Ricable Dedalus Speaker MKII

Prickelnde Höhen, satter Bass: Das Ricable Dedalus Speaker MKII im Test

Das Rica­ble Deda­lus Spea­k­er MKII öff­net den Klang­raum mit sam­ti­ger Leich­tig­keit, wäh­rend die Höhen förm­lich pri­ckeln und im Raum fun­keln wie fei­ner Cham­pa­gner auf der Zun­ge. Der Bass? But­ter­weich, aber mit einer Extra­por­ti­on Auto­ri­tät, die selbst hart­ge­sot­te­ne Class-D-Ver­äch­ter zum Schmun­zeln bringt. Ins­ge­samt ein Kabel, das eurer Anla­ge einen Hauch von ana­lo­ger Wär­me und digi­ta­ler Prä­zi­si­on zugleich ver­leiht – eine sel­te­ne Sym­bio­se, die man nur mit den feins­ten Ohren wirk­lich erfas­sen kann.

Trans­pa­renz­hin­weis: Das getes­te­te Rica­ble Deda­lus Spea­k­er MKII wur­de mir von Rica­ble im Rah­men einer Koope­ra­ti­on kos­ten­los zur Ver­fü­gung gestellt, in der von mir gewünsch­ten Län­ge (3,5 m, Hohl­bana­na) kon­fek­tio­niert und inner­halb weni­ger Tage gelie­fert. Das Kabel ver­bleibt nach dem Test bei mir. Auf mei­ne Bewer­tung hat­te das kei­nen Einfluss.

Ja, ich weiß auch nicht, was ich da oben gera­de geschrie­ben habe. Aber genau das ist der Punkt: Wenn ein Laut­spre­cher­ka­bel bei euch “pri­ckeln­de Höhen” oder “Cham­pa­gner-Fun­keln” erzeugt, soll­tet ihr eher einen Elek­tri­ker rufen als einen Kabel­wech­sel in Erwä­gung zie­hen. Ein Laut­spre­cher­ka­bel ist Kup­fer, Iso­lie­rung und ein Ste­cker dran – Phy­sik, kein Par­fum. Und genau mit die­ser nüch­ter­nen Bril­le gucken wir uns das Rica­ble Deda­lus Spea­k­er MKII jetzt tat­säch­lich an.

Erster Eindruck und Verarbeitung des Ricable Dedalus Speaker MKII

Rica­ble hat mir vier Kabel aus der Deda­lus-Serie für Reviews zur Ver­fü­gung gestellt – Cinch, XLR, Pho­no und eben das Rica­ble Deda­lus Spea­k­er MKII, mit dem ich bewusst anfan­ge, weil ich gera­de ohne­hin ein Kopf­hö­rer­ka­bel in der Tes­tung hat­te und der Umstieg auf Laut­spre­cher­ver­ka­be­lung sich the­ma­tisch am sau­bers­ten anfühlte.

Mein Exem­plar kommt in 3,5 m Län­ge mit Hohl­bana­nas, gehal­ten in einem kräf­ti­gen Oran­ge, das sich im Rack ange­nehm von den sonst omni­prä­sen­ten schwar­zen, wei­ßen oder sil­ber­nen Gehäu­sen abhebt. Genau die­ser Farb­kon­trast war für mich auch der Aus­lö­ser für die Koope­ra­ti­on: Ich woll­te bewusst weg von der hun­derts­ten “unauf­fäl­li­gen” Mar­ke und optisch etwas, das auf Fotos auch mal auf­fällt, ohne dabei bil­lig zu wirken.

Zur Hand­ha­bung: Das ist, wie es sich für ein High-End-Kabel gehört, sper­rig und nicht gera­de leicht­ge­wich­tig – aber der Bie­ge­ra­di­us ist für die Klas­se tat­säch­lich in Ord­nung. Da gibt es auf dem Markt deut­lich unan­ge­neh­me­re Kan­di­da­ten. Der Y‑Split, an dem sich das Kabel für die bei­den Pola­ri­tä­ten auf­teilt, sitzt in einem dicken, sta­bi­len Gum­mi­schlauch, der Über­gang zum eigent­li­chen Kabel ist sau­ber ver­ar­bei­tet. Das Slee­ving selbst ist über die kom­plet­te Län­ge gleich­mä­ßig, kei­ne Lauf­ma­schen, kei­ne schie­fen Übergänge.

