Grado Signature S150 liegt auf einem silbernen Kopfhörerverstärker auf einem Holztisch
Offen, dynamisch, mit Wechselkabel: Grado Signature S150. © Grado

Grado Signature S150: Offener Kopfhörer mit Wechselkabel für 295 Dollar

Der Gra­do Signa­tu­re S150 ist der güns­tigs­te Kopf­hö­rer der Signa­tu­re-Rei­he: offen, dyna­misch, neu­er 44-mm-Trei­ber, Wech­sel­ka­bel, 220 g, 295 US-Dol­lar. Die Aus­lie­fe­rung soll Anfang Novem­ber 2026 begin­nen. Zur Ein­ord­nung: Der bis­her güns­tigs­te Signa­tu­re, der S550, kos­tet 995 US-Dol­lar, das Flagg­schiff HP100 SE 2.495. Wer an die­ser Preis­lis­te bis­her abge­prallt ist, darf also noch mal hin­schau­en. Ich schaue vor allem aufs Klein­ge­druck­te, denn da wird es in die­ser Preis­klas­se interessant.

Grado und die Signature-Reihe

Gra­do baut seit 1953 in Brook­lyn Kopf­hö­rer und Ton­ab­neh­mer, die Kopf­hö­rer wer­den dort von Hand mon­tiert. Die Signa­tu­re-Rei­he ist der Ort, an dem Gra­do neue Kon­struk­tio­nen zuerst ein­führt, etwa Wech­sel­ka­bel und fri­sche Gehäu­se­for­men, bevor sie in den Rest der Palet­te wan­dern. Mit dem S150 hat die Rei­he fünf Model­le: HP100 SE für 2.495 US-Dol­lar, S950 für 2.195, S750 für 1.695, S550 für 995 und ganz unten der S150 für 295 (Prei­se im Gra­do-Shop, Stand 26.10.2026). Einen Vor­gän­ger gibt es nicht, der S150 ergänzt die Rei­he nach unten.

Der S150 kos­tet rund 30 Pro­zent des S550 und nicht ein­mal ein Ach­tel des HP100 SE. Das ist kein Rabatt, das ist eine ande­re Liga. Die Fra­ge ist also, wie viel Signa­tu­re bei 295 Dol­lar übrig bleibt.

Grado Signature S150: der neue 44-mm-Treiber

Das Herz­stück ist der 44-mm-S-Trei­ber, der hier debü­tiert. Sei­ne Mem­bran besteht aus Papier-Kom­po­sit und basiert auf der Tech­nik der 52-mm-S-Trei­ber im HP100 SE und im S950, wur­de aber eigens für das klei­ne­re For­mat ent­wi­ckelt. Gra­do ver­spricht Klar­heit und Detail bei vol­lem, musi­ka­li­schem Kör­per, dazu einen sau­be­ren, arti­ku­lier­ten Bass mit Präsenz.

Über­setzt heißt das: nicht tro­cken-ana­ly­tisch, aber auch kein Brei, und ein Bass, der nicht matscht. Das ist die Sor­te Ver­spre­chen, die mich inter­es­siert, denn ich möch­te beim Musik­hö­ren invol­viert sein und nicht ein­ge­lullt wer­den. Es ist aber auch ein Ver­spre­chen, das fast jeder Her­stel­ler für fast jeden Kopf­hö­rer abgibt. Und „basiert auf“ ist ein dehn­ba­rer Begriff: Die­sel­be Mem­bran­art in klei­ne­rer Grö­ße ist nicht der­sel­be Trei­ber in klein. Was davon beim Hören übrig bleibt, will ich hören.

Technik: 38 Ohm, 104 dB, 16 Hz bis 34 kHz

Der Trei­ber ist dyna­misch, die Bau­wei­se offen. Das Daten­blatt nennt einen Fre­quenz­gang von 16 Hz bis 34 kHz, 38 Ohm Impe­danz, 104 dB Schall­druck bei 1 mW, unter 0,3 % Klirr­fak­tor bei 100 dB und eine Trei­ber­paa­rung auf 0,05 dB.

