Ein einziger dynamischer Treiber, sonst nichts. Mit dem final A8000 DC bringt final sieben Jahre nach dem A8000 einen neuen Flaggschiff-In-Ear, und diesmal ohne Beryllium. Die Membran besteht jetzt aus einer Magnesium-Legierung, in Japan kostet das Ganze 258.000 Yen, umgerechnet rund 1.470 Euro. Während der Rest des Marktes immer mehr Treiber in ein Gehäuse stapelt, geht final den Weg in die andere Richtung. Mutig. Oder stur. Vermutlich beides.
Wer ist final?
Ich gebe zu: final hatte ich hier auf dem Blog bisher nicht. Das ist bei dem Preisschild ein guter Anlass, die Marke kurz vorzustellen.
final sitzt in Kawasaki, gleich südwestlich von Tokio. Gegründet wurde das Unternehmen 2007, damals als Tochter eines großen US-Konzerns. Ende 2014 hat sich das Management per Management-Buy-out selbstständig gemacht, Anfang 2015 kam der Umzug nach Kawasaki. Dort steht inzwischen eine eigene Fertigung. Die Treiber entwickelt und baut final selbst, die High-End-Modelle unter den In-Ears und Kopfhörern werden dort auch montiert.
Das Programm ist breit. Von günstigen Einsteiger-In-Ears über True-Wireless wie den ZE8000 MK2 und die Gaming-Reihe VR3000 bis hoch zu den D‑Kopfhörern mit Magnetostat-Antrieb ist alles dabei. Die Speerspitze bei den In-Ears ist die A‑Serie. Der A8000 kam 2019 mit einer Membran aus reinem Beryllium und wurde schnell zu einem der bekanntesten IEMs mit nur einem dynamischen Treiber. Später folgte der A10000 mit Diamantmembran. Der final A8000 DC sortiert sich zwischen diesen beiden ein.


Da Capo: zurück zum Anfang
Das DC im Namen steht für Da Capo, die Anweisung in der Partitur, wieder von vorn zu spielen. final meint das wörtlich. Alle Teile sind neu konstruiert oder neu ausgewählt, übernommen wurde nichts. Der Grund ist schlicht: Den A8000 gibt es nicht mehr. Die Beryllium-Membran ließ sich wegen der Materialbeschaffung nicht weiter fertigen, also war Schluss.
final beschreibt den alten A8000 selbst mit überwältigend klaren, weiten Mitten und Höhen und einem Bass, der scharf ein- und wieder aussetzt. Diesen Charakter soll der final A8000 DC mit einem anderen Material treffen und gleichzeitig darüber hinausgehen. Das ist eine ziemlich große Ansage für einen Treiber, der sein wichtigstes Material verloren hat.
Warum gibt es kein Beryllium mehr?
Genau das wollte ich wissen. final selbst bleibt bei der knappen Begründung Materialbeschaffung. Ein paar Zahlen machen das Problem aber greifbar. 2025 wurden weltweit nur rund 430 Tonnen Beryllium gefördert, gut die Hälfte davon in den USA, und dort stellt im Wesentlichen ein einziger Betrieb in Utah Beryllium-Hydroxid aus dem Erz her. Die US-Regierung fördert diese Produktion ausdrücklich für die Rüstung, Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung machen rund ein Viertel des Absatzes aus. Und der Preis zieht an: Für Beryllium in Kupfer-Vorlegierungen lag der Wert 2025 bei etwa 1.600 Dollar pro Kilogramm enthaltenem Metall, ein Jahr davor bei 1.500 Dollar.
Dazu kommt, dass Beryllium als Staub giftig ist und die Verarbeitung entsprechend aufwendig abgesichert werden muss. Eine hauchdünne Folie für ein paar tausend In-Ears ist in dieser Kette ein winziger Posten. Meine Vermutung: Für so eine Mini-Abnahme macht irgendwann niemand mehr die Maschine an. Belegt ist das nicht, aber es würde erklären, warum Beryllium-Treiber in Kopfhörern und Lautsprechern eher seltener als häufiger werden.
Was da schwingt: True Magnesium
final nennt die neue Membran True Magnesium. Kurz übersetzt heißt das: eine Kuppel aus einer eigenen Magnesium-Legierung, kein beschichtetes Kunststoffteil.
Spannend ist, wie offen final mit dem Material umgeht. Der Hersteller schreibt selbst, dass Magnesium bei der reinen Verformung dem Beryllium nicht überlegen ist. Ein Blick auf die Lehrbuchwerte bestätigt das deutlich. Beryllium kommt auf einen Elastizitätsmodul von rund 287 GPa bei 1,85 g/cm³, Magnesium auf etwa 45 GPa bei 1,74 g/cm³. Pro Gramm ist Beryllium damit ungefähr sechsmal so steif. Das ist kein kleiner Unterschied, das ist eine andere Liga.