Die Hohl­bana­nas sind von exzel­len­ter Qua­li­tät – 24-karä­tig ver­gol­det, aus einer Kup­fer-Tel­lur-Legie­rung, und sie sit­zen bom­ben­fest in den Ter­mi­nals. Ich hat­te das Kabel bis­lang an den Are­nd­al-Tür­men, an mei­nen Amphion-Moni­to­ren und an mei­nen B&W‑Lautsprechern im Ein­satz, und in kei­nem Fall gab es auch nur den Hauch von Wackel­kon­takt. Da die Ter­mi­nals bei den Are­nd­al-Laut­spre­chern ver­gleichs­wei­se hoch sit­zen, hängt ent­spre­chend auch eini­ges an Kabel­ge­wicht an den Ste­ckern – bis­lang aber ohne jede sicht­ba­re Ver­for­mung oder Abnut­zung an den Kontakten.

Auch die Ver­pa­ckung ist erwäh­nens­wert: edle Kar­tons, die fast schon für den Han­del gemacht wir­ken, sau­ber kon­fek­tio­niert, mit spür­ba­rem Anspruch an die Prä­sen­ta­ti­on. Einen Blick unter die Ste­cker­ab­de­ckung habe ich mir erlaubt – innen ist alles sau­ber mit einem Harz oder ähn­li­chem Mate­ri­al ver­sie­gelt. Da kommt nie­mand ohne Zer­stö­rung ran, was bei die­sem Preis­seg­ment auch genau der rich­ti­ge Anspruch ist. Ich wer­de also kei­ne Sek­ti­on auf­schnei­den, so gut sehen die Kabel aus.

Technische Daten (Ricable Dedalus Speaker MKII, DS3 MK2)

Spe­zi­fi­ka­ti­onWert
Lei­ter­ma­te­ri­alMARC Pure Cop­per 7N (99,99999 %)
Lei­ter­quer­schnitt6,4 mm²
Auf­bau750 Lit­zen pro Lei­ter, Lit­zen­durch­mes­ser 0,10 mm
Geo­me­trieVer­drill­te Lei­ter (Twis­ted)
Dielek­tri­kumR‑TEC Tech­no­po­ly­mer
Außen­schir­mungVer­zinn­tes OFC-Kupfergeflecht
Außen­man­telHoch­dich­ter Man­tel mit PE/­Ny­lon-Slee­ve
Kapa­zi­tät50 pF/m
Wider­stand3,4 Ω/km
Belast­bar­keit650 W RMS max.
Außen­durch­mes­serØ 16 mm
Ste­ckerBFA-Bana­nas, Kup­fer-Tel­lur-Legie­rung, 24K vergoldet
Beson­der­heitRNR – Ger­ma­ni­um Noi­se Reduc­tion System
Preis (Refe­renz)756 € für 4 m, inkl. MwSt. (Län­ge indi­vi­du­ell konfigurierbar)

Ein paar Anmer­kun­gen zu die­sen Zah­len, weil rohe Daten­blatt­wer­te ohne Ein­ord­nung wenig aus­sa­gen: Der Wider­stand von 3,4 Ω/km ist für 6,4 mm² Kup­fer plau­si­bel – rei­nes Voll­kup­fer läge theo­re­tisch bei etwa 2,7 Ω/km, die Dif­fe­renz erklärt sich durch die für Lit­zen­lei­ter typi­schen Packungs­ver­lus­te. Wit­zi­ger Fakt am Ran­de: Beim rei­nen DC-Wider­stand lan­det man damit fast exakt beim Norm­wert eines gewöhn­li­chen 10-AWG-Kabels (ca. 3,3 Ω/km) – trotz 7N-Rein­kup­fer und MARC-Mar­ken­na­me. Wohl­ge­merkt: Das ist kein Ver­gleich auf Augen­hö­he, was die Kon­struk­ti­on angeht. Ein 10-AWG-Bau­markt­ka­bel ist in aller Regel mas­siv oder grob ver­litzt, wäh­rend im Rica­ble Deda­lus Spea­k­er MKII 750 fei­ne Ein­zel­adern à 0,10 mm ste­cken – auf­wen­di­ger zu fer­ti­gen, fle­xi­bler in der Hand­ha­bung, aber am rei­nen Gleich­strom­wi­der­stand ändert die Fein­lit­zen-Bau­wei­se nichts, weil der zählt schlicht die gesam­te Kup­fer­quer­schnitts­flä­che. Der Punkt ist also nicht “das ist das­sel­be Kabel”, son­dern: Beim Wider­stands­wert selbst kauft man sich mit 7N-Kup­fer kei­nen mess­ba­ren Vor­teil gegen­über gewöhn­li­chem Kup­fer glei­chen Quer­schnitts – der Mehr­wert des Rica­ble Deda­lus Spea­k­er MKII liegt woan­ders (Fle­xi­bi­li­tät, Ver­ar­bei­tung, Lang­zeit­sta­bi­li­tät der fei­nen Lit­zen), nicht in einer bes­se­ren Leitfähigkeit.