Zum Klein­ge­druck­ten: Ein Fre­quenz­gang ohne Tole­ranz­band ist Ori­en­tie­rung, kei­ne Mes­sung. Die Rän­der bei 16 Hz und 34 kHz sagen wenig dar­über, wie der Kopf­hö­rer im Bereich dazwi­schen spielt. „Unter 0,3 %“ ist ein Grenz­wert, kein Mess­wert, und er gilt bei 100 dB, nicht bei jedem Pegel. Die Paa­rung auf 0,05 dB ist dage­gen eine kon­kre­te Zusa­ge: So dicht sol­len lin­ker und rech­ter Trei­ber beieinanderliegen.

Leistungsbedarf: Wie viel Verstärker braucht er?

Die Emp­find­lich­keit sagt, wie laut ein Kopf­hö­rer bei einem Mil­li­watt wird. Je höher der Wert, des­to weni­ger Leis­tung braucht er, und für jeweils 3 dB mehr Pegel braucht es die dop­pel­te Leis­tung. Beim S150 sind das rech­ne­risch rund 4 mW für 110 dB und rund 13 mW für 115 dB. Das ist wenig.

Der Hifi­man Sun­dara zeigt, wo ein Daten­blatt täu­schen kann. Er nennt 92 dB und braucht damit rech­ne­risch rund 63 mW für 110 dB. Zwölf dB Unter­schied zum S150 sind das Sech­zehn­fa­che an Leis­tung für den­sel­ben Pegel. Ob bei­de Her­stel­ler die Emp­find­lich­keit gleich ermit­teln, weiß ich nicht, die Rich­tung stimmt aber. Und die Rech­nung ist nur die hal­be Wahr­heit: 63 mW klin­gen harm­los, am 220-mW-Don­gle fehl­ten dem Sun­dara in mei­nem Test trotz­dem Glanz und Punch. Laut­stär­ke ist nicht Kontrolle.

Bei Leis­tungs­fra­gen rech­ne ich auf zwei Ebe­nen. Mei­ne Base­line ist der Bur­son Soloist Stel­lar Max, bewusst über­di­men­sio­niert, ein Maß­stab und kei­ne Emp­feh­lung. Die rea­lis­ti­sche Ket­te ist der Fosi ZH3: Er nennt 640 mW an 6,35 mm und 2.570 mW an 4,4 mm, bei­des an 32 Ohm. Gegen 4 bis 13 mW ist das viel Luft, und die 4,4‑mm-Kabeloption des S150 passt zu die­sem sym­me­tri­schen Aus­gang. Ob 4 mW auch für Dyna­mik und Kon­trol­le rei­chen, ist eine ande­re Fra­ge. Wer für die eige­ne Quel­le rech­nen will, tippt Impe­danz und Emp­find­lich­keit in den Watt­rech­ner ein.

Bauweise: ABS-Gehäuse, Lederbügel, F‑Polster

Neu am Gra­do Signa­tu­re S150 ist das ein­tei­li­ge Gehäu­se aus ABS-Kunst­stoff in mat­tem Schwarz. Die Sil­hou­et­te bleibt erkenn­bar Gra­do, das Teil ist aber neu kon­stru­iert, und prak­tisch heißt ein­tei­lig: leicht und gleich­mä­ßig zu fer­ti­gen. 220 g sind deut­lich weni­ger als beim Sun­dara mit 342 g und beim OMNE Audio Hen­de­ka mit 435 g.

Das Kopf­band des Gra­do Signa­tu­re S150 ist mit Leder gepols­tert, ein fle­xi­bles Stahl­band im Inne­ren lässt den Anpress­druck ein­stel­len. Die Gim­bals bestehen aus matt­schwar­zem Poly­mer, die Höhen­stan­gen aus Edel­stahl, die Ver­bin­dungs­blö­cke sind ver­stärkt. Der Anpress­druck war beim Sun­dara in mei­nem Test hoch, des­halb fin­de ich die Ein­stell­mög­lich­keit inter­es­sant. Hifi­man klingt oft stark, ist bei der Ver­ar­bei­tung für mich aber Kinderspielzeug.

