LAiV Audio aus Singapur hat mit der LAiV Harmony GaNM eine eigene Endstufe im Programm – und zwar gleich als Monoblock-Duo, das man auf den ersten Blick komplett unterschätzt. Jeder Block misst gerade mal 128 x 260 x 119 Millimeter (zuzüglich 25 Millimeter Spikes), wiegt 3,9 Kilo, sieht aus wie ein edles Designobjekt und hat trotzdem 200 Watt pro Kanal unter der Haube. Genau dieser Kontrast zwischen kompaktem Format und ordentlich Bums macht das Ding interessant. Nach DAC, Kopfhörerverstärker und diversen kleinen Digitalkisten schließt der Hersteller mit ihr die Lücke zur kompletten Kette.
Die letzte fehlende Komponente
LAiV gibt es seit 2023, gegründet von Weng Fai Hoh, einem Ingenieur mit Background in Industrieautomation, der vorher für mehrere DAC-Hersteller als Vertretung im Westen unterwegs war. Seit September 2024 baut die Firma ihre Harmony-Serie aus: erst der Harmony DAC, dann der HP2A als Kopfhörerverstärker und Vorstufe in einem, dazu kleinere Digital-Wandler wie den Harmony µDAC, den wir uns hier schon genauer angeschaut haben, sowie µDDC. Zuletzt kam mit dem Harmony DAC 2 auch das digitale Flaggschiff dazu. Was bis dahin fehlte, war die Endstufe. Der LAiV Harmony GaNM schließt diese Lücke und macht aus der Harmony-Reihe eine vollständige Kette von der Quelle bis zum Lautsprecher.
Die Positionierung ist eindeutig: kein Einsteigergerät, sondern das teuerste Produkt im LAiV-Portfolio, gedacht als Ergänzung zum Rest der Serie. Optisch ist das Ding auf Stapelbarkeit getrimmt – gleicher Footprint wie DAC und HP2A, gleiche Frontplatten-Sprache, gleiche goldene Akzente. Wer schon Harmony-Geräte besitzt, für den ist der LAiV Harmony GaNM der logische nächste Schritt. Wer nicht, kann trotzdem einsteigen, muss aber wissen: Die Endstufe hat ausschließlich einen XLR-Eingang. Cinch gibt es nicht. Wer noch unsymmetrisch unterwegs ist, braucht einen Adapter oder eine andere Vorstufe.





GaN, Class D und ein Netzteil mit Ambitionen
Technisch ist der LAiV Harmony GaNM ein Class-D-Monoblock auf Basis von Gallium-Nitrid-FETs von Infineon. Der Vorteil von GaN gegenüber klassischem Silizium liegt in der Schaltgeschwindigkeit: weniger Schaltverluste, geringere Verzerrung, kühlerer Betrieb. Das ist kein LAiV-Alleinstellungsmerkmal – AGD Productions hat GaN-Transistoren vor einigen Jahren erstmals in den Hi-Fi-Bereich gebracht, mittlerweile arbeiten mehrere Hersteller damit. LAiV reiht sich hier ein.
Laut Herstellerangabe liefert jeder Monoblock 200 Watt an 8 Ohm und 400 Watt an 4 Ohm, vollsymmetrisch aufgebaut. Der Dämpfungsfaktor liegt bei 500 (1 kHz, 8 Ohm), der Klirrfaktor bei unter 0,8 Prozent bei Vollaussteuerung. Fremdspannungsabstand und Dynamikumfang gibt LAiV mit jeweils mindestens 95 dB an, gemessen mit einem Audio Precision APx Analyzer bei 1 kHz und A‑Bewertung. Das sind ordentliche, aber keine Rekordwerte. Ob sich das im Hörraum bemerkbar macht, ist eine andere Frage. Auf dem Papier ist die Endstufe solide, nicht mehr und nicht weniger.
Das Netzteil ist der eigentliche Aufwandstreiber hier. LAiV verbaut den NXP TEA2017AAT-Controller, der Power Factor Correction und LLC-Resonanzwandlung in einem einzigen SO16-Chip vereint – weniger externe Bauteile, weniger potenzielle Störquellen. Dazu kommen Infineon-CoolSiC-MOSFETs aus Siliziumkarbid und Rubycon-Elkos aus Japan. Der weite Eingangsspannungsbereich von 100 bis 260 VAC macht die Kiste weltweit einsetzbar, die Standby-Leistungsaufnahme von unter 0,3 Watt ist zeitgemäß knapp.


