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EverSolo DMP-A10: Das Flaggschiff aus Shenzhen macht Ernst

Ever­So­lo kennt man seit 2022. Die chi­ne­si­sche Brand kam mit dem DMP-A6 raus — gro­ßes Dis­play, güns­ti­ger Preis, ordent­li­che Tech­nik — und hat damit den Strea­mer-Markt unter 1.000 Euro ordent­lich durch­ein­an­der gewir­belt. Der A8 folg­te und kos­te­te knapp das Dop­pel­te, klang aber auch deut­lich bes­ser. Jetzt gibt es den Ever­So­lo DMP-A10. Das ist die Spit­ze der Linie, und zum ers­ten Mal bewegt man sich damit wirk­lich in High-End-Ter­ri­to­ri­um — preis­lich wie technisch.

Konzept: Alles in einer Kiste

Das Grund­kon­zept ist das­sel­be wie beim A6 und A8, nur kon­se­quen­ter durch­ge­zo­gen. Der Ever­So­lo DMP-A10 ist Strea­mer, DAC, DDC und voll­sym­me­tri­scher Vor­ver­stär­ker in einem Gehäu­se. Wer möch­te, hängt die Kis­te direkt an die End­stu­fe und ist fer­tig. Ana­log-Inputs — sowohl XLR als auch RCA — sind vor­han­den, der A10 kann also auch als rei­ner Pre­amp für exter­ne Quel­len arbei­ten. Zwei Sub­woo­fer-Aus­gän­ge sind eben­falls an Bord, inklu­si­ve kon­fi­gu­rier­ba­rer Über­gangs­fre­quenz und Delay. Damit zielt Ever­So­lo offen­sicht­lich nicht nur auf klas­si­sche Ste­reo-Set­ups, son­dern auch auf Leu­te, die ein 2.1‑System oder eine akti­ve Raum­kor­rek­tur ein­bin­den wollen.

Technik: Was drin steckt

DAC-sei­tig arbei­tet der Ever­So­lo DMP-A10 mit dem ESS ES9039PRO — dem Flagg­schiff-Chip von ESS Tech­no­lo­gy. Laut Her­stel­ler unter­stützt das Ding Auf­lö­sun­gen bis 32 Bit/768 kHz PCM und nati­ves DSD512. Das sind Papier­form-Wer­te, die in der Pra­xis kaum jemand aus­reizt, aber sie zei­gen wo die Decke liegt. Das USB-Inter­face über­nimmt ein XMOS XU316, der aus den A‑Se­ri­en-Vor­gän­gern bekannt ist.

Das Takt­sys­tem ver­dient beson­de­re Erwäh­nung: Der A10 setzt auf zwei OCXO-Oszil­la­to­ren — das sind tem­pe­ra­tur­ge­re­gel­te Quar­ze, die ihren Betriebs­punkt kon­stant hal­ten und so Jit­ter durch Tem­pe­ra­tur­schwan­kun­gen aus­schlie­ßen. Ever­So­lo gibt die Jit­ter-Wer­te mit unter 50 Fem­to­se­kun­den an. Her­stel­ler­an­ga­be, kein unab­hän­gig geprüf­ter Wert — aber der Auf­wand dahin­ter ist real.

Zur Strom­ver­sor­gung: Beim A6 gab es nur ein Schalt­netz­teil, beim A8 bekam die ana­lo­ge Sek­ti­on ein Line­ar-Netz­teil. Der Ever­So­lo DMP-A10 hat jetzt zwei linea­re Netz­tei­le — eines für die digi­ta­le Sek­ti­on, eines für die ana­lo­ge. Ever­So­lo nennt eine Rest­wel­lig­keit von unter 30 µVrms auf der ana­lo­gen Ver­sor­gung. Das ist eine kon­kre­te Zahl, an der man den Her­stel­ler mes­sen kann.

Die Laut­stär­ke­re­ge­lung arbei­tet über ein R‑2R-Wider­stands­netz­werk — kein digi­ta­ler Reg­ler, kein Poten­tio­me­ter. Die Kis­te bie­tet zudem eine eige­ne Raum­kor­rek­tur: Ever­So­lo Digi­tal Room Cor­rec­tion mit Mess­mi­kro­fon, para­me­tri­schem EQ und Algo­rith­mus zur Raum­an­pas­sung. Das Mikro­fon für die Ein­mes­sung lässt sich per USB anschlie­ßen, alter­na­tiv geht auch das Smart­phone-Mikro­fon. Klingt erst­mal schick, taugt in der Pra­xis aber nur mit einem ver­nünf­ti­gen Mess­mi­kro­fon was — das lie­fert Ever­So­lo nicht mit. Wer das ernst­haft nut­zen will, braucht also noch­mal extra Budget.

Für die Bau­tei­le-Aus­wahl hat sich Ever­So­lo zumin­dest die Mühe gemacht, gezielt ein­zu­kau­fen: WIMA-Kon­den­sa­to­ren aus Deutsch­land, Nichi­con und Mura­ta aus Japan, Texas Instru­ments Ope­ra­ti­ons­ver­stär­ker aus den USA, Omron-Relais. Das ist kei­ne Mar­ke­ting­ly­rik, son­dern zeigt einen ech­ten Sourcing-Auf­wand, den man bei Gerä­ten unter 4.000 Euro nicht selbst­ver­ständ­lich findet.