Seri­en­mä­ßig sitzt das F‑Polster mit inne­ren Luft­schlit­zen. Bei Gra­do gehört das Pols­ter zur Abstim­mung, und alle Pols­ter aus dem Gra­do-Pro­gramm pas­sen. Wer Klang und Sitz ver­än­dern will, tauscht also einfach.

Kabel: Signature Bronze mit Wahlmöglichkeiten

Das Kabel des Gra­do Signa­tu­re S150 ist abnehm­bar. Seri­en­mä­ßig kommt das Signa­tu­re Bron­ze in leich­ter, wei­cher und fle­xi­bler Bau­wei­se. Am Kopf­hö­rer ste­cken zwei 3,5‑mm-Buchsen, eine pro Muschel. Am ande­ren Ende sitzt ein 3,5‑mm-Klinkenstecker mit 6,3‑mm-Adapter. Bei der Bestel­lung ste­hen 6 oder 12 Fuß zur Wahl, und als Alter­na­ti­ven gibt es 4,4 mm sym­me­trisch sowie 4‑Pin-XLR mit 6,3‑mm-Adapter. Sym­me­tri­sche Optio­nen gibt es also gleich zwei.

Spezifikationen des Grado Signature S150

Merk­malWert
Her­stel­lerGra­do Labs, Brooklyn
Bau­artOffen (Open Air), dynamisch
Trei­ber44-mm-S-Trei­ber, Papier-Komposit-Membran
Fre­quenz­gang16 Hz bis 34 kHz
Impe­danz38 Ohm
Emp­find­lich­keit104 dB bei 1 mW
Klirr­fak­torunter 0,3 % bei 100 dB
Trei­ber­paa­rung0,05 dB
Gewicht220 g
Gehäu­seein­tei­lig, ABS-Kunst­stoff, matt schwarz
KabelSigna­tu­re Bron­ze, abnehmbar
Anschluss am KopfhörerDual 3,5 mm Mini
Anschluss an der Quelle3,5 mm mit 6,3‑mm-Adapter, alter­na­tiv 4,4 mm sym­me­trisch oder 4‑Pin-XLR mit 6,3‑mm-Adapter
Kabel­län­ge6 Fuß oder 12 Fuß
Pols­terF‑Polster
Preis295 US-Dol­lar (Stan­dard­va­ri­an­te)

Einordnung: Sundara, HD 550 und Hendeka

Der Gegen­spie­ler nach Preis ist der Hifi­man Sun­dara: offen, pla­nar, 32 Ohm, 342 g, im Han­del zuletzt rund 179 Euro, UVP 419 Euro (Stand mei­nes Tests vom 05.10.2026). Gra­do ruft 295 US-Dol­lar auf, Hifi­man 179 bezie­hungs­wei­se 419 Euro. Zwei Wäh­run­gen, zwei Märk­te, ich rech­ne nicht um. Der Gra­do ist dyna­misch statt pla­nar, 122 g leich­ter und braucht rech­ne­risch weni­ger Leistung.

Nach Kon­zept ist der Senn­hei­ser HD 550 aus mei­nem Set­up der nahe­lie­gen­de Gegen­spie­ler: offen, dyna­misch, 237 g, dazu 150 Ohm statt 38 und ein 38-mm-Trei­ber statt 44 mm. Im Con­duc­tor-GT4-Test war er für mich der schwächs­te der Run­de: klang­lich gut und leicht, aber es fehl­ten Details und die fei­ne­ren Höhen. Genau da muss der S150 zei­gen, was der neue Trei­ber kann.

Der Hen­de­ka gehört in die­sel­be Bau­art, offen und dyna­misch mit 50-mm-Trei­bern. In mei­nem Test war er ein war­mer, V‑förmiger Ses­sel-Kopf­hö­rer mit viel Bass­druck. Eines gilt für alle drei: Offen heißt, dass der Schall nach außen geht und die Umge­bung her­ein­kommt. Das ist der übli­che Preis der Bauweise.

