Foto: Alexander Schliephake © Hurricane Festival / FKP Scorpio

Hurricane 2026 Line up steht, und Scheeßel wird zum Heimspiel

Das Hur­ri­ca­ne 2026 line up steht – und für mich als Lokal­ma­ta­dor aus Sit­ten­sen ist der Eichen­ring kei­ne Rei­se, son­dern ein Heim­spiel. Es gibt Fes­ti­vals, für die man tage­lang quer durch die Repu­blik fährt. Und dann gibt es eins, das prak­tisch vor der Haus­tür liegt. Kein Bul­li, der nicht anspringt, kein mat­schi­ger Cam­ping­platz, kei­ne sechs Stun­den Anrei­se. Hin­fah­ren, fei­ern, abends wie­der im eige­nen Bett. Lokalmatador-Privileg.

Vom 19. bis 21. Juni 2026 geht das Hur­ri­ca­ne in Schee­ßel in die nächs­te Run­de – und zwar in eine beson­de­re: Es ist das 30. Jubi­lä­um. Rund 75.000 Leu­te, drei Tage, ein Gelän­de, das man dafür erstaun­lich ent­spannt zu Fuß abläuft. Genau das ist es, was das Hur­ri­ca­ne für mich aus­macht: kur­ze Wege, aus­ge­las­se­ne Stim­mung, und ein Publi­kum, das man sel­ten dane­ben erlebt. Eng wird’s eigent­lich nur direkt vor der Haupt­büh­ne, wenn die ganz Gro­ßen ran – bei Die Ärz­te vor zwei Jah­ren stand man da schon recht kusche­lig. Aber machen kann man das immer.

Das Hurricane 2026 line up – warum dieses Jahr für mich anders läuft

Ich bin in den letz­ten Jah­ren fast immer am Sonn­tag ange­rückt, weil der tra­di­tio­nell am här­tes­ten war. Das ändert sich 2026. Das Hur­ri­ca­ne 2026 line up ver­teilt die Musik die­ses Jahr ver­dammt gleich­mä­ßig über alle Tage – egal ob Punk, Alter­na­ti­ve, Nu Metal oder die deut­sche Frak­ti­on, an jedem Tag ist was dabei, das mich auf die Wie­se zieht. Heißt im Klar­text: einen rei­nen “Lieb­lings­tag” gibt es 2026 kaum noch. Man muss eigent­lich alle drei mitnehmen.

Die Head­li­ner machen die Band­brei­te schon klar: Kraft­klub, Twen­ty One Pilots und Flo­rence + The Machi­ne ste­hen ganz oben auf dem Pla­kat. Drei kom­plett unter­schied­li­che Wel­ten – und genau das ist der Hur­ri­ca­ne-Cha­rak­ter. Das kom­plet­te, offi­zi­el­le Hur­ri­ca­ne 2026 line up fin­det ihr direkt beim Ver­an­stal­ter, inklu­si­ve Time­ta­ble als PDF. Gehen wir’s der Rei­he nach durch.

Donnerstag – die Warm-Up-Party

Dis­ar­star läu­tet zusam­men mit Juli, Pau­la Caro­li­na, Her­ren­ma­ga­zin und den Han­se­mäd­chen schon am Don­ners­tag das Wochen­en­de ein. Dis­ar­star ist für mich einer der weni­gen deut­schen Rap­per, der poli­ti­sche Hal­tung und Hook gleich­zei­tig hin­be­kommt, ohne dass das eine das ande­re erschlägt. Dass er die Warm-Up-Par­ty eröff­net, ist ein star­ker Auf­takt – und ein Grund, die­ses Jahr aus­nahms­wei­se schon Don­ners­tag auf­zu­kreu­zen statt erst zum eigent­li­chen Festivalstart.

Freitag – Punk-Wurzeln und großes Kino

Pen­ny­wi­se. Für mich eines der abso­lu­ten High­lights des gesam­ten Wochen­en­des, da brau­chen wir gar nicht lan­ge drum­her­um reden. Wenn die “Bro Hymn” anstim­men und der kom­plet­te Platz mit­grölt, ist das einer die­ser Fes­ti­val­mo­men­te, die einem hin­ter­her noch wochen­lang im Kopf hän­gen. Melo­dic Hard­core aus Her­mo­sa Beach, seit über 35 Jah­ren, und immer noch eine Macht.