Der Trick liegt in der Geometrie. Magnesium wiegt nur etwa zwei Drittel von Aluminium, die Membran kann also dicker werden, ohne schwerer zu werden. Und die Biegesteifigkeit einer Platte wächst mit der dritten Potenz der Dicke. Doppelte Dicke heißt achtfache Biegesteifigkeit. Dazu kommt die Kuppelform, die die Fläche zusätzlich versteift. Weil reines Magnesium für eine Membran zu wenig Festigkeit hat, legiert final es mit einem eigenen Verfahren. Unter dem Laser-Wegmessgerät soll sich die Membran deutlich weniger verformen als eine übliche Metallmembran.



Kurz zum Begriff für alle, die neu im Thema sind: Eine Membran soll sich wie ein starrer Kolben vor und zurück bewegen. Biegt sie sich dabei selbst durch, entstehen sogenannte Partialschwingungen. Die färben den Klang und erhöhen die Verzerrungen. Steifigkeit bei wenig Masse ist deshalb das, worum sich bei Membranen alles dreht.
Sicke, Kleber, Schwingspule
Rund um die Membran hat final ebenfalls umgebaut. Die Sicke, also der flexible Rand, der die Membran hält, besteht aus einem speziellen Polyurethan, das bei der Entwicklung des A10000 entstanden ist. Leicht, sehr elastisch und dehnbar, und gleichzeitig soll es unerwünschte Resonanzen dämpfen. Weil Magnesium leichter ist als Beryllium, neigt eine Folien-Sicke außerdem weniger dazu, unter dem Gewicht der Membran abzurollen.
Membran und Sicke sind ohne Kleber verbunden. final formt beide mit Druckluft und Wärme in einer Form zusammen. Das klingt nach Fertigungsdetail, ist aber ein echter Punkt: Unterschiedlich viel Kleber ist eine klassische Quelle für Streuung zwischen zwei Treibern. Fällt der Kleber weg, sollten linker und rechter Hörer näher beieinander liegen.
Die Zuleitungen der Schwingspule laufen frei durch die Luft statt angeklebt an der Sicke, damit sie die Kolbenbewegung nicht stören. Damit die Drähte nicht brechen, nimmt final einen eigenen Draht aus einer Aluminium-Legierung.
Weniger Klirr bei 10 Hz?
Das zentrale Versprechen: Der neue Treiber verzerrt im tiefsten Bass um 10 Hz weniger als die Beryllium-Membran des A8000. final zeigt dazu ein Diagramm mit drei Kurven, einem typischen In-Ear, dem A8000 und dem final A8000 DC. Der Abstand ist deutlich, vor allem unterhalb von 30 Hz.
Jetzt das Kleingedruckte. Unten rechts am Diagramm steht auf Japanisch der Hinweis, dass es sich um eine Illustration handelt. Deshalb übernehme ich keine Prozentwerte daraus: Die Richtung der Aussage ist klar, eine belastbare Messung mit Pegel und Messaufbau ist das Bild nicht. Und ehrlich: 10 Hz hört man nicht, man spürt es höchstens. Interessant wird die Frage, ob sich weniger Klirr im Tiefbass als sauberer Bass in den Lagen zeigt, die man tatsächlich hört.



Gehäuse, Sitz und Reparatur
Das Gehäuse ist aus Edelstahl gefräst, auf Hochglanz poliert und per Ionenplattierung in Dunkelblau eingefärbt. Anders als Lack sitzt die Farbe dabei direkt auf dem Metall und soll weder ausbleichen noch abplatzen. Auf den Fotos sitzen goldfarbene Schrauben in den Flanken, und die sind keine Deko.
final verschraubt Treiber und Gehäuse, statt sie zu verkleben. Das ist konstruktiv schwieriger, macht die Kiste aber langfristig reparierbar. Für einen In-Ear in dieser Preisklasse finde ich das wichtiger als jede Klirrkurve. Ein IEM für so viel Geld, das beim ersten Defekt in die Tonne wandert, wäre ätzend.
Das Gehäuse des final A8000 DC ist kleiner als beim A8000. final setzt auf wenige, gezielte Auflagepunkte statt einer großflächigen, organischen Form. Getragen wird der Hörer mit dem Kabel über dem Ohr, das reduziert Körperschall vom Kabel. Der Staubfilter in der Schallöffnung lässt sich selbst tauschen, Ersatzfilter und Werkzeug liegen bei.
