Ein Kopfhörerverstärker, der in Rot kommt, motorisierte Lautstärkeregelung hat und nach Mastering-Studio riecht – mitten auf dem HiFi-Rack. Das ist der SPL Phonitor xe. Nicht der neueste seiner Art, nicht der günstigste, und mit einem Funktionsumfang, der vielleicht nicht für jeden gleich relevant ist. Aber ein Gerät, das einen Ruf hat, den es sich über Jahre ehrlich erarbeitet hat.
Warum ich ihn trotzdem reviewe, obwohl er inzwischen ein paar Jahre auf dem Buckel hat? Weil er hier im Setup stand, weil er einige Dinge kann, die kein anderes Gerät in dieser Preisklasse so macht – und weil ehrliche Einordnungen auch für ältere Geräte ihren Wert haben.
Disclaimer: Den SPL Phonitor xe habe ich vom deutschen Vertrieb kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Es gibt keine Einflussnahme auf meinen Testaufbau oder mein Urteil. Als unabhängiger Blog sind wir an keine kommerziellen Beziehungen gebunden, die unsere Meinung verfälschen könnten.
Lieber schauen als lesen?
Wer lieber schaut als liest – hier ist das passende Video zum Review. Alle Höreindrücke, der direkte Amp-Vergleich und mein Fazit nochmal in Bewegtbild. Wer beides will: das Video für den schnellen Überblick, der Artikel für alle Details, Specs und die FAQ.
SPL – Sound Performance Lab, Niederkrüchten
SPL steht für Sound Performance Lab und kommt nicht aus Fernost, nicht aus Skandinavien, sondern aus Niederkrüchten am Niederrhein. Seit 1983 baut SPL Audiogeräte: Mastering-Consoles, Kompressoren, Transient-Designer – Profi-Ausrüstung, die in echten Tonstudios steht und gearbeitet hat. Die Professional-Fidelity-Serie, zu der der SPL Phonitor xe gehört, ist der Versuch, diese Studio-DNA in Heimgeräte zu übersetzen. Ohne Lifestyle-Blenderei, ohne Chip-Wettbewerb. Einfach Handwerk.
SPL produziert in Eigenregie in Deutschland. Das merkt man – nicht als Marketing-Phrase, sondern sobald man das Gerät anfasst.
Die Phonitor-Produktfamilie umfasst mehrere Modelle, die sich im Wesentlichen in Funktionsumfang und Anschlüssen unterscheiden:
- Phonitor se – Einstieg in die Professional-Fidelity-Welt, single-ended only, vereinfachte Matrix
- Phonitor x – Vorverstärker + Kopfhörerverstärker, XLR-Out für Endstufen, volle Matrix
- Phonitor xe – Reiner Kopfhörerverstärker, volle Matrix, optionaler DAC768v2, kein Preamp-Ausgang
Der SPL Phonitor xe ist also das Flaggschiff für alle, die ausschließlich Kopfhörer hören und dafür keinen Millimeter Kompromiss eingehen wollen.
Unboxing & Lieferumfang
Schlicht verpackt. Ein Karton, ein Aufkleber mit der genauen Konfiguration – Farbe und ob DAC-Modul enthalten. Drinnen: Netzkabel, Bedienungsanleitung mit ausführlicher Erklärung der Phonitor Matrix, Garantiekarte. Kein Schnickschnack, keine Inszenierung. Das Gerät selbst ist gut geschützt und kommt ohne Schäden an – das Wichtigste.
Design, Verarbeitung & Aufstellung
5,1 kg, 278 × 100 × 300 mm, Aluminium, Rot. Das ist der erste Eindruck. Und er ist gut.
Das Gehäuse ist solide wie ein Werkzeug, das für den Einsatz in Tonstudios konzipiert wurde – weil es genau das ist. Keine Spaltmaße, keine scharfen Kanten, saubere Anschlusspositionen. Alle Schalter rasten sauber und definiert ein. Der große Lautstärkeregler – 45 mm, aus dem Vollen gefräst, auf einem Alps RK27 „Big Blue” Potentiometer – hat das, was Kenner gerne „Löffel in Honig”-Feeling nennen. Widerstand, der sich gleichmäßig und butterweich anfühlt. Man dreht und dreht und hört auf zu denken.
