WiiM Pro Plus im Test — ein Streamer sie zu knechten

WiiM Pro oder WiiM Pro Plus? Der WiiM Pro ist das güns­ti­ge­re Ein­stiegs­mo­dell — der Pro Plus ist der Nach­fol­ger mit einem deut­lich bes­se­ren DAC (AKM AK4493SEQ statt Texas Instru­ments PCM5121), mess­ba­rer bes­se­rem Rausch­ab­stand und einer mit­ge­lie­fer­ten Fern­be­die­nung. Wer ana­log ein­speist, pro­fi­tiert zusätz­lich vom hoch­wer­ti­ge­ren ADC im Pro Plus. Die­ser Test zeigt, ob der Auf­preis sich lohnt.

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Eines schon mal vorweg

Der WiiM Pro Plus kos­tet 189€. Dafür bekommt man einen AKM4493SEQ-DAC, Roon Rea­dy, Air­Play 2, para­me­tri­schen EQ und ein Mul­ti­room-Öko­sys­tem, das tat­säch­lich funk­tio­niert. Für den Preis eines mit­tel­mä­ßi­gen Sonos-Laut­spre­chers — und ohne App, die einem die alten Gerä­te weg­patcht. Sonos? Ver­gesst es.tcht.

Abgrenzung

Wir haben den WiiM Pro Plus vom deut­schen Ver­trieb für 4 Wochen kos­ten­los zur Ver­fü­gung gestellt bekom­men. Das beein­flusst unse­re Wer­tung in kei­ner Wei­se. Wir neh­men kein Geld für Tests und Reviews, weil wir unab­hän­gig blei­ben wol­len und geschön­te Lob­hu­de­lei nicht unter­stüt­zen. Wer war­me Umschrei­bun­gen und HiFi-Voo­doo sucht, fin­det das bei der ein­schlä­gi­gen Fach­pres­se. Hier gibt es Mes­sun­gen, Mei­nun­gen und Metal.

Auch auf YouTube

Den WiiM Pro Plus gibt es auch als Video­test auf @HiFiGeek-1337 — schaut vor­bei und abon­niert den Kanal.

WiiM Pro vs. WiiM Pro Plus: Was hat sich geändert?

Der WiiM Pro und der WiiM Pro Plus tei­len die­sel­be Soft­ware, die­sel­be App und den­sel­ben Funk­ti­ons­um­fang. Der Unter­schied liegt im Inne­ren: Der Pro Plus hat einen deut­lich bes­se­ren DACAKM AK4493SEQ statt Texas Instru­ments PCM5121 — was sich in mess­ba­rem bes­se­rem Rausch­ab­stand (121 dB vs. 106 dB SNR) und klang­lich hör­ba­rer Prä­zi­si­on nie­der­schlägt. Wer ana­lo­ge Quel­len ein­speist, pro­fi­tiert zusätz­lich: Der Pro Plus digi­ta­li­siert mit 192 kHz/24 Bit, der Pro nur mit 48 kHz/16 Bit. Außer­dem liegt beim Pro Plus eine Fern­be­die­nung mit Sprach­steue­rung bei, die beim Pro fehlt.

Air­Play 2, Chro­me­cast, Spo­ti­fy Con­nect, TIDAL, Qobuz — alles iden­tisch bei beiden.

Fazit: Wer den Pro besitzt, muss nicht zwin­gend wech­seln. Wer neu kauft, greift zum Pro Plus — der Auf­preis ist über­schau­bar, der Unter­schied messbar.

Ein Streamer sie zu knechten

Die Luft wird dünn, wenn man sich das WiiM-Port­fo­lio ansieht. Es fängt bei knapp über 100€ mit dem WiiM Mini an und endet beim 400€ teu­ren WiiM Ultra. Was WiiM da als Öko­sys­tem auf­ge­baut hat, fin­det man nor­ma­ler­wei­se nur bei den ganz Gro­ßen — allen vor­an Sonos. Nur eben funk­tio­nie­rend. Ihr ver­steht schon.