Bei der Kapa­zi­tät von 50 pF/m sind wir bei mei­ner Kabel­län­ge von 3,5 m bei ins­ge­samt gera­de ein­mal 175 pF – schlicht irrele­vant. Kapa­zi­tät wird bei Laut­spre­cher­ka­beln erst ab eini­gen Tau­send pF zum The­ma, meist bei sehr lan­gen Stre­cken (zig Meter) in Kom­bi­na­ti­on mit bestimm­ten, eher insta­bi­len Ver­stär­ker­aus­gangs­stu­fen. Bei den Kabel­län­gen, die im nor­ma­len Wohn­zim­mer vor­kom­men, spielt das kei­ne Rol­le – weder posi­tiv noch negativ.

Zur Außen­schir­mung: Die­se ist bei Laut­spre­cher­ka­beln elek­tro­tech­nisch mit Vor­sicht zu genie­ßen. Ein Schirm, der an kei­nem Ende auf­ge­legt ist, bie­tet weder gegen magne­ti­sche noch gegen kapa­zi­ti­ve Ein­streu­ung einen nen­nens­wer­ten Nut­zen – ohne Anbin­dung an ein Refe­renz­po­ten­ti­al kann er kei­ne Stör­strö­me ablei­ten, egal wel­cher Kopp­lungs­me­cha­nis­mus dahin­ter­steckt. Scha­den tut die Schir­mung trotz­dem nicht, aber einen ech­ten hör­ba­ren Vor­teil soll­te man sich von einer nicht auf­ge­leg­ten Schir­mung bei einer nie­der­oh­mi­gen, strom­star­ken Laut­spre­cher­ver­bin­dung nicht ver­spre­chen. Ihren tat­säch­li­chen Nut­zen hat die Schir­mung damit eher mecha­nisch als elek­trisch: Sie schützt vor Abrieb und hält den Lei­ter­auf­bau in Form – nur eben nicht die Ohren vor Störungen.

Bleibt die Fra­ge, ob die Fein­lit­zen-Bau­wei­se selbst akus­tisch etwas bringt – Stich­wort Skin­ef­fekt: Bei Wech­sel­strom ver­drängt sich der Strom­fluss zuneh­mend an den Rand eines Lei­ters, bei hohen Fre­quen­zen trägt prak­tisch nur eine dün­ne Außen­schicht den Strom. Die soge­nann­te Skin­tie­fe liegt bei Kup­fer und 20 kHz bei rund 0,46 mm; bei 20 Hz sind es dage­gen schon 14,6 mm – im Bass­be­reich spielt der Effekt also so oder so kei­ne Rol­le, das ist rei­nes Hoch­ton-The­ma. Eine mas­si­ve Voll­lit­ze mit 6,4 mm² Quer­schnitt (Radi­us ca. 1,43 mm) nutzt bei 20 kHz ihren Quer­schnitt damit nicht mehr voll aus, der Wech­sel­strom­wi­der­stand steigt gegen­über dem Gleich­strom­wi­der­stand spür­bar an. Die ein­zel­nen Lit­zen im Rica­ble Deda­lus Spea­k­er MKII (0,05 mm Radi­us) sind dage­gen bei jeder Audio­fre­quenz win­zig gegen die Skin­tie­fe – jede Ader nutzt ihren Quer­schnitt voll­stän­dig aus. Die Fein­lit­zen-Kon­struk­ti­on ist damit die tech­nisch kor­rek­te Ant­wort auf den Skin­ef­fekt, kei­ne Mar­ke­ting-Behaup­tung – aus der HF-Tech­nik ist Lit­zen­draht genau des­we­gen bekannt.

