Es gibt Kopfhörer, die dich mit einer Tabelle voller Messwerte überzeugen wollen. Und es gibt Kopfhörer, die einfach nur wollen, dass du den Kopf bewegst, wenn dein Lieblingssong läuft. Der OMNE Audio Hendeka gehört klar zur zweiten Sorte – und kommt dabei von einer Marke aus Malaysia, die uns in dieser Form so noch nicht untergekommen ist.
Disclaimer: Der OMNE Audio Hendeka wurde mir von OMNE Audio kostenlos für diesen Test zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung und die Ergebnisse dieses Reviews hatte das keinerlei Einfluss.
Der Hendeka im Video
Wer’s lieber hört und sieht statt liest: Ich hab den OMNE Audio Hendeka auch fürs Video komplett durchgehört, direkt im A/B‑Vergleich mit Verum 2 und Audeze LCD‑X, inklusive der Diana-Krall-Session, die mich am meisten überrascht hat. Hier das komplette Video dazu:
Wer ist OMNE Audio?
OMNE Audio ist eine Kopfhörer-Marke aus Malaysia, gegründet von drei Freunden: Nabil Muhammad (Digital Marketing), Leong Deng Yong (kommt aus dem Audio-Einzelhandel) und Daniel (“D”). Malaysia ist als HiFi-Standort bislang nicht sonderlich präsent – uns ist zumindest bisher keine andere Kopfhörer-Marke von dort untergekommen, was das Ganze schon mal interessant macht. Keiner der drei hatte vorher Startup-Erfahrung, alle drei haben aber genug eigenes Geld in den Hobby-Rabbit-Hole Head-Fi versenkt, um zu wissen, wie sich ein wirklich guter Kopfhörer anfühlen muss. Selbstfinanziert, ohne Investoren, ohne Crowdfunding – einfach drei Leute, die nach Feierabend an ihrem eigenen Produkt gebaut haben.
Der Name ihres ersten und bisher einzigen Produkts, der OMNE Audio Hendeka, kommt aus dem Griechischen und bedeutet schlicht “Elf” – eine Referenz auf die elfeckige Geometrie der Ohrmuscheln, die nicht nur optisch auffällt, sondern auch akustisch eine Rolle spielt. Gelauncht wurde der Hendeka im Sommer 2025, zunächst nur in Malaysia über die Distributoren Stars Picker Audio und Respawn Gaming Tech, mittlerweile auch international über Reviews und Mundpropaganda bekannt geworden.
Der eigene Anspruch der Marke ist erfrischend unprätentiös: Kein Wettrüsten um die neutralste Frequenzkurve, sondern – in Nabils eigenen Worten – Kopfhörer, bei denen die Leute “bobbing heads” bekommen. Musik soll Spaß machen, nicht analysiert werden. Das ist explizit kein Understatement, sondern die erklärte Design-Philosophie. Auf der eigenen Produktseite bringt es OMNE Audio selbst auf den Punkt: Der OMNE Audio Hendeka soll genre-agnostisch funktionieren – vom Playlist-Dauerbrenner bis zur neuen Entdeckung, alles soll ins bestmögliche Licht gerückt werden, nicht seziert
OMNE Audio Hendeka: Unboxing & Lieferumfang
Wer den OMNE Audio Hendeka auspackt, bekommt sofort das Gefühl, ein deutlich teureres Produkt vor sich zu haben. Kein Blister, keine Pappschachtel mit reingestopftem Kopfhörer – sondern ein schwarzer Hardcase, ähnlich hochwertig wie man es sonst eher von Audeze-Kopfhörern wie der LCD‑X kennt. Darin liegen die beiden Ohrmuscheln jeweils einzeln in Samtbeuteln verpackt, dazu das Kabel und eine Seriennummer- bzw. Registrierkarte.
Lieferumfang:
- OMNE Audio Hendeka (Kopfhörer)
- Abnehmbares balanced Dual‑3,5‑mm-Kabel, 1,2 m, mit 4,4mm Pentacon
- Hardcase (schwarz)
- Seriennummer-/Registrierkarte, handnummeriert – teilweise offenbar von Nabil persönlich beschriftet
Für ein Debütprodukt einer Drei-Mann-Marke ist das eine Ansage. Man merkt: Hier wurde nicht am Erstkontakt gespart, selbst wenn das Kernprodukt preislich klar unter Referenzklasse-Niveau liegt.