Das ist kei­ne Klei­nig­keit. WiiM hat in weni­gen Jah­ren ein voll­stän­di­ges Strea­ming-Öko­sys­tem aus dem Boden gestampft: Strea­mer, Strea­ming-Amps, Wire­less-Spea­k­er, Sub­woo­fer — und seit der HIGH END Vien­na 2026, auf der wir selbst akkre­di­tiert vor Ort waren, auch die ers­te eige­ne Sound­bar. Der WiiM Bar kommt mit Dol­by Atmos, DTS:X, HDMI eARC und 5.1.2‑Erweiterbarkeit — für 479 Dol­lar. Direkt gegen den Sonos Arc posi­tio­niert. Wer das noch nicht auf dem Radar hat­te: WiiM baut gera­de ein kom­plet­tes HiFi-Öko­sys­tem auf, das in punc­to Fea­tures mit Platz­hir­schen mit­hal­ten kann, die das Drei­fa­che kos­ten. Und sie hören dabei auf ihre Community.

Unboxing

Unser Test­ge­rät hat­te bereits eini­ge Rezen­sio­nen hin­ter sich — im Pres­se­kreis­lauf völ­lig nor­mal, klingt trotz­dem tadel­los. Gelie­fert wird der WiiM Pro Plus mit Fern­be­die­nung, Cinch- und Tos­link-Kabel, USB-auf-USB-C-Kabel, USB-Ste­cker­netz­teil und Anlei­tung. Die Ver­pa­ckung ist edel und zweck­mä­ßig — kein Plas­tik­wust, kein auf­ge­bla­se­nes Unboxing-Thea­ter. Gut so.

Einrichtung

Wir haben das Gerät direkt in die HiFi-Ecke geschleppt und ange­schlos­sen. USB‑C rein, Cinch-Kabel ran, fer­tig. Gestar­tet haben wir mit einem Ape­ri­on-Audio-Kabel, im Lau­fe des Tests dann auf ein Som­mer Cable Epi­lo­gue umgestellt.

Sobald der WiiM Strom hat­te, erwach­te die klei­ne wei­ße LED an der Front zum Leben. WiiM-App auf dem Han­dy, per Blue­tooth ver­bun­den, WLAN-Daten über­ge­ben — das dau­er­te kei­ne zwei Minu­ten. Danach folg­te der obli­ga­to­ri­sche Update-Screen. Was mich stut­zig mach­te: kei­ne Drei­vier­tel­stun­de spä­ter kam schon das nächs­te Update.

Also kurz gegoo­gelt. Und dann war ich posi­tiv über­rascht: WiiM pflegt eine öffent­li­che Ent­wick­lungs-Road­map, auf der Kun­den aktiv Ein­fluss neh­men kön­nen. Als jemand der beruf­lich Soft­ware ent­wi­ckelt geht einem dabei das Herz auf. Und wer jetzt Rich­tung Sonos schielt: die kom­mu­ni­zie­ren ihre Road­map nicht. WiiM lässt Kun­den dar­an mit­ar­bei­ten. Das ist kein Detail — das ist eine Philosophie.

Schnell noch Spo­ti­fy und Qobuz ein­ge­rich­tet und der ers­te Song lief. Die App bedient sich ver­traut für alle, die Sonos ken­nen — struk­tu­rell ähn­lich, aber mit einem ent­schei­den­den Unter­schied: sie läuft flüs­sig. Kein Ruckeln, kein Laden, kein Rät­seln. Man­gels meh­re­rer WiiM-Gerä­te konn­ten wir das Grup­pen­ver­hal­ten nicht aus­gie­big tes­ten, aber der Gesamt­ein­druck ist klar: hier hat jemand Soft­ware gebaut, der Soft­ware ernst nimmt.

WiiM Pro Plus Software

Das da so schnell zwei Updates hin­ter­ein­an­der kamen, hat mich natür­lich stut­zig gemacht. Gleich mal die Goog­le-Maschi­ne ange­schmis­sen und sie­he da. WiiM ist sogar kom­mu­ni­ka­tiv! Gibt es doch eine öffent­li­che Road­map der WiiM Ent­wick­lung, auf den so weit ich das ver­stan­den habe, die Kun­den sogar Ein­fluss neh­men kön­nen. Als Soft­ware-Ent­wick­ler geht einem ja dabei schon das Herz auf! Direkt nen Stein im Brett und schie­lend mal wie­der Rich­tung: Sonos. Ich will und wer­de hier jetzt nicht über Sonos “ab ran­ten”, aber hier scheint eini­ges bes­ser zu lau­fen als beim Platzhirsch.