Das Gehäu­se: CNC-gefräs­tes Alu­mi­ni­um, 430 mm Brei­te — klas­si­sches Rack-For­mat. Vor­ne sitzt ein 6,5‑Zoll-Full-HD-Touchscreen. Das Dis­play ist damit mini­mal grö­ßer als beim A8, der Look ist markentypisch.

Was den EverSolo DMP-A10 vom Rest unterscheidet

Ein Punkt, der den Ever­So­lo DMP-A10 aus dem Feld der rei­nen Strea­mer her­aus­hebt: die DDC-Funk­ti­on. Der A10 kann digi­ta­le Ein­gangs­si­gna­le — USB, Coax, Tos­link, HDMI ARC — über­neh­men, optio­nal durch den EQ schi­cken und wie­der als SPDIF aus­ge­ben. Oder ana­log wan­deln, mit EQ bear­bei­ten und wei­ter­schlei­fen. Das macht ihn theo­re­tisch zu einem zen­tra­len Signal­ver­tei­ler im Set­up, nicht nur zu einem Endpunkt.

Zwei M.2‑NVMe-SSD-Steckplätze im Boden der Kis­te erlau­ben bis zu 8 TB inter­nen Spei­cher — für wer noch eine Lokal­samm­lung hat. USB 3.0, NFS, SMB, UPnP, Web­DAV, Plex, Emby und Jel­ly­fin sind eben­falls an Bord. Dazu gibt es einen SFP-Glas­fa­ser-Port neben dem nor­ma­len LAN-Anschluss — für die, die mit einer Fiber-Stre­cke Stör­ein­flüs­se aus dem Netz­werk fern­hal­ten wollen.

Strea­ming-sei­tig ist alles Übli­che ver­tre­ten: Tidal Con­nect, Spo­ti­fy Con­nect, Qobuz, Ama­zon Music, Apple Music, Deezer. Roon-Rea­dy-Zer­ti­fi­zie­rung war zum Launch noch in Bear­bei­tung — das ist bei Ever­So­lo mitt­ler­wei­le Stan­dard-Pro­ze­de­re und kein Dra­ma, hat beim A8 auch funktioniert.

Markteinordnung

3.780 Euro sind kein Schnäpp­chen mehr. Das muss man klar sagen. Der direk­te Vor­gän­ger DMP-A8 ist für knapp 2.000 Euro zu haben und gilt zu Recht als eines der bes­ten Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis­se in die­sem Segment.

Die Fra­ge ist: Was bekommt man für den Auf­preis? Auf dem Papier sind es zwei linea­re Netz­tei­le statt einem, ein bes­se­rer DAC-Chip, das OCXO-Dop­pel­takt­sys­tem, die voll­sym­me­tri­sche Vor­ver­stär­ker-Sek­ti­on mit XLR-Ein- und ‑Aus­gän­gen, die R‑2R-Laut­stär­ke­re­ge­lung und das DDC-Fea­ture. Das ist nicht tri­vi­al, und wer den A10 als voll­wer­ti­gen Vor­ver­stär­ker ein­set­zen will, hat damit tat­säch­lich ein ande­res Gerät vor sich als den A8.

Ver­gli­chen mit dem, was man bei ande­ren Her­stel­lern für ähn­li­che Funk­tio­nen zahlt, ist der Preis gut kal­ku­liert. Ein Lumin U2 Mini kos­tet ähn­lich viel und kann kein eige­nes DAC-Wand­ling, ist also rei­ner Strea­mer. Aura­lic-Gerä­te in ver­gleich­ba­rer Aus­bau­stu­fe ran­gie­ren deut­lich drü­ber. Cam­bridge Audio EVO 150 ist etwas güns­ti­ger, hat aber eine ein­ge­bau­te End­stu­fe und einen ande­ren Anwendungsfall.

Der Ever­So­lo DMP-A10 hat wenig direk­ten Wett­be­werb bei die­sem Preis mit die­sem Funk­ti­ons­um­fang. Das ist sein stärks­tes Argument.

Preis und Verfügbarkeit

Der Ever­So­lo DMP-A10 ist in Deutsch­land ab Ende 2024 ver­füg­bar, unver­bind­li­che Preis­emp­feh­lung liegt bei 3.780 Euro. Kon­fi­gu­ra­tio­nen mit vor­in­stal­lier­ten M.2‑SSDs (2 TB, 4 TB, 8 TB) sind gegen Auf­preis erhält­lich. Im regu­lä­ren deut­schen Fach­han­del und direkt über eversolo.de bestellbar.

Einordnung

Der Ever­So­lo DMP-A10 ist der kon­se­quen­tes­te Schritt, den die Mar­ke bis­her gemacht hat. Ob er klang­lich so viel bes­ser ist als der A8, lässt sich ohne direk­ten Ver­gleichs­hö­ren nicht seri­ös beur­tei­len. Was sich sagen lässt: Die tech­ni­sche Basis ist sub­stan­zi­ell bes­ser, der Funk­ti­ons­um­fang rea­ler und nicht nur auf dem Papier, und der Preis ist für das Gebo­te­ne nicht dreist. Wer ein voll­stän­di­ges Quell­ge­rät plus Vor­ver­stär­ker in einer Kis­te sucht und sich kei­ne sepa­ra­ten Kom­po­nen­ten ins Set­up holen will, hat hier eine ernst­haf­te Option.

Die eigent­li­che Fra­ge ist: Klingt das R‑2R-Volu­men­rad und das OCXO-Sys­tem in der Pra­xis so, wie es auf dem Daten­blatt ver­spricht? Das wer­den Hör­tests zei­gen müs­sen. Bis dahin: Abwarten.

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