Das Ricable Dedalus Speaker MKII öffnet den Klangraum mit samtiger Leichtigkeit, während die Höhen förmlich prickeln und im Raum funkeln wie feiner Champagner auf der Zunge. Der Bass? Butterweich, aber mit einer Extraportion Autorität, die selbst hartgesottene Class-D-Verächter zum Schmunzeln bringt. Insgesamt ein Kabel, das eurer Anlage einen Hauch von analoger Wärme und digitaler Präzision zugleich verleiht – eine seltene Symbiose, die man nur mit den feinsten Ohren wirklich erfassen kann.
Transparenzhinweis: Das getestete Ricable Dedalus Speaker MKII wurde mir von Ricable im Rahmen einer Kooperation kostenlos zur Verfügung gestellt, in der von mir gewünschten Länge (3,5 m, Hohlbanana) konfektioniert und innerhalb weniger Tage geliefert. Das Kabel verbleibt nach dem Test bei mir. Auf meine Bewertung hatte das keinen Einfluss.
Ja, ich weiß auch nicht, was ich da oben gerade geschrieben habe. Aber genau das ist der Punkt: Wenn ein Lautsprecherkabel bei euch “prickelnde Höhen” oder “Champagner-Funkeln” erzeugt, solltet ihr eher einen Elektriker rufen als einen Kabelwechsel in Erwägung ziehen. Ein Lautsprecherkabel ist Kupfer, Isolierung und ein Stecker dran – Physik, kein Parfum. Und genau mit dieser nüchternen Brille gucken wir uns das Ricable Dedalus Speaker MKII jetzt tatsächlich an.
Erster Eindruck und Verarbeitung des Ricable Dedalus Speaker MKII
Ricable hat mir vier Kabel aus der Dedalus-Serie für Reviews zur Verfügung gestellt – Cinch, XLR, Phono und eben das Ricable Dedalus Speaker MKII, mit dem ich bewusst anfange, weil ich gerade ohnehin ein Kopfhörerkabel in der Testung hatte und der Umstieg auf Lautsprecherverkabelung sich thematisch am saubersten anfühlte.
Mein Exemplar kommt in 3,5 m Länge mit Hohlbananas, gehalten in einem kräftigen Orange, das sich im Rack angenehm von den sonst omnipräsenten schwarzen, weißen oder silbernen Gehäusen abhebt. Genau dieser Farbkontrast war für mich auch der Auslöser für die Kooperation: Ich wollte bewusst weg von der hundertsten “unauffälligen” Marke und optisch etwas, das auf Fotos auch mal auffällt, ohne dabei billig zu wirken.
Zur Handhabung: Das ist, wie es sich für ein High-End-Kabel gehört, sperrig und nicht gerade leichtgewichtig – aber der Biegeradius ist für die Klasse tatsächlich in Ordnung. Da gibt es auf dem Markt deutlich unangenehmere Kandidaten. Der Y‑Split, an dem sich das Kabel für die beiden Polaritäten aufteilt, sitzt in einem dicken, stabilen Gummischlauch, der Übergang zum eigentlichen Kabel ist sauber verarbeitet. Das Sleeving selbst ist über die komplette Länge gleichmäßig, keine Laufmaschen, keine schiefen Übergänge.
Die Hohlbananas sind von exzellenter Qualität – 24-karätig vergoldet, aus einer Kupfer-Tellur-Legierung, und sie sitzen bombenfest in den Terminals. Ich hatte das Kabel bislang an den Arendal-Türmen, an meinen Amphion-Monitoren und an meinen B&W‑Lautsprechern im Einsatz, und in keinem Fall gab es auch nur den Hauch von Wackelkontakt. Da die Terminals bei den Arendal-Lautsprechern vergleichsweise hoch sitzen, hängt entsprechend auch einiges an Kabelgewicht an den Steckern – bislang aber ohne jede sichtbare Verformung oder Abnutzung an den Kontakten.
Auch die Verpackung ist erwähnenswert: edle Kartons, die fast schon für den Handel gemacht wirken, sauber konfektioniert, mit spürbarem Anspruch an die Präsentation. Einen Blick unter die Steckerabdeckung habe ich mir erlaubt – innen ist alles sauber mit einem Harz oder ähnlichem Material versiegelt. Da kommt niemand ohne Zerstörung ran, was bei diesem Preissegment auch genau der richtige Anspruch ist. Ich werde also keine Sektion aufschneiden, so gut sehen die Kabel aus.