Der Pra­xis-Check rela­ti­viert das trotz­dem: Selbst mit dem nach der gän­gi­gen Rund­lei­ter-Nähe­rung (R_AC/R_DC ≈ r/(2δ) + 0,25) geschätz­ten Anstieg des Wech­sel­strom­wi­der­stands bei 20 kHz lan­det man bei einer zusätz­li­chen Dif­fe­renz von grob 2 Ω/km. Über 3,5 m Kabel­län­ge sind das rund 0,007 Ω zusätz­lich – gegen­über der Schlei­fen­im­pe­danz aus Ver­stär­ker­aus­gang und Schwing­spu­len­wi­der­stand (typi­scher­wei­se meh­re­re Ohm) wei­ter­hin ein Wert im Pro­mil­le­be­reich und prak­tisch nicht hör­bar. Man­che wer­den an die­ser Stel­le ein­wen­den, dass 20 kHz nicht das Ende der Geschich­te ist – Stich­wort Hyper­so­nic-Effekt, also die The­se, dass Ultra­schall­an­tei­le jen­seits der klas­si­schen Hör­gren­ze die Wahr­neh­mung trotz­dem beein­flus­sen könn­ten. Das ist in der Fach­welt umstrit­ten und nicht breit repli­ziert, der wis­sen­schaft­li­che Kon­sens ver­or­tet die mensch­li­che Hör­gren­ze wei­ter­hin bei rund 20 kHz, bei den meis­ten Men­schen deut­lich dar­un­ter. Selbst wenn man das Fens­ter groß­zü­gig bis 45 kHz auf­spannt, ändert sich an der Rech­nung nichts – im Gegen­teil, der Skin­ef­fekt-Nach­teil des Voll­kup­fer­lei­ters wird bei stei­gen­der Fre­quenz nur noch grö­ßer, wäh­rend die fei­nen Deda­lus-Lit­zen ihren Quer­schnitt wei­ter­hin voll nutzen.

Damit bleibt am Ende eine ehr­li­che, nicht über­zo­ge­ne Ein­ord­nung: High End ist die Sum­me sei­ner Tei­le, und wer das Kabel als Feh­ler­quel­le kom­plett aus­schlie­ßen will, lan­det kon­struk­tiv fast zwangs­läu­fig bei einer Fein­lit­zen-Lösung wie die­ser. Das ist der Unter­schied zwi­schen “tech­nisch kor­rekt gelöst” und “hör­bar bes­ser” – ein sau­be­res Engi­nee­ring-Argu­ment, das man füh­ren kann, ohne einen hör­ba­ren Gewinn zu behaup­ten, den man nicht bele­gen kann.

Wo wir gera­de bei Skin­ef­fekt sind: Ein Wort noch zum Dau­er­bren­ner der ver­sil­ber­ten Lei­ter, weil das Rica­ble Deda­lus Spea­k­er MKII bewusst dar­auf ver­zich­tet – rei­nes Kup­fer, kein Sil­ber, kei­ne Ver­sil­be­rung. Die Mar­ke­ting­lo­gik hin­ter ver­sil­ber­ten oder sil­ber­be­schich­te­ten Kabeln greift meis­tens genau das Skin­ef­fekt-Argu­ment auf: Weil Hoch­tö­ne angeb­lich nur an der Lei­ter­ober­flä­che flie­ßen, rei­che eine dün­ne Sil­ber­schicht außen, um sich die (ech­te, aber klei­ne) Leit­fä­hig­keits­ver­bes­se­rung von Sil­ber gegen­über Kup­fer – Sil­ber liegt bei etwa 5–6 % weni­ger spe­zi­fi­schem Wider­stand – qua­si geschenkt ein­zu­kau­fen, ohne einen teu­ren Voll­sil­ber­lei­ter zu bau­en. Klingt erst­mal cle­ver, hält der Rech­nung aber aus zwei Grün­den nicht stand: Ers­tens ist die Skin­tie­fe bei Audio­fre­quen­zen, wie oben gezeigt, mit 0,3–15 mm um Grö­ßen­ord­nun­gen dicker als die paar Mikro­me­ter, die eine typi­sche Ver­sil­be­rung aus­macht – die dün­ne Sil­ber­schicht liegt also weit inner­halb der ohne­hin voll lei­ten­den Zone und “fängt” gar nicht den Bereich ab, in dem sie einen Unter­schied machen könn­te. Zwei­tens gibt es am Markt tat­säch­lich auch ech­te Voll­sil­ber­ka­bel, kei­ne Pla­ting-Tricks – die legen dann noch eine Schip­pe drauf, kos­ten ent­spre­chend deut­lich mehr, ändern an der Grund­rech­nung aber nichts: Auch Voll­sil­ber gegen­über Voll­kup­fer bringt nur besag­te 5–6 % weni­ger Wider­stand – bei Schlei­fen­im­pe­dan­zen im Ohm-Bereich ein Unter­schied im Pro­mil­le­be­reich des Gesamt­sys­tems, weit unter­halb jeder Hör­bar­keits­schwel­le. Dass “ver­sil­bert” in der Mar­ke­ting­spra­che so ger­ne mit “luf­ti­ge­ren, pri­ckeln­den Höhen” bewor­ben wird, ist also ziem­lich genau das Kli­schee, das wir ein­gangs schon par­odiert haben – nur dies­mal mit einem ech­ten phy­si­ka­li­schen Mecha­nis­mus als Fei­gen­blatt, der bei genau­em Hin­se­hen nicht trägt. Dass Rica­ble beim Rica­ble Deda­lus Spea­k­er MKII auf die­ses Ver­kaufs­ar­gu­ment ver­zich­tet und statt­des­sen offen mit rei­nem 7N-Kup­fer wirbt, passt zur ins­ge­samt eher nüch­ter­nen Selbst­dar­stel­lung der Marke.