Auf der Front sitzen zwei analoge VU-Meter, dreifach umschaltbar in der Empfindlichkeit. Ja, das ist ein Gimmick. Ja, man schaut trotzdem ständig hin. Ich sage das nicht als Kritik – bei einem Gerät dieser Klasse darf ein bisschen Theater auf der Front sein. Und es sieht schlicht gut aus. Das rote Markier-LED am Lautstärkeregler hilft auch in gedimmter Umgebung bei der Orientierung.
Drei Farboptionen stehen zur Wahl: Silber, Schwarz, Rot. Schwarz ist das Standardbürogerät. Rot ist die Ansage. Ich mag Rot.
Das Design ist dabei schwer einzuordnen – retro-futuristisch trifft es vielleicht am besten. Der SPL Phonitor xe gehört nicht nur in irgendwelche Altherren-HiFi-Zimmer, sondern macht auch auf einem modernen Schreibtisch eine gute Figur. Er sieht einfach cool aus. Und er unterstreicht halt auch ein bisschen die Professionalität dessen, was man da vor sich hat.
Eine Sache, die nicht sofort auffällt, aber im Alltag Freude macht: Der Lautstärkeregler ist motorisiert und IR-fernbedienbar – mit jeder beliebigen Infrarot-Fernbedienung. Hinter einem der VU-Meter befindet ein kleiner IR-Empfänger. Einmal anlernen via Knopf auf der Rückseite, zwei Tasten einer beliebigen Fernbedienung zuweisen – fertig. Ich habe das mit der Fernbedienung des Burson Conductor GT4 gemacht. Seitdem regele ich den SPL Phonitor xe vom Hörplatz aus, ohne aufzustehen. Das klingt banal. Im Alltag ist es einer dieser Momente, bei denen man sich fragt, warum das nicht jedes Gerät kann.
Anschlüsse & Konnektivität
Kopfhörer-Ausgänge
Einer der praktischsten Aspekte des SPL Phonitor xe: Kopfhörerausgänge sowohl vorne als auch hinten – jeweils eine 6,35-mm-Klinke und ein 4‑pol XLR (symmetrisch). Umgeschaltet wird per Schalter auf der Front (F/R). Wer seinen Lieblingskopfhörer dauerhaft hinten angeschlossen lässt, hat vorne freie Bahn. Oder man nutzt es für schnellen Kopfhörer-Vergleich ohne Umstecken. Durchdacht.
Was fehlt: 4,4‑mm-Pentaconn. Das ist 2019 noch kein Standard gewesen, heute schmerzlicher. Wer moderne ausgewachsene Kopfhörer mit 4,4‑mm-Kabel hat, braucht einen Adapter.
Analoge Eingänge
- XLR symmetrisch
- RCA / Cinch unsymmetrisch
Digitale Eingänge (mit optionalem DAC768v2)
- USB (asynchron, bis 32 Bit / 768 kHz PCM, DSD256)
- Coax S/PDIF (bis 192 kHz)
- Toslink (optisch, bis 96 kHz)
- AES/EBU
Damit lassen sich bis zu sechs Stereo-Quellen gleichzeitig anschließen, umgeschaltet per Source-Drehschalter auf der Front. Kein Bluetooth, kein Streaming – SPL baut Werkzeuge, keine Multimediaboxen.
Praxis-Tipp: Wer den SPL Phonitor xe mit einem Eversolo DMP-A6 oder ähnlichem Streamer kombiniert, sollte Coax S/PDIF gegenüber Toslink bevorzugen – Coax ermöglicht höhere Auflösungen und ist die sauberere Verbindung. Im Test lief der SPL Phonitor xe via USB‑C am MacBook Pro M4 Max problemlos und klaglos – asynchrones USB-Audio funktioniert hier tadellos, kein Treiber nötig.
DIP-Schalter (Geräteunterseite)
Zwei DIP-Schalter, die man kennen muss:
- Schalter 1: Kopfhörer-Gain +22 dB – für schwer anzutreibende Kopfhörer
- Schalter 2: RCA-Eingang zwischen −10 dBV (HiFi-Pegel) und 0 dBu (Studio-Pegel)
Der Haken: Diese Schalter sitzen auf der Geräteunterseite hinter einer kleinen Öffnung. Wer regelmäßig zwischen sehr empfindlichen IEMs und hochohmigen Planaren wechselt, muss das Gerät anheben. Das ist die einzige wirklich umständliche Stelle am SPL Phonitor xe – und sie fällt auf, weil sonst alles so durchdacht ist.