Kabel und Anschluss
Das Kabel hat final zusammen mit Junkosha entwickelt, einem japanischen Spezialisten für Hochfrequenz-Leitungen. Die Leiter sind versilberte OFC-Litzen, isoliert mit geschäumtem PTFE (ePTFE). Am Ende sitzt ein symmetrischer 4,4‑mm-Stecker, am final A8000 DC selbst MMCX.
Und hier wird es spannend. final setzt bewusst auf MMCX statt 2‑Pin, weil bei 2‑Pin die Haltekraft allein aus der Federwirkung der Stifte kommt und die auf Dauer nachlässt. Die neuen MMCX-Buchsen sind deshalb besonders präzise gefertigt und absichtlich sehr stramm. So stramm, dass final davon abrät, das Kabel überhaupt zu wechseln, außer bei einem Defekt. Wechselbares Kabel also, aber bitte nicht zum Kabelrollen. Für alle, die gern Kabel durchprobieren, ist das ein echter Haken.
Ein Kabel mit 3,5 mm liegt nicht bei. Wer nur einen Dongle mit 3,5‑mm-Buchse hat, braucht einen Adapter oder ein zweites Kabel. Und schon ist man wieder beim strammen MMCX.



Antrieb: Was braucht der Treiber?
Mit 13 Ω und 98 dB/mW ist der final A8000 DC kein schwerer Brocken. Für 100 dB Schalldruck reichen rechnerisch rund 1,6 mW, für laute 110 dB etwa 16 mW. Das sind rund 0,45 V bei 35 mA. Wer selbst rechnen will, nimmt meinen Wattrechner.
Leistung ist also nicht die Frage, eher Ruhe. Bei niedriger Impedanz und ordentlicher Empfindlichkeit hört man ein rauschendes Gerät schneller. Ein Vorteil des Ein-Treiber-Konzepts: Ohne Frequenzweiche verläuft die Impedanz bei dynamischen Treibern meist recht flach, die Ausgangsimpedanz der Quelle verbiegt den Frequenzgang dann weniger als bei vielen Hybriden. Betreiben könnte man den Hörer gut an einem Verstärker mit eigener IEM-Stufe. In meinem Setup wären das zwei: der Soloist Stellar Max mit IEM-Stufe in Class D und der Burson Soloist Prime mit Class-A-Modul für In-Ears und 4,4‑mm-Pentaconn-Buchse. Einmal Class D, einmal Class A, an einem Hörer mit 13 Ω wäre genau dieser Vergleich spannend.
Datenblatt final A8000 DC
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Bauart | In-Ear, Kabel über dem Ohr |
| Treiber | 1 dynamischer Treiber, Membran True Magnesium (Magnesium-Legierung) |
| Gehäuse | Edelstahl, gefräst, poliert, IP-beschichtet in Dunkelblau |
| Impedanz | 13 Ω |
| Empfindlichkeit | 98 dB/mW |
| Masse | 62 g (Paar mit Kabel) |
| Anschluss am Hörer | MMCX |
| Stecker | 4,4 mm symmetrisch |
| Kabel | versilbertes OFC, ePTFE-isoliert, 1,2 m |
| Ohrstöpsel | FUSION‑G und TYPE P, je fünf Größen (SS bis LL) |
| Zubehör | Transportcase, Etui für Ohrstöpsel, MMCX ASSIST, Wartungswerkzeug, Ersatz-Staubfilter, Silikonfolie, Schutzband und Schutzbeutel fürs Gehäuse, Hilfsplatte |
| Preis Japan | 258.000 Yen inkl. Steuer |
Was ist neu gegenüber dem A8000?
Kurz zusammengefasst, was den final A8000 DC vom A8000 trennt: Material, Bauweise, Größe. Beryllium raus, Magnesium-Legierung rein. Kleber raus, Schrauben und thermisches Formen rein. Das Gehäuse schrumpft, die Sicke kommt aus der A10000-Entwicklung, das Kabel ist eine Neuentwicklung mit Junkosha. Dazu kommen der tauschbare Staubfilter und die neu konstruierten MMCX-Buchsen.
Spannend finde ich die Reihenfolge der Membranen bei final. Beryllium im A8000, Diamant im A10000, jetzt Magnesium. Das sind drei sehr unterschiedliche Wege zur selben Frage: Wie bekomme ich eine Membran steif und leicht, ohne dass sie mir unter dem Antrieb wegbiegt?
Ein Treiber gegen viele
Der Markt läuft gerade in die andere Richtung. Hybride mit vier, sieben oder noch mehr Treibern aus drei, vier Technologien sind längst normal, auch weit unter dieser Preisklasse. Ist ein einzelner Treiber für 258.000 Yen da absurd? Nicht unbedingt. Bei Hybriden muss eine Weiche die Bänder sauber zusammenführen, und an den Übergängen kann viel schiefgehen. Ein einzelner Treiber hat dieses Problem nicht, muss dafür aber alles allein können, vom Tiefbass bis 20 kHz.