Design & Verarbeitung
Die auffälligste Design-Entscheidung sitzt seitlich: eine echte Carbonplatte, rund 3 mm stark, die die offene Ohrmuschel abschließt. Stabil genug, dass sich von hinten nichts eindrücken lässt, gleichzeitig aber so schlank gehalten, dass kaum Material vor dem Treiber sitzt – ein Hinweis darauf, wie konsequent offen die OMNE Audio Hendeka wirklich gebaut ist.
Das Gehäuse selbst basiert, wie OMNE Audio bestätigt, auf einem 3D-gedruckten Resin-Chassis in Kombination mit der Carbon-Platte – entsprechend niedrig fällt auch das Gewicht aus (435 g laut Hersteller-Spec). Auf den ersten Blick wirkt das Gehäuse dadurch weniger “Industrieserien-poliert” als bei Großserien-Herstellern, aber genau das gehört zum Boutique-Charakter dazu; sichtbare Schraubköpfe inklusive.
Der Kopfbügel selbst ist eher schlicht gehalten: ein gepolsterter Bügel auf dem Niveau von Beyerdynamic oder den günstigeren Hifiman-Modellen, kein Hängematten-Suspension-System. Die Größenverstellung läuft über Metallpins mit Kerben-Rasterung, prinzipiell ähnlich zu Audeze LCD‑X – nur spürbar strammer einrastend, teils sogar per Schraube fixierbar, damit nichts verrutscht. Der OMNE Audio Hendeka fällt dabei sehr groß aus: Ohne Kappe komme ich fast mit der kleinsten Verstellstufe aus, was ungewöhnlich ist – bei den meisten anderen Kopfhörern brauche ich große bis mittelgroße Einstellungen. Ein Rastpunkt offener sitzt es dann aber optimal.
Angenehmes Detail am Kabelanschluss: Die 3,5‑mm-Buchsen an den Ohrmuscheln sind leicht nach vorne gebogen – nicht so starr wie beim LCD‑X. Reduziert Druck auf der Schulter beim Tragen um den Hals (z. B. mit Pulli), ein Detail, das man sonst eher von hochwertigeren Modellen kennt.



Tragekomfort
Die Ohrpolster sind samtbezogen und fühlen sich an der Oberfläche weich an, subjektiv leicht warm am Ohr – die Polsterung darunter ist mir persönlich aber auf Dauer etwas zu hart, dazu gleich mehr im Abschnitt zu den Langzeit-Beobachtungen. Der Anpressdruck ist angenehm dosiert, nicht zu fest. Die Ohrmuschelgröße ist großzügig: Selbst mit In-Ear-Stöpseln im Ohr passt das komplette Ohr rein. Wer größere Ohren hat, sollte das für sich checken, aber insgesamt geht die Passform gut auf.
Im Alltagstest – mehrere Wochen, 8 bis 10 Stunden täglich, Video, Musik, Mixing – gab es keine Probleme mit Hitzestau, trotz eigener Neigung zu schwitzigen Ohren, was angesichts der sehr offenen Bauweise auch nicht überrascht. Die Polsterhärte bleibt davon unabhängig ein Punkt, den ich weiter unten genauer einordne.



Technische Daten
| Spezifikation | Wert |
|---|---|
| Treiber | 50 mm, dynamisch |
| Bauform | Offen, Over-Ear |
| Frequenzgang | 20 Hz – 20 kHz |
| Impedanz | 32 Ω |
| Empfindlichkeit | 98 dB/mW |
| Gewicht | 435 g |
| Kabel | Dual 3,5 mm, 1,2 m, abnehmbar |
| Gehäuse | 3D-gedrucktes Resin-Chassis + Carbon-Platte |
| Ohrpolster | Samt/Velours |
| Preis (Stand Test) | RM 2.499 (~530 €) direkt bei OMNE Audio in Malaysia – der Preis, zu dem Interessenten dort tatsächlich bestellen. Bei internationalen Retailern wie Bloom Audio (USA) liegt der Preis mit 699 $ (~650 €) spürbar höher. |
| Garantie | 1 Jahr auf Bauteile/Verarbeitung, gültig bei Kauf direkt bei OMNE Audio oder einem autorisierten Händler |
Seit Kurzem gibt es zudem eine eigenständige Kollab-Edition mit Astral Acoustics (OMNE Audio x AA) als komplett separates, teureres Produkt für 999 $ (~930 €, Stand Bloom Audio USA): neues, breiteres Kopfband-Design für bessere Gewichtsverteilung, dazu ein hochwertigeres Kabel inklusive 4,4‑mm-Balanced-Option. Das ist kein Zubehör-Upgrade, sondern eine eigene Edition des gesamten Kopfhörers – im Test hier lief ausschließlich die Standardversion mit Dual‑3,5‑mm-Kabel und Serien-Kopfband.