Technische Daten (Ricable Dedalus Speaker MKII, DS3 MK2)
| Spezifikation | Wert |
|---|---|
| Leitermaterial | MARC Pure Copper 7N (99,99999 %) |
| Leiterquerschnitt | 6,4 mm² |
| Aufbau | 750 Litzen pro Leiter, Litzendurchmesser 0,10 mm |
| Geometrie | Verdrillte Leiter (Twisted) |
| Dielektrikum | R‑TEC Technopolymer |
| Außenschirmung | Verzinntes OFC-Kupfergeflecht |
| Außenmantel | Hochdichter Mantel mit PE/Nylon-Sleeve |
| Kapazität | 50 pF/m |
| Widerstand | 3,4 Ω/km |
| Belastbarkeit | 650 W RMS max. |
| Außendurchmesser | Ø 16 mm |
| Stecker | BFA-Bananas, Kupfer-Tellur-Legierung, 24K vergoldet |
| Besonderheit | RNR – Germanium Noise Reduction System |
| Preis (Referenz) | 756 € für 4 m, inkl. MwSt. (Länge individuell konfigurierbar) |
Ein paar Anmerkungen zu diesen Zahlen, weil rohe Datenblattwerte ohne Einordnung wenig aussagen: Der Widerstand von 3,4 Ω/km ist für 6,4 mm² Kupfer plausibel – reines Vollkupfer läge theoretisch bei etwa 2,7 Ω/km, die Differenz erklärt sich durch die für Litzenleiter typischen Packungsverluste. Witziger Fakt am Rande: Beim reinen DC-Widerstand landet man damit fast exakt beim Normwert eines gewöhnlichen 10-AWG-Kabels (ca. 3,3 Ω/km) – trotz 7N-Reinkupfer und MARC-Markenname. Wohlgemerkt: Das ist kein Vergleich auf Augenhöhe, was die Konstruktion angeht. Ein 10-AWG-Baumarktkabel ist in aller Regel massiv oder grob verlitzt, während im Ricable Dedalus Speaker MKII 750 feine Einzeladern à 0,10 mm stecken – aufwendiger zu fertigen, flexibler in der Handhabung, aber am reinen Gleichstromwiderstand ändert die Feinlitzen-Bauweise nichts, weil der zählt schlicht die gesamte Kupferquerschnittsfläche. Der Punkt ist also nicht “das ist dasselbe Kabel”, sondern: Beim Widerstandswert selbst kauft man sich mit 7N-Kupfer keinen messbaren Vorteil gegenüber gewöhnlichem Kupfer gleichen Querschnitts – der Mehrwert des Ricable Dedalus Speaker MKII liegt woanders (Flexibilität, Verarbeitung, Langzeitstabilität der feinen Litzen), nicht in einer besseren Leitfähigkeit.
Bei der Kapazität von 50 pF/m sind wir bei meiner Kabellänge von 3,5 m bei insgesamt gerade einmal 175 pF – schlicht irrelevant. Kapazität wird bei Lautsprecherkabeln erst ab einigen Tausend pF zum Thema, meist bei sehr langen Strecken (zig Meter) in Kombination mit bestimmten, eher instabilen Verstärkerausgangsstufen. Bei den Kabellängen, die im normalen Wohnzimmer vorkommen, spielt das keine Rolle – weder positiv noch negativ.
Zur Außenschirmung: Diese ist bei Lautsprecherkabeln elektrotechnisch mit Vorsicht zu genießen. Ein Schirm, der an keinem Ende aufgelegt ist, bietet weder gegen magnetische noch gegen kapazitive Einstreuung einen nennenswerten Nutzen – ohne Anbindung an ein Referenzpotential kann er keine Störströme ableiten, egal welcher Kopplungsmechanismus dahintersteckt. Schaden tut die Schirmung trotzdem nicht, aber einen echten hörbaren Vorteil sollte man sich von einer nicht aufgelegten Schirmung bei einer niederohmigen, stromstarken Lautsprecherverbindung nicht versprechen. Ihren tatsächlichen Nutzen hat die Schirmung damit eher mechanisch als elektrisch: Sie schützt vor Abrieb und hält den Leiteraufbau in Form – nur eben nicht die Ohren vor Störungen.