Genau da sitzt meine eigentliche Frage. Ich mag knackige, präsente Höhen und will beim Hören beteiligt sein, nicht eingelullt. Der A8000 war für genau diese klaren, weiten Höhen bekannt, und Beryllium ist pro Gramm eben deutlich steifer als Magnesium. Kann die dickere Kuppel das in den Höhen wirklich ausgleichen? Das lässt sich aus keinem Datenblatt ablesen.
Der direkte Gegenspieler ist der Sennheiser IE 900. Gleiches Konzept: ein einziger dynamischer Treiber, hier mit 7 mm, dazu ein gefrästes Aluminiumgehäuse und MMCX. In Japan kostet der IE 900 bei Sennheiser 214.500 Yen, umgerechnet rund 1.220 Euro. Der final A8000 DC liegt also knapp 250 Euro darüber. Bei uns bietet Sennheiser den IE 900 im eigenen EU-Shop gerade im Bundle mit Custom Comfort Tips für 1.399 Euro an. Beim Zubehör hat Sennheiser die Nase vorn: Dem IE 900 liegen Kabel mit 2,5, 3,5 und 4,4 mm bei, final legt nur das 4,4‑mm-Kabel in die Kiste. Dafür bringt final Edelstahl statt Aluminium mit, und eine Bauweise, die von Anfang an aufs Schrauben ausgelegt ist.
Preis und Verfügbarkeit
Stand 27.10.2026:
- final A8000 DC in Japan: 258.000 Yen inklusive Steuer
- Marktstart in Japan: 30. Oktober 2026, Vorbestellungen ab dem 27. Oktober werden Ende November ausgeliefert
- Umgerechnet: rund 1.470 Euro (EZB-Referenzkurs vom 23.10.2026), wer importiert, zahlt noch Versand, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer obendrauf
- Offizieller Euro-Preis und Start in Europa: offen
Fazit: Mutig, reparierbar, teuer
Der final A8000 DC ist ein Statement. Kein Treiber-Wettrüsten, kein Hybrid-Baukasten, sondern ein Treiber, der alles allein stemmen muss. Was final rund um die Membran baut, gefällt mir richtig: verschraubt statt verklebt, Staubfilter zum Selbertauschen, eine kleinere Form und eine offene Ansage, dass Magnesium als Material schlechter ist als Beryllium und nur über Dicke und Form aufholt. Das ist ehrlicher als die meisten Datenblätter in der Preisklasse.
Für wen? Für alle, die einen einzelnen dynamischen Treiber suchen, einen symmetrischen 4,4‑mm-Ausgang haben und ein IEM wollen, das sich auch in zehn Jahren noch reparieren lässt. Weniger für Leute, die gern Kabel tauschen, und für alle, die für das Geld lieber mehr Technik im Gehäuse sehen. Offen bleibt die große Frage: Hält Magnesium die präsenten, klaren Höhen, für die der A8000 bekannt war? Das würde ich gern selbst ausprobieren, am liebsten direkt an den beiden IEM-Stufen von Stellar Max und Prime.
FAQ zum final A8000 DC
Was kostet der final A8000 DC?
n Japan kostet er 258.000 Yen inklusive Steuer, umgerechnet rund 1.470 Euro. Beim Import kommen Versand, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer dazu, einen offiziellen Euro-Preis gibt es noch nicht.
Wann kommt der final A8000 DC nach Europa?
Ein Termin für Europa steht noch nicht fest. In Japan startet der Verkauf am 30. Oktober 2026.
Warum hat der A8000 DC keine Beryllium-Membran mehr?
final konnte die Beryllium-Membran des A8000 wegen der Materialbeschaffung nicht weiter fertigen. Der A8000 wurde deshalb eingestellt, der final A8000 DC nutzt eine Magnesium-Legierung.
Wie viele Treiber hat der final A8000 DC?
Einen einzigen dynamischen Treiber mit True-Magnesium-Membran. Balanced Armatures oder weitere Treiber gibt es nicht.
Welcher Stecker sitzt am Kabel?
Ein symmetrischer 4,4‑mm-Stecker, das Kabel des final A8000 DC ist 1,2 m lang. Am Hörer sitzen MMCX-Buchsen, final rät aber davon ab, das Kabel ohne Defekt zu wechseln.
Braucht der A8000 DC einen starken Verstärker?
Nein. Der final A8000 DC hat 13 Ω und 98 dB/mW, für 100 dB reichen rund 1,6 mW. Wichtiger ist eine rauscharme Quelle.
