Eversolo T8 - Frontansicht

Eversolo T8: Streaming-Transport ohne DAC für 1.380 Euro

Ever­so­lo bringt mit dem T8 das ers­te rei­ne Strea­ming-Trans­port-Gerät der Mar­ke. Kein DAC drin, nur eine sau­ber auf­ge­bau­te digi­ta­le Quel­le für alle, die ihren Wand­ler bereits haben und nur das Front­end tau­schen wol­len. Der deut­sche Ver­trieb audio­NEXT ruft 1.380 Euro für den Ever­so­lo T8 auf — der offi­zi­el­le Markt­start in Deutsch­land und Öster­reich liegt zwi­schen Mit­te und Ende Sep­tem­ber 2025.

Was das Ding eigentlich ist

Der Begriff Strea­ming-Bridge oder Strea­ming-Trans­port beschreibt im Grun­de eine ziem­lich nüch­ter­ne Auf­ga­be: Bits aus dem Netz­werk holen, sau­ber tak­ten, an einen exter­nen DAC wei­ter­rei­chen. Punkt. Kein Wand­ler, kei­ne Vor­stu­fe, kei­ne Laut­stär­ke­re­ge­lung über Ana­log­aus­gän­ge — denn die gibt es schlicht nicht. Wer einen ver­nünf­ti­gen DAC besitzt und auf einen Strea­ming-DAC à la DMP-A8 ver­zich­ten möch­te, weil er den Wand­ler-Teil nicht braucht, ist bei der Kis­te rich­tig. Klas­si­sches Ziel­kli­en­tel: jemand mit einem fes­ten DAC, der das digi­ta­le Front­end moder­ni­sie­ren will, ohne den Rest anzufassen.

Ever­so­lo selbst ist eine Mar­ke der chi­ne­si­schen Zidoo Tech­no­lo­gy mit Sitz in Shen­zhen. Die DMP-Serie hat die Fir­ma in den letz­ten Jah­ren bekannt gemacht — A6 (hier geht’s zum Review vom Ever­so­lo DMP-A6), A8 und A10 sind Strea­ming-DAC-Vor­stu­fen mit dem aus der Ever­so­lo-Welt bekann­ten Touch­screen-Inter­face. Der Ever­so­lo T8 ist die ers­te Gerä­te­va­ri­an­te ohne inte­grier­ten Wand­ler. Vor­ge­stellt wur­de der T8 zusam­men mit einem geplan­ten DAC-Z10 auf der High End in Mün­chen im Mai. Der DAC-Z10 ist als pas­sen­der Part­ner posi­tio­niert, kommt aber zeit­lich später.

Hardware: was drinsteckt

Das Gehäu­se ist CNC-gefräst aus Alu­mi­ni­um-Legie­rung, vor­ne sitzt ein 6‑Zoll-LCD-Touch­screen plus Funk­ti­ons­tas­ten. Optisch eine kla­re Fami­li­en­ähn­lich­keit zur rest­li­chen DMP-Serie. Das Dis­play ist laut Her­stel­ler phy­sisch von der Audio­schal­tung abge­schirmt — ob das wirk­lich nötig ist oder nur gut klingt, ist eine ande­re Frage.

Im Inne­ren wer­kelt ein Quad-Core-ARM-Pro­zes­sor mit 4 GB DDR-RAM und 64 GB eMMC für das Ever­so­lo-eige­ne Android-Deri­vat. Für den eigent­li­chen Audio-Pfad ist ein XMOS-Chip der drit­ten Gene­ra­ti­on zustän­dig. Ever­so­lo gibt einen Fem­to­se­kun­den-Takt­ge­ber an (AS318-B-Kris­tal­le, 49,1520 MHz Kern­fre­quenz) — das ist ein gän­gi­ges Argu­ment bei die­ser Gerä­te­klas­se. In der Pra­xis hängt der Effekt von der Imple­men­tie­rung und vom ange­schlos­se­nen DAC ab. Abwarten.

Das Netz­teil ist line­ar, mit einem Ring­kern­tra­fo aus 4N-OFC-Kup­fer und Tef­lon-iso­lier­ter Ver­ka­be­lung. Ever­so­lo gibt eine Rest­wel­lig­keit unter 30 µV an (Her­stel­ler­an­ga­be). Zwei SSD-Slots erlau­ben bis zu 2 × 8 TB loka­len Spei­cher — wer sei­ne Biblio­thek lie­ber lokal hor­tet als auf einen NAS zu schi­cken, hat hier Platz für meh­re­re zehn­tau­send Tracks.

Anschlüsse: alles galvanisch isoliert

Der Punkt, an dem so eine Bridge steht oder fällt, sind die Digi­tal­aus­gän­ge. Der Ever­so­lo T8 lie­fert hier das, was man in die­ser Preis­klas­se erwar­tet: USB Audio bis DSD512 nativ und PCM 768 kHz / 32 Bit, I²S über HDMI mit acht wähl­ba­ren Pin­out-Modi für DAC-Kom­pa­ti­bi­li­tät, AES/EBU sym­me­trisch über XLR, Koaxi­al bis 24 Bit / 192 kHz und Optisch (Tos­link). Alle Aus­gän­ge sind laut Her­stel­ler gal­va­nisch iso­liert, also gegen Mas­se- und Poten­ti­al­un­ter­schie­de entkoppelt.

