Der Cayin HA-1A Mk3 ist die dritte Generation von Cayins kleinstem stationären Röhren-Kopfhörerverstärker. Zwei EL84 in Single-Ended Class A, eigens entwickelte Ausgangsübertrager, alles Punkt-zu-Punkt von Hand verdrahtet, dazu ein Vorverstärkerausgang für Aktivlautsprecher. Preis: 1.298 Euro. Klingt nach Nische. Ist es auch. Aber eine ziemlich spannende.
Wer Cayin ist und wo der HA-1A herkommt
Cayin baut seit 1993 Röhrenverstärker und sitzt im südchinesischen Zhuhai. Neben Vollverstärkern, CD-Playern und Wandlern ist die Marke inzwischen auch bei mobilen Playern eine feste Größe. Die HA-Serie ist Cayins stationäre Kopfhörerschiene, und der HA-1A war dort schon immer der Einstieg. Daran ändert sich nichts: Der Cayin HA-1A Mk3 ist das Einstiegsmodell der HA-Serie. Über ihm liegen HA-2A, HA-3A, HA-6A MK2 und als Flaggschiff der HA-300 MK3.
Cayin selbst verkauft das Ding im Pressetext als “Röhrensound zum günstigen Preis”. Günstig ist relativ. Gemeint ist günstig für einen reinen Röhrenamp mit Übertragern aus eigener Entwicklung. Für 1.298 Euro gibt es natürlich auch Transistor-Kisten, die messtechnisch in einer ganz anderen Liga spielen. Darum geht es hier aber nicht.
Konzept: Schreibtisch-Röhre mit Zweitjob
Der Cayin HA-1A Mk3 ist kein All-in-One. Kein DAC, kein Bluetooth, kein Streaming. Analog rein, analog raus. Wer ihn betreibt, braucht einen Wandler oder eine andere Line-Quelle davor. Auf der Rückseite gibt es zwei Cinch-Eingänge, umgeschaltet wird an der Front. Daneben sitzt ein Cinch-Vorverstärkerausgang, über den das Teil Aktivlautsprecher oder eine Endstufe ansteuert. Kopfhörer vorne, Monitore hinten, ein Lautstärkeregler für beides. Für den Schreibtisch ist das ein ziemlich schlüssiges Setup.
Die Kiste braucht 240 × 240 mm Stellfläche und passt damit auch auf Tische, auf denen schon Monitor, Tastatur und Kaffeetasse stehen. Leicht ist sie trotzdem nicht: 140 mm hoch und 8,8 kg schwer. Und die Röhren stehen offen. Die wollen Luft nach oben, ein enges Regalfach ist also keine gute Idee.
Röhre kurz erklärt: Was da eigentlich arbeitet
Wer sonst eher mit Transistoren zu tun hat, sollte sich die Schaltung kurz anschauen. Im Cayin HA-1A Mk3 arbeiten vier Röhren. Zwei JJ 12AU7, europäisch ECC82 genannt, kümmern sich um die Spannungsverstärkung. Das sind kleine Doppeltrioden, die das Line-Signal so weit anheben, dass es die Endstufe ansteuern kann. Die eigentliche Arbeit machen zwei Electro-Harmonix EL84EH, auch als 6BQ5 bekannt. Die EL84 ist eine Leistungspentode, die man aus unzähligen Gitarrenverstärkern und kleinen Röhrenvollverstärkern kennt. Weit verbreitet, gut verstanden, gut zu bekommen. Kein Exot.
Single-Ended Class A bedeutet: Pro Kanal verstärkt genau eine Endröhre die komplette Wellenform, und sie leitet dabei ständig, auch ohne Signal. Das Gegenmodell ist Push-Pull, dort teilen sich zwei Röhren die Halbwellen. Single-Ended ist simpel aufgebaut und hat einen typischen Klirrcharakter, bei dem die zweite Harmonische dominiert. Genau das beschreiben viele als “Röhrenwärme”. Technisch ist das Verzerrung, gehörmäßig empfinden es viele als angenehm. Man kauft so ein Teil also nicht wegen Neutralität, sondern wegen einer bestimmten Färbung. Klare Sache, das darf man auch so sagen.
