Paywall-Vorhängeschloss – Symbol für Pure Neos Bezahlschranke vor Hi-Fi-Wissen

Pure Neo will unser Hobby einzäunen – und wir sollen dafür auch noch zahlen

Stell dir vor, jemand kommt in dein Wohn­zim­mer, foto­gra­fiert dei­ne Anla­ge, schreibt sich ab, was du über Jah­re in Foren, Reviews und Kauf­be­ra­tun­gen gelernt hast – und ver­kauft dir anschlie­ßend den Zugang zu genau die­sem Wis­sen zurück. Das ist ver­mut­lich Pure Neo.

Georg, Grün­der der Platt­form, hat sich mehr­fach bei HiFi­Ge­ek gemel­det – vor dem Launch, zum Launch, und jetzt erneut, weil die ers­ten Nach­rich­ten unbe­ant­wor­tet blie­ben. Bemer­kens­wert dabei: Pure Neo ist laut eige­ner Pres­se­mit­tei­lung erst seit dem 15. Sep­tem­ber 2026 offi­zi­ell gestar­tet. Als die Bit­te um Bericht­erstat­tung abge­lehnt wur­de, kam der nächs­te Ver­such: eine Ein­la­dung, als Review­er mit­zu­ma­chen – gegen Gebühr, ver­steht sich. Was dabei auf­fiel, ist mehr als eine Rand­no­tiz. Es ist ein Mus­ter, das jeden tref­fen soll­te, der Hi-Fi als Hob­by und nicht als Kos­ten­stel­le versteht.

Worum es hier wirklich geht

Hi-Fi war nie ein bil­li­ges Hob­by. Kabel, Ver­stär­ker, Laut­spre­cher, Raum­akus­tik – wer hier ein­steigt, gibt ohne­hin schon genug Geld aus. Was das Hob­by trotz­dem zugäng­lich gehal­ten hat, war eine ein­fa­che Sache: Wis­sen war frei. Foren, unab­hän­gi­ge Reviews, offe­ne Her­stel­ler­da­ten­blät­ter, You­Tube-Kanä­le, Com­mu­ni­ty-Tipps – von Enthu­si­as­ten für Enthu­si­as­ten, ohne Bezahl­schran­ke. Wer wis­sen woll­te, ob zwei Kom­po­nen­ten zusam­men­pas­sen, muss­te dafür nicht zah­len. Nur recherchieren.

Pure Neo nimmt genau die­ses frei zugäng­li­che Wis­sen – Her­stel­ler­da­ten, Reviews wie unse­re – packt ein KI-Label drauf und ver­kauft den Zugang dazu zurück an die Sze­ne, aus der es stammt. Nicht als Zusatz­an­ge­bot neben dem frei­en Inter­net. Son­dern als Ersatz dafür, mit dem kla­ren Ziel, dass Nut­zer irgend­wann nicht mehr goo­geln, son­dern zah­len. Selbst die ver­meint­lich per­so­na­li­sier­te Note – die KI kennt dei­ne gespei­cher­te Anla­ge und macht dar­auf abge­stimm­te Emp­feh­lun­gen – ist kein Allein­stel­lungs­merk­mal: Das funk­tio­niert bei jedem x‑beliebigen KI-Chat genau­so, wenn man ihm ein­fach erzählt, was man zuhau­se ste­hen hat. Kein gespei­cher­tes Pro­fil nötig, kei­ne Daten­bank dahin­ter, ein­fach nur die eige­ne Anla­ge in den Chat tippen.

"What is Pure Neo?" - von pure-neo.io Startseite
"Do you cover home theater?"  – von pure-neo.io Startseite

Die Pure-Neo-Rechnung, die du zahlen sollst

Schau­en wir uns an, was das kon­kret bedeu­tet – für jeden, der in die­sem Hob­by steckt:

  • Als Kon­su­ment zahlst du laut Preis­über­sicht 8,90 $ bis 59 $ im Monat, nur um eine Daten­bank zu durch­su­chen, die zu wesent­li­chen Tei­len aus öffent­li­chen Her­stel­ler­da­ten besteht – Infor­ma­tio­nen, die bis­her kos­ten­los auf jeder Her­stel­ler-Web­site standen.
  • Als Mar­ke, Dis­tri­bu­tor oder Händ­ler zahlst du ab 99 $ im Monat, um in einer Daten­bank sicht­bar zu sein, die aus dei­nen eige­nen, öffent­lich ver­füg­ba­ren Pro­dukt­da­ten gebaut wurde.
  • Als Review­er – als jemand, der die eigent­li­che Sub­stanz lie­fert, auf der das gan­ze Geschäfts­mo­dell auf­baut – zahlst du zusätz­lich 10 $ im Monat “Review­er-Add-on”, nur damit dein eige­ner, unbe­zahlt erstell­ter Con­tent ver­linkt wird. Ein­zi­ge Aus­nah­me: im teu­ers­ten Tarif (59 $) ist es ein­ge­preist. Du zahlst so oder so.
Pure Neo Preismodell für Manufacturer, Distributor, Dealer und Consumer im Vergleich

Und dann kommt die Kaskade für die Industrie

Denkst du, die 99 $ für Her­stel­ler sind schon hap­pig? Das war nur der Ein­stieg. Die Preis­über­sicht zeigt für Her­stel­ler, Dis­tri­bu­to­ren und Händ­ler jeweils eige­ne, sepa­ra­te Tari­fe – gestaf­felt nach Kata­log­um­fang, von 99 $ bis 990 $ im Monat.

Und selbst hier bleibt Pure Neo eine Erklä­rung schul­dig: Ein Pos­ten namens “AI Visi­bi­li­ty Report” trägt in allen drei Busi­ness-Kate­go­rien ein Stern­chen – ohne dass irgend­wo auf der gesam­ten Preis­sei­te eine Fuß­no­te erklärt, wofür die­ses Stern­chen steht. Eine Platt­form, die Her­stel­lern ver­spricht, sie trans­pa­ren­ter gegen­über KI-Model­len zu machen, schafft es nicht ein­mal, ihre eige­ne Preis­lis­te trans­pa­rent zu halten.

Der Trick mit dem KI-Etikett

Die zen­tra­le Behaup­tung von Pure Neo: Ihr KI-Assis­tent sei bes­ser, weil er sich aus­schließ­lich auf Hi-Fi-Daten stützt. Das ist Mar­ke­ting, kei­ne Inno­va­ti­on. Jede aktu­el­le KI kann heu­te schon genau die­sel­ben öffent­li­chen Her­stel­ler­da­ten und Reviews durch­su­chen – inklu­si­ve unse­rer eige­nen, frei zugäng­li­chen Inhal­te. Es gibt kein eige­nes trai­nier­tes Modell dahin­ter, kei­ne exklu­si­ven Inhal­te. Tech­nisch läuft es ver­mut­lich so: Bei jeder Anfra­ge durch­sucht die Platt­form ihre eige­ne Daten­bank nach pas­sen­den Ein­trä­gen und reicht die­se Tref­fer als Kon­text an das jewei­li­ge KI-Modell wei­ter – ein Stan­dard­ver­fah­ren, das kei­ne eige­ne Modell-Ent­wick­lung erfor­dert. Nur eine Daten­bank plus Chat-Ober­flä­che vor den­sel­ben Model­len, die man auch direkt bei den jewei­li­gen Anbie­tern bekommt – man­che davon mit kos­ten­lo­sem Basis-Zugang, man­che, wie wir gleich sehen wer­den, alles ande­re als günstig.

15 KI Modelle die sich aus der Datenbank bedienen

Und selbst die im Abo ent­hal­te­nen Cre­dits sind nicht das, wonach sie klin­gen. Die Preis­sei­te ver­spricht “25.000 AI cre­dits for hea­vy use” im teu­ers­ten Tarif – was ver­schwie­gen wird: Je nach gewähl­tem KI-Modell schmilzt die­ses Gut­ha­ben unter­schied­lich schnell. Im Modell-Aus­wahl­me­nü der Platt­form sind eini­ge Pre­mi­um-Model­le expli­zit als “Dan­ger Zone” mar­kiert, mit einem Ver­brauch von bis zu 750.000 Cre­dits pro 1 Mil­li­on Token. Ein ein­zi­ger anspruchs­vol­ler Chat mit einem die­ser Model­le kann damit einen Groß­teil des monat­li­chen Kon­tin­gents auf­fres­sen. Von “all-inclu­si­ve” kann also kei­ne Rede sein – eher von einem Pre­paid-Gut­ha­ben, bei dem die Fein­schrift ent­schei­det, wie weit das Geld tat­säch­lich reicht.

