WiiM hat sich in den letzten Jahren mit Streamern und Verstärkern eine beachtliche Nutzerbasis aufgebaut — zu vernünftigen Preisen, mit sauberem Software-Erlebnis und konsequenter Plattformpflege. Jetzt baut das kalifornische Unternehmen erstmals einen eigenen Lautsprecher: Der WiiM Sound ist kein Zubehör für bestehende Anlagen, sondern ein eigenständiges Wireless-Aktivsystem mit integriertem Streamer, DSP und einem 1,8‑Zoll-Touchscreen direkt auf dem Gehäuse.
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Das Konzept: Einsteiger-HiFi mit Ökosystem-Logik
Die Idee dahinter ist klar: Wer bereits einen WiiM Streamer, einen WiiM Amp oder WiiM-kompatible Lautsprecher betreibt, bekommt mit dem Sound ein Gerät, das sich nahtlos einfügt — gleiche App, gleiche Multiroom-Logik, gleiche Streaming-Protokolle. Daneben spricht WiiM aber auch Neueinsteiger an, die einfach einen guten Wireless-Speaker wollen, ohne sich ein separates System zusammenzubauen. Das kennt man vom Sonos-Ansatz, WiiM will aber mit offeneren Standards punkten.
Treiber, Verstärker, Klang auf dem Papier
Im Inneren des WiiM Sound arbeitet eine klassische 2‑Wege-Bestückung: ein 4‑Zoll-Langhub-Tieftöner mit 50 Watt, kombiniert mit zwei Breitband-Hochtönern à 25 Watt — in Summe 100 Watt Peak. Die Trennfrequenz liegt bei 2,4 kHz. Der angegebene Übertragungsbereich reicht laut WiiM von 50 Hz bis 20 kHz. Hi-Res-Streaming wird bis 24 Bit / 192 kHz unterstützt, Gapless-Playback inklusive. Maße: 146 × 146 × 194 mm bei 2,5 kg — kompakt genug für Regal oder Schreibtisch, schwer genug, um nicht wegzurutschen.
Zur Einordnung: 100 Watt Peak ist die Angabe unter Burstbedingungen, nicht unter Dauerlast — WiiM nennt keine separate RMS-Angabe, was als Herstellerkonvention bei Class-D-Designs üblich ist, aber eingeordnet werden sollte. Wer den Sound als Hauptlautsprecher in einem mittelgroßen Raum betreiben will, dürfte damit gut zurechtkommen; als Beschallung für wirklich große Räume ist das Ding nicht gebaut. Die Untergrenze bei 50 Hz ist realistischer als die 35 Hz, die manche Quellen anfangs kommunizierten — das ist die sauberere Angabe.
Interessanter als die Leistungszahl ist die AI RoomFit-Funktion, die WiiM bei neueren Produkten konsequent durchzieht: Das eingebaute Mikrofon nimmt eine Raumimpulsantwort auf, der DSP passt Frequenzgang und Pegel automatisch an. Kein proprietäres Closed-System wie bei Sonos TruePlay — laut WiiM funktioniert das Setup direkt über die WiiM Home App, plattformunabhängig. Zusätzlich gibt es ein Quick-EQ direkt am Gerät sowie ein erweitertes EQ-System in der App mit Presets und Custom-Kurven — separat konfigurierbar für Wi-Fi/Ethernet, Bluetooth und Aux. Das ist mehr Flexibilität als bei den meisten Konkurrenten in der Klasse.



Der Touchscreen: praktisch oder Spielerei?
Das auffälligste Merkmal des WiiM Sound ist der kreisrunde 1,8‑Zoll-Touchscreen auf der Frontseite, mit Glasabdeckung. Er zeigt Albumcover, Titelinformationen, VU-Meter und Steuerelemente, ermöglicht direktes Navigieren durch EQ-Einstellungen, Eingangswahl und Presets, zeigt im Standby Zeit und Datum und lässt sich mit eigenen Hintergrundbildern anpassen. Im Ersteinrichtungsassistenten und bei OTA-Updates übernimmt er ebenfalls eine Rolle. In einer Klasse, in der sonst meistens nur eine Status-LED leuchtet oder im Fall des Apple HomePod ein dezentes Licht, ist das ein echter Differenzierungspunkt.