Preis und Verfügbarkeit

Gra­do ruft 295 US-Dol­lar für den Gra­do Signa­tu­re S150 auf (Stand 26.10.2026), in Groß­bri­tan­ni­en 295 Pfund. Der Kopf­hö­rer ist als Vor­be­stel­lung gelis­tet, die Aus­lie­fe­rung soll Anfang Novem­ber 2026 begin­nen. Der Gra­do-Shop lie­fert an US-Adres­sen, nur ein klei­ner Teil des Sor­ti­ments geht auch inter­na­tio­nal. Vari­an­ten bei der Bestellung:

  • Stan­dard: 6 Fuß (rund 1,8 m), 3,5 mm mit 6,3‑mm-Adapter, 295 US-Dollar
  • Kabel­län­ge alter­na­tiv: 12 Fuß (rund 3,7 m)
  • Anschluss alter­na­tiv: 4,4 mm sym­me­trisch oder 4‑Pin-XLR mit 6,3‑mm-Adapter

Fazit: Signature-Technik zum Einsteigerpreis

Der Gra­do Signa­tu­re S150 bringt Wech­sel­ka­bel, sym­me­tri­sche Anschluss­op­tio­nen und einen frisch ent­wi­ckel­ten Trei­ber für 295 US-Dol­lar, und rech­ne­risch braucht er wenig Ver­stär­ker. Wer offen hören kann und einen leich­ten Kopf­hö­rer sucht, soll­te ihn im Blick behal­ten. Wer Iso­la­ti­on braucht, ist mit jedem offe­nen Kopf­hö­rer falsch. Offen bleibt, wie viel Signa­tu­re im 44-mm-Trei­ber steckt und was aus den 295 Dol­lar in Euro­pa wird. Aus­pro­bie­ren wür­de ich die Kis­te gern.

Wer eher einen Pla­nar für klei­nes Geld sucht, fin­det hier mei­nen Test zum Hifi­man Sun­dara.

FAQ zum Grado Signature S150

Was kostet der Grado Signature S150?

95 US-Dol­lar in der Stan­dard­va­ri­an­te mit 6 Fuß Kabel und 3,5‑mm-Stecker, in Groß­bri­tan­ni­en 295 Pfund.

Was ist neu am Grado Signature S150?

Der 44-mm-S-Trei­ber mit Papier-Kom­po­sit-Mem­bran, das ein­tei­li­ge ABS-Gehäu­se und das Kabel Signa­tu­re Bron­ze. Das Teil wiegt 220 g.

Welche Anschlüsse hat der Kopfhörer?

Am Kopf­hö­rer sit­zen zwei 3,5‑mm-Buchsen. Das Kabel endet seri­en­mä­ßig in 3,5 mm mit 6,3‑mm-Adapter, alter­na­tiv gibt es 4,4 mm sym­me­trisch oder 4‑Pin-XLR mit 6,3‑mm-Adapter.

Wann ist der Grado Signature S150 erhältlich?

Er ist als Vor­be­stel­lung gelis­tet, die Aus­lie­fe­rung soll Anfang Novem­ber 2026 begin­nen. Der Gra­do-Shop lie­fert an US-Adressen.

Braucht der S150 einen starken Kopfhörerverstärker?

Bei 38 Ohm und 104 dB bei 1 mW braucht er rech­ne­risch rund 4 mW für 110 dB und rund 13 mW für 115 dB. Den Leis­tungs­be­darf für ande­re Pegel rech­net der Wattrechner.

Ist der S150 offen oder geschlossen?

Offen (Open Air). Schall geht nach außen, und Umge­bungs­ge­räu­sche kom­men herein.

Lassen sich die Polster tauschen?

Ja. Seri­en­mä­ßig sitzt das F‑Polster, alle Pols­ter aus dem Gra­do-Pro­gramm passen.

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