Technik: VOLTAiR und der DAC768v2
VOLTAiR-Technologie (120V)
Das ist das technische Herzstück aller Professional-Fidelity-Geräte von SPL – und das, was den SPL Phonitor xe von der üblichen IC-Konkurrenz unterscheidet. Standard- Operationsverstärker arbeiten mit ±12–15 V. SPL entwickelt eigene SUPRA-OpAmps, die mit ±60 V (120 V Gesamtspannung) betrieben werden – viermal mehr als üblich.
Was das in der Praxis bedeutet: mehr Headroom. SPL gibt eine Eingangstoleranz von bis zu +32,5 dBu an. Signalspitzen, die normalen Schaltungen Stress bereiten, verarbeitet der SPL Phonitor xe ohne zu zucken. Das Resultat ist das, was alle Reviews übereinstimmend beschreiben – und was ich aus meiner Session bestätigen kann: ein entspanntes, natürliches Klangbild ohne die typische Anspannung, die man bei günstigeren IC-Lösungen kennt. Nicht wärmer, nicht weicher – einfach ruhiger.
DAC768v2 – Das optionale DAC-Modul
Das nachrüstbare DAC-Modul ist kein Nachrüst-Kompromiss, sondern von SPL als vollwertiger Referenz-Wandler entwickelt. Drei Komponenten machen es aus:
AKM AK4493 SEQ Velvet Sound: Bewährter Premium-Chip von Asahi Kasei. Es gibt inzwischen neuere AKM-Flaggschiffe – der AK4499EX im Eversolo DMP-A8 zum Beispiel. Der AK4493 SEQ ist aber kein schlechter Chip, sondern ein gut implementierter. Und Chip-Jahrgang und Klang sind zwei Paar Schuhe.
Spartan 7 FPGA: Programmierbare Logik für die Digitalverarbeitung. Mehr Flexibilität in der Umsetzung als starre IC-Lösungen.
SLP120 – Super Low-Pass-Filter mit VOLTAiR: Jeder DAC-Chip braucht nach der Digital-Analog-Wandlung einen Rekonstruktionsfilter. Was SPL hier anders macht: Dieser Filter ist nicht mit Standard-ICs gebaut, sondern in VOLTAiR-Technologie realisiert. Der SLP120 soll damit denselben Headroom wie der Rest der Signalkette bieten – und nicht zum Flaschenhals werden.
Technische Daten
| Spezifikation | Wert |
|---|---|
| Verstärker | |
| Interne Betriebsspannung (VOLTAiR) | ±60 V DC (120 V Audio Rail) |
| Max. Eingangspegel | +32,5 dBu |
| Frequenzgang | 10 Hz – 300 kHz (−3 dB) |
| Klirrfaktor (THD) | 0,00082 % @ 0 dBu, 1 kHz |
| Übersprechen | −90 dB @ 1 kHz |
| Dynamikumfang (symmetrisch) | 130,5 dB |
| Dynamikumfang (Single-Ended) | 135,5 dB |
| Ausgangsimpedanz (XLR balanced) | 0,36 Ohm |
| Ausgangsimpedanz (6,35 mm) | 0,18 Ohm |
| Dämpfungsfaktor | 180 @ 40 Ohm |
| Ausgangsleistung (unbalanced) | |
| 2 × bei 600 Ohm | 1 W |
| 2 × bei 300 Ohm | 2 W |
| 2 × bei 120 Ohm | 3,7 W |
| 2 × bei 47 Ohm | 2,9 W |
| 2 × bei 32 Ohm | 2,7 W |
| Ausgangsleistung (balanced) | |
| 2 × bei 600 Ohm | 4,4 W |
| 2 × bei 300 Ohm | 9 W |
| 2 × bei 150 Ohm | 7,4 W |
| 2 × bei 47 Ohm | 6,2 W |
| DAC768v2 (optional) | |
| DAC-Chip | AKM AK4493 SEQ Velvet Sound |
| FPGA | Xilinx Spartan 7 |
| PCM (USB) | bis 32 Bit / 768 kHz |
| PCM (Coax / AES) | bis 192 kHz |
| PCM (Toslink) | bis 96 kHz |
| DSD | bis DSD256 (DoP) |
| Allgemein | |
| Netzspannung | 230 V AC / 50 Hz (schaltbar auf 115 V) |
| Leistungsaufnahme | max. 40 VA |
| Standby-Verbrauch | 0,7 W |
| Abmessungen (B × H × T, inkl. Füße) | 278 × 100 × 330 mm |
| Gewicht | 5,1 kg |
| Farben | Schwarz / Silber / Rot |
| Herstellung | Made in Germany (Niederkrüchten, NRW) |
Die Phonitor Matrix
Das ist das Alleinstellungsmerkmal. Das, worüber man reden muss.