Und dann ist da noch die “RNR – Ger­ma­ni­um Noi­se Reduc­tion”, die Rica­ble her­stel­ler­sei­tig mit einem Ger­ma­ni­um-Halb­lei­ter erklärt, der über alle Lei­ter Hin­ter­grund­rau­schen und Fau­chen redu­zie­ren soll. Das bleibt für mich tech­nisch vage: Ger­ma­ni­um­di­oden haben zwar eine sehr nied­ri­ge Durch­lass­span­nung von rund 0,3 V und könn­ten theo­re­tisch als Begren­zer für extrem klei­ne Stör­si­gna­le wir­ken – wie das bei einem regu­lä­ren Audio­si­gnal, das deut­lich über die­sem Wert liegt, ohne Beein­flus­sung des Nutz­si­gnals funk­tio­nie­ren soll, erschließt sich mir aber nicht. Eine unab­hän­gi­ge Mes­sung dazu habe ich nicht gefun­den, nur den Mar­ke­ting­text. Ich zäh­le das hier expli­zit als offe­ne Fra­ge, nicht als bestä­tig­tes Feature.

Klang und Praxis des Ricable Dedalus Speaker MKII

Ich mache es kurz, weil ich bei Laut­spre­cher­ka­beln grund­sätz­lich ungern über Klang im Sin­ne von Klang­fär­bung rede: Ein Kabel darf den Ton nicht schlech­ter machen. Mehr Anspruch habe ich nicht, und alles ande­re wäre genau die Art von Voo­doo, über die wir uns oben schon lus­tig gemacht haben.

Getes­tet habe ich das Rica­ble Deda­lus Spea­k­er MKII unter ande­rem am Bur­son Audio Time­kee­per GT4 (Class AB, mit einer leich­ten, ange­neh­men Wär­me in der Signa­tur) und am Hypex Nilai500 DIY (Class D, sehr neu­tral und mit ordent­lich Punch). In bei­den Ket­ten lie­fert das Kabel sau­ber: Es lei­tet, es macht Druck, es steht dem Signal nicht im Weg.

Was ich statt­des­sen bewer­ten kann, ist das Gesamt­pa­ket: Ein soli­des, hand­werk­lich sau­ber gefer­tig­tes Kabel, das sei­ne ein­zi­ge Auf­ga­be – Signal­trans­port ohne Ver­lus­te oder Feh­ler – zuver­läs­sig erfüllt.

Was das Ricable Dedalus Speaker MKII kostet und was es wert ist

Das Rica­ble Deda­lus Spea­k­er MKII kos­tet in mei­ner Kon­fek­tio­nie­rung (4 m) 756 € inklu­si­ve Mehr­wert­steu­er. Klingt erst mal hap­pig, des­we­gen lohnt sich der Ver­gleich mit einer sau­be­ren Selbstbau-Lösung.

Neh­men wir das Som­mer Cable SC-DUAL Blue als Refe­renz – ein bekann­tes, respek­tier­tes Pro­fi-Kabel, kein Con­su­mer-Voo­doo-Pro­dukt: 4 mm² Lei­ter­quer­schnitt, 4,5 Ω/km, 65 pF/m, aktu­ell bei Tho­mann für 27,50 €/m (UVP 44,33 €/m). Für ein ver­gleich­ba­res 4‑m-Ste­reo­paar braucht man 8 m Kabel (zwei Kanä­le), macht rech­ne­risch 220 € beim aktu­el­len Ange­bots­preis bzw. rund 355 € zum UVP. Dazu kom­men hoch­wer­ti­ge Bana­nas (grob 60–120 € für vier bis acht Ste­cker) und Sleeving/Y‑Aufteilung (20–30 €). Macht in Sum­me etwa 300 bis 500 €, je nach­dem, ob man zum Sale- oder UVP-Preis rech­net – plus die eige­ne Zeit und Mühe für eine sau­be­re Konfektionierung.