Den­noch kann WiiM die Her­kunft und Idee nicht ver­leug­nen und so bedient sich die App schon sehr wie die von Sonos. Was per se nix schlech­tes ist. Mit aber auch hier einem klei­nen aber fei­nen Unter­schied. Die App läuft ver­dammt flüs­sig. Man­gels meh­re­rer WiiM’s ist es jetzt schwer nach­zu­voll­zie­hen ob beim Grup­pie­ren die App und Soft­ware genau so zackig ist wie sie den Anschein macht, aber gene­rell kann man sagen, dass die Soft­ware wirk­lich schon aus­ge­reift ist und super läuft.

Technik-Bashing

Der WiiM Pro Plus streamt Ultra-High-Res-Audio­in­hal­te mit bis zu 768 kHz/32 Bit. Zum Ver­gleich: eine CD liegt bei 44,1 kHz/16 Bit. Das gestream­te Signal kann der WiiM wahl­wei­se digi­tal wei­ter­ge­ben — über opti­schen oder koaxia­len S/PDIF, eben­falls bis zu 768 kHz/32 Bit — oder eigen­stän­dig ana­log wandeln.

Für die ana­lo­ge Wand­lung steht ein AKM4493SEQ zur Ver­fü­gung. Das ist kein No-Name-Chip aus der Grab­bel­kis­te, son­dern ein ernst­zu­neh­men­der D/A‑Wandler mit einem Rausch­ab­stand von 120 dB und einer Ver­zer­rung von 0,00032% (-110 dB). Was auf dem Daten­blatt gut aus­sieht, muss im Gesamt­sys­tem auch gut klin­gen — wie das in der Pra­xis aus­sieht, klä­ren wir im Hörtest.

Nicht ver­ges­sen: Der WiiM ist kei­ne Ein­bahn­stra­ße. Musik kommt nicht nur raus, sie kommt auch rein. Ein ana­lo­ger RCA-Ein­gang mit 2 Vrms und bis zu 192 kHz/24 Bit sowie ein opti­scher S/P­DIF-Ein­gang erlau­ben es, exter­ne Quel­len ins Mul­ti­room-Sys­tem ein­zu­bin­den. Wer sei­nen Plat­ten­dre­her mit Pho­no-Vor­ver­stär­ker also auch im Schlaf­zim­mer hören will — kein Pro­blem. Der WiiM wan­delt das Ana­log­si­gnal und schickt es durch die Grup­pe. Schön gedacht.

Streaming

Wel­che Diens­te unter­stützt der WiiM Pro Plus? Kur­ze Ant­wort: alle rele­van­ten. Lan­ge Ant­wort: Spo­ti­fy, Ama­zon Music, Deezer, Tun­eIn, Tidal, Qobuz, Sound­Cloud, Pan­do­ra, iHe­art­Ra­dio, vTu­ner, Naps­ter, Sound­Ma­chi­ne und wei­te­re. Wer jetzt sei­nen Lieb­lings­dienst ver­misst: ein Blick auf die öffent­li­che Road­map lohnt sich — WiiM lie­fert aktiv nach.

Im Netz­werk macht der WiiM Pro Plus eben­falls kei­ne hal­ben Sachen: Air­Play 2, Chro­me­cast Audio, Spo­ti­fy Con­nect, TIDAL Con­nect, Ama­zon Music Cas­ting und Qplay 2.0 sind an Bord. DLNA-Play­back run­det das ab. Und dann ist da noch Roon Ready.

Roon ist für vie­le ein Fremd­wort — zu Unrecht. Ver­ein­facht gesagt ist Roon eine loka­le Mul­ti­room-Soft­ware, die die Wie­der­ga­be­fä­hig­kei­ten jedes ange­schlos­se­nen Geräts kennt und die Aus­ga­be live dar­an anpasst. Dazu kommt eine beein­dru­cken­de Musik­bi­blio­thek-Ver­wal­tung und ein Emp­feh­lungs­al­go­rith­mus, der Spo­ti­fy alt aus­se­hen lässt. Der Haken: Roon läuft lokal und braucht einen eige­nen Ser­ver. Wer das ein­mal ein­ge­rich­tet hat, will nicht zurück. Und Roon Rea­dy fin­det man nor­ma­ler­wei­se in Gerä­ten, die das Fünf­fa­che kos­ten. Beim WiiM Pro Plus ist es ein­fach dabei.