Das Grundproblem beim Kopfhörerhören: Musik wird für Lautsprecher produziert. Am Lautsprecher hört das linke Ohr nicht nur den linken Kanal, sondern auch – leicht verzögert und pegelreduziert – den rechten. Dieser natürliche Crossfeed fehlt beim Kopfhörer komplett. Das Ergebnis: Die Bühne sitzt im Kopf, alles wirkt hyperbreit und unnatürlich. Das Gehirn kompensiert das – und ermüdet.
Die Phonitor Matrix korrigiert das analog, mit zwei Parametern:
Crossfeed (6 Stufen, Min bis Max): Steuert, wie viel Kreuzungssignal vom anderen Kanal eingemischt wird. Vergleichbar mit unterschiedlichen Raumgrößen und ‑charakteren.
Angle (4 Stufen: 22° / 30° / 40° / 55°): Simuliert den Öffnungswinkel des gedachten Lautsprecherpaars. 22° = enges Nearfield-Setup, 55° = breite Abhörposition.
Dazu kommt der Mode-Schalter: Stereo, Mono, und Laterality. Letzteres aktiviert eine feinstufige Kanalbalance-Korrektur – nützlich bei leichten Hörasymmetrien oder unausgewogenen Signalen.
Ein ehrlicher Hinweis, den ich nicht verschweige: Die Matrix ist keine Wunderkiste. Crossfeed reduziert die Bühnenbreite spürbar – das ist beabsichtigt, nicht ein Fehler. Das Ziel ist korrektere Lokalisierung, nicht maximale Breite. Ich persönlich trenne Kopfhörer und Lautsprecher bewusst als unterschiedliche Erlebnisse – und höre den SPL Phonitor xe überwiegend ohne Matrix.
Ich erkenne aber vollständig an, dass es Hörer gibt, für die die Matrix das entscheidende Feature ist: Wer abends mit Kopfhörern hört, weil die Wände dünn sind oder die Nachbarn keine Arendal-Tower-Sessions mögen, und sich dabei trotzdem ein räumliches Lautsprecher-Erlebnis wünscht – für den ist das kein Gimmick, sondern echtes Werkzeug. Wer also genau dieses Feature sucht, sollte den SPL Phonitor xe auf jeden Fall auf seiner Shortlist haben und irgendwo mal ausprobieren.



Klang & Höreindrücke
Testkette: MacBook Pro M4 Max (Qobuz) via USB‑C / Eversolo DMP-A6 via Coax S/PDIF → SPL Phonitor xe (DAC768v2 aktiv) → Kopfhörer via 4‑pol XLR balanced
Kopfhörer: Hifiman Sundara, Verum 2, OMNE Audio Hendeka, Audeze LCD‑X
Vergleichsverstärker: Burson Soloist Stellar Max
Hinweis: Ein direkter A/B‑Vergleich mit dem Burson Conductor GT4 Deluxe war geplant, fiel aber aus – der GT4 hat aktuell einen Defekt, das Ersatzteil ist unterwegs. Der Vergleich beschränkt sich daher auf SPL Phonitor xe vs. Soloist Stellar Max.
Ich habe bewusst alle Kopfhörer über den 4‑pol-XLR-Ausgang betrieben – das ist der Weg, wie man einem Gerät dieser Klasse gerecht wird. Single-Ended ist hier nicht die Antwort auf die Frage.
Sleep Token – „Granite”

Ein Track, der vom SPL Phonitor xe sofort fordert: ruhige Strophen mit feinen Details, dann ein Klimax bei 2:30 der keine Gnade kennt.
Hifiman Sundara: Der Sundara macht am SPL Phonitor xe das, was er halt so macht – er versucht es wirklich. Der Bass ist trocken, die Räumlichkeit für seinen Preispunkt überraschend gut, und die feinen Becken-Texturen löst er anständig auf. Aber Wärme sucht man vergebens, und wenn bei 2:39 die Flut kommt, fehlt einfach der Druck. Gefühlt fünfzig Prozent dessen, was in dem Track steckt. Für zweihundert Euro trotzdem respektabel – aber wer Granite so hört, wie es gemeint ist, braucht mehr Kopfhörer.