Das Rica­ble Deda­lus Spea­k­er MKII liegt damit beim etwa 1,5- bis 2,5‑Fachen einer Selbst­bau-Lösung. Elek­trisch ist das kein Wun­der, wie oben gezeigt: Der Auf­preis steckt nicht in bes­se­rer Phy­sik, son­dern in Kon­fek­tio­nie­rung, Ste­cker­qua­li­tät, Optik, Kun­den­ser­vice und nicht zuletzt der Life­time-War­ran­ty, die Rica­ble bran­chen­weit ziem­lich ein­zig­ar­tig auf alle sei­ne Pro­duk­te gewährt. Wer die Muße und das hand­werk­li­che Geschick hat, sich selbst ein Kabel zu bau­en, kommt güns­ti­ger weg. Wer das nicht will oder kann, bekommt hier ein fair bepreis­tes, fer­ti­ges Ergebnis.

Inter­es­san­ter ist der Ver­gleich mit einer fer­tig kon­fek­tio­nier­ten Mar­ke auf ähn­li­cher Posi­ti­on im jewei­li­gen Port­fo­lio: Rica­ble staf­felt sei­ne Seri­en Pri­mus → Magnus → Deda­lus → Invic­tus, das schwe­di­sche Supra staf­felt ähn­lich in Clas­sic → Ply/Quadrax → Sword → Sword Exca­li­bur – Deda­lus und Sword sit­zen also bei­de auf der zweit­höchs­ten Stu­fe ihrer Mar­ke. Das Supra Sword kos­tet in der zu mei­ner Kon­fek­tio­nie­rung pas­sen­den 4‑m-Län­ge 1.299 € – fast das Dop­pel­te des Rica­ble Deda­lus Spea­k­er MKII. Elek­tri­sche Kenn­wer­te ver­öf­fent­licht Supra für das Sword aller­dings gar nicht (kein Ω/km, kein pF/m) – nur Kon­struk­ti­ons­da­ten. Der dün­ne­re Lei­ter­quer­schnitt (3,0 mm² gegen­über 6,4 mm² beim Deda­lus) lässt aber schon rein rech­ne­risch einen deut­lich höhe­ren Wider­stand erwar­ten. Dafür löst Supra die Stör­un­ter­drü­ckung anders und nach­voll­zieh­ba­rer: eine bifi­la­re Wick­lung (12 Adern in die eine, 12 in die ande­re Rich­tung gewi­ckelt), die Magnet­fel­der geo­me­trisch aus­löscht – ein klar erklär­ter, phy­si­ka­lisch begrün­de­ter Mecha­nis­mus, anders als die RNR-Black­box beim Rica­ble Deda­lus Spea­k­er MKII. Wer noch höher grei­fen will, lan­det bei Supras eige­nem Flagg­schiff Sword Exca­li­bur (Bifi­lar-Wick­lung plus zusätz­li­cher Schirm, rho­di­um­be­schich­te­te Ste­cker) – dort zahlt man für 4 m grob 2.300 bis 2.400 €, mehr als das Drei­fa­che des Dedalus.

Über Ricable

Rica­ble ist ein ita­lie­ni­scher Her­stel­ler, der sei­ne Kabel größ­ten­teils in Hand­ar­beit fer­tigt und prak­tisch jedes Modell als Build-to-Order anbie­tet – Län­ge und Far­be las­sen sich frei kon­fi­gu­rie­ren, wie auch bei mei­nem Test­ka­bel. Das Rica­ble Deda­lus Spea­k­er MKII gehört zur Deda­lus-Serie, die in der obe­ren Mit­tel­klas­se des Rica­ble-Port­fo­li­os sitzt, direkt unter­halb des Flagg­schiffs Invictus.

Ein Wort noch zur Life­time-War­ran­ty, weil die in der Pro-Lis­te sonst nur als Stich­punkt steht: Eine lebens­lan­ge Garan­tie ist im Pre­mi­um-Kabel­markt für sich genom­men längst Stan­dard – Nord­ost, Audio­Quest und auch Supra bie­ten alle eine “limi­t­ed life­time war­ran­ty” an. Der eigent­li­che Unter­schied steckt im Klein­ge­druck­ten der Abwick­lung: Nord­ost etwa ver­langt aus­drück­lich, dass Kun­den Repa­ra­tur­sen­dun­gen auf eige­ne Kos­ten und eige­nes Risi­ko ein­schi­cken (“must be sent pre­paid”). Rica­ble holt ein defek­tes Kabel dage­gen welt­weit auf eige­ne Kos­ten ab und schickt es repa­riert zurück. Kauft man direkt bei Rica­ble, wird die Garan­tie zudem auto­ma­tisch regis­triert; bei einem auto­ri­sier­ten Händ­ler liegt eine Regis­trie­rungs­kar­te im Kar­ton bei. Nicht die Garan­tie an sich ist also das Allein­stel­lungs­merk­mal, son­dern dass Rica­ble die Ver­sand­kos­ten und den Auf­wand kom­plett übernimmt.

