Der LAiV Crescendo VERSE ist der Erstling einer neuen, günstigeren Produktlinie des Singapurer Herstellers und packt DAC, Vorstufe und Kopfhörerverstärker in ein einziges Gehäuse – für 849 US-Dollar direkt bei LAiV. Während die Harmony-Serie mit dem µDAC und dem gerade vorgestellten Harmony DAC 2 auf reine, spezialisierte Wandler setzt, geht die Crescendo VERSE den entgegengesetzten Weg: alles aus einer Hand, ohne dass man dafür Kabel oder Kompromisse in Kauf nehmen muss. Klingt nach dem Standardversprechen jedes All-in-One-Geräts, aber LAiV liefert dabei etwas, das man bei 849 Dollar nicht unbedingt erwartet: eine eigene R2R-Ladder-Architektur statt eines fertigen Wandlerchips.
Positionierung: Der günstige Einstieg mit großem Anspruch
Crescendo ist bei LAiV die jüngere, kompaktere Schwesterlinie zur Harmony-Serie. Wo Harmony auf Spezialisierung setzt – ein Gerät, eine Aufgabe, dafür maximal durchoptimiert –, soll Crescendo den kompletten Signalweg in einer Kiste erledigen. Die VERSE ist explizit digital-first gedacht: Es gibt keine Analogeingänge, dafür USB, optisch, koaxial und I2S, und LAiV bewirbt das Gerät als direkten Ersatz für die Kombination aus separatem DAC, Vorstufe und Kopfhörerverstärker. Zielgruppe sind Desktop- und Kopfhörer-Setups, die trotzdem an einer Endstufe oder aktiven Lautsprechern hängen sollen können, ohne ein zusätzliches Gerät dafür zu brauchen.
Technik: R2R-Ladder mit eigener Lautstärkeregelung
Anders als der Harmony µDAC hat der LAiV Crescendo VERSE eine eigene analoge Lautstärkeregelung – ein wesentlicher konzeptioneller Unterschied, der direkt aus der Preamp-Funktion folgt. Im Kern arbeitet auch hier eine diskrete, vollsymmetrische R2R-Widerstandsleiter mit auf 0,05 Prozent Toleranz selektierten Bauteilen, gesteuert über ein Intel-Altera-Cyclone-FPGA. Bei den Eingängen ist die VERSE identisch zum µDAC aufgestellt: USB und I2S liefern PCM bis 768 kHz und DSD bis DSD256, optisch und koaxial sind bei 192 kHz PCM respektive DSD64 via DoP am Ende.
Interessanter wird es bei der digitalen Wiedergabesteuerung der LAiV Crescendo VERSE. Sie kann DSD-Inhalte wahlweise nativ im 1‑Bit-Format verarbeiten oder auf Multibit umrechnen lassen – beim nativen Modus kann es laut Hersteller zu einem kurzen Knacken kommen, wenn zwischen Spuren mit unterschiedlicher Samplerate gewechselt wird, weshalb LAiV für Playlists mit gemischten Raten den Multibit-Modus empfiehlt. Dazu kommt ein integrierter Sample-Rate-Converter mit PCM-Resampling in 1x/2x/4x/8x/16x bis 768 respektive 705,6 kHz sowie DSD-Resampling bis DSD512 im nativen Modus. Mehr Auswahlmöglichkeiten als beim reinen µDAC, aber auch mehr Einstellungen, an denen man erstmal herumprobieren muss, um die für die eigene Bibliothek passende Kombination zu finden.



Ausgangsseitig treibt die VERSE XLR (rund 4 Vrms, 82 Ohm) und RCA (rund 2 Vrms, 41 Ohm) gleichzeitig, gesteuert über die erwähnte analoge Lautstärkeregelung samt mitgelieferter Fernbedienung. Die Kopfhörersektion bietet drei Gain-Stufen (Low/Medium/High) und zwei Ausgänge: balanced 4,4 mm mit bis zu 1.100 mW bei rund 11 Vrms, unsymmetrisch 6,35 mm mit bis zu 290 mW bei rund 5,5 Vrms.
Laut Herstellermessung (Audio-Precision-APx-Analyzer, PCM 192 kHz, 1 kHz, A‑bewertet, USB-Eingang, XLR-Vorstufenausgang, Kopfhörerausgang High-Gain an 32 Ohm bei Maximallautstärke) liegt der Frequenzgang bei 20 Hz bis 80 kHz innerhalb ±3 dB – deutlich weiter gefasst, aber auch großzügiger toleriert als die ±0,25 dB des µDAC. THD+N liegt bei 0,0045 Prozent für die Vorstufe und 0,008 Prozent für den Kopfhörerausgang, das Übersprechen bei ≤ ‑100 dB (bis auf den SE-Kopfhörerausgang mit ≤ ‑60 dB), der Rauschabstand zwischen 100 und 120 dB je nach Ausgang. Insgesamt solide Werte für die Preisklasse, aber erwartungsgemäß nicht auf dem Niveau der teureren Harmony-Geräte.