Technische Daten LAiV Harmony GaNM
| Kategorie | Wert |
|---|---|
| Bauform | Mono-Endstufe, Class D, GaN-Transistoren |
| Leistung | 200 W an 8 Ω / 400 W an 4 Ω |
| Topologie | vollsymmetrisch |
| Eingang | 1x XLR, ca. 94 kΩ |
| Eingangsempfindlichkeit | 1,4 Vrms |
| Verstärkung (Gain) | 29 dB |
| Ausgänge | 4‑mm-Bananenbuchsen |
| Dämpfungsfaktor | 500 (1 kHz, 8 Ω) |
| Frequenzgang | 20 Hz – 22 kHz, ±3 dB |
| Klirrfaktor (THD+N) | < 0,8 % bei max. 200 W / 8 Ω |
| Fremdspannungsabstand (SNR) | ≥ 95 dB |
| Dynamikumfang | ≥ 95 dB |
| Netzteil | Custom-SMPS, NXP TEA2017AAT-Controller, Infineon-CoolSiC-MOSFETs, Rubycon-Elkos |
| Netzspannung | 100–260 VAC, 50/60 Hz |
| Leistungsaufnahme | ≤ 0,3 W Standby / ≤ 250 W max. |
| Sicherung | 5 A, träge, 5×20 mm |
| Display | 3,83″ OLED, 320×132 Pixel, 16-Bit-Graustufen |
| Abmessungen (B×T×H) | 128 × 260 × 119 mm (zzgl. 25 mm Spikes) |
| Gewicht | 3,9 kg pro Block |
| Ausführungen | Schwarz/Gold, Silber/Gold |
| Garantie | 24 Monate |
| Preis | 4.494 US-Dollar zzgl. Steuern / 5.129 Euro pro Paar |






Klein, aber mit Ansage
Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal der LAiV Harmony GaNM ist genau dieser Kontrast: Jeder Monoblock bringt es auf 128 x 260 x 119 Millimeter und 3,9 Kilogramm, liefert aber 200 Watt sauberer Leistung ohne externes Netzteil. Klassische Class-AB-Monoblöcke dieser Leistungsklasse wiegen locker das Zehnfache und brauchen eigene Regalbretter. Hier steht stattdessen ein Paar edel gefräster Alu-Klötzchen im Rack, kaum größer als ein dickes Buch, die man auf den ersten Blick eher für Deko hält – bis man sie an anspruchsvolle Lautsprecher hängt. Wer wenig Platz hat, wer einfach keine Lust auf Kühlkörper-Monster hat, oder wer schlicht kleine Geräte mit dickem Bums sucht, bekommt hier eine ernstzunehmende Option. Sleak und klein ist eben manchmal einfach geil, und der LAiV Harmony GaNM spielt genau mit diesem Überraschungseffekt.
Vorne sitzt ein 3,83-Zoll-OLED-Display mit 320×132 Pixeln, das ein digitales VU-Meter anzeigt und sich über einen einzigen Knopf bedienen lässt – kurzer Druck zum Durchblättern des Menüs, langer Druck zum Bestätigen oder für den Standby. Hinten gibt es 12-Volt-Trigger-Ein- und Ausgänge für die Systemsteuerung sowie eine Erdungsoption gegen Brummschleifen. Das ist kein revolutionäres Feature-Set, aber durchdacht umgesetzt, und die LED-Kennzeichnung für Links-Rechts-Kanal ist ein netter Kniff für alle, die zwei baugleiche Kisten im Rack verwechseln könnten.
Wo sich die LAiV Harmony GaNM einordnet
Im Preisvergleich trifft der LAiV Harmony GaNM auf den Burson Timekeeper GT4, den ich in unserem Test des Burson Audio Timekeeper GT4 ausführlich gehört und eingeordnet habe und der nach wie vor bei mir im Rack steht. Burson bietet ihn wahlweise mit dem regulären Super-Charger-Netzteil für 3.999 US-Dollar oder im Max-Paket mit der Fusion Core für 4.999 US-Dollar an, und nur die Fusion Core arbeitet tatsächlich mit Gallium-Nitrid-Transistoren im Netzteil. Die Verstärkerstufe selbst läuft bei beiden Paketen identisch: ein Class‑A/AB-Hybrid mit Exicon-MOSFETs, der bis etwa 30 Watt in reinem Class‑A arbeitet und danach in Class-AB übergeht.
Damit stehen sich zwei grundverschiedene Philosophien gegenüber, die trotzdem verblüffend nah beieinander liegen. Der LAiV setzt GaN direkt in der Verstärkerstufe als Class-D-Schalttransistor ein, der Burson GT4 nutzt GaN nur zur Stromversorgung und bleibt in der Verstärkung beim klassischen, Class-A-lastigen Hybridkonzept. Preislich liegen beide im Max-Paket praktisch auf Augenhöhe, von der Leistung her ebenfalls: 200 Watt an 8 Ohm bei der LAiV, 100 Watt an 8 Ohm respektive 200 Watt an 4 Ohm beim GT4. Der GT4 bleibt dabei ein klassischer, ordentlich dimensionierter Monoblock, während der LAiV Harmony GaNM mit ihrem kompakten Format nochmal eine ganz andere Nummer fährt.
