Vor einigen Wochen haben wir schon über den Magnetar UDP800 berichtet. Natürlich wollten wir ihn direkt in die Hände bekommen, und wenige Tage später stand er hier zum Test. Knapp über zwei Wochen hatten wir Zeit, ihn ausgiebig zu testen — mit wechselnden Testpersonen, unterschiedlichem Material und einem Referenzplayer zum Vergleich, der langsam aber sicher seinen Platz räumen musste.
Update: Mittlerweile gibt es auch den Magnetar UDP900, der in allen Belangen noch einmal ein Statement setzt. Den haben wir ebenfalls ausführlich getestet. Wer also nach dem absoluten Endgegner sucht, der liest dort weiter. Wer einen hervorragenden Universal-Player für einen gesünderen Preis sucht, ist hier richtig.
Update: Mittlerweile gibt es schon den Magnetar UDP800 MKII und Magnetar UDP900 MKII.
Einordnung: Wer füllt die Oppo-Lücke?
Das ist die eigentliche Ausgangsfrage für jeden, der sich mit dem Magnetar UDP800 beschäftigt. Als Oppo 2018 die Produktion seiner UDP-Linie einstellte, hinterließ das eine Lücke, die bis heute schmerzt. Wer einen universellen Disc-Player auf ernsthaftem Niveau wollte — also einer, der neben 4K UHD Blu-ray auch SACD und DVD-Audio spielt und ordentliche Analogausgänge mitbringt — der hatte plötzlich kaum Optionen.

Der direkte Vergleich in der Preisklasse: der Reavon UBR-X200 kostet ähnlich viel, der Panasonic DP-UB9000 liegt rund ein Drittel günstiger. Wer ausschließlich Filme schaut und keine SACD-Sammlung hat, ist mit dem Panasonic gut bedient. Wer aber die volle Format-Bandbreite will und Wert auf Verarbeitung legt — für den ist der Magnetar der richtige Kandidat.
Unboxing
Nach dem Öffnen des Kartons: zuerst ein Pappeinleger mit Abbildung und Bezeichnung des Players. Darunter eine Styropor-Abdeckung, hinter der der Player im Samtbeutel wartet. Beim Herausheben wird sofort klar: hier ist jemand ziemlich ausladend mit Material umgegangen. Der Magnetar UDP800 bringt ordentliche 9 kg auf die Waage — für einen Disc-Player ist das eine Ansage.



Unter dem Player findet sich die Anleitung (mehrsprachig), die Fernbedienung — die ebenfalls schwer in der Hand liegt und dadurch einen hochwertigen Eindruck macht — und ein Kaltgerätekabel. HDMI-Kabel liegt keines bei. Das ist einerseits schade, andererseits pragmatisch: die meisten Käufer in dieser Preisklasse haben entweder schon ein gutes Kabel oder wollen ein bestimmtes verwenden. Kein unnötiger Elektroschrott.


Die Front des Players: gebürstetes Metall in seidigem Glanz, aufgeräumt, kein Plastik. Elegantes Zwei-Ton-Design in Schwarz und Anthrazit. Erster Eindruck: das hier ist kein normaler Player.






Was steckt drin — Innenleben und Verarbeitung
Der Magnetar UDP800 ist innen genauso konsequent gebaut wie außen. Das Gehäuse besteht aus Stahlblech, die Frontplatte aus Aluminium. Zusätzlich gibt es eine massive Stahlplatte als Gehäuseboden. Laufwerk und Netzteil haben jeweils eigene Metallabdeckungen — ein Detail, das beim Reavon UBR-X200 in dieser Form nicht zu finden ist. Damit ist die Abschirmung empfindlicher Sektionen hier konsequenter gelöst.
Angetrieben wird das Ganze von einem Mediatek MT8581 Quad-Core-Prozessor — dem etablierten Chip im Segment der Hochpreisplayer. Das erklärt die flotten Ladezeiten und die reaktionsschnellen Menüs.