Verum 2: Und da ist er. Sofortiger Qualitätssprung in allen Belangen. Der Bass brummt schön definiert vor sich hin, ohne aufzuquellen. Die Räumlichkeit ist mehrere Klassen besser – Matties Gesang landet direkt auf dem Ohr, fast physisch präsent. Dieses leise „Tick tick tick” der Hi-Hat in der Strophe, das beim Sundara kaum hörbar war, steht jetzt klar und räumlich verortbar im Raum. Bei 2:39 dann – andere Welt. Der SPL Phonitor xe zeigt hier, was er kann: er schönfärbt nichts, er schiebt nichts nach vorne, was nicht da ist. Er bildet ab. Und die Verum 2 ist dankbar dafür.
OMNE Audio Hendeka: Wärmer. Deutlich wärmer. Die Bassdrum drückt mehr, satter und trockener als beim Planar – da ist was Physisches dran, was ein Planar halt nicht kann. Die Becken treten zurück, die Stimmen sind angenehmer aber auch weniger direkt. Ein leichtes Zischen in den Höhen bei hohen Pegeln fällt auf. Der Gesamtcharakter geht klar Richtung Live-Sound – Instrumente leicht gegenüber der Stimme hervorgehoben. Ob das am Hendeka selbst liegt oder an seinem Tuning-Profil: das ist seine Handschrift, der SPL Phonitor xe zeigt sie ungefiltert. Wer entspannter hören will, ist hier richtig.
Audeze LCD‑X: Lauter als die anderen – die Sensitivity macht sich bemerkbar. Aber dann: die Produktion liegt offen. Man hört, dass der Reverb künstlich ist. Man hört das Schnarren der Saiten. Man hört den Raum, in dem aufgenommen wurde. Der LCD‑X legt die Mischung auseinander wie ein Skalpell, und der SPL Phonitor xe liefert dazu das passende Licht. Höhen schärfer als bei allen anderen, Gesang am präsentesten, Auflösung nochmal eine Runde besser. Das Klangbild wirkt einen Tick anstrengender als beim OMNE – aber wenn man wissen will, was wirklich in einem Track steckt, ist das die Kombination.
Knocked Loose – „Everything Is Quiet Now”

Bryan Garris. Breakdown. Finger über Saiten. Alles was man braucht, um einen Kopfhörerverstärker in die Knie zu zwingen.
Hifiman Sundara: Der Anfang dieses Tracks – das komplexe Gewirr aus Gitarren, Drums und Noise – kommt beim Sundara als Matsch. Nicht katastrophal, aber hörbar unkontrolliert. Bryan Garris tritt zu weit zurück. Das Finger-Quietschen über die Saiten am Ende? Da. Aber so leise und so weit weg, dass es fast nichts ausmacht. Der Sundara macht weniger aus dem Lied als es ist.
Verum 2: Bam. Da ist er wieder. Sofort mehr Bass-Präsenz, sofort mehr Räumlichkeit. Kick links, Becken rechts – klar verortbar, macht Splash wie es soll. Der Chorus reißt einen von den Socken – physisch, direkt, keine Kompromisse. Und am Ende, wenn die E‑Gitarren aufhören und nur noch das Verstärker-Rauschen bleibt, wenn der Finger über die Saite fährt und dieses rohe, dreckige Quietschen entsteht: Gänsehaut. Klingt wie live. Unaufpoliert. Genau richtig. Das ist der Moment, für den man solche Ketten baut.
OMNE Audio Hendeka: Dunkler. Bryan Garris tritt zurück – nicht dramatisch, aber spürbar. Die Becken sind weich und weit hinten. Dafür ballert die Bassdrum mehr als bei der Verum 2, das Gong-Gefühl ist sofort da. Das Finger-Quietschen? Super hoch aufgelöst, aber räumlich weiter weg. Der Gesamtsound ist wohlwollender, bekömmlicher – Sessel-abgestimmt trifft es eigentlich ganz gut. Für Dauerhören angenehmer, für Metal-Analyse weniger geeignet.
