sen auf der Plat­te sind. Super. Goog­le ange­schmis­sen, gelernt: Kohle­faserbürste. Bestellt.

Nächs­te Plat­te: Anchors & Hearts auf­ge­legt – die hat­te ich letz­te Woche auf dem Kon­zert ein­fach just for fun mit­ge­nom­men. Fluss­en­frei! YAY! Gei­ler Sound, wirk­lich. Scheint Spaß zu machen. Aber irgend­was ist noch komisch – zwi­schen­durch wird die Musik dumpf. Blick Rich­tung Nadel, Pro­blem erkannt: Flu­sen an der Nadel. Hmpf. Ama­zon, Nadel­bürs­te bestellt, Lie­fe­rung abwarten.

Hey Vinyl – Pro­ble­me, die ich aus mei­ner Strea­ming-Kar­rie­re über­haupt nicht ken­ne. Lee­re Akkus viel­leicht, ne mis­ti­ge Inter­net­an­bin­dung. Aber Flu­sen als Feind? Als Vinyl Anfän­ger Neu­land. Okay. Aben­teu­er Vinyl beginnt. Jetzt heißt es war­ten auf wei­te­re Schei­ben und Bürs­ten. War ja schon mal ein Ritt. Und wird sicher­lich noch spannender.


Wei­ter­le­sen – die Vinyl-Serie:

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