Du brauchst das nicht. Frag ChatGPT, Clau­de oder Gemi­ni dei­ner Wahl direkt – kos­ten­los tau­chen dort die­sel­ben Reviews auf, weil sie frei im Netz ste­hen. Nie­mand muss dafür extra bezah­len, weder du noch wir als Review­er. Und selbst das bekommst du ohne jede Garan­tie: Auch Pure Neos eige­ner Assis­tent warnt im Klein­ge­druck­ten, dass KI Feh­ler macht und Ant­wor­ten selbst geprüft wer­den müs­sen. Du zahlst also nicht für Sicher­heit oder Ver­läss­lich­keit, son­dern für die­sel­be unver­bind­li­che Ein­schät­zung, die du auch kos­ten­los bekommst. Oder schau ein­fach ganz klas­sisch selbst nach: in unse­ren Test­be­rich­ten wie der Omne-Audio-Hen­de­ka-Review, oder auf unse­rem You­Tube-Kanal – ganz kos­ten­los, ohne Abo, ohne Review­er-Add-on. Wer trotz­dem über­legt, ob sich ein Pure-Neo-Abo lohnt, soll­te sich ehr­lich fra­gen: Was bekom­me ich hier, das ich nicht auch kos­ten­los bekom­me? Eine über­zeu­gen­de Ant­wort lie­fert die Platt­form nicht.

Unklar bleibt außer­dem, wie die Busi­ness-Suite-Zah­lun­gen von Her­stel­lern und die KI-Emp­feh­lun­gen für Kon­su­men­ten zuein­an­der ste­hen. Die Platt­form sam­melt laut eige­ner Beschrei­bung Nut­zer­da­ten – Besitz, Wunsch­lis­te, Raum, Prä­fe­ren­zen – um Emp­feh­lun­gen zu per­so­na­li­sie­ren. Ob und wie die Zah­lungs­be­reit­schaft eines Her­stel­lers die Sicht­bar­keit sei­ner Pro­duk­te in genau die­sen Emp­feh­lun­gen beein­flusst, äußert sich Pure Neo nirgends.

Wenn selbst Pure Neos Rechenweg intransparent bleibt

Selbst dort, wo Pure Neo vor­gibt, Her­stel­lern ech­ten Mehr­wert zu bie­ten – dem “AI Rea­di­ness Check” –, wird es intrans­pa­rent. Auf der Mar­ke­ting-Sei­te steht nur “ein bezahl­ter Report”. Im tat­säch­li­chen Kon­fi­gu­ra­tor sieht die Rech­nung so aus:

  • Stan­dard-Scan: ab 3.615 $ Einstiegspreis
  • Max-Scan: bereits 5.921 $ Basispreis
  • Jede Kon­kur­renz­mar­ke wird wie eine kom­plet­te Zweit­ana­ly­se abge­rech­net – zwei Wett­be­wer­ber kos­ten wei­te­re 6.562 $
  • Schon eine über­schau­ba­re Kon­fi­gu­ra­ti­on kos­tet über 12.000 $ für einen ein­zi­gen auto­ma­ti­sier­ten Report – zusam­men­ge­klickt in weni­gen Minu­ten, gelie­fert in 2 bis 3 Werk­ta­gen. Nach oben gibt es dabei erkenn­bar kei­ne Gren­ze: Jeder wei­te­re Wett­be­wer­ber, jede wei­te­re Pro­dukt­ka­te­go­rie treibt den Preis zusätz­lich hoch

Zum Ver­gleich: Lau­fen­de AI-Visi­bi­li­ty-Moni­to­ring-Tools kos­ten am Markt oft nur 99 bis 899 $ im Monat. Erst umfas­sen­de Agen­tur-Pake­te mit ech­ter mensch­li­cher Bera­tung bewe­gen sich in Rich­tung 10.000 bis 20.000 $ – dort kauft man dann aber tat­säch­li­che Ana­ly­se- und Stra­te­gie­ar­beit, kei­nen auto­ma­ti­sier­ten Prompt-Scan. Pure Neo ver­langt Agen­tur-Prei­se für ein SaaS-Pro­dukt. In einem Markt, der laut eige­ner Beob­ach­tung noch kei­ne ver­läss­li­chen Preis­stan­dards kennt, ist das kei­ne Kal­ku­la­ti­on. Das ist Gold­grä­ber­stim­mung mit Rechnung.