Bleibt die Frage, ob die Feinlitzen-Bauweise selbst akustisch etwas bringt – Stichwort Skineffekt: Bei Wechselstrom verdrängt sich der Stromfluss zunehmend an den Rand eines Leiters, bei hohen Frequenzen trägt praktisch nur eine dünne Außenschicht den Strom. Die sogenannte Skintiefe liegt bei Kupfer und 20 kHz bei rund 0,46 mm; bei 20 Hz sind es dagegen schon 14,6 mm – im Bassbereich spielt der Effekt also so oder so keine Rolle, das ist reines Hochton-Thema. Eine massive Volllitze mit 6,4 mm² Querschnitt (Radius ca. 1,43 mm) nutzt bei 20 kHz ihren Querschnitt damit nicht mehr voll aus, der Wechselstromwiderstand steigt gegenüber dem Gleichstromwiderstand spürbar an. Die einzelnen Litzen im Ricable Dedalus Speaker MKII (0,05 mm Radius) sind dagegen bei jeder Audiofrequenz winzig gegen die Skintiefe – jede Ader nutzt ihren Querschnitt vollständig aus. Die Feinlitzen-Konstruktion ist damit die technisch korrekte Antwort auf den Skineffekt, keine Marketing-Behauptung – aus der HF-Technik ist Litzendraht genau deswegen bekannt.
Der Praxis-Check relativiert das trotzdem: Selbst mit dem nach der gängigen Rundleiter-Näherung (R_AC/R_DC ≈ r/(2δ) + 0,25) geschätzten Anstieg des Wechselstromwiderstands bei 20 kHz landet man bei einer zusätzlichen Differenz von grob 2 Ω/km. Über 3,5 m Kabellänge sind das rund 0,007 Ω zusätzlich – gegenüber der Schleifenimpedanz aus Verstärkerausgang und Schwingspulenwiderstand (typischerweise mehrere Ohm) weiterhin ein Wert im Promillebereich und praktisch nicht hörbar. Manche werden an dieser Stelle einwenden, dass 20 kHz nicht das Ende der Geschichte ist – Stichwort Hypersonic-Effekt, also die These, dass Ultraschallanteile jenseits der klassischen Hörgrenze die Wahrnehmung trotzdem beeinflussen könnten. Das ist in der Fachwelt umstritten und nicht breit repliziert, der wissenschaftliche Konsens verortet die menschliche Hörgrenze weiterhin bei rund 20 kHz, bei den meisten Menschen deutlich darunter. Selbst wenn man das Fenster großzügig bis 45 kHz aufspannt, ändert sich an der Rechnung nichts – im Gegenteil, der Skineffekt-Nachteil des Vollkupferleiters wird bei steigender Frequenz nur noch größer, während die feinen Dedalus-Litzen ihren Querschnitt weiterhin voll nutzen.
Damit bleibt am Ende eine ehrliche, nicht überzogene Einordnung: High End ist die Summe seiner Teile, und wer das Kabel als Fehlerquelle komplett ausschließen will, landet konstruktiv fast zwangsläufig bei einer Feinlitzen-Lösung wie dieser. Das ist der Unterschied zwischen “technisch korrekt gelöst” und “hörbar besser” – ein sauberes Engineering-Argument, das man führen kann, ohne einen hörbaren Gewinn zu behaupten, den man nicht belegen kann.
Wo wir gerade bei Skineffekt sind: Ein Wort noch zum Dauerbrenner der versilberten Leiter, weil das Ricable Dedalus Speaker MKII bewusst darauf verzichtet – reines Kupfer, kein Silber, keine Versilberung. Die Marketinglogik hinter versilberten oder silberbeschichteten Kabeln greift meistens genau das Skineffekt-Argument auf: Weil Hochtöne angeblich nur an der Leiteroberfläche fließen, reiche eine dünne Silberschicht außen, um sich die (echte, aber kleine) Leitfähigkeitsverbesserung von Silber gegenüber Kupfer – Silber liegt bei etwa 5–6 % weniger spezifischem Widerstand – quasi geschenkt einzukaufen, ohne einen teuren Vollsilberleiter zu bauen. Klingt erstmal clever, hält der Rechnung aber aus zwei Gründen nicht stand: Erstens ist die Skintiefe bei Audiofrequenzen, wie oben gezeigt, mit 0,3–15 mm um Größenordnungen dicker als die paar Mikrometer, die eine typische Versilberung ausmacht – die dünne Silberschicht liegt also weit innerhalb der ohnehin voll leitenden Zone und “fängt” gar nicht den Bereich ab, in dem sie einen Unterschied machen könnte. Zweitens gibt es am Markt tatsächlich auch echte Vollsilberkabel, keine Plating-Tricks – die legen dann noch eine Schippe drauf, kosten entsprechend deutlich mehr, ändern an der Grundrechnung aber nichts: Auch Vollsilber gegenüber Vollkupfer bringt nur besagte 5–6 % weniger Widerstand – bei Schleifenimpedanzen im Ohm-Bereich ein Unterschied im Promillebereich des Gesamtsystems, weit unterhalb jeder Hörbarkeitsschwelle. Dass “versilbert” in der Marketingsprache so gerne mit “luftigeren, prickelnden Höhen” beworben wird, ist also ziemlich genau das Klischee, das wir eingangs schon parodiert haben – nur diesmal mit einem echten physikalischen Mechanismus als Feigenblatt, der bei genauem Hinsehen nicht trägt. Dass Ricable beim Ricable Dedalus Speaker MKII auf dieses Verkaufsargument verzichtet und stattdessen offen mit reinem 7N-Kupfer wirbt, passt zur insgesamt eher nüchternen Selbstdarstellung der Marke.