Audeze LCD‑X: Eindringlichster Bryan Garris der Runde. Kein Pardon, kein Zurücktreten – er ist vorne und bleibt da. Die Auflösung ist nochmal besser als bei der Verum 2, das Drumherum des Mixes öffnet sich weiter. Die Dreckigkeit des Verstärker-Rauschens am Ende ist on top getrieben, maximal hörbar. Bass zurückhaltender als beim OMNE oder der Verum 2 – aber wer den LCD‑X wegen Bass kauft, hat ihn falsch eingeordnet. Das ist ein Analyse-Werkzeug, kein Bauchkitzler.
Sleep Token – „The Summoning” / Orbit Culture – „Inside the Waves”
Zwei weitere Tracks, primär für den Amp-Vergleich genutzt.
Bei „The Summoning” fällt auf: Der SPL Phonitor xe ist eine kleine Ecke dumpfer als der Soloist Stellar Max. Die Becken stehen einen Tick weiter hinten, sind nicht ganz so bright. Im Alltagshören würde das niemandem auffallen – im direkten A/B ist es hörbar.
Bei Orbit Culture „Inside the Waves” bestätigt sich das Bild. Die Stimmen am Anfang sind auf dem Stellar Max klarer, die Höhen deutlich klarer, das Gesamtbild homogener. Das ist keine dramatische Aussage – es ist ein Hauch. Aber er ist da.
Amp-Vergleich: SPL Phonitor xe vs. Burson Soloist Stellar Max
Gleiches Material, gleiche Kopfhörer, direktes Umschalten.
Das Ergebnis ist eindeutig aber nicht brutal: Der Soloist Stellar Max ist eine kleine Ecke klarer, minimal neutraler, und holt einen Hauch mehr Detail raus. Verum 2, OMNE Audio Hendeka, LCD‑X – dasselbe Bild überall, auf jedem Track. Der Stellar gewinnt, aber nicht mit großem Abstand.
Der entscheidende Satz ist dieser: Ohne isolierten, direkten Vergleich hätte ich den Unterschied wahrscheinlich nicht gehört. Der SPL Phonitor xe macht seinen Job hervorragend. Er ist kein limitierender Faktor. Wer ihn kauft und keinen Burson daneben stehen hat, wird glücklich sein – und das vollkommen zu Recht.
Was die Gleichung interessant macht: Preislich liegen beide nahe beieinander, aber der Stellar Max hat keinen DAC. Wer keinen guten Standalone-DAC hat, zahlt für den SPL Phonitor xe mehr – bekommt dafür aber das Gesamtpaket inklusive DAC768v2 und Phonitor Matrix. Wer nur einen reinen Kopfhörerverstärker sucht, bekommt mit dem Stellar Max minimal mehr Klang für ähnliches Geld.


Kein Grundrauschen, kein Stress
Ein kurzer aber wichtiger Punkt: Andere Reviews haben das Thema Grundrauschen beim SPL Phonitor xe aufgegriffen. Ich kann das aus meiner Session nicht bestätigen – an keinem der vier Kopfhörer war ein wahrnehmbares Rauschen feststellbar. Weder am empfindlicheren OMNE noch am LCD‑X. Der SPL Phonitor xe arbeitet ruhig. Das ist das, was man bei einem Gerät dieser Klasse erwartet – und bekommt.
Klangcharakter – das Fazit
Der SPL Phonitor xe spielt neutral mit einer warmen Nuance. Kein Kopfhörer wird durch ihn extra warm gefärbt, kein Einfluss der das Klangbild negativ verändert. Der DAC768v2 ist gut auf den Amp abgestimmt, das Gesamtpaket sitzt. Und das Wichtigste: Wenn irgendwo Details fehlen, liegt es nicht am SPL – zumindest nicht in diesem Preissegment und mit diesem Kopfhörer-Setup. Wo Schwächen auftauchen, landen sie beim Kopfhörer. Das ist genau das, was man von einem Gerät dieser Klasse erwartet.
Praxis: Das Hörzimmer-Szenario
Der SPL Phonitor xe ist eigentlich kein reines Desktop-Gerät – er ist ein Wohnzimmer-Instrument. Die Vorstellung: Eversolo DMP-A6 als Streamer, Coax-Kabel zum Phonitor, Kopfhörer auf dem Ständer daneben, ein Sessel. Steuerung per Eversolo-App oder Qobuz/Roon Connect – und die motorisierte Lautstärkeregelung des Phonitor per IR-Remote vom Sessel aus. Kein Aufstehen, kein Rumfummeln. Das ist ein komplettes, elegantes Hörzimmer-Setup für unter 3.000 € mit Streamer. Einfach schön.