DAC: Burr-Brown PCM-1795 — solide, aber ehrlich einordnen
Für die analogen Stereoausgänge kommen zwei Burr-Brown PCM-1795 DACs (32 Bit, 192 kHz) zum Einsatz. Das ist kein Billigchip — Burr-Brown ist eine respektierte Texas-Instruments-Linie mit langer Geschichte in audiophilen Geräten. Der Reavon UBR-X200 verbaut übrigens denselben Chip, ergänzt durch einen weiteren Burr-Brown DAC für den Mehrkanal-Ausgang (den der UDP800 nicht hat).
Wer es genau wissen will: Messungen des analog stereo outputs (HomeTheaterHiFi.com) ergaben eine Frequenzgangkurve, die bei 24-bit/192-kHz bis ca. 60 kHz flach bleibt, dann beginnt sie langsam abzurollen. Der SNR liegt bei ca. 110 dB. Das ist gut — aber nicht auf dem Niveau des Oppo BDP-105D (ESS9038PRO), der sich über 90 kHz flach hält. Kurz: für SACD und CD-Playback mit XLR-Ausgang bekommt man hier deutlich mehr als ein Standard-AVR-DAC liefert, aber wer audiophile Extremwerte sucht, schaut besser zum UDP900.
Die analoge Stereoausgabe deckt XLR-balanced und Cinch-RCA ab — für die meisten Setups in dieser Preisklasse vollkommen ausreichend. Was fehlt, und was manchen bei diesem Preis auffallen wird: eine 7.1‑Kanal-Analog-Ausgabe gibt es beim UDP800 nicht. Das ist eine der deutlichsten Grenzen gegenüber dem UDP900 und dem Reavon UBR-X200, der 7.1 RCA hat.
Anschluss
Hier keine offenen Wünsche für den typischen Heimkino-Aufbau: zwei HDMI-Ausgänge (einer davon Audio Only für Receiver ohne 4K-Unterstützung), Netzwerk mit 1 Gbit, diverse Digital-Ausgänge (koaxial und optisch), USB 3.0 für externe Speichermedien, sowie die erwähnte Stereo-Analogsektion mit XLR und Cinch.
Alle Buchsen vergoldet — passt zum Anspruch des Players. Kein WLAN; wer das braucht, löst das über den LAN-Anschluss mit einem entsprechenden Adapter oder Switch.
Erstbetrieb
Die Benutzeroberfläche begrüßte uns auf Französisch — klassischer Importeur-Klassiker. Sprache umgestellt, dann direkt ein Software-Update angeboten, installiert — und danach war die Sprache wieder Französisch. Das ist kein Drama, aber auch kein feiner Ersteindruck. Nach dem zweiten Umstellen blieb es dann bei Deutsch.
Ansonsten: das Menü ist aufgeräumt, man findet sich schnell zurecht. Viele Einstellungen müssen nicht angefasst werden — der zweite HDMI-Ausgang war direkt aktiv, ohne dass wir irgendetwas aktivieren mussten. Das ist, wie es sein soll.
Ladezeiten
Einer der ersten Punkte, der sofort auffällt: die Ladezeiten sind erheblich kürzer als beim Sony X800m2. Von der eingelegten Disc bis zum Abspielen der ersten Einblender vergehen nur wenige Sekunden. Im Alltag, besonders wenn man häufig Discs wechselt oder Passagen vergleicht, ist das ein echter Qualitätsgewinn — kein Luxusproblem.
Beim Netzwerk-Playback (Filme vom NAS via DLNA/SMB) ist der Magnetar UDP800 ausreichend schnell — kann aber nicht ganz mit dem Streaming-Tempo eines Fire TV oder NVIDIA Shield TV mithalten. Das liegt vermutlich an der verwendeten Software-Plattform, nicht an der Hardware. Wer ausschließlich Disc-Playback nutzt: kein Thema. Wer primär Netzwerk-Dateien abspielt, sollte das im Hinterkopf behalten.