Wo bekommt man die OMNE Audio Hendeka?
Für deutsche bzw. europäische Käufer aktuell wichtig: Es gibt keinen offiziellen EU- oder DE-Vertrieb. Bestellt wird entweder direkt bei OMNE Audio in Malaysia (Basispreis, aber mit internationalem Versand und Einfuhrabgaben zu rechnen) oder über internationale Retailer wie Bloom Audio (USA) bzw. Zeppelin & Co (Singapur) – dort dann zum jeweils höheren Retail-Preis, dafür ohne die Unsicherheiten eines Direktimports aus Malaysia.
Zum Anschluss selbst gibt es wenig zu sagen: 3,5‑mm-Klinke an den Ohrmuscheln, jedes Kabel mit passendem Stecker funktioniert. Im Test liefen sowohl das Serienkabel als auch eigene Custom-Cables (ursprünglich für Hifiman-Modelle, mit Mono- und Stereo-Klinken) problemlos. Einen Klangunterschied zwischen den Kabeln konnte ich subjektiv nicht ausmachen – wer hier tauschen will, tut das aus Gusto, nicht aus klanglicher Notwendigkeit.
Klang der OMNE Audio Hendeka
Klangcharakter: warm, leicht V‑förmig abgestimmt. Der Bass ist angehoben, aber nicht aufdringlich, die Mitten spielen etwas smooth und zurückgenommen, die Höhen sind dezent angehoben, ohne jemals scharf oder “sparkling” zu werden. Nichts an den OMNE Audio Hendeka schneidet oder nervt – der Grundcharakter ist konsequent samtig.
Bemerkenswert: Trotz offener Bauweise baut der OMNE Audio Hendeka ordentlich Bassdruck auf – für einen dynamischen Treiber überdurchschnittlich, deutlich mehr Fundament, als man es von vielen offenen oder planaren Konkurrenten in der Preisklasse gewohnt ist, die hier oft dünner bleiben. Die Auflösung ist gut, aber nicht referenzhaft-analytisch – an die Nuancenschärfe von Planar-Konstruktionen kommt der Hendeka nicht heran. Das ist aber auch nicht das erklärte Ziel: Der Charakter bleibt durchgehend schmeichelnd statt chirurgisch.
Subjektiv persönliche Anmerkung: Mir fehlt an der Stelle etwas mehr Höhenanteil – das ist explizit Geschmackssache, keine objektive Schwäche der Abstimmung.
Offenheit in der Praxis
Die OMNE Audio Hendeka ist wirklich konsequent offen gebaut – das merkt man auch abseits der reinen Musikwiedergabe: In Calls/Meetings ist die eigene Stimme deutlich hörbar, kein Näseln oder Verzerren wie bei manchen dichteren Headsets. Im direkten Vergleich zum Beyerdynamic DT 1990 – technisch ebenfalls offen, gefühlt aber fast geschlossen – ist der Unterschied klar spürbar.
Musikbeispiele
Testkette dieser Session: Eversolo DMP-A6 via Coax S/PDIF → SPL Phonitor xe (DAC768v2) → OMNE Audio Hendeka via 4‑pol XLR balanced, im direkten Umschaltvergleich mit Hifiman Sundara, Verum 2 und Audeze LCD‑X.
Sleep Token – „Granite”
Ein Track, der sofort fordert: ruhige Strophen mit feinen Details, dann ein gnadenloser Klimax bei 2:39.
An dem OMNE Audio Hendeka zeigt sich sofort der Charakterunterschied zur Konkurrenz: deutlich wärmer als der planare Verum 2, die Bassdrum drückt satter und trockener – da ist eine physische Komponente drin, die ein Planar schlicht nicht liefert. Die Becken treten dafür etwas zurück, Stimmen wirken angenehmer, aber auch weniger direkt im Raum verortet als beim Verum 2. Bei hohen Pegeln fällt ein leichtes Zischen in den Höhen auf. Der Gesamtcharakter geht klar Richtung Live-Sound, mit Instrumenten leicht vor der Stimme – wer entspannter hören will statt seziert zu werden, ist hier genau richtig.