Equalizer

Als wäre das alles nicht genug, bringt der WiiM Pro Plus einen voll­wer­ti­gen Equa­li­zer mit. Zur Wahl ste­hen 24 Pre­sets, ein 10-Band-Gra­fik-EQ und ein para­me­tri­scher EQ. Letz­te­rer ist der ent­schei­den­de Punkt: damit wird der WiiM Pro Plus zur voll­wer­ti­gen digi­ta­len Vor­stu­fe, die direkt an eine End­stu­fe ange­schlos­sen wer­den kann.

Ein nahe­lie­gen­des Bei­spiel wäre der aktu­ell viel­be­spro­che­ne Fosi Audio V3 Mono. Zwei davon als Mono­blö­cke betrie­ben, mit dem WiiM als Vor­stu­fe — das ergibt eine Kanal­tren­nung, die sich vie­le teu­re­re Voll­ver­stär­ker nicht leis­ten kön­nen. Und das Gesamt­in­vest­ment bleibt im drei­stel­li­gen Bereich. Jeder High-Ender darf jetzt ger­ne mit Eiern werfen.

Automatische Raumeinmessung

Ähn­lich wie Sonos ver­fügt der WiiM Pro Plus über eine auto­ma­ti­sche Raum­ein­mes­sung. Da unser Hör­raum akus­tisch behan­delt ist und wir bereits mit Mess­mi­kro­fon und REW gear­bei­tet haben, haben wir die Funk­ti­on nicht genutzt. Für alle, die kei­ne eige­ne Raum­akus­tik-Infra­struk­tur haben, ist das aber ein ech­ter Mehr­wert — gera­de im Ver­gleich zu Strea­mern ohne die­se Funktion.

Alexa und Sprachfernbedienung

Natür­lich darf der Sprach­as­sis­tent nicht feh­len. WiiM hat Ale­xa inte­griert, was den WiiM Pro Plus in bestehen­de Smart-Home-Rou­ti­nen ein­bin­det. Die mit­ge­lie­fer­te Fern­be­die­nung ist mit einem Mikro­fon aus­ge­stat­tet und nimmt Sprach­be­feh­le ent­ge­gen — wenn man das möch­te. Wer Ale­xa nicht will, lässt es ein­fach. Kein Zwang, kei­ne ver­steck­ten Abhän­gig­kei­ten. Auch das ein Unter­schied zu manch ande­rem Ökosystem.

Höreindruck

Jetzt zum eigent­li­chen Grund, war­um ihr hier seid!

Unse­re Refe­renz-Play­list ist kei­ne Play­list für schwa­che Ner­ven. Kein Jazz, kein Ambi­ent, kei­ne akus­ti­sche Gitar­re. Wer hier tes­tet, tes­tet mit Mate­ri­al, das Dyna­mik, Tief­bass, Räum­lich­keit und Auf­lö­sung gleich­zei­tig for­dert. Wer mit­hö­ren will: die Qobuz-Refe­renz-Play­list fin­det ihr im Arti­kel verlinkt.

Rage against the Machine — Bombtrack

Ein Klas­si­ker — aber audio­phil im bes­ten Sin­ne. Hat der Track nach über 30 Jah­ren nichts an sei­ner Inten­si­tät ver­lo­ren. Der Bass zu Beginn kommt grif­fig und prä­sent, das Zup­fen der Sai­ten direkt und kör­per­lich. Mit dem Ein­set­zen des Schlag­zeugs schiebt die Bass­drum ordent­lich und bringt Sub­woo­fer und Tief­tö­ner zum Pum­pen. Das Schlag­zeug ver­teilt sich räum­lich über die Laut­spre­cher, die Becken sind fein auf­ge­löst und ort­bar. Zack de la Rocha posi­tio­niert sich sau­ber in der Mit­te, die E‑Gitarren schie­ben den Song nach vor­ne. Alles sitzt. Nichts klingt aus dem Tritt. Und man muss dabei im Kopf behal­ten: hier steht ein 189€-Streamer vor einem. Beim Fill ab Minu­te 3 lässt sich die Räum­lich­keit noch ein­mal beson­ders schön nachvollziehen.