Class A ist grundsätzlich ineffizient, mit Röhre genauso wie mit Transistor. Der Cayin zieht laut Datenblatt bis zu 60 W aus der Steckdose, um am Ende ein paar Watt am Kopfhörer abzuliefern. Auf der Transistorseite sieht das nicht anders aus. Der Burson Soloist Stellar Max läuft mit 50 W Idle-Bias, um 8 W an den Kopfhörer zu bringen. Neu ist das Thema also nicht. Bei Röhren kommt nur noch die Heizung der Kathoden dazu.
Bleibt der Ausgangsübertrager. Röhren arbeiten mit hoher Spannung und wenig Strom, Kopfhörer wollen es eher andersrum. Der Übertrager übersetzt zwischen beiden Welten. Bei Single-Ended muss er außerdem Gleichstrom verkraften und braucht dafür einen Luftspalt und viel Eisen. Daher kommt ein guter Teil der 8,8 kg. Laut Cayin wurden die Übertrager speziell für dieses Modell entwickelt. Die Alternative wäre OTL, also ganz ohne Übertrager. Das läuft gut mit hochohmigen Kopfhörern, wird bei niederohmigen Planaren aber schnell eng. Mit Übertrager ist man bei der Kopfhörerwahl deutlich freier.



Technik: Die Zahlen und was sie bedeuten
Die Leistungsangaben klingen erstmal nach viel. Cayin nennt 2.500 mW pro Kanal am 6,35-mm-Ausgang und 2.800 mW am 4‑Pin-XLR. Da lohnt ein Blick ins Kleingedruckte. Der Klirrfaktor liegt laut Datenblatt bei 0,3 % bei 1 kHz und 200 mW, bei Nennleistung sind es bis zu 5 %. Die 2,8 Watt gelten also bei einem Klirrwert, den niemand dauerhaft hören will. An welcher Last gemessen wurde, steht auch nicht dabei. In der Praxis ist das halb so wild. Die meisten Kopfhörer kommen für laute Pegel mit einem Bruchteil davon aus, wirklich interessant wird die Reserve nur bei zähen Planaren. Wie viel der eigene Kopfhörer tatsächlich braucht, rechnet unser Wattrechner in ein paar Sekunden aus.
Beim Frequenzgang nennt Cayin 20 Hz bis 24 kHz bei ±3 dB. Das ist eine sehr großzügige Toleranz, Transistorverstärker liegen hier typischerweise im Zehntel-dB-Bereich. Für den Vorgänger wurde noch ein deutlich breiterer Frequenzgang angegeben. Ob das an den neuen Übertragern liegt oder einfach anders gemessen wurde, lässt sich ohne eigene Messung nicht sagen.
Der Rauschabstand am Kopfhörerausgang liegt laut Hersteller bei 110 dB, A‑bewertet. Für einen Röhrenamp ist das ein starker Wert, und Cayin betont ihn ausdrücklich für sehr empfindliche Kopfhörer. Erreichen soll der Cayin HA-1A Mk3 das über seine Stromversorgung. Spannungs- und Leistungsstufe werden getrennt gespeist, die Endstufe hängt an einer hochspannungsregulierten Versorgung, und zwischen den Funktionsbereichen sitzen interne Abschirmungen. Ob es mit richtig empfindlichen In-Ears wirklich still bleibt, muss man nachhören.
Für den Vorverstärkerausgang gibt Cayin 9 dB Verstärkung, maximal 5 V und 2 kOhm Ausgangsimpedanz an. Die 2 kOhm sind für Röhren normal. Für lange Kabel oder niederohmige Endstufeneingänge sind sie nicht ideal. Bei Aktivmonitoren am Schreibtisch mit kurzen Strippen: kein Drama.
Dazu kommen ein paar Details für den Alltag. Nach dem Einschalten bleiben die Ausgänge etwa 50 Sekunden stumm, bis die Röhren stabil laufen. Das schützt Kopfhörer und Hochtöner vor Einschaltknacksern. Außerdem liegt ein Schutzkäfig für die Röhren bei. Den will man haben, wenn Kinder, Katzen oder unvorsichtige Hände in der Nähe sind, denn die EL84 wird richtig heiß.