Einordnung & Wettbewerb
Der SPL Phonitor xe spielt in einem Segment, das kompromisslos und teuer ist.
Gegen den Burson Soloist Stellar Max (~2.300 €): Ähnliches Preisniveau wie der SPL Phonitor xe ohne DAC (2.179 €), genauso wie der Stellar. Im direkten A/B minimal klarer, homogener, etwas mehr Detail – aber der Unterschied wäre im Alltag ohne direkten Vergleich nicht aufgefallen. Wer das Gesamtpaket mit DAC und Phonitor Matrix sucht, liegt mit dem SPL richtig. Wer nur den besten reinen Amp für sein Geld will, schaut beim Stellar vorbei.
Gegen den Burson Conductor GT4 Deluxe: Fast 700 € mehr, DAC mit ESS Pro Chip, Vorverstärker-Ausgang. Ein direkter A/B‑Vergleich war in dieser Session nicht möglich – der GT4 hat einen temporären Defekt. Auf Basis täglicher Nutzung beider Geräte: der GT4 ist eine andere Kategorie, kein fairer Preisvergleich. Wer tiefer in die Burson Audio Welt einsteigen will, findet auf HiFiGeek alle bisherigen Reviews zur Marke.
Gegen den Ferrum OOR: In der Head-Fi-Community regelmäßig als Konkurrent genannt, mit anderem Klangcharakter und ohne Matrix-Funktionalität. Leider nicht zur Hand.
Zur Altersfrage: Der SPL Phonitor xe ist seit 2019 auf dem Markt. Für einen reinen Kopfhörerverstärker ist das weniger problematisch – Verstärkerschaltungen altern nicht wie DAC-Chips. Aber für das Paket aus Verstärker und DAC768v2 zahlt man heute viel Geld, und es gibt inzwischen Alternativen, die technisch frischer aufgestellt sind. Das rechtfertigt keinen Referenz-Award 2026 – auch wenn das Gerät genauso gut klingt wie am ersten Tag.
Fazit
Der SPL Phonitor xe ist kein Gerät, das man kauft, weil es das Neueste ist. Man kauft ihn, weil er eine Haltung verkörpert: Profi-Handwerk, keine Kompromisse bei Material und Schaltungstopologie, und ein Alleinstellungsmerkmal in Form der Phonitor Matrix, das kein anderer Hersteller in dieser Form anbietet.
Wer täglich zwischen Kopfhörern mit sehr unterschiedlichen Impedanzen wechselt und die Matrix nicht braucht, findet heute für ähnliches Geld frischere Hardware. Wer aber genau weiß, dass er einen transparenten, kontrollierten Kopfhörerverstärker sucht, der über Jahrzehnte funktioniert, und für den die Phonitor Matrix ein echtes Feature ist – der liegt mit dem SPL Phonitor xe immer noch richtig.
Ein Gerät für Leute, die wissen, was sie wollen. Die größte Käuferschaft 2026 ist wahrscheinlich genau die: kein Lautsprecher-Setup zu Hause, dafür der Wunsch nach echter Räumlichkeit über Kopfhörer. Für die ist die Phonitor Matrix kein Gimmick, sondern der Grund, warum sie sich genau dieses Gerät kaufen und kein anderes.
Was macht SPL als Nächstes? Das ist tatsächlich eine spannende Frage. Die Professional-Fidelity-Serie ist seit Jahren stabil, aber das Marktumfeld hat sich seit 2019 deutlich verändert. Es wäre schön zu sehen, was SPL mit einer neuen Phonitor-Generation macht – neuer DAC-Chip, endlich Pentaconn, USB‑C. Die VOLTAiR-Technologie bleibt sowieso. Die Firma macht gute Geräte. Sie haben die Grundlagen für etwas Ordentliches, wenn sie es angehen.
Bis dahin: Geiles Teil. Aber eins mit klarem Verfallsdatum auf dem Preisschild.
FAQ – Häufige Fragen zum SPL Phonitor xe
Was ist der SPL Phonitor xe und für wen ist er geeignet?