Brand of Sacrifice — Purge

Sound­tech­nisch kom­ple­xer und moder­ner. Sau­be­re Syn­the­si­zer mit viel Druck domi­nie­ren den Anfang und wer­den kraft­voll abge­bil­det — der Sub­woo­fer schiebt sofort nach vor­ne. Kyle Ander­sons Vocals sind schlicht eine Macht, und der WiiM Pro Plus weiß sie genau­so zu beherr­schen wie die anstei­gen­de Kom­ple­xi­tät durch chora­le Ein­spie­ler im Hin­ter­grund. Die räum­li­che Abbil­dung schmeißt einen direkt ins Gemet­zel — ein­zel­ne Instru­men­te las­sen sich sau­ber ver­or­ten. Die Syn­the­si­zer-Ein­la­gen pum­pen ver­läss­lich Tief­bass in den Raum, der WiiM hält den Sub­woo­fer ordent­lich im Griff. Der Break­down ab 3:08 mit sei­nen inten­si­ven Effek­ten und Kyle Ander­sons Gesang ab 3:30 hin­ter­lässt Gän­se­haut. Kein Scherz.

Knocked Loose — Deep in the Willow

Kno­cked Loo­se haben erstaun­lich audio­phi­le Alben. Die Auf­nah­men glän­zen mit ech­ter Klar­heit und dem nöti­gen Druck. Deep in the Wil­low beginnt mit tie­fen, ein­dring­li­chen Riffs, die direkt in die Couch drü­cken. Das tie­fe Gitar­ren-Tuning steht im direk­ten Kon­trast zum krei­schen­den Gesang von Bryan Gar­ris — und der WiiM meis­tert bei­de Dis­zi­pli­nen gleich­zei­tig sou­ve­rän. Neben den raum­fül­len­den Riffs flan­kiert ein prä­zi­se ver­ort­ba­res, sau­ber abge­misch­tes Schlag­zeug den Song: Becken links, Crash rechts, tro­cke­ne und sat­te Bass­drum. Ab 1:55 wie­der­ho­len sich Bass­drops, die druck­voll tief in den Kel­ler rei­chen. Der WiiM lie­fert das ohne zu zögern.

Lorna Shore — Pain Remains I

Will Ramos darf natür­lich nicht feh­len. Pain Remains ist in sei­ner Gesamt­heit ein emo­tio­na­les Feu­er­werk — wer die Songs nicht kennt: Lyrics auf­ma­chen und mit­le­sen. Was bra­chi­al klingt, ent­puppt sich als eines der bewe­gends­ten Stü­cke, die wir ken­nen. Gän­se­haut garantiert.

Die Tri­lo­gie beginnt mit fei­nem Regen, gut dar­ge­stellt, und weicht einer fei­nen Melo­die mit viel Hall — bis ab 1:20 här­te­re Klän­ge ange­schla­gen wer­den. Ab dem Moment als Will Ramos ein­setzt wird der Song nicht nur schnell, son­dern hoch­kom­plex. Kei­fen­de, gur­geln­de und tief grow­len­de Gesän­ge wech­seln sich ab, dar­über schwe­ben Strei­cher, dar­un­ter häm­mert eine Dou­ble-Bass-Drum mit drü­cken­den Gitar­ren-Riffs. Was hier gleich­zei­tig wie­der­ge­ge­ben wer­den muss, ist eine klei­ne Bache­lor-Arbeit für jeden Streamer.

Hier zeigt der WiiM sei­ne phy­si­ka­li­sche Preis­klas­sen-Gren­ze: bei maxi­ma­ler Kom­ple­xi­tät ver­liert die Auf­lö­sung mini­mal an Kon­tur. Kein Makel — das ist Phy­sik. Ein DAC für das Drei­fa­che wür­de das sau­be­rer tren­nen. Für 189€ ist es bemer­kens­wert nah dran. Und sobald Will eine kur­ze Atem­pau­se lässt, ist sofort hör­bar, wie viel ver­zer­rungs­frei­er es wird. Ab 4:50 gibt es die Beloh­nung: ein ergrei­fen­der Gesangs­part mit Text, der einen aus dem Sofa haut.