The Off­spring spie­len in genau der glei­chen Liga – nur eine Eta­ge mas­sen­taug­li­cher. “Smash” ist eines der meist­ver­kauf­ten Indie-Alben aller Zei­ten, und live zie­hen die Kali­for­ni­er ein Best-of durch, bei dem schlicht jeder mit­kann. Self Esteem, Pret­ty Fly, The Kids Are­n’t Alright – das ist Fes­ti­val auf Auto­pi­lot, im bes­ten Sinne.

Yung­blud ist für mich der defi­ni­ti­ve Pflicht­ter­min am Frei­tag. Wer ihn noch nicht live gese­hen hat, unter­schätzt kom­plett, was der Mann auf einer Büh­ne ver­an­stal­tet. Das ist kei­ne Show, das ist eine Ener­gie­ent­la­dung – Gen­re­gren­zen inter­es­sie­ren ihn null, das Publi­kum ist mit­ten­drin statt nur dabei. Genau die Art Act, die ein Fes­ti­val­ge­län­de in zwei Sekun­den auf Anschlag bringt.

Dazu die deut­sche Heim­mann­schaft: Dono­ts aus Ibben­bü­ren lie­fern Punk­rock zum Mit­sprin­gen, garan­tiert mit der einen oder ande­ren Crowd-Akti­on, für die sie berüch­tigt sind. Und Son­daschu­le brin­gen Ska-Punk aus dem Ruhr­pott mit – die Sor­te Gute-Lau­ne-Brett, bei der selbst die Leu­te mit­wip­pen, die eigent­lich behaup­ten, mit Fes­ti­val-Stim­mung nichts am Hut zu haben.

Head­li­ner des Tages: Kraft­klub. Chem­nitz, Indie-Rap-Rock, eine Live­band, die gan­ze Sta­di­en zum Hüp­fen bringt. Vor die­ser Men­ge wird’s vor der Haupt­büh­ne dann auch wie­der kuschelig.

Samstag – zwischen Nu Metal und Emo-Nostalgie

Papa Roach sind so ein Act, den ich aus rei­ner Gene­ra­tio­nen-Sen­ti­men­ta­li­tät nicht ver­pas­sen kann. “Last Resort” war für vie­le von uns der Sound­track einer gan­zen Pha­se, und Jaco­by Shad­dix ist auch mit über 25 Jah­ren Band­ge­schich­te noch ein Front­mann, der die Ener­gie eines 20-Jäh­ri­gen auf die Büh­ne knallt.

Finch sind der Nost­al­gie-Voll­tref­fer für alle, die “What It Is to Burn” damals rauf und run­ter gehört haben. Post-Hard­core mit Emo-Ein­schlag, eine Band, die man jah­re­lang kaum live erwischt hat – umso bes­ser, dass sie 2026 in Schee­ßel aufschlagen.

Und dann The But­cher Sis­ters – einer der hei­ßes­ten New­co­mer der här­te­ren Schie­ne, die man die­ses Jahr auf dem Schirm haben soll­te. Die drei Aus­ru­fe­zei­chen hin­ter dem Namen ver­knei­fe ich mir hier nur mit Mühe. Genau die Art Act, für die man frü­her zur Wie­se geht als geplant.

Über allem thro­nen am Sams­tag Twen­ty One Pilots und Flo­rence + The Machi­ne – zwei Head­li­ner, die das Hur­ri­ca­ne-Spek­trum nach oben hin abrunden.

Sonntag – mein alter Lieblingstag, immer noch top besetzt

Bil­ly Talent fei­ern auf die­ser Tour das 20-jäh­ri­ge Jubi­lä­um von “Bil­ly Talent II” – und wer die­ses Album kennt, weiß, was das bedeu­tet. Devil in a Mid­night Mass, Red Flag, Fal­len Lea­ves, am Stück, live, von einer Band, die seit zwei Jahr­zehn­ten zu den ver­läss­lichs­ten Liveacts des Gen­res gehört. Pflichtprogramm.