Fazit

Das Rica­ble Deda­lus Spea­k­er MKII ist genau das, was der Her­stel­ler selbst behaup­tet zu bau­en: soli­des Hand­werk statt Voo­doo. Die Ver­ar­bei­tung ist tadel­los, die Bana­nas sit­zen bom­ben­fest, die tech­ni­schen Daten sind – anders als bei vie­len Mit­be­wer­bern – nach­voll­zieh­bar und nicht auf­ge­bla­sen. Klang­lich gilt das, was für gute Laut­spre­cher­ka­bel gel­ten soll­te: Es steht dem Ton nicht im Weg. Mehr soll­te man von einem Kabel auch nicht erwar­ten. Der Auf­preis gegen­über einer sau­be­ren Selbst­bau-Lösung ist real, aber mode­rat – man bezahlt für Kon­fek­tio­nie­rung, Optik und die bran­chen­weit sel­te­ne Life­time-War­ran­ty, nicht für bes­se­re Physik.

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Der Aus­schlag dafür ist am Ende die Preis/­Leis­tung-Wer­tung: nicht weil “güns­tig” für sich genom­men zählt, son­dern weil sich kon­kret zei­gen lässt, wofür man zahlt. Der DIY-Ver­gleich mit dem Som­mer Cable oben zeigt, was rei­nes Mate­ri­al und Kon­fek­tio­nie­rung kos­ten. Der Ver­gleich mit dem posi­ti­ons­glei­chen Supra Sword zeigt, dass ein bekann­ter Wett­be­wer­ber für fast das Dop­pel­te einen dün­ne­ren Lei­ter­quer­schnitt und eben­falls kei­ne ver­öf­fent­lich­ten Ω/km- oder pF/m‑Werte lie­fert. Dazu kommt, dass Rica­ble bei der ohne­hin markt­üb­li­chen Life­time-War­ran­ty die kom­plet­te Abwick­lung inklu­si­ve welt­wei­tem Ver­sand über­nimmt, statt wie ande­re Her­stel­ler die Rück­sen­de­kos­ten dem Kun­den auf­zu­bür­den. Wer ohne Bull­shit rech­net, bekommt beim Rica­ble Deda­lus Spea­k­er MKII mehr Kup­fer, trans­pa­ren­te­re Mess­wer­te, eine kun­den­freund­li­che­re Garan­tie­ab­wick­lung und trotz­dem den nied­ri­ge­ren Preis – Mate­ri­al und Ser­vice schla­gen Voo­doo, auch bei der Konkurrenz.

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Häufige Fragen zum Ricable Dedalus Speaker MKII

Welche Längen gibt es beim Ricable Dedalus Speaker MKII?

Rica­ble fer­tigt das Kabel indi­vi­du­ell nach Wunsch – wel­che Län­ge und Far­be mög­lich sind, lässt sich direkt bei Rica­ble erfragen.

Passt das Ricable Dedalus Speaker MKII zu jedem Verstärker?

Ja, unab­hän­gig von der Ver­stär­ker­klas­se (Class A, AB, D, H) funk­tio­niert das Kabel wie jedes ande­re Laut­spre­cher­ka­bel auch.

Braucht man High-End-Lautsprecherkabel überhaupt?

Zwin­gend not­wen­dig ist das nicht – ver­gleich­bar mit opti­schem Tuning am Auto: kein Muss, aber wer’s mag, bekommt hier soli­de Ver­ar­bei­tung und ein Kabel, das dem Klang zumin­dest nicht im Weg steht.

Warum verzichtet Ricable auf versilberte Leiter?

Sil­ber ist gegen­über Kup­fer nur um etwa 5–6 % leit­fä­hi­ger, und die bei ver­sil­ber­ten Kabeln oft bemüh­te Skin­ef­fekt-Begrün­dung trägt bei Audio­fre­quen­zen nicht: Die Skin­tie­fe liegt dort um Grö­ßen­ord­nun­gen über der Dicke einer typi­schen Sil­ber­be­schich­tung. Rica­ble setzt statt­des­sen kon­se­quent auf rei­nes 7N-Kup­fer, was zur ins­ge­samt nüch­ter­nen Selbst­dar­stel­lung der Mar­ke passt.