Lorna Shore — Pain Remains II

Wei­ter geht es mit einem fet­ten Bass-Drop bei 0:13, star­ken Stimm­ein­la­gen von Will, chora­lem Gesang und häm­mern­der Dou­ble-Bass. Man kann gefühlt fast in Wills Rachen bli­cken. Der WiiM prä­sen­tiert sei­nen gut­tu­ra­len Gesang fein auf­ge­löst und räum­lich. Ab 1:16 gibt es wie­der mäch­ti­gen Tief­bass gepaart mit fei­nen, räum­li­chen Becken. Bei anstei­gen­der Kom­ple­xi­tät strau­chelt der WiiM wie­der leicht — das bleibt kon­sis­tent. Das Gitar­ren­so­lo ab 3:50 meis­tert er dafür umso bes­ser, trotz häm­mern­der Dou­ble-Bass und viel Hall. Ab 4:50 spitzt sich alles zu: Stim­me, Drums, Chor, Gitar­ren — tota­ler Over­kill. Und der WiiM bleibt dabei.

Lorna Shore — Pain Remains III

Nach der Brech­stan­ge am Ende von Pain Remains II eine Minu­te durch­at­men. Dann das Fina­le. Viel Strei­cher und Chor, har­mo­nisch und weit­läu­fig, bis Will das Feu­er wie­der ent­facht. Ab 2:07 eine Gesangs­pas­sa­ge, die tief bli­cken lässt — feucht, sap­schig, roh. Ab 4:15 Wills Gesang prä­sent und direkt, dar­un­ter drü­cken­de Bass­drum. Bei 5:10 mün­det es in einen Break­down, der einen Schau­er kalt den Rücken run­ter­jag­te. Der WiiM trans­por­tiert das voll­stän­dig. Mehr kann man bei die­sem Preis nicht verlangen.

Nirvana — Rape Me

Wer mal akus­tisch einen Blick in ein Ton­stu­dio der 90er wer­fen will, hört sich In Ute­ro auf einer guten Anla­ge an. Rape Me als Stell­ver­tre­ter: Kurt Cobains Stim­me in einem klei­nen, wenig bear­bei­te­ten Raum, mit mini­ma­lem Hall. Alle Instru­men­te, allen vor­an das Schlag­zeug, sind klar in die­sem Raum zu ver­or­ten. Der WiiM Pro Plus macht dar­aus ein Erleb­nis — man ent­deckt Musik der Jugend noch ein­mal neu. Das ist es, wofür gutes HiFi da ist.

Bedienung

Bedient wird der WiiM Pro Plus pri­mär per Smart­phone oder Tablet. Die mit­ge­lie­fer­te Fern­be­die­nung ist eine soli­de Bei­ga­be für ent­spann­te Hör­ses­si­ons — wer aber ohne­hin das Han­dy in Reich­wei­te hat, wird sie sel­ten brau­chen. Kein Dis­play bedeu­tet zwangs­läu­fig Smart-Device-Steue­rung, und das funk­tio­niert hier aus­ge­spro­chen gut.

Die Menüs sind struk­tu­riert und durch­dacht. Navi­ga­ti­on geht schnell, klei­ne Short­cuts — wie die Aus­gangs­aus­wahl direkt im Now-Play­ing-Screen — erleich­tern den All­tag spür­bar. Die App belohnt Ent­de­ckungs­freu­de: wer sich durch­klickt, fin­det immer wie­der nütz­li­che Optio­nen, die man nicht erwar­tet hät­te. Das ist gutes UX-Design.

Anschlüsse

Voll­stän­dig und durch­dacht gewählt:

Audio-Ein­gän­ge

1 x ana­log RCA/Cinch
2 Vrms
192 kHz/24 Bit
Rausch­ab­stand 106 dB

1 x digi­tal optisch S/PDIF
bis zu 192 kHz/24 Bit

Audio-Aus­gän­ge

1 x ana­log RCA/Cinch
1 x digi­tal optisch S/PDIF
1 x digi­tal koaxi­al S/PDIF
bis zu 768 kHz/32 Bit

Sons­ti­ge

USB‑C, 5V, 1.5A oder mehr
Trig­ger out
LAN

Der Trig­ger-Out ist dabei mehr als ein Rand­de­tail: er erlaubt es, ange­schlos­se­ne Ver­stär­ker auto­ma­tisch ein- und aus­zu­schal­ten wenn der WiiM aktiv wird. Klei­nes Fea­ture, gro­ßer Kom­fort im Alltag.

Für wen ist der WiiM Pro Plus?