A Day To Remem­ber. “The Down­fall of Us All” – klar oder?! Wenn die ers­ten Tak­te kom­men, springt der kom­plet­te Platz, das ist gesetzt. Easy­co­re vom Feins­ten, die per­fek­te Mischung aus Break­down und Mit­sing-Refrain, und live ein­fach ein Brett.

Skind­red sind eine der bes­ten Live­band-Emp­feh­lun­gen, die ich über­haupt aus­spre­chen kann. Ben­ji Web­be macht aus Rag­ga-Metal eine ein­zi­ge gro­ße Par­ty, und der berühm­te “New­port Heli­c­op­ter” am Ende – wenn die gan­ze Men­ge das T‑Shirt überm Kopf krei­sen lässt – gehört zu den schöns­ten Fes­ti­val-Kli­schees, die es gibt. Mit­ma­chen ist hier Ehrensache.

Zebra­head lie­fern dazu Punk-Rap-Cross­over aus Kali­for­ni­en, der genau dann per­fekt funk­tio­niert, wenn die Son­ne noch nicht ganz weg ist und alle ein­fach nur Bock auf laut und schnell haben. Und Kaff­kiez run­den den deut­schen Anteil ab – Emo-Punk aus Würz­burg mit Tex­ten, die mehr hän­gen­blei­ben, als man dem Gen­re manch­mal zutraut.

Bändchen, Karte, Preise – die Orga-Realität

Bezahlt wird auf dem Hur­ri­ca­ne bar­geld­los. Die­ses Jahr läuft das offen­bar wie­der über ein Auf­la­de­bänd­chen – letz­tes Jahr war das, wenn ich mich rich­tig erin­ne­re, schon The­ma. Ansons­ten konn­te ich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eigent­lich über­all pro­blem­los mit Kar­te zah­len, da muss man sich also wenig Sor­gen machen.

Die Prei­se sind das, was sie auf jedem Fes­ti­val sind – und ehr­lich gesagt weiß man das vor­her. Wer zum ers­ten Mal hin­geht und am Bier­stand erschro­cken die Augen­brau­en hoch­zieht, hat schlicht nicht auf­ge­passt. Fes­ti­val ist Fes­ti­val, das ist Teil des Deals.

Bleibt die gro­ße Unbe­kann­te: Was der Wet­ter­gott 2026 mit Schee­ßel vor­hat, bleibt abzu­war­ten. Letz­tes Jahr hat er näm­lich ordent­lich mit­ge­mischt – inklu­si­ve Kon­zert­un­ter­bre­chun­gen, bei denen man als Nord­deut­scher dann doch noch­mal demü­tig zur Kennt­nis nimmt, wer hier eigent­lich die Run­ning Order bestimmt. Spoi­ler: nicht FKP Scor­pio. Mein Tipp aus Lokal­ma­ta­dor-Erfah­rung: Regen­ja­cke ein­pa­cken, auch wenn die Son­ne lacht. Man weiß es bei uns im Nor­den ein­fach nie.

Fazit zum Hurricane 2026 line up

Das Hur­ri­ca­ne 2026 line up ist für mich der sel­te­ne Fall, in dem ich nicht einen Tag rau­s­pi­cken kann, son­dern eigent­lich alle drei brau­che. Pen­ny­wi­se und The Off­spring am Frei­tag, Papa Roach und Finch am Sams­tag, Bil­ly Talent und A Day To Remem­ber am Sonn­tag – plus Dis­ar­star schon am Don­ners­tag zum Warm­wer­den. Zum 30. Jubi­lä­um macht das Fes­ti­val genau das, was es immer am bes­ten konn­te: für jeden was, kur­ze Wege, gute Stim­mung. Und das Bes­te dar­an für mich: Ich muss danach nicht mal weit fahren. 🤘

Wer übri­gens wis­sen will, wie so ein Fes­ti­val-Vor­be­richt bei uns aus­sieht, wenn’s kom­plett in Rich­tung Metal geht: unse­ren Vor­be­richt zum Sum­mer Bree­ze 2026 gibt’s auch noch. Man sieht sich auf der Wiese.

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