Der SPL Phonitor xe ist ein High-End-Kopfhörerverstärker des deutschen Herstellers Sound Performance Lab (SPL) aus Niederkrüchten. Er richtet sich an anspruchsvolle Kopfhörer-Enthusiasten, die einen transparenten, neutral-warmen Verstärker mit analoger Crossfeed-Technologie (Phonitor Matrix) suchen. Besonders geeignet ist der SPL Phonitor xe für alle, die kein Lautsprecher-Setup realisieren können und sich über die Phonitor Matrix ein räumlicheres Klangerlebnis am Kopfhörer wünschen.
Was kostet der SPL Phonitor xe?
Der SPL Phonitor xe kostet zum Testzeitpunkt 2.179 € in der Version ohne DAC, mit dem optionalen DAC768v2-Modul 3.149 €. Für den Mehrpreis bekommt man einen vollwertigen Referenz-Wandler direkt integriert – wer bereits einen guten Standalone-DAC hat, fährt mit der günstigeren Variante.
Was ist die Phonitor Matrix und wie funktioniert sie?
Die Phonitor Matrix ist eine analoge Crossfeed-Schaltung, die das Klangbild am Kopfhörer dem einer Lautsprecherwiedergabe annähern soll. Sie mischt einen pegelreduzierten und zeitverzögerten Anteil des jeweils anderen Kanals ein – ähnlich wie es ein Lautsprecher im Raum physikalisch tut. Zwei Parameter sind einstellbar: Crossfeed (6 Stufen, steuert die Kanalmischung) und Angle (4 Stufen: 22°, 30°, 40°, 55°, simuliert den Lautsprecher-Öffnungswinkel). Die Matrix ist analog implementiert und damit ein Alleinstellungsmerkmal des SPL Phonitor xE in dieser Preisklasse.
Was ist der Unterschied zwischen SPL Phonitor xe und Phonitor x?
Der Hauptunterschied: Der Phonitor x hat zusätzlich einen symmetrischen XLR-Vorverstärker-Ausgang und kann damit auch Endstufen oder Aktivlautsprecher ansteuern. Der SPL Phonitor xe ist ein reiner Kopfhörerverstärker ohne Preamp-Ausgang. Beide teilen dieselbe Verstärkerschaltung und dieselbe Phonitor Matrix. Der xe bekommt außerdem das bessere DAC-Modul DAC768 (statt DAC768xs beim x), da er die nötige Stromreserve dafür hat.
Brauche ich das optionale DAC768v2-Modul?
Nicht zwingend. Wer bereits einen hochwertigen Standalone-DAC hat – etwa einen Eversolo DMP-A6 oder ähnliches – kann den SPL Phonitor xe problemlos über die analogen oder digitalen Eingänge betreiben. Das DAC768v2-Modul ist eine solide Option für alle, die keine separate DAC-Quelle haben und alles in einem Gerät bündeln wollen. Im Test via Coax S/PDIF vom Eversolo war das Ergebnis hervorragend.
Kann man den SPL Phonitor xe mit einer Fernbedienung bedienen?
Ja – und das ist eines der praktischsten Features des SPL Phonitor xe. Der motorisierte Lautstärkeregler lässt sich mit jeder beliebigen Infrarot-Fernbedienung steuern. Anlernvorgang: Knopf auf der Rückseite drücken, zwei Tasten einer IR-Remote zuweisen – fertig. Im Test wurde die Burson-Fernbedienung angelernt, seitdem läuft die Lautstärkeregelung bequem vom Hörplatz.
Wie schlägt sich der SPL Phonitor xe gegen den Burson Soloist Stellar Max?
Im direkten A/B‑Vergleich ist der Burson Soloist Stellar Max eine kleine Ecke klarer, minimal neutraler und holt einen Hauch mehr Detail heraus. Der Unterschied ist aber subtil – ohne isolierten Direktvergleich wäre er im Alltag kaum aufgefallen. Der SPL Phonitor xe punktet mit dem optionalen DAC768v2 und der einzigartigen Phonitor Matrix, die der Stellar Max nicht bietet. Preislich liegen beide nahe beieinander.
Gibt es Grundrauschen am SPL Phonitor xe?
Im Test war an keinem der getesteten Kopfhörer – Verum 2 (80 Ohm Planar), OMNE Audio Hendeka (dynamisch), Hifiman Sundara und Audeze LCD‑X – ein wahrnehmbares Grundrauschen feststellbar. Der SPL Phonitor xE arbeitet ruhig, auch bei hoher Verstärkung.