Und dann ist da noch die “RNR – Germanium Noise Reduction”, die Ricable herstellerseitig mit einem Germanium-Halbleiter erklärt, der über alle Leiter Hintergrundrauschen und Fauchen reduzieren soll. Das bleibt für mich technisch vage: Germaniumdioden haben zwar eine sehr niedrige Durchlassspannung von rund 0,3 V und könnten theoretisch als Begrenzer für extrem kleine Störsignale wirken – wie das bei einem regulären Audiosignal, das deutlich über diesem Wert liegt, ohne Beeinflussung des Nutzsignals funktionieren soll, erschließt sich mir aber nicht. Eine unabhängige Messung dazu habe ich nicht gefunden, nur den Marketingtext. Ich zähle das hier explizit als offene Frage, nicht als bestätigtes Feature.


Klang und Praxis des Ricable Dedalus Speaker MKII
Ich mache es kurz, weil ich bei Lautsprecherkabeln grundsätzlich ungern über Klang im Sinne von Klangfärbung rede: Ein Kabel darf den Ton nicht schlechter machen. Mehr Anspruch habe ich nicht, und alles andere wäre genau die Art von Voodoo, über die wir uns oben schon lustig gemacht haben.
Getestet habe ich das Ricable Dedalus Speaker MKII unter anderem am Burson Audio Timekeeper GT4 (Class AB, mit einer leichten, angenehmen Wärme in der Signatur) und am Hypex Nilai500 DIY (Class D, sehr neutral und mit ordentlich Punch). In beiden Ketten liefert das Kabel sauber: Es leitet, es macht Druck, es steht dem Signal nicht im Weg.
Was ich stattdessen bewerten kann, ist das Gesamtpaket: Ein solides, handwerklich sauber gefertigtes Kabel, das seine einzige Aufgabe – Signaltransport ohne Verluste oder Fehler – zuverlässig erfüllt.

Was das Ricable Dedalus Speaker MKII kostet und was es wert ist
Das Ricable Dedalus Speaker MKII kostet in meiner Konfektionierung (4 m) 756 € inklusive Mehrwertsteuer. Klingt erst mal happig, deswegen lohnt sich der Vergleich mit einer sauberen Selbstbau-Lösung.
Nehmen wir das Sommer Cable SC-DUAL Blue als Referenz – ein bekanntes, respektiertes Profi-Kabel, kein Consumer-Voodoo-Produkt: 4 mm² Leiterquerschnitt, 4,5 Ω/km, 65 pF/m, aktuell bei Thomann für 27,50 €/m (UVP 44,33 €/m). Für ein vergleichbares 4‑m-Stereopaar braucht man 8 m Kabel (zwei Kanäle), macht rechnerisch 220 € beim aktuellen Angebotspreis bzw. rund 355 € zum UVP. Dazu kommen hochwertige Bananas (grob 60–120 € für vier bis acht Stecker) und Sleeving/Y‑Aufteilung (20–30 €). Macht in Summe etwa 300 bis 500 €, je nachdem, ob man zum Sale- oder UVP-Preis rechnet – plus die eigene Zeit und Mühe für eine saubere Konfektionierung.
Das Ricable Dedalus Speaker MKII liegt damit beim etwa 1,5- bis 2,5‑Fachen einer Selbstbau-Lösung. Elektrisch ist das kein Wunder, wie oben gezeigt: Der Aufpreis steckt nicht in besserer Physik, sondern in Konfektionierung, Steckerqualität, Optik, Kundenservice und nicht zuletzt der Lifetime-Warranty, die Ricable branchenweit ziemlich einzigartig auf alle seine Produkte gewährt. Wer die Muße und das handwerkliche Geschick hat, sich selbst ein Kabel zu bauen, kommt günstiger weg. Wer das nicht will oder kann, bekommt hier ein fair bepreistes, fertiges Ergebnis.