Nach oben hin steht der Vergleich mit den Benchmark AHB2 Monoblöcken im Raum, die knapp 7.000 US-Dollar für das Paar kosten und als extrem linear und messtechnisch nüchtern bekannt sind. Wer auf der reinen GaN-Class-D-Schiene bleiben will, landet außerdem bei AGD Productions, die als Pioniere der Technologie gelten, preislich aber in einer anderen Liga spielen. Am unteren Ende der Skala liegen DIY-Monoblöcke auf Basis des Hypex Nilai500, die ich aktuell ebenfalls im Test habe: rund 999 Euro pro Modul-Satz aus Nilai500DIY-Verstärker und PS500DIY-Netzteil, macht knapp 2.000 Euro für ein Monoblock-Paar plus Eigenbau-Gehäuse. Kein GaN, klassische Class-D-Schalttransistoren aus Silizium, dafür in der DIY-Szene hoch angesehen und preislich in einer völlig anderen Welt als die Singapur-Monoblöcke.
Preis und Verfügbarkeit
Der LAiV Harmony GaNM ist für 4.494 US-Dollar zuzüglich Steuern pro Paar gelistet, in Europa mit 5.129 Euro angegeben. Farblich gibt es zwei Varianten:
Schwarz mit goldenen Akzenten und gebürstetem Aluminium-Gehäuse.
Silber mit goldenen Akzenten, gleiches Chassis, andere Eloxierung.
Im Lieferumfang stecken neben den zwei Monoblöcken ein Echtheitszertifikat, sechs Spike-Füße mit Ausrichtungskarte, zwei Netzkabel und ein Reinigungstuch – das übliche LAiV-Unboxing-Theater, das die Marke sich mittlerweile zum Markenzeichen gemacht hat. Die Garantie liegt bei 24 Monaten.
Ein Statement, kein Kompromiss
Der LAiV Harmony GaNM ist kein Gerät für Leute, die eine günstige Einsteiger-Endstufe suchen. Dafür ist der Preis zu hoch angesetzt und der Only-XLR-Eingang zu kompromisslos gewählt. Interessant wird sie für alle, die bereits im Harmony-Ökosystem stecken, oder einfach für Leute, die kleine Geräte mit dickem Bums suchen. Denn sleak und klein ist manchmal einfach geil, gerade wenn man nicht sein ganzes Wohnzimmer mit Kühlkörper-Monstern zustellen will. Ob die versprochene Musikalität den Braten wirklich fett macht oder ob hier am Ende doch nur ein weiterer solider GaN-Class-D-Verstärker mit gutem Marketing steht, lässt sich aus der Ferne nicht abschließend beantworten. Wer zwischen kompakter GaN-Power und klassischer Class-AB-Wucht schwankt, sollte sich vor dem Kauf zumindest fragen, wie viel Headroom er wirklich braucht – und wie viel Regalfläche er sparen will.
Häufige Fragen zur LAiV Harmony GaNM
Wie viel Leistung liefert der LAiV Harmony GaNM?
Jeder Monoblock liefert laut Hersteller 200 Watt an 8 Ohm und 400 Watt an 4 Ohm im vollsymmetrischen Betrieb.
Hat der LAiV Harmony GaNM einen Cinch-Eingang?
Nein, ausschließlich ein symmetrischer XLR-Eingang.
Was kostet der LAiV Harmony GaNM?
Der Preis liegt bei 4.494 US-Dollar zuzüglich Steuern beziehungsweise 5.129 Euro für das Paar in Europa.
Wie groß und wie schwer ist der LAiV Harmony GaNM?
Ein LAiV Harmony GaNM misst 128 x 260 x 119 Millimeter zuzüglich 25 Millimeter für die Spikes und wiegt 3,9 Kilogramm.
Welche Gallium-Nitrid-Technologie steckt in der LAiV Harmony GaNM?
Die Verstärkerstufe nutzt GaN-FETs von Infineon in Class-D-Topologie, das Netzteil setzt zusätzlich auf Infineon-CoolSiC-MOSFETs aus Siliziumkarbid.
Ist die LAiV Harmony GaNM Teil eines größeren Systems?
Ja, sie ergänzt die Harmony-Serie von LAiV Audio, zu der auch Harmony DAC, HP2A, µDAC und Harmony DAC 2 gehören, und teilt mit ihnen Footprint und Designsprache.
Wie lange ist die Garantie?
LAiV gewährt 24 Monate Garantie auf die LAiV Harmony GaNM.