Auf der Netz­werk­sei­te gibt es Giga­bit-RJ-45, Wi-Fi 6 (Dual­band 2,4 / 5 GHz) und einen SFP-Glas­fa­ser-Slot. Letz­te­rer ist in die­ser Preis­klas­se nicht selbst­ver­ständ­lich und für Leu­te inter­es­sant, die die Quel­le elek­trisch kom­plett vom Heim­netz tren­nen wol­len. SFP+-Module gehen nicht, das pas­sen­de SFP-Modul muss sepa­rat beschafft werden.

Software, Streaming, Raumkorrektur

Auf der Soft­ware-Sei­te ist der Ever­so­lo T8 eng mit dem Rest des Ever­so­lo-Öko­sys­tems ver­zahnt. Roon Rea­dy, TIDAL Con­nect, Qobuz Con­nect, Spo­ti­fy Con­nect Los­sless, Air­Play 2, DLNA/UPnP, JPLAY-zer­ti­fi­ziert, plus Zugriff auf NAS und Cloud-Diens­te wie Drop­box und Web­DAV. Nati­ve Apple-Music-Wie­der­ga­be in vol­ler Auf­lö­sung ist eben­falls mög­lich — nicht selbst­ver­ständ­lich, weil vie­le Strea­mer das Sys­tem-SRC nicht umgehen.

Span­nen­der ist, was Ever­so­lo zusätz­lich drauf­packt. Die haus­ei­ge­ne EOS-Engi­ne (Ori­gi­nal Sam­pling Rate Audio Engi­ne) bypas­sed das Sys­tem-SRC und gibt die Ori­gi­nal-Sam­ple­ra­te aus, was sonst ger­ne mal ver­lo­ren geht. Dazu kommt evo­tu­ne — die haus­ei­ge­ne Raum­kor­rek­tur per FIR-Fil­ter, die ent­we­der mit einem optio­na­len EM-01-Mikro­fon oder dem Smart­phone-Mic ein­ge­mes­sen wird. Plus ein 10-Band-PEQ mit FIR-Fil­ter-Import und Loud­ness. Kla­re Sache: hier wird mehr gelie­fert als beim klas­si­schen Bit-für-Bit-Trans­port. Wer das nicht braucht, lässt es aus.

Markteinordnung

In der Dis­zi­plin DAC-loser Strea­ming-Trans­port sind die Ver­gleichs­ge­rä­te schnell genannt. Der Lumin U2 liegt bei rund 6.000 Euro, der HiFi Rose RS130 in ähn­li­chen Regio­nen. Auren­der bie­tet mit dem N150 und N200 ver­gleich­ba­re Kon­zep­te zu ver­gleich­ba­ren bis höhe­ren Prei­sen, aller­dings mit eige­nem Con­duc­tor-App-Öko­sys­tem statt Roon Rea­dy. Der Aura­lic Aries G2.2 spielt eben­falls in die­ser Liga.

Mit 1.380 Euro liegt der Ever­so­lo T8 deut­lich unter all die­sen Gerä­ten. Ob das klang­lich auch dem ent­spricht, was Lumin oder HiFi Rose ablie­fern, muss ein Test zei­gen. Fea­ture­sei­tig fehlt dem T8 jeden­falls nichts, was die teu­re­ren Gerä­te bie­ten — eher umge­kehrt. Im eige­nen Ever­so­lo-Pro­gramm ord­net sich der T8 zwi­schen DMP-A6 Mas­ter Edi­ti­on (1.299 Euro) und DMP-A8 (1.980 Euro) ein, ist aber eine ande­re Gerä­te­klas­se: Bridge statt Strea­ming-DAC. Direk­ter Ver­gleich macht da wenig Sinn.

Preis und Verfügbarkeit

Die unver­bind­li­che Preis­emp­feh­lung für den Ever­so­lo T8 liegt bei 1.380 Euro inklu­si­ve 19 Pro­zent Mehr­wert­steu­er. Ver­trieb für Deutsch­land und Öster­reich läuft exklu­siv über die audio­NEXT GmbH (audiodomain.de). Aus­lie­fe­rung an den Fach­han­del ab Mitte/Ende Sep­tem­ber 2025.

Einordnung

Der Ever­so­lo T8 ist kei­ne Sen­sa­ti­on, weil er das Bridge-Kon­zept neu erfin­det — das Kon­zept gibt es seit Jah­ren. Er ist eher ein State­ment: das, was Lumin und HiFi Rose seit Jah­ren machen, gibt es jetzt zu einem Bruch­teil des Prei­ses mit einer Fea­ture­lis­te, die kaum Lücken lässt. Ob die Hard­ware das auch klang­lich ein­löst, ist die eigent­lich inter­es­san­te Fra­ge. Fem­to-Clock und gal­va­ni­sche Iso­la­ti­on sind nett auf dem Daten­blatt, der Unter­schied pas­siert aber zwi­schen Bridge, DAC und Restkette.

Wer eher einen kom­plet­ten Strea­ming-DAC sucht statt einer rei­nen Bridge, fin­det hier unse­ren Test zum Ever­so­lo DMP-A8.

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