Zum Vergleich: Der Verum 2 bildet an derselben Kette gnadenlos ab, ohne zu schönen – bei 2:39 bricht die volle Dynamik des Tracks unverfälscht durch. Der LCD‑X spielt in einer weiteren Liga: Produktion liegt komplett offen, man hört den Nachhall als das, was er ist – künstlich draufgelegt.
Knocked Loose – „Everything Is Quiet Now”
Bryan Garris’ Screams, ein Breakdown, und am Ende dieses rohe Finger-Quietschen über die Saiten.
An dem Hendeka: wärmer, der Bass „ballert” mehr, die Becken treten zurück – insgesamt angenehmer für Dauerhören, um es mit einem Wort zu sagen: sessel-abgestimmt.
Der LCD‑X liefert hier den eindringlichsten Bryan Garris der ganzen Runde – das dreckige Finger-Quietschen am Ende ist maximal hörbar herausgearbeitet. Analyse-Werkzeug, kein Bauchkitzler. Der Verum 2 setzt Kick und Becken klar links/rechts getrennt, macht im Chorus ordentlich Splash und liefert das Saiten-Quietschen am Ende mit Gänsehaut-Faktor.
Zwischenfazit aus dem direkten Vergleich: Der Hendeka ist in dieser Runde ganz klar der “Wohlfühl”-Kopfhörer – kein Analyse-Werkzeug wie der LCD‑X, kein neutraler Abbildner wie der Verum 2, sondern der Kandidat, der einem entgegenkommt, statt zu fordern. Genau das Ziel, das OMNE Audio sich selbst gesetzt hat.
Isolierte Hendeka-Session (Testkette: Eversolo DMP-A6 → Burson Soloist Stellar Max → OMNE Audio Hendeka via XLR, kein EQ)
Rage Against the Machine – “Bombtrack”
Am OMNE Audio Hendeka: Bass zu Beginn deutlich samtiger, als es ein Planar abbilden würde. Snare-Intro spielt zurückhaltend, im vollen Bandeinsatz dann räumlich und gut hörbar, aber nie scharf. Der Gesang tritt für meinen Geschmack etwas zurückhaltender auf, als ich es sonst von diesem Track gewohnt bin – Bassdrum und E‑Bass dafür schön satt und gut ortbar. Insgesamt sehr räumlich, ausgewogene Höhen, nichts Stressiges. Bei ca. 3:10 wandert ein Becken klar aufs linke Ohr, kurz darauf folgt die Gitarre – schönes Beispiel für die räumliche Abbildung.
Am LCD‑X, direkt danach: deutlich heller, logischerweise weniger basslastig, dafür klarer aufgelöst (Höhen, Cymbals). Gesang wirkt räumlicher, ein Zweitgesang im Hintergrund (vermutlich der Gitarrist) tritt hier deutlicher hervor, tendenziell linkslastig platziert. Insgesamt eine Ecke räumlicher/klarer, aber auf Kosten des Bassfundaments, das der Planar in dieser Form nicht liefert.
Zurück am Hendeka zur Bestätigung: Gesang wirkt nicht ganz so frontal wie am LCD‑X, eher wie zwei bis drei Meter entfernt stehend statt “im Kopf” – bewusst als angenehm beschrieben, nicht als Schwäche. Zweitgesang des Gitarristen bildet sich deutlich weniger räumlich ab als am LCD‑X, die Schlagzeug-Räumlichkeit bleibt aber gut. Auffällig: Die Hi-Hat löst am LCD‑X spürbar feiner auf.
In Flames – “I, the Mask”
Am OMNE Audio Hendeka, bewusst sehr laut gehört (Soloist Stellar Max, High-Output-Gain, Stufe 43): Bassdrum trocken und druckvoll, kickt ordentlich rein. Bemerkenswerter Nebenbefund: Bei dieser Lautstärke wirkt der Hendeka gar nicht mehr so zurückhaltend in den Höhen, wie es bei geringerer Lautstärke den Anschein hat – der warme Grundcharakter täuscht offenbar ein Stück weit, je nach Pegel kommt der Hendeka spürbar mehr aus sich raus. Charakter bei hohem Pegel: knackig statt warm-verwaschen, bleibt auch bei schnelleren Passagen stabil. Räumlichkeit überzeugt. Gesang streckenweise leicht zischelnd – allerdings bei einem bewusst extremen Pegel gehört.