Pure Neos Reviewer-Add-on: der eigentliche Skandal

Wer hier am unver­fro­rensten behan­delt wird, sind Review­er. Die eige­ne Beschrei­bung für Review­er ver­spricht: Qua­li­tät schlägt Popu­la­ri­tät, Reviews wer­den direkt neben den Pro­dukt­spe­zi­fi­ka­tio­nen ver­linkt, Traf­fic und Aner­ken­nung blei­ben beim Review­er. Klingt fair – bis man merkt, dass für genau die­sen “Deal” 10 $ im Monat fäl­lig werden.

"Reviewers"-Teaser-Text – von pure-neo.io Startseite oder pure-neo.io/for-reviewers

Wir lie­fern den Con­tent, der die Daten­bank für zah­len­de Kon­su­men­ten über­haupt erst attrak­tiv macht. Und sol­len dafür, dass unser eige­ner, unbe­zahlt erstell­ter Inhalt refe­ren­ziert wird, selbst zah­len. Kei­ne Umsatz­be­tei­li­gung, kein Hono­rar. Nur ein Link, des­sen Wert unklar bleibt, solan­ge die Platt­form kei­ne Nut­zer­zah­len und kei­nen Track Record vor­wei­sen kann. Schlim­mer noch: Inhal­te hin­ter Pay­walls wer­den von Such­ma­schi­nen ten­den­zi­ell schlech­ter erschlos­sen als frei zugäng­li­che Sei­ten. Ein Link von Pure Neo bringt uns in der Pra­xis oft weni­ger als unser eige­ner, offe­ner Auftritt.

Be the wave”

Don’t get run over by the wave. Be the wave” – so bringt Grün­der Georg S. Kuklick die Bot­schaft in der eige­nen Pres­se­mit­tei­lung auf den Punkt. Das ist kei­ne Beschrei­bung der Rea­li­tät. Das ist Angst­mar­ke­ting. KI-Such­as­sis­ten­ten ver­än­dern, wie Men­schen recher­chie­ren – kei­ne Fra­ge. Aber sie sind nicht die ein­zi­ge Traf­fic-Quel­le, die es gibt. Wer sei­ne Leser über Social Media, News­let­ter oder Video aktiv bin­det, statt sich allein auf orga­ni­sche Suche zu ver­las­sen, bleibt von die­ser Ver­schie­bung deut­lich unab­hän­gi­ger, als Georgs Kri­sen-Nar­ra­tiv suggeriert.

Und es gibt einen selbst­be­gren­zen­den Effekt, den Pure Neo offen­bar nicht bedacht hat: Model­le, die unab­hän­gi­ge Review­er nicht am Wert ihrer eige­nen Arbeit betei­li­gen, unter­gra­ben genau die Quel­le, von der sie leben. Wenn genug von uns sich ver­wei­gern, bleibt für Platt­for­men wie die­se am Ende weni­ger sub­stan­zi­el­les Mate­ri­al übrig – nicht mehr. Der deut­sche und öster­rei­chi­sche Hi-Fi-Mit­tel­stand ist zum Glück kon­ser­va­tiv, nicht eupho­risch. Wer abwar­tet, ob so eine Platt­form über­haupt trägt, bevor er zahlt, bremst genau die­se Gold­grä­ber-Dyna­mik zusätz­lich aus.

Was passiert, wenn so eine Plattform tatsächlich gewinnt

An die­ser Stel­le lohnt sich ein Gedan­ken­ex­pe­ri­ment, nicht mehr, nicht weni­ger – nie­man­dem wird hier etwas unter­stellt, was heu­te nach­weis­bar pas­siert. Aber die Fra­ge ist erlaubt: Was, wenn Pure Neo genau das erreicht, was sie anstre­ben, und zur zen­tra­len Anlauf­stel­le für die gan­ze Bran­che wird?

Wir wis­sen aus ande­ren Berei­chen, wie das läuft. Goog­le ver­dient enorm dar­an, dass es die Suche domi­niert – wer oben ste­hen will, zahlt für Wer­be­plät­ze, wer nicht zahlt, taucht bes­ten­falls wei­ter unten auf. Bei einer klas­si­schen Goog­le-Suche kann ich als Nut­zer aber noch selbst gegen­steu­ern: kri­ti­scher nach­fra­gen, wei­ter­blät­tern, eine ande­re Such­ma­schi­ne neh­men, das Ergeb­nis mit eige­nem Wis­sen abgleichen.