Bringt die Feinlitzen-Konstruktion (750 Adern à 0,10 mm) tatsächlich etwas?

Beim rei­nen Gleich­strom­wi­der­stand nicht – der hängt nur von der gesam­ten Kup­fer­quer­schnitts­flä­che ab, nicht von der Anzahl der Lit­zen. Bei hohen Audio­fre­quen­zen ist die Fein­lit­zen-Bau­wei­se aber die tech­nisch kor­rek­te Ant­wort auf den Skin­ef­fekt, weil jede ein­zel­ne Ader ihren Quer­schnitt voll­stän­dig nutzt, wäh­rend ein dicker Vollei­ter das nicht mehr tut. Prak­tisch bei den hier übli­chen Kabel­län­gen ist der Unter­schied trotz­dem nicht hörbar.

Was bringt die dreilagige Schirmung wirklich?

Elek­trisch wenig, weil ein nicht auf­ge­leg­ter Schirm weder gegen magne­ti­sche noch gegen kapa­zi­ti­ve Ein­streu­ung nen­nens­wert wirkt. Ihren tat­säch­li­chen Nut­zen hat sie eher mecha­nisch: Sie schützt vor Abrieb und hält den Lei­ter­auf­bau in Form.

Was ist die “RNR – Germanium Noise Reduction”?

Laut Rica­ble soll ein Ger­ma­ni­um-Halb­lei­ter über den Lei­tern Hin­ter­grund­rau­schen redu­zie­ren. Der genaue Wirk­me­cha­nis­mus bleibt im Daten­blatt uner­klärt, und es gibt dazu kei­ne unab­hän­gi­ge Mes­sung – das bleibt an die­ser Stel­le ein offe­ner Her­stel­ler­cla­im, kein bestä­tig­tes Feature.

Ist das Ricable Dedalus Speaker MKII teuer im Vergleich zur Konkurrenz?

Im Gegen­teil: Gegen­über dem posi­ti­ons­glei­chen Supra Sword (glei­che Stu­fe im jewei­li­gen Port­fo­lio) kos­tet es bei iden­ti­scher Län­ge fast die Hälf­te, bei dicke­rem Lei­ter­quer­schnitt und ver­öf­fent­lich­ten Mess­wer­ten, die Supra für sein Kabel gar nicht erst angibt.

Wie läuft die Lifetime-Warranty im Schadensfall ab?

Rica­ble holt das defek­te Kabel welt­weit auf eige­ne Kos­ten ab und schickt es repa­riert zurück – anders als etwa Nord­ost, wo Kun­den die Rück­sen­dung selbst bezah­len müs­sen. Bei Direkt­kauf wird die Garan­tie auto­ma­tisch regis­triert, bei Händ­ler­kauf über eine bei­lie­gen­de Registrierungskarte.

Kri­te­ri­um Score Elek­tri­sche Neu­tra­li­tät & Signalintegrität
10
Kom­pa­ti­bi­li­tät & Anschlusstreue
9.5
Ver­ar­bei­tung & Design
9
Aus­stat­tung & Praxisnutzen
9
Mess­wer­te & tech­ni­sche Umsetzung
8.8
Preis/Leistung
8.5
Leser­wer­tung0 Bewer­tun­gen
0
Pros
Exzel­len­te Ver­ar­bei­tung (Slee­ving, Ste­cker, Verpackung)
Bom­ben­fes­te, hoch­wer­ti­ge Bana­nas (Kup­fer-Tel­lur, 24K vergoldet)
Ehr­li­che tech­ni­sche Daten, kei­ne auf­ge­bla­se­nen Marketingzahlen
Frei kon­fi­gu­rier­ba­re Län­ge und Far­be, schnel­le Lieferung
Life­time-War­ran­ty auf alle Ricable-Produkte
Kein hör­ba­rer Nach­teil – steht dem Signal nicht im Weg
Cons
Pre­mi­um-Preis gegen­über Selbst­bau-Alter­na­ti­ven, auch wenn der Abstand klei­ner ist als gedacht
RNR-Ger­ma­ni­um-Noi­se-Reduc­tion bleibt Mar­ke­ting-Black­box ohne nach­voll­zieh­ba­ren Wirkmechanismus
Sper­rig und schwer – bei hohen Ter­mi­nals eine gewis­se Zug­be­las­tung auf die Anschlüs­se (bis­her aber ohne sicht­ba­ren Schaden)
9.1
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