Am LCD‑X, gleicher Track, vergleichbare Lautstärke: Bass kickt ebenfalls, der Track ist insgesamt fairer für einen Planar abgemischt als für den OMNE Audio Hendeka. LCD‑X löst hörbar besser auf, besonders in den Höhen – Becken kommen präsenter und direkter. Gesang steht beim LCD‑X weiter vorne; der OMNE Audio Hendeka bleibt gesanglich, zumindest bei Metal, tendenziell etwas zurückhaltender.
Anmerkung zur Methodik: Der Lautstärke-Effekt auf die wahrgenommene Höhenmenge beim OMNE Audio Hendeka ist ein eigenständig interessanter Befund – bei niedrigerem Pegel wirkt er wärmer/zurückhaltender, bei hohem Pegel deutlich offener. Ein sauberer SPL-Pegelabgleich zwischen den Vergleichskandidaten würde solche Vergleiche zukünftig noch fairer machen.
Genre-Ausflug: Rock, Britpop und Jazz (Testkette: Eversolo DMP-A6 → Burson Soloist Stellar Max → OMNE Audio Hendeka via XLR, kein EQ)
The Beatles – „Come Together” (Remastered)
Am LCD‑X zuerst gehört: ein Track, den ich schon tausendmal kenne, dadurch gut als Referenz geeignet. Auffällig ist ein Produktionsdetail, das mir hier besonders deutlich auffiel: Beim Einsatz der E‑Gitarre schnarrt die Snare Drum leicht mit. Das ist keine Aufnahmepanne, sondern sympathetische Resonanz – die tiefen Frequenzen des Gitarrenverstärkers regen die locker sitzenden Snare-Teppiche zum Mitschwingen an, unabhängig davon, ob die Snare gerade gespielt wird. Ein bekanntes, gut dokumentiertes Phänomen bei Aufnahmen, bei denen Schlagzeug und verstärkte Instrumente im selben Raum stehen. Das Schlagzeug sitzt hart auf dem rechten Kanal, Gitarren lösen sich sauber links/rechts auf, der Gesang trägt den altersbedingten Wah-/Hall-Charakter der Aufnahme, insgesamt aber wenig räumlich – das liegt an der Produktion, nicht am Kopfhörer. Bass wirkt am LCD‑X angenehm, nicht unterbetont.
Am OMNE Audio Hendeka: automatisch mehr Bassdruck, nicht übertrieben, aber deutlich wahrnehmbar. Das Schlagzeug tritt dafür weiter in den Hintergrund, der Gesang kommt gut raus, inklusive Wah-Effekt. Das Snare-Schnarren ist auch hier hörbar, aber bei Weitem nicht so präsent wie am LCD‑X. Gesamteindruck: gefälliger als der LCD‑X, eher eine Zurücklehn-Angelegenheit als eine analytische. Bass kann ordentlich brummen, aber kein Bassmonster – logisch, kein Planar.
Oasis – „Don’t Look Back in Anger”
Am OMNE Audio Hendeka zuerst: überraschend hell, zumindest stimmlich – deutlich mehr Zischlaute, als der bisherige warme Eindruck erwarten ließ, aber nicht störend. Die Aufnahme selbst ist eher gefällig-poppig abgemischt, nicht sonderlich aufregend produziert. Genre-typisch klar: Gesang im Vordergrund, Schlagzeug zurückgenommen, Gitarren eher zurückhaltend statt punchig. Gesamteindruck: mitreißend, macht Spaß, trotz eher unspektakulärer Abmischung – aber genau das, was Pop-Rock-Hörer erwarten dürften.
Am LCD‑X, direkt danach: klarer Wechsel. Was am Hendeka eher gefällig wirkte, wird hier deutlich interessanter. Gitarren eindringlicher und klarer, dadurch ein spürbar besserer Stereomix. Etwas weniger Bassfundament als am Hendeka, dafür Gesang frontaler, besonders im Chorus. Mehr “drin im Song”.
Diana Krall – „Live in Paris”
Ein bewusster Genre-Ausflug, weit außerhalb der eigenen Komfortzone: Klavier-Ballade, Live-Mitschnitt.