Technische Daten des Cayin HA-1A Mk3
| Merkmal | Herstellerangabe |
|---|---|
| Gerätetyp | Röhren-Kopfhörerverstärker und Vorverstärker |
| Schaltung | Single-Ended Class A |
| Röhrenbestückung | 2 × JJ 12AU7/ECC82, 2 × Electro-Harmonix EL84EH/6BQ5 |
| Ausgangsleistung 6,35 mm | 2.500 mW + 2.500 mW |
| Ausgangsleistung 4‑Pin-XLR | 2.800 mW + 2.800 mW |
| Klirrfaktor | 0,3 % (1 kHz, 200 mW), bis 5 % bei Nennleistung |
| Frequenzgang | 20 Hz – 24 kHz (±3 dB) |
| Rauschabstand Kopfhörer | 110 dB (A‑bewertet) |
| Eingangsempfindlichkeit | 1.200 – 2.000 mV |
| Impedanzanpassung | Low: 8 – 150 Ohm, High: 151 – 600 Ohm |
| Preamp Gain / max. Spannung | 9 dB / 5 V |
| Preamp Klirr / Rauschabstand | 0,1 % bei 2 V RMS / 105 dB (A) |
| Preamp Ausgangsimpedanz | 2,0 kOhm |
| Eingänge | 2 × Cinch (RCA) |
| Ausgänge | 6,35 mm, 4‑Pin-XLR, Cinch Pre-Out |
| Leistungsaufnahme | max. 60 W |
| Abmessungen | 240 × 240 × 140 mm |
| Gewicht | 8,8 kg |
| Farben | Silber, Mattschwarz |
Was sich gegenüber dem Mk2 ändert
Das Grundrezept aus 12AU7 und EL84 hatte schon der Vorgänger, der Cayin HA-1A Mk2. Bei ihm kam aber noch eine fünfte Röhre dazu: eine 12DT5 in der Stromversorgung, die inzwischen nur noch schwer zu bekommen ist. Dass sie im Cayin HA-1A Mk3 fehlt, dürfte Besitzern eher Stress ersparen. Wie die Hochspannungsregelung jetzt im Detail aufgebaut ist, verrät Cayin nicht.
Auch bei den Ausgängen hat sich einiges getan. Der Mk2 bot eine fünfstufige Impedanzwahl und zwei 6,35-mm-Buchsen mit unterschiedlicher Abstimmung. Beim Mk3 bleiben zwei Stufen: Low für 8 bis 150 Ohm und High für 151 bis 600 Ohm. Die zweite Klinke ist einem 4‑Pin-XLR-Ausgang gewichen. Weniger Feintuning, dafür ein Anschluss, den heute viele Kopfhörerkabel mitbringen. Die Holzoptik ist weg, stattdessen gibt es silberne oder mattschwarze Fronten. Und das Gehäuse ist kompakter geworden.
Der XLR-Ausgang: symmetrisch, aber anders
Cayin nennt den 4‑Pin-XLR einen symmetrischen Ausgang. Das stimmt, aber in einem bestimmten Sinn. Die Verstärkerschaltung selbst ist Single-Ended und nicht differenziell aufgebaut, wie man das von vollsymmetrischen Transistor-Amps kennt. Die Sekundärwicklung eines Ausgangsübertragers ist aber erdfrei. Dadurch lassen sich linker und rechter Kanal mit getrennter Masse zum Kopfhörer führen, ohne dass pro Kanal zwei Verstärkerzüge nötig sind. Das ist technisch sauber und erklärt auch die etwas höhere Leistung am XLR. Wer bei “symmetrisch” doppelte Endstufen erwartet, bekommt die hier nicht. Braucht es für das Konzept aber auch nicht.
Markteinordnung
In Cayins eigener Familie ist die Sache eindeutig. Der HA-2A kostet 1.598 Euro, der HA-6A steht mit 3.498 Euro UVP in der Liste. Der Cayin HA-1A Mk3 ist damit der günstigste Weg in Cayins stationäre Röhrenwelt.