HDR und Dolby Vision — automatisch, wie es sein sollte
Endlich. Als Sony-X800m2-Nutzer war das das erste Mal, dass Dolby Vision automatisch erkannt wird. Kein mühseliges Nachschauen, ob ein Film DV liefert, kein manuelles Umschalten vor dem Start. Der Magnetar erkennt es und spielt den Film so ab, wie er auf der Disc liegt.
Unterstützt werden HDR10, HDR10+ und Dolby Vision — also der aktuelle Vollsatz. Im HDR10-Betrieb gibt es zusätzliche kleine Feineinstellungsmöglichkeiten, die wir im Rahmen unserer “vanilla”-Testphilosophie unberührt gelassen haben.
Bild
Getestet am kalibrierten LG C1 OLED mit Ruipro Glasfaser-HDMI-Kabel. Wie immer: kein Upscaling, wir wollen das Quellmaterial beurteilen.
Signifikante Bildunterschiede gegenüber unserem Referenzplayer: keine. Das ist auch keine Überraschung — das Bildsignal wird digital weitergegeben und ein gut implementiertes System macht hier sichtbar keinen Unterschied. Was sich aber sehr wohl unterscheidet: Vor- und Rücklauf. Der Magnetar UDP800 verarbeitet die gelesenen Daten merklich schneller als günstigere Player, was sich in flüssigerer und präziserer Darstellung beim Spulen zeigt. Das Gesamtpaket wirkt runder und homogener.
Ton
Für den klassischen Heimkino-Einsatz: Bitstream an den AVR, kein Problem. Krachend, druckvoll, ohne Aussetzer oder Ruckler.
Was den Magnetar UDP800 aber wirklich auszeichnet, ist der Tonspur-Wechsel. Das klingt nach einem Detail, ist aber im Alltag ein echter Game-Changer. Der Player liest deutlich mehr Informationen von der Disc aus und zeigt direkt in der Tonspur-Übersicht an, was verlustfrei und was komprimiert ist — ohne dass man sich durch verschachtelte Untermenüs kämpfen muss. Auch der Wechsel selbst ist schneller als bei Budget-Playern.
Für die analogen Ausgänge gilt: XLR liefert mehr als RCA, und beides liefert mehr als der DAC eines durchschnittlichen AV-Receivers. Wer CDs und SACDs direkt über XLR an einen Vollverstärker schickt, bekommt hier durchaus audiophilen Mehrwert. Wer an absolute Maßstäbe in Sachen Klirrfaktor denkt: da ist der UDP900 mit seinem ESS9038PRO das richtige Gerät.
Verarbeitung
Kein Plastik, keine wackeligen Taster, keine quietschenden Scharniere. Der Magnetar UDP800 ist das best verarbeitete Gerät, das bis dahin durch unsere Hände gegangen ist. Alle Anschlüsse hochwertig, das Gehäuse in jeder Richtung solide. Die Fernbedienung liegt schwer in der Hand, hat ordentliche Druckpunkte und eine Hintergrundbeleuchtung — das große Manko der Beschriftung im Dunkeln teilt sie allerdings mit ihrem großen Bruder UDP900.
Was einige sicherlich reizen wird: ein, zwei Modifikatoren werden den Kaltgeräte-Anschluss upgraden, und wer ganz tief in die Kiste guckt, findet sicher auch noch den einen oder anderen Kondensator, den man gegen ein audiophiles Topmodell austauschen könnte. Das ist aber Hobby für Leute mit sehr viel Zeit.
Betriebsgeräusch
Ehrliche Einschätzung: beim Sony X800m2 geht einem das Laufwerksgeräusch auf den Senkel, besonders in ruhigen Filmpassagen. Wir hatten gehofft, dass die massivere Bauweise des Magnetar hier mehr bringt. Das tut sie — aber weniger als erwartet. Der Magnetar UDP800 ist im Endeffekt ähnlich laut, liest die Disc aber schneller aus und wird dann schneller ruhiger. In ruhigen Momenten eines Films ist es noch wahrnehmbar.