Bei einer KI, die mir direkt eine fer­ti­ge Kauf­emp­feh­lung aus­spricht, fällt genau die­ser Kon­troll­me­cha­nis­mus größ­ten­teils weg. Und wie wei­ter oben bereits erklärt: Die Platt­form ent­schei­det selbst, wel­che Daten­bank-Ein­trä­ge sie der KI vor mei­ner Fra­ge über­haupt vor­legt. Wenn die­se Aus­wahl irgend­wann stark genug von Zah­lungs­be­reit­schaft gesteu­ert wür­de, gin­ge es dabei nicht um Review­er-Sicht­bar­keit, son­dern um etwas Grund­le­gen­de­res: Ob mir als Käu­fer sub­til bestimm­te Pro­duk­te als beson­ders pas­send, als “bes­te Kom­bi­na­ti­on” für mein Set­up ver­kauft wer­den – nicht weil sie es unab­hän­gig betrach­tet tat­säch­lich sind, son­dern weil der Her­stel­ler dahin­ter mehr Flä­che, mehr Dar­stel­lung, mehr Gewicht in der Emp­feh­lung bezahlt hat. Das bräuch­te dafür nicht ein­mal offe­ne Zen­sur oder ver­fälsch­te Fak­ten. Es wür­de rei­chen, bei ansons­ten gleich­wer­ti­gen Optio­nen die bezahl­te etwas häu­fi­ger, etwas über­zeu­gen­der, etwas pas­sen­der klin­gend zu prä­sen­tie­ren – und der Käu­fer hät­te kei­ne Mög­lich­keit zu erken­nen, dass die ver­meint­lich objek­ti­ve Emp­feh­lung gar nicht unab­hän­gig zustan­de kam.

Ob das heu­te pas­siert, weiß ich nicht, und ich will es nie­man­dem unter­stel­len. Aber die Mög­lich­keit dazu besteht struk­tu­rell, sobald eine ein­zi­ge Platt­form genug Markt­macht hat. Und genau das ist für mich der eigent­li­che Grund, war­um ich mir wün­sche, dass so ein Modell eben nicht domi­nant wird – nicht weil ich Georg per­sön­lich etwas Böses unter­stel­le, son­dern weil ich nicht will, dass irgend­je­mand, wer auch immer das am Ende ist, die­se Mög­lich­keit über­haupt erst in der Hand hält.

Was du tun solltest

Recht­lich mag an die­sem Modell vie­les zuläs­sig sein – das ist an die­ser Stel­le kei­ne Rechts­be­ra­tung, nur eine jour­na­lis­ti­sche Ein­ord­nung der Aus­gangs­la­ge. Rei­ne tech­ni­sche Fak­ten sind urhe­ber­recht­lich kaum schütz­bar, das Sam­meln und Ver­kau­fen öffent­li­cher Daten ist ein Geschäfts­mo­dell, das auch ande­re Bran­chen ken­nen. Unklar bleibt sogar, ob Pure Neo sei­ne 28.000 Pro­dukt­da­ten­sät­ze über ech­te Her­stel­ler­part­ner­schaf­ten oder durch Scra­ping ohne Erlaub­nis zusam­men­ge­tra­gen hat – die Platt­form sagt dazu kein Wort. Aber legal ist nicht das­sel­be wie fair. Nur weil etwas nicht ver­bo­ten ist, heißt das nicht, dass die Sze­ne sich Pure Neo gefal­len las­sen muss.

Nutzt wei­ter offe­ne Foren. Lest unab­hän­gi­ge Reviews da, wo sie kos­ten­los ste­hen. Fragt eure KI direkt, wenn ihr wollt – aber zahlt nie­man­dem dafür, dass er euch Wis­sen zurück­ver­kauft, das immer schon euch gehört hat. Und wenn ihr selbst Reviews schreibt oder Pro­duk­te lis­tet: Lasst euch nicht ein­re­den, dass ihr für eure eige­ne Sicht­bar­keit zah­len müsst. Das ist kein Review­er-Pro­gramm. Das ist eine wei­te­re Zahl­stu­fe, ver­klei­det als Chance.

Redak­tio­nel­ler Hin­weis: Wir haben Pure Neo um eine Stel­lung­nah­me zu den hier genann­ten Punk­ten gebe­ten. Bei Ant­wort­ein­gang ergän­zen wir den Arti­kel entsprechend.