Zusätzlich liegt ein WiiM Voice Remote 2 Lite im Lieferumfang — eine kleine Fernbedienung mit Sofort-Play, Lautstärkeregelung, Track-Skip und Push-to-Talk für Sprachsteuerung. Kein separater Kauf nötig, was den Einstieg vereinfacht. Im Paket ist außerdem ein 3,5‑mm-auf-Cinch-Kabel, was zeigt, dass WiiM die Aux-Einbindung als echten Use-Case versteht.
Konnektivität und Streaming-Protokolle
Konnektivität: Wi-Fi 6E (802.11 b/g/n/ax, Triband 2,4/5/6 GHz), Bluetooth 5.3 mit SBC, AAC und LC3 — sowohl als Empfänger als auch als Sender. Dazu 100-Mbit-Ethernet und der 3,5‑mm-Aux-Eingang. Streaming-seitig unterstützt der WiiM Sound Google Cast, Spotify Connect, TIDAL Connect, DLNA, LMS und Roon Ready. Sprachsteuerung läuft über Alexa oder Google Assistant via kompatible Geräte. AirPlay fehlt — das ist bei aktuellen WiiM-Produkten seit dem Amp Pro Programm, betrifft also vor allem Apple-Music-Nutzer, die nativ aus der iOS-Musik-App streamen wollen. Bluetooth als Fallback ist vorhanden, aber kein vollwertiger Ersatz.
Der WiiM Sound lässt sich als Stereopaar betreiben oder als Surround- bzw. Center-Lautsprecher in einem Dolby‑5.1‑Setup mit kompatiblem WiiM Amp. Wer mehr Tiefgang braucht, kann den WiiM Sub Pro drahtlos ergänzen — beide Geräte wurden auf der High End München 2025 gemeinsam vorgestellt und sind offensichtlich als Systemfamilie geplant. Wer den Sound als Ergänzung zu einer bestehenden Anlage einsetzen will, findet im WiiM Pro Plus einen kompakten Netzwerk-Streamer, der sich per Aux oder digital in externe Verstärker einklinkt. Und wer das Flaggschiff der WiiM-Streamer-Linie sucht: Der WiiM Ultra mit seinem 3,5‑Zoll-Glasdisplay und ESS-Sabre-DAC ist die Referenz im WiiM-Ökosystem — und zeigt, dass der Touchscreen-Ansatz beim Sound keine Einzel-Idee ist, sondern konsequent durch die Produktlinie gezogen wird.
Einordnung: Was kostet der WiiM Sound — und was gibt es sonst?
Wer den WiiM Sound mit dem Sonos Era 100 vergleicht, vergleicht eigentlich das falsche Gerät. Der direkte Sonos-Konkurrent ist der WiiM Sound Lite für 229 Euro — ebenfalls kein Display, ähnliche Größe, ähnlicher Funktionsumfang. Und selbst da gewinnt WiiM: 24-bit/192kHz nativ über WiFi statt Sonos’ 24-bit/48kHz, Roon Ready, Qobuz Connect nativ, RoomFit auf Android und iOS statt Sonos’ Trueplay das zwingend ein iPhone zur Einmessung braucht. Und eine App die nicht in Flammen aufgegangen ist — die Sonos-App hat 2024 eines der berühmtesten Eigentor-Momente der Branche hingelegt und das Vertrauen der Community nachhaltig beschädigt.
Der WiiM Sound für 299 Euro spielt aber in einer anderen Liga — einer, für die Sonos schlicht kein Gegenstück hat. Kein einziges Sonos-Gerät unter 500 Euro hat ein Display. Der WiiM Sound bringt ein 1,8‑Zoll-Farb-Touchdisplay mit: Album-Art in Echtzeit, Wiedergabesteuerung direkt am Gerät, EQ-Einstellungen ohne App. 100 Watt, Hi-Res bis 24-bit/192kHz, Roon Ready, WiFi 6E, Ethernet — und das alles als Standalone-Speaker, Stereopaar oder Surround-Satellit zur WiiM Bar.
Wer also fragt “WiiM Sound oder Sonos Era 100” — das ist die falsche Frage. Der Era 100 kostet 50 Euro weniger und bietet weniger. Der WiiM Sound kostet 50 Euro mehr und bietet ein Feature das Sonos im gesamten Lineup nicht hat. Das Duell findet woanders statt.
Preis und Verfügbarkeit
Der WiiM Sound ist seit dem 28. Oktober 2025 erhältlich, in Schwarz und Weiß. Preis: 299 USD / 299 GBP / 349 EUR. Über Amazon und den WiiM-Webshop, dazu ausgewählte Fachhändler.