Am LCD‑X: Klavier klingt leicht dumpf, dafür authentisch live, mit hörbaren Pedal-Nebengeräuschen. Die Aufnahme ist extrem publikumslastig – Husten, Bewegung, Stimmen aus dem Publikum, möglicherweise sogar ein leichtes Grundrauschen der Live-Situation selbst, alles gnadenlos ehrlich mit durchgereicht. Gesang klar vor dem Klavier, sehr klar abgebildet, aber auch deutlich hissig in den S‑Lauten. Starker Hall auf dem Gesang gibt dem Ganzen zusätzliche Tiefe.
Am OMNE Audio Hendeka: Die Live-Atmosphäre kommt fast noch unmittelbarer rüber – fühlt sich an, als würde man selbst im Publikum sitzen. Sibilanten weiterhin klar und hoch, aber insgesamt nicht ganz so transparent wie am LCD‑X. Gesang wird weicher, weniger direkt “im Kopf”, das Klavier klingt samtiger und runder, drückt weniger direkt rein. Genau hier zeigt sich der Monitor-Charakter des LCD‑X gegenüber einem bewusst gefälligeren Kopfhörer wie dem Hendeka – für exakt diese Art Aufnahme, mit viel Live-Atmosphäre und Publikumsgeräuschen, könnte der Hendeka sogar die angenehmere Wahl sein. Nicht, weil er technisch besser ist, sondern weil er einem erlaubt, einfach zuzuhören, ohne von jedem Husten aus der Reihe aus der Musik gerissen zu werden
Amp-Pairing
Der OMNE Audio Hendeka ist nicht schwer anzutreiben (Hifiman-Portable-Dongle reicht technisch aus), profitiert aber hörbar von potenteren Quellen – bei gleicher Lautstärke entfaltet sich mit stärkeren Verstärkern spürbar mehr Druck und “Öffnung”. Keine 50-%-Welten, aber geschätzt 10–15 % mehr Substanz.
Fosi Audio ZH3 (aktuell einer der beliebtesten, vielseitigen Kopfhörerverstärker im Einsteigersegment, 199,99 € laut EU-Preisliste): solides, leistungsfähiges Pärchen für ein Gesamtpaket unter 800–1.000 €.
SPL Phonitor xe: Charakterlich neutral-warm, technisch inzwischen etwas in die Jahre gekommen – aktuellere DACs holen mehr raus. Verfügt über Crossfeed mit einstellbaren Abstrahlwinkeln für simuliertes Lautsprecher-Feeling; persönlich kein großer Crossfeed-Fan (auf Kopfhörern soll Stereo hart getrennt bleiben, das ist Geschmackssache). Insgesamt ein tolles Pairing, der OMNE Audio Hendeka hätte in dieser Kombination aber noch von etwas mehr Neutralität und Headroom profitiert.
Burson Soloist Stellar Max: Ebenfalls mit leichter Wärme, aber sehr dezent für einen als neutral geltenden Verstärker. Bringt der OMNE Audio Hendeka spürbar mehr Leistung und Headroom – hier kam das “Bobbing-Head”-Gefühl, das OMNE Audio explizit anstrebt, am klarsten rüber.
Burson Conductor GT4 Deluxe (Max-Netzteil): Angeschlossen meist über 4‑Pin-XLR-Balanced. Klanglich eine tolle Kombination – aber ehrlicherweise eher etwas für Leute mit Lust am Experiment als eine ernsthafte Kaufempfehlung: Ein 3.500-€-Verstärker an einem ~530-€-Kopfhörer ist ein Statement, keine Notwendigkeit.
Zur Einordnung meiner Testkette: Ich höre seit rund anderthalb Jahren tagtäglich mit derselben Referenzkette – das gibt mir ein belastbares Gefühl dafür, wie viel Unterschied wirklich am Kopfhörer selbst liegt und wie viel am Verstärker drumherum. Gleichzeitig bin ich experimentierfreudig genug, auch mit deutlich günstigerem Equipment zu hören – “kauf dir das Teuerste, um das Beste rauszuholen” ist nicht meine Devise.
Ein Wort zu Röhrenverstärkern: Alle meine Pairings hier liefen über Solid-State-Verstärker – ich besitze schlicht keinen Röhrenamp und kann das entsprechend nicht selbst validieren. Da der OMNE Audio Hendeka aber ohnehin schon warm abgestimmt ist, würde ich bei der Kombination mit einem ebenfalls sehr warmen Röhrenverstärker vorsichtig sein: Die Gefahr, dass sich Bass und Mitten dann zu dick und undefiniert übereinanderlegen, halte ich für real. Wer selbst Röhre hört, sollte das im Hinterkopf behalten und im Zweifel eher zu einem neutraleren Röhrenamp greifen.