Zieht man die KI-Buz­zwords ab, bleibt ein alt­ba­cke­nes SaaS-Modell übrig – gestaf­fel­te Tari­fe, ein Busi­ness-Upsell, ein Zusatz­pro­dukt fürs schlech­te Gewis­sen der Mar­ken. Nichts davon ist neu. Neu ist nur, auf wes­sen Rücken es dies­mal auf­ge­baut wur­de: unserem.

Und tech­nisch ist das, ehr­lich gesagt, auch kei­ne gro­ße Kunst. Eine Daten­bank aus öffent­li­chen Her­stel­ler­sei­ten zusam­men­craw­len, die Tref­fer an ein KI-Modell wei­ter­rei­chen, das Gan­ze in Cre­dits abrech­nen – jeder ein­zel­ne Bau­stein davon ist 2026 Stan­dard-Hand­werk, dafür gibt es längst fer­ti­ge Werk­zeu­ge und Vor­la­gen. Weder das Craw­len der Pro­dukt­da­ten noch die KI-Anbin­dung selbst sind eine beson­de­re Leis­tung, die einen Pre­mi­um-Preis recht­fer­ti­gen wür­de. Wirkt eher wie eine Blau­pau­se – so ver­kauft man 2026 eben KI: Daten­bank plus Chat-Ober­flä­che plus Bezahl­schran­ke, egal in wel­cher Branche.

Was dabei offen­bleibt: Bei über 28.000 auto­ma­ti­siert zusam­men­ge­tra­ge­nen Pro­duk­ten und 109.000 Spe­zi­fi­ka­tio­nen erscheint es unwahr­schein­lich, dass jeder ein­zel­ne Wert manu­ell geprüft wur­de – bei die­ser Men­ge ist eine lücken­lo­se Vali­die­rung kaum prak­ti­ka­bel. Wie akku­rat die Daten­bank tat­säch­lich ist, lässt sich von außen nicht beur­tei­len, ist aber genau die Grund­la­ge, auf der die KI-Emp­feh­lun­gen fußen.

Mein Ein­druck, aus­drück­lich als Ein­druck mar­kiert, kei­ne beleg­te Tat­sa­che über Absich­ten: Hier wur­de ein KI-Start­up aus dem Boden gestampft, das mit allen Mit­teln ver­sucht, aus mög­lichst vie­len Sei­ten gleich­zei­tig Geld her­aus­zu­ho­len – für eine im Kern mini­ma­le Mitt­ler-Leis­tung, wie oben beschrie­ben. Wer vor­her sehen will, was man für sein Geld tat­säch­lich bekommt, stößt sofort auf eine Bezahl­schran­ke; ein paar Screen­shots und Mar­ke­ting­tex­te sind alles, was es davor zu sehen gibt, und das ist, wie in der gan­zen IT-Bran­che üblich, selbst schon Wer­bung, kei­ne neu­tra­le Infor­ma­ti­on. Über die Kehr­sei­ten des­sen, was ich oben als Gedan­ken­ex­pe­ri­ment durch­ge­spielt habe, scheint dabei nie wirk­lich nach­ge­dacht wor­den zu sein – eine düs­te­re Vor­ah­nung, wie ich sie bei ähn­lich auf­ge­bau­ten Sys­te­men in ande­ren Bran­chen schon erlebt und aus­ge­nutzt gese­hen habe, und genau die Sor­ge, dass die­ses Sys­tem hier eben­so aus­ge­nutzt wer­den könnte.

Ich will Georg damit nichts Böses unter­stel­len – ich glau­be nicht, dass er mit bösen Absich­ten an die Sache her­an­geht. Aber ein Sys­tem, das so auf­ge­baut ist, dass am Ende eine ein­zi­ge Platt­form kon­trol­liert, wel­ches Wis­sen sicht­bar wird und wel­ches nicht, hat für mich in die­sem Hob­by nichts ver­lo­ren. Soll­te so ein Modell sich durch­set­zen, wäre das im schlimms­ten Fall der Tod des frei­en Wis­sens, wie wir es im Inter­net und in die­sem Hob­by bis­her kann­ten – und genau davor habe ich, ganz per­sön­lich, Respekt.

Wei­ter­le­sen bei HiFi­Ge­ek: Unse­re neu­es­ten, unab­hän­gi­gen Test­be­rich­te – ganz kos­ten­los, ohne Pay­wall, ohne Review­er-Add-on: Omne Audio Hen­de­ka im Test · Bur­son Soloist Stel­lar Max im Test · oder schaut auf unse­rem You­Tube-Kanal vor­bei – ganz kostenlos.

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