HiFi war lan­ge die Domä­ne von Rent­nern mit zu viel Geld und zu viel Zeit. Der WiiM Pro Plus ist der Ein­stieg für alle anderen.

Kon­kret: Wer eine bestehen­de HiFi-Anla­ge hat, die beim The­ma Strea­ming nicht mit­spielt oder kein High-Res unter­stützt, bekommt hier ein unkom­pli­zier­tes, hoch­wer­ti­ges Upgrade. Wer von Grund auf neu auf­baut, fin­det im WiiM Pro Plus einen Zuspie­ler, der wächst — egal ob mit Aktiv­laut­spre­chern, einem Ste­reo-Voll­ver­stär­ker oder zwei klei­nen Monoblöcken.

Wir hat­ten ihn par­al­lel zum IOTAVX AVX17 im Ein­satz — einem Ver­stär­ker ganz ohne Strea­ming-Funk­tio­nen. Der WiiM hat die­se Lücke mühe­los geschlos­sen und aus der Kom­bi ein ech­tes Ver­gnü­gen gemacht.

Und dann ist da noch die Gene­ra­ti­on Y und Z, die gera­de HiFi für sich ent­deckt. Vinyl erlebt eine Renais­sance, Strea­ming ist selbst­ver­ständ­lich, und die Bereit­schaft für guten Klang ist da — nur nicht das Bud­get für audio­phi­le Exzes­se. Der WiiM Pro Plus ist genau der rich­ti­ge Ein­stieg: kein Kom­pro­miss, son­dern ein ehr­li­ches Gerät, das ein­fach funktioniert.

Logische Alternativen und Upgrades

Wem der WiiM Pro Plus optisch zu schlicht ist oder wer mehr fürs Auge haben will: der WiiM Ultra bie­tet einen klei­nen Touch­screen mit Album­co­ver-Anzei­ge, ist hoch­wer­ti­ger ver­ar­bei­tet und erin­nert in der Hap­tik ein wenig an einen Apple TV der Audioklasse.

Wer die Käst­chen-Form grund­sätz­lich hin­ter sich las­sen will, soll­te sich die Ever­so­lo-Rei­he anse­hen. Wir hat­ten den Ever­so­lo DMP-A6 im Test — das ist eine ande­re Gerä­te­ka­te­go­rie, eine ande­re Preis­klas­se, und klang­lich eine spür­ba­re Stu­fe wei­ter. Wer also weiß, dass er in zwei Jah­ren mehr will, kann direkt dort einsteigen.

Fazit

Der WiiM Pro Plus ist kein Kom­pro­miss­ge­rät. Er ist ein durch­dach­tes, funk­tio­nie­ren­des Stück HiFi, das zeigt, was mög­lich ist wenn ein Her­stel­ler Soft­ware ernst nimmt, Hard­ware nicht ver­schwen­det und einen fai­ren Preis aufruft.

Der AKM4493SEQ-DAC lie­fert. Roon Rea­dy ist kein Mar­ke­ting-Ver­spre­chen. Der para­me­tri­sche EQ macht ihn zur voll­wer­ti­gen Vor­stu­fe. Das Öko­sys­tem funk­tio­niert. Und die öffent­li­che Road­map zeigt, dass WiiM nicht plant, mor­gen zu verschwinden.

Im Hör­test über­zeugt er auf gan­zer Linie — mit dem ehr­li­chen Hin­weis, dass er bei extre­mer Kom­ple­xi­tät an sei­ne phy­si­ka­li­schen Gren­zen stößt. Das ist kei­ne Kri­tik, das ist Phy­sik. Und wer nicht A/B‑vergleicht, wird es ohne­hin nicht bemerken.

9.6 von 10 Punk­ten. Der Punkt Abzug ist der ein­zi­ge Hin­weis dar­auf, dass hier noch Luft nach oben exis­tiert — und der kos­tet deut­lich mehr als 189€.

189€. Roon Rea­dy. AKM4493SEQ. Para­me­tri­scher EQ. Funk­tio­nie­ren­des Mul­ti­room. Wer danach noch Sonos kauft, hat ent­we­der nicht zuge­hört — oder zu viel Geld.

Aus­stat­tung
10
Strea­ming-Diens­te
10
Bedie­nung
9.5
Hör­ein­druck
9
tol­ler Klang
klas­se Bedienung
9.6
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