Interessanter ist der Vergleich mit einer fertig konfektionierten Marke auf ähnlicher Position im jeweiligen Portfolio: Ricable staffelt seine Serien Primus → Magnus → Dedalus → Invictus, das schwedische Supra staffelt ähnlich in Classic → Ply/Quadrax → Sword → Sword Excalibur – Dedalus und Sword sitzen also beide auf der zweithöchsten Stufe ihrer Marke. Das Supra Sword kostet in der zu meiner Konfektionierung passenden 4‑m-Länge 1.299 € – fast das Doppelte des Ricable Dedalus Speaker MKII. Elektrische Kennwerte veröffentlicht Supra für das Sword allerdings gar nicht (kein Ω/km, kein pF/m) – nur Konstruktionsdaten. Der dünnere Leiterquerschnitt (3,0 mm² gegenüber 6,4 mm² beim Dedalus) lässt aber schon rein rechnerisch einen deutlich höheren Widerstand erwarten. Dafür löst Supra die Störunterdrückung anders und nachvollziehbarer: eine bifilare Wicklung (12 Adern in die eine, 12 in die andere Richtung gewickelt), die Magnetfelder geometrisch auslöscht – ein klar erklärter, physikalisch begründeter Mechanismus, anders als die RNR-Blackbox beim Ricable Dedalus Speaker MKII. Wer noch höher greifen will, landet bei Supras eigenem Flaggschiff Sword Excalibur (Bifilar-Wicklung plus zusätzlicher Schirm, rhodiumbeschichtete Stecker) – dort zahlt man für 4 m grob 2.300 bis 2.400 €, mehr als das Dreifache des Dedalus.
Über Ricable
Ricable ist ein italienischer Hersteller, der seine Kabel größtenteils in Handarbeit fertigt und praktisch jedes Modell als Build-to-Order anbietet – Länge und Farbe lassen sich frei konfigurieren, wie auch bei meinem Testkabel. Das Ricable Dedalus Speaker MKII gehört zur Dedalus-Serie, die in der oberen Mittelklasse des Ricable-Portfolios sitzt, direkt unterhalb des Flaggschiffs Invictus.
Ein Wort noch zur Lifetime-Warranty, weil die in der Pro-Liste sonst nur als Stichpunkt steht: Eine lebenslange Garantie ist im Premium-Kabelmarkt für sich genommen längst Standard – Nordost, AudioQuest und auch Supra bieten alle eine “limited lifetime warranty” an. Der eigentliche Unterschied steckt im Kleingedruckten der Abwicklung: Nordost etwa verlangt ausdrücklich, dass Kunden Reparatursendungen auf eigene Kosten und eigenes Risiko einschicken (“must be sent prepaid”). Ricable holt ein defektes Kabel dagegen weltweit auf eigene Kosten ab und schickt es repariert zurück. Kauft man direkt bei Ricable, wird die Garantie zudem automatisch registriert; bei einem autorisierten Händler liegt eine Registrierungskarte im Karton bei. Nicht die Garantie an sich ist also das Alleinstellungsmerkmal, sondern dass Ricable die Versandkosten und den Aufwand komplett übernimmt.
Fazit
Das Ricable Dedalus Speaker MKII ist genau das, was der Hersteller selbst behauptet zu bauen: solides Handwerk statt Voodoo. Die Verarbeitung ist tadellos, die Bananas sitzen bombenfest, die technischen Daten sind – anders als bei vielen Mitbewerbern – nachvollziehbar und nicht aufgeblasen. Klanglich gilt das, was für gute Lautsprecherkabel gelten sollte: Es steht dem Ton nicht im Weg. Mehr sollte man von einem Kabel auch nicht erwarten. Der Aufpreis gegenüber einer sauberen Selbstbau-Lösung ist real, aber moderat – man bezahlt für Konfektionierung, Optik und die branchenweit seltene Lifetime-Warranty, nicht für bessere Physik.