Wer seinen Player in einer Ecke oder in einem geschlossenen Rack stehen hat: kein Problem. Wenn die Gewehrsalven bei John Wick losgehen, ist das Thema ohnehin erledigt.
Formate und Medien-Playback
Der Magnetar UDP800 spielt: 4K UHD BD, BD, DVD-Video, DVD-Audio, SACD (Stereo), CD, CD‑R/RW, DVD±R/RW. Via USB lassen sich Festplatten bis 16 TB anschließen. Netzwerk-Playback via DLNA, SMB und NFS für Dateiformate wie MKV, AVI, MP4, WAV, FLAC, APE, DSD.
Wichtig in der Einordnung: Der Magnetar spielt beide analogen Stereoformate (SACD + DVD-Audio), der Reavon UBR-X200 bietet kein DVD-Audio. Dafür hat der Reavon 7.1 Kanal RCA analog — was der Magnetar nicht hat. Das ist ein echter Unterschied, je nachdem was man damit vorhat.
Multiregion für Blu-ray und DVD ist an Bord, erfordert aber wie beim UDP900 einige Tastendrücke auf der Fernbedienung.
Testumfang
Nahezu täglich im Einsatz über zwei Wochen. Aktuelle Blockbuster, abgestandenes Material, restaurierte Fassungen. Mehrere Testpersonen, viele Diskussionen — alles eingeflossen.
Magnetar UDP800 vs. UDP900 — wo liegt der Unterschied?
Die kurze Antwort: in der Tiefe der Analogsektion und in der Ausstattung.
Der Magnetar UDP800 hat eine gute Stereo-Analogsektion (Burr-Brown PCM-1795, XLR + Cinch), aber keine 7.1‑Kanal-Analogausgabe. Der UDP900 hat zwei separate DAC-Chips (ESS9038PRO für Stereo, ESS9028PRO für 7.1), getrennte Netzteile für Analog und Digital, einen TCXO-Takt, einen USB-DAC-Eingang und messbar bessere Analogwerte — insbesondere via XLR mit 130+ dB Dynamikumfang. Das Gehäuse des UDP900 ist nochmals massiver (15,8 kg vs. 9 kg) und mit einer 15 mm gefrästen Alu-Frontplatte ausgestattet.
Für reine Heimkino-Nutzung via HDMI: der Magnetar UDP800 reicht vollkommen. Wer die Analogsektion ernsthaft nutzen will — für SACD, CD, als DAC-Frontend — da ist der Mehrpreis des UDP900 gerechtfertigt.
Fazit
Für uns war der Magnetar UDP800 bei Erscheinen der aktuelle Zenit der 4K Ultra-HD Blu-ray-Player — und das ist er in seiner Klasse auch heute noch. Ein durch und durch solides Premium-Gefühl schwingt bei jeder Bedienung mit. Was besonders heraussticht: die schnellen Ladezeiten, die flüssigen Vor- und Rückläufe, der komfortable Tonspur-Wechsel und die automatische Dolby Vision-Erkennung. Das sind alles Dinge, die man schnell als selbstverständlich nimmt — bis man mal wieder einen günstigen Player in der Hand hält.
Die Verarbeitung ist tadellos, die Formatunterstützung umfassend, der Preis nachvollziehbar. Wer sich den UDP800 ins Rack stellt, kann sicher sein, ein tolles Stück Technik sein Eigen zu nennen — und weiß gleichzeitig, dass sein großer Bruder UDP900 in dieselbe Richtung zeigt, nur mit mehr von allem.
Wer schon eine SACD-Sammlung hat, gelegentlich über die XLR-Ausgänge an eine Stereoanlage geht und einen verlässlichen, bestens verarbeiteten Universal-Player sucht: hier ist die Antwort.