Wettbewerbseinordnung: OMNE Audio Hendeka im Vergleich
Verum 2 (ähnliches Preissegment, planar-magnetisch, offen): Ein wirklich toller Kopfhörer – super leicht, sehr gut verarbeitet, ebenfalls Manufaktur-Fertigung. Klanglich eine andere Kategorie als der OMNE Audio Hendeka (planar vs. dynamisch), daher kein 1:1‑Duell, aber als Alternative im selben Preisbereich relevant.
An dieser Stelle ein kurzer, sachlicher Hinweis in eigener Sache: Verum Audios Gründer Igor Krasnov ist in der Vergangenheit wiederholt öffentlich negativ aufgefallen – dokumentiert unter anderem in mehreren unabhängigen Artikeln und Forenberichten, die zu Bannings in diversen Audiophile-Communities geführt haben. Ich möchte das hier bewusst nicht bewerten oder vertiefen, sondern nur transparent benennen – wer sich dafür interessiert, findet mit einer kurzen Suche genug Material, um sich selbst ein Bild zu machen.
Audeze LCD‑X: Spielt klar eine Liga über der OMNE Audio Hendeka – das merkt man an praktisch jeder Stelle, angefangen beim Kopfband über die Ledertragepolster bis zum Gesamteindruck eines Kopfhörers, der für den täglichen Arbeitseinsatz gebaut ist. Kein fairer 1:1‑Vergleich, aber eine klare Empfehlung für alle, die eine Etage höher wollen und eher neutraleres Wasser suchen.
Der direkte A/B‑Vergleich über mehrere Genres hinweg (Metal, Rock, Britpop, Jazz/Live-Piano) bestätigt dieses Bild durchgehend: Der LCD‑X löst konsequent feiner auf, bildet Räumlichkeit präziser ab und bleibt näher an dem, was tatsächlich auf der Aufnahme ist – im Guten wie im Schlechten. Genau bei der Diana-Krall-Live-Aufnahme zeigt sich das: Publikumsgeräusche, Husten, Grundrauschen kommen am LCD‑X gnadenlos mit durch. Der OMNE Audio Hendeka rundet genau diese unangenehmen Ecken ab, ohne den Gesamteindruck zu verfälschen – für bestimmte Aufnahmen und Hörsituationen kann das sogar die angenehmere Wahl sein, nicht nur die günstigere
Langzeit-Detailpunkte
Ein paar abschließende Praxis-Beobachtungen aus dem Test:
- Ohrpolster: Wechselbar, aber mir persönlich zu hart – das ist keine Vermutung, sondern mein klarer Eindruck aus dem Test. Kann natürlich sein, dass sich das nach einem halben Jahr oder Jahr Tragezeit anders anfühlt und man sich daran gewöhnt, dazu kann ich aus meinem Testzeitraum aber nichts sagen. Fakt ist: Weil ich beim Vergleichen ständig zwischen Kopfhörern hin- und herwechsle, kenne ich genug Kandidaten, die ich klar bequemer finde. Ob es bereits dedizierte Ersatzpolster gibt, ist mir aktuell nicht bekannt; das Wechselsystem selbst hab ich in dieser Form noch bei keinem anderen Kopfhörer gesehen, jeder Hersteller kocht hier offenbar sein eigenes Süppchen.
- Kopfband: Nach längerem Tragen wächst einem das Standard-Kopfband durchaus ans Herz. Wer wie ich lieber ein Hängematten-/Suspension-System bevorzugt: OMNE Audio bietet mit der Kollab-Edition zusammen mit Astral Acoustics eine Variante mit überarbeitetem, breiterem Kopfband und neuem Kabel an – das ist kein separat nachkaufbares Zubehörteil, sondern nur als eigenständige, teurere Edition des gesamten Kopfhörers erhältlich. Als logisches Upgrade würde ich das aber durchaus einordnen: Wer eine andere Liga Kabel und eine andere Liga Kopfband bekommt, für den dürfte sich der Aufpreis lohnen.