HiFiGeek Award
Der Ausschlag dafür ist am Ende die Preis/Leistung-Wertung: nicht weil “günstig” für sich genommen zählt, sondern weil sich konkret zeigen lässt, wofür man zahlt. Der DIY-Vergleich mit dem Sommer Cable oben zeigt, was reines Material und Konfektionierung kosten. Der Vergleich mit dem positionsgleichen Supra Sword zeigt, dass ein bekannter Wettbewerber für fast das Doppelte einen dünneren Leiterquerschnitt und ebenfalls keine veröffentlichten Ω/km- oder pF/m‑Werte liefert. Dazu kommt, dass Ricable bei der ohnehin marktüblichen Lifetime-Warranty die komplette Abwicklung inklusive weltweitem Versand übernimmt, statt wie andere Hersteller die Rücksendekosten dem Kunden aufzubürden. Wer ohne Bullshit rechnet, bekommt beim Ricable Dedalus Speaker MKII mehr Kupfer, transparentere Messwerte, eine kundenfreundlichere Garantieabwicklung und trotzdem den niedrigeren Preis – Material und Service schlagen Voodoo, auch bei der Konkurrenz.

Häufige Fragen zum Ricable Dedalus Speaker MKII
Welche Längen gibt es beim Ricable Dedalus Speaker MKII?
Ricable fertigt das Kabel individuell nach Wunsch – welche Länge und Farbe möglich sind, lässt sich direkt bei Ricable erfragen.
Passt das Ricable Dedalus Speaker MKII zu jedem Verstärker?
Ja, unabhängig von der Verstärkerklasse (Class A, AB, D, H) funktioniert das Kabel wie jedes andere Lautsprecherkabel auch.
Braucht man High-End-Lautsprecherkabel überhaupt?
Zwingend notwendig ist das nicht – vergleichbar mit optischem Tuning am Auto: kein Muss, aber wer’s mag, bekommt hier solide Verarbeitung und ein Kabel, das dem Klang zumindest nicht im Weg steht.
Warum verzichtet Ricable auf versilberte Leiter?
Silber ist gegenüber Kupfer nur um etwa 5–6 % leitfähiger, und die bei versilberten Kabeln oft bemühte Skineffekt-Begründung trägt bei Audiofrequenzen nicht: Die Skintiefe liegt dort um Größenordnungen über der Dicke einer typischen Silberbeschichtung. Ricable setzt stattdessen konsequent auf reines 7N-Kupfer, was zur insgesamt nüchternen Selbstdarstellung der Marke passt.
Bringt die Feinlitzen-Konstruktion (750 Adern à 0,10 mm) tatsächlich etwas?
Beim reinen Gleichstromwiderstand nicht – der hängt nur von der gesamten Kupferquerschnittsfläche ab, nicht von der Anzahl der Litzen. Bei hohen Audiofrequenzen ist die Feinlitzen-Bauweise aber die technisch korrekte Antwort auf den Skineffekt, weil jede einzelne Ader ihren Querschnitt vollständig nutzt, während ein dicker Volleiter das nicht mehr tut. Praktisch bei den hier üblichen Kabellängen ist der Unterschied trotzdem nicht hörbar.
Was bringt die dreilagige Schirmung wirklich?
Elektrisch wenig, weil ein nicht aufgelegter Schirm weder gegen magnetische noch gegen kapazitive Einstreuung nennenswert wirkt. Ihren tatsächlichen Nutzen hat sie eher mechanisch: Sie schützt vor Abrieb und hält den Leiteraufbau in Form.
Was ist die “RNR – Germanium Noise Reduction”?
Laut Ricable soll ein Germanium-Halbleiter über den Leitern Hintergrundrauschen reduzieren. Der genaue Wirkmechanismus bleibt im Datenblatt unerklärt, und es gibt dazu keine unabhängige Messung – das bleibt an dieser Stelle ein offener Herstellerclaim, kein bestätigtes Feature.
Ist das Ricable Dedalus Speaker MKII teuer im Vergleich zur Konkurrenz?
Im Gegenteil: Gegenüber dem positionsgleichen Supra Sword (gleiche Stufe im jeweiligen Portfolio) kostet es bei identischer Länge fast die Hälfte, bei dickerem Leiterquerschnitt und veröffentlichten Messwerten, die Supra für sein Kabel gar nicht erst angibt.
Wie läuft die Lifetime-Warranty im Schadensfall ab?
Ricable holt das defekte Kabel weltweit auf eigene Kosten ab und schickt es repariert zurück – anders als etwa Nordost, wo Kunden die Rücksendung selbst bezahlen müssen. Bei Direktkauf wird die Garantie automatisch registriert, bei Händlerkauf über eine beiliegende Registrierungskarte.