Besonderheiten: Alles drin, nichts extra
Der auffälligste Unterschied zum µDAC: Bei der LAiV Crescendo VERSE liegt die Fernbedienung serienmäßig bei, nicht als kostenpflichtiges Zubehör. Auch sonst ist die LAiV Crescendo VERSE kompletter ausgestattet, als der Preis vermuten lässt – 20×7‑Punktmatrix-Display, Bedienung über Power‑, Menü- und Bestätigungstaste plus Drehregler, der hier direkt die Lautstärke steuert statt wie beim µDAC nur Eingänge und Einstellungen. Gehäuse ist wieder CNC-gefrästes Aluminium mit Glasabdeckung, in Schwarz oder Silber mit Gold-Akzenten, 0,9 Kilogramm Gewicht. Schutzschaltungen gegen Übertemperatur, Überlast und DC-Offset sichern den Kopfhörerausgang ab, was bei einem Gerät ohne separate Endstufe zwischen Quelle und Kopfhörer kein reines Nice-to-have ist.




Markteinordnung: Wer sonst noch alles in einer Kiste will
In der eigenen Preisklasse trifft die LAiV Crescendo VERSE auf ernsthafte Konkurrenz. Der Burson Playmate 3 Deluxe, den wir bereits getestet haben, verfolgt bei rund 999 US-Dollar dasselbe Grundkonzept – DAC, Kopfhörerverstärker und ferngesteuerte Vorstufe in einem Gehäuse –, setzt dafür aber auf einen ESS9039-Chip statt R2R-Wandlung und liefert mit 3 Watt Class‑A pro Kanal deutlich mehr Kopfhörerleistung. Wer stattdessen mehr Budget mitbringt und trotzdem R2R will, landet eher bei separaten Komponenten wie dem Luxsin X9, der die Widerstandsleiter zumindest bei der Lautstärkeregelung einsetzt, oder bei Bursons deutlich teurerem Conductor GT4 als Referenzpunkt für das, was mehr Geld an Verstärkerleistung und Ausstattung bringt.
Preis und Verfügbarkeit
Der LAiV Crescendo VERSE kostet laut offiziellem LAiV-Store 849 US-Dollar, lieferbar direkt über den LAiV-Webshop mit weltweitem Versand. Im Lieferumfang stecken neben dem Gerät eine Kurzanleitung, die Fernbedienung und ein Netzteil mit auswechselbaren Steckern. LAiV gibt 24 Monate Garantie.
Fazit
Für unter 900 Dollar bekommt man mit der LAiV Crescendo VERSE eine R2R-Wandlung, die in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich ist, dazu eine komplette Vor- und Kopfhörerstufe mit eigener Lautstärkeregelung – ein ernsthaftes Angebot für alle, die ohne Rack-Aufbau auskommen wollen. Ob sich das R2R-Versprechen gegenüber chipbasierten Alternativen wie dem Playmate 3 auch klanglich auszahlt, lässt sich ohne eigenen Hörtest nicht seriös beurteilen.



Häufig gestelle Fragen
Kann ich an die Crescendo VERSE einen Plattenspieler oder andere Analogquellen anschließen?
Nein. Die VERSE ist rein digital ausgelegt und hat keine Analogeingänge – nur USB, optisch, koaxial und I2S.
Was ist der Unterschied zwischen DSD Native und DSD Multibit?
Im Native-Modus wird DSD in seiner ursprünglichen 1‑Bit-Form verarbeitet, ohne Umwandlung in PCM. Beim Wechsel zwischen Titeln mit unterschiedlicher Samplerate kann das zu einem kurzen Knacken führen. Der Multibit-Modus wandelt DSD intern um und liefert dafür glattere Übergänge – empfohlen für Playlists mit gemischten Formaten.
Braucht die Crescendo VERSE eine externe Vorstufe?
Nein, im Gegenteil: Sie bringt eine eigene analoge Lautstärkeregelung mit und kann direkt an Endstufen oder Aktivlautsprecher angeschlossen werden, ganz ohne zusätzliches Gerät dazwischen.