Nach unten ist der Feliks Audio Echo MkII aus Polen die naheliegende Alternative. Er liegt bei rund 900 Euro, ist aber ein OTL-Verstärker mit deutlich weniger Leistung und klar auf hochohmige Kopfhörer ausgelegt. Mit HD 600 oder HD 650 ist man dort gut aufgehoben. Wer zwischen Planaren und Dynamischen wechselt, hat mit dem Übertragerkonzept des Cayin die flexiblere Basis.
Spannender ist der Blick auf die Transistorseite. Der Burson Soloist Stellar kostet in der Standardversion 1.600 Euro und liefert bis zu 8 W in Class A, allerdings diskret mit Transistoren. Das ist ein völlig anderer Ansatz: mehr Kontrolle, mehr Leistung, deutlich weniger Eigenklang. Beim Cayin HA-1A Mk3 ist der Eigenklang dagegen genau das, was man kauft. Wer zwischen beiden wählt, wählt eigentlich zwischen zwei Philosophien.
Die Kiste richtet sich an Leute, die bewusst Röhrencharakter wollen, schon einen separaten Wandler haben und Kopfhörer und Aktivmonitore gern über ein Gerät laufen lassen.


Preis und Verfügbarkeit
In China ist der Cayin HA-1A Mk3 seit dem 9. September 2026 erhältlich, in Deutschland ist er laut Hersteller ab sofort zu haben. Es gibt zwei Varianten, der Röhrenkäfig ist jeweils dabei.
- Silberne Front: 1.298 Euro
- Mattschwarze Front: 1.298 Euro
Ersatzröhren sind kein teures Thema. Eine 12AU7 bietet Cayin selbst für 26 Euro an.
Fazit: Röhre mit Ansage
Der Cayin HA-1A Mk3 ist nichts für Datenblatt-Jäger, und das zeigt Cayin mit 5 % Klirr bei Nennleistung und ±3 dB Frequenzgang auch ziemlich offen. Er ist ein ehrlicher Single-Ended-Röhrenamp mit durchdachter Ausstattung. Übertrager statt OTL, zwei Impedanzstufen, XLR, Pre-Out und ein Gehäuse, das auf einen normalen Schreibtisch passt. Für 1.298 Euro ist das innerhalb der Röhrenwelt eine faire Ansage.
Ein paar Fragen bleiben offen. Wie ruhig ist der Hintergrund an empfindlichen Kopfhörern wirklich? Wie stark färben die neuen Übertrager? Und wie groß ist der Unterschied zwischen Low und High am selben Hörer? Ein Testgerät ist angefragt. Dran bleiben.
Wer eher Class-A-Power ohne Röhre sucht, findet hier unseren Test zum Burson Soloist Stellar Max.
FAQ zum Cayin HA-1A Mk3
Was kostet der Cayin HA-1A Mk3?
Er kostet 1.298 Euro inklusive Mehrwertsteuer, egal ob mit silberner oder mattschwarzer Front.
Welche Röhren stecken im Cayin HA-1A Mk3?
Zwei JJ 12AU7/ECC82 für die Spannungsverstärkung und zwei Electro-Harmonix EL84EH/6BQ5 als Endröhren in Single-Ended Class A.
Hat der Verstärker einen eingebauten DAC?
Nein. Er arbeitet rein analog und braucht einen externen Wandler oder eine andere Line-Quelle.
Ist der XLR-Ausgang vollsymmetrisch?
Nicht im Sinne einer differenziellen Verstärkerschaltung. Der 4‑Pin-XLR nutzt die erdfreie Übertragerwicklung, um beide Kanäle mit getrennter Masse zum Kopfhörer zu führen.
Welche Kopfhörer lassen sich betreiben?
Laut Cayin Modelle von 8 bis 600 Ohm, aufgeteilt auf die Stufen Low (8 bis 150 Ohm) und High (151 bis 600 Ohm). Dank Übertrager funktionieren Planare genauso wie hochohmige Dynamische.
Kann man ihn als Vorverstärker nutzen?
Ja. Über den Cinch-Vorverstärkerausgang steuert er Aktivlautsprecher oder eine Endstufe an, mit 9 dB Verstärkung und maximal 5 V.
Wie lange halten die Röhren?
Endröhren wie die EL84 halten typischerweise einige tausend Betriebsstunden, Vorstufenröhren wie die 12AU7 meist deutlich länger. Ersatz ist günstig und gut zu bekommen.