- Kabel: Gehört wurde durchgehend balanced – sowohl mit dem mitgelieferten Balanced-Kabel als auch mit einem eigenen Referenzkabel von GU Craftsman. Das Serienkabel ist weich und angenehm, subjektiv aber etwas kurz geraten. Klare Kabelklang-Präferenzen habe ich generell nicht – wer ein besseres Kabel kaufen möchte, tut das eher wegen der Länge als wegen eines erwarteten Klangunterschieds; die Welt verändert ein Kabeltausch hier erfahrungsgemäß nicht.
Fazit
Der OMNE Audio Hendeka ist kein Kopfhörer, den du aufsetzt, um eine Aufnahme zu sezieren. Er ist der Kopfhörer, den du abends aufsetzt, um genau das nicht zu tun: ein ordentliches Brett auflegen, abschalten, mitgehen. Kein Analyse-Werkzeug, sondern eine Einladung zum Mitwippen – und genau das liefert er zuverlässig ab, quer durch Metal, Rock, Britpop und selbst bei einer Live-Jazz-Aufnahme, bei der andere, schonungslosere Kopfhörer eher nerven als begeistern.
Damit erreicht OMNE Audio exakt das, was sich Nabil, Leong und Daniel für ihr erstes gemeinsames Produkt vorgenommen haben. Für drei Freunde ohne Startup-Erfahrung, die ihr eigenes Geld in ein selbstfinanziertes Debüt gesteckt haben, ist das eine beachtliche Leistung – vom durchdachten Unboxing-Erlebnis bis zur konsequent durchgehaltenen Klangphilosophie.
Technisch bewegt sich die Hendeka im, wie es in der Community mittlerweile heißt, oberen Mid-Fi-Segment: Wer messtechnische Neutralität, referenzhafte Auflösung oder das letzte Quäntchen Bühnentiefe sucht, findet das eine Etage höher – etwa beim Audeze LCD‑X, der in praktisch jeder Disziplin eine Klasse für sich bleibt, dafür aber auch das Drei- bis Vierfache kostet. Wer stattdessen einen warmen, geschmeidigen, nie nervenden Alltagsbegleiter für lange Hörsessions sucht, der nicht mal eben nebenbei ein kleines Vermögen kostet, bekommt mit der Hendeka ein rundes, ehrlich gemachtes Paket.
Bleibt die Frage, wie es mit einer Ein-Produkt-Marke weitergeht. Aber wenn der Auftakt schon so überzeugend ausfällt, bin ich gespannt, was als Nächstes kommt.
Für seinen Zweck – Feierabend-Kopfhörer mit Charakter statt Messlatten-Rekord – eine klare Empfehlung.
FAQ zur OMNE Audio Hendeka
Was bedeutet der Name “Hendeka”?
Griechisch für “Elf” – eine Referenz auf die elfeckige Geometrie der Ohrmuscheln.
Ist die Hendeka schwer anzutreiben?
Nein. Mit 32 Ω Impedanz und 98 dB/mW Empfindlichkeit läuft sie problemlos auch an Smartphone-Dongles. Von einem potenteren Verstärker profitiert sie klanglich trotzdem hörbar.
Wo kann man die OMNE Audio Hendeka kaufen?
Es gibt aktuell keinen offiziellen Vertrieb in Deutschland oder der EU. Bestellmöglichkeiten sind der Direktkauf bei OMNE Audio in Malaysia oder internationale Retailer wie Bloom Audio (USA) und Zeppelin & Co (Singapur).
Was kostet die Hendeka?
Rund 530 € (RM 2.499) direkt in Malaysia, bei internationalen Retailern um die 650 €. Die Kollab-Edition mit Astral Acoustics liegt bei rund 930 €.
Ist die Hendeka offen oder geschlossen?
Offen – und zwar konsequent, was sich auch praktisch bemerkbar macht (siehe Abschnitt “Offenheit in der Praxis”).
Für welche Musikrichtungen eignet sich die Hendeka?
Laut Markenanspruch genre-agnostisch. Im Test überzeugte sie über Metal, Rock, Britpop und sogar bei einer akustischen Jazz-Live-Aufnahme – wobei ihr warmer, gefälliger Charakter besonders bei Genres punktet, bei denen man nicht jedes Aufnahme-Artefakt hören möchte.
Wie ist die Garantie geregelt?
Ein Jahr auf Bauteile und Verarbeitung, gültig bei Kauf direkt bei OMNE Audio oder einem autorisierten Händler.
